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Anzeiger für die Stciöt Aulda und den Landkreis Julda

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Freitag, 11. Januar 1929

Nr. 9

Was will Herr von Hoesch in Berlin?

vor-

Die Lage in Jugoslawien.

legenheif zu erwarten.

bedürfe.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher 9k. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Französische Hilfe für den Koni« von EngKind.

। Wie aus Bordeaux gemeldet wird, hat auf Emp- fehlung eines französischen Arztes hin einer der, den das; | Köni Don Engwnd behandelnden Aerzte einen ApparatfranzösischerErfindungzur Behandlung mit Chloroserum und Ozon kommen lassen. Der Erfinder des Apparates selbst begibt sich nach London, um die nötigen Anweisungen zur Bedienung des Apparates geben zu können.

Der deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hoesch, weilt in diesen Tagen in Berlin. Er hat vor seiner Abreise eine Aussprache mit dem fran­zösischen Außenminister Briand'gehabt. Daß er den nächsten Zug benutzte, um nach Berlin zu fahren, hat in der Pariser Presse viel Beachtung und lange Kommentare gefunden. In Berlin hin­gegen stellte man anfänglich die Reise als eine Be­richtsreise hin, wie sie jedesmal nach bestimmten Zeitabständen erfolgt. Welche Bedeutung mag der Reiss nun tatsächlich zukommen?

Die Beantwortung ist nicht schwer. In der Hand des Botschafters von Hoesch haben die sämt­lichen Borverhandlungen über das Sachverständi­gen Komitee gelegen, seitdem im September in dem Genfer Communiqus der sechs Mächte die Einberufung des Sachverständigen - Komitees be­schlossen war. Während dieser ganzen Monate hat der Botschafter aber nicht Gelegenheit gehabt, per« sönlich Dr. Stresemann oder dem Reichskanz­ler über die Einzelheiten dieser Verhandlungen zu berichten. Auch die ausführlichsten schriftlichen Be­richte können aber eine solche persönliche Bericht­erstattung nicht ersetzen. Da nun diese Verhand­lungen abgeschlossen sind, die Ernennung der Sach­verständigen bevorsteht, die Ministerien mit dem Sammeln von Material für die Sachverständigen beschäftigt sind, den Sachverständigen selbst die grundlegenden Richtlinien mitgeteilt werden müs­sen, muß diese persönliche Information durch den Führer der Vorverhandlungen endlich erfolgen. Daß Botschafter von Hoesch auch dem Reichspräsi­denten Vortrag halten wird, ist ein Brauch, der allgemein üblich ist, wenn ein auf auswärtigem Posten tätiger Diplomat nach Berlin kommt.

Völlig daneben gehen jedoch die Pariser Ver­mutungen, als ob der Besuch Hoeschs auch den Zweck habe, die Verhandlungen über die „F e st- stellungs- und Ausgleichskommis, f i o n" einzuleiten. Es mag zwar zutresfen, wenn in der letzten Unterredung des deutschen Botschaf­ters mit Briand diese Frage vom französischen Außenminister angeschnitten worden ist. Für Deutschland liegt gar keine Veranlassung vor, sich zurzeit mit dieser Angelegenheit zu befassen. Wenn Herr von Hoesch, wie das den Anschein hat, in

Demobilisierung in Paraguay.

wtb. Paris, 10. Ian. (Eig. Funkm.). Havas meldet aus Asuncion, daß durch Dekret des Prä­sidenten alle Reserve st reitkrafte demo­bilisiert werden.

* Bauernausschreitungen in Japan. Anläßlich einer Auseinandersetzung in der Frage der Be- Wässerung kam es vor dem Regierungsgebaude in Gifu zu schweren Ausschreitungen. Die Polizei schritt gegen die Manifestanten ein. Ein Kampf entspann'sich, in dessen Verlauf 40 Personen getötet oder verletzt wurden. Aus Tsuruga wur­den Truppen entsandt. Es handelt sich um Be­wässerungsarbeiten im Tale des Flusses Sainm- kowa. die ein großes landwirtschaftliches Erbiet betreffen und gegen die von den Dorfbewohnern Protestkundgebungen veranstaltet wurden.

Eine haltlose Kombination.

Das Wolffsche Telegraphenbüro veröffentlicht eine Notiz des Nachrichtenbüros des Vereins deut­scher Zeitungsverleger über die Regierungsbil­dung. Nach dieser Meldung sei damit zu rechnen, daß die Umbildung der Regierung bereits bei Wiederzusammentritt des Reichstages erfolgt sein werde; die dem Zentrum zufallenden Ministerien werden angegeben und auch die Zentrumsabgeord­neten genannt, die diese Ministerien übernehmen würden.

Es ist bezeichnend, daß man diese Meldung in Berlin nicht verbreitet hat. Man hat sich wohl gesagt, daß man in Berlin zu genau weiß, daß noch keinerlei Verhandlungen stattgefunden haben. Die Zentrumspartei ist jedenfalls an derartigen Verhandlungen bis jetzt nicht beteiligt wwden. Schon daraus ergibt sich, daß die Meldung auf haltlosen Kombinationen beruht.

Der Vorsitzende der Deutschen Zentrumspartei hat am 6. Januar in Rüdesheim die grundsätzliche Bereitwilligkeit des Zentrums zur Großen Koa­lition erklärt, aber gleichzeitig hinzugefügt, daß der Weg zur Großen Koalition von den a n - deren zu ebnen sei.

Paris die Gründe dafür dargelegt hat. warum der letzte Bericht des Reparationsagenten in Deutsch­land so starke Kritik fand und finden mußte, so wird er ebenso wahrscheinlich in Berlin auch über die Auffassung der Pariser amtlichen Kreise hin- sichtlich der Reparationsfrage näheres berichten können. Irgendwelchen weiteren Fragen als der uns auf den Nägeln brennenden Frage der Repa­rationsregelung gilt aber der Besuch des Herrn von Hoesch in Berlin nicht. Diese Fragen werden m Berlin nur ganz nebenbei zur Erörterung ge­langen.

Gilberts Besprechungen.

* Pie Klage der Eisenbahnländer gegen das Reich. Auf die Klagen der früheren Eisenbahn­länder beim Staatsgerichtshof gegen das Reich, worin sie die Zahlung der Zinsen auf das Rest­kaufgeld verlangen, das das Reich den Ländern aus'der Abtretung der Eisenbahnen schuldet, hat lt. „Voss. Ztg." das Reich den Ländern jetzt, mit- geteilt, daß es auf die Einrede der Verjäh­rung der Zinsen, die zum Teil Anlaß zur Einvei- chung der Klage gab, unbeschadet seines Rechts­standpunktes verzichten werde. Voraussichtlich . t , werden die Prozesse trotzdem weitexgehen, da eine wünsche deshalb grundsätzliche Klärung der Frage der Aufwertung ------- , .. - Parker Gilberts ber Restkaufgelder nötig ist. Sachsen hat außer ganz im Hintergründe bleibe. Die Be- ber Auflage auch Klage auf Auszahlung des fprechungen, an denen Parker Gilbert teilnehme, Restkaufaeldes erhoben.

umgebe das strengste Geheimnis. Es sei auch vor- • läufig keine offizielle Mitteilung in dieser Ange-

Tsndenzlöse vergleiche.

Der Staatsstreich des jugoslavischen Königs, die vorläufige Ersetzung des parlamentarischen Re­gimes durch eine Militärdiktatur hat in einem Teile der deutschen Rechtspresse eine Behandlung erfahren, die wieder einmal typisch ist für die Art, wie man dort fremdes Geschehen in parte- ischem Sinne auszuschlachten trachtet. Jede Zeitung kann und muß natürlich ein derartiges Ereignis kommentieren, muß sagen, wie es gekom- men ist und, obgleich das Prophezeien iu politischen Dingen immer eine mißliche Sache ist, vielleicht euch anbeuten, wie sie sich bis weitere Entwicklung der Angelegenheit vorstellt. Dagegen sollte sich eine se­riös sein wollende Bresse sorgfättia hüten, die Tat des Königs Alexander von Jugoslawen als ein nachahmenswertes Beispiel hinzustel- len und so zu tun, als ob das, was nur aus ganz speziellen Verhältnissen erklärt werden kann, ein allgemeingültiger Beweis gegen bie Güte der parlamentarischen Regierungsform sei. Es gibt nicht überall den zeitweise bis zu blutigen Cr- zessen sich steigernden Gegensatz zwischen zentrali­stischen und föderalistischen Tendenzen, der in Iu- goslavien seit langer Zeit schon besteht. Es gibt nicht allenthalben diese großen nationalen Grup­pen, die um die Gleichberechtigung ihrer kulturel­len und wirtschaftlichen Eigenständigkeit zu kämp­fen haben, wie in dem nach Kriegsende doch im« inerhin künstlich zusammen gebauten Staate ber Serben, Kroaten und Slovenm. Und cs gibt vor allen Dingen in unterem deutschen Dater'ande nicht politische Verhältnisse, die mit denen in Jugoslavien zu vergleichen wären.

Wenn also Hugenbergs Lokalanzeiger über den angeblich wieder einmal erwiesenen Zufammen- brüch des parlamentarischen Gedankens jubelt, wenn die Deutsche Zeitung meint, es fei an der Zeit, für das Wort , Südslavie n" endlich „Deutschland" zu setzen, wenn sie fragt, „b nicht fast alles, was über den Balkanstaat gesagt sei, „auf das genaueste — wenn nicht in verschärftem Maße — auch für die deutschen Verhältnisse" gelte.

uldaerZertung

ffir hio Sfabf Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatk.

Kommende Männer Frankreichs.

Don Dr. R. L i n g-Parls.

Wenn heute auch noch immer Poincare und Briand die französische Politik leiten, so ist doch vorauszusehen, daß sie früher oder später einmal vom Schauplatz abtreten werden, wofür nicht nur ihr Alter, sondern auch die politische Entwicklung sorgen werden. Von der Masse der Durchschmtts- polititer heben sich aber bereits ein paar Kopse ab, die nicht nur jung sind, sondern auch eine andere und weitsichtigere Polittk als die alten Zunftpoliti- ker vertreten und die voraussichtlich eines Tages an die Macht gelangen werden. Es tut gut, ihnen schon jetzt einige Aufmerksamkeit zu schenken.

An erster Stelle steht der Vorsitzende der radi­kalsozialistischen Partei, D a l a d i e r, der nicht nur gegen Poincare, sondern gegen einen Teil ferner eigenen Partei zu kämpfen hat, die noch immer die stärkste parlamentarische Gruppe darstellt. Dieser Kampf wird aber von ihm mit soviel Schwung, so­viel Ueberzeugung und soviel Einsicht geführt, daß dies vom deutschen Standpunkt nur zu begrüßen ist Daladier ist bereits mehrfach Minister gewe­sen und war auch Mitglied des ersten Kabinetts Herriot, das im Jahre 1924 die Macht ergriff. Man kann ihm also nicht vorwerfen, daß er aus reinem Machthunger Opposition treibt, da er ja bereits an ber Macht war. Daladier, ein Mann tm Anfang der Vierziger, ist nicht ohne Widersprach zum Vor- sitzenden seiner Partei gewählt worden, einem Wi­derspruch, ber natürlich von ben Alten ausgmg, i benen er zu stürmisch ist. Er ist aber heute einer der berebten Wortführer einer Strömung, bie sich eine deutsch-französische Verständigung anders denkt, als sie unter Poincare und Briand betrie­ben wird. Er fordert mit Nachdruck bedingungs- lose Räumung des Rheinlandes, bie er als Grund- bebingung ber Entspannung ansieht. Entzchrebener als er hat noch kein französischer Politiker an her- oorragenber Stelle gesprochen, unb wenn man in ihm auch keinen verschwommenen Pazifisten er- blicken barf unb wenn er auch stets ein Franzoie bleibt, so ist boch sein Stanbpunkt dem deutschen nahe unb vor allem um Meilen näher als ber Brr- ands. Er tritt ebenfalls gegen bie sinnlosen fran­zösischen Rüstungen auf unb hat ben Nagel auf ben Kops getroffen, als er kürzlich sagte, man klam­mere sich im französischen Generalstab blind an bie Zahl, ohne zu bebenken, daß die Masse heilte und I morgen nichts unb das Material unb bie —echiuk I alles bebeuten werden. Sollte er je zur Macht kommen, so ist von ihm zu erwarten, baß er ein­mal bie beutsch-französische Verständigung einsichte- voller betreiben wird als die bisherigen Macht- Haber unb zweitens nicht wie die bisherigen Ka- I binette auf bem gewaltigen Friebensheer Frank­reichs bestehen wirb. Er unterscheibet sich baburch wesentlich von Herriot, ber selbst zur Zeit seiner höchsten Machtfülle im Jahre 1924 eigentlich wenig I Abweichendes von ben bekannten unb ewig wieder- kehrenben Worten Poincares sagte. Daladier ist I ein Temperament, fast unfrqjzzösisch in seinem Un» I geftüm, unb eine Hoffnung.

| Ihm zur Seite steht ein um vieles jüngerer Mann, ber Abgeorbnete Montigny, der in le'z- I ter Zeit bie Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Er 1 gehört betreiben Partei wie Daladier an, ist aber I noch ungebundener als dieser, weil er, von ofil- I zielten Aemtern frei, nicht bie Rücksichten kennt, dis Daladier schließlich und endlich doch als Partei- vorfitzender im Jnteresie des Bestehens der Partei ausüben muß. Montigny ist einer ber intimsten I Freunbe von Caillaux, unb Caillaux ist ja bekannt­lich schon vor bem Kriege einer ber Wenigen wenn I nicht ber Einzige in Frankreich gewesen, ber Politik I ohne Sentimentalität betrieb unb aus nüchternen I unb klaren Erwägungen heraus einen Zufarnrnen- I stoß mit Deutschlanb vermeiden wollte. Das Hafts ihm ja auch während des Krieges seinen Prozeß I wegen Hochverrats eingebracht. Aus Montignys Munde spricht Caillaux. Caillaux selbst wirb viel- leicht nicht mehr zur Macht gelangen ,sein Wesen ist zu biktatorisch, zu anmaßend, um sich Freunde zu erwerben. Man erkennt seine Bedeutung, seine Fachkenntnis auf bem Finanzgebiete an, aber er stößt ab. Er hat sich in Montigny einen beredten I unb ergebenen Anhänger geschafften, ber schon als „Leutnant Caillaux" bezeichnet wird. Montigny ist I es gewesen, ber auf bem letzten Parteitag ber Ra- | bikalsozialisten ben Rücktritt ber Parteiminister aus | bem Kabinett Poincare erzwang, sehr zum Leid- wesen ber Letzteren, die gern noch auf bem beque­men Ministersessel gesessen hätten. Er geht noch weiter als Daladier, er ist unkonventioneller, rück­sichtsloser, hat es aber schon verstanden, einen Teil seiner Partei mit sich zu reißen, unb ist heute ber I Führer ihres linken unb radikalsten Flügels.

Ein anderer dieser Gruppe ist ber neue Abge­ordnete Bergery, einstmals Kabinettschef Her- I riete Er wurde bei ben letzten Kammerwahlen zum Abgeordneten gewählt und hat sofort einen lebhaf- j ten und ganz ungewöhnlichen Zusammenstoß mit Poincare gehabt, 'der sich nicht anders als durch einen ganz unpassenden und unangebrachten per­sönlichen Angriff zu verteidigen wußte. Bergery hat als erster feiner Partei, noch vor Montigny, von ber Notwenbigkeit gesprochen ,aus der Regie­rung auszutreten und zur Opposition überzugehen. Er ist mit einer Tochter Krassins verheiratet und verfiiat über beträchtliche finanzielle Mittel. Alle drei. Daladier, Montigny und Bergery arbeiten zu­gunsten einer neuen Annäherung an die Sozia­listen, um mit ihnen gemeinsam eines Tages wie­der die Macht zu erobern.

Der Führer ber Sozialisten ist nach wie vor Leon Blum, obwohl er bei ben letzten Wahlen feinen Kammersitz verloren hat. Seine Nüchtern­heit unb unerbittliche Dialektik kann von keinem 1 andern seiner Parteigenossen erreicht werden. Ei ist heute ebenfalls ein überzeugter Anhänger ber

des preußischen Finanzministers beim Reichs­finanzminister Dr. Hilserding fortgesetzt wer- den.

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= Berlin, 10. Jan. (Eig. Funkm.). Wie bie B. Z. am Mittag meldet hat der preußische Fi­nanzminister Höpker-Aschoft heute vormittag den Reichsfinanzminister Hilserding aufgesucht, um mit ihm die Frage der Preußenanleihe weiter zu be« Sn. Die Verhandlungen der beiden Finanz-

>r dauern im Augenblick noch an. Es scheint, wie das Blatt erklärt, jetzt ziemlich sicher zu fein, baß man von einer allgemeinen Anleiheauflezung absehen und statt dessen durch Begebung von preu­ßischen kurzfristigen Staateanroeifungen die Mittel von rund 100 Millionen Mark, die Preußen jetzt für werbende Zwecke notwendig braucht, flüssig machen will. Der ursprüngliche Plan, eine regu­läre Anleihe zu 8 Prozent aufzulegen, scheint, so erklärt das Blatt zum Schluß, aufSdjroierig- feiten gestoßen zu sein.

wtb. Paris, 10. Jan. (Eig. Funkm.). „Neu- york-Herald" meldet aus Washington das Gerücht, der Generalagent für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, habe in der Unterredung, die er vorgestern abend mit Schatzsekretär Mellon und Staatssekretär Kellogg hatte, erklärt, daß P o i n- c a r e zu gegebener Zeit die R a t i f i z i e r n n g des s r a n z ö s i s ch-a in e r i k a n i s ch e n Schulden- abkommens beschleunigen würde. Das Blatt fügt hinzu, Parker Gilbert sei seit seiner Ankunft in Amerika in beständiger telephonischer Serbin- düng mit Paris geblieben. Er habe zwar Coo- libge noch nicht gesehen, aber vor seiner Be­sprechung mit Mellon eine Konferenz mit Hoover gehabt. Die amerikanische Regierung be« trachtet die ganze Kriegsschulden- und Reparations­angelegenheit als sehr heikel und wünsche deshalb anscheinend, daß die Tätigkeit Parker Gilberts aans im Hintergründe bleit

Der Berliner Korrespondent des „Journal" glaubt berichten zu können, daß die deutschen Finanzbehörden eine Denkschrift aus­arbeiten, die eine Art offizielle Antwort des Reiches auf den Bericht Parker Gilberts sein würde. Der Korrespondent fügt hinzu, daß diese Nachricht jedoch noch der offiziellen Destättgung

schimpft und einen demokratischen Landtagsabge­ordneten beleidigt.

Vie Preußen-Anleihe.

Höpker-Aschoff bei Schacht.

Wie mehrere Blätter melden, hat eine Be­sprechung des preußischen Finanzministers Höp- ker-Äschöff beim Reichsbankprüsident Dr. Schacht über die Möglichkeiten der in Aussicht genommenen neuen Preußenanleihe stattgesunden, lieber das Ergebnis dieser Besprechung wird einstweilen Stillschweigen bewahrt. Unbestätigt verlautet, daß insbesondere die Frage erörtert worden sei, ob überhaupt eine Anleihe emittiert wird ober man sich vorläufig mit der Begebung von kurz­fristigen verzinslichen Schatzanweisungen begnügen will. Die Beratungen sollen durch eine Besprechung

Nach einer Meldung aus Tryn an der ingofla- iorsitzende wischen Grenze find drei bulgarische Bauern von rn»riAta= I jugoslawischen Erenzwächtern erschossen worden, die

muciu. __ ________sich mit Erlaubnis der jugoslawischen Behörden m

entlassunq laufet. Das Disziplinargericht hat den auf jugoslawischem Gebiet gelegenen Teil des dem Angeklagten drei Viertel des Gehalts, also Dorfes Strazimirovtzi begeben wMten um ihre die gesetzliche Pension, als Unterstützung ge- Eltern anläßlich des orthodoxen Wechnachtssestes lassen. Die Berufung des Angeklagten ist demnach zu besuchen. Das Dorf tNrazinnrovtzi wird von verworfen und der Berufung der Staatsanwalt- | der Demarkationslinie durchschnitten.

schaff stattgegeben. In der Urteilsbegründung wird betont, daß die Milderungsgründe der ersten In­stanz, die auf bie Trunkenheit Eellins Rück­sicht genommen hatte, nicht als berechtigt angesehen werben können. Es sei Eellins eigene Schult», daß er mehr getrunken habe, als er vertragen könne. Es hanbele sich auch nicht, wie bie Verteidigung angeführt habe, um einen vereinzelten Vorfall, son- bern aus ben Personalakten unb aus ben Quali- fikationsberichfen gehe hervor, baß währenb ber Laufbahn Eellins wieberholk über dessen Grob­heit Beschwerde geführt worden sei. (Sellin hatte in einer Breslauer Weinwirtschaft die Juden bc=

Anzeigen-Preife: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JMl auswärts 0,20 JUL Reklamezeile:

auswärts 0,80 JUL. Bei Wiederholungen Ra----

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

Wie bie „Prawda" erfährt, sind sämtliche po­litischen Parteien aufgrund des ersten und dritten Artikels des neuen Gesetzes zum Schutze des Staates als a u f g e I ö st zu betrachten. Nach einer anderen Auffassung sind nur die Partei der bos­nischen Muselmanen unb die Slowenische Dolkspar- tet wegen ihres religiösen Charakters, ferner bte Kroatische Bauernpartei sowie die Ungarische und Deutsche Partei wegen ihres nationalen Charakters als aufgelöst zu betrachten. Wie verlautet, wol-

rvenn sie geradezu auch für uns die Aufrichtung I len Spaho unter dem Namen Jugoslawische Dolks- eines diktatorischen Interregnums verlangt, dann I Partei und Koroschetz unter dem Namen Dolkspar- beweisen diese Zeitungen, daß sie zum mindesten I sei eii-e neue Partei gründen, doch verspricht man ein sehr geringes Maß realpolitischer Einsicht bejit- I sich von diesen angeblichen Versuchen nicht Die. Er­zen. Ganz und gar verfehlt ist aber die Spekula- I folg, weil aufgrund des Gesetzes zum Schutze des tion, bie die gleiche Deutsche Zeitung in diesem Staates n e u e P a r t e ie n n u r m I t o b er ste r Zusammenhang über bie Haltung ber Zen- I Bewilligung gegründet werden können, trumspartei anstellt. Die Zentrumspartei I Wird die zu gründende Partei innerhalb eines und mit ihr die Zentrumspresse steht auswärtigen I Manchs nicht bewilligt, so ist dies mit einer ab- Geschehnissen mit ruhiger Objektivität 1 sMägigen Erledigung gleichbedeutend.

gegenüber. Sie beurteilt sie aus ben speziellen I

Verhältnissen des betroffenen Landes heraus unb I ~

vermeidet es, auf brennenden Balken, die anderen I * Zu ben beuksch-osterrelchijchen yandeisver- Leuten gehören, ihr eigenes Süppchen zu kochen. I kragsverhanblungen. Im Bundesministerium für Die Deutsche Zentrumspartei verschließt sich der I Handel und Verkehr wurden die mit der Deutschen Einsicht nicht, baß bie junge deutsche Demokratie I Regierung im Zuge der Hanbelsvertraasverhand- noch Mängel besitzt, die ihre volle Blüte vorläuftg I hingen vereinbarten Besprechungen zwischen den verhindern. Aber wir bleiben dabei, baß bie De- I beiderseitigen Vertretern einzelner Industrien mokratie als solche die einzige Staatsform ist, die I aufgenommen. Die für acht bis zehn Tage anbe- dem gegenwärtigen Enfwicklungsstabium ber I räumten Verhandlungen wurden zunächst mit ber Menschheit entspricht unb daß bie erwähnten Man- I Amifektionsbranche begonnen, an die sich Ausspra« gel nicht solcher Art sind, baß man an der Möglich- I then jjcr beideifteitigen Maschinen-, Motorrad-, feit ihrer Behebung verzweifeln müßte. Deshalb Belzwerk- Sensen- unb Lederwarenindustrie an­wird die Deutsche Zentrumspartei auch künftighin I fcMje&cn Serben.

fortfahren, jedes Diktaturgelüst, einerlei ob es sein I

Ziel auf legalem ober illegalem Wege zu erreichen I _

sucht, konsequent unb entschlossen zu bekämp - I t)OTl OCH BQlHflns®TCtl3Cn.

3ara" । lu,g„||et ?im„„ sn,°fl.n>t,ch,n

• Landgerichts,«! Gsllin zur Dienstcntkasfung • Wächtern erschossen.

verurteilt. Im Berufungsverfahren gegen ben Lanbgerichtsrat Gellin verkündete ber Vorsitzende des Großen Disziplinarsenats, Kammergerichts- präsibent Dr. Tigges, bas Urteil, bas auf Dienst-