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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis

irr. 7.

Mittwoch, 9. Januar 1929

Erschein! sechsmal wöchentlich. Wochendeilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9 Monat!. >,80 einschl. Postqeb. (30 bezw. 48 Pf.) ohne Fustellq

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Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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56.Zahrg.

Polen, Minderheiten und Korridor

Goldmünzen gegen Reichsdanknoten?

Indien auf Chinas Spuren?

Haoas berichtet, daß die Reparationskommis- swn am 10. Jan. eine Sitzung abtzalten werde. Da nie Jtennung der Sachoerständigen noch nidü von ouen an bcr Zusammensetzung des Reparationsaus- ichufses interessierten Regierungen erfolgt ist, kann vermutlich im Laufe dieser Sitzung keine Entschei­dung getroffen werden.

Schädigung des Mutterlandes, so bleibt doch das gewisse Gefühl rassenmäßiger Verbunden­heit, das noch auf lange hinaus den stolzen Namen des Empire rechtfertigen wird. Die Entwicklung in Indien geht von vornherein von einem scharfen Gegensatz der Völker aus. Andererseits wird Eng­land ganz zweifellos versuchen, unter Hinweis auf dre kulturelle und zivilisatorische Zurückgeblieben­heit der Inder eine Modifizierung des Indien etwa zu verleihenden Dominionsstatus durchzusetzen wogegen die indischen Swaraj-Führer mit allem neu erwachten Fanatismus kämpfen werden

Die überraschende Tatsache des Wiederaustre- rar? Begründers der Swaraj-Vewegung,

Ghandi, tn unumschränkt autoritativer Position mit einer von seinen früheren idealistisch-humani- taren Utopien gänzlich verschiedenen realpolitischen Auffassung, kann die Situation — vom Empire­standpunkt aus betrachtet — nur verschärfen. Die- ser Revision seiner Anschauungen und Forderun­gen hat Ghandi unzweiselhast seinen Wiederaur- stieg zu danken und er wird seine Position ungleich besser verteidigen können, als früher, weil es ihm gelungen ist, ultraradikale Forderungen abzubie- I «en und das Programm des Nationalkongresses auf eine vrimuvwn behaus annehmbare Mittel. J

Aus Belgrad wird gemeldet: Die voneini- gen Blättern verbreiteten Nachrichten über eine Mllltärlsche Besetzung Belgrads unddie Verhaftung mehrerer Parlamentarier sind, wie die Agentur Avala erklärt, vollkommen aus der f^degriffen und offenbar in tendenziöser Absicht erfunden. Im ganzen Lande herrscht voll­kommene Ruhe und Ordnung, und die Nachricht über die Bildung der neuen Regierung wurde überall mit lebhaftester Begeiste­rung ausgenommen.

. 2n weit höherem Maße, als die Selbständig­keitsbestrebungen der übrigen Dominions es sind und waren, bedeutet Indiens Streben nach dem Dominonsstatus eine schwere Einbuße für das Prestige des Weltreiches. Gehen selbstverständlich auch die Entwicklungen in Kanada, Australien und Südafrika in Richtung auf wirtschaftliche Verselb­ständigung ohne Rücksicht auf dadurch entstehende

* Beamtenabbau und personaleinschräukung. Der Reichsfinanzminister hat dem Reichstag eine umfangreiche Denkschrift über den Personalbestand per m der Verwaltung des Reiches tätigen Beam- ten Angestellten und Arbeiter zugehen lasten. Aus e',nen Vergleich zwischen dem Peponalbestanb des letzten Inflationsjahres 1923 unb dem vom 1. Juli 1928 barstellt, geht her- haß die Reichsverwaltung seit bem 1. Okt 1923 tnsgefamt 124 529 Beamte, Angestellte und Arbetter abgebaut hat. Es ist demnach mehr als ein Drittel der insgesamt 462 249 Arbeitnehmer

। linie festzulegen. Parallel geht damit eine Bewe- I gung zur Milderung und schließlich Ausschaltung I des Kastengeistes, der bisher das stärkste Hindernis der Entwicklung des indischen Volkes war, die Erkenntnis der Notwendigkeit, endlich I Frieden zwischen Moslems und Hindus zu machen und endlich auch eine entschiedene Frontbildung ge­gen die indischen Fürsten, die „selbständigen" Rah- jas, die sich bisher immer noch als die willigster.

I Werkzeuge der Empirepolitik erwiesen haben und I deren etwaiges Widerstreben gegen englische I Wünsche mit Sicherheit durch Einladung und feierlichen Empfang in London gebrochen werben I konnte.

Es ist vielleicht ein Glück für bie englischen Ko> lonialpolitiker, daß die Simon-Kommission noch I keine endgültigen Vorschläge gemacht hat. Cs I ist noch durchaus unbekannt, zu welchem Schlus Sir John Simon kommen wird-und man muß hoffen, daß kein falsch verstandenes Prestige­empfinden ihn veranlaßt, der ultimativen Jor- I derung der Swarajisten mit einer kategorischer I Ablehnung zu begegnen. Zwar wird England I immer Herr über Indien bleiben können, wenn I es will, aber etwas anderes ist die Herrschaft I über ein zukunftsfreudig sich entwickelndes 40C Millionen-Volk, etwas anderes die Herrschaft über I ein Gebiet, dessen 400 Millionen Einwohner in I fanatischer Resistenz und aktivem Boykott verhar- I ren. Daß Indien noch heute und in Zukunft eine I Schatzkammer für England bleiben kann, wenn I man versteht, seine Kräfte zu entwickeln und ihm I freien Spielraum zu lassen, ist aus der Wirt- I schaftsentwicklung der letzten anderthalb Jahrzehnte klar zu erkennen. Der Wert der überseeischen | Einfuhr nach Britisch-Indien ist von 2,5 Milliar­den Mark auf nahezu 4 Milliarden Mark fest I 1913/14 gestiegen; die Ausfuhr aus Indien ba- I gegen von 3,4 Milliarben im Jahre 1913/14 aü I mehr als 6 Milliarden Mark. Dazu strömen un I geheure Beträge als Gehälter und Pensionen füi I ehemals m Indien tätige Beamte und Offiziere I nach England. Der Anteil Englands allerdings I ist in erster Linie während des ersten durck I Ghandi organisierten Boykotts gegen englisch, I Fabrikate erheblich zurückgegangen, der Anteil I Japans und der Vereinigten Staaten entsprechen! I gestiegen. Während Indien in der Vorkriegszeit | aus England ungefähr 12 mal so viel Waren be I zog, als aus den Vereinigten Staaten und Ja> pan zusammen, so ist Englands Anteil setzt nicht I einmal 4 mal so groß. Indiens Export ist in seiner Verteilung ungefähr stabil geblieben; nur bie Ausfuhr nach Japan ist erheblich gestiegen.

Schon aus diesen groben Zahlen ist klar zu entnehmen, was England durch eine Revision sei- ner indischen Politik an wirtschaftlichen Jnteres- I fen zu wahren hat, vielleicht sogar wiedergewin- I neu kann. Auch hier drängt sich die Parallele I mit China auf. Die Lösung, bie dort schon vor zwei Jahren hätte gefunden werden müssen, die jetzt erst gefunden ist — eine Verzögerung, die England Milliarben gekostet haben bürste —, muß auch für bie englisch-indischen Beziehungen gefum den weiden und es liegt in Englands Interesse sie so bald und so kampflos wie möglich zu fin­den, zumal die Empirevolitik ja feit Kriegsenbe | fast in erster Linie durch die Idee der Sicherung und des Ausbaues des Weges nach Indien be­stimmt wurde. Sie kann nur gefunden werden, wenn England dem von ihm selbst durch feint Versprechungen während des Krieges geweckten Ruf nach Swaraj — Selbstreaierung — Gehör schenkt. __________________________

Das jugoslawische Experiment.

Das Vorgehen König Aleranders von Jugo- slawien nennt der „Temps" einen Staatsstreich, durch den die politische Krise gelöst werden könne. Allerdings müsse man sich fragen, ob es eine e n d- gültige Lösung sei. Ein ernstes Experiment be­ginne in Jugoslawien, und König Alexander be­weise unbestreitbar viel politischen Mut, indem er unter den gegenwärtigen Umständen zum Wohle des Volkes und für die Einheit des Staates die Verantwortung für eine so tiefgehende Reform übernehme.

Die „Liberte" erklärt, König Alexander habe das einzige getan, was zu tun übrig geblieben fei, er habe die Zügel in die Hand genommen und sich seiner Vorfahren erinnert, die, wie man sage, e i n- fache Schweinehirten gewesen seien, und kraft ihrer Tapferkeit und Zähigkeit die Unab­hängigkeit Serbiens gegründet hätten.

Von einem unserer wirtschaftspolitischen Mit­arbeiter:

Schon wiederholt hat die Frage der Einlösung der Reichsvanknoten in blankes Gold in der Oef- fentlichkeit eine Rolle gespielt. Systematisch wird seit einiger Zeit vom Ausland her aus die deutsche Reichsbank dahingch-nd einzuwirken versucht, daß sie die reine Goldwährung einführe so zwar, daß wieder Goldmünzen wie vor dem Kriege in den Verkehr kommen.

Eine starke Unterstützung erfährt diese Aktion, nun durch den Bericht des Reparationsagenten I Parker Gilbert, der die Einführung der vol­len Goldwährung vorwiegend als im Interesse der erhöhten Kreditfähigkeit Deutschlands liegend er­achtet.

Parker Gilbert meint, daß eine gesetzliche Mög­lichkeit dafür geschaffen werden sollte, daß I Deutschland Gold gegen Reichsbanknoten abgebe'

Im Bankgesetz ist allerdings die Pflicht der Reichsbank zur Einlösung der Reichsbanknoten in I Gold festgelegt, aber in den Dawesabmachungen

■ft diese Verpflichtung zunächst suspendiert, und zwar mit Rücksicht auf die ungefestigte wirtschaft­liche und finanzpolitische Lage Deutschlands. Daß die wirtschaftliche Situation Deutschlands heute lchon so geklärt und gefestigt fei, daß unbedenk­lich der Uebergang zur vollen Goldwährung er- | folgen könnte, kann füglich nicht behauptet wer- I den. Wenn es auch richtig ist, daß unsere Wirt­schaft in sich stabilisiert erscheint, und daß die Stabilisierungsbasis sich auch gerade im letzten Jahr verbreitert hat, so zeigt allein schon ein Blick auf den Arbeitsmarkt, wie unsicher und schwan­kend die gesamte Wirtschaftslage trotz allem heute noch ist, ganz abgesehen von der Verschuldung Deutschlands an das Ausland. Sicherlich ist die deutsche Währung eine der solidesten und kräftig­sten der Welt, aber doch nur deshalb, weil das deutsche Volk und weil die deutsche Wirtschaft un­erhörte Leistungsopfer gebracht haben, um die Währung dergestalt zu fundieren, daß auf ihr Deutschland sein neues Wirtschaftsystem aufbauen konnte. Wenn nun gerade vom Revarations- agenten geltend gemacht wird, daß die Reichsbank in letzter Zeit sich einen außerordentlichen Golb- zuwachs schaffen konnte, so ist das ja nur eine An­erkennung für das Bestreben der deutschen Reichs- lmnk als Hüterin der deutschen Währung, den Wirtschaftsunterbau, von dem doch schließlich auch wieder die Leistungskraft Deutschlands nach außen- hm abhängig ist, immer stärker zu gestatten und damit Deutschlands Kreditfähigkeit zu erhöhen.

Dis Reichsbank hat sich übrigens bisher niemals geweigert, von ihren Goldbeständen an das Aus- laüd ab.zugeben, aber ein gesetzlicher Zwang, bie» fes Gold nach außen und nach innen in Gestalt von Goldmünzen zu veräußern, würde unter den jetzigen Verhältnissen bedenkliche wirtschaftliche und auch währungspolitische Rückwirkungen haben

v. Dirksen bet Litwiaass. Aus Moskau wird gemeldet: Der neue deutsche Botschafter in Mos­kau, v. Dirksen, wurde von Litwinoff empfangen.

* Verbot der Berliner Liebknecht und Lnrem- burg-Demonstration. Der Berliner Polizeipräsident

laut Roter Fahne der Bezirksleitung der f: P- D. Berlin-Brandenburg-Lausitz mit, daß Km Demonstrationsverbot auch auf die am kom­menden Sonntag stattfindende Eedächtnisdemon- itranon zu den Gräbern Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs Anwendung finden soll. Die Bezirks­leitung fordert trotz des Verbots zu „loser Massen- ! vemonstration auf dem Friedhof bei den Gräbern i bet Revolutionsgesallenen" auf, '

Der Verband der Bergbau-Industriearbetter Deutschlands (Deutscher Bergbauarbeiterverband) veröffentlicht nach einer Meldung des „Vorwcttis" aus Bochum bemerkenswerte Ausführungen an die Adresse des Reparationsagenten, in denen eg heißt: Parker Gilbert hat einen Bericht heransgege- ben, der auf dm Grundton gestimmt ist, daß Deutschland verhältnismäßig leicht die ihm im Da­wes-Plan zugedachte Reparationszahlung leisten könne. Den Beweis hierfür will Gilbert erkennen in der Tatsache, daß Deutschland bis jetzt seine Re­parationsleistungen prompt erfüllt hat, wobei die deutsche Wirtschaft verspreche, daß auch in Zukunft die beobachtete Leistungsfähigkeil gegeben sei. Die deutsche Wirtschaft besteht aber nicht nur, wie Par­ker Gilbert anzunehmen scheint, aus Steuereingän­gen, Reparationsabgaben von Reichsbahn und In­dustrie, Aktienrenten und geliehenem Auslanbs- ae!d, sondern auch aus arbeitenden Men- scheu. Diese letzteren aber sind es, die in erster Lime ein Werturteil über deutschen Wohlstand und deutsche Leistungsfähigkeit abgeben können. Und , wie sieht es hier aus: Kein Mensch wird im Ernste t behaupten wollen, daß die Lage der deutschen Ar- M.beiterfchaft als .zufriedenstellend bezeichnet werden kann. Gerade Parker Gilbert müßte das am besten wissen, da er doch Gelegenheit hat, den Unterschied in der Lebenshaltung des deutschen und des ameri­kanischen Arbeiters aus eigener Anschauung zu stu- dieren. Warum ist der Agent nicht einmal hinab­gestiegen zu den Massen der Arbeiter? Dort batte er gemerkt, daß ihr Lebensverhältnis im Vergleich 3um menschlich Notwendigen noch jammervoll ge­nannt werden muß, und daß die Wirklichkeit doch etwas anders aussieht als sie sich am grünen Tusch herauskalkulieren läßt. Das menschliche Wohlerge­hen ist Sinn und Zweck des Wirtschaftens, und ihm ist die Priorität aller Forderungen an die Wirt­schaft zuzuerkennen. Die deutsche Ärbeiterichaft und ihr sozialwirtschaftliches Wohlergehen ist und bleibt der wichtigste Faktor für jede Wirlschafts- und Re- ^arationspolitik.

*

Der Pariser „Excelsior" veröffentlicht Erklärun­gen des Reichstagsabgeordneten Georg Bern- h a r d über die deutsch-französischen Beziehungen. Es heißt darin: „Die deutsch-französischen Beziehim- gen konnten und müßten offenbar besser sein. Die Aufrechterhaltung der Rheinlandbesetzung war eine Swtze Enttäuschung für uns, die Veröffentlichung °es Berichtes von Parker Gilbert war eine weitere. ■Oer Generalagent betont, daß Deutschland in der Uge ift, die hohe 2% Milliarden-Annuitä, des Da­wes-Planes zu bezahlen, bevor noch diele Summ« S ein™‘ bezahlt worden ist. Denn die letzte Bezahlung betrug nur M Milliarden. Es handelt bmrfifrnttff fitiX x.w ___,. . stf .DpÜtzliS NUS I

smJ« b' ben >'e Zukunft vielleicht nicht be­stätigt. Wmn wir die Absicht hätten, nicht zu I Asahlen, dann konnte es uns j a g l e i ch g ü l t i g fern, ob man von uns etwas mehr oder etwas we- mger sorder. Gerade we,l Deutschland loyal be- zahlen will, verlangt es eine seiner wirklichen Zahlungsfähigkeit angepaßte Last, gleichviel ob es l^um Sicherheit, Abrüstung oder' Reparationen yondelt. Blickt doch einmal nach England. Es for­dert von Deutschland nur das, was es an Amerika bezahlen muß. Frankreich fordert über feine eine- I Ne» Zahlungen an Amerika und England noch hm- I ?us Summen, um feine Reparationen zu bezahlen I >?/^ittsche Volk kann sich nicht enthalten, die eng- I h .V ch e Haltung und die f r a n z ö s i s ch e Haltunä

Ntemanber zu v e r g l e i ch e n".

----- Warschau, 8. Jan. (Eig. Funkm.). Außen­minister Zaleski erteilte einem Vertreter des Anglo America Newspaper Service ein Interview, in dem er seine Polemik in der Minderheiten-Frage fort­fetzt. Die gegenwärtig deutsch-polnische Grenze bezeichnet er als unveränderlich und die deutschen Ansprüche auf den Korridor als unehrlich, da der Verkehr Ostpreußens mit dem übrigen Deutschland sich ohne irgendwelche Schwierigkeiten vollziehe. Ein Zugang zum Meer sei für einen 30 Milliomm-Staat notwendiger als die Landverbindung einer 2 Millionen Menschen zählenden Provinz mit dem übrigen Deutschland. Endlich behauptete Zaleski, der Korridor sei in ethnographischer Hinsicht rein polnisch. In seinen weiteren Ausführungen erklärte der Minister, daß das Verhältnis Polens zu feinen Minderheiten durch weitgehende Toleranz gekennzeichnet sei. Die Lage der deutschen Minderheit sei vorzüglich, denn keine andere Minorität besitze so viel Rechte und Vorrechte wie die Deutschen. Trotzdem zeige diese

Nach der Emanzipierung des chinesischen 400 Millionen-Dolkes macht nun auch das indische 400 Milionen-Volk erneute und kräftigere Anstrengun­gen, auf dem Weg zur Emanzipierung vom Mut­terlande vorwärts zu kommen. Die Bedeutung ber bahmzielenden Beschlüsse des indischen National­kongresses ist gleich groß für Indien, wie für Eng. lanb. War doch feit Lord Clive und Warren Ha- stlngs Indien die Schatzkammer Englands nicht nur durch feine wirtfckaftliche Probuktionsfähigkest, rnnbern auch durch bie realen Werte, die in den Schatzkammern der unzähligen Klemfursten aufge- stapelt lagen und die sich allmählich nach London hin entieerten, da diese Fürsten jedes ihnen be« lassene o.er wieder gewährte Sonderrecht mit rie- ftgen Summen erkaufen mußten, wofür sie wie- dcrum gch in ber brutalsten Weise am indischen Volke ichadlos hielt.n.

Gilberts Besprechungen.

wtb. Paris. 8. Jan. (Eig. Funkm.). Newyork Herald verzeichnet in einer Melbung aus Wafhiug. ton bas Gerücht, bie Regie rung ber berei­nigten Staaten würbe geneigt fein, an ber Ausarbeitung ber finanziellen Aus­gestaltung bes Reparationsplanes, über den der neue Sachverstänbigen-Ausjchuß Be­schluß fassen werde, mitzuarbeiten unter der Bedin­gung, daß die französische Regierung das sranzö-' fisch-amerikanische Schuldenabkommen rattsiziert. Diese Ansicht sei in glaubwürdigen Kreisen verbrei­tet und man verweise dabei auf die Besprechungen, die Parker Gilbert noch mit den offiziellen Persön­lichkeiten in Washington haben werde. Das Ergeb­nis dieser Besprechungen werde, wie man mit Ge­wißheit annehmen könne, sein, daß Parker Gilbert, wenn er nach Europa zurückkehre, bereits ein klares Bild davon haben werde, in welcher Höhe deuische Bonds in den Vereinigten Staaten untergebracht werden, unter ber Voraussetzung, daß bas franzö- sisch-amerikanifche Schulbenabkommen von Fra nk- reich ratifiziert werden würde.

*

. Wie oben bargetan, hat die Reichsbank, wie schon mehrfach dem Auslande gegenüber, sich zur Abgabe von Gold bereiterklärt'. Das würde am zweckmäßigsten in der Abgabe von Goldbarren ge- schehen. Für den Uebergang, und um bas dem freien Gelbverkehr gefährliche Hamstern von Gold­münzen zu verhinbern, wäre gegebenenfalls auch die Abgabe von Goldbarren statt von Goldmünzen tm Innern zu erwägen, sie käme zunächst ja auch bei ber Natur der Sache nur für ben Großverkehr tn Frage. Aber auch für eine derartige Goldab- gabe müssen gewisse unverzichtbare Sicherungen geschaffen werben, die nicht nur für ben nationa« un, sondern auch internationalen Geld- unb Ka- pitafmarft solange nicht gegeben finb, als nicht bte Reparationsfrage wirklich in einer Form ge­lost 'st' bie der deutschen Wirtschaft ihre Entwick­lung läßt.

I lösungspflicht der Reichsbanknoten ohne weiteres praktisch werden, und es wäre in ber Tat ein Zi-l nicht nur volkswirtschaftlich, sondern auch national­politisch auf bas Lebhafteste zu ersehnen, wenn Deutschland seine Währung wieder auf den vollen Eoldstandpunkt stellen, und wenn die deutsche Währung wieder über den ungehinderten Golb- umlanf verfügen könnte. Aber'die Voraussetzun- gen dafür find eben heule noch nicht erfüllt.

müssen. Die deutsche Reichsbank ist bei der heu­tigen gesetzlichen Lage gezwungen, bei einem ge­wissen Notierungspunkt das ihr angebotene Gold aufziinehmen. Sie nun daneben auch noch gesetz­lich zu verpflichten, Gold abzugeben, wäre einmal zum mindesten so lange verfehlt, als noch nicht alle übrigen Länder, bie vor bem Kriege Goldwährung hatten, zu ihr uneingeschränkt zurückgekehrt find und zum anderen deshalb, weil eine Ausgabe von effektivem Gold im gegenwärtigen Augenblick noch nicht die volkswirtschaftlichen Funktionen einer glatten Zirkulation erfüllen könnte. Man müßte nach allem, was Deutschland währungspolitisch in i den letzten Jahren burchgemacht hat, absolut ba« i mit rechnen, daß unter ben jetzigen Verhältnissen ' die in den Verkehr kommenden Goldmünzen ge- - hamstert und dem Umlauf entzogen würden.

Dazu kommt aber das wichtigste Momentum, um das sich sinanz- und wirtschaftspolitisch alles bei uns dreht: Wir wissen ja noch gornicht, wie ! unsere enbgültigen Schuldverpflichtungen an das । Ausland aussehen, welches Ausmaß sie haben, in ; welchem Grade und für welchen Zeitraum sie un- > fere Wirtschaft belasten. Unter solch unsicheren Ber. hältnissen würde ein Uebergang Deutschlands zur reinen Goldwährung nach innen unb außen von den empfinblichsten und letzten Endes bas Aus­land selbst schädigenden Rückwirkungen fein müs- fen. Für den Fall freilich, baß bie Reparations- frage endgültig in einem Sinne gelöst würbe, ber ber Entwicklung ber deutschen Wirtschafts, unb Produktionskraft Raum ließe, würde die Goldein-

Minderheit ständig ihre Unzufriedenheit, bie der Welt bartun solle, daß die gegenwärtige Grenz­ziehung nicht imstande sei, ein normales Zusam­menleben zu ermöglichen.

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Offiziös wird in B e r l i n zu den Ausfühnmgen Zaleskis bemerkt, daß der Fall, daß ein Land wie Deutschland durch den Korridor in zwei völlig ge­trennte Territorien geteilt worben ist, wohl ein­zig bastelst, während es andererseits viele Länder, wie beispielsweise die Tschechoslowakei unb bie Schweiz, gibt, bie keine territorialen Zu­gänge zum Meer haben, aber trotzdem auf Grund von internationalen Abmachungen ihre wirtschaftli­chen und verkehrstechnifchen Bebürfnisfe ungehin­dert befriedigen können. Was die Behandlung ber Minderheiten in Polen und in Deutschland betrifft, so ist das deutsche Bestreben, bas geltenbe Recht in liberalster Weise zu interpretieren, wohl am besten durch bie neue preußische Minberheiten-Schulver- orbnung gekennzeichnet.