* Seine Umbildung des belgischen Kabinetts. Aus Brüssel wird gemeldet: Gegenüber auswärts verbreiteten Gerüchten über die Möglichkeit einer Umbildung des Kabinetts teilt der Ministerpräsident der Agence Beige mit, daß weder ein Rücktritt des Ministers des Innern noch des Ministers der Landesverteidigung je in Frage gekommen fei.
Opfer des Verkehrs.
Auto vom Zug überfahren.
Aut der Bahnstrecke Apenrade-Lügum- klost er (Schleswig) wurde an einem unübersichtlichen Bahnübergang, der nicht geschützt war, em mit iecks Personen besetzter Kraftwagen von einem Periommua erfaßt auf die Puffer der Lokomotive Wm «ne Stkecke weit fortgeschleppt und üdII- Ä ÄSrt- Von d^ sechs Insassen erlitten vier gefährliche Verletzungen.
Auf dem Heimweg von einer Silvesterfeier tödlich
gr.,f j)Cr Wanheimer Straße in Duisburg fithr «n Kraftwagen in voller Fahrt in eine ^,vve von einer Silvesterfeier heimkehrender Per- ^nen denen es nicht möglich war, auszuweichen. Der Kranführer Buchenheim wurde überfahren und aut der Stelle getötet, während eine andere Person verletzt wurde. Ohne sich um die Opfer zu kümmern, fuhr der Fahrer mit abgeblendeten Lichtern schleunigst davon.
Zn voller Fahrt gegen einen Chausseebaum gerannt.
Auf'der Straße Dorsten-Buer rannte das Lieferauto einer Wurstfabrik gegen einen Chausseebaum. Die drei Insassen wurden aus dem Wagen geschleudert und blieben besinnungslos liegen. Dorstener Sanitätsmannschaften sorgten für Ueberführung ins Dorstener Krankenhaus, wo schwere Verletzungen der Verunglückten festgestellt wurden. Das Unglück soll aus Ermüdung des Wagenführers zurückzuführen sein.
Die Kehrseite des Silvester.
Beim Böllerschietzen tödlich verunglückt.
In Hornberg im Schwarzwald hat das Neujahrsschießen ein Menschenleben gefordert. Einem 23 Jahre alten Mechaniker, der in den städtischen Anlagen zwei von ihm selbst verfertigte Böller zur Entzündung bringen wollte, wurde durch die Explosion des einen Böllers der Unterleib aufge- r i s se n, so daß der Tod nach kurzer Zeit eintrat.
Dater und Sohn Opfer eines Wirtshausstreites.
wtb. Darmstadt, 2. Januar. (Gig. Funkm.) In der Neujahrsnacht fingen mehrere junge Leute, die in einer Wittschaft gezecht hatten, mit fünf Insassen einer Autodroschke Streit an. Der 48 Jahre alte Eisenbahnassistent Kies und sein 19 Jahre alter Sohn wurden bei der Schlägerei verletzt und dann noch von einem Personenauto überfahren. Kies starb auf dem Transport ins Stadtkrankenhaus, während sein Sohnin schwerverletztem Zustandeins Herz-Jesu-Hospi- ta leingeliefert wurde. Der Führer des Autos und die Personen, die die Schlägerei angefangen hatten, konnten ermittelt werden.
Bei einer Schlägerei erschossen.
In der Silvesternacht kam es in Breslau int Lunapark kurz vor 12 Uhr zu einer schweren Schlägerei. Der 25 Jahre alte Arbeiter Max Scheike wurde beschuldigt, einem Mädchen eine Pelzboa entwendet zu haben und geriet mit dem Arbeiter Bachmann in eine Schlägerei. Der Wirt rief Schupobeamte herbei, die den Streit zu schlichten versuchten. Der Oberwachtmeister Herbert, der mit dem Gummiknüppel die Streikenden auseinanderzubringen suchte, mußte schließlich von seiner Schußwaffe Gebrauch machen. Scheikewurde von dem Beamten lebensgefährlich verletzt und erlag int Kloster der barmherzigen Brüder seinen Verletzungen.
Eine Stationskasse überfallen und beraubt.
Wie die „Köln. Ztg." meldet, wurde in der Silvesternacht nach 9 Uhr abends die Stationskasse in Lövenich beraubt. Ein Unbekannter, der sich ein Taschentuch als Maske vorgebunden hatte, drang in dm Kassenraum ein und setzte dem einzigen anwesenden Beamten eine Pistole vor die Brust. Dann entnahm er der Kasse den Inhalt von etwa 150 Mark und verschwand. Die Bahnpolizei nahm sofort mit Hunden die Verfolgung auf. Ein Ortseinwohner ist in den Verdacht gekommen, der Täter zu fein.
setzen, wer mochte sie in dieser einsamen Armut überfallen? Aus Zehenspitzen schlich sie an die Tür, legte die brennende Ohrmuschel auf die Füllung, ihr Kopf brauste, das Blut schlug jach uph wild. H If'os war sie, schwach und allein, würde sic schreien, — wer sollte es hören? Das Forstyaus tag eme yalbe Wegstunde entfernt. Aber das Kind, der kleine Werner .. .1! Da siegte die Mutter über alle weibliche Furcht, mit kühnem Ruck drückte sie auf die Klinke . . ., der Kerl hatte abgeschlossen. Wieder ho-(Me An'-a <-■'..... ?/>...... • kinftl chstcn
Dummheiten, betete alles, was er mit seinen 6 Jahren schon lernte: — dann geschah das unbegreifliche Wunder: Die Witwe rief nach ihrem toten Manne!
■" „Martin — hilf mir . . .!" —
Wieder klirrte nebenan das Fenster, wieder knisterten Tritte im Garten, — der grausame Spuk war verschwunden. —
Mutter Knaus holte den Feuerhaken aus der Küche, stemmte die Tür zum Kinderzimmer auf, fand den Buben verzückt und strahlend in seinen Kissen:
„Mutter, der heilige Mann!" —
Anna Knaus war stumm, der Schreck verschlug ihr die Stimme: sie zündete das Licht an, eisiger Wind zog durch die Fenster, der Boden war grün von Glasscherben, daneben lag ein grober Sack, gefüllt mit allerlei Werkzeug, wie es Diebe gebrauchen. Schauerliche Weihnachtsgaben! — Nichts wurde angerührt oder gestohlen. Werner klatschte immer noch in die kleinen Pfoten:
„Mutter, der heilige Mann!" —
Anna Knaus zog den Jungen an sich, küßte ihn. In dieser Nacht aber schlief sie nicht mehr, sie zitterte und flehte den Himmel an, daß es bald Tag werden möge. Am Morgen rannte sie in lodernder Angst zum Forsthaus. Hier alarmierte man sofort die Polizei. Am Mittag kamen Beamte mit Waffen und Hunden, freilich fand man nichts, die Spuren waren verwischt vom nächtlichen Schneetreiben. —
Nach zwei Jahren brachte der Postbote einen Brief, in dem ein Namenloser bekannte, er sei ein vom Kriege verbitterter Dieb gewesen.
„. . . jeden hätte ich niedergeschlagen, nie aber war ich gefaßt, von einem betenden Kinde heiliggesprochen, mit dem Namen eines toten Feldsoldaten zurückgerufen zu werden. Vergessen Sie die Not, die ich Ihnen machte, ich fahre heute auf See, habe Familie und arbeite in (Ehren .J'»
Handel und
* Berliner Mitiwochsbörse.
wtb. Berlin, 2. Jan. (Eig. Funkm.) Die heutige erste Börse im neuen Jahr stand ganz unter dem Eindruck des Berichtes des Reparationsagenten Parker Gilbert. Am Bormittag war man freundlicher gestimmt, doch herrschte eine starke Zurückhalt ung, da man die Wirkung des Berichtes auf die Börse abwar- ten wollte. Der offizielle Beginn zeigte ein uneinheitliches Aussehen. Die ersten Kurse schwankten um 1 bis 2 Prozent nach beiden Seiten, lieber» wiegend aber ergaben sich Abschwächungen. Der Ordereingang bei den Danken war gleich Null und die Spekulation zeigte zu Neu-Engagements keine Neigung. Der Reparationsbericht wurde sehr geteilt ausgenommen, es herrschte aber meist keine große Befriedigung, soweit bis jetzt festzustellen war. Nach Ansicht der Börse kann durch die Tatsache, daß der Bericht Deutschlands Lage in einem vielleicht zu günstigen Licht schildert, im Auslande der Eindruck entstehen, daß wir zu noch größeren Verpflichtungen imstande wären, und bei dem in Kürze beginnenden Reparationsverhandlungen dürfte dies wohl hinderlich fein. Der günstigen Beurteilung der Lage Deutsthlands durch Parker Gilbert stehen, zum Teil wenigstens, die Neujahrsbetrachtungen der Presse gegenüber, in denen ganz besonders auf die starke Auslandsverschuldung Deutschlands hingewiesen wird. Der Monatsbericht der Dresdner Bank wurde nicht ungünstig aufgenommen, da er betont, daß der Konjunktur- stillstand wohl bald erreicht fei und ein neuer Aufstieg folgen würde. Am Montanmarkt lag Buderus mit einem über Zprozentigen Verlust schwach. Auch Reichsbank, Polyphon, Tietz, Elektrisch Licht, Ges. f. El., Rheinisch- Elektrische und Stöhr verloren bis zu 4 Prozent. Lebhafter waren Ehade, Siemens, R. W. E., und Akkumulatoren, von denen letztere 5 Prozent anzogen. Deutsche Anleihen waren fester, Ausländer bis auf Bosnier befestigt. Am Pfandbriefmarkt war die Tendenz eher freundlicher, Braunsckweigisch-Hannover Liquidationspfandbriefe verloren aber i% Prozent. - Nach den ersten Kursen wurde es. ausgehend von R. W. E., die durch ausländische Verkäufe 8 Prozent gewannen, allgemein fester und auch (ebbafter. Otavi lagen 1% Mk., Rheinisch Braunkohle 6 Droz., Dessauer Gas 3% Proz., Berger und Rheinisch Elektrizität 3 Proz. und das übrige Kursniveau meist 1—2 Prozent höher. Der Geldmarkt zeigte zum Jahresbeginn eine Erleichterung, lagesgelb war mit 6—8 Prozent, Monatsgeld mit 8% bis 914 Prozent angeboten, Warenwechsel zirka 7 Prozent. Devisen waren gefragt, der Dollar lag fest, das Pfund international leichter.
= Berliner probuhtenböife vom 81. Dezember. Amtlich festgesetzte Preise. Getreide und Oelsaaten per 1000 Ka. sonst per 100 Kg. in Reichsmark. Weizen märt. 202 —204 ITtonnen mär’ 201—203. Sommergerste 218-235. Winter-
Wirtschaft.
gerste 192—200 Hafer märf. 192—199, Mais loko Berlin 224—225, Weizenmehl pro 100 kg frei Berlin brutto tnfl. Sack (reinfte Marken über Notiz,) 25,75—28,75 Noggenmeht pro 100 k® frei Berlin brutto mit. Sack 25.65—28 50, Weizenklete frei Berlin 14,50 bis 00,00, Roggenkleie tret Berlin 14,20—00,00, Raps 000 bis 000, Leinsaat 000—000, Viktonaertyen 42,00—50,00 kleine Spelseerbsen 35,00—40,00, Fulteierbsen 21.00 bis 23,00, Peluschken 22,00—24,00, Ackerbohnen 21,00 bis 23.00, Wicken 27,00—29,50, Lupinen, blaue 14,50 ns 15 an, Lupinen gelbe i7,00-17.50, Seraoella neue 37,00-40,00 Rapskuchen 19.90-20,30, Leinkuchen 25.00 bis 25 20 Trockenschnitzel 13,20—13,7, Soya-Schrot 21,80 bis 22,10, Kartoffelstöcken 18,50 -19,20.
— Annahme von Privalbanknolen bei den Sparkassen. Vom Deutschen Sparkassen- und Giroverdand in Berlin und den vier deutschen Privatnotenbanken ist ein Abkommen getroffen,* wonach alle diesem Verband angeschlossenen Girozentralen, Sparkassen und Girostellen künftig die von den Privatnotenbanken ausgegebenen Banknoten auch außerhalb des Landes der Emissionsbanken in Zahlung nehmen oder in gesetzliche Zahlungsmittel (Reichsbanknoten) umtauschen werden. Dieses Abkommen tritt ab 1. Januar 1929 in Kraft.
— Elekkrolylkupfer (roire bars) 100 Kg. in Rm. (Notierung der Vereinigung für die deutsche Elektrolytkupfer- notiz. Berlin 31. Dez. 166,25 (Vortag 154).
— 20prozentige Produkkionssteigerung bei Ford. Die Ford-Motor Company in Detroit kündigt an, daß sie ihre Belegschaft um über 30 000 Mann erhöhen und wahrend der nächsten beiden Monate eine Steigerung der Produktion von Personenwagen und Trucks um 20 v. H. vornehmen wird.
Die NaU-Industrie im Jahre 1928-
Nach einem Jahresbericht, der ogn der Gebr. Dam- man-Bank Korn. Ges. a. 21. über „Kaliindustrie und Kaliwerte im Jahre 1928" herausgegeben worden ist, wird der Absatz nach dem Inland für 1928 aus 8 617 Mill. D.- Ztr. (7,596 Mill. D.-Ztr.) und nach dem Auslande auf 5,624 Mill. D.-Ztr. (4,598 Mill. D.-Ztr.) veranschlagt, so daß sich insgesamt ein Absatz von 14,242 Mill. D.» Z t r. (12,394) ergibt. Diese Produktion wird wertmäßig auf etwa 220 Mill. Mark netto geschätzt und es wird darauf hingewiesen, daß die Absatzzunahme vorwiegend, und zwar mit 1 Mill. D.-Ztr. Reinkali (gleich fast 60 Prozent) auf das Ausland entfällt, das neben hochprozentigen Fabrikaten besonders auch schwefelsaure Salze in steigenden Mengen bezog. Aus dem Bericht ist weiterhin zu entnehmen, daß die I. G. F a r b e n i n b u ft r i e im letzten Jahre annähernd 1 Mill. D.-Ztr. Reinkali bezogen hat und damit schon der größte Einzelab- 1 nehmer des Kalisyndikats geworden ist.
Hi
Turnen und Sport.
Fußball.
Fußball am Neujahrslag.
Der Deutsche Fußball-Club Prag Mig am Neujahrstag sein letztes Gastspiel in Deutschland gegen den V. f. B. Königsberg aus, dem trotz großer Kälte und andauernden Schneetreibens über 5000 Zuschauer beiwohnten. Die Einheimischen, die ganz in ihrem Element waren, errangen mit 4:3 (3:2) einen bemerkenswerten Erfolg. — Wiener und Budapester Fußballspieler weilten am Neujahrstage in Süddeutschland. Die Berufsspielerrnannschast von Vienna Wien blieb über den V. f. R. Mannheim knapp mit 3:2 (3:1) siegreich. Der ungarische Ligaverein Nemzeti Budapest fand in der Saarbrückener Städtemannschaft einen gleichwertigen Gegner und vermochte nur ein 2:2 zu erzielen. Noch fünf Minuten vor dem Abpfiff führten die Saar- lcute mit 2:1. — Dagegen konnte der ungarische Amateurmeister Egyesület Sport Budapest in Ludwigshafen eine kombinierte Mannschaft von 03 und Pfalz Ludwigshafen überlegen mit 6:1 (3:0) abfertigen. — Schwaben Augsburg und Wacker München kämpften in Ulm um den zweiten und dritten Tabellenplatz in der Gruppe Südbayern. Die Augsburger schlugen die gefürchtete Wackermannschaft Überraschend mit 3:1 (1:0). — Das traditionelle Nord-Südspiel in der Reichshaupt st abt konnte am Neujahrstag vor 7000 Zuschauern auf dem Norden Nordwest-Platz durchgeführt werden. Die Südmannschaft erwies sich als spielstärker und gewann verdient mit 5:2 (1:0) über den Norden. — Ein wirkliches Lehrspiel führte die Berufsspielermannschaft von Sparta Prag in Leipzig gegen eine kombinierte Mannschaft der Leipziger Vereine V. f. B. und Fortuna vor, bas die Tschechen überlegen mit 5:0 (1:0) gewinnen konnten. — Eine Auswahlmannschaft von Nordböhmen schlug am Neujahrstage vor 4000 Zuschauern den mitteldeutschen Ligaverein Guts M u ts in Dresden mit 3:2 (2:1). — Die Berufsspielermannschaft von Rapid Wien beendete am Neujahrstage in Paris ihre ausgedehnte Wettspielreise. Nachdem die Wiener noch am Vortage den F. C. Rouen knapp mit 1:0 besiegen, mußten sie am Dienstag im Pariser Buffalo-Stadion sich von einer kombinierten Mannschaft der Vereine Club Francaise und Stade Francais mit 2:1 geschlagen bekennen. Zur Pause führten die Wiener noch mit 1:0. — S l a v i a P r a g spielte in be Schweiz unb schlug Poung Fellows Zürich überlegen mit 4:0.
Aus dem Bezirk Hessen-Hannover.
In der Gruppe Nord fand nur ein Verbands- sviel statt, in dem Sp. V. Kassel von dem S. C. 05 Göttingen mit 1 : 5 Toren überraschend hach verlor.
In der Gruppe Süd endete bas Kasseler Ortstreffen zwischen K u r h e s s e n unb Hermannia2 . 0 für ben Platzbesitzer Kurhessen. Kurhessen Marburg siegte endlich auch wieder einmal und zwar mit 5 : 2 Toren über Sport Kassel.
Tabellen st and im Bezirk Hessen- Hannover.
Die Tabelle im Bezirk Hessen-Hannover zeigt nach den Spielen am vorigen Sonntag folgenden Stand:
Sp. geto. untfd). Verl. Tore Punkte
Horbgnippe:
1. Sportklub 09»Kaffel 7
•2, ©pteloercin.Staffel 8
3. 05-®öttinaen 8
4. Hessen 09-Kaffel 6
5 Tura-Kassel 8
6. Sp.u Sp.-Northeim 7
Sübgruppe:
1. Borussia-Fulda 8
2. Kurhessev-Kaflel 7
3. K irhefsen-Marburg 7
4. Hermannia-Kassel 9
5. B. C. Sport-Kassel 8
6. Germania-Marburg 8
6 0 1 28:8 12
5 0 3 28 22 10
404 18:17 8
303 15:20 6
224 12:20 6
0 2 5 9:23 2
710 42:11 15
6 0 1 30.7 12
3 0 4 14:33 6
3 0 6 13 2! 6
2 1 5 12:23 5
2 0 6 23:28 4
Die Begegnung am nächsten Sonntag zwischen Kurhessen-Marburg unb Hermannia-Kassel läßt im Falle des Sieges der Marburger diese als sicheren Vertreter der Sonderklasse erscheinen. Ebenso dürste der Ausgang der Spiele zwischen Hessen 09 und 03 Kassel einerseits und Northeim und Göttingen 05 andererseits über Zugehörig- teil zur Sonderliga entscheidend fein. -pp-
— Eintracht Frankfurt—Spiel Bgg. Fürth 0 : 2 (0 : 1). Beide Mannschaften waren gezwungen, mit Er- satz anzutreten. In der ersten Hälfte entspann sich ein sehr interessanter und wechselreicher Kampf, tuen Fürth bis zur Pause 1 : 0 beenden konnte. Nach der^Pause erlangte Fürth, namentlich in der ersten halben Stunde, erheblich das Uebergewicht unb konnte durch einen schön in die Ecke plazierten Sckuß von Franz das zweite Tor erzielen. Der Eintracht-Sturm führte dagegen in der zweiten Hälfte ein total zerfahrenes Spiel vor und ver
mochte auch die günstigst. Torchancen nicht auszunutzen Bei Eintracht fiel vor allem der mangelnde Ersatz für Schütz durch Kirchheim auf, der jeden befreienden Abschlag vermissen ließ. Dagegen zeigte Jüdisch im Tor außerordentlich gute Leistungen, ebenso fein Gegenüber im Fürther Tor. Der Schiedsrichter war den Anforderungen des Spieles im großen und ganzen nicht gewachsen, traf eine große Anzahl von Fehlentscheibungen unb brachte dadurch eine gewisse Unruhe in. das Spiel hinein. Der Besuch des Spieles war verhältnismäßig gut, wenn man in Betracht zieht, daß das Punktespiel Fußballsportverein—Offenbacher Kickers ebenfalls eine recht zahlreiche Zuschauermenge angelockt hatte.
Das Ergebnis der Berbandsfpiele in Süddeulschland.
Mit wenigen Ausnahmen, die aber für die Frage der Meisterschaften, der Plazierung ober des Abstieges völlig bedeutungslos sind, gingen in Südheutschland die Gruppenspiele der Bezirksliga zu Ende. Im
Bezirk Main-Hessen
hatte die- Gruppe Main noch ihre beiden Plazierten zu ermitteln, nachdem die Frankfurter Eintracht als Meister bereits festgestellt war. Es siegte der F. Sp. V. Frankfurt mit 6 : 0 Toren ganz überlegen über Kickers Offenbach, und Union Niederrod fertigte den außer Form befindlichen 1. F. C. 93 Hanau 2 : 0 ab. Die beiden Sieger dieser Spiele haben hiermit die Tabellenplätze errungen. Germania Bieber besiegte Rotweiß Frankfurt fast nach Belieben 7 : 1.
In der Gruppe Hessen siegte der Meister, Wor- matia Worms, über den absteigenden Gegner, Sp. Bgg. Arheiligen, nur ganz knapp mit 3 : 2 Toren. Der Ta» bettenbritte, V. f. L. Neu-Isenburg, ließ sich zum Schluß nochmals von Sp. V. Wiesbaden 1 : 2 schlagen. Ta» bellenzweiter ist hier bereits F. Sp. V. 05 Mainz.
Tabelle der Gruppe Main.
Sp.
Eintracht Frankfurt 18
iv. Sp. V. Frankfurt 18
Union Niederrad 18
Kickers Offenbach 18
1. F. C. 93 Hanau 18
Germania Bieber 18
Roiweitz Frankfurt 18
F.Vrg. 03 Fechenheim 18
Viktoria Ascbaffb. 18
Sp. Bgg. 60/94 Hannu 18
gew. unentsch. berl. Tore Pkt.
12
12
12
9
10
8
9
4
2
2
3 3 56:29 27
1 5 72:25 25
1 5 47:26 25
5 4 34:30 23
2 6 42:32 22
3 7 37:27 19
1 8 34:26 19
2 12 28:63 10
1 15 19:62 5
1 15 18:67 5
Bezirk Bayern.
In der Gruppe Nordbayern lieferten sich der F. V 04 Würzburg und der 1. F. C. Bayreuth ein für die Plazierung belangloses 1 : 1. Meister der Gruppe ist der 1. F. C. Nürnberg, ihm folgen die Sp. Vgg. Fürth und der A. S. V. Nürnberg. Franken Nürnberg fteigt ab.
In der Gruppe Südbayern wohnte dem 1 • 4 zwischen Teutonia München und Schwaben Augsburg auch keinerlei Bedeutung für die weiteren Kämpfe inne. Bayern, Wacker und 6. D. 1860, also die drei Münchener Großvereine haben, ebenso wie die Frankfurter in der Gruppe Main, die drei Plätze an sich gebracht. Schwaben Ulm fteigt zur Kreisliga ab.
Bezirk Württemberg — Baden.
In der Gruppe Württemberg verloren die Stuttgarter Sportfreunde gegen S. C. Stuttgart 1 : 2 die Stuttgarter Kickers besiegten den V. f. R. Heilbronn mit dem torreichen 7 : 4. Der Liganeuling Germania Brötzingen, ist hier Meister geworden, ihm folgen die beiden' Stuttgarter Vereine Kickers und V. f. B., während der S. C. Stuttgart abfteigt.
In der Gruppe Baden fertigte der S. C. Freiburg den F. V. Offenburg 7 : 1 ab. K. F D. Karlsruhe, F. C. Freiburg und Phönix Karlsruhe bilden hier die Spitze, F. V. Offenburg das Ende der Tabelle.
von den Hochschulen.
— Professor Reincke-Dloch gestorben. Der Professor der Geschichte Dr. Hermann Reincke-Bloch ist in B r e s« lau an den Folgen einer Lungenentzündung im Alter von 61 Jahren gestorben. Riencke-Bloch war im Jahre 1920 zunächst Ministerpräsident und dann Kultusminister in Mecklenburg-Schwerin.
— Professor 6fau-3ena nach Darmstadt berufen. Professor Dr. Abraham E s a u, der Direktor des Technisch- physikalischen Instituts der Universität Jena, erhielt eine Berufung auf den ordentlichen Lehrstuhl für Fernmeldetechnik der Technischen Hochschule in Darmstadt. Professor Dr. Esau ist als Vorsitzender des Deutschen Funktechnischen Verbandes in weitesten Kreisen Deuticklands
bekannt. (Er gilt als eine der ersten Autoritäten auf den Gebiete der Rundfunkmeldetechnik.
— Professor v. Kries gestorben. Im Alter von 7t, Jahren ist gestern in Freiburg der emeritierte ordentliche Professor der Physiologie an der Universität Freiburg, Geh. Rat Dr. Johannes v. Kries, Ritter des Ordens Pour le Mcrite für Wissenschaft und Kunst und mehrfacher Ehrendoktor, gestorben. Der Heimgegangene war einer der bekanntesten Physiologen Europas. Seine Schriften haben Weltruf.
* Der lob in den Bergen. Wie die Blatte t aus Innsbruck melden, ist am 29. Dezember beim Aufstieg zum Peifchelkopf unweit von St. Christoph am Vorarlberg der Ingenieur Hermann Völcker aus Plauen im Vogtland tödlich verunglückt. Er war mit seinem Bruder, dem bekannten Hallenser Chirurgen Prof. Dr. Völcker, und drei anderen Herren mit einem losgetretenen Schneebrett abgerutscht und verschüttet worden. Während die anderen Mitglieder der Gruppe sich ohne weiteres aus der wieder zum Sichen gekommenen Schneemaffe befreien konnten, war bei Ingenieur Völcker, als ihn feine Gefährten nach kaum fünf Minuten aus dem Schnee befreiten, bereits der Tod eingetreten.
* Ein salomonisches Urte«. In einem Dorf in der Nähe von Peking legten vier kleine Kaufleute zusammen, um gemeinsam Baumwolle em- zukaufen. Um die Wolle vor Ratten zu schützen, verschafften sie sich eine Katze und kamen überein, daß jedem von ihnen ein Bein der Katze gehören solle. — Kurz darauf verletzte sich die Katze eine Pfote und der „Eigentümer" des betreffenden Deines verband die Wunde mit einem in Del getränkten Lappen. Ms die Katze in die Nähe eines Feuers geriet, fing der Verband Feuer und das erschreckte Tier rannte in das Baumwollager, das sofort Feuer fing und völlig verbrannte. Die Er- gentümer der drei unverletzten Beine klagten nun vor einem chinesischen Gericht auf Schadenersatz gegen den Besitzer des verletzten Beines. Der Richter fällte folgendes Urteil: da die Katze das verletzte Bein nicht gebrauchen konnte, ist das Feuer durch die unverletzten Beine verursacht ivor- den, mit denen sie in dem Lager herumlies. Folg- lich waren diese Beine schuldig und ihre Eigen, tümer müssen Schadenersatz leisten.
Tarifwesen.
= Teilweise Verbindlichkeitserklärung des Schied-, fpruches für die Wuppertaler Textilindustrie. In bei Gesamtstreitsache der Wuppertaler Textllinbustrie wurde Teil A einschließlich Anlage 2 und Teil B, soweit er auf Teil A Bezug nimmt (Arbeitszeit) des am 20. De- zember gefällten Schiedsspruches des Schstchtungsaus- fchuffes für das Bergische Land in Barmen für verbindlich erklärt. Die Verbindlichkeitserklärung für die Teile P und C des vorgenannten Schiedsspruches (Lohnabkommen) wurde infolge der derzeitigen unübersichtlichen wirtschaftlichen Sage in der Wuppertaler Textilindustrie abgelehnt.
= Der Eisenkonflikt vor dem Reichsarbeitsgericht. Die Verhandlungen über die vom Arbeitgeberverband Nordweft in Düsseldorf gegen das Urteil des Landesarbeitsgerichts in Duisburg eingelegte Revision find beim Reichsarbeitsgericht in Leipzig auf den 22. Januar 1929, 9 Uhr, anberaumt.
Musik und Gesang.
— Die Mailänder Scala kommt nach Berlin. Die. Mailänder Scala wird unter Führung von Toscamnt während der Berliner Festspiele 1929 ein fünf bis W Abende umfassendes Gesamtgastsviel geben. Es ist das erste Gesamtgastspiel, das die Scala feit ihrer Gründung außerhalb Italiens veranstaltet.
= Eine Ausstellung chinesischer Kunst. Die Ausstellung chinesischer Kunst, die die Preußische Akademie der Künste zusammen mit der Gesellschaft für Ostasiatische Kunst am 12. Jan. in Berlin eröffnet, verspricht em (Ereignis von höchster Bedeutung zu werben. Nicht nur alle großen deutschen Sammlungen werden mit ihren hervorragendsten Schätzen vertreten sein, sondern auch das ganze Ausland. Allein aus Paris unb ßonbon werden etwa zweihundert Objekte aus ben berühmtesten Sammlungen ausgestellt werben. Auch Holland. Schweden, Italien und die Schweiz werden die Ausstellung beschicken. Insgesamt werben etwa tausend Objekte aus allen Gebieten der chinesischen Kunst gezeigt werden.
Bunte Zeitung.
♦ Seil zwei Jahren von jedem Verkehr abgeidjnitieu. Aus der Wrangel-Jnsel befinden sich etwa 60 Menschen, welche bereits feit August 1926 durch Eis von jedem Verkehre abgeschnitten sind. Die russische Regierung will ihnen im nächsten Sommer mit einem Eisbrecher zu Hilfe kommen. Die sehr gebirgige Wrangel-Jnsel liegt im nördlichen Polarmeere im Norden von Ostsibirien. Im 19. Jahrhundert erfuhren die Russen durch Tschukt- schen (Bewohner des nördlichsten Dftfibriens) zum ersten Male von der Existenz dieser Insel. Die von bem russischen Seefahrer Wrangel unternommene Entbeckungs- fahrt schlug fehl. Dem Amerikaner Lono glückte es 1867 zwar, bie gesuchte Insel zu finben, er konnte aber auf ihr nicht lanben. Kapitän Hooper war der erste, ber feinen Fuß auf sie setzte und sie 1881 für Amerika in Besitz nahm. 1924 schickte Sowjetrußland ein Kanonenboot zur Wrangelinsel unb ließ bie russische Flagge hissen. 1'126 versuchte es bas öbe Land mit 5 Russen und 55 Tschukt- schen zu besiedeln, bie feit bem 15. August 1926 ihrem Schicksal überlassen sinb. Alle bisherigen Versuche, mit ihnen eine Verbindung herzustellen, hatten keinen Cr- folg- ———
Träumen.
Von Hans Horanbt.
Der Traum ist unbewußte Unterhaltung der Seel» mit sich selbst. x
Was an Sehnsüchten unb Wünschen, an oerbrängten Gefühlen unb Nöten, an Schuldempfinden und verlorenem Wollen in die blaue Dunkelheit der Seele versenkt ist: taucht in den Träumen ber Nacht tausenbgestaltig. unabweisbar und unbestechbar wieder auf: in Masken und Symbole getarnt. Listig lachend wie ein buntgemal- ter Harlekin: unb trägt doch unter bem lauten Schellenkleid bie Toga ber Tränen ... Wie ein wildes Tier oder wie ein blühender ©arten; wie ein in Nacht unb Einsamkeit Verfolgter, wie ein Fliegender, Fallender, Immersuchender; Zeit unb Ort unb Bahn Verpassender; wie ein König ober ein Toter, wie ein Kind oder eine Pflanze.
Wir selber treten auf: in allen Rollen und Kostümen, in denen wir vor uns und den anderen — mimen . . . .
Andere treten auf: in all ben Vermumungen und Verwandlungen, in denen sie in unseren Wunschgedanken und in unseren Erfahrungen — verschwiegen — leben.
Träumen ist: — Zustandsmalerei der Seele. In allen Stilformen des Künstlers:---Gewissen . . . .
Es hat wer gesagt: wir müßten dazu erzogen werden: baß wir uns auch für untere Träume verantwortlich fühlen . . .