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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Ilctiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postqeb. (OObezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Donnerstag, 3. Zanuar 1929.

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56.Zahrg.

Zer vierte Wresberilht Des KplirationSügenten.

Die Ausnahme in Amerika. — Optimistische Beurteilung der deutschen Wirtschaftslage und Zahlungsfähigkeit.

Der Generalagent der Reparationszahlungen, Parker Gilbert, legte feinen Jahresbericht über das vierte Jahr seiner Tätigkeit vor. Das Schriftstück umfaßt im englischen Originaltext 188 Druckseiten, von denen 167 dem eigentlichen Be­richt, der Rest statistischen Anlagen gewidmet ist. Der Dawes-Plan hat, so wird dargelegt, mit Be­zug auf die Reparationszahlungen und den Trans­fer weiter erfolgreich gewirkt. Deutschland hat, wie in den Vorjahren, alle Zahlungen loyal und pünktlich erfüllt. Das Transferkomitee hat regel­mäßig und laufend, ohne Störung für die deutsche Währung, seine Uebertragungen ausführen kön­nen. Die Sachlieferungen haben erheblich zuge­nommen, unh zugleich ließ sich die Uebertragung eines wachsenden Teiles der Annuität in fremder Währung durchführen. Im vierten Jahre wurden Bar-Tranfers in Höhe von rund 943 Millionen Goldmark oder 54 Prozent des gesamten Trans­fers vorgenommen, während die Reichsmarküber­tragungen, meist füt Sachlieferungen, sich auf rund 796 Millionen, also etwa 46 Prozent des Ge­samttransfers, beliefen.

Die Ginnahmen haben sich in ihren Betrügen weiter befriedigend entwickelt. Die Verkehrssteuer ergibt jährlich die Normalsteuer von 280 Millionen Goldmark mit einem steigenden Sicherheitskoeffi­zienten. Ebenso ergibt die Jndustriebelastung re­gelmäßig den vollen Betrag. Die Finanzlage der Reichsbahn ist stark, teilweise infolge der jüngsten Tariferhöhung und teilweise wegen besserer Fi­nanzgebarung.

Das Reichsbudget steht noch immer, so führt der Reparationsagent weiter aus, unter dem Einfluß einer Tendenz zu übermäßigen Ausgaben und Anleihen, die in dem Me­morandum Dom 20. Oktober 1927 erwähnt war. Die steigenden Ausgaben ergeben sich vornehm­lich aus der durchgreifenden Erhöhung der Beamtengehälter und -Pensionen, und aus den fortgesetzten Anforderungen des Finanzaus­gleichs mit den Ländern und Gemeinden, d-e dem Reich automatisch den Hauptanteil an den wachsen­den Einnahmen der Einkommens- und Körper- schaftsstsuern entziehen. Auch die Finanzlage des Reiches steht unter dem Druck außerordentlikcher Ausgaben in früheren Jahren, die urfprünglich durch Anleihen finanziert werden sollten, aber zu einem großen Teil aus den jetzt für die laufenden Ausgaben nötigen Betriebsmitteln entnommen werden müssen. Das Problem des Finanz­ausgleiches wird immer dringender. Es wird dabei auf den Hinweis des Sachverständigenbe­richts vom April 1924 Bezug genommen, der das finanzielle Verhältnis zwischen Reich und Ländern und Gemeinden als das „zu verstopfende Lolch im Budget" bezeichnet. Es fei jetzt klar, daß die Reichsregierung, wenn sie nach einer vierjährigen Frist die geeigneten Schritte in dieser Richtung zum Schutze ihres eigenen Budgets unternehme, hier­durch allein hunderte von Millionen sparen könnte, die jetzt willkürlich den Ländern und Gemein­den übertragen würden.

In Bezug auf die vorherrschenden Tendenzen Budgetlage des Reiches, die der Länder und Gemeinden führt der Bericht aus: Die Notwendig­keit eines ausgeglichenen Budgets steht nicht in »rage. Die praktische Aufgabe bestehe aber dar­in, die Regierungsausgaben im Rahmen der Ein­nahmen zu halten, und es nahe der Zeitpunkt heran, wo entschiedenerer Maßnahmen In dieser Rich­tung notwendig seien Ob und in welcher Höhe Steuererhöhungen notwendig seien, werde von den zu treffenden internen Maßnahmen ab­hangen Aber es gebe nichts in der Budgetlage, mas Nicht aut die Anwendung gesunder Budgetie­

rungsgrundsätze reagiere, und die Aufgabe sei im wesentlichen eine für die verantwortlichen Behör­den intern zu lösende. Wie im vorigen Bericht erwähnt, könne normalerweise und im Lichte der bisherigen Erfahrungen kein Fall eintreten, wo­nach das Reichs-Budget nicht in der Lage wäre, fei­nen Normalbeitrag an Reparationen planmäßig zu leisten.

Die Aufgaben der Währungsstabilisie- r u n g, die andere Hauptaufgabe des ursprüngli­chen 'Sachverständigenplans, ist nach dem Bericht voll erfüllt. Die Reichsmark gewährleistet weiter­hin alle Anforderungen in Bezug auf ihre Stabili­tät, wie zu allen Zeiten seit Aufstellung des Sach­verständigenplanes. Die Goldreserven der Reichs­bank sind höher als je, und während des größten Teiles des abgelaufenen Jahres ist die Reichsmark eine der stärksten Währungen der Welt gewesen.

Es erscheint, so wird weiter ausgeführt, daß die Neigung zu einer übermäßigen Expansion der Wirtfchaft, wie sie sich 1927 entwickelte, jetzt eingebämmt ist, und daß die Schwankungen, wie sie bis zum Frühling 1928 beobachtet wur­den, nach Ausdehnung und Zahl stark zurückge­gangen sind, Deutschlands Produktion und Handel, wie auch die Kreditverhältnisse haben den Charak- ter einer größeren Beständigkeit angenom­men als zu irgendeiner Zeit seit dem Krieg,

Der Außenhandel habe sich deutlich der Richtung auf größere Stabilität und einen Aus­gleich entwickelt. Die Ueberproduktion, die über­mäßige Ausdehnung, scheint gegen Ende 1928 so eingedämmt, daß eine verhältnismäßige Stabilität erreicht werde. Das Volumen des Kon­sums scheint 1928 etwa auf einer beträchtlichen Höhe des Vorjahres geblieben zu fein, was der Bericht als ein eindrucksvolles Anzeichen des verbesserten Lebens st andarts der deutschen Be v ö l ke r u n gs m a f s en bezeichnet. Abersogrotz der F o r t s ch r i t t Deutschlands während der letz­ten vier Jahre gewesen ist, so schließt dieser Teil des Berichtes, könne nicht angenommen werden, daß er die Zerstörungen des Krieges oder den Pro­duktionsausfall gutgemacht hätte,- den der Krieg verschuldet habe.

In seinen Schlußfolgerungen führt der Repa­rationsagent aus, daß die Tatsache, daß noch im­mer keine endgültige Festsetzung der deutschen Re- parationsverpflichtüngen bestehe, dem Plane selbst ein Element der Unsicherheit gelassen habe, daß alle an den Reparationen beteiligten Länder in Mitleidenschaft ziehe; und es sei in wachsendem Maße klar geworden, daß eine endgültige Regelung des Problems, die in gegenseiti­gem Einvernehmen erfolgen sollte, den wahren Interessen der Gläubigermächte und Deutschland gleichermaßen dienen werde.

Zum Schluß wird erklärt: „Der neue Sachver­ständigenausschuß wird also mit anderen Worten Vorschläge für eine vollständige und endgültige Re­gelung des Reparationsproblems zu machen ha­ben, und so ausdrücklich von den beteiligten Re­gierungen bevollmächtigt fein, das Grundproblem zu prüfen, das noch zu lösen ist, um das Werk des ersten Sachverständigenausschufses zu seinem logi­schen Abschluß zu bringen."

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wtb. Neuyork, 2. Januar. (Eig. Funkm.) Die Blätter bringen dm Bericht Parker Gilberts in größer Aufmachung. In dm Ueberschriften wird die optimistische Beurteilung der deutschen Wirtschaftslage und Zahlungsfähig­keit, die in dem Bericht zum Ausdruck kommt, hervorgehoben: insbesondere im Hinblick auf die in diesem'Jahr fällige Reparations-Annuität.

Deutschland erwartet Rheinlandräumung

Das ist slnfang und Ende

Der offizielle Neujahrstag beim Reichspräsiden­ten begann um 10 Uhr vormittags mit der militä­rischen Wachtparade, die durch das Brandmburqer Tor über die Linden und die Wilhelmstraße zum Palais des Reichspräsidenten zog und deren Mel­dung der Reichspräsident vor dem Portal "des Hauses entgegennahm. Hieran schloß sich ein'Mor­genständchen der Kapelle des Wachtregimmtes im Park des Hauses. Um 12 Uhr mittags empfing Reichspräsident von Hindenburg in der üblichen Weise die Chefs der fremden diplomatischen Ver- ttetungen, zu deren Anfahrt sich in der Wilhelm­straße größeres Publikum angesammelt hatte. Eine im Ehrenhof des Reichspräsidiums aufgestellte Ab- teilung Reichswehr erwies den fremden Diplomaten militärische Ehrenbezeugungen.

Der apostolische Nuntius, Monsig­nore Pacelli, brachte als Doyen die Glück­wünsche des diplomatischen Korps 'm einer Ansprache zum Ausdruck, in der es hieß:

Getragen von der Verehrung und Liebe des Volkes erfüllen Sie, Herr Reichspräsident, in bewundernsvoller Körper- und Geistesfrische Ihre so hohen Aufgaben. Wir hegen die innigsten Wünsche für die Erhaltung Ihrer Ge­sundheit, damit Sie sich noch lange den Werken widmen können, auf den unerschütterlichen Grundfesten der Wahr- hett und Gerechtigkeit die Größe und das Wohl der Nation zu mehren, deren höchstes Amt Sie bekleiden, ^rotz unvermeidlicher Enttäuschungen, trotz merklicher Hemmungen, trotz zeitweiliaer Rückschläge schreitet die

der Neujahrswimsche 1929.

Menschheit auf dem masestatischen Wege des Friedens entschlossen voran. Deutschland selbst hat sich, indem cs gleich im Anfang dem Pakt zum Verzicht auf den Krieg als Instrument der nationalen Politik beitrat, feierlich zum friedlichen Ausbau der Be­ziehungen zwischen den Staaten bekannt. Möge das heute beginnende Jahr die glückliche Lösung der wichtigen und heiklen Aufgaben bringen, von denen die Ruhe Eu­ropas abhängt.

Der Reichspräsident erwiderte u. a.:

„Sie haben von den Enttäuschungen und Rückschlägen gesprochen, von denen die Völker in ihrem Streben nach friedlicher Entwicklung betroffen werden. Seien Sie versichert, daß kein Land solche Enttäuschungen und Rück­schläge härter empfindet als Deutschland, das trotz seiner ernsten Bemühungen um Herstellung einer wahren, auf Vertrauen und Gleichberechtigung beruhenden Friedens­gemeinschaft noch immer von der Sorge um die Erfül­lung berechtigter Erwartungen bedrückt wird. Mit b e - sonderer Bitterkeit empfindet es das gesamte Volk gerade heute, am Eintritt in das neue Jahr, daß einem großen Teil unseres Gebietes immer noch die Freiheit vorenthalten wird, auf die wir nach göttlichem und menschlichem Recht Anspruch haben.

Wir wollen trotz herber Enttäuschung hoffen, daß im neuen Jahre dem deutschen Volke die volle Selbstbesiim- mung zurückgegeben wird. Denn nur zwischen fre-en Volkern können die hohen Gedanken der Verständigung, des Friedens und der Entwicklung der Menschheit voll zur Auswirkung gelangen.

Für die lleberwinduna d-r Hemmnisse alle Kräfte einzusetzen, ist Deutscklo-rd stets bereit .gewesen und wird es auch weiter fein. Zur Erreichung dieses für die Ruhe

Europas entscheidenden Ziels gehört die freie und ver­ständnisvolle Zusammenarbeit aller Nationen. In der ganzen Welt fordern die wohlverstandenen Interessen der Völker mehr denn je die gütliche und aufrichtige Zusam­menarbeit aller Regierungen, um freie Bahn zu schaffen für kulturelle, soziale und moralische Entfaltung der Kräfte. Dieses Ziel muß uns allen gemeinsam sein. Für seine Verfolgung ist während des vergangenen Jahres mit be. von Ihnen erwc-Inten, von Deutfustand aufrich­tig aufgenommenen ilnterzeichung des Paktes über den Verzicht auf den Krieg eine neue Grundlage geschaffen worden. Es gilt, auf dieser Grundlage weiterzuarbeiten, um die großen Gedanken dieses Abkommens zu verwirk­lichen, die dahin gehen, die noch zwischen den Völkern bestehenden Probleme ohne Rücksicht auf Machtverhält- nisse nach dem Grundsatz der Gerechtigkeit zu lösen, und so der Welt diejenige Sicherung des Friedens zu geben, die die Gewähr der Dauer in sich schließt.

Nach dem Austausch der Ansprachen begrüßte der Reichspräsident die einzelnen Botschafter, Ge­sandten und Geschäftsträger und wechselte mit ihnen Neujahrswünsche.

Jrn Anschluß an die Diplomaten empfing der Reichspräsident den Reichskanzler sowie die Reichsminister und die Staatssekretäre der Reichs­regierung. Der Reichskanzler Müller be­grüßte den Reichspräsidenten mit folgender An­sprache:

Herr Reichspräsident! Ich habe die Ehre, am heuti­gen Tage Ihnen die herzlichsten Glückwünsche der Reichs­regierung zu übermitteln. Sie wünscht Ihnen mit dem gesamten deutschen Volke auch im neuen Jahre G e - sundheit und Wohlergehen. Die Reichsregierung ist sich mit allen Deutschen voll Stolz der Tatsache be­wußt, an der Spitze des Reiches einen Mann zu wissen, dem die ganze Welt die größte Achtung zollt für die Art, in der er fein hohes und schweres Amt ausübt.

Am Beginn des neuen Jahres pflegt man Umschau zu halten; man schaut zurück und man blickt vorwärts. Das vergangene Jahr hat die Hoffnungen und Wünsche auf außenpolitischem Gebiet, die jeder Deutsche hegt, nicht in Erfüllung gebracht. Das wird uns nicht abhalten, unablässig wie bisher an ihrer Verwirklichung zu arbei­ten und auf ihre Erfüllung zu drängen, bis Rhein, Saar und Pfalz von fremdem Druck befreit fein werden. Hoffentlich wird uns hierin das neue Jahr endlich weiterbringen. Die bevorstehende Zusammen­kunft der Sachverständigen wird, so hoffen wir, die für Reich und Volk so entscheidend wichtige Re- parationsfrage in Fluß bringen und damit die vormals kriegführenden Nationen der völligen Liquidierung des Krieges näherführen. Erft die Lösung dieser gewaltigen Aufgaben kann die noch aus dem Kriege zuruckgebliebe neu Spannungen beseitigen und eine Aera wirklich ver­trauensvoller Beziehungen zwischen uns und allen un­seren Nachbarn ermöglichen, ohne welche die Grundlagen eines wahrhaften Friedens nicht gelegt werden können.

Ich brauche nur an das Problem „Reich und Län­der", an die schweren Wirtschaftskonflikte und an die Schwierigkeiten zu erinnern, die uns die finanziellen La­sten des verlorenen Krieges auferlegen. Wir hoffen,, sie wie bisher Schritt für Schritt zu überwinden, gestützt auf die Tatkraft unseres Volkes und im Vertrauen auf die politische Erfahrung, über die das deutsche Volk, seit­dem es sein Geschick selbst in die Hand genommen hat, von Jahr zu Jahr in größerem Maße verfügt. Die viel­fachen Leistungen, die deutscher Wagemut' und Unter­nehmungsgeist gezeigt haben, haben uns in der Welt wieder Sympathien und Freunde geschafft. Die lieber« fliegung des Ozeans durch deutsche Flieger, die Fahrten des Zeppelin-Luftschiffes haben bewiesen, daß die Spann­kraft deutschen Geistes und deutschen Willens die alte ist. Sie sind ein Beweis dafür, daß unsere Zuversicht nicht trügt, die an den Wiederaufstieg und die Zukunft un­seres Volkes glaubt. Möge auch im neuen Jahre der Weg aufwärts gehen, und möge es bessere Tage be­scheren für unser Volk, dem unsere ganze Arbeit gilt."

Der Herr Reichspräsident erwiderte darauf:

„Herr Reichskanzler! Meine Herren! Für die Glück­wünsche, die Sie, Herr Reichskanzler, namens der Reichs­regierung mir in so freundlichen Worten ausgesprochen haben, sage ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank. Ich erwidere sie mit gleich herzlichen Glückwünschen für Ihr aller persönliches Wohlergehen und für guten Erfolg Ihrer Arbeit im beginnenden Jahr. Mein erster Gruß am heutigen Tage gilt unseren Brüdern und Schwestern im besetzten Gebiet, deren ich mit dem gesamten deutschen Volke in schmerzlichster Anteilnahme gedenke. Es war die schwerste Enttäuschung des vergangenen Jahres, daß die berechtigte Erwartung, die wir für die endliche Be­freiung des besetzten Gebietes von fremder Militärgewalt hegten, bis heute noch keine Erfüllung fand. Mit Be­friedigung begrüße ich daher Ihre Erklärung, Herr Reichs­kanzler, daß die Reichsregierung entschlossen ist, unab­lässig darauf zu drängen, daß Rhein, Saar und Pfalz von fremdem Druck befreit werden. Daß dies bald ge- ligen möge, ist der besondere Wunsch, den das gesamte deutsche Volk beim Eintritt in das neue Jahr bekundet.

Das alte Jahr hat uns vor manche schwere Aufgabe gestellt. Aber wir haben ttotz der immer noch bestehenden

Schwierigkeiten politischer und wirtschaftlicher Art doch manche Fortschritte erzielt und können feststellen, daß auch im Auslande das Vertrauen auf eine günstige Entwicklung.Deutschlands sich festigt und wächst. Mit Genugtuung kann ich es besonders begrüßen, daß es der tatkräftigen Mitarbeit der Reichsregierung und der ver­ständigen Einsicht der Arbeitnehmer und der Arbeit­geber gelungen ist, den W i r t s ch a f t s k a m p s i m In­dustriegebiet Nordwestdeutschlands und in Sachsen beizulegen und den wirtschaftlichen Frieden, den wir so dringend für unseren Wiederaufbau benö­tigen, zu sichern.

Die deutsche Wirtschaft hat im vergangenen Jahre mancherlei Nöte zu bestehen gehabt. Wir wollen hoffen, daß das kommende Jahr Schranken und Hemmnisse, die der freien Entfaltung ihrer Kräfte noch entgegenstehen, beseitigt und ihr die Möglichkeit freier Betätigung gibt, die unseren zahlreichen Erwerbslosen Ar- beitundBrot verschafft. Ein lebenswichtiger Zweig unserer Volkswirtschaft leidet ganz besonders, die L a n d- wirtschaft, namentlich im östlichen Deutschland. Ihr wieder aufzuhelfen und sie wieder in die Lage zu setzen, ihre Aufgabe, die Volksernährung Deutschlands zu er­zeugen, zu erfüllen, wird eines der'dringlichsten Probleme der nächsten Monate fein. Mit schwerer Sorge um die eigene Existenz und um die Zukunft der gesamten land­wirtschaftlichen Arbeit blicken die deutschen Landwirte, die Großbesitzer ebenso wie die mittleren und Kleinbau­ern, auf das neue Jahr. Deshalb wiederhole ich Ihnen, Herr Reichskanzler, und der Reichsregierung gegenüber die dringliche Bitte, in Erkenntnis der Wichtikeit dieser Frage alle Kräfte für die Behebung der Not der deut­schen Landwirtschaft einzusetzen. Mit Ihnen, Herr Reichs­kanzler, bin auch ich, wie schon eingangs angedeutet, der Auffassung, daß trotz aller Schwere der Zeit unsere innere Sage s i ch gefestigt und gebessert hat. Ja, es will mir sogar scheinen, daß Gegenfätze, die unfer Volk so unheilvoll durchziehen, sich gemil­dert haben oder wenigstens nicht mehr in solcher Stärke zu Tage treten wie früher.

Möge das deutsche Volk auch im kommenden Jahre fortfahren, im Gedanken an das Vaterland und feine Zukunft persönlichen und politischen Widerstreit zu über­winden und zu überbrücken. Dann wird auch unserem schwergeprüften Volke Gesundung und eine bessere Zu­kunft befdjieben fein, an die ich mit Ihnen, Herr Reichs­kanzler, unerschütterlich glaube."

Hierauf begrüßte der Herr Reichspräsident jeden einzelnen der Reichsminister und der Staatssekre­täre.

Gegen 1 Uhr empfing der Reichspräsident den Reichstagspräsidenten L ö b e und den Vizepräsi­denten des Reichstages Graef, die ihm die Glück­wünsche des Reichstages zum neuen Jahr übermit­telten. Der Herr Reichspräsident dankte und er­widerte mit aufrichtigen Wünfchen für die Aufgaben des Reichstages im neuen Jahre. Dann übermit­telten der preußische Landwirtschaftsminister Dr. Steiger, der bayerische Reichsratsbevollmäch- tigte Gesandter o. P re g er, der sächsische Reichs- ratsbevollmächtigte Gesandter Dr. Gradnauer, der württembergische Reichsratsbevollmächtigte Ge­sandter Dr. B o s l e r und der Reichsratsbevoll- mächtigte für Braunschweig und Anhalt Gesandter Boden dem Herrn Reichspräsidenten die Glück­wünsche des Reichsrats.

Die Glückwünsche der Heeresmacht überbrachter der Chef der Heeresleitung, General der Infanterie Heye, und der Chef der Marineleitung, Admiral Räder.

Später überbrachten noch Generaldirektor Dr. Dorpmüller und die Direktoren der Reichsbahn Dr. Voigt und Kumbier die Glückwünsche der Deutschen Reichsbahngesellschaft und Vizepräsident der Reichs­bank Dreyse mit den Mitgliedern des Direktoriums Geheimen Oberfinanzrat Budczies und Geheimen Finanzrat Dr. Bernhard die Glückwünsche des Reichsbankdirektoriums.

Wien und Berlin.

Glückwunschwechsel zum neuen Jahr.

Reichspräsident v. Hindenburg und der österreichische Bundespräsident M i k l a s haben an­läßlich des Jahreswechsels herzliche Glückwünsche ausgetauscht. Das Telegramm des Reichspräsiden­ten hatte folgenden Wortlaut: „Zum Jahreswech­sel spreche ik Ihnen, Herr Bundespräsident, meine aufrichtigsten und herzlichsten Glückwünsche aus. Möge das neue Jahr auch Ihrem Lande Glück und Segen bringen. Gez. Reichspräsident v. Hinden­burg."

Der Bundespräsident hat folgendermaßen ge­drahtet:

„Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, Euer Exzellenz an der Wende des neuön Jahres dir

Nuntius Dacelli be m De'laffen des Reichspräfidentenhaufes.

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