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Fuldaer Zeitung

1. Januar 1929

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zelnen gar n aufgedeckt werden können. Trotz dieser Schw« eit läßt sich immerhin eine allge-

rsache dieses geschichtlichen Pro-

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Sechzig Jahre für das Deutschtum im Ausland

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Die Deutsche Schule in Konslankinopel

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d die Völker nicht nur rassenmäßig, sellschaft aus eigener Kraft nicht errercht werden । national differenziert. Sie be- ' können. Diese Aufgabe des Staates war mit kei-

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Kultur auch Sie wurden

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deshalb fielm der Wandel auch nicht schwer. Dazu kommoch, daß der Inhalt der Kultur ganz anders mass der der Gegenwart. Wenn die verfchiedeneLölker daran auch einen verschiede­nen Anteil tten, so erstreckte sich das Kulturziel, die Kulturlniemals auf das eigene Volk, son­dern blieb fkisch ungefärbt. Dadurch wurde es dem einzell und der sozialen Gruppe erleichtert, in die Kull eines anderen Volkes hinein zu wach­sen.

sitzen ein stark entwickeltes nationales Kollektiv- bewußtsein, das sich in allen Erscheinungen des individuellen und sozialen Lebens offenbart. Die Völker find zu Nationen geworden; das bedeutet aber, daß ihr polisifcher, wirtschaftlicher und kul­tureller Wille auf ein gemeinsames, die Gesamt­heit der Nation umfassendes Ziel gerichtet ist. Die Nation entfaltet nach innen und nach außen einen einheitlichen Willen. Nach innen sammelt sie, nach außen trennt sie. Sie ist die kräftigste, wider­standsfähigste von der Geschichte jemals hervor­gebrachte Kollektivpersönlichkeit. Auch der ver- bohrteste Anhänger der Völkerassimiüerung wird zugeben müssen, daß es einen gewaltigen Unter­schied bedeutet, ob sich die Kraft der geschichtlichen Assimilierung an einem national ungefärbten, nur naturhaft differenzierten, oder aber an einem na­tional stark differenzierten und ausgeprägten Volk erprobt. Die bestehende egozentrische Eigenart nationaler Sammlung und Betätigung muß aber im Falle einer gewaltsamen Assimilierung zu dem entgegengesetzten Ergebnis führen, denn durch ein solches Vorgeben wird die Minderhest automatisch in einen Verteidigungszustand gesetzt und die nach außenhin trennenden Momente werden von einem gesteigerten nationalen Willen verschärft ausgelöst

Wenn aber gewaltsame Assimilierung nicht das Ende, sondern den Anfang eines Kampfes bedeu­tet, dessen Ausgang für den Angreifer mindestens zweifelhaft ist, so muß man unwillkürlich fragen, ob es nicht vernünftiger wäre, statt des Kampfes einen anderen Ausweg zu suchen, der dennoch zu dem erstrebten politischen Ziele führt. Das Min­derheitenproblem rüttelt an dem Machtwillen und dem Sicherheitsstreben jedes Wirtstaates, der von der Voraussetzung ausgeht, daß sich die Minder­heit — als eine von der Mehrheit politisch und kulturell verschiedene soziale Gruppe — mit dem besonderen Staatszweck nicht idensifiziert. Er ist daher bestrebt, die kulturelle Eigenart der Minder­heit in ihren Wurzeln zu zerstören, um ihr die Annahme der auf die Mehrheit zugeschrnttenen Staatsmdee zu ermöglichen.

beging die Feier ihres sechzigjährigen Bestehens. Sie hat an der äußersten Grenze Europas zwei Generationen hindurch für die Verbreitung deut­scher Bildung im Kreise unserer Ausländsdeutschen gewirkt. Auch nichtdeutsche Eltern gaben ihre

Kinder gern in die Schule, um sie einer gründlichen Erziehung teilhaftig werden zu lassen. Aus dem Anlaß des Jubiläums wurde der deutsche Bot­schafter Dr. Nadolny zum Ehrenmitglied der deutschen Schulgemeinde ernannt.

ner besonderen politischen Zweckmäßigkeit ver­bunden. Es war eine an sich rein sittliche Pflicht, die der Staat erfüllte, weil es eben zu seinem We­sen gehörte, sittliche Pflichten zu erfüllen. Der moderne Staat ist von dem Grundsatz, die Kultur allein aus Pflichtgefühl zu fördern, abgerückt. Er stellt nicht nur seine eigene kulturelle Betätigung, sondern auch die private seiner Angehörigen in den Dienst besonderer politifch bedingter staatsicher Ziele. Er wird in seiner kulturellen Betätigung von besonderen staatlichen Zwecken geleitet, gibt der privaten Tätigkeit Richtlinien und duldet deren Verletzung nicht.

Das gesteckte Ziel des Staates, das kulturelle Wirken, wird er in seine Dienste zu stellen doch nur erreichen, wenn er mit einem einheitlichen

das bewußte, kleine, runde Loch im Vorhang schaut sie in den halb erleuchteten Zuhörerraum. Sie sieht nicht die geputzte Menschenmenge, ihrer achtet sie nicht, ji sieht nur dort in der Fremdenloge den geliebten Datei und neben ihm Walter und Marianne so still versonnen. Wie hat sie sich auf den Vater gefreut, wie will sie heute abend spielen, nur für ihn, er soll sehen, daß fein Kind etwas leisten kann, daß es recht daran getan, sich diese Laufbahn zu wählen.

Sie blickt sich um, hinter ihr hat jemand ihren Namen gerufen. Mit gerunzelter Stirn tritt sie zwsichen die Ku­lissen zurück.

„Was wünschen Sie, Herr Pokorny?"

„Sie müssen sich beeilen, Elvira, der Tanz geht gleich los und Sie sind noch nicht umgekleidet."

„Lassen Sie das meine Sorge sein."

Sie geht an ihm vorbei in den Garderoberaum, San- dor Pokorny, oder der schöne Ungar, wie er meist ge­nannt wird, sendet ihr einen bösen Blick seiner diaboli­schen Augen nach. Sie kann ihn nicht leiden, diesen ge­schmeidigen, stets höflichen Ungar, und doch ist er seit- samerweise derselbe Künstler, der sie damals so sehr für diesen Beruf begeistert hat.

„Sehen Sie, schönes Kind!", hat er bei ihrem ersten Wiedersehen mit leidenschaftlich glühenden Augen gesagt, „meine Prophezeiung hat sich erfüllt. Mein guter Stern hat mich gewiß an diese Bühne geführt, nun wollen wir gemeinsam den Aufstieg zu den höchsten Höhen der Kunst wagen". Doch Elvira hatte nur ein kühles Achselzucken für feine Begeisterung.

„Das war nicht klug, Elvira!", würde Walter Ro­land gesagt haben, hätte er ihr kühles Benehmen gesehen, „du fängst deine Laufbahn nicht gut an. Du mußt sieb sein mieden Menschen, die du verachtest, ich habe es dir ja gesagt, sonst droht dir Gefahr."

Doch Walter Roland war nicht bei ihr; er konnte fei­nen Liebling nicht warnen.

Elvira war in den Garderoberaum gegangen, die An- kleidefrau wartete schon ungeduldig. Elvirens Kollegin, Ruth Kollin, die die Ilona zu spielen hat, steht vor dem großen Ankleidespiegel und ordnet noch etwas an ihrer Frisur. Als Elvira ziemlich hastig eintritt, dreht sie sich lächelnd um.

„Lampenfieber, Kleine?'

Der Staat bat von jeher die Pflicht gehabt, die Kultur seiner Angehörigen zu fördern. Diese Pflicht wurde ihm auferlegt, weil er die politische Macht und die wirtschaftliche Kraft besaß, auch solche Kulturziele zu verfolgen, die von der Ge-

lenke Mensch sie herzlich liebt; sie ist ihm ja auch gut, , aber nur wie einem großen Bruder. Lieben, so lieben, wie sich in ihrem unerfahrenen Herzen die Liebe wider­spiegelt, kann sie ihn ja nicht.

Sie blickt ihn auch jetzt mit ihren schönen Augen treu­herzig an und ein ganz leiser Schimmer von Verlegen­heit liegt in den dunklen Sternen.

„Ich weiß ja, Walter, Sie meinen es gut mit mir und doch, ich kann nicht anders, die Kunst ruft mich mit tau- ■ send Stimmen. Ich glaube auch, Sie sehen ein wenig zu schwarz. Ich lernte doch schon viele von der Theater­gesellschaft kennen und ich muß bekennen, bisher war kaum einer darunter, der mich abgestoßen hat."

„Weil Sie die Menschen noch durch die rosig gefärbte Brille der Jugend anfehen und weil diese Menschen in Ihnen noch das junge, ungefährliche Kind erblicken. Wenn sie einsehen, daß Sie ihnen eine ernstliche Rivalin sind, mit der sie rechnen müssen, da werden sie die Maske schon abwerfen. Doch, was auch kommen mag, Elvira, eines müssen Sie mir versprechen: Sehen Sie in mir immer den treuen Bruder, den aufrichtigen Freund, zu dem Sie in jeder Lebenslage Ihre Zuflucht nehmen können! Wol­len Sie?"

Er hält Elvira seine kraftvolle Hand hin, in die sie mit ausleuchtenden Augen ihre schmale, weihe Rechte hin­einlegt.

„Sie sind ein selten guter, uneigennütziger Mensch, Walter, ich nehme Ihr Anerbieten mit herzlichem Danke an. Auf gute Kameradschaft also!"

„Und auf treue Freundschaft", ergänzt Walter, El­viras Hand mit warmem Druck umschließend.

Ein wohliges Gefühl durchrieselt Elvirens Körper und unwillkürlich muß sie denken: „Welch starke Freundes­hand! Wer von dieser Hand gehalten wird, der kann nicht in die Irre gehen, an diesem treuen Herzen muß es sich gut ruhen lassen."

Dennoch, sie kann sich von dieser Hand nicht halten lassen, jetzt noch nicht. Das Leben liegt ja so verlockend vor ihr, sie muß es erst auskosten, sie ist ja noch so jung.

Vom Haus her ertönt Mariannens Stimme, sie ruft zum Abendbrot, Hand in Hand gehen die beiden jungen Menschenkinder durch den blühenden Garten, in dem die letzten rotglühenden Spätrosen ihren Duft verhauchen. Auf den runden Blumenbeeten nickten bunte Astern und

Kulturwillen zu rechnen hat. Gibt es aber zwei oder mehrere Kulturwillen im Staate, so ist mit einem Erfolg auf diesem Gebiete kaum zu rechnen. Er müßte also entweder den minderheitlichen Kul- turwillen zerstören oder das Gebiet der minder­heitlichen Kulutrbetäsigung außerhalb seiner be- sonderen staatlich-politischen Zielsetzung stellen. Daß es fast ausgeschlossen ist, den bestehenden Kultur- willen der Minderheit zu zerstören, wurde bereits anaedeutet Dann bleibt dem Staate aber nur die zweite Lösung uslrig, deren praktische Verwirk­lichung die Gewährung einer kulturellen Selb st Verwaltung für die Minderheit ist Die Kulturbetätigung der Minderheit liegt dann jenseits jeder staatlichen Zwecksetzung.

*

Das Problem der A us e i n a nd e r setz u n - gen zwischen den he immattreuen Els as- sern und den Pariser Zentrallsten liegt im Rahmen obiger Ausführungen, -öffent­lich wird es im Sinne der kulturellen Selbstver­waltung der Minderheiten gelöst. Der Menschheit und besonders Europa würde dadurch ein großer Dienst erwiesen werden.

8. Blatt.

Druck der Fuldaer Actlendruckerel, Fulda

farbenprächtige Dahlien, aus dichterem Grün leuchten purpurrote Malven, lieber allem hängt der feuerfarbene Sonnenball am köstlich blauen, westlichen Himmel, die ganze Herrlichkeit des Herbstes in rosige Glut tauchend und unzählige Sprühfunken aus Elvierens goldigem Lok- kenhaar hervorzaubernd. Elvira nimmt mit glänzenden Augen die Schönheit der Natur in sich auf. Walter aber kämpft einen schweren Kampf mit seinem eigenen, heißen Herzen, aus dem sich die innige Liebe für das schöne Mädchen so gar nicht will herausreihen lassen. O, wie gerne möchte er das sorglos lächelnde Kind in seine starken Arme nehmen, es hinübertragen über die Schwelle seines schlichten, friedlichen Hauses, um es zu behüten vor den Schmerzen des Lebens. Doch er bezwingt sich, er weiß ja, daß dieses Herz fein Glück nicht im stillen Frie­den der Häuslichkeit finden wird, wenigstens jetzt noch nicht. Vielleicht, ach, vielleicht, wenn feine weiße Taube von ihrem Ausflug in die Welt mit gebrochenen Flügeln zurückkehrt, vielleicht wird sie dann Schutz suchen bei ihm. Dann will er sie hegen und pflegen, in feinen Armen soll sie dann die Unbill des Lebens vergessen lernen.

3.

Der große Tag, den Elvira so heiß ersehnt und dem sie trotz aller gegenteiligen Versicherungen doch mit ban­ger Scheu entgegengesehen, ist endlich gekommen. Heute wird sich Elvira zum ersten Mal als „Zorika" in der Operette „Zigeunerliebe" zeigen. Nicht in kleinen, neben­sächlichen Rollen brauchte Elvira aufzutreten, der Direktor des M.-schen Theaters, der sie spielen sah und ihre Stim­me horte, war hingerissen von ihrem Talent. Dazu kam ihre natürliche Frische, ihre anmutige Schönheit, er wußte, er hatte einen „Stern" erobert. Zudem war die erste Sängerin erkrankt, bedenklich erkrankt, da freute sich der Direktor herzlich, solch blendenden Ersatz gefunden zu haben.

Am Mittag war der Vater gekommen und mit ihm Walter und Marianne Roland. Die Mutter aber war nicht zu bewegen gewesen, der Aufführung beizuwohnen. Mit strahlenden Augen hat Elvira ihre lieben Gäste emp­fangen, ein paar köstliche Stunden hat man zusammen verlebt.

Nun steht Elvira ganz allein auf der Bühne, auf der die Dekoration zur Aufführung vorbereitet wird. Durch

Wir wissen nicht, was das neue Jahr für neue Moden bringen wird. Wir wissen nicht, welche Ideen im neuen Jahr die herrschenden sein wer­den. Wir wissen nicht, ob das neue Jahr Krieg oder Friede in den Falten keines Mantels birgt. Wir wissen nicht, ob ein Mensch großen Formates in ihm geboren wird oder ob es ein Jahr der klei­nen Leute sein wird. Wir wissen nicht, ob die Sonne gnädig oder ungnädig, die Ernte gut oder schlecht, der Reparationenstreit günstig oder un­günstig laufen, die Konjunktur auf- oder absteigen wird. Das und tausend anderes, das wir gern wis­sen möchten, und das der und jener gern mit H'lfe flüssigen Bleies und eines biederen Waschnapfes zu ergründen versucht, wissen wir nicht. Wir wis­sen überhaupt gar nichts, eines nur ausgenommen, daßauchimneuenJahrederalteGott lebt

Wissen wir das alle, wirklich alle?

Ich glaube, es wissen nur einige. Und ob ich und du auch dazu gehören, ist noch die Frage- Wenn ich nämlich etwas weiß, d. h. feiner völlig gewiß bin, dann wird mich keine Macht der Welt daran hindern, nach dieser Gewißheit auch zu tun, nach ihr mein Handeln und meine Entschlüsse ein- zuriclnen. , _ . .

Und nun was sehen wir? Wir sehen Tausende und Millionen von Menschen, b't ernsthaft vor­geben, des Daseins Gottes gewiß zu fein, in ihrem Leben aber so verfahren, als exUftere Gott nicht. Da muß man denn doch fragen: „Was würde es nun nutzen, wenn das Wort „Gort" in unserer Verfassung stände, wenn es aber nicht in der Magna cvarta unserer Periönl'chkeir. in, der Frak- turjchri't unseres Handelns ab überall hin zu lesen

meine negatl „ . . .

zesses feststell und das ist der Mangel eines scharf ausgepten nationalen Ichbewußtseins.

Die Völker Vergangenheit hatten kein aus­geprägtes nasales Kollektivbewußtsein. Sie un­terschieden ssnaturhaft rassenmäßig, und wenn sie nicht vosinem kräftigen politischen Willen zufammenget wurden, so gaben sie ihre Rassen, eigenheiten c sobald die naturhaften Bedingun- gen einer Klitterung vorhanden waren. Die Kulturbindudes Individuums war keine innige.

Völker, zu ... ...

ihren Siedlun dielen und als Folge zur gegen, fettigen Beein mg, mit dem Endergebnis der

IflfaniQtntä:

Kriegerschicht

wäre' Wäre es nicht in der Tat schamlos, wenn ein Volk an so feierlicher Stelle den Gott nennt, den io viele Tausende seiner Glieder, auch wenn sie sich Christen nennen, in ihrem Tun und Trü­ben alle Tage leugnen? Es mag uns diese Lucke in der Verfassung so viel schmerzen als nur im­mer, ja täte sie uns allen nur recht innerlich und von Herzen weh! Dann würden wir erkennen, daß wir uns den Namen Gottes in der, Verfas­sung erst wieder erobern müssen. Nicht mit parlo- wentarischen Mittelchen, nicht mit politischen Schli­chen, nicht mit äußerlicher Abstimmung, nicht aus dem Wege pathetischer Deklamationen und billi­ger Demonstrationen, sondern dadurch, daß wir schlicht und einfach erst einmal wieder ein Gottes- volk würden, ein Gottesvolk, dem die Gebote Got­tes nicht nur da etwas gelten, wo sie gegen den Nächsten sprechen; sondern erst recht da, wo sie f u r ihn sprechen; das Gott nicht zur linken Hand an­getraut sein möchte, das sich vielmehr Gott zu innerst so hingegeben und angegliedert hätte, daß alles Un- und Widergöttliche von ihm abgefallen wäre, sodaß sein Leben ein Wirken in seinem Dienste und aus seiner Gnade wäre.

Ein Kirchenvolk ist noch nicht öhne werteres ein Gottesvolk. So bitter es ist, das sagen zu müs­sen, so nötig und heilsam ist es auch. Es ist eine alte Not, mit der wir ms neue Jahr hmem- pilaern. Und dieser Not ist jeder einzelne verhaf­tet. Denn unser Volk wird Gott nicht linden, wenn nicht jeder einzelne ihn findet. Ob wir einzelne ihn denn finden werden? Wir wissen es nicht. Wissen können wir einzig nur das, ob wir ihn finden wollen. Und dieses Wollen märe, der Anfang zu einem wirklichen „Jahre des Heils."

Es ist w nicht daran zu zweifeln, daß die Ge. schichte auin der Zukunft solche Völkermischun­gen und -milierungen vornehmen wird. Wenn die Vorautzungen heute ganz andere find, so gibt es noimmer zahlreiche Möglichkeiten dazu. Ein abschlfudes Urteil läßt sich darüber nicht fällen, weffür nicht alle Ursachen einer Assimilie­rung kenn! Kann man aber aus dieser geschicht­lichen Miichkeit ein politisches Pro-

Zum Neujahrsfeste

Von Johannes Hatzfeld.

„ len heute, in einer ganz veränderten geistig-poli^chen Evoche, gar nicht bestehen, bzw. nicht mehrfene Wirkung haben können, wie das in der Venangenheit der Fall war.

Heute fhi ‘ ‘

Kräfte kören unmöglich in den Dienst eines po­litischen ichgramms gestellt werden. Betrachten wir aber ne uns bekannten Momente, so

_ .ganges der Assimilierung betrachten, deren besimrende Faktoren uns unbekannt sind, so können ir zwar annehmen, daß diese auch in

Ässimiüeri; übersehen können, läßt sich dazu fol- : Warum wir jene Seite des geschicht-

der Zukuy wirken werden, weil das aber unbe­kannte Fo wen sind, so ist es unmöglich, auf solch negativen Momenten ein politisches Programm

Schriftleiter: Dr phit Johannes Kramer. Verantwortlich für Politik und Heimatliches Dr Kramer, für den Roman und die ..Buchenblätter" Anton W e ß l e r für den übrigen Text und die Unterhaltungs- beilage Dr rer. pol Karl Au st ermann, alle in Fulda. Verantwortlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerei I. P a r z e 11 - r.

60 Fahre Luhns. — (Siehe.die Anzeige in dieser Ausgabe). — Der Begründer der seit 1869 bestehenden Luhns Seifen- u. Glycerin-Fabriken in Barmen war der 1915 verstorbene Aug. Luhn. — 1900 wurde die Firma in eine Familien-Ge!. m. b. H. umgewandelt, in der — außer der geschäitsführenden zweiten — heute auch die dritte Generation der Familie Luhn tätig ist

Die Einrichtungen sprechen durch nachfolgende Zahlen für sich selbst: 4 Dampfmaschinen erzeugen mit zusammen 520 HP. den elektrischen Strom; 5 Dampfkessel mit zus. 550 qm. Heizfläche liefern den benötigten Dampf; der Eilenbahnanschluß — in feiner Art einzig dastehend — befindet sich im fünften Swckwerk der Fabrik, wo 18 Waggons auf der Gleisanlage bequem Platz haben; 18 'Seifenkochkesfel. davon 5 mit je 80000 und 3 mit je 1COOOO kg Inhalt, haben ein Gesamtiasfungsvermögen von über 900000 kg oder insgesamt 90 Eisenbahn-Doppel- Waggons.

Ein Beispiel: Angenommen alle 18 Kochkessel sind mit Selfenmaffe ungefüllt und es wird daraus nur die millionenfach bekannte Antuka hergestellt, so ergibt das die gewaltige Zahl von zirka 10 Millionen Einzelstücken Luhns- Antuka; ober diese S?ticke aneinandergelegi, stellen eine Länge von zirka 730 km dar, entsprechend der Entfernung von Berlin bis Amsterdam.

Die Glycerin-F brit erzeugt aus eigenen Rohstoffen u. a. auch feinstes (chem. rein.) Apotheker-Glycerin. Das Jahresleistungsoermögen dieser Anlage beträgt zirka 3000 tons, entspr. zirka 300 Doppel-Waggons.

folgt werden 5 ...

Die Gesckickennt zweifellos Assimilierungen von Völkerscha Krieg war ihr stärkster För­derer. Er W zu ständiger Umschichtung der etiunaufhörlichen Verschiebung in

Die nati en Minderheiten.

Von Arpid^ök-Kovin (Jugoslawen).

Je wehr hjüiberljettenprotolem auf das Kulturgewiffen uf Gegenwart drückt, um so ver- worrenere und tspruchsvollere Pläne tauchen 3U seiner Lölunk- Gerade in der letzten Zett haben wir aus Meise einer sehr ehrenwerten Äöroerühaft berien Rat vernommen, die MlN» bereiten follten™" ihren Wirtsvölkern affi. mtfieren lä um das Problem auf diese Weise aus der 33u schaffen. Vor allem ist das eine Beleidistg für jene Minderheiten, die einen entrvickelKultur- und Gemeinschaftswil­len besitzen. Dlingt genau so, als würde man einer zur vollefltfaltung gelangten Persönlich- kett Vorschlägen« eigenen Persönlichkeitswerte zu unterdrückend sich innerlich einer anderen Persönlichkeit znterwersen. Solche Zuinutung würde gewiß ' mit Empörung zurückweisen. Nebenbei ist dfuch ein Rat, der nicht leicht be»

Giegervolkes in dem eroberten Gebiet niedetz nn Laufe der Zeit aber ihre Rasseneigenhe verlor und entweder jene des besiegten Vvl mfnahm oder — im günstigsten Falle — neue smarten ausbildete. Andererseits ' :ben wir erf n, daß gewisse, in der Kultur tte- |er iucijeuve er, einmal in die Kultursphäre von höher st den Völkern geraten, mit deren * " ' völkische Eigenart annahmen,

filiert. Es gibt natürlich unzäh-

Treue Herzen.

Roman von Marie H a r l i n g.

4] ----------

Elvira schüttelt heftig den Kopf. „Immer nicht, Wal­ker, meine Mutter wird mich niemals verstehen. Sie gibt sich auch keine Mühe dazu, Sie fordert einfach, ich fr>n- oon dem „Firlefanz" lassen. Wie es mit meinem Glück dabei bestellt ist, dar ist ihr ganz gleichgültig. Ich weih nicht, Walter, warum ich Ihnen das alles sagen muß, ich spreche sonst mit niemandem über die Mutter. Es kommt wohl davon, weil ich in Ihren Augen nicht als unge­ratene Tochter dastehen möchte."

„Liegt Ihnen denn wirklich etwas an meiner Ansicht, Elvira?"

Wie eine bange Frage zittert es in feiner Stimme.

„Walter, ich schätze Sie als lieben, treuen Freund sehr hoch, das wissen Sie. Es tut mir oft bitter weh, daß Sie sich an meinem Beruf stoßen und doch, wenn Sie wüßten, wie namenlos er mich beseligt, Sie würden sich mit dem Gedanken befreunden, mich auf der Bühne zu sehen."

„Nein, Elvira, las kann ich nicht, weil ich Sie viel zu lieb habe um Sie den dornen- und gefahrvollen Weg ruhig gehen zu lassen. Ich weiß, Sie brauchen meinen Rat nicht, wenn Sie ihn hören wollten, ich würde Ihnen sagen: „Kehren Sie um von dem betretenen Pfade, er führt Sie in die Irre. Ich liebe es nicht, wenn Frauen öffentlich auftreten. Die Öffentlichkeit steift ihnen so leicht den Schmelz echter Weiblichkeit ab. Elvira, Sie mit Ihrem aufrichtigen Gemüt, Sie sind den Schlichen und Intriguen der Theaterwelt nicht gewachsen, Sie werden sich wund reiben im Verkehr mit Menschen, die Sie ver­achten, und denen Sie doch huldigen müssen, wollen Sie In ihrer Laufbahn lebensfähig bleiben."

Sein Ton hatte eine warme, fast leidenschaftliche Klangfärbung angenommen; jetzt fährt er mit der gro­ßen, doch gut gepflegten Hand durch sein dichtes Blond­haar, eine Bewegung, die er immer macht, wenn ihn etwas sehr erregt.

Elvira hat ihm sinnend zugehört; das tiefe Rot, das *br Stirn und Nacken färbt, verrät, daß sie ihn nur zu flut versteht. Ja, sie weiß, daß dieser große, fast unge-