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Fuldaer Zeitung

Silvesterplauderei

fein,

mit qrtfß+em Titigel- und Pfano - Magazin Tut das.

Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer,

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4]

gut, Marianne!", lacht Elvira.

ihr

bin ein armer Teufel. Hundemüde bin ich einer langen Reise. Die ganze Nacht habe ich geschlafen. Aber das gehört dazu. Schöne, schöne wandernde Sonne! Du wartest schon

kramen zu müssen." „Auskramen" ist

über das Mittelmaß hinaus und man prophezeite glänzende Erfolge.

von nicht ewig hin-

ihre Worte allzu scharf und anzüglich werden, dann braust einer jener Stürme durch das Schulhaus, die der Frau wohl den Mund schließen, dem Lehrer aber immer ein paar schlaflose Nächte kosten.

Die Fröhlichste ist wohl Elvira selbst, wenn sie von Zeit zu Zeit ins Elternhaus zurückkommt. Sie hört mei­stens nicht einmal hin, wenn die Mutter nörgelt und weint; an ihrem sorglos jungen Herzen prallen alle Na­delstiche ab. Der Pfarrer hatte ihr gar ernste und dring­liche Ermahnungen mit auf den neuen Lebensweg gegeben und ihre schuldlos reinen Augen haben ihn dabei dankbar und mutig angeblickt.

„Ich werde Ihnen und meinem guten Vater niemals Kummer machen, Herr Pfarrer, das verspreche ich Ihnen."

Elvira hatte mit Feuereifer gelernt, die besten Leh­rer bemühten sich um sie, denn ihre Begabung ging wert

Treue Herzen.

Roman von Marie H a r l i n g.

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Wer seine Kinder zum vernünftigen Sparen erzieht, erweist ihnen den

besten Dienst fürs Leben.

M 501

Sonntag, °-n SO- 1928

neu Reserven nicht fortgesetzt durch von der Reichs- regierung neu vorgeschlagene Ausgaben verzehrt, dann wären auch für 1928 Ueberschüsse vorhanden, die zur teilweisen Deckung der durch die Erhöhung der Reparationsleistung auftretenden Mehrausga­ben verwendet werden können. Ohne daß die Schaffung neuer Steuern von dem vorgesehenen Umfang ventiliert werden müßte.

Doch darüber wird bei der Beratung des Reichs­haushalts 1929 das nähere zu sagen fein. Heute kam es nur darauf an, die durchaus unwahrhaf­tige Agitation der Sozialdemokratie gegenüber dem Reichshaushalt 1928 herauszustellen.

Neujahr!

Kleiner Peter, nun auch dir noch einen Gruß. Deine Mutter schreibt mir eben, natürlich, weil ich ihr geschrieben, sie solle mir einmal etwas er«

Nun Zünglein, halte einen Augenblick an! Sil­vesterabend ist Zollstation. Da wird alles Gepäck untersuckt, ob es zollfrei ins Neue Jahr mithincin- darf. Bist lange genug im Zug der Zeit so mit­gefahren, die Koffer oben im Netz. Es war alles in Ordnung. Aber nun ist Zollstation. Da wacht das Gewissen auf. Wie vieles hat man mitge- schleppt, was eigentlich Kontrebande des Lebens ist. Wirfs heute hinaus! Die Schulden lassen wir bes­ser im alten Jahr. Den Aerger mit der lieben Frau auch. Ueberhaupt allen häuslichen Zwist. Ein tapferes Herz kann mitgehen. Friede mit Freund und Feind ebenfalls. Gute Vorsätze, so viele du eben fassen kannst. Ueberlege alles gut. Man fährt so hin im Leben wie ein Schlitten im weichen Schnee. Der frohe Tag klingelt auf dem Pferde­rücken, und man fährt eben so hin und vergißt ganz, daß sich ein' kostbarer Augenblick an den an­deren fügt. Es muß einmal Halt gesagt werden. Man muß sich der Zeit, die so lautlos uns begleitet, einmal bewußt werden. Es ist ja nicht etwas, was vorübergeht, denn auf jedem ihrer Augenblicke steht die lange, die ernste Ewigkeit. Sag auch den To­ten noch einen Gruß heute. Onkel, Tante. Groß­vater, Vater, Mutter, vielleicht Sohn oder Tochter, vielleicht das Kind in der Wiege, ist im alten Jahr geblieben. Diese Friedhöfe grüße noch kurz. Sie wissen in der Zeit schon von der Ewigkeit. Die Schlitten mit den Schellen sausen an ihnen vorüber. Sie aber sind im Frieden. Sag auch noch einen Dank an die liebe Sonne, hat sie dir doch geleuchtet manchen guten Tag. Dank auch noch für alle Trä­nen, die schon zu Perlen geworden sind, kostbaren Perlen. Sie dürfen mit, denn auch sie wissen von der Ewigkeit. Zollstation. Wollen uns einen Au­genblick 'zusammensetzen, es plaudert sich so gut beim Silvesterpunsch.

Ich weiß, die Sorge setzt sich auch dazu. Wer wird uns Arbeit geben? Wie bezahlen wir die Miete? Wann bessert sich die Konjunktur? Wer­den wir endlich eine Wohnung bekommen? Kön­nen wir in diesem Jahr wohl heiraten? Wird es Krieg geben oder Erdbeben? Wie schwer ist das Leben!' Prosit übrigens, das hilft nun alles nichts. Was auch kommen mag, wir erleben es. Schön ist das Leben. Eine ewige Fahrt. Daß man leben­dig dabei fei, das ist es eben. Dieses wunderbare Dasein, ob in Lachen ob in Weinen, es ist doch das Dasein, es ist doch das Glühen des heiligen Funkens, es ist doch etwas Göttliches, es ist des Lebens wert. Und der kluge Mann fällt immer auf die Füße. Geht es ihm hier gut, nun, so hat er seinen Lohn. Geht es ihm schlecht, nun, so war­tet sein ein besseres Leben. Es lohnt sich also auf jeden Fall. Nur nicht den Gasbahn aufdrehen! Nur nicht verzweifeln! Ich für meinen Teil freue mich am ewigen Wandern. Böte mir einer eine Professur an der berühmtesten Universität der

3. Blatt.

+$+ Druck bet Fuldaer Acttendruckerei, Fulda

„Au!!" Doktor Roland tut ganz geknickt, „da sind wir aber geschlagen. „Gelt, Schwesterherz, da müssen wir uns aber fein artig benehmen, um im Schatten un­fern Sonne wandeln zu dürfen."

„Nun, einstweilen werde ich den sengenden Strahlen dieser Sonne entfliehen und Mutter Vollmer ein wenig in der Küche helfen. Die „Sonne" kanns ja nicht, sie würde alles versengen und verbrennen!" neckt das große, blonde Mädchen im Aufstehen.

„Ach, Marianne, du irrst, ich möchte so gerne der Mutter helfen, aber sie duldet es nicht," erwiderte Elvira traurig. „Wenn ich in die Küche komme, heißt es gleich: „Kind, bleib weg, das ist nichts für dich, du verdirbst mir alles. Hier ist eine Küche und keine Bühne. Da bleib ich lieber fort, denn das ewige Zanken der Mutter ver­trage ich nicht."

„Nein, sie meints nicht so bös, Kind!", tröstet Ma­rianne im Fortgehen, „betrübe dich nicht so sehr".

Die beiden Zurückbleibenden blicken einen Augenblick sinnend in die Pracht des sonnigen Herbstabends, dann meint Doktor Roland mit ungewohntem Ernst in der Stimme: „Ja, Elvira, Ihre Mutter verwindets schlecht, daß Sie vom Psade der Alltäglichkeit abgewichen und Ihren eigenen Weg gegangen sind. Ein Mutterherz sorgt und ängstigt sich mehr als wir ahnen."

„Nun, der Vater hat doch nichts gegen meinen Beruf, da sollte die Mutter sich doch endlich darein finden. Durch ihr vieles Schelten verleidet sie mir das Elternhaus."

„Das sollten Sie nicht sagen, Elvira! Freilich, in den Lobeshymnus, den man Ihnen bei den Künstlern bringt, kann sie nicht einftimmen, aber ihre Worte kommen aus ehrlichem, sorgendem Herzen."

Ein feines Rot überfliegt die Züge des jungen Mäd­chens, „Sie nehmen der Mutter Partei, Walter, ich weiß es; aber ob Sie recht daran tun? Es gibt ein Etwas in jedem Menschenleben, das kann man nur mit sich selbst abmachen, da verträgt man fein Hineinreden, auch nicht das besorgteste. Kein Mensch kann die ureigenste In­dividualität eines anderen Menschen ganz verstehen, es gibt immer Momente in jeder Menschenseele, die sich' ein anderer niemals zu eigen machen kann."

„Sie könnten schon recht haben, wenn es sich um fremde Menschen handelt!", beharrte Walter eigensinnig.- „Doch hier handelt es sich um Ihre Mutter. Eine Mutier wird ihr Kind immer verstehen."

Mit strahlenden Augen hörte sie alles an, kindlich un­berührt blieb ihr Herz trotz aller Schmeicheleien. Ihr Lachen klang noch eben so hell und frisch wie einst, sie scherzte noch eben so luftig mit ihren Spielkameraden wie früher, ja oft tollte sie noch mit den Brüdern auf der großen Wiese des Dorsichulzen herum.

„Wenn Elvira hier ist, kann man sich nicht retten vor all dem Unkraut, das sie ins Haus schleppt, wir haben doch im Garten Blumen genug!", klagt Frau Vollmer.

Aus der Küche war sie vollständig verbannt.

„Laß nur, verdirb dir deine feinen Hände nicht ntif schmutzigen Arbeiten, das paßt sich nicht für eine Theater- prinzesiin!", war der Mutter stete Zurückweisung, so oft Elvira ihre früher gewohnten Arbeiten verrichten wollte.

Elvira lachte dann meistens unbefangen. Doch be­klagte sie sich nicht, niemals läßt sie auch der Mutter mer- ken, daß sie ihr weh getan; denn sie hat dem Vater ver­sprochen, gut zur Mutter zu sein, und will ihr Verspechen halten.

Zu einer ihrer Freundinnen fühlt sich Elvira ganz besonders hingezogen und diese eine ist Marianne Ro­land, die Schwester des jungen Arztes, der seit einigen Jahren in Holtrup feine Praxis ausübt. Marianne, Oie ihrem Bruder den Haushalt führt, ist ein finniges, blon­des Mädchen.

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„Rein, Liebste daran darf man gar nicht denken, daß man vor Menschen aus Fleisch und Blut spielt. Weißt du, ich denke mir die Zuschauer wären alle Holzklötze und ich finge und spiele nur für mich allein."

„Ader, mein Kleinchen, es gehört doch ein bißchen viel Phantasie dazu, sich so etwas einzubilden. Wer wie ich mit beiden Füßen recht kräftig aus der Erde steht, bringt cs gar nicht fertig."

Ein Schatten fällt vor den Eingang zur Laube, ein großer, blonder, breitschultriger Mann erscheint unter den Geißblattranken; fast berührt sein Kopf das Satten« gestell, an dem die Ranken emporgewachsen.

„So, da seid ihr ja, ihr Ausreißer! Konnte es mir denken, daß ihr hier wieder schwärmt!!", rief die kräftige Stimme des jungen Arztes Walter Roland.

„Prost, Mahlzeit, lieber Walter, wir schwärmen gar nicht, sondern mir stehen mit beiden Füßen noch fest auf der Erde, wie Marianne sagt!", neckt Elvira mit spitz, bübischem Lachen.

„So, hat sie das gesagt? Dann hat sie es gewiß nur gejagt, um ein gewisses Fräulein Mia aus dem siebenten Himmel wieder auf die Erde hinab zu holen!!", erwidert Walter, auf ihren neckischen Ton eingehend, aber in sei­nem von einem blonden Schnurrbart umschatteten Mund liegt ein feines Spottlächeln. Auch in Mariannes Augen blitzt es schalkhaft auf, so daß Elvira schmollend sagt: „Ach, mit euch blonden Bären ist einmal wieder gar kein Auskommen!"

"Der blonde Bär ist gut!", lacht Marianne belustigt auf. „Sag Elfchen, hast du schön jemals einen blonden Bären gesehen?"

„Tierkunde schwach!", zitiert Walter lakonisch.

„Nein, nun ist aber Schluß! Wenn ihr mich noch weiter mit eurem Spott verfolgt, so strafe ich euch, in­dem ich euch keine Freikarte für mein erstes Auftreten verschaffe." |

ter den Bergen, und jeder Mist wird schön fein, wenn dein ausgehender Strahl ihn begrüßt. Prosit

„Ja, Kind, ich verstehe dich nur zu gut; doch, nun lege dich schlafen, damit du morgen wieder frisch bist, denn so oder so — lernen, fleißig lernen mußt bu auf jeden Fall."

„Das tue ich auch mit Freuden! Gute Nacht, mein liebster, bester Vater!"

Mit leuchienden Augen bietet sie ihm die Lippen zum Gute-Nacht-Kuß. Noch einmal schließt der Lehrer sein Kind fest in die Arme, dann geht er leise die Treppe hinab, um fein Schlafzimmer auszusuchen.

„Ich wußte es, sie wird ihren Willen durchsetzen. Es ist ja auch keine Laune, es ist das innerste Herzensbe­dürfnis, das sie diesem Beruf in die Arme treibt."

Frau Vollmer erwacht, als sie ihren Mann eintreten hört. „Wo warst du so lange, Wilhelm? Ich habe bir bas Abendessen warm gehalten. Ich wollte auf dich war­ten, aber ich war so entsetzlich müde. Hast du mit El­vira gesprochen und ihr den störrischen Kopf zurecht ge­setzt?" Wie ein Bach, so glatt und schnell fließen die Worte von ihren Lippen.

Die Stimme des Mannes klingt müde und schwer, doch die Frau in ihrer Selbstzufriedenheit hört es nicht.

„Dann ist es gut. Das Mädchen muß mehr arbei­ten."

Sie dreht sich auf die andere Seite und schläft weiter. Bon ber Herzensnot ihres Kindes, von der Sorge und vem Sutnmer ihres Mannes hat sie keine Ahnung.

2.

„Elvira ihren Willen durchgesetzt, sie ist wahr- yanig Komödiantin geworden", klagt Frau Vollmer je-

■ ~ t "Hr°r ha^e recht gehabt; seit jenem Tag, da El-

< n Wunsch ausgesprochen, zur Bühne zu gehen, r/rAre rtcbc °us dem Schulhaus gewichen. Wohl f<7, £rau Vollmer äußerlich gefügt, zumal sie weiß, daß der Pfarrer auf der Seite ihres Mannes steht, doch innerlich kommt sie über die „hirnverbrannte Tollheit", Nicht hinweg.

Geduldig hort der Lehrer das stete Klagen und Sa­mentieren ferner einst fo fröhlichen Frau an, doch wenn

I Eben fitzen die beiden Freundinnen eng umschlungen ! in der duftenden Geißblattlaube des Schulhausgartens.

Elvira hat Ferien, die letzten wohl vor ihrem öffent­lichen Auftreten.

„Sag, Kleinchen, wirst du denn gar fein Lampenfie­ber haben?. Ich denke es mir schrecklich, vor so und soviel hundert Augenpaaren seinen innersten Menschen aus-

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fter Dr. Köhler durch die Tatsachen rehabilitiert. Es steht jetzt fest und ist durch den sozialdemokrati- chen Minister Dr. Hilferding bestätigt, daß der Etat 1928 durchaus gesund ist und insgesamt sogar noch beachtliche Reserven enthält. Köhlers Ein­nahmeschätzungen haben sich nicht nur im Oktober 1927 bei der Vorlegung der Besoldungsordnung, sondern auch im Februar 1928 für den Etat dieses Jahres als im ganzen durchaus zutreffend erwie­sen. Das erstere hat der Abschluß des Jahres 1927, das andere hat Minister Dr. Hilferding jetzt be­stätigt.

Darüber hinaus aber noch ein weiteres. Wür­den nämlich die im Etat 1928 tatsächlich vorhande-

Welt und zugleich einen Zigeunerwagen ich nähme natürlich sofort den Zigeunerwagen. Da vergibt man wenigstens nicht, daß Leben Wandern ist. Schau, wie die Zeiger der Uhr ruhig fortschreiten. Am Silvesterabend sollte man das Zifferblatt der großen Wanduhr beleuchten. Diese Zeiger haben es mir geradezu angetan. Wie ich auch froh bin, sie gehen eben weiter. Wie sie seit Jahrtausenden gegangen sind. Ein Tag nach dem andern. Es nimmt alles ein Ende. Und jedes Ende ift ein neuer Anfang in Gott. Prosit! Wir leben. Wir erleben das Jahr 1929!

Sieh, es wächst das Böse, es wächst aber auch das Gute. Nimm dir das vor, daß du beides im­mer siehst. Gewiß brennt jeden Tag in Berlin ein Dachstuhl ab, aber dafür bleiben auch die andern stehen. Gewiß schleicht da ein Lump die Gasse ent­lang, aber dafür gehen auf der gleichen Straße auch Dutzende von guten Menschen.

Grüble auch nicht zu sehr über das allgemeine Schicksal. Gewiß, unsere deutschen Schulden sind groß, aber wer weiß? In London hat es ge­fährlich begonnen, zu explodieren, und die Geolo­gen sagen, es könne jeden Augenblick halb Frank­reich und England in die Luft gehen. Das wird zweifellos den Dawespakt wesentlich beeinflussen. Also nicht verzweifeln. Die Bäume wachsen mefjt in den Himmel. Wir aber leben. Prosit Neujahr! Die Träne ist schön, das Lachen ist schön, alles ist schön, wir leben. Ach, daß du dieses doch ver­ständest! Daß das Leben so schön ist, daß es aller Not und allen Hungers und aller Steuern wert ist. So viele Menschen erhoffen sich heute alles von der sogenannten Humanität. Sie meinen, es wäre nicht der Mühe wert zu leben, wenn Krieg, ist und Hungersnot und allerlei liebel. Das ist aber falsch". Immer kann ich auch im Leben etwas mw chen. Immer kann ich fein, wie die liebe Sonne, die zu allem lächelt. Sieh, wie sie dort die, Lum­pen des Bettlers vergoldet und die Pfütze, in der er vielleicht steht. Das macht alles der Sonnen­strahl. Alles wandelt er in Gold. Nur kein Philister fein. Bitte, nimm dir das vor für das neue Jahr! Nur kein Philister fein! Er ist das Gegenteil von der lieben Sonne. Er ist lang­weilig, und das ist das Leben nie. Er versteht nicht die Kunst, alles zu vergolden. Meinst du, ich wäre ein Millionär, wo ich dieses schreibe? Nein, ich

zählen von ihrem kleinen Peter. Er ist jüngster sind ihr Aeltester zugleich. Also der kleine Peter. Bestimmt kann er mitgehen ins Neue Jahr, weine Mutter aber schreibt über ihn: „Was soll ich von dem kleinen Peter sagen, ich müßte em Maler fein, um Ihnen sein Bild zu zeichnen, denn fetzt ist er ja eigentlich immer nur zum Anschauen da — und wie er mir so von Tag zu Tag tiefer ins Herz wächst, das kann man schon weder sagen noch auf dem schönsten Pastellbild ausdrücken denn ein Pa- stell muß es schon werden, es wurde sonst nicht zart genug. Viel Weiß und Rosa, mit einem leichten rosigen Ton — ein kleines liebes Gesicht, wie ein kleiner Posaunenengel — im späten Barock gibt es solche kleinen weltlichen Engel — ganz sein ein gol- diger Schimmer für die Brauen und das Haar, und darunter die Augen blau — erstaunlich blau, wie die Ostsee im Juni — den Mund nicht rot — hell wie ein Blatt von den lichten Sommerrolen — an den Schläfen, von den Brauen bis ins Haar und auf den Ohrläppchen ein ganz zartes Geflim­mer — auch der feinste Pinsel eines Chinesen wurde dafür nicht mehr ausreichen. Die Augen sind das Dunkelste an dem Bild, aber ein paar ganz helle Glanzlichter stehen darin — und dann wiederholt sich dieses Blau in großer Fläche, denn fetzt ist er kein Wickelkind mehr, sondern tragt schon ein Kleid­chen — ganz blauer Samt, — eine Farbe, wie man sic manchmal auf Barockbildern sieht, satt, aber nicht dunkel — so, und nun den Rahmen — aber wenn er auch aus Gold wäre, was ist das Bud gegen dieses kleine rosablaue Wunder -—wenn es lächelt — ober so große aufmerksame, fast strenge Augen macht. Vor diesem Lächeln kann man sich freuen, klar freuen ohne eine Betrübnis oder wie vom Heimweh gewürgt stehen, daß man wei­nen möchte — aber es soll keine Träne auf die klei­nen Hönde fallen — die kleinen Hände, we fetzt so fest zupacken — und meine Finger umfassen und schon ein paar Mal einen kühnen Griff an meine Haare gewagt haben . . ." Nun ja, so schrewt eine junge Mutter. Und ihr Kindlem, das ist sorecht ein Symbol des neuen Jahres. Es wird bestimmt ein Zigeuner, wie ich. Peter, kleiner Peter, Prosit! Mutter und Kind, das ist die Zeit wie sie iort- schreitet, sie sollen mit ins neue Jahr. Prosit- Kleiner Peter, wir werden Freunde fürs Leben! Prost, Pet-rchen, prosit! Prosit Neujahr!

Der Mann im Monde.

wie wird das Wetter?

Der Tiefdruckausläufer, der über Südengland ostwärts vordrang, liegt als selbständiges Tief über unferm Gebiet. Da sich in feinem Bereich ziemlich starke Temperaturunter­schiede zwischen Nord- und Süddeutschland finden, ist es zu stellenweise recht ergiebigen Niederschlägen gekommen. Nach dem Durchzug des Tiefs ist mit leichtem Nachlassen derselben zu rechnen, doch wird die zu Niederschlägen nei­gende Witterung auch weiterhin anhalten, da weitere Störungen von Westen heranrücken.

Witterungsaussichten für Sonntag: Anhalten der zu Niederschlägen neigenden Witterung.

po5 Ende einer hetze.

Aus parlamentarischen Kreisen schreibt man tin5<Seit die Sozialdemokratie im Juni d. I. das Reichsfinanzministerium übernommen hat, sind bis in regelmäßigen Zwischenräumen immer wie­her in der sozialdemokratischen Presse Artikel er­schienen, die zum Teil in gehässiger Weise oie Finanzpolitik des vorausgegangenen Kabinens Marx angegriffen haben. Da wurde behauptet, der Fmanzminister dieses Kabinetts, Dr. Kohler, habe den Etat 1928 geradezu verwüstet, um ihn ins Gleichgewicht zu bringen, habe er die Einnah­men viel zu hoch geschätzt und die Ausgaben zu ge­ring veranschlagt. Seine Schätzungen wurden durch die tatsächlichen Ergebnisse völlig über den Haufen geworfen, seine Einnahmepolitik habe ein ausge­sprochenes Debacle erlitten. Das Endergebnis werde in unabweisbarer Folge ein g roß e s D e­fizit für das Jahr 1928 sein. So und ähnlich tönt es seit Monaten aus dem sozialdemokratischen und teilweise auch im demokratischen Blatterwald.

Es mußte nun zwar schon stutzig machen, daß trotz dieses angeblich so schlechten Reichshaushalts die Sozialdemokratie in den letzten Monaten immer neue Ausgaben auf den angeblichen »-Defizit-Etat gehäuft hat. So wurde im Juli 1928 die Knsenfur- sorqe erweitert mit einem Aufwande von minde­stens 60 Millionen. 5n der letzten Zeit brachte die Regierung mit ausdrücklicher Zustimmung des Reichsfinanzministers einen Gesetzentwurf ein, der eine Sonderfürsorge beschäftigungsloser Saisonar­beiter vorsah mit einem Aufwande von 28 Millio­nen für das laufende Jahr. Um mit Rumänien in Ordnung zu kommen, hat die Regierung Maßnah­men in Aussicht genommen, die im laufenden Jahre etwa 12 Millionen kosten werden.

Dies alles, obwohl der Etat 1928 so, wie er von der früheren Regierung und ihrem Finanzminister aufgestellt war, ein „Defizit-Etat" ist? O nein! Die Dinge haben sich inzwischen geändert; einmal mußte auch der sozialdemokratische Reichsfinanz- minister sagen, wie die Etatlage wirklich ist. Er konnte nicht, wie dies bisher geschehen, weiterhin stillschweigend die Agitationsarbeit seiner Genossen hingehen lassen, und so erklärte er denn in der letz­ten Reichstagssitzung nach Aufzählung der obenge­nannten Titel wörtlich:

„Diese Ausgaben werden ihre Deckung voraus­sichtlich im Rahmen der Gesamteinnah­men finden können."

Diese Feststellung, die in ihrer lapidaren Kürze mit einem wuchtigen Hieb das ganze Lügengewebe der letzten Monate zerstört, stimmt vollständig über­ein mit dem, was der Minister einige Tage vorher im Hauptausschuß des Reichstags erklärte, wo er auf eine ausdrückliche Anfrage des Abgeordneten Dr. Köhler bestätigte, daß die in Rede stehenden Ausgaben aus dem Haushalt 1928 bestritten wer­den könnten, ohne daß dadurch ein Defizit entstehe. Dazu kommt noch der Nachtragsetat, den die Regie­rung vor wenigen Tagen eingebracht hat, der für 1928 eine Mehrbelastung von 42 Millionen vor­sieht, die nach ihren Vorschlägen ebenfalls durch erhöhte Einnahmen und Kürzung von Ausgaben gebe<££ mir hö^u no<£> bte bisher

entstandenen über- und außerplanmäßigen Ausga­ben in Höhe von 37 Millionen, so erhalten wir nicht weniger als 180 Millionen, die aus dem angebli­chen „Defizitetat" bestritten werden können. Ein eigenartiger „Defizitetat", der in so großem Um­fange Raum bietet für neue Ausgaben.

' Die Erklärungen Dr. Hilferdings haben nun­mehr klare Bahn geschaffen. Der fortgesetzten her­abwürdigenden Kritik am Etat 1928 ist damit das Urteil gesprochen, der angegriffene Finanzmini-

Städtische Sparkasse

gegr. 1825

früher Friedrichs markt — jetzt Bahnhofstraße Nr. 5 Ausgabe von Helmsparkassen.