Einzelbild herunterladen
 

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda

Samstag, 29. Dezember 1928

Nr 300

Das sozialdemokratische Wehrprogramm

‘fern Satz will ich nicht, ligion mit Politik oder

""ml sechsmal wöchenN-ÄW°ch°nb°'^°n ."Die Welt ,m Bild" und „Buchenblätter". RotatroEdruck lmd Verlag oer Fuldaer Actiendruckere, m 40^* '

aionatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 be.w. 48 Pf.) ohne Zuftellq.

Die sozialdemokratische Kommission zur Prü­fung des Wehrproblems, die der Parteworstand eingesetzt hat, veröffentlicht das Ergebnis ihrer Ar­beit. Es heißt in dem Wehrprogramm:

Die Sozialdemokratische Partei X.

-ozialdemokratische Partei Deutschlands verwirft den Krieg als Mittel der Politik. Als Mitglied der sozialistischen Arbeiterinternatio­nale kämpft die Sozialdemokratische Partei Deutsch­lands für vollständige Abrüstung durch internationale Abkommen. Die Abrü­

begangen hat, keine politischen und keine grundsätzlichen, der lasse das Zentrum Zentrum sein.

„Das Schicksal des deutschen Volkes entscheidet sich nicht in Fragen etwa der Staatsform oder anderer hoch­politischer Probleme, sondern in dem Kampfe zwischen Christus und Antichrist." Mit diesem Satz will ich nicht, wie mir vorgeworfen wurde, Religion mit Politik oder

* Aeiae Veränderung im Zustand des englischen Königs. Wie verlautet, ist im Befinden des Kö­nigs bis Freitag morgen keinerlei nenne ns- werte Änderung eingetreten. Er hat eine durchaus ruhige Nacht verbracht.

Ansprache des Papstes.

Papst Pius XI. empfing am Heiligen Abend mittags im Konststoriensaal das Heilige Kollegium im ganzen 25 Kardinale, zahlreiche Bischöfe,' dar­unter auch die aus dem Orient, die römische Prä­latur und den weltlichen Hofstaat zur Entgegen­nahme der Weihnachts- und Neujahrsgratulation.

Kardinal V a n u t e l l i verlas die Hchdigungs- rede, in der er zum Beginn des Gedenkjahres des goldenen Priesterjubiläums des Papstes einen um­fassenden Rückblick auf dessen Leben und Wirken, insbesondere als höchsten Lehrers der Kirche und Vaters der Christenheit warf.

Der Heilige Vater entgegnete mit einer län­geren Anfvrache, in welcher er zunächst der gött­lichen Vorsehung für die Obhut auf allen Lebens­wegen dankte und mit ergreifender Demut wieder­holt die Unzulänglichkeit seiner Person mit der Erhabenheit seines oherhirtlichen Amtes und sei­ner übernotiftlichen Vaterschaft über die Christen­heit verglich. Bei der Schwere und Verantwortlich­keit leine« Amtes sei ihm immerwährendes Gebet und die Fürbitte der katholischen Welt Trost und Stärkung/

Dann beklagte der Papst die noch nicht beendete Christenverfolgung in Mexiko, rühmte die Märtyrer d°s Landes und den Glaubensmut seines Volkes und streifte die bedauernsw-rte Lage der katholischen Religion in R u ß l a n d. Mit Aus­drücken warmer Sympathie- und Genefungs- wünfche gedachte bann her Pacht des englischen Königs, in dessen Weltreich der Katholizismus fick eines erfreulichen Schutzes und Blüte erfreut-. Endlich sprach der Papst Genugtuung darüber aus, daß die Krieqsgefahr zwftchm Bolivien und Paraguay glücklich abcpwendet ist.

Hierzu bemerkt der römische Korrespondent der .. „Germania":

Viel bemerkt wurde, daß der Papst, der über­haupt Über Italien nichts sagte, mst keinem Wort

* Abweisung einer Klage der „Aciion Fran- oaife“ gegen den Erzbischof von Paris. Die „Action Francaise" hatte gegen ovr katholische Zeitungen, darunter das „Echo de Paris", wegen Beleidigung und Verleumdung einen Prozeß angestrengt, metl diese Blätter ein Schreiben des Kardinal-Erzbischofs von Paris, Dubois, wiedergeqeben hatten, in dem die „Action Francaife" mit Bezug auf den Artikel eines Geistlichen über die Kriegsverantwortlichkeit erwähnt worden war. Die Strafkammer wies die Klage mit der Begründung ab, daß die lebhaften Angriffe der „Action Francaise" die ebenso leb­haften Aeußerungen des Erzbischofs rechtfertigten. Das Blatt wurde außerdem zur Tragung der Ko. sten verurteilt.

• Sicherungsmatznahmen für die französischen Sparer. Aus Paris wird gemeldet: Die radikale Kammerfraktion hat in einer Fraktionssitzung be­schlossen, einen Gesetzentwurf zum Schutze der Spa­rer vor Ausbeutung einzubrinaen, dessen dringende Durchberatung gleich nach Wiederzusammentritt des Parlaments im Januar gefordert wird. Der Gesetzentwurf steht drei Maßnahmen vor, näm­lich die Kontrolle der Aktiengesellschaften, die Reor» ganisterung des Finanzmarktes und die Regelung des Vankierberufes.

* Pier Staaten verzichten auf Lxterrito-ckilät in China. Aus Schanghai wird gemeldet: Nach dem soeben veröffentlichten Wortlaut der Verträge mit Holland, Schweden, Dänemark und Portugal verzichten diese vier Länder vom 1. Januar 1930 ab auf ihre Exterritorialitätsrechte. In einer An­lage zu diesen Verträgen erklärt China, daß es vor dem 1. Januar 1930 ein Zivil- und ein Han delsgesetzbuch veröffentlichen werde.

_

Reichspräsident von hinden rra empfing am Freitag den bayerischen Ministerpräsidenten D r. Held.

* Der Reichsbahnprozeß geht weiter. Wie die „Bossische Zeitung" aus Dresden meldet, wird Sachsen gemeinsam mit den süddeutschen Staa­ten in den nächsten Tagen beim Stoatsqerichtshof die schleunigste Ansetzung des Verhandlungs- termines in dem Prozeß um die Verwaltungsrats- stellen der Reichsbahn beantragen.

Katholiken und Zentrum.

In der „Schöneren Zukunft" (Nr. 13 vom 23. 12.) befaßt sich der bekannte Katholikenführer Älois,FürstzuLöwenstein sehr eingehend mit dem Zentrum und läßt seine Gedanken in der Mahnung ausklingen:

„Wir deutsche Katholiken können uns heute den Luxus nicht erlauben, uns wegen zweitrangiger Fragen zu zer- svlittern und die Partei im Stich zu lassen, die pro- qrammäßig und mit ehrlichem Willen das Wichtigste, das eine Notwendige, verficht. Ich hätte nicht alles gesagt, was ich zu dieser Frage auf dem Herzen habe wenn ich nicht hinzusügen würde, daß ich es für anmaßend und unrecht halte, Katholiken, die aus ehr- [ichor Überzeugung heute außerhalb des Zentrums stehen, deshalb als Katholiken minderer Güte zu verketzern TOitf+erhnft gute Katholiken sind unter ihnen. Nach

wie stehls in Rußland aus?

Die Schwierigkeiten in der Sowjetorganisation, die nicht nur taktischer, sondern sehr roeitgreifeiiber prinzipieller Natur find, werden, wieder einmal beleuchtet durch eine Mitteilung aus Mos­kau, wonach Bucharin auf unbestimmte Zeit einen Urlaub angetreten habe, obwohl er erst vor kurzem von einem solchen längeren Urlaub zurückgekchr. sei.

In dem Reichsorgan der linken Kommunisten wird diese Tatsache unter der Ueberschnft „Der Vorsitzende des Präsidiums der Komintern ^alt- gestellt" Wiedergegeben und hinzugefügt, daß die jetzige Beurlaubung den Charakter einer Kaltstel­lung in diplomatischer Form habe. Diese Kaltstel­lung werde in Zusammenhang gebracht mit Bu­charins Gegnerschaft gegen den jüngsten Beschluß des Präsidiums des Ekki auf Ausschluß der deut­schen Rechten. Bucharin hatte sich vor kurzem

Volke verbunden ist und sich als dienendes Glied in die demokratische Republik einordnet.

Um die Reichswehr in diesem Sinne umzu gestal­ten, stellt die Sozialdemokratische Partei insbeson­dere folgende Forderungen:

Kontrolle des Reichstages über alle Verträge der Heersverwaltung.

Keine Subvention an Privatfirmen, die mittel­bar oder unmittelbar illegalen Rüstungen dient.

Verbot der Bestrafung von Veröffentlichungen, gegenüber illegalen Rüstungen.

Gesetzliche Bestimmungen zur Sicherung einer unparteiischen Rekrutierung.

Beseitigung des Bildungsprivilegs für das Offi- zierkorps.

Sicherung der staatsbürgerlichen Rechte der Sol­daten.

Schutz der Rechte der Soldaten durch eme von ihnen gewählte Perfonaloertretung.

Demokratisierung des Difziplinarrechts und des Militärstrafrechts.

Republikanische Lehrkräfte und Lehrbücher beim Unterricht.

Verbot der Verwendung militärischer Kräfte bei Konflikten zwischen Kapital und Arbeit.

In dem Programm heißt es dann noch:

Die Sozialdemokratische Partei fordert die Neu­festigung des Völkerrechts im Sinne der Humanität. Insbesondere fordert sie Verbot des Gaskrieges und der Verwendung von Bakterien zur Kriegführung.

die römische Frage behandelte. Im Corriere della Serra batte man kürzlich die Mutmaßung ausge­sprochen, der mir beim gegen^Gen Stande de- Angelegenheit keinen Augenblick Glauben geschenkt haben. In hohen vatikanischen Kreisen 9>bt man letzt das Bestehen von Unterhandlungen durch zu­verlässige Vertrauensleute des Heiligen .Stuhles und der Regierung zu. _ Man stellt indes in -ib- rede, daß längst entscheidende Fortschritte dabei erzielt wurden. Man kündigt an, daß man solche zutreffendenfalls besannt geben Wurde. Im Gegensatz hierzu wurde in den dem italienischen Außenministerium nahe stchenden .,oui'nalisten- kresten schon seit Tagen ein bestimmtes Datum ge­nannt, an dem die V o r v e r h a n d l u n g e n in der Hauptsache beendet fern wurden. Es herrscht also offenbar em Memungsunterschieo über das Stadium der Mrhandlungen.

Das Recht auf Hau ung.,

Reichsaußenminister Dr. Stresemann legt in einer Unterredung mit dem Korrespondenten der „Baltimore Sun" das deutsche Recht aus Rau mung dar und wendet sich dabei ^besondere ge­gen die Erklärungen, die der engl-sche Au­ßen Minister im Unterhaus und oer Lord- | tangier im Oberhaus abgegeben haben.

Nach diesen Erklärungen wäre der Artikel 431 des Versailler Vertrages nur dann anwendbar, wenn Deutschland seine gesamte Repara­tionsschuld re st los abg e t r a g e n hott . Diese Ansicht stehe schon, so erklärt Lx. cJ l ;e- manii, mit dem Wortlaut in Widerspruch, da in diesem nicht von dem Falle die Rede ist daß Deutschland alle seine Verpflichtungen erfüllt hat, sondern vielmehr von dem Falle, daß es sie e t = füllt Niemand konnte bei Aufstellung der Der- failler' Friedensbedingungen irgendwie die Mög­lichkeit ernsthaft in Betracht ziehen, daß Deutsch­land imstande sein werde, den Gesamtbetrag der ihm auferlegten Reparationen vor dem Jahre 1935 zu bezahlen. Tatsächlich hat auch niemand an diese Möglichkeit gedacht, da der Versailler Ver­trag selbst ausdrücklich von einer Fr ist von 30 I a h r e n für die Bezahlung der deutschen Repara­tionsschuld ausgeht. Um die Richtigkeit der deut- scheu Auffassung, daß auch hinsichtlich der Repara­tionen die Voraussetzung des Artikels 431 bereits erfüllt ist, außer Zweifel zu setzen, weist Dr. Stresemann auf folgende Punkte hin:

Der Dawesplan hat für die regelmäßige Zah­lung der in ihm festgesetzten Annuitäten effektive Pfänder geschaffen, die den Gläubigern volle Si­cherheit gewähren. Diese Pfänder sind eine frei­mütige Leistung über den Vertrag hinaus. Die in ihrer Wirksamkeit weit über das Jahr 1935 hin­aus reichenden Vereinbarungen über den Dawes- plan würden völlig genügen, um bei einer loyalen Auslegung des Artikels 431 dessen Voraussetzung als erfüllt anzusehen. Die deutsche Auffassung finr det eine bedeutsame Bestätigung in der in letzter Zeit schon oft erwähnten Erklärung, die am 16. Juni 1919 hinsichtlich der Besetzung deutschen Ge­bietes von Wilson. Clemenceau und Lloyd George unterzeichnet wurde. Wir halten uns für berech­tigt, die Frage w stellen, oh man etwa heft'-Aen iul«, uti.-fiiorTh u«civeife feines amten Wil­

lens und ausreichende Garantien im Sinne dre­ier Erklärung gegeben hat.

3um Schluß spricht Dr. Stresemann die Erwar­tung aus, daß die deutschen inristischen Argumente auf die Dauer nicht ohne Wirkung bleiben, und daß sie zusammen mit den nicht weniger starken politischen und moralischen Argumenten dazu führen werden, die Besetzung deutschen Gebie­tes, dieses letzte militärische Ueberbleibsel aus dem Weltkrieg, endlich zu beseitigen.

ftung wird nur dann dem Frieden dienen, wenn sie nicht eine einseitige Verpflichtung ist, wie sie den Besiegten des Weltkrieges durch die Sieger auferlegt wurde. Der deutschen Republik ist die historische Mission zugefallen, Vorkämpferin derinternationalenAbrüstungzu fein. Diese Mission kann sie nur dann erfüllen, wenn sie die ihr aufgezwungenen einseitigen Rüstungsbe­schränkungen nicht überschreitet. Eine Verpflichtung der Deutschen Republik, die ihr auferlegten Rü­stungsbestimmungen ohne Rücksicht auf ihre poli­tische und militärische Zweckmäßigkeit auszuschöp­fen, erkennt die Sozialdemokratische Partei Deutsch­lands n i ch t an.

Noch droht die M a ch t p o l i t i k imperialisti­scher und faschistischer Staaten mit konterrevolutio­nären Interventionen und neuenKriegen. So lange diese Gefahren bestehen, ist die Deutsche Re­publik genötigt, zum Schutze der Weltbestimmung ihres Volkes eine Wehrmacht aufrechtzu­erhalten.

Die Wehrmacht kann ihre Aufgabe nur erfüllen, wenn sie in ihrem Denken und Fühlen mit dem

Die Urwald-Zehde.

wtb. Washington, 27 Dez. (Gig. Funkm.s Nach, dem die Vermittlungsbemühungen zum Stillstand gekommen sind, da man abwartet, ob Bolivien und Paraguay den vor 2 Tagen hier ausgearbeiteten Protokoll-Entwurf annehmen, berichtete die Ge- iandtschaft Paraguays heute abend, die B o l i - ui an er hätten das Fort Vanguardia 'N dem umstrittenen Gebiet wieder besetzt uno ihre Truppen 12 Meilen weiter in das Innere des Gebiets vorgeschoben und dadurch wieder eine „sehr ernste Lage" geschaffen. Die Gesandt- chaft bemerkt, dieser Vorstoß sei ohne ®£Kmte vor sich gegangen. Die Bolivianer hatten Vorteil aus dem Befehl gezogen, den die Regierung Para- guays an ihre Truppen ausgegeben hatte, all? Feindseligkeiten einzustesten.

*

Nach einer Meldung des New York Herold ans Washington wird Hoovers plötzlicher Entschluß, seine Südamerikareise abzubrechen und direkt nach Washington zurückzukehren, teilweise seinem Wunsche zugeschrieben, sich näher mit der Frage der Wahl von zwei amerikanischen Sach- verständigen für den Reparationss sachverständigenailsschuß zu befassen. Man glaubt, daß die Tätigkeit der Sachverständ:. gen zurzeit der Uebernahme der Präsidentschaft Hoovers noch nicht abgeschlossen sein werde. Hoo- I ver habe sich, so lange er Handelssekretär war, | über die Reparationsfrage auf dem Laufenden ge­halten. Parker Gilbert, der in einigen Tagen in Washington Eintreffen soll, werde sicher dem künf- tigen Präsidenten, wie er es bisher gehalten habe, über seine Beobachtungen Bericht erstatten.

auch gegen die Rehabilitierung Thälmanns ge- , wandt. .

Dem gleichen Blatt zufolge hat Klara Zetkin gegen den Ausschluß ihrer politischen Freunde aus der deutschen dezw. russischen Partei bei der Exe­kutive geharnischten Protest eingelegt. Darüber hin­aus habe sie ihre sofortige Rückreise nach Deu.sch- land zu dem Zweck angekündigt, m öffentlichen , Versammlungen in Deutschland gegen das Thal- mann'sche Zentral-Komitee und für die ausgeschlos­sene Rechte aufzutreten. Für den Fall, daß man ihr wegen der Rückreise Schwierigkeiten bereiten oder die Reise nach Deutschland verhindern wurde, | habe Klara Zetkin gedroht, zum deutschen Konfu- i lat in Moskau gehen zu wollen. Dos linkskom­munistische Blatt fügt dem noch hinzu daß ihm diese Absichten Klara Zetkins von deuffchen Rechts­kommunisten bestätigt worden seien. Klara Zetkin würde bereits kurz nach Neujahr in Berlin m einer öffentlichen Dersammlugn sprechen.

Wie der sozialdemokratische Pressedienst berich­tet wurde vor drei Monaten von den Kölner Kommunisten ein 21 r b ei tersekretari a t >ns Leden gerufen, dem man den Namen »Junstifche Auskunftsstelle und Beratungsstelle" gab. Die Be­zirksleitung der kommunistischen Partei für ben Mittelrhein hat in diese Gründung beträchtliche Gelder hinelngffteckt. Jetzt wird bekannt daß die­ses sogenannte Arbeitersekretariat feine Pforten ge­schlossen hat, weil die beiden kommunistischen Ver­walter Hans Beckschäfer und Heinz Efferts U n t er- schlaqnnge'n und Fälschungen begangen haben. Zahlreiche arme Arbeiter sind um ihre sauer erworbenen Gelder betrogen.

Die Bezirksleitung der KPD. für den Mittel­rhein hat die beiden Kommunisten nnt sofortiger Wirkung aus der Partei a u s g e s ch l o s s e n. Sie versucht im übrigen aber die ganze Geschichte zu 1 vertuschen. _____________

ans Herz gewachsenen Forderung, in der wir nach freiem Ermessen entscheiden dürfen. Die Einigkeit im Notwen­digen aber kann nur erreicht werden, wenn die Katho­liken sich in einer Partei zusammenschließen. Im Par­lament gibt es kein Vereint-Schlagen, wenn man getrennt marschiert.

Diesen Erwägungen gegenüber scheint mir die Frage nicht mehr recht zugkräftig, ob denn die Einstellung des politischen Tuns nach den Grundsätzen des Christentums ein genügendes Programm für eine politische Partei sei? Mit Parteiprogrammen ist das eine eigenartige Sache. Bis zum Sommer 1917 ober 1918 hatte das Zentrum überhaupt kein eigentliches Programm außer den paar Fundamentalsätzen des sogenannter Soester Programms von — wenn ich nicht irre — 1870. Dennoch hat der Geist, aus dem das Zentrum erwachsen war, genügt, die Entschließungen der Partei zu allen Tagesftagen, in einer, bei aller Entwicklung gleich gerichteten Linie zu leiten. Nein, vielleicht genügen die Grundsätze des Christentums nicht zu einem alle politischen Möglich­keiten eindeutig, in einheitlicher Richtung lösenden Par­teiprogramm. Aber sie genügen, um Männern und Frauen, die ehrlich nach diesen Grundsätzen handeln wollen, das Urteil zu schärfen für das, was ihrem Volke not tut. Trotzalldem kann das Urteil schief gehen, das Zentrum hat zu jeder Zeit seines Be­stehens Fehler begangen — ich sage das, ohne nur über den Beweis für die Behauptung nachzudenken, so selbst­verständlich ist es — und wenn es in den letzten zehn Jahren, den schwersten, der deutschen Geschichte, in einer Zeit unerhörter Gärung, nicht noch mehr Fehler be­gangen hätte, wie je zuvor, so wäre es ein Weltwunder. Wer in Deutschland eine Partei kennt, die keine Fehler

TOinternaft gute Katholiken sind unter ihnen, meiner Ansicht irren sie nur als P°litiker. Nur das wollte ich ihnen in Liebe sagen.

Dieser Schluß, den wir in seiner Klarheit und Entschiedenheit begrüßen, zeigt das Ziel auf das die Ausführungen hinauswollen. Es ist die p o - litifche Einigung der Katholiken im Zen­trum. Es ist das Ziel, das allen unter uns vor Augen schwebt, die wissen, was davon abhängt. Fürst Löwenstein wendet sich deshalb an die Kreise, die aus Verärgerung nach rechts abgeschwenkt sind. Der Rückblick, den Fürst Löwenstein von der Tä­tigkeit des Zentrums nach seiner persönlichen Be­urteilung gibt, zeigt trotz mancher kritischer Bemer­kungen Sachlichkeit und aufrichtiges Bestreben nach Verständnis für die schwierige Lage. Wir greifen den Abschnitt heraus, der in seiner positiven Stel­lungnahme ein entschiedenes Bekennt­nis dafür ablegt, daß „wir Katholiken uns den Luxus nicht erlauben können, die Partei im Stich zu lassen, die programmäßig und mit ehrlichem Willen, das wichtigste, das eine Notwendige ver­ficht", Fürst Löwenstein schreibt:

Wir müssen uns entscheiden. Und da hat, so bitter es dem einzelnen werden mag, das Notwendige den Vor­rang vor jeder anderen noch so wichtigen, uns noch io

... ,-s d fi dimnnnrnmer in DU. (mit Milt, mm« 15 MA

ldaerZeitung

Amtliches Kreisblatt.

Die Lage in Afghanistan.

Die afghanische Gesandtschaft in Paris gibt be­kannt, daß nach einem aus Kabul eingetroffenen Telegramm der Stamm Khoogyani sich unterworfen habe, der treu gebliebene Stamm Mebmend habe gemeinsam mit den Regierungstruppen die Auf­ständischen aus der Gegend von Djellahabad ver­trieben. Die Aufstandsbewegung scheine nachzu­lassen.

Am 25. Dezember sind mit einem Flugzeug fol- genbe Deutsche aus Kabul abgeflogen und in Pefha- war eingetrofffen: Frau Herbordt und Sohn, Frau Staude, Frau Barten und zwei Kinder, Frau Ma­nager, Frau Hetzel. Brau Buchboltz, Frau Iven,

muh doch jedem überzeugten Christen-sonnenklar sein datz bei uns in Deutschland, wie in Oesterreich, wie wohl in den meisten Ländern der EEe'dungskamif um die Herrschaft Gottes auf Erden tobt. Denken wir an die Schule, denken wir an bie planmäßige 3er seuchung der Jugend, an die mit teuflischer Zielsicherheit betriebene Versumpfung der Sitte, denken wir auch an das Anschwellen materialistischer Selbststrcht, aus der die schweren wirtschaftlichen Kämpfe erwachsen, denken wir an die fortschreitende Bolschewisierung der Mayen, deren tiefster Grund der religiöse Nihilismus ist. Gewiß, die Hauptlast des Kampfes hat die Kirche zu tragen. Ge miß, die Hilfsaktion der kacholifchen Laien hat mit Po­litik nichts zu tun. Aber damit die Drehe frei fei jum Kampf für die heiligsten Guter des Volkes, muffen ihre Verteidiqer im Parlarnent ftark fei >, damit durch Gesetzgebung und Verwaltung Damme au - aeriditet werden gegen die drohende Sintflut, muß in Gesetzgebung und Verwaltung eine Macht wirksam fein, die die Dämme baut."

Wenn hierin auch nur ein Teil der Aufgaben des Zentrums liegt, er genügt, um zu zeigen und zu beweisen, daß der innere Ausbau der De­mokratie unserer, st ä r k st e n und ge W ; i er nen Aktivität bedarf.

Kirche mit Parteipolitik verquicken. Will ich auch nicht die Katholische Aktion verpolitifleren. Ich könnte mir keinen schlimmeren Mißgriff denken. Die Kirche hat mit dem Zentrum nichts zu tun. Das Zentrum hat mit der Kirche nichts zu tun, indem es ihre Rechte verteidigt, das ist etwas ganz anderes. Und die Katholische Aktion muß von aller Politik steigehasten werden. Das aber

Anzeigen.Preise Kleinzeile (Colonels lokm 0,15 jut - .

auswärts 0,20 Reklamezelle: Dkl 0,60 JU 55.jCU)tg auswärts 0,80 5U. Bei Wiederholur gen Rabatt. j

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051. -

* Volkskommissar Tschitscherin. Wie wir von zuständiger russischer Seite erfahren, wird sich der Volkskommissar frü das Auswärtige, Tschitscherin, noch längere Zeit zur Kur, und zwar ausschließlich zur Kur, in Deutschland auf halten. Gefchäftstche Besprechungen sind also zunächst nicht vorgesehen.