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Nr. 296.

Erfcheml sechsmal wöchentlich- WochenbeUagen „Die Weit im Bild" und Buchendlätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einscht. Postgeb <30 be^w 48 Pf.» ohne 3uftc[Io.

Samstag, 22. Dezember 1928.

-.nzeigen-Preise Kleinzeile (Colonel» lokal 0,15 JL* auswärts 0,20 JUt Reklamezelle: lokal 0,60 JO auswärts 0,80 JlJt. Bei Wiederhol»» gen Rabatt.

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SS.Zahrg.

Der Ausstand in Afghanistan.

Wenn nicht im vorigen Jahre König Amanullah eine große Reise durch Europa angelreten hatte, wenn nicht seine Besuche in Rom, Paris, -Benin, London und Moskau die Presse gezwungen hat­ten, sich dauernd mit ihm und den Dingen, die um ihn geschahen, zu beschäftigen, wenn er alfo nicht sozusagen in Europa eine populäre Person ge­worden wäre, an die sich mancherlei bissige Anek­doten angeknüpft haben, — dann würde man von den Aufständen in Afghanistan, die seit einigen Wochen in dem Gebiet zwischen der Hauptstadt und der indischen Grenze ausgebrochen sind, nicht besonders Notiz nehmen. Denn in Afghanistan, das ein sehr freiheitlich füh'endes Land ist, sind Aufstände einzelner Stämme gegen Verfügungen von der Hauptstadt her keine Seltenheit. Aber der Besuch Amanullahs in Europa ist ein Anlaß geworden, sich nicht nur mit der politi» scheu Geschichte und den kulturellen Zuständen in seinem Lande näher zu befassen, sondern hat auch gewisse wirtschaftliche Hoffnungen geweckt, die das politische Interesse rege fein lassen. Dem erfolg­reichen Beispiele seines Kollegen im Nachbarlande, des Diktators Kemal Paschas in der Türkei, nach­folgend, hat er verflicht, Afghanistan zu modernisie­ren, d. h. die technische Kultur Europas diesem Lande aufzupfropfen und es dadurch mit dem Abendlande kulturell und wirtschaftlich enger zu verbinden. Es ist also nicht nur ein persönliches Verhältnis, also die Erinnerung an eine vor kur­zem einmal gemachte gute Bekanntschaft, die uns den neuesten Aufständen in Afghanistan besonderes Interesse abgewinnen läßt, dieses Interesse hat auch eine sachliche, eine materielle Seite.

Cs ist im Auaenblick nicht ganz leicht, die poli­tische Situation in Afghanistan richtig zu beurtei­len, die Fernverbindungen des Landes mit der Umwelt sind unterbrochen, und noch fehlen die Nachrichten, die durch die von England jeßt ver­suchte Flugverbindung übermittelt werden sollen Da Afghanistan, bevor es sich im Jahre 1919 selb­ständig machte, ein von England sowohl wie von Rußland heftig umstrittenes Gebiet war, hat man wvbl angenommen, daß englische oder russische Drahtzieher hinter dem Aufstand zu suchen seien. Bestätigt haben firh derartiae Vermutungen nicht, auch wenn sie nachträglich durch Meldungen aus ffhorant> und Rußland, die einander gegenseitige Sorroürfe matten, unteritüht au werden scheinen. Denn es gibt mtsreirf’enbe Gründe für den Auf­stand in dem Verhalten des Königs Amanullahs sechst, sie liegen in seiner radikalen Reformpolitik, die auch vor den traditionellen religiösen An­schauungen feiner Untertanen nicht Halt gemacht bat. Diese Reformmaßnahmen haben ebenso wie ähnliche Bestrebungen Kemal Paschas in der Tür­kei starken Widerstand gefunden. Aber die per­sönliche Autorität Kemal Paschas, der gerade einen siegreichen Befreiungskrieg durchqeführt hatte, war größer als es die Autorität AmanulloHs zu fein scheint, beben Befreiung?kamvf schon fast ein 5ighr- zebnt zurück'iegt. Kemal Pascha ist der Wider­stände in seinem Lande lehr schnell Herr gewor­den, AmgN"llah, dessen Energie gewiß nicht min­der groß ist, muß um die Durchseßunq seines Willens hartnäckige Kämpfe führen. Er hat es ober auch, wie oben schon angedeutet, mit ein"m Vcstke zu tun. dessen Unabhängigkeitssinn in den einzelnen Stämmen größer ist als der der Be- wobner der Türkei. Um sich Haltung zu ver- schgsten ist Amanullah zu sehr radikalen Maß­nahmen geschritten. Er ist nicht einmal davor zurückgefchreckt, höchste Persönlichkeiten seines Lan­des. sogar aus feinem eigenen königlichen Haufe, einfach hinzunchten Eine ganze Reibe von Hoch- verrgtsvrozessen steht noch aus. Ob sie allerdings in feinem Sinne zu Ende geführt werden, das Hänat jehf davon ab. ob er des Aufstandes Herr werden wird. Es heißt, daß er. als an der indi­schen Grenze zwei gut bemaffnete Stämme von ihm abliesen, und ihren Marsch auf Kabul gn- träten. in der Absicht, die alten reHgiöfen Ber- häUniffe und den E'nfluß der geistlichen Ober­häupter wie auch die frühere Selbständksit her Stommesherzooe wieder harnistesien, zunächst Ber- handlungen mit ihnen versucht habe, die dann aber ergebnislos verlaufen seien. Darauf habe er einen Stamm, von dem er glaubte, daß er ihm persön­lich ergeben fei, bewaffnet, sei aber non diesen treulos 'm» Stich geigsien worden, «mft dieser Verrat habe die bedrängte Lage des Königs ver­ursacht. der sich seht in feiner Residenz aufhalte, die afber von den A"fständischen immer enger eingeschloffen wurde. Nicht nur im Ostm, sondern auch im Nord-m und Nor^westen schließe sich der Be'agerungsring immer dichter. Die Lage des Königs Anw.nubgh ift gNv sehr bren’f»<h. mmn die Nachrichten zutreffend sind, die aus Afghanistan bisher in Eurona eingetroffen sind. Wenn der Fluadien.kt. h->n hie (Fna'änher mit ihrer Gesandt­schaft in Afghanistan einrichten mosten in Funktion lritt, romb man wobt Zuverlässiges über die ge-

Mit dem Heeresav"arat. den Amanullah aus Europa F-e?o*en hat. insbesondere mit den itafieni« schen ^ehie^pbatterien und b»n deutschen F<ug'eu- aen durfte er im Auaenb lick nicht njel anfgngen können, da die Instruktoren nur für den Friedens- Nicht für den aktiven Krien^enlt rernHirhtet mor= hen sind. Seine eigenen Soldaten sind für deren Gebrauch noch nicht geschult genug. Ohne Zweifel Hat Amannilah feine Reformen überspannt und vor allem das Gebot verlebt, daß man die r e l i- i ö f e n Gebräuche eines Volkes nicht bedrohen darf.

Beruhigung.

Die Berliner afghanische Gesandtschaft hat laut Lokal-Anzeiger" ein Telegramm aus Kabul er-

Irr Schiedsspruch Des ReichNinisterß Sroering.

Der neue Tarifvertrag für die nordwestliche Eisen- und Stahlindustrie.

wtb. Berlin. 21. Dez. (Eig. Funkm.) Dem vom vom Reichsminister des Innern, Severing, heute ergangenen Schiedsspruch für die nordwestliche Ei­sen- und Stahlindustrie geht als Einleitung eines von den beteiligten Arbeitgeber- und Arbeitneh­mer-Organisationen unterzeichnete Erklärung vor­aus, wonach der Schiedsspruch für den in ihm an» gegebenen Zeitraum und in dem in ihm bestimm­ten Umfange als Tarifvertrag zwischen den beteiligten Verbänden gilt.

Hinsichtlich der Lohnregelung sieht der Schieds- fpvuch zunächst vor, daß für die Zeit von der Wie­deraufnahme der Arbeit bis zum 31. Dezember 1928 sich die Entlohnung nach dem für verbindlich erklärten Schiedsspruch vom 27. Oktober 1928 re­gelt. Mit Wirkung vom 1. Januar 1929 erhalten die im reinen Zeitlohn beschäftigten Arbeiter über 21 Jahre eine nicht akkordfähige Zulage und zwar beträgt für die Lohngruppen von 60—62 Psg. bis­herigen Stundenlohns die Zulage 6 Pfg., für die Gruppe 63—65 Pfg. Stundenlohn 5 Pfg., für die Gruppe von 66—72 Pfg. Stundenlohn 4 Pfg., für die Grupve von 73—77 Pfg. Stundenlohn 3 Pfg., für die Gruppe von 78—79 Pfg. Stundenlohn 6 Pfg., für die Gruppe von 80—81 Pfg. Stunden­lohn 5 Pfg., für die Gruppe von 82—83 Pfg Stun- denlohn 4 Pfg., für die Gruppe von 84—86 Pfg. Stundenlohn 3 Pfg., für die Gruppe von 87—88 Pfg. Stundenlohn 2 Pfg. und für die Gruppe mit 89 Pfg. Stundenlohn 1 Pfg.

Die sozialen und sonstige tariflichen Zulagen werden durch diese Regelung nicht berührt. Die Ecklöhne bleiben unverändert. Für die Altersklas­sen unter 21 Jahren stuft sich die oben angeführte Zulage im Verhältnis der 100-Säße der Ziffer 5 des Schiedsspruches vom 13. Februar 1927. Die Regelung der Zeitlöhne wie angegeben gilt nur für die Geltungsdauer der vorliegenden Entscheidung. Die Bestimmung in Artikel 2, Ziffer 2 des Rahmen­tarifvertrages vom 16. Mai 1927 bleibt im übrigen unberührt und tritt bei Ablauf dieser Entscheidung wieder in Kraft.

Auch das Lohnabkommen vom 15. Dezember 1927 läuft unverändert weiter, sobald nicht durch den Schiedsspruch Aenderungen getroffen sind. Hinsichtlich der Akkordsäße bestimmt der Schieds­spruch unter Abänderung des Artikels 9 des Rah» mentarifnertrages: Die Akkorde sind so anzu- seßen, daß der Durchschnittsarbeiter bei gesteiger­ter Leistung unter normalen Betriebsverhältnstsen 15 Prozent über den Tariflohn der entsprechenden

Gruppe hinaus verdienen muß. Artikel 9 Ziffer 2 wird durch den Schiedsspruch mit folgendem Ab­satz 5 ergänzt: Eine Veränderung durchgeregelter Akkorde kann verlangt werden bei fehlerhafter Be­rechnung oder bei Aenderung der Berechnungs­grundlagen infolge technischer oder organilatori» scher Aenderungen. Eine Herabsetzung geltender Akkorde ist darum nur infolge technischer, organi» satorischer ober Materialverbesserungen zulässig.

Wegen der Arbeitszeit werden in textlicher Aen­derung des Art. 2 des Rahmentarifvertrages folgende Bestimmungen getroffen:

Mit Wirkung vom 1. Jan. 1929 wird die Ar­beitszeit in folgender Weife verkürzt: Für alle Arbeiter, die 60 Stunden arbeiten, allgemein auf 57 Stunden je Woche. In den Gießereien, Radiatoren-Betrieben, den Wassergasschweißereien, den Beiz-Anlagen des Blechwalzwerkes I der Fa. Krupp auf 52 Stunden in den sechs Wochentagen; in den Sandstrahldläsereien, den Ofenbetrieben der Zementfabriken, den Thornasschlackenmuihlen auf 48 Stunden in sechs Wochentagen. Betriebe, die zur Zeit kürzere Arbeitszeit haben, behalten diese bei. Im übrigen bleiben die Bestimmungen des Arbeitszeitabkommens vom 15. Dezember 1927 un­verändert bestehen.

Weiter wird bestimmt,, daß Maßregelun­gen aus Anlaß des Lohntarifes unzulässig sind. Eine Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses hat nicht stattgefunden. Die Betriebsräte bleiben bis zum Ablauf ihrer Wahlperiode im. Amt.

Der beim Reichsarbeitsgericht schwebende gründ- sätzliche Rechtsstreit über das Zustandekommen eines rechtsgültigen Tarifvertrages durch den Schiedsspruch vom 27. Oktober 1928 wird durch die vorliegende Entscheidung nicht berührt; die Regelung wird aber durch den Ausgang des Pro­zesses nicht getrofstn.

Die Aenderung des Rahmentarifes, der im üb­rigen unverändert weiter besteht, tritt mit dem 1. Jan. 1929 in Kraft. Der Rahmentarif ist erst­malig am 1. M a i 1930 mit zweimonatiger Frist, | die in der vorliegenden Entscheidung getroffene | Regelung der Löhne und der Arbeitszeit erstmalig am 1. Slugust 1930 mit zweimonatiger Frist künd­bar. Einen Monat vor dem Termin muß jedoch die Absicht der Kündigung der anderen Vertrags­partei angezeigt werden. Werden die Vereinba- ntngen nicht gekündigt, fo verlängert sich ihre Gül­tigkeit automatisch um ein Jahr.

halten, demzufolge die Aufständischen von den Re­gierungstruppen zerstreut worden seien und die Aufstandsbewegung als erloschen angesehen wer­den könne. Auch das Auswärtige Amt steht nach dem Blatt mit der deutschen Gesandtschaft in Kabul wieder in telegravhischer Verbindung, und die letz­ten hier eingegangenen Meldungen scheinen dafür zu sprechen, daß die afghanische Regie­rung die Lage beherrscht und daß für die dort befindlichen Deutschen gegenwärtig nichts zu befürchten ist Die Derbindunosstraße nach Pesha- war scheint allerdings noch gesperrt zu sein.

*

Ein drittes britisches Flugzeug war über Kabul. Die Gesandtschaft signalisierte, daß alles wohl sei. ________________________________

Schaumburg-Lippe und Preußen.

Der Reichsminister des Innern Severing hat sich laut B. T. bereit erklärt, in der Angelegen­heit der Wiederaufnahme der Anschlußverhand'an- gen zwischen Preußen und Schaumburg-Lippe die Vermittlung zu übernehmen und zur Aufnahme der Vorverhandlungen einen Beamten seines Mi­nisteriums nach Bückeburg mit dem Auftrage zu entsenden, die Verhältnisse zu studieren. Die Ser» Handlungen zwischen Schaumburg-Lippe und Preu» ßen sind, wie erinnerlich, vor einigen Jahren ab­gebrochen worden, nachdem die Volksabstimmung ein negatives Resultat gezeitigt hatte. Die neue Behandlung der Anschlußfrage ist in erster Linie auf eine Veränderung in der Wirtschaftslage von Schaumburg-Lippe zurückzuführen. In offiziellen lippischen Kreisen wird, dem Blatt zufolge, das Vorgehens Severings, der übrigens bis zur Stunde einen Beaus" agten noch nicht ernannt hat, außerordentlich begrüßt.

Dfe Zwist'gkeilcn auf Helgoland.

In den letzten Tagen sind in der deutschen Presse wiederholt Nachrichten verbreitet worden, die auf der bekannten Helgoländer Minderheiten­gruppe, dem „Helgoländer Heimatbund", nahe­stehenden Kreise zurückgehen. Diese Gruppe hat einen Einfluß auf die Gemeindepolitik genommen, die Helgoland bereits den Verlust einer Reihe von Vergünstigungen kostete, die das Reich und Preu­ßen der Insel gewährt hatten. Die Mehrheit der Helgoländer Bevölkerung, die in bett etwa 500 Mitglieder umfassenden Kowrnunalverein zuscnn- menaefaßt ist, weist im Hinblick auf die zur Zeit im Preußischen Landtag vorliegenden Beschwerden gegen die Maßnahmen der erwähnten Gruppe darauf hin, daß sie einen energischen Eingriff des Staates zur Befestigung der bedauerlichen Zu­stande verlangt, die durch die fragliche Gruppe geschaffen worden sind.

* Rückkehr Dr. Roldins aus der Verbannung? Die Amtliche Rachrichtenstesie meldet aus Inns­bruck: Wie aus zuverlässiger privater Quelle mit­

geteilt wird, ist der seit Jahren in der Verbanc- nung lebende Rechtsanwalt Dr. Noldin am Sonn­tag abend in Saturn angekommen. Sein Gesund­heitszustand fei befriedigend.

priefferjubilöum des Papstes.

In der Kirche v. St. Carlo am Corso, wo vor 50 Jahren Papst Pius XI. seine erste Messe zelebrierte, fand am 20. Dezember ein feierlicher Dankgottesdienst statt.

Anläßlich des Beginns der Jubiläiimsfeierlich- keiten des Papstes hat Kardinal Dannutelli im Beisein des Gouverneurs und zahlreicher Behörden die neue Basilika geweiht.

Der Papst zelebrierte am 20. Dezember im Petersdom eine Stille Messe, um das neue Jubeljahr zu weihen. Zahlreiche Kardinäle, die Familie Ratti, das beim Heiligen Stuhl be­glaubigte diplomatische Korps, der römische Adel, Prälaten, Abordnungen der religiösen Institute und der Orden und eine zahlreiche Menge Gläu­biger, die dem Papste begeistert zujubelte, wohnten der Messe bei.

* Ein früherer ungarischer Minister ht Ant­werpen verhaftet. Die Polizei hat dem „Soir" zufolge in Antwerpen einem Ersuchen der ungari­schen Regierung entsprechend den früheren ungari­schen Minister'von Barta, der wegen Betrü­gereien verfolgt wird, verhaftet.

* Regierungskrise ht Jugoslawen. Aus Bel­grad meldet ein Funkspruch: Wie die Politika meldet, wurde bei einer Beratung zwischen dem Ministerpräsidenten Dr. Koroschetz, Wukitschewitsch und Dr. Spaho beschlossen, daß Dr. Koroschetz seinen Rücktritt gibt._____________

Neue Nusstände in Marokko?

Nach einer von einigen Abendblättern wieder- gegebenen Meldung aus Tetuan herrscht unter den Stämmen der Senhadia und Ghombra eine gewisse Erregung, die zurückzuführen sein soll auf die Agitation eines Stammesführers, der überall bei den Stämmen die bevorstehende Rückkehr Add el Krims ankündige. In die betreffenden Gegen­den sind Truppen entsandt worden, um mögliche Unruhen zu verhindern und auch um den Agitator Mu'an Hussein zu verhaften. Dieser ist bisher un­auffindbar geblieben. Man glaubt, daß er sich in die Bergeinöden geflüchtet hat.

* Maximow'.tsch Litwinow verhaftet. Am Donnerstagmittag wurde der Bruder Litwinows, Maximowitsch Litwinow, der vor 14 Tagen aus Basel zurückgekehrt ist, in Paris verhaftet. Es handelt sich um die Ausgabe von Wechseln in Höhe von 200000 Pfund Sterling. Verhaftet wur­den auch ein gewisser Mare Josf, angeblich Ban­kier in Berlin, 42 Jahre alt, und ein 25 jähriger Hoteldirektor Willi Liborius, der gleichsalls ein deutscher Staatsangehöriger sein soll. Ob diese Verhaftungen mit der Litwinows in Zusammen­hang stehen, ist bis jetzt nicht bekannt geworden.

Hindenburg und Simons.

Der Reichspräsident entscheidet sich für die Auf­fassung der R:ichsr:g::rr"g.

Das Abschiedsgesuch des Reichsgerichtspräsiden­ten Dr. Simons, das im Anschluß an die bekannter Auseinandersetzungen zwischen der Reichsregierung und dem Staatsgerichtshof erwartet wurde, liegt laut „Lokalanzeiger" im Reichsjustizministerium in Berlin vor.

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Reichsgerichtspräsident Dr. Walter Simons erblickt in dem Umstand, daß das Reichskabinett am 14. Dezember neue Verwaltungsräte der Reichs­bahn ernannt hat, obschon in dieser Sache beim Staatsgerichtshof auf Antrag von einigen Länder­regierungen am 15. Dezember ein Termin anbe» räumt war, eine Herabwürdigung des Staats­gerichtshofes. Der Reichsgerichtspräsident ist 67 Jahre alt, würde also im nächsten Jahre die Altersgrenze erreichen. Er war 1882—1911 Richter, sodann vortragender Rat und Direktor im Auswär­tigen Aint und 1920—21 Reichsminister des Aen- ßern. Seit sechs Jahren steht er cm der Spitze des Reichsgerichts. *

Auf die Beschwerde des Staatsgerichtshofes, Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons, an den Reichspräsidenten wegen der Besetzung der Stellen im Verwaltungsrat der Reichsbahngesellschaft ant­wortete der Reichspräsident, daß die Reichs­regierung verfassungs- und pflichtge- m äß handelte und daß ein Eingriff in die ver- fassungsmäßige Tätigkeit des Staatsgerichtshofes nich t vorliege.

Reichspräsident Hindenburg hat den Reichs­gerichtspräsident Dr. Simons in einem persönlichen Schreiben gebeten, baldmöglichst nach Ber­litt zu kommen, um den zwischen der Reichs­regierung und dem Reichsgerichtshof entstandenen Konflikt und zugleich das inzwischen eingegangene Rücktrittsgesuch des Reichsgerichtspräsidenten zu besprechen. Der Reichsgerichtspräsident Dr. Si­mons hat mitgeteilt, daß er zu diesem Zwecke am Samstag beim Herrn Reichspräsidenten sich ein» finden wird.

Dortrag Dr. Stresemauns beim Reichspräsidenten.

wtb. Berlin, 21. Dezember. (Eig. Funkm.) Reichspräsident von Hindenburg nahm heute den Vortrag des aus Lugano zurückgekehrten Reichs­ministers des Auswärtigen, Dr. Stresema nn, entgegen.

Amerika und Sachverständige.

wtb. London, 21. Dezember. (Eig. Funkm.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Tele­graph" schreibt: Gestern wurden dem britischen Schatzamt von Paris und Berlin die Ergebnisse der letzten Besprechungen zwischen Poincare und dem deutschen Botschafter in Paris mitgeteilt. Der einzige noch unerledigte Punkt bezieht sich auf die Art und Weise, in der Washing­ton um Mitwirkung ersucht werden soll. Es wird erwartet, daß sich die britische Regierung mit der zwischen Frankreich und Deutschland zu er­wartenden Vereinbarung einverstanden erklären wird.

Die französischen Reparationssachverständigen.

wtb. Paris, 21. Dezember. (Eig. Funkm.) Echo de Paris berichtet, daß außer dem Gouvemeur der Bank von Frankreich Moreau, der Vertreter Frankreichs im Transfer-Ausschuß Parmentier, Delegierter Frankreichs im Reparationssachverstän­digenausschuß sein werde.

Etwas über Ernährung.

Von einem besonderen landwirtschaftlichen par­lamentarischen Mitarbeiter:

Die Ernährung braucht die Belehrung. Heber den Geschmack kann man nicht streiten, so sagt man. Aber man kann ihn leiten. Das hat Professor Faß­bender getan Mtt großer Sachkenntnis und volks- wirtichaftlichern Weitblick hat er der Ernährung die Wege der Gesundheit, der Zweckmäßigkeit und der Billigkeit gewiesen.

Auch die Ernährung unterliegt der Mode. Man kann eine Richtung von den gröberen zur Fein­kost feststellen. Dafür sind ein Beweis die vielen Feinkost-Geschäfte, welche sich in den Städten ver­mehren und auch in den, Landorten eingerichtet werden, .wo man sie früher nicht kannte. Die Sta­tistik zeigt, daß der Verbrauch der sogenannten schweren Nahrungsmittel — vom Speck bis zu den Bohnen und Linsen — abnimmt. Das Feinmeht und sein Gebäck verdrängen den Landweizen und bas Roggenmehl. Die so vielfach ausgegebene Pa­role: Eßt Roggenbrot — hat keine erkennbar«