Schwere wechselsälfcyungen.
Am Sonntag wurde der Besitzer der Blech- una Maschinenfabrik Bernhard Struchtrop in V o r - h e I m bei Ahlen i. Wests, wegen großer Wechsel- sälschungen non der Polizei verhaftet. Der Verhaftete hat für über 200000 Mark ge. fälschte Akzepte in den Verkehr gebracht. Er wurde dem Amtsgericht Beckum zu- geführt und hat bereits ein Geständnis abgelegt, i
Neun Monate Gefängnis für einen ungetreuen Rechtsanwalt.
Aus der Verhandlung gegen den Berliner Rechtsanwalt Dr Meyer ergab, daß er im ganzen 62 000 Mark veruntreut hat. Das Schöffengericht erkannte auf ein Jahr neu Monate Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten Untersuchungshaft. Ferner wurde dem Angeklagten auf dis Dauer von fünf Jahren die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter abgesprochen. Der Haft-' befehl wurde wegen Fluchtgefahr nicht ausgehoben. Die Frage der Bewährungsfrist soll zur Entscheidung gelangen, wenn Dr. Meyer weitere neun Monate seiner Strafe verbüßt hat.
* Sieben Jahrzehnte Hausgehilfin. Einer zweifellos seltsamen Tatsachen wurde dieser Tage im Haag gedacht. Am 3. November war Hendrika Erwich nicht weniger als 70 volle Jahre ununterbrochen im Dienste derselben Familie als Hausgehilfin tätig. „Heintje" ist jetzt 88 Jahre alt, aber noch so rüstig, daß sie tagsüber nicht müßig sitzt, sondern noch mit zufaßt, wenngleich nicht mehr im Sinne der früheren Hausgehilsruneu- tätigtet!, die sie ausübte. Fräulein Erwich war Gegenstand namhafter Huldigungen. So erschien die Königin Wilhelmine persönlich im Hause der Jubilarin, und überreichte ein großes Geldgeschenk und eine goldene Medaille des Oranje-Nassau-Ordens. Der Papst spendete der Jubilarin den apostolischen Segen.
* Ein kostbarer Transport. Die Neu York Life Insurance Company ist dieser Tage von ihrem alten in chr neues Haus am Brodway umgezogrn, und dabei mußten Effekten, Policen und andere Wertpapiere im Werte von 650 Millionen Dollar (annähernd drei Milliarden Marks transportiert werden. Die Direktion der großen Versicherungsgesellschaft hatte zu diesem Zweck mehr als hundert Panzerautos gemietet, und jedes dieser Autos war mit vier bewaffneten Männern besetzt worden. Der Transport, der ziemlich lange Zeit in Anspruch nahm, ging ohne Zwischenfall vor sich.
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Von Dienstag bis einschl. Donnerstag
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Johann Gottfried von Herder.
beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, da immer wieder kleinere-Explosionen eintraten und ihnen der Weg ins Freie durch die verqualmten Treppen abgeschnitten war, durch die Fenster auf, den Hof ju gelangen. Als die Feuerwehr cintiaf, bot sich ihr ein erschütterndes Bild; denn die mei- jcen Betroffenen waren am Ende ihrer Kräfte. Sie hmgm verzweifelnd an den Fenstern. Die Feuerwehr breitete sofort Sprungtücher aus, jedoch waren schon vorzeitig verschiedene Personen, deren Kleider Feuer gefangen hatten, abgesprungen. Die meisten wurden zwar gerettet, doch haben mehrere Personen schwere oder leichtere Verletzungen erlitten, sodaß bisher etwa 10 Personen in Krankenhäuser überführt werden mußten. Das Feuer, das tnt ersten Stock begann, hat sich auf die drei darüber liegenden Stockwerke ausgedehnt. Die Feuerwehr ist mit 8 Zügen tätig.
Von Dienstag bis Donnerstag
Eer M der Sabinerinnen
Akte nach dem gleichnamigen Lustspiel von v. Schönthan.
Das neue Haus des Reichsverbandes der Deutschen Presse vor dem Umbau.
Der Reichsverband der Deutschen Presse hat (n der Tiergartenstraße im alten Berliner Westen mit finanzieller Beihilfe der Reichsregierung ein Haus gekauft, das nach erfolgtem Umbau als Pressehaus eröffnet und der Pflege gesellschaftlicher und kultureller Beziehungen der Journalisten ohne Parteiunterschied dienen wird.
verhängnisvoller Iagdausflug.
_ ..Em Kraftwagen mit einer Jagdgesellschaft aus Düsseldorf geriet in der Nähe von Bonn im Kottenforst ins Schleudern und stürzte in einen Graben, aus dem er später durch die Bonner Feuerwehr herausgezogen wurde. Einer der Insassen, em Ingenieur, wurde so schwer verletzt, daß er bei der Ueberführung ins Krankenhaus starb. Zwei weitere Insassen wurden leichter verletzt.
des Landes iäuicftn dir Glocken, In den Schulen fanden Am'mdsen-Feiern statt. In Oslo selbst wurde 'n dem Schloß Akershns im Beisein des Kontos, des diplomatischen Korps und der Spitzen der Zivil- und Militärbehörden eine eindrucksvolle Feier abgehalten, die mit dem Absingen der Na- ttonalhymne ihren Abschluß fand.
K
Hauptrollen: Maria Paudler, Waller Billa, Ida Wüst, Teddy Bill und lla'ph Arthur Roberts.
Die «lieben Sünder
Detektiv-Kilm in 6 Akten.
Nährboden der großen Kulturvorgänge, infolgede'ien die „Volkskunde" als die „Wissenschaft vom Volke in allen Beziehungen des leiblichen und seelischen, des per- önlichen und gesellschaftlichen, des natürlichen und ge- chichtlichen Daseins". Und, um nur die eine Frucht solcher „hineinlebenden Innigkeit des Verstehens" zu nennen: Was für eine Wesens-Fülle schließt sich nun lur in dem, was wir „Volkslied" nennen! Auch von hier, aus dem Mitleben der „Stimmen der Völker in ihren Liedern" eröffnete sich Herder abermals die Weite der Menschheit. Auch hier fand er die Wurzeln der Völkergemeinschaft, ohne — im unwahrhaftigen Sinne des Wortes „international" zu werden — wie er es selbst einmal anprangerte: „Das verschwemmte Herz des müßigen Kosmopoliten ist eine Hütte für niemand".
Da er Lied und Sprache gleichen Ursprungs fand, entdeckte Herder denn auch das Wesen der Sprache. Bis zu seiner Zeit hatte man sie nur für ein künstliches Gebilde von Silben gehalten. Herder sieht die Magie ihrer Dingkraft. Die Sprachvergleichung ergibt noch mehr: „eine allgemeine Physiognomik der Völker", da ja in jede Sprache „der Verstand eines Volkes und fein Charakter gepraget" ist. Solche Erkenntnis der Sprache auf den einzelnen Menschen angewandt, ergibt aber weiterhin die Möglichkeit, den schöpferisches von dem unschöpferischen Menschen zu unterscheiden. „Alle, die eine gelernte Sprache gebrauchen, . . . denken in der Vernunft anderer und sind nur nachahmend weise". Sieht man nun, weshalb die erstaunliche Höhe der europäischen Zivilisation keineswegs aud) eine größere Vollkommenheit der europäischen Menschen sein muß und kann? „Armseliger, erfandest du etwas von diesen Künsten!" Nicht jeder, „der sie gebraucht, hat den Verstand des Erfinders; vielmehr ist dieser durch den Gebrauch müßig worden: denn wenn ich das Werkzeug eines Fremden habe, so erfinde ich mir schwerlich selbst ein Werk- aeuet'V ' •
Kein Wunder, daß das, was sich aus solchen Gedankengängen für den „Staat" ergibt, durch Goethes Ministerialzensur wiederholt zurückqewiesen wurde: Wer wie Herder das naturgegebene Wesen des Volkes so tief als das einer Lebensgemeinschaft erschaut, der muß den Staat als unnatürliches Gebilde verdammen. Die politische Geschichte ist ihm „ein trauriges Gemälde von
Das Bandenwesen in Serbien.
Rists'er überfallen ein Gemeindehaus. — Die zehnköpfige Wache wird unschädlich gemacht. — Ausplünderung der Gemeindekasse.
wtb. Belgrad, 18. Dez. (Eig. Funkm) Im Dorfe Mala Mostinica in Serbien überfiel gestern nacht eine Bande von 8—10 Räubern das Gemeindehaus, obwohl sich darin eine Wache von 10 Mann befand. Die Räuber nahmen das Gebäude unter. Gewehrfeuer, das von den Wächtern teils aus Angst, teils wegen Munitionsmangel nur schwach erwidert wurde, erbrachen dann die Tür, zwangen die Wächter, sich unter den Betten zu ver
Raububerfall in einem Lisenbahnftakions- buro. Drei maskierte Personen drangen m das Statwnsbüro der Kleinbahn Mülheim-Le- ü e rt u f e n :n Köln-Mülheim ein und zwangen öen allein anwesenden Stationsbeamten durch vor- balten von Pistolen zur Herausgabe der Stations- kahe. Da die Tageskasse bereits in Sicherheit gebracht worden war, fielen den Räubern nur 43 Mark in die Hände. Die Täter sind unerkannt entkommen.
* Den Daker im Streif erwürgt. Am Montaa- nnttag geriet in Leipzig der 33 Jahre alte Maschinenarbeiter Schirmer mit seinem Vater, ei- nem 67 Jahre alten Fürsorgeempfänger in Leipzig-Lindau, Demmeringstraße, in Stent. Hierbei würgte Schirmer seinen Vater Halse, bis der alte Mann zusammenbrach. Ein herbeiqerufener Arzt konnte nur nich den Tod fesfftellen. Der Streik soll dadurch entstanden fein, daß der Vater seinen Sohn gehänselt hatte.
* Unglaublicher Rohheilsakf. In Döffingen kam es im Anschluß an die Gemeinderats- wahl in einer Wirtschaft zu Streitigkeiten, die fick aus der Straße fortsetztn. Dabei vrletzt ein 35 Jahre altr Fabrikarbeiter einen 33 Jahre alten Gipser durch einen Messerstich in die linke Bnist- seite schwer. Darauf wurde der Täter von einem Stiefsohn des Gestochenen sowie von einem Freunde der beiden von hinten gefaßt und zu Boden geworfen. Die jungen Leute traten i h m mit Fußball stiefel vollständig die obere Gesichtshälfte ein, so daß der Tod kurz nachher eintrat. Die Täter wurden verhaftet.
* Dr. Neinhaus, Oberbürgermeister von heidel- fterg. Bei der am Sonntag vorgenommenen Oberbürgermeisterwahl wurden bei 116 Stimmberechtigten 109 Stimmen abgegeben. Davon entfielen 93 auf den Beigeordneten Dr. N e i n h a u s (Barmen), der somit zum Oberbürgermeister gewählt ist.
Geschichte ist die Wissenschaft dessen, was da ist, nicht dessen, was nach geheimen Absichten des Schicksals etwa wohl sein könnte". Einsichten also will Herder aufschließen in die Tatsachen.
„Unsere Erde ist ein Stern unter Sternen". Von dieser Grund-Tatsache aus bekommt er auf einen Schlag den Blick frei für die Bedeutung des Menschen, für seine Abhängigkeit von Welt-, wie Erdbedingungen. Die Natur hat, „mit den Bergreihen, die sie zog, wie mit den Strömen, die sie herunterrinnen ließ, gleichsam den rohen, aber festen Grundriß aller Menschengeschichte und ihrer Revolutionen entworfen". Sternkunde, Erdkunde, Luftkunde, physische und botanische Länderkunde, vergleichende Menschen-Raffenkunde — alle diese Wissenschaften sind hier eine Einheit dadurch, daß sie alle, jede an ihrem Teil, das Rätsel des Menschen nach seinen Naturbedingtheiten lösen wollen. Hier finden wir „den Quell- und Einheitspunkt neuer Wissenschaften und ihrer unendlichen Arbell."
Auf diesem Weg findet Herder auch den rechten Blick für das „Volk". Es erscheint hier als Gewächs aus bestimmten Naturbedingungen, denen es sick) in einem rätselhaften Vorgang anpaßt, so, daß dadurch schließlich die rassischen und völkischen Abwandlungen des Menschengeschlechtes entitehen. So sehr Herder hier davon entfernt ist, Einzelerkenntnisse aufzureihen, so sehr er bemüht ist, den geheimnisvollen Grundzug auszudek- ken, der die Menschheit als etwas Ganzes bestimmt — so wenig verkennt er aber auch die all diesen Vorgängen zugrundeliegenden, jedem Volke ursprünglichen Eigentümlichkeiten. Aus diese Weise erscheint denn das Volk im Tiefsten als „eine Offenbarung der überall bildenden Gotteskraft, die in jedem ihrer Gebilde ganz und vollständig lebt und jede aufs neue zu einer Ersch-iuung des Lebensgedankens macht." Folgerichtig erscheint es dann auch als die Aufgabe, Sinn wie Glück eines jeden Volkes, an seiner Stelle „das ihm bestimmte Leben zu leben". Von hier aus ergibt sich die einzige Möglichkeit des friedlichen Nebeneinanders der Völker. Wenn sie sind, was sie fein sollen: die Saiten aus der Harfe, die im Arme des Weltenschöpfers ruht und die in göttlicher Harmonie tönt, wenn — aber auch nur dann — wenn jede Saite ihren „Ton" hat und hält. Fernerhin erkennen wir so das Volk auch als den eigentlichen
Feuersbrünste.
I , In einem älteren Wohnhaus in der Burgstraße I alle brach am Samstag abend in einem im I Erdgeschoß liegenden Wäschegeschäft ein Feuer aus, dem leider auch ein Menschenleben zum I Opfer fiel. Während sich sämtliche Hausbewohner bei Eintreffen der Feuerwehr schon in Sicherheit gebracht hatten, mußte ein Fräulein, das in einer Notwohnung im Dachgeschoß wohnte von der Feuerwehr aus dem verqualmten Raum geholt werden. Wiederbelebungsversuche waren leiden erfolglos.
Schadenfeuer in Sf. Etienne.
. In St. Etienne hat eine aus noch nicht er» I mittelter Ursache ausgebrochene Feuersbrunst drei Häuser zerstört. Die Sachschäden werden auf 10 Millionen Francs geschätzt.
Drandkakastrophe in Kenkuckl.
Ein Hotel in Hazard (Kentucki) wurde durch einen Brand völlig zerstört. Unter den Trümmern wurden vier Leichen gefunden. Sechs Personen werden vermißt.
Sd)nee als Verlrehrsstörer.
wtb. Freiburg, 18. Dez. (Eig. Funkm.). Ununterbrochener Schneefall am gestrigen Tage und in der vergangenen Nacht haben erhebliche Störungen im Verkehr hervorgerufen. Innerhalb von 12 Stunden sind annähernd 30 Ze n t i m t r. Neuschnee gefallen. In Freiburg selbst mußten heute früh die Straßen mit Hilfe des Bahnschlittens für den Verkehr freigemacht werden. Die internationalen Züge haben bis zu Stunden Verspätung. Die Postautolinien sind bis auf weiteres ftitlqelect. Im Telegraphen- und Telephonoerkehr sind besonders die nach dem Elsaß und dem Hochschwarz- wald führenden Linien durch Störungen betroffen. Da die Temperatur steigt, droht für den südlichen Schwarzwald Hochwassergefahr.
Starker Schneefall und strenge Kälte in Schlesien.
wtb. Breslau, 18. Dez. (Eig. Funkm.) Bei nordöstlichen Winden wird aus dem schlesischen Gebirge strenge Kälte gemeldet. Die Temperaturen sind bereits unter 10 Grad Minus gesunken. Aus dem Gebirgsvorlande wird eine geschlossene Schneedecke von 20 bis 40 Zentimeter Höhe und aus den Höhenlagen über 1000 Meter wird 1 Meter Schneehöhe gemeldet. Bei Pulverschnee sind die Wintersportverhältnisse für Ski und Rodel noch sehr gut.
* Sechs Wochen Gefängnis wegen Tierquälerei. Die Strafkammer Wefermünde hatte sich als Berufungsinstanz mit einem fast unglaublichen Fall von Tierquälerei zu beschäftigen. Ein Landwirt hatte seinem Pferd, das wegen einer offenen Brust- wunde den Wagen nicht ziehen konnte, unter den Bauch Stroh legen lassen und dieses angezündet. Das Tier, das nicht weiter konnte, hatte sich in das Feuer fallen lassen und starb bald darauf. Die Strafkammer bestätigte das Urteil der Vorinstanz, das auf das für Tierquälerei höchst zulässige Strafmaß von sechs Wochen Hast lautete.
Sensationsfilm in 6 Akten.
Hauptrollen: Domenico Gambino, Ernst Holmann, Heimann Valentin, Helen Allan und Lydia Potechina.
Lustspiel, Wochenschau, Kulturfilm
UctaMtete - Balmhof str.
kriechen und plünderten die Ge> mein be raffe, die 12000 Dinars enthielt. Ein Einbruch in das Gemeindewirtshaus blieb erfolglos, da die Kaffe leer war.
^Kostbare Stücke aus einem Moskauer Museum gestohlen. Em künstlerisch ziseliertes goldenes Arm- band sowie em goldener Ring mit Anhängsel, die aus der Zeit der Herrschaft der Goldenen Horde (vierzehntes Jahrhundert- stammen und Uniko darstellen, wurden aus dem Historischen Meseum m M o s k a u gestohlen.
Trauriges Ende.
wtb. Elberfeld, 18. Dezember . (Eig. Funkm.) Der Oberstadtsekretär Willi Richter ans Wills- ruth, der im Verdacht stand, Versicherungsbeiträge unterschlagen zu haben, ist aus dem Elberfelder Krankenhaus, wo er wegen einer Blinddarmoperation lag, entflohen, obwohl er noch im Verband war. Gestern wurde Richter auf dem Bahngleis bei Andernach tot aufgefunben. Die Leiche war vollständig mit Schnee bedeckt, Aus einem hinterlassenen Brief geht hervor, daß Sei bft- mord vorliegt. Seiner Frau teilt Richter mit, daß er wegen der öffentlichen Beschuldigung des Betruges nicht weiter leben könne. In einem Brief an den Bürgermeister erklärt Richter, daß er nichts veruntreut, das Geld vielmehr in dienstlicher Ange legenheit verausgabt habe.
* Wiederaufrollung der Sache hutzmann? (Eig. Funkm.). Wie aus Gladbeck gemeldet wird, ist der gesetzliche Vertreter Hußmanns, fein Pflegevater, beauftragt worden, Hußmanns Aufzeichnungen während feiner Unterfuchungshast, die ein Schlaglicht auf die kriminalpolizeilichen Untersuchungsmethoden werfen, zu veröffentlichen. Offenbar ist mit der Veröffentlichung, die sensationelle Einzelheiten über die Vernehmung ans Licht bringen soll, die Wiederaufrollung der Angelegenheit Daubes zurRehabili- tierung Hußmanns beabsichtigt. Die Aufzeichnungen sind unmittelbar nach feinen Vernehmungen im Gefängnis niedergeschrieben.
* Tragisches Geschick einer Ordensschwester. Em tragischer Unglücksfall ereignete sich am Montag im Vinzenz-Hospital in D u i s b u r g. Die Ordensschwester Gertrud Rottmann trug Geschirr nor sich her. Da sie dadurch in ihrer Sicht behindert war, tat sie einen Fehltritt und stürzte in einen Fahrstuhlschacht, wo sie mit einem schweren Schädelbruch und anderen Verletzungen liegen blieb. Die Schwester starb bald darauf.
Bluttat in einem Zuchthaus.
(Ein in lebenslänglichem Zuchthaus verurteilter Raub- moroer verwundet zwei Wachtmeister durch Schüsse tödlich. — Der Mörder, der sich in seiner Zelle verbarrikadiert und belagert wird, ebenfalls tot.
Der zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilte Räuber B e r n e ck e r, der im I n st e r b u r g e r Zuchthaus feine Strafe verbüßt, erhielt am Montag den Besuch eines Verwandten. Ms der Hauptwachtmeister Zacharias diesen zu Vernecker in die Zelle ließ, hatte Bernecker plötzlich einen Revolver in der Hand und gab auf den Hauptwachtmeister einen Schuß ab, der diesen tötete. Der hinzukommende Wachtmeister N a u j o k s erhielt ebenfalls einen Schuß in den Kopf und wurde s ch w e r v e r- letzt. Nach der Tat floh Bernecker mit seinem Der- wandten in einen Raum des linken Seitenflügels der Strafanstalt.
Zu den Vorgängen im Zuchthaus zu Insterburg wird weiter gemeldet, daß Bernecker und fein Besucher Lank bei’1- Hinzukommen eines dritten Wachtmeisters in die Zelle Berneckers flüchteten und die Tür verrammelten. Die herbeigerufene Schutzpolizei gab Schreckschüsse auf die Zelle ab. Nachdem die Zelle geöffnet morden war, gingen die Schutzpolizeibeamten zum Angriff vor. Hierauf ergab sich Lank, der nur einen leichten Beinschuß davongetragen hatte. Er war transportfähig und wurde m das Gefängnis übergeführt. Bernecker lag b e= ““ ‘tos iH feiner Zelle. Es wurden bei ihm ,et" K-'kNchuß, xin Brustschuß und ein Arm- schuß fest gestellt. Nach Mitteilung des Lank soll sich Bernecker den Kopfsuß selbst beigebracht haben, als er sah daß es ein Entkommen für ihn nicht mehr gab.
Nach einer Funkmeldung ist der schwerverletzte Ober- wachtmeister N a u j o k s Dienstag früh gegen 4 Uhr g e- ft o r b e n. Bernecker ist an den Folgen seiner Verletzungen in der Nacht zum Dienstag um 12 Uhr ebenfalls gestorben. \
„Der große Namenlose".
<5um 125. Todestag von Johann Gottfried Herder am 18. Dezember.
Von Dr. Wilhelm Schulte.
„ . . . daß ich an einem frühsommerlichen Nachmit- tage ... ein kleines Buch fand, nach den ersten Sätzen weiter und zu Ende las und, als ich fertig war, noch einmal von Anfang zu Ende und noch ein und ein ander Mal, bis zur Schließerstunde, da ich es denn wie im Schlaf absiellte und ganz und gar erschüttert und taumelnd ... die Ausgangstreppe, die täglich beschrittene, suchte, nicht fand . . .: Da stand es. Auf dem Titel stand: Die ölte st e Urkunde des Menschengeschlechts von Joh. Gottfr. Herder."
Was so Rudolf Borchardt erlebt hat — es wird uns allen so widerfahren, die wir wohl den Namen „Herder" — neben so zahllos viel anderen Namen — kennen und dann eines Tages berückt entdecken wie das unübersehbare Vielerlei unserer Fachwissenschaften bei diesem Mann in jener schöpferischen Einheit nicht findet, die wir nach der „Mutter" nennen: Die heute gegeneinander abgeriegelten Cinzelwissenschaften erscheinen hier geschwisterhaft einander zugeordnet. Sie tun sick) vor uns auf in ihrem Ur-Wesen als eine neue Geist-s- welt, deren Fülle im einzelnen zu „be-greifen", dann das 19. und 20. Jahrhundert sich vielfach kurzsichtig abmüht. Was wir da heute Geopolitik, Volks- und Völkerkunde, biologische Betrachtung der Geschichte, vergleichende Sprachwissenschaft usw. nennen, findet sich bei diesem Vergessen taufrisch in knospenhafter Einheit. Wenn wir sein Hauptwerk, die „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" lesen, so gehen wir in Wahrheit „zu den Müttern". Nichts anderes wollte Herder, als uns „den rechten Sinn und die rechte Stellung in menschlichen Dingen" vermitteln. Nicht dozieren wollte er „Lehrmeinungen über . . .!" „Wer in der Naturgeschichte den Feenglauben hätte, daß unsichtbare Geister die Rose schminken oder den silbernen Tau in ihren Kelch tröpfeln: wer den Glauben hätte, daß kleine Lichtgeister den Leib des Nachtwurms zu ihrer Hülle nehmen ober auf dem Schweif des Pfauen spielen.....
nie wird er als Natur- ober Geschichtsforscher glänzen.
Menschenjagden unb Eroberungen", wonach „unsere Erbe ihrem größten Teil nad) nicht Erde, sondern Mars oder der kinderfrefsenbe Saturn heißen sollte". Es ist ja die Art der Staatskunst, mit den Menschen wie mit leblosen Dingen zu spielen. Nicht weniger mutzte Herder beklagen, daß die Bildungsaristokratie Des Humanismus die Lebensgemeinschaft des Volkes in die einaodcr feindlichen Schichten der „Gebildeten" unb „Richtge- bilbeten“ zersetzt hat. Beglückt legt er dementgegen in ber Schrift „Auch eine Philosophie ber Geschichte" das seelische Geflecht der mittelalterlichen Gesellschaft bloß. Herder war einer ber ersten, ber so wieber ein eigentliches Verhältnis zum Mittelalter unb bann zur Barocke gewann.
Gerabe in biefen geistigen Landschaften haben wir seit den letzten Jahren verlorene deutsche Heimaten nie- bergefunben. Ohne allerdings aud) hier uns ber Pfadfinberschaft Herber» irgendwo zu erinnern, bis vor \ vier Jahren Josef Nadler im „Hochland" mit ber auf- rüttelnben Fanfare: „Goch^* ober Herber?" weithin gehörter Herolb bes „großen Namenlosen" wurde.
Folgenschwere Explosion.
Erne Zelluloid-Fabrik in Flammen. — Sprungtücher als letzte Rettung. — Zahlreiche Verletzte.
wtb. Berlin, 18. Dezember. (Eig. Funkm.) Gegen 11 Uhr morgens ereignete sich in einer Zelluloidfabrik in der Schönleinstraße 5 im Osten Berlins eine schwere Explosion, deren Ursachen zur Zeit noch nicht feftgestellt sind. Bevor die Feuerwehr anrückte, versuchten die in den dortigen Räumen
Lin haus der presse in Berlin.
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