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Fuldaer Zertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 293.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchendlätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckcrei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9*. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne ZusteNg.

Mittwoch, 19. Dezember 1928.

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55.Zahrg.

Lambert Leasing t.

wtb. Dortmund, 18. Dez. (Eig. Funkm.). Der Verleger des Dortmunder Zentrumsblates, der „Tremonia" Dr. h. c. Lambert Lenfing, Mitglied des Reichsrats, ist heute morgen hier nach längerer Krankheit im Alter von 77 Jahren gestorben.

Mit Lambert Lenfing ist ein Mann dahin ge­gangen, der jahrzehntelang im westfalischen Indu­striegebiet in hervorragender Weise für die katho­lische Cache gekämpft und gearbeitet hat. In Dort­mund hat Lenfing auf schwierigstem Posten gestan­den. Sein Zeitunqsorgan, die „Tremonia", hat es verstanden, in dem harten Kampf mit General­anzeiger und sozialdemokratischer Presse die Fahne des Idealismus christlicher Prägung hochzuhalten. Man muß dis politischen Spannungen Westdeutsch­lands kennen, um zu würdigen, welche Arbeit und welche Zähigkeit notwendig waren, um der „Tre­monia" im Reiche der Essen und Schlote die hoch- angesehene einflußreiche Stellung zu sichern, die sie inne hat. Leasing, ein Mann wie aus Stahl, von echter Westfalenkraft, hat in seinem Dortmunder Verlag der katholischen Sache und der Zentrums- ides in dem heiß umkümpften Industriegebiet einen sicheren Ankerplatz geschaffen, lieber sein eigenes Zeitungsorgan hinaus hat sich Lensing um die gesamte katholische Presse als langjäh­riger Präsident, zuletzt Ehrenpräsident des A u g u - stinusvereins hoch verdient gemacht. Ver­leger und Redakteure der katholischen Presse sahen in ihm einen Führer, der ohne Weichlichkeit, dock mit herzlicher Anteilnahme an ihrer aller Geschick die Wege wies. Am goldenen Jubiläum des 2(u- gustinusvereins im vergangenen Sommer hat ihm daher die katholische Presse in Köln mit Recht in herzlichster Weise gehuldigt. In der politischen Or­ganisation hat Lensing lange Jahre ,auch als Parla­mentarier, für das Zentrum gearbeitet. Seine Haupttätigkeit hat er in der kommunalpolitischen Arbeit in Dortmund vollbracht. Bis zuletzt war er Mitglied des Reichsrates. Mit dem Tode Lensings ist ein Mannesleben zu Ende gegangen, das werk war, gelebt zu sein. Im katholischen Volke muß sein Andenken in hoben Ehren gehalten werden. Er rijhe in Frieden!

Minister Hermes in Berlin.

— Warschau, 18. Dez. (Elg. Funkm.) Der deutsche Bevollmächtigte für die Handelsvertrags- verhandlungen mit Polen, Minister HerMer, reifte nach Berlin zurück, um der Reichsreaierung über die Stellungnahme der polnischen Regierung zu den letzten deutschen Vorschlägen Bericht zu erstat­ten. Die polnische halbamtliche Agentur-Preß meldet hierzu, daß der deutsche und der polnische Bevollmächtigte vereinbarten, in den ersten Tagen des Januar wieder zusammenzutrefsen, nachdem in der Zwischenzeit beide Seiten ihren Standpunkt festgelegt haben würden.

Die deutsche Delegation zurück!

wtb. Berlin, 18. Dez. (Eig. Funkm.). Staats­sekretär v. Schubert, Ministerialdirektor Dr. Gaus und die übrigen Mitglieder der deutschen Delega­tion such heute vormittag gegen 9 Uhr von Lu­gano kommend hier eingetroffen. Zum Empfang hatten sich Ministerialdirektor Dr. Köpke und eine Reihe weiterer Herren auf dem Bahnsteig einge­funden. *

In der französischen Presse ist behauptet wor­den, die Antwort, die Dr. Stresemann dem polni­schen Außenminister in Lugano gegeben hat, sei „kluge Berechnung und wohl über­legte Taktik g e w e s e n". Denn der polni­sche Außenminister habe den Staatssekretär von Schubert von seiner beabsichtigten Rede vorher Kenntnis gegeben. Wie wir erfahren, ist diese Dar­stellung vollkommen unrichtig. Das geht schon daraus hervor, daß Dr. Stresemann von der Ab­sicht des polnischen Außenministers nichts gewußt hat. Herr Zaleski hat auch Herrn Schubert den Inhalt seiner Erklärung nicht vorher mitgeteilt.

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Dem Völkerbundskorrespvndenten der „Dresde­ner Neuesten Nachrichten" wurde nach Abschluß der Ratstagung von maßgebender deutscher Seite fol­gendes über das Ergebnis der Besprechungen zwi­schen den drei Außenministern mitgetellt:

Das Hauptergebnis der sehr eingehenden, ernsten Aussprache von Lugano ist, daß den leitenden Staatsmännern der Gegenseite vor Augen geführt wurde, daß in der bisherigen Verständigungs­politik eine kaum heilbare Krise eintreten könnte, wenn das deutsche Volk nicht schnellstens von dem Druck der Besetzung befreit würde. Den Ernst dieser Lage den Vertretern Frankreichs, Englands und Italiens eingehend dargestellt zu haben, ist das Verdienst Stresemanns. Das deutsche Volk hat feit Locarno lange genug auf eine Verständigungs- dk^itschaft gewartet. Diese Tatsache wurde in den Besprechungen eindeutig zum Ausdruck gebracht un° hsnzugefügt, daß die Politik in Deutschland nach Abschluß des Locarnopaktes durch das Wort gekennzeichnet wird: „Gegenseitiges Vertrauen in m i eit der Verträge." Die Besetzung deut­schen Bodens durch ftemde Truppen bedeutet aber Ausdruck des Mißtrauens. Soll die Polmk des Vertrauens wirklich obsiegen, so muß die ^ud^re Seite aus der deutschen Auffassung die entsprechenden Konsequenzen ziehen und zu der Ueberzeugung gelangen, daß wir die Besetzung des Rheinlandes als Reparationspfand glatt ablehnen. Deutschland hat die ihm auferlegten Daweslasten bisher pünktlich bezahlt, und es liegt keine Veran- lasjung vor, anzunehmen, daß, soweit-seine Lei­

stungsfähigkeit reicht, die nötigen Summen künftig­hin nicht aufgebracht werden sollten. Außerdem enthält der Dawesplan in sich selbst emfchneidende Wirtschaftsgarantien, die viel wirksamer sind als militärische Maßnahmen. Der Eingang der Zah­lungen ist vom guten oder bösen Willen Deutsch­lands gar nicht mehr abhängig. Es wird die Auf­gabe der demnächst einsetzenden Verhandlungen sein, praktische Wege zu finden, die für beide Seiten gangbar sind. Nach den bisherigen Dispo­sitionen sollen die diesbezüglichen Verhandlungen über die Räumungsfrage etwa gleichzeitig mit dem Zusammentritt des Sachverftändigenausschusses für dre endgültige Regelung der Reparationen auf diplomatischem Wege beginnen.

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Der Korrespondent des „Cxcelsior" in Lugano will die Verhandlungen, die neben der Völker­bundsratstagung zwischen den Vertretern der drei Mächte gepflogen worden sind, auf 11 Punkte zu- Werk von Locarno gefährden könnte. <•'

1. Die Minister hätten sich verpflichtet, sich in Zukunft jeder Kundgebung zu enthalten, die das Werk von Locarno gefährden könnten.

2. Stresemann habe dargelegt, daß die, Fort­setzung dieser Politik notwendig sei, um nicht in Deutschland das Prestige der Locarno-Abkommen zu zerstören.

3. Wenn gegen den 15. Januar die Sachverstän­digen zusammentreten, könnten die in Locarno be­gonnenen diplomatischen Verhandlungen unverzüg­lich wieder auf genommen werden. Inzwischen wür­den die drei Minister ihre Regierungen über die Verhandlungen in Lugano unterrichten und erst dann könne man sich darüber Rechenschaft ablegen, ob die Grundlagen eines Abkommens gefunden werden könnten.

4. Deutscherseits habe man mit größtem Nach­druck darauf bestanden, daß der Vergleichs- und Feststellungsausschuß nicht über das Jahr 1935 hin­aus zugelasien werden könnte.

5. Die drei Minister hätten die Namen der Sachverständigen ausgetauscht, die sie zur Lösung des Reparationsproblems zu erneuern gedächten.

6. Stresemann habe darauf bestanden, daß Deutschland dos Problem der Rheinlandräumung nicht mit dem der Reparationen verbunden ansehe.

Zu den vielen Kommissionen des Völkerbundes gehört auch eine Kommission, die die Rechte der nationalen Minderheiten betreuen soll. Obwohl die Pariser Friedensverträge ein buntes Mosaikbild von Staaten mit starken nationalen Minderheiten geschaffen haben und sich der Völkerbund die Re­gelung ihrer kulturellen Rechte zu seiner heiligsten Aufgabe gemacht hat, ist der Einfluß jener Min­derheitenkommission verhältnismäßig sehr gering. Es ist den nationalen Minderheiten gestattet über die pMische Behandlung, die sie in ihren Staaten finden, an den Völkerbund zu berichten, aber die­ser hat sich bislang nur mit Einzelklagen zu befas­sen vermocht. Der Grund dafür liegt darin, daß sich die Staaten, in denen sich die nationalen Mm- derheiten befinden, entweder als Siegermächte füh­len oder mit solchen Siegermächten freundschaft­lich verbunden sind. Die Minderheiten gehören also zu den schwachen Elementen, und wenn es gilt, irgendeine Mißstimmung oder ein Mißverhältnis aus der Welt zu schaffen, so geschieht das in den seltensten Fällen dadurch, daß der Starke dem Schwachen Gehör schenkt, wenn dabei die Gefahr besteht, einen anderen starken Freund zu brüs­kieren. Die Folge ist gewesen, daß sich die natio­nalen Minderheiten in den verschiedenen europäi­schen Staaten gleichsam zu einem Zweckverband koalisiert haben und alljährlich in Genf ihre be­sondere Minderheitenkonferenz abhalten. Obwohl dieser Zweckverband bereits vorbildliche Vorarbeit geleistet hat, um das Minderheitenproblem zu lö­sen, werden feine Konferenzen vom Völkerbund nicht gern gesehen. Es wird im Gegenteil bereits als ein großes Entgegenkommen betrachtet, wenn der Völkerbund zu diesen Minderheitenkonferenzen einen offiziellen Vertreter entsendet.

Ob sich diese reservierte Haltung in Zukunft ändern wird? Wie bereits mitgetellt, ist es in der Schlußsitzung des Völkerbundsrates in Lugano we­gen des Deutschen Volksbundes in Polnisch-Ober­schlesien zu einem leidenschaftlichen Zusammen- stoß zwischen dem polnischen und dem deut­schen Außenminister gekommen. Ein Zu. sammenstoß, an dem der litauische Diktator Wol­de maras, der wenige Tage vorher Deutschland auf die großpolnischen Träume aufmerksam machte, um damit um die deutsche Unterstützung zu wer­ben, sicher eine unbändige Freude gehabt hat. Denn die Rede Zaleski hat in hohem Maße bestä­tigt, was Woldemaras an polnischen Gefahren dem deutschen Zuhörer vorerzählte. Es ist kein Zweifel, daß. eine Reihe der Siegerstaaten damit beginnen will, die Minderheitenfrage nicht mehr als ein nationales Problem anzuerkennen, daß sie vielmehr sich Darauf einstellen, das Beispiel nach- zuahmen, das Mussolini in Südtirol gegeben hat. Die Unterdrückungspolitik Mussolinis hat offenbar auf lineare Eindruck gemacht, der gegenwärtig im Elsaß feine Nationalisierungspolitik mit wach­sender Schärfe fortsetzt. In Bulgarien haben be­kanntlich vor einiger Zeit England und Frankreich gemeinsam versucht, die Sofioter.Regierung zu be­stimmen, ’ die mazedonische Unabhimgigkeitsbewe- gung gewaltsam au. unterdrücken. Und während sich der Völkerbundsrat bemühte, die obersch^si'che Schulfrage in Pulen durch ein freundschaftliches Kompromiß zwischen den beteiligten Staaten fried- lichst zu regeln, bricht plötzlich Zaleski mit einer Rede aus dem Busch hervor, die klar erkennen läßt,

7. Man habe sich jedoch dahin geeinigt, daß die Lösung des Problems auf der Grundlage prak­tischer politischer Gesichtspunkte gefunden werden müsse, nicht aber auf der Grundlage juristischer Ge­dankengänge.

8. Stresemann habe auf die Nachteile hingewie- sen, die die Besetzung für die deutsche Bevölkerung barfteUe und habe durchblicken lassen, man betrachte diese Besetzung als gegen die deutsche Industrie ge­richtet, mit dem Zweck, die deutsche wirtschaftliche Konkurrenz auf dem Weltmarkt einzuschränken, eine These, die Briand und Chamberlain lebhaft bekämpft hätten.

9. Die Minister hätten sich verpflichtet, keine Reden mehr zu halten, die geeignet seien, schwere Mißverständnisse heroorzurusen.

10. Briand und Stresemann hätten miteinander über den Anschluß gesprochen. Aber diese Frage fei nicht in das allgemeine Problem der auf der Ta­gesordnung stehenden und mit Chamberlain erör­terten wirtschaftlichen und finanziellen Fragen ein. gefügt worden.

11. Stresemann halte daran fest, wenn die Sach­verständigen für die Reparationen sich nicht einigen könnten oder wenn ihre Vorschläge nicht von allen interessierten Regierungen angenommen werden würden, würde der Dawesplan unverzüglich aufs neue in Kraft treten müssen.

* Essen beim Reichskanzler zu Ehren des Reichs- prasidenken. Zu Ehren des Reichspräsidenten gab Reichskanzler Müller am Montag abend ein Essen, an dem die Reichsminister und Frau Stresemann, der Präsident der Reichsbank, der Generaldirektor der deutschen Reichsbahngesellschaft, die stimmführenden Bevollmächtigten der Länder zum Reichsrat, die Chefs der Heeres- und Marineleitung und die Staatssekretäre des Reiches mit ihren Damen teil» nahmen.

* Beileid des Reichskanzlers zum Tode Schalls. Reichskanzler Müller hat an Frau Staatsminister Schall in Stuttgart das folgende Telegramm ge­richtet: „Zu dem schweren Verlust, der Sie durch das plötzliche allzu frühe Hinscheiden ihres Herrn Gemahls betroffen hat, spreche ich Ihnen, Hochver­ehrte Frau, und den Ihren zugleich auch im Namen der Reichsregierung herzlichstes Beileid aus.

daß man in Warschau mit der Minderheitenfrage in einer ganz radikalen Weise aufzuräumen gedenkt. Es liegt offenbar System in diesen neuen Metho­den. Die Staaten, deren ganzes Kriegsprinzip auf der „Befreiung der Nationen" beruhte, haben of­fenbar umgelernt, seitdem sie sich durch die An­sprüche der nationalen Minderheiten in ihrem eige­nen Lande belästigt fühlen. Sie beschränken sich aber nicht mehr daraus, deren berechtigte Forderun- gen nur unwillig und nur unvollkommen zu er­füllen, sondern wollen das, was sie als ein natio­nales liebel empfinden, jetzt mit der Wurzel aus- rotten. Nur so ist es zu verstehen, wenn die Be­schwerden der deutschen Minderheiten in Polen künf­tig als Hochverrat angesehen und ausgetilgt wer­den sollen.

lieber die Eröffnung Zaleskis ist Stresemann in einen heiligen Zorn geraten und hat den Antrag gestellt, womit er zugleich die Anregung des Ka­nadiers Dandurand unterstützte, daß der Völker- bundsrat auf seiner nächsten Sitzung die Frage der Mnderheiten eingehend und grundsätzlich bespreche und prüfe, nicht aber wieder nur in der Form ir­gendeines Anhanges an einen Bericht über Ein­zelfragen des Minderheitenschutzes, wie es bisher üblich gewesen sei. Diesen Erfolg feiner Rede hat Zaleski bestimmt nicht erwartet. Er hat mit ihr sozusagen aber das ehnig Positive veranlaßt, daß aus den fiuganoer Ratsbefprechunqen ans Licht ge­kommen ist. Allerdings, man weiß noch nicht, was aus der Anregung Stresemanns auf der nächsten Ratstagung werden wird. Es wäre wohl schon manches erreicht, wenn die Minderheifenkommistion des Völkerbundes ständigen Charakter bekäme. Es brauchte bann nicht immer eine Ratstagung abge­wartet zu werden, bis diese ober jene Minderhei­tenbeschwerde besprochen werden könnte. Man darf allerdings auch nicht übersehen, daß eine grund­sätzliche Erörterung des Minderheitenproblems tm Völkerbunde deshalb noch schwierig ist. weil die Staaten, in denen besonders nationale Minderhei­ten wohnen, deren Behandlung als eine innenpoH« tische Angelegenheit betrachten. Der Völkerbund darf bisher auch nur solche Minderheiten anhören, deren Staaten die Minderbestsschutzverträge unter­zeichnet haben. Den Zwischenfall Zastski-Strese- mann hat der französische Außenminister Briand mit einer kurzen Schlußbemerkung versehen, tn der er von den geheiligten Rechten der Minderheiten sprach, die der Völkerbundsrat niemals hn Stichs lassen werde. Er deutete die Möglichkeit an, daß die Prüfung der Minderheitenbefchwerden durch den Völkerbundsrat künftig vielleicht mit einer grö­ßeren Beschleunigung geschehen könne, aber auf die Anregung Stresemanns, das Minderheitenproblem nach feiner grundfäkkichen Seite hin auf der näch­sten Ratstagung allgemein zu erörtern, ist er nach den vorliegenden Meldungen nicht besonders einge- aangen. Daß er mit dem polterigen Auftreten Zaleskis, das die deutsch-französischen Beziehungen sicher nicht verbessert hat,. ebensowenig. wie Cham­berlain einverstanden ist, darf , man als gewiß an« nehmen. Aber wie wird, der französische Außen­minister • in der Sache selbst auf die Warschauer Regierung einen Einfluß ausüben können, wenn der französische Ministerpräsident Poincar« im El­saß bas erwünschte Beispiel scharfmacherischer Poli­tik gegen eine nationale Minderheit gibt.

Der Krieg im Urwald.

Erklärung des bolivianischen Kriegsministers.

wtb. La Paz, 18. Dez. (Eig. Funkm.) Dec bo­livianische Kriegsminister Suarez veröffentlicht eine amtliche Erklärung, in der er bestreitet, daß die Truppen Boliviens auch die Forts Valois, Ri- varola, General Genes angegriffen hätten, wie in Meldungen aus Paraguay behauptet werde. Die Erklärung betont ausdrücklich, daß diese drei Forts weder angegriffen, noch besetzt worden seien. — Also auch im neuen Krieg wird die Wahr­heit mißhandelt!

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wtb. Paris, 18. Dezbr. (Eig. Funkm.) Zu den Vermittlungsversuchen im südamerikanischen Kon­flikt schreibt „Echo de Paris", Argentinien habe die beiden Rivalen, Bolivien und Paraguay, in der Hand. Die Vereinigten Staaten von Nord­amerika andererseits beanspruchten aufgrund der Monroedoktrin eine Art moralischer Richterrolle für den gesamten amerikanischen Kontinent. So seien diese beiden Republiken mehr als irgend ein an­derer Staat ober eine andere Staatengruppe da­für qualifiziert, die Feindseligkeiten in Südame­rika zum Stillstand zu bringen. Gewiß sei theore­tisch auch für eine Intervention des V o 1 k e rb u n- des die Möglichkeit vorhanden. Daraus dürfe man aber nicht schließen, eine derartige Interven­tion werde in Washington und in Buenos Aires nicht außerordentliches Mißfallen erregen, lobalb man sich dabei auch nur etwas vorwage. Ist es denn wirklich vernünftig, fragt das Blatt, nur um der ideologischen Prätentionen des Völkerbundes willen uns verhaßt zu machen? Wozu? Briand hat zu feinen griechisch-bulgarischen Lorbeeren neue verdienen wollen und hat es deshalb am 11. Dez. zu eilig gehabt, den Völkerbund in diese Angele­genheit hineinzuhetzen. Am besten wäre e-. die Sache aufzugeben.

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wtb. Washington, 18. Dez. (Eig. Funkm.) Bo­livien hat das Vermittlungsangebot der panameri­kanischen Konferenz angenommen.

* Einigung zwischen Vatikan und Quirinal? In politischen Kreisen Roms wird die Nachricht verbreitet, daß die Unterhandlungen zwischen dem Vatikan und dem Quirinal zu einem Ergebnis ge­führt hätten. Man spricht davon, daß aufgrund dieser Unterhandlungen Italien die Externtöriali- tät des Heiligen Stuhles anerkennen würde, daß dieses Territorium einige Quadratkilometer um­faßen und daß ferner Italien auch noch eine Selb- entfchödigung an den Heil. Stuhl zahlen würde. Eine Bestätigung dieser Nachricht war bisher nicht zu erlangen.

preußischer Landtag.

Der preußische Landtag braucht noch einige Sitzungstage zur Erledigung zahlreicher kleine­rer Vorlagen, mit der am Montag begonne­nen wurde. Zunächst fanden, nach einer Debatte, in der die Redner aller Parteien bie schwierige Wirtschaftlage der östlichen Grenzprovinzen aner­kannten, wie sie durch die unglückliche Grenzziehung des Vertrages von Versailles entstanden ist, An­träge Annahme, die außerordentliche Hilfsmaßnah. men für die Provinz Grenzmark Posen- Westpreußen verlangen. Allseitig betonte man hierbei die große nationalpolitische Aufgabe, die Reich und Staat in diesen Grenzgebieten gegenüber dem andrängenden Slawentum zu erfüllen hatten.

Dann stimmte das Haus Ausschußanträgen zu­gunsten Deutsch-Oberschlesiens zu, die insbesondere verstärkte Mittel für die Notstandsarbeiten urch' Frachtermäßigung fordern.

Sehr lebhaft wurde es, als die Anträge des Gefchäftsordnungsausschuffes zur Entscheidung stan­den, die die Immunität des K o m m u n i ft en Abg. Gohlke aufheben, bie des mitbeschuldigten Kommunisten Kasper aber erhalten wissen wollten.- gegenüber Strafanträgen des in der ersten Sitzung des neuen Landtages von den Kommunisten miß- handelten christlich-nationalen Bauern Dr. Ponfik. Es blieb bei den Vorschlägen des Geschäftsord- nungsausschuffes.

Der Gesetzentwurf, der die S t u b i e n r ä t e an nichtstaatlichen höheren Schulen in der Besoldung den Lehrern an den staatlichen Schulen gleichstellen wlll, ging nochmals an den Unterrichtsausschutz zurück.

Am Dienstag wird der Landtag in der CMebl- gung kleinerer Vorlagen fortfahren.

* Die Unruhen in Afghanistan. Nach Berichten von der Grenze sind König Amanullah und die Königin in ein Fort geflüchtet, da bie Ar- mee sich gegen sie gewendet hat. Die Unruhen in Kabul und diejenigen in Jalabad stehen offenbar in fernem Zusammenhang. Die Bewegung in Kabul roirt) offen mit den radikalen Reformen des Kö­nigs und dem Bestreben der Königin, den Schleier abzuschaffen, begründet. Seit einem Monat ist der Briefverkehr zwischen Kabul und Indien ein- gestellt. ____

Amundsen-Gedächlniskag in Norwegen. Am Freitag wurde in Oslo und in allen Tellen des Landes mit großen Feierlichkeiten der Amundfen- Gedächtnistag begangen, der zu Ehren dieses nor- -wegifchew Nationalhslden und feiner Begleiter ver- anftaltet worden war. In Oslo und in allen an­deren Städten waren die öffentlichen Gebäuden tmb die meisten Privathäuser beflaggt. Um 12 Uhr mittags wurde überall eine zwei Minuten lange Gedächtnispause innegehalten. Der gesamte Ver­kehr wurde unterbrochen, und von allen Kirchen

Der Völkerbund und die Minderheiten.