:: lokal 0,60 Mi, KK lutqen Rabatt.
Dienstag, IS. Dezember 1928
Nr. 292
MM grainiti gegen üen Sttlnilltr Setlrag
zu
M
Art der Ausschußbesetzung verstimmte schaftspartei die Innehaltung der ordnungsmäßigen Fristen für die erste
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei m Fulda. Fernsprecher Rc. S. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. <30 bezw. 48 Pf.), ohne ZusteNg.
*
Die von Max Aubnier geleitete Partei „Jeune Republiquc" hat'sich auf ihrer in Paris abgehaltenen Iahrestagunq fürRäumung des Rhem- l a n d e s, endgültige Regelung der Reparat onen, Herabsetzung der Truppenstärke und Verminderung der Militäraufgaben ausgesprochen. Ferner fordert sie, daß die im Elsaß vorgenommenen Alsimi- lierungsmaßnahmen nur mit Zustimmung der Elsässer durchgeführt werden. Für das Elsaß Wird auch die Amnestie und die Respektierung des bei den Wahlen zum Ausdruck gekommenen Willens verlangt. _______
Kus den Parlamenten
Reichstag.
Um 22 Uhr trat am Samstag der einer Sitzung zusammen. Weil die
Jahr 1929, wobei er anktindigte, daß der Hauvt- etat dieses Jahres nun möglichst bald folgen würde. Das Bild, das der Finanzminister von der Finanzlage des Reiches entwarf, war z i e m l i ch schwarz gemalt. 600 Millionen Defizit sind zu decken. Bei der schlechten Finanzlage müsse man sich auf neue steuerliche Belastungen gefaßt machen. Im Lauf der Debatte nahm auch der deutschnationale Abg. Graf Westarp das Wort, der die schlechte Finanzlage zum Anlaß nahm, um der gegenwärtigen Regierung den Vorwurf zu ma- (fen, daß sie nicht in der Lage sei, der Schwierigkeiten Herr zu werden.
Nachdem der Nachtragsetat dem Haushaltungsausschuß überwiesen worden war, wurde ein Antrag der Geschäftskommistion, genehmigt, der die Bewilligung zu einer Stralverfolaung gegen den natiouallwialistischen Aba Strasser wegen eines Pressedeliktes erteilt. Ein deutschnationaler Antrag zur Förderung der Wirtschaft und Landwirtschaft in Ostpreußen wurde dem Ostausschuß überwiesen.
Dann entließ um ’M Uhr morerns Präsident Lobe die Abgeordneten in die Weihnachtsfe- rien. Er erhielt die Ermächtigung, Mitte Jan. 1929 die nächste Sitzung einzuberufen.
Preußischer Landtag.
Der Preußische Landtag konnte am Samstag die allgemeine Aussprache und damit die erste Lesung zum preußischen Etat für 1929 a b s ch l i e ß e n und den Haushalt an den Ha"ptausschuß Überreifen, der am 7. Januar seine Beratungen aufnehmen wird.
In der Debatte nahm auch der preußifck^e Fi- nanzminister Dr. Hö p k e r - A s ch o f f noch einmal das Wort, um Vorwürfe wegen einer zu teuren ureußischen Verwaltung zurückzuweisen. Nach dem Zahlenmaterial, das er zur Kenntnis brachte, ergibt sich, daß die Steigerung des preußischen Zuschußbedarfs weit unter dem Index liegt. Dis tatsächlich darüber binausgehenden Ziffern müßten auf die hohen F ti r f o r g e l a st e n und insbesondere auf die Gefundheitssürforge zurückgeführt werden. Dann legte der Minister dar, wie durch die gewaltigen Reuarationsleistungen namentlich auch Preußen allmählich kavust gemacht werde Bisher hätten die Reparationsleistungen nur dadurch erhöbt werden können, daß man genügend Anleihen für die Devisenbeschaffung aufnehmen konnte und daß der Transfer-Schutz im Interests der deutschen Währung funktionierte. Wenn aber durch eine Kommerzialisierung der Reparationen der ausländische Kapitalmarkt erfckövft würde und man dadurch auch zu einem gewisten Verzicht auf den Tansker-Schutz käme, könnte Deutschland nur bei einer starken Herabsetzung. seiner Verpflichtungen weiter erfüllen, ohne auf das ernsteste wirtschaftlich bedroht zu sein.
* Päpstliche Auszeichnung für den Präsidenten von Peru. Der Papst hat dem Präsidenten der Republik Peru den Christus-Orden ocrliohen.
besonders bedeutsamen Vorlagen. Die Wirtschasts- vartei hielt vor der Nachtsitzung eine Fraktionssitzung ab, in der ernsthaft erwogen wurde, ob man nicht der ersten Beratung des Nachtragsetats in der Sonntagmorgen-Sitzung mit der Begründung widersprechen könnte, daß verschiedene Abgeordnete den Etat erst am Samstag früh erhalten hätten. Das Reichstagsbüro kann aber nachweisen, daß es schon am Freitag abend seine Boten zu den Abgeordneten geschickt hat. Die Zustellung ist für die Bemessung der Fristen entscheidend, auch wenn die Boten verschlossene Haustüren vorgefunden haben.
Die Publikationstribünen waren beim Beginn der ersten Nachtsitzung dicht besetzt. Der nächtliche Reichstag scheint auf die Berliner eine ähnliche Anziehungskraft auszuüben, wie die Nachtrunden beim Sechstagerennen. Auch der Sitzungssaal war stärker besetzt, als man vielfach erwartet hatte.
Es tmirbe das Gesetz über den Verkehr mit unedlen Metallen bis zum 30. Juni 1929 verlängert. Es wurden die vom Ausschuß für die besetzten Gebiete vorgelegten Entschließungen zur Verbesserung der Wirtschafts- und Derkehrsbedin- gungen im besetzten Gebiet angenommen, und es wurde schließlich ein Antrag der Deutschnationalen auf Bewilligung von Zinsen aus der Abfindungssumme für den Uebergcmg der bayerischen und württembergifchen Postverwaltung an das Reich dem Hausbaltungsausschuß überwiesen. Die kurze Aussprache' die sich an diese Vorlage knüpfte, wurde mit einem Temperament geführt, das durch das Alkoholverbot für das Reichstagsrestaurant tn keiner Weise beeinträchtigt war.
*
Fünf Minuten nach Mitternacht, begann die letzte Sitzung, die der Reichstag in diesem Jahre abhielt, und die mit der ersten Beratung des Nachtragsetats für 1928 einaeleitet wurde. Diese fünf Minuten nach Mitternacht genügten um die Vorschrift der Geschäftsordnung, daß nach der Ausgabe des Etats drei Tage verstrichen fern müssen, zu erfüllen. Der Sitzungssaal war ebenso wie die Tribünen trotz der etwas ungewöhnlichen Sitzungs- zeit gut besetzt. So hatte Reichsfioanzminlster H i l f e r d i n g ein zahlreiches und aufmerksames Publikum, als er dem Nachtragsetat in kurzen Ausführungen die Begründung gab. Er kennzeichnete ihn zugleich als den Personaletat für das
Die ärbeiterzentrumswähler.
Bekenntnis der Treue. — Die Führereignung des Prälaten Raas auch von den Gewerkschaftlern anerkannt.
In Essen fand eine Kundgebung der Arbeiter- Zentrumswähler statt, die zur Stellungnahme zu den Ergebnissen des Kölner Parteitages einberufen morden war. Sie war sehr stark besucht. Neben zahlreichen Abgeordneten aus den verschiedensten Körperschaften hatte ganz Westdeutschland Vertreter entsandt. Giesberts, Stegerwald und I m d u f ch hielten kurze Referate.
Neichstagsabgeordneter Giesberts wandt» sich dagegen, daß die Versammlung als eine Demonstration gegen die Wahl des Prälaten Dr. Kaas von verschiedenen Zeitungen ausgedeutet wor. den sei. Die christlich-nationale Arbeiterschaft werde den neuen Parteivorsitzenden stützen, wenn erbte Partei führe im alten Sinne mit sozialpolitischem Einschlag. Die katholische Arbeiterschaft des Westens bleibe in der Zentrumspartei, sie wolle nur ihre Ellenbogenfreiheit in der Partei gewahrt wissen. Stegerwald sei in die Parteiführung hm- eingewachsen wie Trimborn und Marx. Die Beamtenschaft habe in Köln eine kurzsichtige politische Haltung eingenommen zur Frage der Wahl des Vorsitzenden. Zum Schluß erklärte Giesberts, daß die Arbeiterschaft weiter führend in der Partei Mitarbeiten werde, sie verlange jedoch, daß ihr Einfluß in der Partei ein Stärkung erfahre.
Unter lebhaftem Beifall der Versammlung nahm bann Stegerwald das Wort. Was hier gesagt wird, richtet sich nichtgegendenneue» Pa r t e i v or si tz e n d e n, den Prälaten Dr Kaas. Kaas ist ein unt adeliger Mann mit durchaus sozialem Verständnis. Er ist einer der geistig fähig ft en Menschen in der Z e r. - trum sparte i. Kaas ist nach der Verfassung der Zentrumspartei rechtmäßig gewählt worden. Sich nachträglich gegen diese Tatsache wenden zrt wollen, ist niemand in den Sinn gekommen. Das wäre undemokratisch und mit der Würde des aktivsten Teiles der Zentrumsvar» tei — das find die Arbeiter des rheinisch-westfälischen Industriegebietes — durchaus unvereinbar. Die Begleitumstände bei der Wahl des Parteivor- sitzenden dürften bewirken, daß jetzt in der Zentrumspartei die schwersten Kämpfe um die Wahlrechtsreform entbrennen werden. Unpolitisch ist auch die Einstellung der Beamten auf dem Kölner Parteitag. Ueber meine Rede in Köln sagten die Beamten, sie habe das erlösende Wort gebracht. Ich befürchte nur, daß die von mir zwischen Arbeitern und Beamten gebaute Brücke diesmal von den Beamten selbst wieder zerschlager worden ist. Dann behandelte Dr. Stegerwald dü künftig zu führende Zentrumspolitik und die Einstet tung der Massen zu ihr und schloß: Wir sprechen hiei klar und deutlich: für dieses unser Wollen wird mit allem Nacichruck gekämpft. Den mir ongetra« genen Vorsitz der Kommission zur Beratung des Wirtschaftsprogramms der Zentrumspartei werde ich annehmen und darauf bringen, daß im nächsten Jahre einneuerParte i t a g ftattfinbet, der über das Wirtschaftsprogramm der Partei restlos Klarheit bringen und den Zentrumsangehörigen den Wea zu westen bat über das Verhältnis zwischen Reich und Ländern. Sie können sich unbedingt auf eine sichere Führung verlassen. Folgen wir ihr.
Als dritter Redner sprach der Führer des Gewerkvereins christl. B°raarbeiter Aba. Imhufch, der die Ausführungen der Vorredner unterstrich, daß der Einfluß der Arbeitexzentrumswähler nicht allein in den Bezirksorganisationen, sondern auch in der Reichsorganisation der Bartei verstärkt merken müsse. So trat er entscheden für die Schaffung eines Reichsarbeiterrates der Zentrumspartei ein und ersuchte die Versammlungsteilnehmer entschieden für eine Vermehrung des Einflusses der Arbeiterschaft einzutreten. Auch er betonte, daß die christlich-natiionale Arbeiterschaft soweit sie sich zur Zentrumspartei bisher bekannt habe, der Partei treu bleibe und die Hoffnungen der Gegner nicht erfülle, am allerwenigsten die der Sozialdemokratie, die als Partei für die christlich-nationalen Arbeiter- Wähler überhaupt nicht in Frage komme.
Die Versammlung nahm nach längerer Aussprache einstimmig eine Entschließung an, in der festgestellt wird, daß die Tagung mit großem Bedauern von den Begleiterscheinungen der Wahl des Vorsitzenden der Zentrumspartei Kenntnis genommen habe. Die Versammlung erblickt in der Tatsache, daß Stegerwald nicht gewählt sei, eine bewußte Zurücksetzung des Arbeiterstandes. Es liege im Lebensinteresse der Partei, der Gesamtstruktur des Deutschen Volkes und Wirstchastsle- bert= Rechnung zu tragen, welche dadurch gekennzeichnet werde, daß mehr als 70 Prozent aller Volksgenossen Lohn- und Gehaltssempfänger feien. Die Wahl des Vorsitzenden auf dem Parteitag in Köln fei maßgebend beeinflußt worden durch die Zusammenstellung der Varteikörperfchaften, in denen sich die wirkliche Zusammensetzung der Zentrumswähler in keiner Weise w'dersviegelt. Die Versammlung fordere, daß aus den örtlichen und bezirklichen Ar^eiterbeiräten der Zentrumspartei in Kürze ein Neichsarbeiterrat her Zentrumspartei gebildet werde.
Hoffnungen unserer Gegner.
Die Vorgänge auf dem Zentrumsvarteitag st. Köln und die Nachklänge, die diese Dinge sanden, haben ein Echo in der gegnerischen Presse hervorgerufen, das uns doch nachgerade zu denken geben sollte. Die Spekulation auf den Zerfall des Zentrums ist aroß, und die Hoffnungen,
folgen hätte. Diese Revision wird erfolgen, weil das Bedürfnis nach ihr stärker ist als der zusammenhanglose Wille der Menschen und weil die Logik der Ereignisse es zwingend verlangt. Wenn Frankreich hier die Initiative ergreifen würde, wurde es den edelsten der Siege davon tragen, den der Vernunft über die Gewalt Das würde der Beginn einer wirklichen Sicherung gegen den Krieg sein.
wie das seinerzeit auch bei dem griechisch-bulgarischen Konflikt ebenfalls unter der Präsidentschaft Brian'ds geschehen ist,
* -kinanzmimster a. D. Dr. Schall gestorben. Aus Heilbronn wird gemeldet: Finanzmini- fter a. D Dr. Schall, Präsident der wurttembergl- schen Verwaltungsakademie, Vorstand des wurttrm- bergischen Sparkassen- und Giro-Verbandes, einer der führenden Persönlichkeiten in der demokratischen Fraktion des württembergischen Landtagev, ist Montag früh in Heilbronn im Alter von 46 Jahren gestorben. Präsident Schall, der schon längere Zeit leidend war, mußte auf der Heimfahrt ""n. Berlin nach Stuttgart seine Reise infolge einer plötzlichen Verschlimmerung unterbrechen und sich in einem Heilbronner Krankenhaus in ärztliche Behaud.ung begben. , ...
» Protest der Hamburger Kommunisten. Die kommunistische Fraktion der Hamburger Bürger- ,schäft, die in der letzten Sitzung durch Beamte der Kriminal- und Ordnungspottzei aus dem Saal entfernt werden mußte und die sodann auf vier Wochen von den Beratungen ausgeschlossen wurde, hat Protest gegen die Entschließung eingelegt und verlangt ihre 'Wiederzulassung. Sie protestiert auß'r- dem gegen die Gültigkeit des in der letzten Sitzung beschlossenen Gesetzes über die Beamtenbescudung, bei dessen Beratung es zu den skandalösen Auftritten kam, die die Herbeirufung der Polizei notmen- big machte. ____________
Reichstag durch die Wirt- geschäfts- Berattmg des Nachtragsetats verlangt hat, sah der Aeltesten- rdt den Ausweg aus dem Dilemma in der Anberaumung von zwei Nachffitzungen. Die erste um 22 Uhr hatte auf der Tagesordnung keine
Severing vor dem Abschluß.
Reichsinnenminister Severing ist am Sonntag wieder in Berlin eingetroffen. Severing hat feine Besprechungen mit den Vertretern der Ruhrindustrie und den Gewerkschaftsführern zum Abschluß gebracht und will nun im Zusammenhang mit tiefen direkten Eindrücken über die wirtschaftliche Lage der Eisen- und Stahlindustrie noch einmal die Denkschriften durcharbeiten, die ihm bereits bei feinen ersten Reisen in das Industriegebiet überleben worden sind. Aus dem gesamten Material, das zur Verfügung steht, soll jetzt das Fazit gezogen werden. .
Am Donnerstag begibt sich der Reichsinnenminister wieder nach Dortmund, wo er am Freitag den Schiedsspruch verkünden will, der den Streit'über die Lohn- und Arbeitszeitfrage auf lange Zeit regelt. Der Schiedsspruch Severmgs ist unumstößlich.
* Gründung einer neuen katholifch-elsäfsischen Partei. Wie dem „Echo de Paris" aus Straßburg gemeldet wird, werden die aus der elsässischen kath. Volksvereinigung ausgetretenen Parteimitglieder am Montag eine Versammlung abhalten, in der eine neue katholisch-elsässische Partei nationalen Charakters unter dem Vorsitz des Abgeordneicn, Unterstaatssekretärs Oberkirch gegründet werden soll.
wtb. Paris. 17. Dez. (Gig. Funkm.) Volonte ist in der Lage, einen Aufruf zugunsten einer allgemeinen Revision des Vertrages von Versailles im voraus zu veröffentlichen, der in der Zeitschrift „Evolution" erscheint und eine Wiederholung unb Gr- gänzuna des vor drei Jahren von der gleichen Zeit, schrist veröffentlichten „Appells an das Weltgewif- fen" darstellt, in dem Victor Margueritte u. a. zur Erforschung der Ursachen des Weltkrieges mahnte. Der neue Aufruf trägt 134 Unterschriften und zwar ausschließlich von französischen Künstlern, Schriftstellern und Journalisten. Es heißt darin u. a.:
Der Kellogg-Pakt wird trotz der darin enthaltenen guten 2'büchten eine rein platonische Kundgebung bleiben. Eine Aechtung des Krieges kann nur durch eine allgemeine Abriistu n g erreicht werden, nachdem die offenen Wunden, die der Weltkrieg hinterlassen hat, behandelt morden sind. Wir sehen nur einen Weg, nämlich eine R e« vision aller F r i e d e n s v e r t r ä g e im Interesse des Friedens und der Gerechtigkeit, die im Hellen Licht des Tages vor dem Völkerbund zu er-
Md «er Zeitung
hi« Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Das Ergebnis von Lugano.
Außenminister Dr. Sttesemann schloß in der öffentlichen Ratssitzung am Samstag, über die w.r schon berichteten, seine auflehenerregende Ausführungen auf die Herausforderungen des polnischen Außenministers mit der Erklärung ab, daß er auf das Programm der nächsten Ratstagung die gesamte Minderheitenfrage bringen werde, damit sie gründlich und im einzelnen diskutiert werde.
Hiernach erklärte Briand, der Völkerbund werde es sich nie nehmen lassen, die geheiligten Rechte der Minderheiten zu schützen. Man werde auf 'einer folgenden Tagung em neues Verfahren diskutieren, um die Ausübung des Minderheitenschutzes zu beschleunigen. Darauf wurde die öffentliche Sitzung geschlossen. Nachmittags 3 Uhr sand noch eine vertrauliche Sitzung statt, in der der Kon- flitt Bolivien-Paraguay erörtert wurde.
Nach Schluß der öffentlichen Ratssitzung traten Briand, Stresemann und Chamberlain zu einer Besprechung zusammen, die der Herausgabe eines Communignes über ihre Unterhaltungen galt.
Zum Abschluß der Besprechungen wurde nach langer Beratung folgendes gemeinsame Commn- nique ausgegeben:
„Die Ratstagung hat es uns ermöglicht, die seit langem unterbrochene persönliche Verbindung zwischen uns wieder aufzunehmen und in einen M e i - nungsaustausch einzutteten, der von sehr großem Nutzen getoefen ist.. Diese Besprechungen haben uns dazu geführt, stärker denn je davon überzeugt zu fein, daß eine Politik der Versöhnung und Annäherung unserer Lander am geeignetften ist, den Frieden zu sichern. Dieser Politik bleiben wir treu. In diesem Geist werden wir die Verhandlungen fortsetzen, die auf 'Grund der Vereinbarungen eingeleitet worden sind, die zwischen den sechs interessierten Mächten am 16. September dieses Jahres in Genf zustande kamen. Wir sind enflchlossen alles zu tun, was in unserer Macht steht, um so schnell wie möglich zu einer voll ständigen un b en b gültigen Lösung der aus dem Kriege her- rührenden Schwierigkeiten zu gelangen und auf diese Weise aus Grund gegenseiti- «, en Vertrauens die gedeihliche Entwicklung der Beziehungen unserer Länder zu sichern."
♦
Der vielen und langen Nachrichten über die Ratskonferenz in Lugano kurzer Sinn ist daß nichts Vofitives zustandegekommen ist. Das ist an sich unerfreulich, weil es ein Zeichen dafür ist, wie wenig an politischer Fruchtbarkeit dem Geist von Locarno innewohnt. Das ist aber insofern auch erfreulich, als man befürchten mußte, daß sich Dr. Stresemann von dem Eifer der deutschen und französischen Juristen anstecken lassen könnte, irgendeine nichtbeseitigte politische Unklarheit in einer juristischen Formel ober Resolution zu kristallisieren .deren verborgene Fußangel erst später sichtbar würden. Auf solch- Machenschaften ist Stresemann bereits mehr als einmal bereingefallen, so bei der Resolution über bas Verhältnis von Sicherheit und Abrüstung, so auch bei der Resolution vorn 16. Dezember 1926. Auch jetzt haben sich die Franzosen wieder bemüht, mit allerhand verlockenden Bezeichnungen ihre seit Jahren ersehnten „E l e m e n t s ü a b I e s" mit einer Gültigkeitsdauer über das Jahr 1Q35 hinaus in einer Resolution einzuschmuaaeln. Man mußte in Sorge fein, und .zwar auf Grund der bereits genannten Resolution vom 16. Dezember 1926. das ihnen das gelingen formte. Die Juristen waren bereits eifrig an der Formulierungsarbeit. Dieses Mal schein^ Stresemann bart geblieben zu fein, sodaß das Ergebnis der Ratstagung in Lugano, soweit die deutsch-französischen Fragen behandelt wurden, negativ geblieben ist. Mit Rücksicht also auf drohende neue Verpflichtungen über die be= reitsbeftehenben Verbindlichkeiten hinaus ist das negative Ergebnis sozusagen als erfreulich zu bezeichnen.
Es fällt allen beteiligten Außenminist-'rn schwer, mit solchem Nichts nach Hause zurückzukehren und so bemühte man sich um die Formulierung eines Communiaues, das wenigstens einiges Positives enthalten soll. Dieses Positive besteht da-in, daß man sich gegenseitig dazu beglückwünscht, daß das gegenseitige Mißtrauen noch nicht zu einem Eklat geführt hat. Das ist zwar für einen gesunden Menfchennerstand eine etwas ulkige Feststellung, aber die Diplomatie bat nun einmal ihre b e - sonderen Verkehrsmethoden.
•
Laut Montagspost hat Reichsaußenminister Dr. Sttesemann nach Berlin mitteilen lauen, daß er am Mittwoch von Lugano abreisen und am Donnerstag wieder in Berlin ein- treffen werde. Der Reichskanzler wird, dem gleichen Blatt zufolge, für Donnerstag das Kabinett Unberufen, da Dr. Sttesemann sofort nach seiner .Rückkehr die Reichsregierung über das Ergebnis lein« Besprechungen in Lugano informieren möchte.
Die übrigen Teilnehmer an der Konferenz in Lugano sind bereits wieder zu Hause.
*
-r-As-^illkerbundsrat beschäftigte sich in nicht- offentllcher Sitzung mit dem Konflikt zwischen
" r o o u a y ,.nb P o ' i- D-- R"tt'"--si-
bent wurde beauftragt, die Stellungnahme des Völkerbundes zu dem Konflikt den beiden Regierungen durch ein Telegramm bekannt AU geben. Das Telegramm ist in recht energische Form gekleidet. De- Ra^nräsiden» m.trbe beimWrggt, die Angelegenheit weiter zu verfolgen unt) gegebenenfalls eine außerordentliche Ratstagung einmherufen. In Dölkerbundskreisen wird angenommen, daß diese Tagung nach Paris einberufen werden würde,
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda__
--- lotai 0,15 MC auswärts 0,20 Ml. Reklamezeile: nßn
auswärts 0,80 Ml. Bei Wiederholungen Ra-----
Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051_______