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M 291.

Sonntag, den 16. Dezember 1928.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

*-*■* Druck der Fuldaer AcNendruckerei. Fulda

Zentrum und Preutzen-Ctat.

In der Aussprache des Landtags zur ersten Le­sung des preußischen Etats sprach für die Zen­trumspartei Abg. Dr. Wester. Er führte, wie wir ergänzend zu unserem kurzen Bericht mitteilen, u. a. aus:

Das jahresübliche Bild: der Etat ist wieder ge­stiegen, nicht geradezu katastrophal, aber immer­hin im Bruttohaushalt um 64% Millionen. Aeu- ßerlich balanciert der Etat, innen zeig: er einige bedenkliche Schwächen. 1926 noch hielt es der Finanzminister für unbedenklich, die 200 Millionen Mark Ueberfchüsse von 1924 zu verwenden. Heute find die letzten 18 Millionen aus dem damals gebil­deten Betriebsfonds zur Ausbalancierung ver­braucht und daneben 25 Millionen vom Reich ein­gesetzt, die wir als unser gutes Recht beanspru­chen können, aber vielleicht niemals erhalten wer­den. Auch sonst zeigt die Aufstellung, daß bisherige stille Reserven fast ganz geschwunden sind. Zu loben ist die ständig verbesserte Uebersichtlichkeit und die Herausnahme der Aktiengesellschafts-Betriebs­verwaltungen in einem Sonderplan. Reichsüber- weisungssteuern werden mit Ausnahme der Umsatz­steuer gemäß Voranschlag von 1928 einkommen, dagegen die Kraftsahrzeugsteuer Mehrertag, Grundvermögens- und Hauszinssteuer werden ebenfalls den Voranschlag erreichen. Steht der Herr Minister noch auf seinem Standpunk von 1926, daß die Hauszinssteuer nicht in alle Ewigkeit aufrecht­erhalten bleiben könne? Die Ausführungsbestim­mungen zu dieser Steuer werden nicht in der mil­den Form gehandhabt, wie wir es stets verlangt haben, daher befindet sie sich auch nicht m rück­läufiger Bewegung. Wo würde heute die Land­wirtschaft stehen, wenn wir dem Wunsche anderer Parteien nachgegeben und die Hauszinssteuer auf die ländlichen Grundstücke ausgedehnt hätten? Rach Ansicht des Zentrums muß endlich an den Abbau der Hauszinssteuer ernstlich gedacht werden. Und wir halten dafür, daß der Zeitpunkt jetzt gekommen ist, beim Steuervereinheitlichungsgesetz.

In der Frage der Verteilung von Reichsmitteln an die Ausgesperrten in dem jetzt glücklich beige« legten Arbeitskampf stellen wir uns hinter unseren Minister und decken ihn. Sollte die Handlung des Ministers zur Abkürzung des Arbeitskampfes bei­getragen haben, so war es geradezu eine vaterlän­dische Tat. Wir hoffen, daß der Ausbau des Schiedswesens Fortschritte im Interesse aller Be­teiligten macht, Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu­friedenstellt und so den Arbeitsfrieden und die Wohlfahrt des Volkes am besten sichert, nur da­durch kann der weitere Aufbau der Wirtschaft un­gestört vor sich gehen und zugleich der Aufstieg der Arbeitnehmer gesichert werden.

Die Zahlen des vorliegenden Haushalts find benutzt worden, um neuen Mißmut gegen die Be­amtenschaft auszuüben.. Zu unrecht. Es besteht keine Aufblähung des Beamtenkörpers, die Ver­mehrung gegenüber 1913 macht nach Abzug der staatlichen Polizei 6% Prozent aus. Das Frie­densrealgehalt ist nur bei den unteren Beamten erreichbar Es kann also nicht der Beamtenschaft

zur Last gelegt werden, wenn die Höhe der per­sönlichen Ausgaben im nächsten Jahre 49,4 Pro­zent des bereinigten Bruttohaushalts betragen und mit den laufenden persönlichen Volksschulunterhal- tungskosten, den Zuschüssen zur Pfarrbesoldung und den einmaligen persönlichen Ausgaben fast Drei­viertel der zur Verfügung stehenden Deckungsmst- tel aufzehren wird. Nimmt man dazu die unbe­dingt erforderlichen sächlichen Ausgaben, so erkennt man, wie weitgehend der preußische Etat zwangs­läufig geworden ist.

Der Zwang zur Sparsamkeit gebar den Schrei nach der Verwaltungsreform. Bis man sich ge­einigt hat, wollen wir praktische Verwaltungsreform in Preußen treiben durch Verwaltungsvereinfa- chuug, entsvrechend unserem Urantrag. Wir verlan­gen zu allererst eine Vereinfachung des Jnstanzen- zuges und Abgabe bestimmter Arbeitsgebiete an die Selbstverwaltung bezw. an Lokalinstanzen.

Wir wenden uns gegen die Eingemein- dun g s s e u che, die fast nur vom Blickwinkel der eingemeindenden Großstädte gesehen wird. Er­schlagen wir nur ja nicht bei großen Tellen einer sich entrechtet fühlenden Bevölkerung das staats­bürgerliche Empfinden! Es gibt Dinge, die nicht nur mit dem Rechenstift und dem Zirkel gemacht werden können. Bisher sprach man nur von Ein­gemeindung und Auskreisung, man wird sich in Zukunft ebenso stark mit Fragen der Ausgemein- dung und Einkreisung befassen müssen.

Wir nehmen Anstoß an der bisherigen Lasten­verteilung. Es nützt nichts, dem Landvolk durch Kredite und Notstandsaktionen helfen zu wollen, und auch alle gutgemeinten Anläufe der Landwirt- I

fchaft zur Selbsthilfe sind zur Erfolglosigkeit ver­dammt, so lange das flache Land erstickt unter der allzu hohen kommunalen Belastung. Wir haben zeitig vor Aufstellung des Etats hingewiesen auf die Notwendigkeit einer andersartigen Verteilung der Kraftfahrzeugsteuer und der Volksschulunterhal­tungszuschüsse. Die Großstadt, die den bäuerlichen Nachwuchs schluckt und die Landstraßen ruiniert, hat die Pflicht, in größerem Umfange als bisher sich an den Unkosten des Landes zu beteiligen.

Schulnot und Wohnungsnot sind heute in vie­len ländlichen Bezirken von der Not der Großstadt nicht mehr zu übertreffen. Unsere Zentrumsbauern wollen sich gerne eingliedern in den neuen Staat. Das haben sie auf dem Reichsparteitag bewiesen j durch ihre vorbildliche Einstellung zur Bodenfrage. — Für die Grenzlande in Ost und West fordern wir die Aufstellung eines Erenzlandprogramms von feiten der Regierung, das den Besonderheiten dieser Gebiete Rechnung trägt.

Wir verlangen noch vor der Durchführung des kommenden Steuervereinheitlichungsgesetzes ernst­hafte Maßnahmen zum Abbau der unerträglich ge­wordenen Reallasten und insbesondere des Teiles der Hauszinssteuer, der als Werterhaltungssteuer bezeichnet wird. Leider ist in mancher Hinsicht bisher eine Politik der verpaßten Gelegenheiten getrieben worden. Es wird schwer sein, in die­sem Augenblick noch eine günstigere Regelung un­serer Entfchädigungsforderungen an das Reich zu erlangen. Im Interesse eines gerechten interkom­munalen Lastenausgleichs werden wir auf keinen Fast Verlängerung der drei am 1. April ablaufen­den Steuergesetze ohne Aenderung zustimmen.

Rund um die Woche.

Wachsender Kulturkampf. — Katholiken und Protestanten. — Die Protestversammlung in Bochum. — Ein beseligendes Weihnachtsgeschenk.

Beobachtet man das Verhalten der Feinde des Christentums in unfern Tagen, so wird man eine ständig fortschreitende Verschärfung des Kampfes wahrnehmen. Der „Gerettete Christus" etwa von Hegemann, den man zuerst vor den Staatsanwall bringen wollte, fft ein Buch voll geradezu satani­scher Boshest. Emil Ludwig ist dagegen wirklich ein Waisenknabe. Gerade in feiner scheinbar kultur- freundlichen Tendenz find solche Bücher denen ge­fährlich, die immer noch auf jeden Kulturschwindel hereinzufallen bereit sind. Wir waren doch vielleicht oft zu rücksichtsvoll gegen Spötter, wie Bernard Shaw und andere, die es nicht lassen können, ihre Ironie über die Gläubigen auszugiehen. Auch der neue Gerhard Hauptmann, ein im Grunde lang­weiliges Buch, sucht stine Unzulänglichkeit durch gehässige Ausfälle gegen die katholische Kirche wie­der wettzumachen. Dazu nehme man die fortge­setzten Gemeinheiten des endlich verurteilten „Pfaf­fenspiegel", der kommunistischen Blätter, der Ver­treter der neuen Sittlichkeit, und man wird zu- geben müssen, daß der Zynismus überall im Stei­gen ist. Man darf schon sagen, daß hinter all dem ein gewisser Plan verborgen liegt. Es scheinen Mächte darauf zu warten, bis unsere wirtschaft­

liche Lage irgendwie wieder beruhigt ist, um einen wilden Kampf gegen die Kirchen vom Zaune zu brechen.

In solcher Lage ist es doppelt traurig, wenn nun mich die Christen untereinander sich noch befeinden. Wie traurig, daß in einer Stadt wie Bochum so häßliche Worte gegen das Sakrament des Altares und das Meßopfer öffent­lich ausgefpwchen werden konnten, und zwar von solchen, die sich „Evangelischer Bund" nennen. Ich weih wohl, wie viele Protestanten sich keineswegs mit diesem Bunde gleichsetzen und wie viele aus der Einsicht in die Entwicklung unieres kulturel­len Lebens heraus eine solche wüste Schimpferei verurteilen. Aber traurig bleibt sie darum doch. Nur gut, daß die Katholiken in Bochum nicht Haß mit Haß vergolten haben! Im Gegsnteil, auf der Riesenprotestversammlung, die sie am letzten Sonn­tag abgehalten haben — Tausende mußten wieder umkehren, da der gewalige Schützenhof nicht Watz genug bot, und auch eine Parallelversammlung in der Kirche war noch überfüllt — gab es kein Wort des Haffes. Wohl aber wurden dort non Laien und Priestern ergreifende Worte der Liebe zu dem heiligsten Geheimnis der Religion

und darüber hinaus der koniesiionelle Friede und die Volksgemeinschaft gefordert.

Schade, daß wir uns wieder so sehr auf me reine Abwehr verlegen müssen. Sie darf nur der Anlaß zur Sammlung fein, und sie muß ständig über sich hinaus führen Will das Christentum von heute sich durchsetzen, so muß es einen ausge­sprochenen Kulturwillen haben. Es muß daran- aeben, nicht nur die bösen Zeiterschemungen zu verurteilen, sondern die menschliche Gesellschaft von heute positiv mit ihren Ideen zu durchdrmgen. Das ist die schwere Arbeit. Leicht ist es, Schmutz und Schund zu verurteilen, viel mühsamer aber jetzt vor Weihnachten hübsche Buchausstel- lu n g e n zu machen, auf denen man wertvolle Bu­cher auch wirklich au den Mann bringen rann. Leicht ist es, die hetzerische und sittlich gefährliche Presse zu verwerfen, schwer aber fürdlekatho- lische Presse, stille Apostelarbeit zu tun. Dazu aber muß die christliche Bevölkerung mehr und mehr kommen. Allüberall sollten sich kleine Kreise und Arbeitsgemeinschaften bilden, in denen man über diese Fragen spricht und einander anregt.

Gerade wo jetzt das Weihnachtsfest naht, wer­den wir den Bemühungen der Zeit gegenüber, auch diesen Feiertag zu verwässern» mit echt gläubige* Gesinnung die Vorbereitung vollbringen. Da sagte mir neulich ein Redakteur, der schon mehrfach mit dem besten Erfolg das Beispiel für seine Anregung gegeben har, wie schön es wäre, wenn man au_.) von der Zeitung aus einmal eine Weihnachtsspende für arme Kinder sammelte. Es gibt doch viele wohlhabende Leute, die weiter Einern Verein an­geboren und die doch gern etwas für arme Kinder tun möchten. Sie warten sozusagen nur auf eure Aufforderung. Da lesen sie in der Zeitung, daß man von der Redaktion die Namen armer Kinder vermittelt. Sofort greifen sie zu, schreiben an bte Redaktion, sie wären bereit, ein Kind zu über­nehmen, oder sie schicken sonst eine Gabe. Damit bereitet man nicht nur einem armen Kinde, sondern auch sich selbst in Wahrheit fröhliche Weihnachten. Liebe, wie kannst Du erfinderisch fein!

Auf diese Weise wird auch die persönliche Seite des Schenkens mehr hervortreten. Sieh einmal, es ist doch etwas anderes, ob irgendeine Organisation einige Dutzend Päckchen verteilt, was durchaus anzuerkennen und zu fördern ist, ober aber ob ein wohlhabender Mensch sich nun vor­nimmt, nicht nur seine Gabe, sondern s e i n H e r z selber dem Armen zu schenken. Nicht so von oben herab. Nein, brüderlich, menschlich, sozusagen auf gleicher Ebene mit dem Beschenkten, der sich nicht herabgesetzt fühlen soll. Du, der Du das nie­mals vielleicht getan hast, versuche es in diesem Jahr. Tu etwas Gutes für Weihnachten, aber D u selbst Laß es Dir von niemanden nehmen. Die Herzen müssen wir einander schenken, bann wird es auch von selbst nicht an anderen Gaben fehlen. Und das der großen Liebe wegen, die uns die erste Weihnacht geschenkt hat. Auch da ist alles so per­sönlich: Das Lächeln der Mutter, das holdselige Kiiü>, der besorgte Heilige Joseph, die Hirten und der Kaspar, Melchior und Baltasar. Es ist eben eine Familie, in der es allen wohl wird — . . . .

Der Mann im Monde.

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das Jchdnsfe für den (^aben fisch,

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GchMerhorst.

Eine geheimnisvolle Geschichte von Wilhelm Holt.

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„Es ist möglich," gab er zu, „aber von einem bin sch doch überzeugt: Sie müssen gewußt haben, daß je­mand Ihre Rolle spielte, und so meisterhaft zu spielen verstand, daß andere dadurch irregeführt wurden. Und hätten Sie nicht ein Interesse daran gehabt, diese Tat­sache nicht aufkommen zu lassen, so hätten Sie damit rechnen und jemanden in das Geheimnis einweihen müs­sen, den Detektiv zum Beispiel."

„Wenn ich kein Interesse daran gehabt hätte, die Tatsache nicht aufkommen zu lassen, gewiß. Aber ich hatte ein Interesse daran, wenn auch ein anderes, als Sie vermuten. Nun, nach allem, was geschehen ist, kann ich mit der Wahrheit ohnehin nicht länger zurückhalten, und das Ergebnis wird ein anderes sein, als Sie glau­ben, Herr Doktor, das weiß ich."

Roger antwortete kühl:

„Es hat keinen Zweck, mir die Geschichte jetzt zu er­zählen. Warten Sie damit, bis Rosch soweit hergestellt ist, um sie mit anzuhören."

„Aber Sie müssen sie jedenfalls hören, und ich weiß, ^>ie werden dann die beleidigenden Worte zurücknehmen, ^un, mir werden schon sehen."

Die beiden Männer standen ein paar Augenblicke Ichweigentz einander gegenüber. Da wurde das Geräusch eines motor5 DDr dem Hause hörbar. Der Arzt war mit dem Motorrad so rasch als möglich zur Unglücksstelle geeilt und hatte Franz van Beekum auf dem Soziussitz mitgenommen.

Der Bauer hatte bereits geöffnet. Der Arzt grüßte kurz und wendete sich fDfOrt dem Kranken zu, beobachtete ihn scharf, fühlte ihm den Puls und hob die geschlossenen Lider. Ein paar Augenblicke stand er wie in Gedanken versunken da, bis der Baron ihn mit seiner Frage auf­schreckte:

b „Nun, Herr Doktor, was ist Ihre Meinung über den

„Schlimm, schlimm. Wissen Sie, ob er etwas einge­nommen hat?"

„Nein", beeilte sich der Bauer zu sagen, „man hat ihn nur etwas riechen lassen."

„Schlimm, schlimm", sagte der Arzt wieder, „aber wir werden versuchen, ob wir ihn herausbringen. Ich muß den Herren auch mitteilen, daß ich die Polizei verständi­gen werde. Es liegt ohne Zweifel ein Verbrechen vor."

12.

Am folgenden Tag gegen Mittag unterzog die Polizei alle diejenigen Personen einem Verhör, die irgendwie mit dem neuen Verbrechen in Zusammenhang zu stehen schienen ober etwas darüber auszusagen vermochten. Der Arzt hatte gleich am Morgen, wie er bereits in der Nacht den Herren angekündigt, die Polizei verständigt und zu­gleich telegraphisch einen Kollegen aus der Stadt zu einer Konsultation bezüglich der merkwürdigen Krankheitser­scheinungen seines Patienten eingeladen.

Die Kommission war mit dem Auto nach Schillerhorst gekommen, und es hatte eine gründliche Untersuchung ein­gesetzt. Denn daß es sich um eine neuerliche Untat han­delte, bezweifelte genau genommen niemand, und von selbst brachte man den Anschlag auf den Detektiv in Zu­sammenhang mit dem Mord an Notar Burton. Der De­tektiv führte ja die Nachforschungen bezüglich des letzteren durch und hatte behauptet, die Lösung gefunden zu ha­ben. Daß gerade er das Opfer eines Angriffes geworden, mußte jedermann auf den Gedanken bringen, die Täter im ersten Fall fürchteten sich vor seinen Enthüllungen und versuchten daher auf jede Weise, dieselben zu ver­hindern. Warum sie ihn nicht getötet, war allerdings noch eine Frage, die offen blieb. Die Sache bot immer­hin noch allerlei Unaufgeklärtes, Unerklärliches.

Cs waren eine Reihe von Personen vorgeladen. Der Detektiv selbst war nicht imstande, seine Aussagen zu machen, ja, es ging das Gerücht um, er werde wohl vor seinem Ende nicht mehr wieder zum Bewußtsein ge­langen.

Davon hatte auch Arthur Roger gehört, ohne daß er jedoch eine ausdrückliche Bestätigung ober eine gegentei­lige Versicherung hätte bekommen können.

Der Kranke war ins Krankenhaus gebracht worben, und zwei Aerzte widmeten sich ihm. Alle drängenden Fragen beantworteten sie mit einem Achselzucken und der ausweichenden Bemerkung, es lasse sich noch nicht viel sagen. Die besorgten Mienen verrieten dem auf­merksamen Beobachter jedoch deutlich genug, daß sie sei­nen Zustand für sehr ernst hielten.

Die Kommission hatte sich zur Sitzung im Gemeinde­haus versammelt, und die Zeugen, die verhört werden sollten, warteten in einem Raume neben der Gemeinde­stube ,bis die Reihe an sie kam. Es waren erschienen der Rechtsanwalt Roger, bann Franz van Beekum, Ba­ron von Weitenfeld, der Bauer, in dessen Haus man den Ohnmächtigen gebracht hatte, und das Dienstmäd­chen der Familie Burton, das den Detektiv als letztes gesehen.

Als erster wurde Arthur Roger vernommen. Er hatte ausdrücklich darum gebeten, und man hatte dem bekannten Rechtsanwalt bas Ansuchen natürlich nicht abgeschlagen.

Der Untersuchungsrichter meinte, er wünschte als erster an bie Reihe zu kommen, um so halb als möglich nach ber Stabt zurückzukommen. Roger aber beeilte sich, zu versichern, dies sei durchaus nicht seine Absicht. Im Gegenteil, er wolle ber ganzen Untersuchung beiwohnen und werbe nicht ruhen, ehe bie Schuldigen gefunden wor­den seien.

Da forderte der Vorsitzende ihn auf, seinen Bericht zu erstatten.

Roger erzählte kurz und ohne Umschweife, was er von der Sache wußte und in inwieweit er dabei eine Rolle gespielt. Er sprach davon, daß er es übernommen, bie Sache des flüchtigen Bankiers zu verteidigen, und teilte mit, was er von der Rückkehr des letzteren und fei­nem Besuch auf dem Schloß wußte. Von selbst kam er bei b.efer Gelegenheit auch auf den Anschlag auf seinen Freund Rosch zu sprechen und auf seinen zweiten Besuch auf dem Eichenhof. Kurz, er gab eine bündige, sachliche Darstellung der Angelegenhett und stand nicht an, un­umwunden zu erklären, ck>aß er bie bestimmte Ueberzeu- gung habe, ber Baron von Weitenfeld spielte dabei eine mißliche Rolle. Eines verschwieg er, nämlich, daß es

vor allem Dora Burtons Einfluß gewesen, ber sein Ver­trauen in ben Schloßherrn erschüttert hatte. Vielleicht war er sich dessen selbst nicht ganz bewußt, daß erst sie ihm dazu veranlaßt, den Bewohnern des Eichenhofes ein ge­wisses, sich in der Folge immern steigerndes Maß von Mißtrauen entgegen zu bringen. Jedenfalls lag in der Haltung und dem Betragen des Barons von Weiten­feld Verdächtiges genug, um ihn unsicher zu machen, auch wenn jener Einfluß nicht vorhanden gewesen wäre.

Schließlich hätte es für ihn auch nichts anderes ge­braucht, als daß Rosch ihm gegenüber mit großer Ent­schiedenheit behauptet hatte, der Baron habe ihm einen Bären aufgebunden.

Als Arthur Roger mit feinem Bericht zu Ende war, schauten die Herren einander an. Der Fall war außer- ordentlich interessant. Vor allem die Geschichte mit dem Doppelgänger war ganz merkwürdig und mutete wie ein Stück aus einem Märchen an.

Schließlich wurden dem Rechtsanwalt noch einige Fragen gestellt, und nachdem er dieselben beantwortet hatte, erhielt er die Erlaubnis, rückwärts im Saal Platz zu nehmen und dem weiteren Verlauf der Untersuchung beizuwohnen, wie es sein Wunsch gewesen war.

Der zweite Zeuge war Franz van Beekum. Was er mitzuteilen hatte, stimmte mit dem Bericht Rogers überein. Er gab zu, daß sein Vater zurückgekehrt war und sich freiwillig der Behörde habe stellen wollen. Man habe ihm indessen abgeraten. Auf näheres Befragen gestand er, daß es ber Baron von Weitenfeld gewesen, der so ernstlich gegen ben Plan gesprochen habe. Er berichtete weiter, ber Bankier sei roieber über bie Grenze gegangen, und die Nichte des Barons, bie als geistes­krank gelte, habe ihn begleiten sollen. Es sei jeboch etwas bazwischen gekommen. Auf bie Frage, wo sein Vater sich gegenwärtig aufhalte, weigerte er sich zu antworten. „Ich will gerne alles offen gestehen, was ich weiß", sagte er. „Aber insoweit mein Vater im Spiel ist, bitte ich, nicht aussagen zu müssen. So schulbig er auch sein mag, es kann mich boch kein Gericht veranlassen, etwas zu tun ober zu sagen, was ihn in Ungelegenheiten bringen könnte."

(Fortsetzung folgt.)