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Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Julda. Amtliches Kreisblatk.

Nr. 290.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „BuchenblStter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Samstag, 15. Dezember 1928.

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SS.Zahrg.

Der pariser Knanzsbandal.

Natürlich wird man in den rechtspolitischen Krei­sen Deutschlands zu der Affäre des französischen Zeitungsunternehmens „Gazette du Franc" wieder eilfertig erklären, daß solche Skandale nur in De­mokratien möglich seien. Man wird das tun, ohne sich im einzelnen darum zu kümmern, wer darin verwickelt ist, man wird das hm, ohne sich auch der Skandalaffären vergangener Zeiten zu erinnern, da die Monarchie noch leibhaftig war. In der Demokratie gibt es eben keine Instanz, die einen einmal ruchbar gewordenen politischen Skan­dal mit der Kraft eines absoluten Herrschers unter­drückt, wenn es opportun erscheint. So ist es ja auch geschehen, daß beispielsweise der große Fi­nanzskandal, dessen Träger „die graue Hyäne" im Auswärtigen Amt, Exzellenz Holstein, gewesen ist, erst nach der Revolution bekannt werden konnte.

Warum es sich nun im Falle der „Gazette du Franc", der täglich weitere Kreise zu ziehen scheint? Dieses Watt ist im März 1925 gegründet worden, wurde eineinhalb Jahre später in eine Aktiengesell­schaft verwandelt, erweiterte sich einige Zeit dar­auf um die „Gazette des Nations" und verschie­dene Einrichtungen, die lediglich Finanzgeschäfte zu besorgen hatten. Die beiden Zeitungen „Ga­zette du Franc" und „Gazette des Nations" hatten keinen andern Zweck als die Leser zu Börsen­geschäften und zur Beteiligung an Syndikaten zu verleiten, lieber 40 Filialen sind von dem Unter­nehmen, das von einer Frau Hanau und von einem Herrn Lazare Bloch geleitet wurde, in ganz Frankreich eingerichtet worden. Es beschäftigte ein großes Heer von Agenten, welche die Leser auf die vorteilhaften Geschäfte aufmerksam machen soll­ten, die man durch die Verbindung mit der „Ga­zette du Franc" einleiten könne. Dabei wurde aber dieses Publikum über die Art und den Umfang der Geschäfte, zu denen es animiert worden war, völ­lig in Unkenntnis gelassen. Die Teilnehmer an Syndikaten und die sonstigen Kunden mußten sich damit einverstanden erklären, die Abrechnungen so entgegenzunehmen, wie sie ihnen präsentiert wurden und keine weiteren Auskünfte über die Operationen, an denen sie beteiligt seien, zu ver­langen. Die „Gazette du Franc" hat auf diese Weise drei Jahre lang ihre Klienten finanziell aus­ziehen können. Inzwischen sind die beiden Ge­schäftsführer, die Frau Hanau und Herr Bloch, sowie auch der Chefredakeur der „Gazette du Franc" Pierre Audibert verhaftet worden. Auch hat man über das Unternehmen den Konkurs ver­hängt. Angeblich wegen Zahlungseinstellung, wo­gegen Frau Hanau protestierte, in dem sie' sagte, sie sei nicht die Urheberin dieser Zahlungseinstel­lung, die ihr durch einen gerichtlichen Gewaltstreich aufgezwungen worden sei. Bis zu ihrer Verhaf­tung habe sie die Schalter offen gehabt und be­zahlt. Diese Erklärung dürfte aber nicht ganz rich- tig sein, denn von ihrem Verteidiger liegt die Be­merkung vor, daß das Unternehmen verschiedene Gesellschaften mit eigenen Statuten umfasse, da­her könne man nicht die ganze Gruppe in Kon­kurs erklären, wenn einzelne Teile davon versag­ten.

Daß einzelne Unternehmungen zahlungsunfähig gewotden sind, ist ja auch der Anlaß zu der In­terpellation des Abgeordneten Ehastanet in der Kammer gewesen, der unter anderem den Schuß des Sparkapitals und das Verbot für Mitglieder des Parlaments und der Regierung verlangte, sich bei Gesellschaften zu beteiligen, die einen zweifel­haften Charakter haben, lieber deck Anlaß zur Aufhüllung des Skandals geht allerdings noch eine andere Wendung um, welche die kommunistische Zeitung „Humanste" an die Oesfentlichkeit gebracht hat. Der ehemalige französische Finanzminister Kloß hat vor etwa drei Wochen, weil er sich in hohen Millionen Schulden ^befand (8—12 Millio­nen Franken) ungedeckte Schecks und gefälschte Wechsel ausgegeben. Die geschädigte Bank Cre- dit Lyonnais" hat sich mit den übrigen Großban­ken in Paris und mit der Regierung in Verbin­dung gesetzt, um zu überlegen, wie' man diesen Skandal eines ehemaligen Ministers aus der Welt schaffen könne. Sie soll bereit gewesen sein die ungedeckten Schecks in Höhe von rund 250 000 Mark unter Eeneralunkosten zu buchen, das heißi den Verlust selbst zu tragen. Es soll in Frankreich üblich sein, daß führende Finanzinstitute gegen­über markanten politischen Persönlichkeiten, die' sich in Geldverlegenheiten befinden, gerne ein sehr weit­gehendes Entgegenkommen zeigen. Im Falle Kloß hätte das Bankenkonsortium lediglich gewünscht, daß die Regierung gegen die „Gazette du Franc" vorqehe, wül ihm dieses Unternehmen in der Pro­vinz eine lästige Konkurrenz bereite. Tatsächlich sci nun auch rht die Staatsanwaltschaft geg-n die „Gazette du Franc" vorgeganqen Diese Mittei­lung wird dadurch bestätigt, daß Kloß inzwischen siine Demission als Senator eingsreicht hat. Wenn er sich vor dem Gefängnis retten Wolle, so beißt würde ihm wobl nichts anderes übrig bleiben j, 1 "len Beweis feiner anaeblleben Geistesgestört- <> ^nzutreten". Gegen, die Firma „Gazette du klarnn" üegen inzwischen einige hundert Privat- höchstl ÜOr- Dft „Humanste" versucht übrigens, die bew ^anzösischen Beamten als mitbeteiligt an Namen o^?l hinzustellen und ist selbst vor dem einmal nnDLncar® nicht zurückgeschreckt, weil er Vnb<> der du Franc" m,gearbeitet

es ia eine'übii^^uche dürften aber mißlingen, do llt nromin-w^^ethode der Zeitungspropananda rnn^litiker in der Zeitung zu Worte .ommen zu lassen. Unter den gelegentlichen „Mst- arbeitern lenes Blattes finden sich auch promi- ster Tschi!sche!im 6o ber russisch- Außenmini.

Der sozialistisch" Abgeordnete Ebastanet, der die Interpellation in der Kammer gegen die „Ga.zette

du Franc" einbrachte, hat in einem Briefe an Poincare auf dessen Wunsch, die weiteren Namen zu nennen, die, wie er angekündigt hätte, noch be­lastet seien, den früheren französischen Botschafter in Berlin, Jean Hennessy genannt, der als Besitzer des „Oeuvre" seinen Finanzteil an ein Unterneh­men der Madame Hanau verkauft habe. Ferner Henry Pate, den Unterstaatssekretär für Leibes­übungen. Der Skandal hat also einen großen Um­fang angenommen und vor allem durch die Klotz- Affäre eine besondere Note bekommen. Poincar«, der persönlich als ganz unantastbar gilt, wird große Arbeit haben, um den Augiasstall dieser Korruption zu säubern, wenn der Glanz der fran­zösischen Republik fleckenlos bleiben soll.

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wtb. Paris, 14. Dez. (Eig. Funkm.). Im Laufe der Beratung des Budgets hat die Kammer einen Artikel angenommen, der festsetzt, daß van der Verkündung des Gesetzes an jeder Parla­mentarier, der nach seiner Wahl ein Amt als Direktor, Verwalter oder Geschäftsführer eines In­dustrie-, Handels- oder Finanzunternehmens oder als Direktor ober Redakteur einer Finanzzeitung annimmt, feine Demission geben muß. Der Parlamentarier, der zurücktritt, ist jedoch wieder wählbar.

Die Dreier-Vesprechung.

Aus Lugano wird gemeldet: Im Anschluß an das Ratsfrühstück, zu dem Vriand in seiner Ei­genschaft als Ratspräsident seine Kollegen einge­laden hatte, fand sich Donnerstagnachmittag Gele­genheit zu einer gemeinsamen Besprechung zwi­schen Briand, Chamberlain und Dr. Stresemann. Gegenstand der Unterhaltung, die etwa Wi Stun­den dauerte und eine Fortsetzung der bisherigen Besprechungen war, sind nach wie vor das deutsch-französische Verhältnis 'und die Genfer Beschlüsse. Die Besprechungen werden fortgesetzt.

Ein französischer Korrespondent des Daily Te­legraph meldet aus Lugano: Während der zwei­stündigen Besprechung zwischen Briand und Stresemann hat ber französische Außenmini­ster ein wichtiges Zugestänbnis gemacht, bas dahrn- geht, daß bie Verhandlungen wegen der Räumung des Rheinlandes gleichzeitig mit den Repa­rationsbesprechungen geführt werden sollen. Das bedeutet, daß, wenn einmal die Anempfehlungen der Finanzsachverständigen zu der notwendigen Vereinbarung zwischen den Regierungen geführt haben, Frankreich nicht darauf bestehen wird, daß die deutsche Schuld fundiert wird, bevor es seine Truppen zurückzieht.

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lieber die Unterredung zwischen Dr. Strese­mann, Briand und Chamberlain ver­breitet Havas einen Bericht aus Lugano, in dem es heißt, Briand, Chamberlain und Stresemann hätten sich über die aktuellen Probleme unterhal­ten und einen Meinungsaustausch über bie Beo­bachtungen unb Feststellungen gepflogen, b!e jeder von ihnen im Laufe ber früheren Unterredungen gemacht ha^e. Sie hätten besonders die Glückliche Wirkung Z< möglichst häufigen persönlichen Fühlungnahme zwischen den Leitern der Außenpo­litik der Großmächte festgestellt, die durch so viele und so große Interessen'mit einander verbunden seien. Einmütig seien sie der Ansicht gewesen, daß es im Interesse aller notwendig sei, bie Verwirk­

lichung bes burch die Resolution vom 16. Septem­ber festgesetzten Programms fortzusetzen.

Dieses Programm müsse, wenn es mit gutem Willen und Beharrlichkeit ausgeführt werbe, zu ei­ner endgültigen Liquidierung des Krieges führen. Was das Abrüstungsproblem anlange, scheine es bet der Unterredung nicht Ge­genstand einer besonderen Debatte gewesen zu fein. Bereits 'eßt trete es klar z" Taa- ^ast cte V >r- bereitenbe Abrüstungskommission nicht einberufen werden könne, bevor bie neue Regierung ber Ver­einigten Staaten im Monat März bie Leitung her Geschäfte übernommen habe.

Die Arbeiten des Völkerbundsrates.

Der Völkerbunbsrat in Lugano be­schloß, ein Iuristenkomiiee mit ber Prüfung »iner eventuellen Revision einzelner Bestimmungen bes Statutes des internationalen Haager Ge- ri ch t s h o f e s zu beauftragen unb dem Anträge der Internationalen Union katholischer Frauenverbände auf Vertretung in dem Völkerbundsausschuß für Kinderschuh sta11zuae- b en. Bei ber Behandlung des Tätigkeitsberich­tes des Wirtschaftskomitees, der sich mit ber Frage der Erweiterung einer Kollektivaktion zur Herab­setzung der Zölle unb mit den entsprechenden Vor­arbeiten für Aluminium, Zement, Kohle unb Zul­ker befaßt, gab Dr. Stresemann die Erklärung ab, daß dem Deutschen Reichstage gegenwärtig der Entwurf eines Gesetzes über die Ausführung der Empfehlungen der Weltwirtschaftskonferenz zur Beschlußfassung vorliege, durch den neben ber Her­absetzung zahlreicher Positionen bes deutschen Zoll­tarifs auch die Ratifikation der Abkommen über die Aufhebung der Ein- und Ausfuhrverbote und -beschränkungen sowie über die Ausfuhr von Häu­ten und Knochen durch Deutschland herbei geführt werden soll. Er freue sich, feststellen zu können, baß Deutschland diesen Wünschen des Wirtschafte,kv- mitees bereits Rechnung getragen habe.

In der anschließ-mben vertraulichen ^Sitzung wurden die fünf Mitglieder der Saar- Regierungskommis sivn für ein weiteres Jahr in ihren Aemtern bestätigt, desgleichen die Präsidenten ber Investigationsausscküsse für Deutschlanb, Oesterreich, Ungarn unb Bulgarien. Den Vorsitz im Inoestigationsausschuß für Denstch- land wird somit auch im kommenden Jahr» der französische General Baratier führen. Di- nächste Sitzung findet Freitag vormittag statt.

vor dem Schiedsspruch.

Laut „B. T." erklärte Reichsminister Severing in einer Unterredung, daß di- jetzigen Besprech­ungen in Düsseldorf hauptsächlich informa­torischen Charakter hätten, um die eing-reich- ten brieflichen Unterlagen beider Parteien burch eine mündliche Aussprache zu ergänzen. Nach ber jetzigen Sachlage werde unter allen Umständen ein Schiedsspruch gefällt werden; Entscheidungen wer­den jedoch nicht in Düsseldorf, fonbern in Berlin erfolgen. Severing gedenkt am Samstag wieder zurückzureisen. Zu den Besprechungen teiü das Blatt mit, daß im Gegensatz zu den früheren Ver­handlungen diesmal die Frage des Ardeits- zeitabkornmens, das von den Arbeitgebern bekanntlich gekündigt worden ist, in die Erör­terung einbezogen würbe. Am Freitag morgen wirb ber Minister eine Reihe von Werken besich­tigen. Infolgedessen find die Besprechungen mit den Vertretern ber Arbeitgeber auf Samstag vor­mittag verschoben worden.

wird uns von einer besonderen Wiener Seite noch I den großdeutschen Kandidaten zu veranlassen, das geschrieben: märe Politik gewesen, die diesen Ehrennamen ver-

Be« der Wahl des Abg. M i k l a s zum öster- reichffchen Bundespräsidenten handelt es sich um einen geradezu durchschlagenden Erfolg der Politik Seipels.

Daß ihm hierzu — nebst eigener Nervenlosigkeit unb Festigkeit — das Ungeschick der Großdeut­schen verhalfen hat, sei besonders unterstrichen. Diese Partei leidet an ber absolut tödlichen Krank­heit, alles so anzupacken, daß es schief gehen muß. Im Falle der Bundespräfidentenwahl bekannten sich die Großdeutschen zu einem „nicht-polnischen" Kandidaten, wobei sie vollständig mit den Sozial­demokraten hermonieren, und zwar in dem Begriff „kein Kleriker". Hätten die Eroßdeutschen im Wahlgang einen ihrer zahlreichen Universitäts- Professoren ausgestellt, so wäre der Fall für Kanz­ler Seipel zweifellos schwierig geworden, es hät­ten sofort Kompromißverhandlungen einsetzen müs- s en, die durch die kurze Spanne der zur Verfügung stehenden Zeit einem großdeutschen Verhandlungs­geschick Tür und Tor geöffnet hätten Hätte die chriftlichsoz'ale Partei hierbei nicht Nachgiebigkeit geübt, so wäre es zweifellos gewesen, daß im zwei­ten Wahlgang ber großdeutsche Kandidat mit den Stimmen der Sozialdemokraten gewählt worden märe. Danach hätten die Eroßdeutschen in voller Ruhe auf bie Tatsache Hinweisen können, daß sie und de- S-mtbunb bas „Zünglein an der Wage" geworden wären Hätten die Großdeutschen am Ende gar einen Kandidaten aufgestellt, der nicht anti-klerikal, fonbern kulturpolitisch-neu­tral gewesen wäre, hätten sich die Großdeutschen vor allem von ihrem Proarammpunkt leiten as­sen, der der Partei den Namen gibt, so hätten sie irgend einen anschlußvorkämpfenden Professor leicht an die Staatsspitze bringen können, ber viel­leicht — als Unikum des österreichischen Parlamen­tarismus — von allen drei Parteien gewählt worden wäre. Darauf hinzuzielen, ohne baß die Sozialdemokraten .von diesem Kompromiß etwas wußten und sie daher zur Abgabe der Stimme für

dient.

Statt dessen stellten sie den gewiß hervorragen­den, aber als Bundespräsidenten infolge der sozia- listifchen Pressehetze (15. Juli) zur Zeit unmög­lichen Polizeipräsidenten Schober auf verstimm­ten dadurch die Christlichsozialen, (well sie eben eine Sonderkandidatur aufstellten und an dieser noch dazu in den weiteren Wahlgängen festhiel- ten), stießen die Sozialdemokraten ungeheuerlich vor den Kopf, wodurch fit ihnen für den Umfall geradezu die Plattform bildeten; und bei einer loh chen Politik wundert man sich, baß die Partei alle Prämissen in sich birgt, zwischen den Mühlsteinen ber beiben großen Parteien zerrieben zu werden.

Die Folgen zeigen sich bereits jetzt: Um die Christlichsozialen wieder zu versöhnen, nehmen die sich als Beamtenvertreter gebenden Großbeutschen in der eben aktuellen Frage bes Weihnachtszuschus­ses eine umsallenbe Haltung ein (welche Frage be­kanntlich zu passiver Resistenz der Postbediensteten führte), bieten so der sozialdemokratischen Propa- ■mba Tür unb Tor, und begeben sich ihrer Mitt­lerstellung zwischen ben Ansichten bes Finanzmini­sters und der fordernden Beamtenschaft plus Pen­sionisten. Dadurch verlieren sie nicht nur für sich, sondern auch für den bürgerlichen Gedanken an Wählern. 'Schlechter als die Großbeutschen ist wohl kaum jemals eine Partei geführt worden. Kanzler Seipel hat mit Recht nach dem ersten Wahlgang gelächelt; denn daß seine außerordent­liche Ueberlegenbeit auch noch burch so schwere Feh­ler der aufmuckenden Koalitionsgenofsen bestärkt wurde, bildet wirklich einen seltenen Fall politi­schen Glücks.

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Aus Wien wirb uns genießet: Der Natio­nalrat wählte zum Nachfolger des nunmehrigen Bundesvräsidenten Mlllas ben christlich-sozialen Abgeordneten Professor Alfred Guertler mit den Stimmen aller Parteien zum Präsidenten des Nationalrates.

Dem zneden!

Eine Erklärung der katholischen Arbeiter zum Fall Stegerwald.

Der Verbandsausschuß der katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands veröffentlicht eine Erklärung wonach er sich in ei­ner außerordentlichen Sitzung Bericht über den Köl­ner Zentrumsparteitag hat abstatten lassen. Er habe auch die Vorgänge zur Erörterung gestellt, die sich bei der W a h l d e s P a r t e i v o r s i tz e nb e n ergaben. In der Erklärung, die eine ei n b e u • tige Ablehnung bes Vorgehens Ste­ge r ro a l b s darstellt, heißt es:

Der Verbandsausschuß stellt einmütig fest, daß die­ser Kölner Parteitag rote kein anderer den Willen der Wählerschaft im Lande zur Geltung kommen üeß und daß die Entschlossenheit, die er bekundete, dem Zusam­menhalt der Partei dienlich fein wird. Die Gesamtein­stellung des Parteitages war durchaus sozial-fortschritt­lich. Der Verbandsaüsschuß hält darum öffentliche Er­örterungen, die geeignet sein könnten, die Freude der Arbeiterschaft, an der Mitarbeit am Parteileben zu hem­men, für unangebracht. Die Stärkung des Einsluues der dem Zentrumsgedanken innerlich verbundenen ka­tholischen OM.eifr.-'-'-r* ' .. ° ft für

uns ein selbstverständliches Ziel. Zu seiner Erreichung dürfen aber keine Mittel angeroendet werden, die die Bestrebungen der christlichen Arbeiterschaft Mißdeutun­gen aussetzen und in letzter Linie ihre Stellung in der Partei schwächen. Aus diesen Gründen beschließt her Verbandsausschuß: „Die Vertreter der katholischen Ar­beitervereine Westdeutschlands werden sich an der vom Kölner Landessekretür der christlichen Gewerkschaften einberufenen Kundgebung von Zentrumswählern in Es­sen nicht beteiligen."

Dieser Erklärung schließt sich im Namen bes Katholischen Gesellenvereins ber Ver­treter bes Katholischen Gesellenvereins im Vor- stanbe der Arbeitsgemeinschaft ber Arbeiterzen- trumswähler Rheinlanbs, ber öerbanbsfefretär Anglist Winkler, an. Für ben Katholischen Iungmännerverdanb erklären sich dessen Vertreter ebenfalls aus grunbsätzlichen Erwägun­gen mit ber obigen Kundgebung solidarisch.

Luthers Nachfolger.

Dr. Georg Sotmßen.

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der Geschäftsinhaber ber Diskonto-Gesellfchaft, einer ber führenden Großbankiers, ist von ber preußi­schen Staatsregierung für bie durch ben Rücktritt des Reichskanzlers a. D. Dr. Luther freigeworbene Stelle im Verwaltungsrat ber Reichs­bahn bestimmt worben. Hierdurch findet der zwifchen der Reichsregierung und dem Preußen- fatunett vor zwei Jahren entbrannte, bis zum Staatsgerichtshof verfolgte Streit über bie Be­setzung bes wichtigen Postens feine endgültige Er­ledigung. Zur Wahl Dr. Solmßens hat bie Reichsregierung umso eher ihre Zustimmung ge­geben, als es im Interesse des ganzen Volkes ist, anläßlich ber nächsten Reparationsverhandlungen einen einen großen Bankfachmann in der Leitung ber Reichsbahn zu haben.

Aus den Parlamenten.

Aus dem Reichstag.

Im Reichstage kam am Donnerstag die Weihnachts- stnnmung zum Ausdruck. Nicht nur die Ausschüsse, son- dern auch das Plenum suchte aufzuarbeiten, was irgend zu schaffen war.

In rascher Folge erledigte das Haus die Anträge zur Notlage der Winzer, die Anträge zuin Grunder­werbssteuergesetz, wedel beschlossen wurde, daß die Son- dersteuer auf Fideikommisse und andere Grundstücke.der sogenannten Toten Hand vorläufig nicht er« hoben wird. Die dritte Novelle zur Unfallversicke- rung konnte am Donnerstag ebenf-Ils endlich verab. schiedet werden. Dabei stritt man sich noch einmal un bie Versicherung^ des kaufmännischen Personals bei Fabrikbetriebe. Schließlich wurde ein Kompromißantrac angenommen, nach welchem die Kaufleute nur dann versicherungspflichtig sind, wenn die Vcrwaltungsabtei- lung in einem mit dem Zweck des Betriebes in Zu­sammenhang stehenden örtlichen Verhältnis steht.

Das neue Gesetz über die Sonderfürsorge bet berufsüblicher Arbeitslosigkeit konnte da- e noch nicht verabschiedet werden. In später Abend- wurden die Wstimmungen darüber auf Freitag vertagt. An diesem Tage soll mich die Beratung des Schankstättengesetzes und einer großen Anzahl inter- nationaler Verträge sowie anderer kleiner Vorlagen erfolgen.

Für Samstag hatte der Aeltestenrat noch die Er- ledigung des Nachtragsetats in Aussicht genommen. Im Laufe des Donnerstag kam es jedoch noch nicht zu einer Einigung der Parteien über diese Vorlagen, so daß ihre Verabschiedung noch vor der Weihnachts- pause wieder ftaglich geworden ist.

Preußischer Landtag.

Im preußischen Landtag begann am Donnerstag die allaemeine Aussprache zum Etat. Der Sozialdemokrat