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M 285.

Mittwoch, den IS. Dezember 1928.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda

Gefährliche Kriegöftimmung in Bolivien

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* Gerüsteinsturz an einer Sieg-Brücke. Wie Wolffs Westdeutscher Provinzdienst meldet, stürzte an der im Bau befindlichen Sieg-Brücke bei

Bauernschaft zu gewinnen, bekanntlich mit der Lo­sung der „Arbeiter- und Dauernregierung" an die Oeffentlichkeit, ein Schlagwort, das auch seither immer wieder in der kommunistischen Propaganda zu hören war.

Wollen nun die Kommunisten, wie man aus dem Worte Arbeiterregierung schließen muß, der Bauern­schaft maßgebenden Einfluß in einer von ihnen er­richteten Arbeiterregierung gewähren? Die Frage stellen heißt sie verneinen. Die Leitung der kom­munistischen Partei Deutschlands war sich im Jahre 1923 darüber vollkommen klar, daß die Losung

„Das geht nicht so ohne weiteres. Nicht einmal die Polizei hat das Recht, mir nichts, dir nichts in ein Haus einzudringen," klang es bedächtig zurück.

„Das weiß ich, Gendarm, das weiß ich," entgegnete der Baron ruhig. „Aber wir haben jetzt keine Zeit mehr, um allerlei sonst ganz berechtigte Bedenken in Erwägung zu ziehen. Ich glaube, wir müssen uns rasch entschlie­ßen und ins Haus eindringen, denn wer weiß, ob wir nicht zu spät kommen, wenn wir umkehren und erst noch die Polizei verständigen?"

Der Gendarm schien indes noch nicht überzeugt zu sein.

»Ich bin ein Mann des Gesetzes," sagte er. ,Lch setze mich nicht so leicht in ein Wespennest. Ich habe aus der Geschichte mit der Verhaftung, über die Sie so ungehal­ten waren, gelernt. Ich will damit nichts zu schaffen haben."

Der Baron stieß einen kräftigen Fluch aus.

„Sie sind viel zu vorsichtig, Sie . . ."

Er vollendete jedoch den Satz nicht, denn Franz van Beekum unterbrach ihn:

„Schauen Sie," sagte er leise, „was ist das dort?"

Und er zeigte in die Richtung wo das Bauernhaus lag.

Die Tür desselben war aufgegangen, und in der Oeffnung war ein Mann erschienen, dessen Gestalt sich im Mondlicht scharf von dem dunklen Hintergrund ab­hob.

„He!" rief der Baron aus, und aus dem Ton feiner Stimme sprach ehrlichste Ueberraschung.

Das war kein Wunder. Der Mann unter der Tür konnte niemand anders sein, als sein leibhaftiger Dop­pelgänger. Das sah er selbst auf den ersten Blick, und die andern sahen es gleichfalls. Er hatte die gleiche Ge­stalt, die gleiche Haltung, trug den selben Hut und An­zug, wie der Baron sie zu tragen pflegte. Und deutlich hörten die drei durch die Stille der Nacht die Stimme eines Mannes, der hinter dem vermeintlichen Schloß- Herrn aus der Türe trat:

„Morgen also, Herr Baron. Ich werde dafür sorgen, daß alles genau geschieht, wie Herr Baron angeordnet haben."

„Zum Teufel, was bedeutet das?" sprach Baron von Weitenfeld leike.

wollte sich denn auch widersetzen. In diesem Augenblick aber blieb der andere aufmerksam lauschend stehen und zog ihn zur Seite.

„Ins Gebüsch!" flüsterte er, „da kommt jemand."

Roger gehorchte, und beide versteckten sich am Weg­rand. In der Tat hörte man von ferne Schritte, in schon ein paar Augenblicke später tarnen aus einem Dickicht drei Personen zum Vorschein, die leise mitein­ander sprachen. Die Lauscher verstanden die Worte erst, als die Sprechenden dicht an ihnen vorüberkamen. Aber weit mehr als über das Gespräch wunderten sie sich über das, was sie sahen. Durch das nächtliche Dunkel schritten nebeneinander der Baron von Weitenfeld, Franz van Beekum und der . . . Gendarm.

„Großer Himmel!" dachte Roger, „wie kommen die drei"zusammen, Was können die da wollen?"

Die gleiche Frage stellte sich auch sein Begleiter, denn dieser hatte ebensowenig Ahnung, was das bedeuten konnte. Den Baron hatte er erwartet. Hätte sich Franz allein in dessen Gesellschaft befunden, so wäre er wohl zu dem Schlüsse gelangt, daß zwischen den beiden ein gewisses Einverständnis in den verbrecherischen Maß­nahmen bestehe. Aber der Gendarm . . . Was tat der dabei? Es war doch eine närrische Annahme, daß dieser zur Verschwörung gehörte.

Der Rechtsanwalt hatte das Gefühl, daß das ganze Drama zu einer Posse ausartete. Aber natürlich war er ganz Ohr, um zu erlauschen, was die drei miteinander sprachen. Zufällig blieben sie gerade vor dem Gebüsch stehen, in dem ihre Widersacher sich verborgen hielten.

Der Baron zeigte auf ein Bauernhaus, das etwa fünfzig Meier von 'ihnen entfernt lag.

"Da ist es," sagte er.

»Sie meinen, daß er dort festgehalten wird?" hörte Roger feinen Freund Franz fragen. „Das ist doch nicht möglich?"

»Ich bin trotzdem überzeugt, daß es so ist."

..Aber weshalb denn?"

„Das werden wir hören, wenn wir den Mann befreit haben, denke ich."

„Wie werden, wir das machen?" fragte ber Gendarm Zum Baron gewendet.

„Wir bringen ins Haus ein."

Heile und Wanderung.

— Siesta-Reisekissen. Der „Siesta"-Gesellschast zur Reiseerleichterung G. m. b. H. Berlin) ist von ber Reichsbahn vertraglich das alleinige Recht eingeräumt worden, auf den Strecken der Deutschen Reichsbahn an die Reisenden der Schnell-, Eil- und Personenzüge Rei- sekisien zum Gebrauch währet der Fahrt zu vermie­ten. Die von ber Siesta vorgehaltenen Killen fiiib mit weißem Leinen überzogen und haben eine Schlinge zum Aufhängen. Sie werben gegen die Gebühr von 1 Mark verliehen. Die Kissen werben in einem versiegelten Pa­pierumschlag geliefert, woburch gewährleistet wird, daß sie frisch und unbenutzt sind. Die Kissen können als Sitz und als Rückenkissen benutzt werden.

Technik und verkehr.

— Sechzig Jahre Frankfurt—Bebra—Berlin. Vor­sechzig Jahren wurde die für den internationalen und großen deutschen Verkehr wichtige Eisenbahnstrecke Frankfurt—Bebra—Berlin eröffnet. Damit erhielt auch Süddeutschland seine erste Verbindung mit ber Reicks-

Der Gendarm schien große Lust zu haben, an eine Geistererscheinung zu glauben, und hätte am liebsten das Hasenpanier ergriffen, wenn er sich nicht vor den andern hätte schämen müssen. . .

Roger und sein Gefährte hatten sich aus der geduckten Stellung erhoben und standen nun fast unmittelbar hin­ter den dreien. Sie hatten nicht so genau wie diese ge­sehen, was sich zugetragen hatte, aber als die Stimme an ihr Ohr klang, waren sie hervorgetreten, um näher zuzusehen.

Der seltsame Baron, der aus dem Bauernhause tarn, schien gar nicht zu erschrecken, als er bemerkte, daß Leute auf dem Wege waren. Er kam näher, und waren die anderen auch nicht im Licht gestanden wie er, er mußte sie doch bemerkt haben, denn er ging geraden Wegs auf sie zu. In diesem Augenblick trat auch Baron von Wei- tenfelb einen Schritt vor in den vollen Mondschein, und die beiden Doppelgänger standen einander gegenüber. Es herrschte Totenstille im ganzen Kreis.

11.

Arthur Roger hielt den Atem an, und den anderen gings nicht besser. Erstaunen, ja Schrecken hatte sie er- faßt. Was ging da vor? Keiner fand sich zurecht. Da stand vor ihnen bet Baron von Weitenfeld unb ein zwei- ter, ber ihm glich, wie ein Wassertropfen bem andern, ihm buchstäblich zum Verwechseln ähnlich war.

Einer mußte ein Betrüger fein, denn den Mann, der aus dem Haus getreten, hatten Sie Herrn Baron nennen Ijören, während Baron von Weitenfeld in Begleitung bes jungen van Beekum unb bes Gendarms an ihnen vor­beigekommen war. Die beiden wußten denn auch, daß jener ein Betrüger war, wenngleich der Gendarm noch immer dazu neigte, an eine Geistererfcheinung zu glau­ben. Ader auch ber Rechtsanwalt zweifelte nicht baran, daß der echte Baron sich auf dem Wege befand, wäh­rend er sich über die Erscheinung des Doppelgängers seine eigenen Gedanken machte. Er wußte, wie vortresf- lich sich sein Freund, der Detektiv, auf die Kunst ver­stand, in eines anderen Gestalt zu erscheinen, und wenn er auch nicht verstand, wie er diesmal die Möglichkeit dazu gefunden, glaubte er doch nicht anders, als daß Rofch sich als Baron verkleidet habe unb auf biefe Weife aus feiner Gefangenschaft entronnen sei .

(Fortsetzung folgt.)

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Hat wohl Bebra den gewaltigsten Aufschwung , men. Einst war Bebra ein unscheinbares und unbsdew

* Keine Politisierung des Rundfunks.

„B. T." hat das Reichspostministerium den Gte» danken, den Rundfunk den politischen Par­teien zur Verfügung zu stellen, auf gegeben. Indes soll im Rahmen des Vortragszyklus „Ge­danken zur Zeit" eine Aktualisierung des Rund­funks in der Weife erfolgen, daß von Anfang näch­sten Jahres an Tagesfragen jeder Art in kontradik- torischer Weise von Anhängern verschiedener gei­stiger Richtungen zum Gegenstand von Vorträgen oder Aussprachen gemacht werden.

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La Paz. die Hauptstadt von Bolivien.

zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt wurde, wies darauf hin, daß seit dem Weltkriege bei allen Völkern der Wunsch immer stärker werde, den Krieg als Werkzeug der nationalen Poliftk auszuschallen, ihn zum Verbrechen zu stempeln und an seine Stelle das Verfahren der schiedsrichterlichen Aus­tragung aller Streitigkeiten zu setzen.

Die Konferenz beschloß alsbald nach Erledi­gung der Eröffnungszeremonien die Einsetzung eines Komitees zur Beratung über die Schritte, die zur beschleunigten Beilegung der Diffe» renzen zwischen Bolivien und Para­guay getan werden können. Der Beschluß er­folgte einstimmig unter ausdrücklicher Zustimmung der Delegationen Boliviens und Paraguays Die Konferenz übertrug ebenfalls einstimmig Staats­sekretär Kellogg die Ernennung und Einberufung des Komitees, das bereits am Nachmittag feine Be­ratungen begonnen hat.

Präsident Sites (Bolivien).

Zehntausende von Bolivianern haben sich Sonn­tag nachts vor dem Palast des Präsidenten Siles in La Paz versammelt und Kundgebungen für eine Kriegserklärung gegen Paraguay veranstaltet. Siles und der Parlamentspräsident Ramon haben Reden an das Volk gehalten und „die Befreiung bolivianischer Gebiete von der para- guanischen Herrschaft" in Aussicht gestellt. Bolivien hat auf einem doppelt so großen Gebiet, wie Deutschland drei Millionen Einwohner. Paraguay ist nur halb so groß wie das Deutsche Reich und hat fast eine Million Einwohner.

*

Aus La Paz wird gemeldet: Der Bruch zwi­schen Paraguay und Bolivien ist endgültig. Der Gesandte Boliviens in Paraguay hat seine P ä s fe erhalten. Es wurde ihm eine Note überreicht, in der die Regierung von Paraguay jede Verant­wortung für den Zwischenfall ablehnt.

Die mexikanische Gesandtschaft in Montevideo hat eine Nachricht erhalten, derzufolge in dem Scharmützel an der Grenze Paraguays und Boli­viens am 6. Dezember auf beiden Seiten 80 Soldaten gefallen find.

Die panamerikanische Konferenz.

Bei der Eröffnung der Panamerikanischen Kon­ferenz zur Schaffung einer Schiedsgerichts- und Vergleichskonvention die in Washington stattfand, hielt C o o l i d g e eine Ansprache, in der er be­tonte, daß die lateinamerikanischen Staaten stets das Bestreben gezeigt hätten, alle auftauchenden Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten auf gütlichem Wege beizulegen. Kellogg, der hierauf

Schillervorst.

Sine geheimnisvolle Geschichte von Wilhelm Holt.

33] --

Der Rechtsanwalt sah seinen Begleiter von der Seite an. Die Sache kam ihm sehr phantastisch Dor ^er Mann, ber seinen Plan ba entwickelte, schien ihm nicht ganz richtig im Kopfe zu sein. Roger war nun einmal nicht abenteuerlich veranlagt, unb es begann ihn zu reuen, daß er mit bem Fremben gegangen war. Wenn er es mit einem Narren zu tun hatte, ber an Verfolgungs­wahn litt . . . Es war alles so merkwürdig, f0 Der, wickelt, eine hübsche Sache für einen Detektivroman. Aber es war etwas andres, eine solche Geschichte mit Spannung zu lesen, als selbst biefer Chamois es dar­stellte? Wenn die Entführung bes Detektivs und f0 manches andere noch bloß im kranken Gehirn dieses unheimlichen Menschen bestand? War er, Arthur Roger, der angesehene Rechtsanwalt, ber berühmte Mann, das geschätzte Mitglied seiner Stanbesoereinigung, nicht im Begriff, sich unsterblich lächerlich zu machen? Oder noch schümmer: Lief er nicht Gefahr, sich ber Gewalttätigkeit und Einschränkung ber persönlichen Freiheit wenigstens "ürichuldig zu machen?

.Aber ein Zurück gab es jetzt nicht mehr, und auf *e en Fall stand es ihm ja frei, gleichfalls den Urnstän- ven entsprechend zu handeln, wie es Chamois von sich behauptet hptte. Trotzdem erwiderte er:

:,a)er Plan, den Sie sich da zurechtgelegt haben, er­scheint mir aber sehr merkwürdig und nicht ungefährlich. Haben wir e5 wirklich mit solchen Schurken zu tun, wie 6ie °"^"Ehmen scheinen, so dürste es vollkommen un­angebracht sein, sich in bie Hghle des Löwen zu be­geben.

„O, ich habe mir alles wohl überlegt," verteidigte sich ber anbere. „Manche Umstände machen auch den Plan gar nicht so undurchführbar, wie Sie alauben. Aber Sie werden schon sehen." 9

Roger befriedigte bie Antwort nur halb. Gerabe bas gab ihm zu benten, daß der andere mit seinen Plänen nicht recht herausrückte. Am Ende schleifte er ihn doch mit zu Abenteuern, bie nicht zu bestehen waren. Er

„Arbeiter- und Dauernregierung" nur propagan­distischen Wert hatte und die für das Programm und die Taktik der Kommunisten maßgebende Stelle, der Weltkongreß der kommunistischen Internatio­nale, hat sich im Sommer 1924 unzweideutig da­hin entschieden, daß „die Losung der Arbeiter- und Bauernregierung für die kommunistische Inter­nationale, in die Sprache der Revolution, in die Sprache der Volksmassen übersetzt, die Losung der Diktatur des Proletariats fei", und daß „die Löh­süng nur die beste Formel sei, um sich den Zu­tritt zu den Massen zu verschaffen.

Friedrich-Wilhelms-Hütte in der Nähe von Men­den das Gerüst des Strombogens aus unbekann­ter Ursache ein. Die zur Zeit des Unglücks dort beschäftigten Arbeiter konnten sich bis auf einen, der vermißt wird, retten. Von den Geretteten find einige unerheblich verletzt.

* Die Rache einer verschmähten. Vor einem Jahr lernte eine gewisse Alma Ulrich aus Berlin in Koblenz auf der Straße den Studienassessor Becker aus Boppard kennen und schloß mit ihm ein Freundschaftsverhältnis. Becker besuchte das Mädchen öfter, unterstützte es mit Geld und soll ihm auch die Heirat versprochen haben. Die Ulrich erzählte ihrem Freunde, daß sie eine ver­armte Adlige aus Rußland sei, merkte aber bald, daß er belogen wurde und löste das Verhältnis zu dem Mädchen, das nun dem Assessor mit Selbst­mord drohte. Als der Mann jede weitere Verbin­dung ablehnts, fuhr die Ulrich eines Tages nach Boppard und sckwß Becker nieder, der nach einigen Tagen an den Folgen der Schußverletzungen ver­starb. Das Koblenzer Schwurgericht verurteilte jetzt die Ulrich wegen Totschlags zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Die An­geklagte hörte das Urteil mit großer Seelenruhe an. ______________

Bauer und Kommunismus.

Der internationale Kommunismus hat längst elngesehen, daß die seinen Ideen natürlich wenig rugängliche Bauernschaft ein starkes Hindernis für die Errichtung der Diktatur des Proletariats sein muß. Die Erfahrungen, die man im revolutionären Rußland mit der Bauernschaft gemacht hat, schrecken.

War es dort zunächst gelungen, die Bauernschaft durch Befriedigung ihres Bodenhungers zu be­ruhigen und in den Revolutionskämpfen so zu neutralisieren, daß sie der Errichtung der Dik­tatur der Arbeiter zunächst keinen Widerstand ent­gegensetzt«, so erwachte doch mit dem 2tbbau_ des Kriegskommunismus der bäuerliche Widerstand gegen das chm feindliche politische und wirtschaft­liche System der Arbeiterdiktatur. Die kommu­nistische Partei Rußlands, und die Sowjetregle- rung sahen sich danach trotz ihrer unbestreitbaren politischen Macht im Interesse der russischen Wirt­schaft genötigt, dm Bauem wenigstens auf wirt­schaftlichem Gebiet in manchen Dingen entgegen zukommen.

Es ist ein zäher Kampf, der sich in Rußland zwischen dem Sowjetsystem und der Bauernschaft seit Jahren abspielt, und es ist durchaus nicht un­möglich, daß die Weiterentwicklung dieses Kampfes eines Tages dem Bolschewismus das Ende be- reitm wird.

Aus dieser russischen Entwicklung hat der Kom­munismus auch für diejenigen Länder Lehren ge­zogen, die nicht in dem starken Maße Agrarstaaten sind, wie das zu fast 95 Prozent bäuerliche Ruß­land, worüber die auf einer ungleich höheren gei­stigen und wirtschaftlichen Stufe stehende Bauern­schaft aus diesem Grunde einen viel stärkeren Gegner darstellt.

Die Versuche in den außerrussischen Ländern Europas, insbesondere in Deuffchland, nennens­werte Teile der Bauernschaft in die kommunistischen Parteien hineinzuziehen und zur aktiven Mitarbeit am Umsturz zu gewinnen, sind überall gescheitert, aus dem einfachen Grunde, weil kein an seinem Besitze hängender Bauer es sich einfallen lassen wird, eine Partei zu unterstützen, die sich seine politische und wirtschaftliche Vernichtung zur Haupt­aufgabe gemacht hat.

Die Kommunisten haben sich daher darauf be­schränkt, die in der Bauernschaft herrschende Ab­neigung gegen die kommunistischen Bestrebungen wenigstms so weit zu überwinden, daß die Bauern­schaft den kommunistischen Umsturzbestrebungen nicht direkt entgegentritt. Diesem Bestreben bienen in Deuffchland eine Reihe unter kommunistischen Eiu- ftuß gegründeter Bauernorganffationen, die, ohne ein parteikommunistisches Gesicht zu zeigen, doch im Sinne der kommunistischen Bestrebungen arbeiten. In ihnen wird unter geschickter Ausnützung der vor­handenen wirtschaftlichen Unzufriedenheit von kom­munistischen Agitatoren der Haß gegen Staat und Ordnung geschürt; man spielt dabei einen Volks- teil gegen den andern aus, konstruiert willkürlich Gegensätze zwischen Großbesitz und Kleinbesitz und verspricht den Kleinbauern und Pächtern bei einer Aenderung der politischen Verhältnisse durch die Kommunisten allerhand Vorteile auf Kosten des Großgrundbesitzes.

In der schweren Zeft des Jahres 1923 als die deutschen Kommunisten glaubten, durch einen Auf­stand die Macht in Deutschland an sich reißen zu können, traten sie, um für ihre Aktion auch die

Wie w rd das Wetter?

Einem gleichmäßigen Luftbruckanstieg über Nord- europa steht weiterhin Luftdruckfall über Mittel- unb Sübeuropa gegenüber. Der Schwerpunkt ber zyklonalen Tätigkeit verlagert sich daher mehr unb mehr nach Süb­europa. Mitteleuropa bleibt somit im Bereich ber von Osten zuströmenben kontinentalen abgefühlten Lust. Mit bem Wirksamwerden westlicher unb südlicher Störungen werben bei weiterem langsamen Temperaturrückgang bald Schneefälle eintreten.

Witterungsaussichten für Mittwoch: Zeitweise Schneefälle, kälter, östliche Winbe.

Schriftleiter: Dr. phlL Johannes Kramer Verantwortlich für Politik unb Heimatliches Dr. Kramer, für den Roman und die „Buchenblätter" Anton W e ß l e r. für den übrigen Text unb bie Unterhaltungs­beilage Dr. rer. pol. Karl 21 u ft ermann, alle in Fulba. Verantwortlich für bie Anzeigen: Direktor ber Fuldaer Actiendruckerei I P a r z e 11»r.

Geor$ Ruppel, FuldaKa“

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