Fuldaer Zeitung
JV» 285.
Sonntag, den S. Dezember 1928.
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Acliendruckerei, Fulda
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MM Otto ÄWM
Fuldaer flctiendrutkerel, Fulda
HESSE
t ng: i. 53.:
nung für das Völkerbundproblem knüpfte in der Haupfache an die Namen Grey und Wilfon an Deren Planzeichnungen für den Völkerbund stimm- ten darin überein, daß im Rahmen des den W-.t- krieg beendenden Weltfriedens eine Weltorganisation geschaffen werden müsse, in der alle Staaten gleichberechtigt in regelmäßigen Konferenzen unter geschäftlicher Führung eines Generalsekretariaies zur Sicherung des Friedens und zu kultureller „Cooperation" zusammenwirken sollten. Ausdrücklich wurde dieser Organisation die Forderung fortschreitender Entwicklung ihrer Verfassung und ihrer Tätigkeit ausgeprägt. Daß der Völkerbund gegenüber völkerbundwidrigem Verhalten der Staaten Exekutivgewalt haben müsse, galt als selbstverständlich, ebenso daß vollkommene Oeffentlichkeit der gesamten Tätigkeit des Völkerbundes bestehen müsse. Auf Grund dieser Planzeichnung hatte auch die Deutsche Gesellschaft für Völkerrecht am 21. Sept. 1918 die Ausarbeitung einer Verfassung des Völkerbundes in Angriff genommen. In großer Organisation wurde diese Aufgabe einem Gesamtausschuß von 65 Sachverständigen mit 11 Unterausschüssen übertragen, die in intensiver Arbeit das Werk so förderten, daß am 11. Januar 1919 eine aus 36 Artikeln bestehende „Verfassung des Völkerbundes" der Reichsregierung überreicht werden konnte, mit dem Antrag, diesen Entwurf den Verhandlungen über den Völkerbund zu Grunde zu legen. Die Reichsregierung hat diesen Entwurf mit Ergänzungen und Aenderungen versehen, im April 1919 den Entente-Regierungen übermittelt. Der Vorsitzende der Gesellschaft übersandte dem Präsidenten Wilson Ende Januar 1919 den deutschen Text des Entwurfes mit französischer und englischer Uebersetzung.
Als am 28. Juni 1919 der Versailler Vertrag unterzeichnet wurde, stand an seiner Spitze der jetzt weltbekannte Text der Völkerbundsverfassung in 26 Artikeln, der am 14. Februar in Paris von der Konferenz der Entente-Staaten einstimmig beschlossen war, und den Wilson in feinem Schlußbericht als „vehicle of life" charakterisierte, andeutend, der Vorzug dieses Instrumentes bestehe darin, daß es der natürlichen Entwicklung freien Lauf lasse.
Wenn wir fragen, wie die heutige Gestalt und Wirksamkeit des Völkerbundes sich zu dem Idealbild verhält, das im Jahre 1918 Wilson, Grey und auch die Deutsche Völkerrechtsgesellschaft im Auge hatten, so fällt es schwer, auch nur eine einzige Aehnlichkeit in den wesentlichen Zügen zu erkennen. Weder die Zugehörigkeit aller Staaten noch die Gleichberechtigung der Mitglieder und die Exekutionsgewalt des Völkerbundes, weder der Geist überlegener Gerechtigkeit und Unparteilichkeit noch ein fortschreitendes Vertrauen ist vorhanden. Die von Wilson 1919 gerühmte, durch das Fehlen formeller Verfassungsschranken ermöglichte Freiheit der Entwicklung der Verfassung ist bisher keines- wegs fortschrittlich im Sinn des Idealbildes gerne- sen. Die Bedeutungslosigkeit der Septembersitzun- gen des Plenums, die Oligarchie des Rates, innerhalb deren noch besondere Machtgruppen und die Vorherrschaft Englands wirken, stehen in krassem Gegensatz zu den Vorstellungen von 1918. Anstelle der nach dem Prinzip der „democratic control" qe« förderten Oeffentlichkeit herrscht in Genf (außer im
zahl auch dieses Land, als die gegebenen Straßen. Oft gleicht dle Gegend darin dem Spreewald.
Der Reiseplan zeigt als nächstes Ziel die Hauptstadt Amsterdam. Die Fahrt dorthin auf der Zuidersee gleicht einer Meeresfahrt mit allen Schrecken und Ge- nässen. Bei der Ankunft im Amsterdamer Hafen fällt der Blick gleich auf den in nächster Nähe gebauten großen Fahrhof. Dann fesselt ihn das Hafenleben. Das Charakteristikum von Amsterdam, dessen Häuser auf Pfählen gebaut sind, die in den sumpfigen und morastigen Boden gerammt wurden, sind seine Grachten. 350 Brücken wölben sich über den Kanälen und verbinden die kleinen Inseln, auf denen die Stadt liegt. Das nordische Venedig! Eine Weihestunde behält sich der Besucher vor — im Rembrandthaus und im Reichsmuseum vor Rembrandts schönstem Gemälde verbringt er sie.
Weiter geht die Fahrt nördlich ins W a t e r l a n d. Hier lernt man den echten Holländer kennen, und seine prächtigen bunten Trachten. Die Frauentracht ist bunt wie ein Feldblumenstrauß, dazu trägt die Holländerin das bekannte weiße Häubchen, das ihr reizend steht. Die Männer haben weite schwarze Pluderhosen an, der dafür verwendete Stoff würde bei uns zu einem ganzen Anzug reichen. Rotes Hemd, blaue Jacke, die Knöpfe zumeist aus Münzen, die Holzschuhe und die unvermeidliche Tonpfeife im Munde nicht zu vergessen, das vervollstän- digt das malerische Bild.
Bunt wie die Kleider dieser Leute sind ihre Häuser; braun, rot, gelb, blau, die leuchtenden Farben, werden verschwenderisch gebraucht und so stellt sich das Bild eines holländischen Dörfchens in einen Gegensatz zu der Schwere der Landschaft und der Feuchte des Seeklimas. Die Wohnungen sind Puppenstuben mit Kindergeschirr und einem mächtigen Bettgebirge. Im Bettgestell ist eine Art Schublade, in die die kleinen Kinder nachts verfrachtet werden. Auf dieser Insel haben die Knaben und Mädchen bis zum sechsten Jahre die gleiche Kleidung, der Junge bekommt zur Unterscheidung nur ein Stück Kattun auf die Mütze genäht. Männer sieht man selten, sie sind auf See und liegen dem Fischfang ob. Die Frauen warten oft Wochen und Monate lang, vielleicht auch vergeblich . . .
Bei S a a r d a m traf der Wanderer auf dem Kanal alte Bekannte aus früheren Tagen, — Schwarzwaldtannen auf der Weltreise! Hier ist der Ort, wo Zar und Zimmermann, Peter der Große, das Schiffsbauerhand- werk lernte und sein Häuslein steht noch, nur, hat man
Arbeitsamt) die berufliche Heimlichkeit der Diplomatie, die hinter den Kulissen und in unöffentlichen Sitzungen arbeitet. Dazu kommt die völkerbund- widrige schlechte Praxis, daß in den Sitzungen die Delegierten oft, anstatt als Kollegium miteinander zu beraten, als diplomatische Vertreter ihrer Staaten gegeneinander plädieren. '
Dies alles muß unerbittlich gesehen und gesagt werden, ohne daß die Erwartung ausgesprochen werden kann, es werde sich daran in absehbarer Zeit etwas Wesentliches ändern. Und dennoch sind große belle Felder fortschrittlichen und segensreichen Wirkens in dem Gesamtbild des Genfer Völkerbundes vorhanden, die es als unberechtigt und unverständig erscheinen lassen, wenn man als Gesamtergebnis der Einschätzung nur die Enttäuschung über das unleugbar erfolgte Versagen des Völkerbundes in den meisten derjenigen Beziehun- gen buchen wollte, auf die in den Erwartungen von 1918 das Hauptgewicht gelegt wurde. Das Arbeitsamt und der Internationale Gerichtshof sind glänzende und unverlierbare Früchte der Völkerbundorganisation. Die gewaltige Ausbildung des Schiedsgerichts- und Vergleichsverfahrens hat sich zwar nicht im Rahmen, aber unter dem Schutze des Völkerbundes vollzogen und ist im Siebte der Genfer Organisationen, mit wesentlicher Förderung durch das Generalsekretariat erfolgt. Die regelmäßige Wiederholung der Genfer Zusammenkünfte ergibt nicht nur für die leitenden, sondern auch für die jüngeren Divlomaten Beziehungen und Angleichungen, deren W»rt sich mit der Zeit immer stärker vermehrt. Der Völkerbund ist anders geworden, als man sich ihn 1918 dachte, aber er hat sich in seiner Kulturarbeit fruchtbar gezeigt und ist nickt nur Ausdruck weit ausgebreiteten Friedenswillens, sondern auch eine wirkliche Friedenspotenz, freilich eine solche, die um so mehr leistet, je weniger man sich auf sie verläßt und ie mehr man von ihr verlangt, in unablässiger Verfolgung seiner Grundideen von 1918.
Vizepräsident sinngemäß vor Zeugen folgendes gesagt: „Die bei der Haussuchung beschlagnahmten Parteiakten sind wieder zurückgegeben worden, weil gleich festgestellt worden ist, daß die N. S. D. A. P. nicht mit den Vorgängen im Kreise Kirchhain in Verbindung gebracht werden kann. Hieraus geht klar hervor, daß die von der Gauleitung aufgestellte Behauptung nicht „frei erfunden" ist. Und hierzu schreibt Strasser in seinem Bericht (Völkischer Beobachter vom 5. 12. 28) unter anderem . . . Nach dieser meiner Aufklärung und vor allem aufgrund der bei den betreffenden Referenten des Regierungspräsidiums vorliegenden einwandfreien Beweise, daß ois Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei nickts mit der Sache zu tun hätte, was mir dieser selbst (der Regierungspräsident) vor Zeugen ausdrücklich bestätigte, um nun endlich amtlicherseits der Wahrheit die Ehre zu geben."
Der Regierungspräsident hält dieser Entgegnung gegenüber seine am 3. Dezember durch WTB. verbreitete amtliche Erklärung durchaus aufrecht.
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kkus Oberhessen.
— Ziegenhain. Im Preußischen Landtag ist folgender Urantrag eingegangen: „Der Schwalmgrund im Kreise Ziegenhain' (Kassel) gehört zu der am meisten unter Winter- und Sommerüberflutungen leidenden Landwirtschaft des Kreises Kassel. Die'in Ausführung befindlichen Meliorationen des oberen Schwalmtales erfordern auch die Erledigung des Projektes für den Unterlauf, da die Stadt Ziegenhain eine alte Wasserfeste ist, die bei jedem Hochwasser beschädigt wird. Der unter solchen Verhältnissen stets zunehmenden Versumpfung des an sich wertvollen Bodens muß endlich Einhalt geboten werden. Der Kreis ha! 200 000 Mk. (davon die Hälfte aus Mitteln des Vezirks- verbandes des Regierungsbezirks Kassel) als Beihilfe für dieses Jahr beantragt. Der Landtag wolle beschließen, das Staatsministerium wird ersucht, entsprechend diesem Antrag die Mittel bereit zu stellen.
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es mit einem steinernen Bau umgeben, damit es nicht auseinanderfalle.
Ein interessanter Ort ist Alkmaar in Nordholland, wo jeden Freitag vor der Stadtwaage die Markt- helsergilden der Blauen Hüte, der Gelben Hüte, der Roten Hüte erscheinen. Dann türmen sich die Berge der gelben Käse auf dem Pflaster, werden gewogen, mit rotem Lack bestrichen, damit sie sich besser halten.
8 Millionen Kilogramm Holländer Käse werden hier im Jahre abgewogen. Holland besitzt mit 52 Mil- (innen Kilogramm jährlich den größten Käsehandel der Welt.
Haarlem kommt, die Blumenstadt. Sie hat Welt- ruf! In ihrem Umkreis erstrecken sich meilenweit die Blumenfelder, die das Land mit einem bunten Teppich überdecken. Dann erreicht man Leyden, wo sich die älteste holländische Universität befindet, und hier trifft man auch wieder auf den Rhein, ein ärmlich schmaler ffanal' der als „Alter Rhein" sein müdes Dasein beschließt. Auf der großen Landstraße, die für Radfah- rer und Automobile getrennt ist, eine vorbildliche holländische Einrichtung, die man jetzt auch in Deutschland einzuführen beginnt, geht es nach Haag im Busch, dem Sommersitz der Königin. Die schönste Stadt in Niederlande wirkt durch die schlichte Vornehmheit ihrer Anlage und ihrer Bauten. In Delft lernt der Hollandreisende die berühmte Fayence-Industrie kennen; die Stadt selbst wirkt wie eine alte Radierung.
Rotterdam hat das Gesicht eines internationalen Welthafens und besitzt fast nichts echt Holländisches mehr Ein stolzer Anblick ist die schiffbelebte Maas. Der größte Dampfer des Landes ist eingelaufen und entläßt aus seinem Innern — 200 amerikanische Autos . . .
Ein Dampfer trägt den Weiterziehenden auf die abgelegenen Inselchen von Seeland.
Middelburg macht sich schon meilenweit durch den „langen Jahn" bemerkbar, aber auch die Abtei will besucht werden, einst der Versammlungsort der „Ritter vom Goldenen Vließ". Vom Rathausturm erklingt, wie in fast allen Städten, das liebliche Glockenspiel, mahnt zur Besinnlichkeit auch im Alltagsgetriebe.
Vlisfingen ist der letzte Ort der Reise. Von hier gehen die Dampfer hinüber nach London, das in sieben Stunden erreicht wird. Man wirft noch einen Blick auf die riesigen Dammanlagen, die Festungen gegen den gefährlichen Feind, das wilde Meer. Dann führt der Schnellzug den bedauernd Scheidenden der deutschen Grenze zu.
Schiffer sein ganzes Leben. Er haust hier mit Weib und Kindern — die kleineren sind angebunden, damit sie nicht ins Wasser fallen. Der Kapitän ist mehr in der Küche als im Steuerhäuschen. Als die Mittagszeit naht, wird das Diner, dickeErbfensuppe, in Blechdosen serviert.
E^^r Wechsel vollzieht sich in der vorübergleitenden Landschaft. Seen und Kanäle werden befahren durch liebliche Ortschaften, in denen der Kanal als Hauptstraße dient, unter alten, mächtigen Torbogen hindurch, treibt das Schiff. Aber nach 15 Stunden Fahrt, in denen 120 Kilometer zurückgelegt wurden, steigt der Sohn der festen Erde auch gern wieder einmal aus. Auf dem letzten Stück der Wasserreise hat er den mächtigen Deich der Zuidersee vor sich gehabt. Neue Eindrücke warten seiner.
In dem kleinen Fischerdörfchen lernt er holländische Gastfreundschaft kennen. Gestärkt, darf er den Anblick der nächtlichen See auf sich wirken lassen.
Die Landschaft ist voller Frieden. Gebannt blickt das Auge auf die weite, geheimnisvolle Wasserfläche dieses räuberischen Binnenmeeres^Vom Leuchtturm blinkt das Feuer heimlehrenden Schiffen., entgegen. In tiefen «rieben mischt sich ein Lied, das flötet der Wächter des Leuchtturms, und der Mensch da unten traut seinen Obren nicht: „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren!"
Am nächsten Morgen wird das Stahlroß gesattelt, und auf dem Rücken des mächtigen S t e i n d a m m es' der aas tiefe Land vor den Fluten der Zuidersee schützt, mtzen die Räder davon nach Süden. Eine fruchtbare, reiche Marschenlandschaft dehnt sich, soweit das Auge !$'Malerische Fischerdörfer liegen am Strande, aber h h. an6erer schaut das Werk, das sie zu kleinen, unbedeutenden Landorten machen wird: die Trockenlegung der .Tuiberfee! Was das Meer gerauht, will sich ber Mensch im zähen Kampfe zurückhelen Er treibt immer neue Sperrmauern in die See und hinter ihnen sind groye Pumpen an der Arbeit, das Wasser aus dem eroberten Stück zu leeren und in langen Rohren nach der offenen See zu leiten. In 40 bis 50 Jahren wird .»Holland so weit sein, daß 200 000 Menschen auf dem Meer gewesenen Lande als großbäuerliche Siedler leben können. Mit Stolz gebraucht der Niederländer ein Sprichwort: Gott hat das Meer, der Holländer hat die Küstenländer geschaffen!
Der Wanderer verläßt die Küste und geht hinab in die „Niederlande". Zwei bis drei Meier liegt das fruchtbare Gebiet unter dem Meeresspiegel, im Schutze der großen, festen Deiche; Kanäle durchziehen in reicher An-
Bretter, Bohlen, FuOhöden, Latten, Stollen und Bauhölzer
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Beschlagen feuchter Wände und Wettergiebeln mit Schiefer, Ziegel, Spitz- und Wettbrettern
Einspeisen von Ziegeldächern
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Wenn wir im Jahre 1928 hinsichtlich des Völkerbundes auf eine zehnjährige Periode zurückblir'- ken, so heißt das nicht, daß der Genfer Völkerbund jetzt seinen zehnten Geburtstag begehen kann. Der Genfer Völkerbund wurde erst 1920 konstituiert, nachdem am 10. Januar 1920 der Vertrag non Versailles in Kraft getreten war und die Gründung des Völkerbundes auf Einladung des Präsidenten Wilson stattgefunden hatte. Aber im Jahr 1918 ist der heutige Völkerbund geistig und politisch ge- schaffen worden. Wenn man dies sagt, so tft das nicht nur ein Bild, sondern der prägnante Ausdruck für die tatsächlichen Vorgänge des Jahres 1918. Es war die am 11. Mai 1918 geschriebene Broschüre des Viscount Grey of Fallodon (Oxford) 'University Preß, abgedruckt auch im 6. Band des Jahrbuchs des Völkerrechts, Duncker u. Humblot 1920), die zum ersten Mal die Idee des Völkerbundes auf die Gegenwart eingestellt und derart gepredigt hat, daß die öffentliche Meinung der ganzen Welt der praktischen Bedeutung dieser Idee inne wurde. Greys Schrift machte einen Eindruck, der den seit 1914 zahlreich erfolgten Völkerbundmanifestationen und Völkerbundschriften versagt geblieben war. Das lag zum Teil an dem im Sommer 1918 zum äußersten Hochdruck gelangten Friedensbedürfnis der Welt, noch mehr aber daran, daß es ein englischer Staatsmann und daß es gerade Lord Grey war, der die Welt in dieser Weise aufrief, endlich an der treffsicheren Energie und überzeugenden Folgerichtigkeit der Greyschen Darlegung. Grey gelangte zu den damals unerhörten und an und für sich fast unmöglich erscheinenden Thesen, daß erstens Deutschlands Mitgliedschaft im Völkerbünde Erfordernis des Völkerbundes sei, daß zweitens im Völkerbunde jeder Mitgliedstaat einen Teil seiner Souveränität opfern müsse. Grey wies übrigens ausdrücklich darauf hin, daß die Richtung seines Programms die Ideen des Präsidenten Wilson fortsetze, die dieser am 18. Januar 1918 in seiner Botschaft an den Kongreß formuliert hatte und deren „vierzehnter Punkt" die Forderung einer „general association of nations" war. Die Wilsan- .fchen Anregungen hatten Anfang 1918 die Einsetzung einer englischen Regierungskommission unter dem Vorsitz von Sir Walter G. F. Phillimore ver» «ulaßt, die mit der Aufgabe betraut wurde, d'e Idee einer „league of nations" historisch und praktisch zu prüfen. Am 20. März legte diese Kommission den Entwurf zu einem Vertrag der alliierten Staaten vor, der in der Hauptsache auf eine kollektive Friedenssicherung durch Organisation internationaler Streitschlichtung hinauslief. Dieser Entwurf wurde von der englischen Regierung alsbald dem Präsidenten Wilson überreicht. Dieser ließ durch den Oberst House einen Gegenentwurf ausarbeiten, der am 16. Juli 1918 fertiggestellt war und die Grundlage der im Dezember 1918 von Wilson persönlich den Alliierten in Paris vorgelegten Völkerbundssatzung bildete.
Unabhängig von der anglo-amerikanischen Aktion war im Juni 1918 ein französischer, im Dez. 1918 ein italienischer Völkerbundentwurf hergestellt worden. Alle diese Arbeiten wurden in der Haupt- folche unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ausgesüh'-t und verhandelt. Das seit September rasch und stark amvachfeyde Interesse der öffentlichen Mei
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Die Vorgänge im Kreis Kirchhain.
Landrat o. Gilsa in den Ruhestand verseht.
Das Verfahren gegen den Landrat von Kirchhain, v. Gilsa, bat seinen Abschluß gefunden. Durch Beschluß des Staatsministeriums ist Landrat von Gilsa einstweilig in den Ruhestand versetzt worden. Die Frage seiner weiteren Verwendung ist noch nicht entschieden. Bis zur Ernennung seines Nachfolgers ist Regierungsassessor Dr. Knost von der Regierung in Kassel mit der interimistischen Leitung des Landkreises Kirchhain beauftragt worden.
Wie die „Kasseler Post" von gutunterrichteter Seite erfährt, ist Regierungsrat Beauchamps aus Aachen zum kommissarische Landrat in Kirchhain bestimmt worden.
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Die Gauleitung Hessen-Nassau-Nord der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei verbreitet folgend« Mitteilung: „Der Herr Regierungspräsident hat öffentlich erklärt, daß die Behauptung der Gauleitung der Nationalistischen Arbeiterpartei, dem Reichstagsabgeordneten Straffer sei von dem Herrn Regierungspräsidenten bestätigt worden, daß die N. S. D. A. P. mit der von der Linkspresse und dem „Amtlichen Preußischen Pressedienst" verbreiteten Meldunaen in keinen Zusammenhang gebracht werden könnte, völlig frei erfunden fei. Hierzu wird folgendes bemerkt: Bei der Besprechung mit Straffer und seinem Begleiter im Regierungsgebäude waren zugegen Vizepräsident Gehrke und Regierungsrat No eile. Hier hat der
Völkerbund 1918 und Völkerbund 1928
Von Professor Dr. Th. Niemeyer-Kiel. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Völkerrecht.
wie wird bas weiter?
Während der vün Nordwesten vordringende Kaltluft- vorstoß stetig weiter fortschreitet und bereits bis zum Kanal Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt gebracht hat, entwickeln sich im südwestlichen Frankreich im Grenzgebiet der dort lagernden warmen Luftkräfte Druckstörungen, die wahrscheinlich auch bet uns zu Niederschlägen, vielfach in Schneeform, führen werden. Später kommt es im Bereich der ffalttuft zu Aufheiterung und Schnee- schauer. Stärkere Abkühlung ist dabei zu erwarten.
Witterungsaussichten für Sonntag: Wechselnd be- wölkt, geringe Schauerneigung, ziemlich kalt.
Kanäle, Mühlen, Holzpantoffel.
Bilder von einer Hollandsahrs
Von K. V. G ä l, Herford i. gg
Den jungen deutschen Hollandfahrer trug ber Schneii- zug von Emden an den Dollart. Schnell repetierte er was er von Holland, das er bald betreten werb- «ch wisse?: die Windmühlen, die Holzschuhe hen fint länbertäfe, die großen Deiche und dahinter und von der Sprache: Katnitverstan! 1 t'ano'
Dann trug ihn der Dampfer den Dollart ans flache holländische Ufer, nach Delfzyl. Als -rN-I Ziel der Wanderfahrt stellte er sich Groningen 1 V lands fünfgrößte Stadt. Die Radpartie dorthin' „ durch die holländische Landschaft, weites flaches Weide^ land, durchzogen von schwarzen Kanälen, auf denen klein- Segler gemächlich bahinfuhren. Die fetten Weiden m‘a- ren belebt von Herden des weiß und schwarz gefleckten Rindviehs. Am Horizont bauten sich in beschaulicher ®in|amteit, ihre großen Flügel im Winde drehend, Wind- hh Cn bie *,a5 Wasser aufs Land zu pumpen
■L’on Quichote hätte seine Freude gehabt.
stabte gibt es in jedem Lande, und in unferm Jahr- bun en werben sie sich, gleichviel wo in Mitteleuropa < Jrvr*1' ’mtner ähnlicher. Aber gerabe auf einer Hol- o man aufs flache Lanb gehen, will man
mA hott ^cute richtig kennen unb verstehen lernen.
sfdVin a^r b^ibt man sich in biefem merfmürbigen und schonen Niederlande aufs Wasser.
. «^.Gnr es and) unseres Helden erste Sorge, auf . s ‘Dampfer unterzukommen, der ihn weiter kesser fennen0^ ?r°9en J°ate' öas er auf diese Weise Kana'damvser 0(5 *eber an&ere Reisende. So ein Scfiüfer rofrh f ^mimmenbes Hotel, unb ber
brücke, unb ba bas Oeffno>, , • . VT”
erforbert, fährt ein Radler dem Dampfe/am^äch entlang voran unb verständigt den Schleusenwärter Der reicht auf einem langen Stab dem durchfahrenden Schiff (XT rÄ(m9cI6e“te‘ herüber, der ein ausgedienter Holz- Wub fern mag, dahinein kommt die Wasserstraßengebühr.
Las Leben auf einem solchen Dampfer ist eine Jdnlle 0U5 früheren Jahrhunderten. Auf ihm verbringt der
rer. pol. Karl A u ft e t m a n n ; für bis Anzeigern Direktor ber Fulbaer Actiendruckerei I. P a r z e l l e r.