Fuldaer Zeitung
Anzeiger für die Stadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Jlr. 284.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Nctiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.) »hne Zustellg
Samstag, S. Dezember 1928.
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Erklärungen Poincares unk Munks zur Reparation
wird
eiden Mml-
des
Parteitags erwartet werden, dokumentieren sich sinnfällig, auch schon äußerlich in dem außerordentlich st a r k e n Besuch, der diese Tagung auszeich- net. Schon die Vorbesprechungen in den Ausschüssen und Beiräten erfreuten sich einer Beteiligung, wie man sie selten noch gesehen hat. Die führenden Persönlichkeiten der Partei sind samt und sonders in Köln rersammelt, und von den Abgeordne-
* Die Bemafenfragen in Oesterreich. Aus Wien wird gemeldet: Die Verhandlungen über die Beamtenfragen, die bis zu den späten Abendstunden andauerten, haben zu keinem Ergebnis geführt In einer Dertrauensmknnerversammeung der Post- "^.<^leclraphenangestellten wurde beschlossen, an- Sestmts der Ergebnislosigkeit der Verhandlungen dre. passive Resistenz in unverminderter Starke f o rtzu se tze n.
Die Lage in Siiöflavien.
Belgrad rvirtz gemeldet: Innerhalb der sudslavischen Regierungskoalition sind schloerwie- gende Meinungsverschiedenheiten auf- fptauty. Der Führer der Demokraten, Daoido« witsch, mißbilligt die Ernennung des Artillerieobersten Martinowitsch zum Agramer Ober-
* P a n.’ ,®j.e ßa9e 'st ernst, da möglicherweise Daokdowltsch die demokratischen Minister zum Rsick- stine Forderungen un. erfüllt bleiben.
und der Zukunft des deutschen Volkes gedient werde Abg. Ackermann erklärte, die sozialdemokratische Fraktion lehne Versuche ab, durch Aus- Nutzung bestehender Machtverhältnisse und Gesetze Echen Teil Deutschlands auszuhungern und auch die Methoden, mit denen man letzthin im Landtag versucht habe, die Belange Bayerns gegenüber dem übrigen Deutsckland zu wahren. Sie lehne es
j ab, der Entschließung beizutreten.
Auch die kommunistische Fraktion ließ erklären, daß sie die Entschließung ablehne.
Für die Deutsche Volkspartei führte Abg. Burger aus: Wir werden die bayerische Reg »rung unterstützen, wenn sie die Selbständigkeit Bayerns wahrt, aber jeder Versuch, den Staat gegen das Reich auszuspielen, schädigt den inneren Frieden des Reicbes und seine Entwicklung.
Die Entschließung wurde mit 68 gegen vier Stimmen bei 32 Stimmenhaltungen angenommen. Der Stimme enthielten sich die Sozialdemokraten und die Deutsche Volkspartei, dagegen stimmten nur die Kommunisten.
k * Reichspräsident v. Hindenburg an den Bundes- Präsiden l Miklas. Reichspräsident v. Hindenburg an den neugewühlten österreichischen Bundes- rjMent Miklas das nachstehende Telegramm ge- , »Dem Bundespräsidenten der Republik Uebe^E'ch' Herrn Wilhelm Miklas, Wien. Zu der deut xabme Ihres hohen Amtes als Bundespräsi- nnd -Republik Oesterreich bitte ich Sie, meine aemunpL utto’ert Dolkes herzlichste Wünsche entge- reichischen Möge Ihre Amtsführung dem öfter- land den -Brudervolke, an dessen Gedeihen Deutsch- Seam aebPTklfi^ten Anteil nimmt, zum Glück und bürg " 9 <6ez). Reichspräsid-nt v. Hinden-
Reich-pMidem^'""'^ beim Reichspräsidenten, am Freitaa vn^u? Hindenburg empfing l”Sn Ä den Reichsminister des SÄ'»•
Im Rahmen der vorbereitenden Besprechungen zum Reichsparteitag hielt der Reichsverband der Deutschen Zentrumspartei in Köln eine Sitzung ab, die sehr zahlrech besucht tmr. Eine Reihe organisatorischer Fragen wurde besprochen und vor allem die Frage des Parteioor- fitzes erörtert. Es wurde ein Schreiben des Reichskanzlers a. D. Marx verlesen, in dem der bisherige Parteichef von seinem Rücktritt als Parteiführer offiziell Mitteilung macht. Die weitere Versammlung nahm mit lebhaftem Bedauern von dem Schreiben Kenntnis. Die weitere Debatte drehte sich vornehmlich um die Frage des Nachfolgers, die endgültig von dem Parteitag zu entscheiden sein wird.
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Eine große Zentrums kundgebunq wird in Köln in der großen Rheinlandhalle als Abschluß des Zentrumsparteitages am Sonntag abend stattfinden. Hauptredner wird Reichskanzler a. D. Dr. Wirth fein. Außerdem wird die Reichstagsabgeordnete Frau Helene Weber sprechen. Schon heute ist die Kartennachfrage nach dieser Kundgebung ganz ungewöhnlich.
Die Unruhen auf den Bananenplanfagen in Columbia. Der Leiter des Rewyorker Informationsbüros der Regierung von Columbia, Marti- nez, erhielt ein Kabeltelegramm des Präsidenten von Columbia, wonach die Regierung infolge ‘ Andauerns des Streiks der Plantagenarbeiter
bestanden, den Vertrag selbst jedoch grundsätzlich und vollinhaltlich gebilligt. Schließlich sei auch die Untersuchung der „Vestris"-Angelegenhest kein Anlaß zu einer Verstimmung zwischen beiden Regierungen geworden, wie in der Presse irrtümlich vermutet worden fei. Die britische Regierung habe sich in dieser Angelegenheit überhaupt nicht an das Staatsdepartement gewandt. Das Staatsdepartement sei nach wie vor für neue britische Vorschläge in der Kreuzerfrage zugänglich und hoffe, daß binnen Jahresfrist neue Verhandlungen hierüber eröffnet werden können. Das Eingreifen Brtt- tens durch sein Telegramm an Baldwin habe lebig» Rg aus verfassungsrechtlichen Gründen zurückgewiesen werden müssen.
Lugano.
In Bestätigung des Dementis des Gerüchtes, nach welchem der britische Staatssekretär des Auswärtigen der Tagung des Völkerbundsrates in Lugano fernbleiben würde, teilt Reuter mit, daß Sir Austen Chamberlain am 8. Dezember nach der Schweiz abreksen wird.
vollkommen zugestimmt haben. Nebenher und in Beantwortung von Anfragen sei auch das Problem der Kriegsschulden berührt worden, dessen Lösung von dem der Reparationen vollkommen unabhängig sei und dessen außenpolitische, innenpolitische und parlamentarische Schwierigkeiten die Regierung keineswegs verkenne. Es scheine nach dem Meinungsaustausch innerhalb des Ausschusses, daß das Problem der interalliierten Schulden nicht vor Regelung des Reparationspwblems in Angriff genommen werden könne und daß keinerlei Verbindung a priori zwischen diesen beiden auf vnschredenen Gebieten aufgeworfenen Fragen bestehe.
Washington und London.
wtb. Washington, 6. Dezember. (Eig. Funkm.) Baltimore Sun erfährt an hoher Selle im Staatsdepartement, daß man hier die Beziehungen zu England nicht als gespannt, geschweige denn als ernst ansehe. Den Anlaß zu Vermutungen über einen Riß zwischen Washington und London habe v-r allem die Flottenkontroverse gegeben. Die Beziehungen zwischen beiden Regierungen seien aber durch diese Kontroverse nicht getrübt worden und London habe Kelloggs Ablehnung des eng- lisch-ftanzösischen Flottenpakts mit vollem Derständ-
ecnoauerns des Streiks der Plantagenarbeiter im Bananendistrikt Santa Martha beschlossen habe, über den Distrikt das Kriegsrecht zu verhängen, um die Rechtsordnung wiederherzustel- $n den übrigen Teilen des Landes herrsche völlige Ordnung und Ruhe. Wie ferner aus Bogota gemeldet wird, sind Truppenteile von streikenden Plantagenarbeitern angegriffen u. entwaffnet worben, wobei mehrere Soldaten verwundet wurden. Rach Cartagena, Barranguilla, Bucaramanga und Medellin sind Truppen abgegangen. Wie die Regierung Mitteilen ließ, haben die Führer der Ausständigen die Abfahrt der Vananenzüge von den Lagerhäusern verhindert und lassen Arbeiter, welche sich weigern, sich dem Ausstand anzuschließen, gefangensetzen.
Gefängnisstrafe wegen gemeiner Erpressung. Vor dem erweiterten Schöffengericht in B r e s l a u hatte sich der 40jährige vorbesttafte Kaufmann Jos Platzek wegen Erpressung gegenüber einem Kaplan zu verantworten. Der hatte ihm erzählt, daß er eine Menge Material habe, das eine Breslauer Wochenschrift demnächst veröffentlichen werde. Für 1000 Mark Schweigegeld würde er dagegen bereit fein, die Veröffentlichung zu v-r- hindern. Der Kaplan, der sich ke i n e r Ve rfe h - l u n g b e w u ß t war, aber jeden Skandal vermeid den wollte, zahlte zunächst 500 Rm. und verpflichtete sich, den restlichen Betrag postlagernd nach Breslau zu überweisen. Das Gericht verurteilte Platzek in Anbetracht dessen, daß er sich in Rot und Verzweiflung befunden habe, zu 6 Monaten- Gefängnis. 1
Aus dem kirchlichen Rom.
' I Don unserem eigenen römischen Mitarbeiter: t BapffJubiläum. — St. Josephstag und Familien- i pstege. — Frauenturnen und Gewehrübungen. — [ Verfolgungen der katholischen Aktion in Italien, l I Zum ersten Mal Hai sich in diesen Tagen das 1 I Komitee für das Papstjubiläum unter dem Bor« [ I sitze des Comm. Colombo vereinigt, und es hat für : I Feier des fünfzigsten Priesterweihejubilüums 1 I Plus XI. folgendes Programm aufgestellt: Gebete, ■ I Propaganda, Wallfahrten nach Rom, wohltätige ° I Sammlungen für Pfarren und Priesterseminare.
I I Vor dem 20. Dezember, dem Beginn des Jubi« • I läumsjahres, wird ein Appell an die italienischen I Katholiken gerichtet werden, um sie zur Teilnahme | und Mitarbeit an allen Kundgebungen anzuregen. I Besonders aus der Lombardei werden sich zahl« I reiche Pilgerscharen nach Rom begeben, um dem ehemaligen Erzbischof von Mailand ihre Huldigung darzubringen.
Das Gesetzdekret, das den 19. März (Josephstag) I 3 u m offiziellen Festtag erhebt, hat eine Begründung erhalten, die nicht ohne Interesse ist, : und die darum hier folgen möge:
I »Der Regierung sind zahlreiche Eingaben unterbreitet worden, daß der 19. März, der Tag des I heiligen Joseph, auch vom zivilrechtlichen Staub« I punkt aus zum Festtag erhoben werde, damit an« I gesichts der Religiösität der großen Masse des fta- I lienjschen Volkes die Feiertage des Zivilkalenders I mit jenen des religiösen Kalenders zusammenfallen.
Die Regierung ist der Ansicht, daß diesen Wün- scheu entsprochen werden müsse, und sie vertraut I darauf, daß die Genehmigung der hohen Kammer I nicht fehlen wird."
I Es ist bemerkenswert, daß also eine Angleichung I der staatlichen und kirchlichen Festtage erstrebt I wird, wobei nach den neuesten Erfahrungen zu vermuten ist, daß auch die staatlich-faschistischen Feste I immer mehr mit kirchlichem Gepräge um» 1 geben werden, soweit es möglich ist, die Kirche dafür I Zu gewinnen. _ Der St. Josephstag soll allem An- I schein nach gleichzeitig auch von Staatswegen als I Fest der Familie gefeiert werden, sodaß bann I Staat unb Kirche gemeinsam ihre beoölkerungspo- I litischen Grundsätze in feierlicher Form zum Äus- I druck bringen.
I •
I zwischen dem faschistischen Staat und der I Kirche doch noch starke grundsätzliche D i f f e r c n» ! Zen bestehen, ging dieser Tage wieder aus Aeuße- I rungen des „Osiervaiore Romano" an leitender
Stelle hervor. Am 16 November protestierte der I Osiervatore in sehr bestimmten Wendungen gegen eine Ankündigung, die Turatie kürzlich erließ. Man erinnert sich, daß es anläßlich des 1. Wett- fampfes für weibliche athletische (!) Gymnastik zu einem Protestbriefe des Papstes an den Kardinals- I vikar von Rom kam, und daß daraufhin der Ein« I marfeft der Mädchen in Rom mit Gewehren unter« I m.e Hut Turati demonstrativ nicht nur eine
Wiederholung dieser Wettkämpfe, sondern auch Ge« I wehr» und Armbrustschießen der jungen Mädchen I angekündigt. Turati hat dabei auf das angelsäch« I fische Vorbild hingewiesen.
I , Der Osservatore erblickt eine Beleidigung der I christlichen Sittlichkeit darin, und natürlich lehnt er I den Hinweis auf England strikte ab. Er finde« es I uuch unverständlich, daß man nun plötzlich einem | fremden Vorbild nachjagt, nachdem man bislang I immer die Erhaltung der lateinischen Kultur aufs faschistische Programm gesetzt habe. Wolle
I man Vorbilder dafür suchen, so sei nicht einmal I England dafür geeignet, denn dort hätten minde« I Rens die Katholiken immer stark dagegen prote« I stiert. Man müsse in der Geschichte schon zu ganz I verdorbenen Städten des Altertums in Griechen« I land usw. gehen, wenn man ähnliche Frauenkämpfe I antreffen wolle.
I Sehr interessant aber ist der Freimut, mit dem I der Osservatore ausspricht, daß die ersten Wett- I kämpfe in der Bevölkerung der größten Mißbilli« ?un^efle9net wären, und daß in einer Sitzung des Ministeriums vom 30. Oktober eine angenehme Stimme unter dem Beifall der übrigen Kadi« netsmitglieber sich gegen diese Erziehungsme« choden gewandt habe. Dann wird nochmals der Brief des Papstes vom Frühjahr in feinen wichtigsten Einzelheiten wiederholt. Wolle Italien wie es der Faschismus so oft betone, ein katholischer Staat fein, so müsse es auch auf katholische Moral unb auf Gehorsam gegen die Weisungen des Hei« Ilgen Vaters hinwirken. Jedenfalls stünden in dieser. Frage alle Bischöfe und alle Gläubigen ganz
Tags darauf mußte der „Osservatore" (vom 17. Jiooember) in einem aufsehenerregenden Artikel fnn8»na.n5e-i5Rpif>e-^Dn<nfr^m Beispielen mitteilen, 'm,fd,er^f^orben gegen Einrichtun- Veranstaltungen und Personen der Aktion gehandelt habe. So wurde h X i1’01' Aovara kurzweg von der Ouästur befohlen, daß von den vier katholischen Wochenblät- ml1' die bisher notig sind, zwei eingehen müßten. Eme Lehrerin tn Reggio Emilia, die nur dem Pfarrer half, wurde unter politischem Vorwande zwangsversetzt. Und im Zusammenhang damit wird auf die zahlreichen Beamten bingeroiefen, denen aus ihrer Zugehörigkeit zur Katholischen Aktion Schwierigkeiten erwachsen seien. Es würde zu weit führen, wollte man all die einzelnen Fülle wiederholen, die dort genannt werden, genug, der Katholischen Aktion und besonders ihren Jugendzirkeln werden alle erdenklichen Hindernisie in den Weg gelegt. Die Behandlung im Lande ist doch nicht gleichmäßig. In Rom selbst ist man rücksichtsvoller. Scheinbar ist man hier daran gewesen, den Verbänden der Katholischen Aktion das Vorschlagsrecht für die künftigen Wahlen zu geben. '
Eine staatliche Untersuchung, die darüber einqe- leitet wurde, hatte zur Folge, daß der Präsident des
Irn Landtag in München wurden nach Abschluß der politischen Aussprache mehrere Partei- erklärungen zu den von den Sozialdemokraten gegen den deutschnationalen Iustizrn > n :« st er Gaertner erhobenen Vorwürfen der unzulässigen Hemmung eines Strafverfahrens wegen der Vorgänge am 1. Mai 1923 und wegen Verfassungsverletzung abgegeben. Die Erklärung der Bayerischen Volkspartei betont, daß nach den Feststellungen des parlamentarischen Untersuchungsausschusses keine Verfassungsverletzung seitens des Iustizministers vorliege und daß damit für die Koalitionsparteien die Angelegenheit erledigt fei. Die Nationalsozialisten und die Deutsche Volkspar- tei schlossen sich dieser Erklärung an, während bi» sozialdemokratische Fraktion mit einer neuen Erklärung an ihrer Auffassung festhielt.
* Oberpostdirektor Weiland gestorben. Oberpostdirektor Weiland in Berlin ist im 59. Lebenslahre einem Herzschlag erlegen. Mit Oberpostdirektor Weiland, so schreibt der „Lokal-Anzeiger", verliert die Deutsche Reichspost einen ihrer tüchtigsten und befähigsten Beamten. Dor einigen Jahren wurde er von.feiner Tätigkeit im Reichspostmini- fterrum abberufen, um das P ost s checkamt nach der neuen Ordnung aufzubauen. Sn dieser Tätigkeit hat er sich außerordentlich große Verdienste erworben, unb man kann ihn als den eigentlichen Schöpfer des neuen Postscheckamtes aniorechen.
Scntrumstagung in Köln.
Vom Kölner Reichsparteitag der Deutschen Zentrumspartei wird uns geschrieben:
Die starken (Spannungen, die innerhalb der Deut, scheu Zentrumspartei im Hinblick auf den Kölner Parteitag obmatten, unb die großen Hoffnungen, mit denen allerorten Verlauf unb Ergebnisse dieses
Vor dem Auswärtigen Ausschuß der Kammer in Paris sind Ministerpräsident Poincare und Minister des Aeußem Briand erschienen, die, wie das nach der Sitzung verbreitete Kommunique besagt, den Willen der Regierung beteuert haben, sich für eine vollständige, definitive Liquidierung des Reparationsproblems ein- zusetzcn. Sie haben unterstrichen, daß die gegen- wattige Phase der Verhandlungen, deren allgemeiner Gang durch das in Eens im September aufgesetzte Protokoll geregelt bleibt, rein Sach- verständigencharaktar trägt. Bei den Unterredun-
Ganz besonders dankbar wird allenthalben die I — .
großzügige Vorbereitung dieses Reichspatteitages I DOtfCTtt UNO Rcttf).
durch die Kölner Zentrumspartei emp- m ±.
künden. Die Kölner und die rheinischen Zentrums- listen haben k ° b'a Aationalsozia-
sreunde haben Außerordentliches aufgeboten, um enttoüeüuna ^iMohrorfit b® a 9 e^Pe
diesem Parteitag einen würdigen Rahmen zu berei- Landtag stimm endtHnühinhoiht ten. Die Tagungsräume, die im Messehof der
Ausstellungshallen, die die Presse beherbergte, be- die d/m Staat Banern nach
hef^CMClIt tönnen auch hochgestellte Ansprüche trägen zustehenden Rechte zu wahren, ^weil damit
die gerade diesmal der Vertretung der öffentlichen Meinung zu kommen, vorzüglich gesorgt.
So darf schon dieser Auftakt als ein gutes Vorzeichen für den Verlauf dieses in der' Geschichte der Zentrumspartei besonders bedeutsamen Parteitages angesehen werden.
„ , aen. die bisher zwischen Frankreich und den ehe«
ten der Parlamente, insbesondere des Deutschen mals alliierten Ländern bezw. zwischen Frankreich
Reichstags und des Preußischen Landtags, sind und Deutschland stattgefunden haben, ist besonders
gleichfalls zahlreiche zur Stelle. Unter den führen- auf den Wunsch Deutschlands hin verabredet worden Persönllchketten der Landesparteien vermißt den, daß die unabhängigen Sachverständigen keine
man freilich den hochangesehenen' und verdienten die Regierungen bindenden Entscheidungen treffen
Führer des badischen Zentrums, den Prälaten Dr. könnten. Es'werde also Sache der Regierungen
S ch o f e r, der aus gesundheitlichen Gründen auf sein, wenn die vorausgehende Sachverständigem
die Teilnahme an diesem Parteitag leider verzieh- arbeit abgeschlossen sein wird, darüber zu urteilen,
ten muß. Die preußischen Vertreter führt wie stets ob die Schlußfolgerungen der Sachverständigen es
bisher in berounberungsroerter Frische der Führer I erlauben, daß die politischen Verhandlungen in eine des preußischen Zentrums Dr. Dr. Porsch, von neue Phase tteten. Der Ministerpräsident und
den Landesorganisationen sind des weiteren fast der Außenminister haben chre auf präzisen Doku-
susnahmslos die leitenden Persönlichkeiten zur menten begründete Ueberzeugung zum Ausdruck
Stelle. gebracht, daß die Verhandlungen in einem Geiste
Cm besonderer Beweis für das starke Interesse. I der Verständigung und des guten Willens einge>- bas man diesmal den Verhandlungen des Par- leitet werden würden, die die feste Hoffnung auf
ieitages entgegenbringt, ist die überaus lebhafte einen guten Abschluß erlaubten.
und lebendige Anteilnahme aller führenden Person- In einer Meldung der Agentur Havas über «chkeiten nicht nur, sondern auch der Delegierten diese Sitzung des Auswättigen Ausschusses
an den, den Verhandlungen des eigentlichen Par- noch berichtet, daß der Vortrag der beiden
teitages vorangehenden Beiratssitzungen. So beo- ster etwa zwei Stunden dauerte. Ministerpräsident
bachtete man in den Beiräten, die die Fragen Poincare habe genau die Lösungen auseinander-
der einzelnen Berufsstände behandelten, so im Be- gesetzt, die ins Äuge gefaßt werden könnten und
amtenbeirnt, im Ausschuß für die Besprechungen die seitens der Regierung als geeignet erachtet
von Fragen des kaufmännischen und gewerblichen würden, zu dem gesuchten Ergebnis zu führen Er
Mittelstandes, der Landwirtschaft, von Grenzland- habe gezeigt, wie die Regelung des Revarattons-
fragen, von Angelegenheiten der Jugend, Aka- Problems eng verbunden fei mit der Prosperität
demikerschast, der Wiitdthorstbunde, ferner im des Landes und somit mit dem seit 1926 begon-
Reichsfrauenbeirat, in der Diasporaarbeitsgemein- neuen Sanierungswerk, dessen Krönung die Re-
schaft. bei Tammg der Handels- und Industriebei- gelung des Reparationspwblems sein würde Die
rate der Deutschen Zentrumspartei, ölttglieber des Angaben Poincares, die durch Briand der mehr-
Parteioorsttmdes, Vorstandsmitglieder der Fraktio- mals das Wott ergriff, unterstützt bezw vervoIhnen von Reichs- und Landtag, zahlreiche Abge- ständigt worden seien, hätten die vollkommene
ordntte der Parlamente, Führer der Landeoor-'ani- I Uebereinstimmung der Ansichten der beiden Mini- fahonen usw. Zumeist haben diese Persönlichkei- ster gezeigt. Lediglich ein Mitglied des Ausschusses
ten mach sehr eingehend in die Debatten mit ein- der frühere frawösische Delegierte in der Reva-
gegrtrfen. Schon letzt ergibt sich, daß in Köln eine rationskommission Dubois, soll einige Vorbehalte
ganz gewaltige, nicht nur organisatorische, sondern gemacht haben: alle anderen Anwesenden dagegen
auch gedankliche Arbett geleistet wird, die für die von den Sozialisten bis zu den Konservativen'
praktisch politischen Aufgaben der Zentrumspartei sollen der von Poincare vorgettagenen Anffaffunä
in nächster Zeit von größtem Werte fein werden. I