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Fuldaer Zeitung
Das Recht an her krfindnng des Angestellten
Bon Hermann Wilhelm R e u ß, Berlin.
M 281.
Mittwoch, »en 5. Seiember 1928.
gebildet, daß sie sich bei e-ner normalen Berufs» arbeit ganz von selbst wie eine organische Frucht des Betriebes als solchen ergibt. Das Recht von einer solchen Erfindung fällt stets unmittelbar dem Unternehmer zu, ohne daß die etwa beteiligten Angestellten einen Anspruch auf Sondervergütung hätten.
Die zweite Gruppe, die sogenannten J i e n ft. ersin düngen, entbehren im Gegensatz zu den «den behandelten Betriebserfindungen nicht des Charakters einer geistig-schöpferischen Tat.. Es wirb "bei ihnen wirklich eine abnorme, die Durchschnittsleistung überragende geistige Tat vollbracht. Bei einer solchen Erfindung aber, wenn sie Dienst- erfindung ist, liegen die Verhältnisse so, daß der erfinderische Angestellte — wenn auch nicht ausschließlich — so doch auch gerade zu dem Zweck angestellt war, auf Neuerungen und Verbesserungen, kurz: auf Erfindungen, bedacht zu sein. Wenn er dann wirklich eine Erfindung macht, so vollbringt er eine vertragliche Leistung, die nach dem Anstellungsvertrag nicht ihm, sondern dem Be- triebsinhaber zufällt. Auch hier wird m der Regel keine Sondervergütung gewährt, da meist das Gehalt der hierher gehörigen Angestellten unter Berücksichtigung einer Erfindertätigkeit bemeßen wird Die für solche Diensterfindungen vorwiegend in Betracht kommenden Angestellten sind der Chemiker in einem Versuchslaboratorium und der Ingenieur in einem Konstruktionsbüro.
Freie Erfindungen, die weder Betriebs- noch Diensterfindungen sind, die also in keinerlei Zusammenhang mit der besonderen Stellung des Erfinders im Betrieb stehen oder doch nicht in Ausführung ihm übertragener Arbeiten gemacht werden.
Diese Erfindungen stehen allein dem Angestellten zu. Rur er hat das Recht auf Patenterwerb. Der Betriebsinhaber könnte eine solche Erfindung lediglich wie jeder Dritte durch einen besonderen Vertrag mit dem Erfinder erwerben.
Parteitag der vesinnung.
Wohl selten ist in der Geschichte unserer Partei ein Parteitag mit solcher Spannung erwartet nror- den, rote der diesjährige, der zum 8. und 9. De zember nach Köln zusammengerusen worden ' t. Auf denen, die die Partei als Delegierte entsendet, liegt große Verantwortung. Mehr als em halbes Iahrlmndert deutscher ZentrumstvadMon schaut aus sie nieder. Die geistigen und materiellen Sorgen einer schweren Gegenwart stehen vor ihnen.
Das Deutsche Zentrum hast sich den Notwendigkeiten deutscher Politik nie versagt. Namenl- sich die Geschichte der Nachkriegszeit wettz, daß es seine Kräfte bis zur Selbstaufopferung in den Dienst von Volk und Staat gestellt hat. Obwohl diese Haltung von seinen Wählern nicht immer verstanden worden ist, wird sich das Zentrum auch künftighin bewußt bleiben, daß Dienst am Dolks- c-anzen höchster Sinn einer Partei ist. Darum aber ist es heute an der Zeit, daß sich die Zentrumspartei des Ernstes ihrer eigenen Lage bewußt wnD. Unsere politische Rolle ist noch nicht ausgespieu; sie ist aber durch das Ergebnis der letzten Wahlen stark gefährdet Darum gehört der Kölner Parteitag in allererster Linie der Auseinandersetzung über den heutigen Stand und die Zukunft der Partei. In diesem Zusammenl^nge wird KAn wohl auch ein ernstes Wort über technisch-organisatorische fragen sprechen und mit allem Nachdruck auf die Nor« wendigkeit des Ausbaues der Organisation, der Einsetzung verantwortungsfreudiger und arbeits- bereiter Kräfte in verantwortliche Stellungen, der Verbreitilng unserer Presse, der Heranziehung der jungen Generation zur gleichberechtigten Mitarbeit Hinweisen müssen. Ziel des Kölner Parteitages muß es fein, in unseren eigenen Reihen den Glauben an die Notwendigkeit, an die Zukunft der Partei wieder ganz tfestzumachen und alle die, die früher einmal zu uns gestanden haben, wieder aufhorchen zu lassen. Köln muß ein Tag der Besinnung für alle werden, für den Wähler wie für die in Fraktion und Partei mit Verantwortung Beladenen. Keine Kritik im Persönlichen, aber Offen«
Die Frage, wem das Recht an der Erfindung eines Angestellten zuftehe, seinem Fabrikherrn oder dem Erfinder selbst, steht seit Beginn unseres Jahrhunderts unter den Beteiligten immer wieder zur Erörterung. Wohl wenige Fragen sind so erbittert und leidenschaftlich 'm Wort und Schrift auf Kon- gresien und in öffentlichen Versammlungen tm-- kämpst worden. Selbst die breite Oeffentlichkeit hat an diesem Meinungsstreit ein starkes Interesse bekundet und insbesondere unter den Juristen fand das Problem der Angestelltenerfindung emen beachtlichen Widerhall. , .
Es ist ohne weiteres verständlich, datz M) m dieser Frage die Unternehmer einerseits und ihre Angestellten andererseits schroff gegenüber,Lehen; die Unternehmer möchten das Recht an Crsindun- gen, die in ihrem Betrieb von ihren _lnge| teilten gemacht werben, ganz ebenso in Anspruch nehmen, wie sie die sonstigen Arbeitsprodukte beanspruchen; die Angestellten hingegen betonen den gruudiatz- lichen Unterschied zwischen dem Ergebnis einer normalen beruflichen Tätigkeit und der Erfindung, als einer über diese normale SBeriifsarbett chuaus- gehenden geistig-schöpferischen Tat Diesen Unterschied wollen die Angestellten insofern beachtet wr - sen, als ihnen das Recht an ihrer Erfindung selbst zustehen soll. , ,r, . , .
heute werden die (Streitfragen meist durch eme sogenannte Ersindungsklausel in den An- tellunqs- oder Tarifverträgen geregelt. Die e Regelung geht gewöhnlich von einer Dreiteilung der Angestelltenerfindung tn Betriebserfindung, Diensterfindung und freie Ersindung
beit in der Sache. Die letzten Wahlen haben einen Rückgang des staatlich-politischen Denkens und ein Anwachsen des wirtschaftlich-klassenmäßigen Denkens gezeigt. Dieser Prozeß kann zu einer Auflösung der Weltanschauungsparteien, auch zu einer Zersetzung des Zentrums führen, wenn es ihm nicht gelingt, zutiefst wieder in feinen eigenen Reihen die weltanschaulichen Kräfte zur Wirksamkeit zu bringen. Ohne den deutschen Katholizismus ist das Zentrum nicht- denkbar. Stärke und Kraft des Religiösen ist letzten Endes auch der Gradmesser der politischen Kraft der deutschen Katholiken. Wer tiefer in unsere Zeit hinemschaut, wird trotz aller Materialisierung eine tiefe Zurückbesinnung auf die weltanschauliche Grundlage in unserem Lager feststellen können. Wir wandern aus einer liberalisierten und säkularisierten Zeit heraus, einer Zeit, die die Werte abtrug, die wie vom Himmel erglühte Berge in unser Leben hineinragten und uns orientierten; wir erfteigen langsam wieder die Höhen unserer Lebens- und Weltanschauung, um von da aus die Welt zu betrachten und von da aus unser Handeln zu richten. Diese Kräfte gilt es weiter zu wecken und weiter zu fördern. Von hier aus müssen wir die Zeit und ihre großen Fragen sehen, besonders die Frage nach der Neuordnung unserer Wirtschaft, das Kapitalismusproblem, sowie die Frage nach der internationalen Friedenssicherung. Will der Kölner Parteitag auch an die Menschen heranreichen, die in der Politik, über die Erledigung von Tagesfragen und Aufgaben hinaus, den Aufriß einer großen Zukunftslinie sehen wollen, bann kann er an diesen Fragen nicht vorübergehen, dann wird er den Beweis bringen müffen, daß das Zentrum diese quälenden Fragen versteht und sich um ihre Lösung bemüht. Nur so wird Köln die geistigen Menschen in der Politik und die junge Generation wieder zu uns aufschauen machen.
Dabei sind wir uns durchaus bewußt, daß der Kölner Parteitag mitten in eine schwere Notlage so mancher Berufsstände hineingestellt ist. Ein anschauliches Bild hierüber gab ber Magdeburger Katholikentag. Er st-llte die Behebung der Wohnungsnot, die bäuerliche und die Wohnsiedlung, die Not der kinderreichen Familien, die große Bedrängnis der Bauern, Kleinkaufleute, Handwerker und Arbeiter frei und offen in den Mittelpunkt. Wir sind der Meinung, daß es gerade Aufgabe der vom Weltanschaulichen her bestimmten Politik ist. das ganze Schwergewicht unserer Partei und unserer Fraktionen einzusetzen, um diese Notlage zu heben und so wieder Unterlagen zu schaffen gerade auch für ein gesundes sittliches Leben. Köln muß in diesen Fragen ein offenes und freies Wort sprechen und der deutschen Politik und Oeffentlichkeit kundtun, daß dem Zentrum die Tilgung dieser Notstände aus sittlichen Gründen die Pflicht der nächsten Monate und Jahre ist, hinter die alle Fragen zweiter und dritter Ordnung zurückzutreten haben.
Mit demselben Ernst und derselben Offenheit muß sich ber Parteitag mit der Reform unseres parlamentarischen Systems, insbesondere des jetzt geltenden Wahlrechts befassen. Unser Volk verliert allmählich den Glauben, daß es dem Deutschen Reichstag Ernst um eine Reform des Wahlrechts ist. Das ist ein gefährlicher Zustand. SBir oom Zentrum haben nicht nur aus gelamtpolitischen, sondern auch aus parteipolitischen Gründen alle Ursache, entschieden an einer Reform unseres heutigen Wahl-, rechts in dem Sinne zu arbeiten, daß die wachsende Entfremdung zwischen Parlament und Volk überwunden und das politische Interesientum zugunsten politischer Parteien und politischer Menschen zurückgedrängt wird. Gerade die Jugend, d-e zu uns steht, bringt dieser Frage das größte Interesse entgegen. Wem an einer wachsenden Mitar- bert lunäer Kräfte in der Politik gelegen ist, kann sich der Notwendigkeit nicht verschließen, dem deutschen Volke das in verschiedenen Regierungserklärungen gegebene Versprechen auf Wahlrechtsreform einzulösen.
So sehen wir die Aufgaben des kommenden Parteitages. Köln kann ein neuer Aufbruch unserer politischen Kraft werden, wenn wir uns alle im Letzten bewußt sind, daß der tieffte Sinn ber Zentrumspolitik doch der ist, aus fester weltanschaulicher Ueberzeugung, aus lebendigem und zeitoffe- nem Christentum unser deutsches Volks-, Staatsund Wirtschaftsleben zu gestalten, daß wir als Christen aus unserer Verantwortung vor Gott in der Politik stehen und arbeiten. Möge Köln von diesem Geiste beseelt fein. >
""'Unter Berriebserfindungen versteht man solche Erfindungen, die unter Ausnutzung der Betriebserfahrungen und Betriebsmittel dergestalt gemacht werden, daß non einer die übliche Beritfs- arbeit übersteigende schöpferischen Tätigkeit des Erfinders kaum noch gesprochen werden kann. Man denkt sich also die Betr-ebserslndung in den De- triebserfahrungen und ^Betriebsmitteln soweit vor
Gewaltig
wird die Leistungsfähigkeit durch Zusammenschluß gesteigert. Zirka 400 Geschäfte kaufen durch die „Deutsche Einkaufsgenossenschaft für Textilwaren e. G. m. b. H. in Erfurt-Chemnitz-Berlin gemeinsam ein.
2. Blatt.
Druck bet Fuldaer Ackiendruckerel, Fulda
Iunglehrernot.
Aus katholischen Junglehrerkreisen wird uns geschrieben: ...... .
Ueber Junglehrernot ist viel geschrieben und vielleicht auch zur Abhilfe manches „versucht wor- den, aber was wurde erreicht? Wir Junglehrer, insbesondere wir Katholiken unter ihnen, verspüren nichts von Besserung oder Hebung der Not. Ein Zuschuß von monatlich 60.—, 80.— Mark, tm Höchstfälle von 100.— Mark ist alles, was uns gewährt wird. Dafür hospitieren wir und besuchen die Arbeitsgemeinschaft. Was für eine befriedigende Arbeit für einen erwachsenen Menschen von 25 bis 30 Jahren: Zusehen, wie andere es machen! Und ist man einmal selbständig, bann darf auch die Kontrolle nicht fehlen. Gewiß, auch unsere Arbeit mutz beurteilt werden, könnten wir aber nicht Besseres leisten, wenn man uns einmal in aller Freiheit wirken ließe?
Die Iunglehrernot hat verschiedene Ursachen. Die letzten Seminare wurden bis 1925/26 geführt. Schon während des Krieges gaben die amtlichen Statistiken ein Bild des zukünftigen Lehreroerbrauchs. Wozu diese Statistiken, wenn keine Konsequenzen gezogen werden? So kam es, daß 1926 — plötzlich — 40 000 Junglehrer stellungslos waren. Jetzt sind es noch 28 000 vorläufig! Man hat vor, die Klassenfrequenz wieder heraufzufetzen und wenn dies pro Klasse fünf Schüler ausmachen würde, so bedeutete dies für jede Schule wenigstens den Abbau eines Lehrers. All diese Aussichten zwangen viele Bewerber in andere Berufe überzugehen, natürlich vorübergehend, denn jeder hofft doch einmal in den Wirkungskreis zu kommen, auf den er sich vorbereitet hat! Andere blieben als Hospitanten im Schuldienst, fielen damit natürlich ihren Eltern — meist mittleren und kleinen Beamten, die schon die teuren Studienkosten schwer aufbrachten — wieder zur Last. Erfolgt keine Abhilfe, dann wird Jahrgang 1920 ev., früher keines- falls, 1930 eingestellt und Jahrgang 1926 hat die Aussicht, 1935 in den Schuldienst eingestellt zu werden. Die „Anstellung" fällt bann wahrscheinlich I mit der Pensionierung zusammen.
Ist die Schließung der Seminare zu spät er- I folgt, so hatte speziell Preußens junge Lehrerschaft
Eine Grossmacht
mit mehr als 100 Millionen Mark Umsatz ist dadurch geschaffen und verbürgt billigste Preise bei erster Qualität.