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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Nr. 281.

Erscheint sechsmal wöchentlich- Wochenveilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenölätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1.80 einschl. Postgeb. (30 bezw 48 Pf., ohne Zustella

Mittwoch, 5. Dezember 1928.

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SS.Zahrg.

Der zühnr!

Ein verdienter Parteifreund schreibt uns:

Ehre, wem Ehre gebührt! Die Zentrumspartei hatte große Führer! Windthorst und Mal­linkrodt, v. Schorlemer und die beiden Reichensperger, Graf Galen und von Frankenstein und wie sie alle heißen, haben der katholischen Kirche in Deutschland die F r e i» heit gerettet. Sie sind ins Grab gesunken und andere große Männer sind gekommen und haben die Parteifahne dem katholischen BÄke in gewal- tigen Kämpfen und parlamentarischen Schlachten vorangetragen. „ m

Die Nach kriegszeit hat der politischen Ver­tretung des katholischen Deutschland die Aufgabe gestellt, nicht n u r die freie Betätigung der karho. lischen Kirche und des christlichen Deutschland über­haupt sicherzustellen, sondern den Staat selbst 3U retten ! Die letzten zehn Jahre waren Jahre nervenaufreibender politischer Arbeit.

Es ist nicht zu viel behauptet, wenn hier aus­gesprochen wird, daß ohne die verantwortungsbe­wußte 'opferbereite und hingebende Arbeit der Deutschen Zentrumspartei Deutschland wahrschein­lich im politischen Radikalismus untergegan­gen wäre.

Der deutsche Wiederaufbau in verfassungsrecht­licher und wirtschaftspolitischer Beziehung ist weit- gehendst das Werk der deutschen Zentrumspar- tei und ihrer Führer!

Crzberger, der Mann voller politischer Probleme und der energischen Tat wurde hingemordell Grö­ber und Spahn, Trimborn und Burlage, Brauns und Marx, Hitze und Wirch, Schofer und Mayer- Kaufbeuren und andere Führerpersönlichkeiten mehr büßten weitgehend ihre Gesundheit ein oder sanken unter der Wucht ihrer Verantwortung all­zu früh ins Grab!

Das katholische Volk hat sich bei den letzten Wahlen nicht überall dieser Tatsachen erinnert.

Die schnellebige Zeit mit ihren sich überstürzen, den Ereignissen außen- und innenpolitischer Art ließ es vergessen, was die Zentrumsführer in Deutschlands größter Notzeit geleistet haben, um Volk und Vaterland zu retten.

Die alten Führer gingen von uns. Neue Män- ner und Frauen kamen, erfüllt von dem Willen zu politischem Schaffen und zur Uebernahme unan­genehmer Verantwortung. Einer der zur Garde der „Alten" zählt, ist neben dem Nestor der Deut­schen Zentrumspartei, dem Abg. Herold und dem Führer des preußischen Zentrums, Dr. Porsch, ge­blieben: Es ist M a r x l

In kritischer Zeit war Marx viermal Reichs­kanzler, er war viele Jahre lang Fraktionsvor­sitzender und Vorsitzender der Deutschen Zentrums- pärtei.

Mit tiefem Bedauern haben darum auch wei­teste Kreise der Zentrumspartei vernoinmen, daß Marx aus Gesundheitsrücksichten von feiner Stelle als Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei zu- rücktreten will. Es ist erklärlich, daß man die Frage aufwirft, ob nicht doch wieder Marx der Führung der Eesamtpartei erhalten bleiben könne. Aber wie immer sich der Reichsparteitag ent­scheidet, — und diese Entscheidung muß von allen Parteianhängern respektiert werden, — u. wer im­mer der Führer der Deutschen Zentrumspartei sei, — wir müssen geschlossen hinter ihm stehen! Mit dem Verbrauch der führenden politischen Kräfte in unserem Lager ist vielleicht ein allzu starker Gebrauch gemacht worden. Der Führer muß alle hinter sich wissen und alle müssen ihm helfen. Ehre, wem Ehre gebührt!, so denkt das Volk!

*

Die hier wiedergegebenen Gedanken hak be­kanntlich auch der Landesausschuß der K u r h e s » fischen Zentrumspartei auf seiner letzten Tagung in Fulda mit allem Nachdruck ausgespro­chen.

Nach dem Kampf.

Die Lage im bisherigen Aussperrungsgebiet.

Der Reichsminister des Innern, Severin g Aer am Montag zwecks Information über die Wirt­schaftslage im Ruhrgebiet nach Düsseldorf gereist ist, wird voraussichtlich am Mittwoch nach Berlin zurückkehren. Der neue Schiedsspruch dürfte je­doch, wie der sozialdemokratische Pressedienst mel­det, frühestens erst im Laufe der nächsten Woche gefällt werden.

Im Duisburger Bezirk arbeiten in der Schwer- fnbuftrie wieder alle Hochofenanlagen der rheini­schen Stahlwerke. Vorläufig wurde allerdings erst ein Teil der Belegschaften eingestellt. Nach Er­ledigung der Vorarbeiten sollen weitere Teile der Belegschaften in den nächsten Tagen wieder einge­stellt werden. Die Alfred-Hütte in Rheinhausen der Firma Krupp begann bereits kurz nach De- tanntwerden des Beschlusses des Arbeitgeberverban­des über die Oeffnung der Betriebe am Sonntag abend mit der Arbeit. Die Maschinenfabriken roer- Sen erst am Dienstag mit der Arbeit beginnen.

* Ausbildung polnischer Offiziere in Frankreich, ffßte der „Temps" ans Toulon berichtet, wird dort von französischen Marineoffizieren ein Kursus zur Unterweisung polnischer Offiziere in der Steuerung und Bedien ui! qvon Unterseebooten abgehalten.

* Massive Resistenz im österreichischen Vostbekricb. Aus Wien wird die Eröffnung der passiven Resi­stenz durch die Postbeamten wegen Lohnforderun­gen gemeldet. Rückwirkungen im Poft- und Paket­verkehr haben sich für das Publikum kaum be­merkbar gemacht, dagegen stauten sich b;= zum Nachmittag auf dem Hauptpostamt bereits emtref»

Amerika beteiligt sich an Her Pariser Kommission

z».-

die

lauptung

friedenstellen werde.

Vie Ratstagung in Lugano.

Am Freitag wird sich, laut „Dass. Ztg.",

Außenminister Br land hat außer Botschafter von Hoesch auch den belgische n B o t s ch a f t er empfangen. Nach Havas bezogen sich die Unterre­dungen auf die Reparationsfrage und die Bil­dung des Sachoer st ändigenausschuf. f es.

wtb. Paris, 4. Dezember. (Eig. Funkm.) Havas berichtet, es sei jetzt sicher, daß die Reparations- sachverständigen-Kommission in Paris tagen und daß jede der in chr vertretenen sieben Mächte ein­schließlich der Vereinigten Staaten je zwei Sachverständige ernennen werde.

deutscheDelegationzuder Ratstagung des Völkerbundes nach Lugano begeben. Dr. Strese- mann wird auch diesmal von Staatssekretär Dr. v. Schubert und von dem Ministerialdirektor Dr. (Saus begleitet sein.

Chamberlains Auslegung.

Im englischen Unterhause wurde an C h a m b ev- l ain die Frage gerichtet, ob die Regierung der Ansicht sei, daß die deutsche Regierung die Bestim­mungen des Art. 431 des Versailler Vertrages durchgeführt habe, und wenn dies nicht der Fall

berg nicht genehm sind. So hat Hugenberg in einem Rundschreiben Stellung gegen den deutsch­nationalen Abgg. Treviranus wegen seiner Panzerkreuzerrede genommen, und es soll eine Liste aufgestellt worden sein von denjenigen Per- könlichkeiten, die nach dem Willen Hugenbergs bei den nächsten Wahlen nicht mehr als Kandidaten der deutschnationalen Dolkspartei aufgestellt wer- den dürfen. Cs befinden sich darunter Treviranus, Lindeiner-Wildau (der bekanntlich in Hef. fen-Naffau gewählt ist und zu den fog. Jung- Konservativen gehört), Lambach, Lejeune-Jung u. Dryander. Im „Jungdeutschen" wird ergänzend dam bemerkt, daß auch einer Anzahl Parteiange- stellten gekündigt worden fei. Das Blatt teilt aber mit, daß sich mehr und mehr innerhalb der deutsch- nationalen Wöblerlchich'en die Front gegen Hu- genberg zusamm'mschließe. und zwar gäre etz am stärksten unter den Bauern, die ja allerdings durch die Wahl Huaenheras ?um Parteivorfitzenden der deutlchnatmn-Len Volkspartei auf das Stärkste ve'-vrellt worden find.

Dieser Wirrwar b-i den Deutschnationalen gleicht fa bald schon d»m Ketzernericht und dem Durchein­ander bei den Kommunisten.

liegenden Vertrages getreulich beachtet werden. So viel über die juristische Seite der Frage.

Die politische Seite der Frage ist von glei­cher Wichtigkeit, obwohl hier ganz andere Ueber- legungen für die Entscheidung maßgebend sind. Ich möchte wiederholen, daß die britische Regierung es begrüßen würde, wenn das Rheinland von den ftanzösischen, britischen und belgischen Truppen ohne Rücksicht auf das den ehemals Alliierten zustehende Recht, die Besetzung bis zum Ablauf der im Vertrag festgesetzten Frist weiterbestehen zu lassen, bald geräumt werden würde.

Kenworthy fragte darauf hinsichtlich der juri­stischen Seite der Frage, ob die Ausführungen Chamberlains so aufzufassen seien, als betrachte die britische Regierung nunmehr die Frage der Reparationen und die der Besetzung als mitelinander in zwangsläufiger Verbindung stehend.

Chamberlain antwortete, er habe eine reiflich überlegte Antwort gegeben, worin er auf die ihm gestellte Frage in vollem Umfang eingegangen sei, ja, er sei in seiner Antwort noch über den Inhalt der Anfrage hinausgegangen, weil er es für nötig gehalten habe, zwischen dem rein juristischen Pro­blem und dem Problem zu unterscheiden, welche Politik die Regierung zu verfolgen wünsche. Er beabsichtige nicht, feiner Antwort irgendetwas hin­zuzufügen.

Kenworthy stellte dann die Anftage, ob sich der Staatssekretär des Auswärtigen bewußt sei, daß am 8. November Schatzkanzler Churchill eine gcmz andere Darstellung der von der Regierung hin­sichtlich der Angelegenheit gehegten Anschauungen gegeben habe.

Chamberlain antwortete: Churchill hat eine andere Seite der Angelegenheit behandelt. Ich bm nicht der Ansicht, daß em Widerspruch zwischen seinen Ansichten und der wohlüberlegten Anschau­ung besteht, die ich eben dargelegt habe, obwohl dies zeigt, welche Schwierigkeiten es hat, sich mit solchen Dingen in der Antwort auf eine ergänzende Anfrage zu befassen.

Die Zlottenversländigung.

Der englische Ministerpräsident Baldwin gab bekannt, daß seine Antwort auf die Einladung des Borsitzenden des Marineausschnsses des amerikani- fchen Repräsentantenhauses, Britten, zu einer Aussprache über die Seerüstung der beiden Länder sich auf eine Würdigung der von Britten zum Ausdruck gebrachten Gefühle beschränkt habe. Gleichzeitig habe 'er aber erklärt, daß er bedauere, sich nicht der Regierung der Vereinigten Staa­ten gegenüber erneut zu einem Vorschläge äußern zu können, über den sie offenbar nicht befragt mor­gen sei. Die Antwort sei Britten direkt zuge­gangen.

Amerikas Waffenmacht.

Aus Washington wird gemeldet: Kriegs­sekretär Davis hat dem Präsidenten Coolidge den Jahresbericht des Kriegsamtes für das mit dem 30. Juni zu Ende gegangene Fiskaljahr überreicht. Da- vis fordert für die Luststreitkräfte des Landes ein Ausbildungssystem, das keinem in der Welt nach- steht. In dem Bericht heißt es weiter:

Der Stärke der Luststreitkräfte hat die für das erste Zuwachskontingent des auf 5 Jahre verteil­ten Erweiterungsprogrammes bewilligte Stärke noch nicht erreicht. Der Bau von Luftfahrzeugen hat eine Periode der Standardisierung in der Welt erreicht. Die Stärke der Überseeischen Garnisonen konnte nicht vermindert werden, um einen Zuwachs für die ßuftftreitträfte zu schaffen. Das Kriegs­departement blickt mit großer Sorge auf die wei­tere Herabsetzung innerhalb der einzelnen Trup­pengattungen, die in den Vereinigten Staaten für ein Gebiet von 3 Millionen Ouadratmeilen und einer Bevölkerung von über 120 Millionen Men­schen insgesamt 66105 Mann betragen. Das we­sentliche und hauptsächlichste Bedürfnis des Hee­res vom Gesichtspunkt der möglichen Teilnahme an einem Kriege ist die Entwickelung und Verbes­serung der Waffen und des fonftigen Heeres. Fer­ner ist vor allem erforderlich eine beständige An­strengung, um für den äußersten Fall die schleu­nige Produktion von Heeresbedarf der modernsten Art sicherzustellen. Das Kriegsdepartement hat in seinen Bemühungen, dieses Ziel zu erreichen, nicht nachgelassen.

wtb. Paris, 4. Dezember. (Eig. Funkm.) New- york Herald will erfahren haben, daß Botschafter von Hoesch sowohl Ministerpräsident Poincare am Samstag, wie gestern Briand erklärt habe, daß die deutsche Regierung ihre Stellungnahme in der Frage der Ernennung der Sachverständigen zur Regelung des Reparationsproblems nicht ge­ändert habe. Deutschland bleibe bei dem in Gens getroffenen Beschluß, daß die Sachverständi­gen von den Regierungen ernannt werden müßten, nicht von der Reparationskommkssion. Aus diesem Grunde habe es gestern wenig aussichts­reich geschienen, daß die Alliierten bald auf das deutsche Memorandum vom 30. Oktober antworten würden. Sämtliche alliierten Mächte schienen jedoch einig darin zu sein, daß die Antwort in Berlin noch vor Zusammentritt des Völker» b undsrates eintreffen sollte. Die zwischen Lon­don und Paris zu diesem Zweck geführten Verhand­lungen machten Fortschritte. Da die englische Stellungnahme derjenigen Deutschlands näher komme als der ftanzösischen hoffe man, daß ein Kompromiß zustandekomme, daß Deutschland

sei, ob Einzelheiten darüber mitgeteilt werden könn­ten, in welchen Punkten sie sie nicht erfüllt habe. Chamberlain antwortete ,die Frage sei unter zwei Gesichtspunkten zu betrachten. Eine besondere Un­tersuchung bezog sich auf die Interpretation des Vertrages und behandelte die Rechtsfrage. Der zweite Gesichtspunkt sei politischer Art. Was die Rechtsfrage betreffe, so sei die britische Regierung dahin beraten worden, daß noch kein rechtsverbindlicher Nachweis für die Beh< .' „ geführt worden sei, Deutschland habe alle ver­tragsmäßigen Verpflichtungen in der Weise erfüllt, daß es aufgrund des Art. 431 oder sonstwie als Recht beanspruchen könnte, die Zurückziehung der das Rheinland zurzeit besetzt haltenden Truppen vor, dem Ablauf der in dem Vertrage festgesetztM Frist zu fordern. Die hauptsächlichste Verpflichtung, die Deutschland noch nicht erfüllt habe, sei die der Reparationen. Nach Auffassung der Regierung kann das in Artikel 431 des Versailler Vertrages vorge­sehene Zugeständnis nur dann wirksam werden, wenn Deutschland die Gesamtheit seiner Repara­tionsverpflichtungen erledigt und abgetragen hat. Es ist nicht hinreichend, wenn Deutschland den Ver­pflichtungen, die es hinsichtlich der lausenden Repa- rationszahlungen übernommen hat, regelmäßig Ge­nüge leistet. Der Satz des Dertragstextes, der auf die pünktliche Erfüllung der laufenden Ver­pflichtungen Bezug hat, ist der Satz, der als Einlei­tung jenes Artikels des Friedensvertrages dient, in dem die in Zeiträumen von fünf Jahren vorzu­nehmende Verringerung der Besatzungzone vorge­sehen ist, d. h. des Artikels 429. In diesem Artikel heißt es: „Wenn die Bedingungen des vor­

sende Postsendungen von schätzungsweise 500 000 Stück. Auch im Telephon- und Telegrammverkehr war eine störende Beeinflussung des Dienstes bis­her nicht festzustellen.

* Die Aufstandsbewegung in " fthamskan. Reu­ter meldet aus Poshawar: Die Aufstandsbewegung in Afghanistan soll an Einfluß gewonnen haben. Den aufständischen Schinwaris sotten sich an­dere Stämme angeschlossen haben. Wie gemeldet, sind der Palast des Königs außerhalb der Mauern v°n Jalalabad und die Schuppen des dortigen Flugplatzes in Brand gesteckt worden. Andererseits wird berichtet, daß eine aus tönigstreuen Stammen gebildete Heeresmacht zur Unterstützung der Streit- krafte der Reaierung heranrückt und daß die afgha­nischen Minister mit den Aufständischen verhandln.

k,uqenbe g fäot ab.

Durch verschiedene Pressenachrichten und merk­würdigerweise gerade von Zeitungen, die den Deutschnationalen nahestehen, sind Mitteilungen über ein Großreinemachen Hugenbergs inner­halb der Deuts eh nationalen Partei be­kannt geworden. Es bandelt sich um ein systematr- iches „Mägen" von Derfönlichkeiten, die Hugen-

Kampf der Wohnungsnot!

Neben dem schweren Existenzkampf, in dem sich weite Kreise unserer Bauernschaft und unseres Mittelstandes befinden und neben der furchtbaren Bedrängnis, der gegenwärtig der Arbeiterschaft an der Ruhr ausgesetzt ist, gibt es keine wirtschaftliche Not, die große Teile unseres Volkes so sehr drückt und an Leib und Seele zermürbt wie die Wohnungsnot. Viele Maßnahmen auf dem Gebiete der sozialen und für- sorgerischen Tätigkeit wären überflüffig, wenn jeder in unserem Vaterlande so wohnen könnte, daß ihm ein gesundes Familienleben möglich wäre. In gar zu vielen Fällen ist die Wohnungsnot der Familie der eigentliche Quellgrund für gesundheit­lichen Verfall, soziale Unzufriedenheit, sitt- l i ch en Niedergang und religiöse Gleichgültig- feit. Wer auch immer um die Behebung all die­ser seelischen und körperlichen Nöte sich abmüht, leistet Sysiphusarbeit, wenn nicht gleichzeitig an der Beseitigung des Wohnungselendes geschafft werden kann. Das muß immer wieder gesagt, im­mer wieder in die Oeffentlichkeit hinausgeschrisen werden, damst es von den Stellen, denen die Sorge um des Volkes Wohl obliegt, nie einen Augenblick außeracht gelassen wird.

Zweifellos ist in den letzten Jahren auf dem Ge. biete des Wohnungsbaues auch von den gesetzge­benden Körperschaften vieles geleistet worden. Das erkennt auch der Zentrumswähler gerne an, und er ist stolz darauf, daß es zum größten Teil An­gehörige feiner Partei gewesen sind, die in Par­lament und Ministerium für die Behebung der Wohnungsnot mit neuen Vorschlägen und uner­müdlicher Energie gekämpft haben. Auch in l o- kaler Hinsicht hat das Fuldaer Zentrum auf diesem Gebiete eine rastlose Tätigkeit entfaltet. Was ober das tatsächlich Erreichte angeht, so herrscht auch in unseren Reihen nicht eitel Freude und kri­tiklose Zustimmung. Es ist zu wenig, so heißt es, im Vergleich zu der Dringlichkeit der Not und den für andere Zwecke vielfach verfügbaren Mitteln. Geht man dieser Kritik nach, so findet man, daß im einzelnen manches an derselben unrichtig ist und ouf ungenügender Orientierung im Einzelfall oder auf mangelhaftem Ueberblick über die Zusammen­hänge wirtschaftspolitischer Maßnahmen beruht. Es wäre jedoch falsch zu glauben, mit einer Wider­legung einzelner Behauptungen die Kritik aus der Welt schaffen zu können. Solange beispielsweise die öffentliche Verwaltung vielfach, — Ausnah­men bestätigen die Regel — zu teuer wirtschaftet, solange Großstädte Ausstellungen veranstalten, während die Bevölkerung zum Teil in feuchten Kel- lern oder zugigen Dachkammern zusammengepfercht Hausen muß, wird jene Kritik nicht schweigen, und das ist gut so.

, Wir müssen tatsächlich viel großzügiger und rück, sichtsloser an das Wohnungsprogramm Herangehen als bisher. Ganz sicher wäre fchon vielmehr er­reicht, wenn das, im Frühjahr 1926, von der Zen­trumsfraktion aufgestellte Wohnungsprogramm durchgeführt worden wäre. An kurzsichtiger, teil­weise ganz offen interessenpolitischer Kri­tik ist es damals gescheitert. Es muß von der Zentrumspartei wieder aufgegriffen und darüber hinaus nach neuen Wegen gesucht werden.

Die Hauptsorge bei Wohnungsbau ist und bleibt für das nächste Jahrzehnt die De s ch a f f u n g von billigem Kapital. Der deutsche Kapitalmarkt kann nicht alle an ihn herantretenden Ansprüche befriedigen. Es war darum ein glücklicher Gedanke, wenn die Zentrumspartei seinerzeit die Ausnahme einer Ausländsanleihe durch die Wohnstät- tenbanf unter Bürgschaft des Reiches und der Lim- der für die Zwecke des Wohnungsbaues vorgefchla- gen hat. Wenn auch im Jahre 1926 die auslänbi» fchen Kapitalmärkte für eine solche Anleihe auf­nahmefähiger und aufnahmewilliger waren als heute, wo schon seit längerem eine gewisse Ver­knappung an den Kapitalmärkten in London und New Port sich bemerkbar macht und die vielfach propagierte sogenannte „Kommerzialisierung" der deutschen Reparationsschuld ihre Schatten auch auf dem internationalen Anleihemarkt vorauswirft, so sollte doch trotz alledem dieser Vorschlag nochmals eingehend geprüft werden. Die Verbilligung des Geldes hätte dann dem damaligen Zentrumspro- gramm gemäß durch Heranziehung eines Teiles der Hauszinssteuermittel zu erfolgen. Daneben mÜl­sen nach wie vox die Mittel der öffentlich recht- lichen Kreditanstalten und vor allem die Fonds der sozialen Versicherungsanstalten in dem mit ihren Aufgaben nur irgendwie zu vereinbarenden Umfang für den Wohnungsbau zu verbilligtem Zinsfuß zur Verfügung gestellt werden.

Die Beschaffung von billigem Kapital erfüllt nur dann den Zweck, wenn gleichzeitig das B a uen selbst erheblich verbilligt ro;rb. Die Klagen über eine Ueberteuerung der Wohnung durch bautechnische Unvollkommenheiten, ungerecht­fertigt Hobe Preise der Baustoffe, überteuerten Grund und Boden sowie durch viel zu höbe Kosten für Aufschließung des Geländes, Herstellung von Straßen ufro. nehmen fein Ende. Hier muß ariind- lich Abhilfe geschaffen werden. Eine über­teuerte Wohnung erfüllt ihren Zweck nicht, sie kann auf keinen ff all gerade non jenen minderbe­mittelten Schichten der Bevölkerung bezahlt wer­den, die doch zurzeit am schlechtesten wohnen wenn sie überhaupt em Unterkommen gefunden haben das ein Fami^enleben ermöglicht Die nvi­sier u na der Wohnungen und die Normalisierung hei her fvrftrihtna der Bauten hat bei uns in Deutschland f’t«her noch feine«m»ns die aem’"nWen Erfolg- auf zu weifen fiter sollte mit ein mmig behördlichem Druck hei d-w Beroet'ttno der fmif«- xinsfteuer ufro. nachaehollen werden, mährend an» fcererfeits die behördliche Bearbeitung von Bauan-