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Fuldaer Zeitung

Die letzte Fahrt des Siegers vom Skagerrak

Donnefel<tts

I V ist und bleibt der Beste! ICC

Bürgermeister von einem Bediensteten des Barons spricht. Das stimmt also ganz und gar nicht."

„Eben deshalb dachte ich an einen Irrtum."

„Hm, mein Freund ist nicht der Mann, tu solchen Dingen einen Irrtum zu begehen. Das glaube ich nicht. Und die Tatsache, daß er fortgegangen ist, offenbar gegen seine vorherige Absicht, scheint mir auch nicht ganz ohne Bedeutung. Ich für meine Person bin vollkommen da­von überzeugt, daß er der Sache tatsächlich auf den Grund gekommen ist. Sonst hätte er nicht mit solcher Entschiedenheit davon gesprochen."

„Aber weshalb bleibt er dann weg? Er weiß doch, daß wir hier auf ihn warten. Und daß der Bürgermeister auf ihn wartet und durch sein Fernbleiben in eine sehr peinliche Lage gerät."

Roger überlegte einen Augenblick und sagte dann:

„Ich weiß, Fräulein Burton, Sie sind kein zimper­liches Dämchen, ich kann Ihnen meine Befürchtungen darlegen. Ich fürchte, unser Freund bleibt nicht frei­willig aus. Ich habe Angst, daß er in einen Hinterhalt gelockt wurde und man sich seiner bemächtigt hat."

„Aber wer? Wer sollte das wagen?"

„Nun, wer anders als jene, die alles Interesse daran haben, daß er nicht zu Worte komme? Die wissen, daß er das Rätsel gelöst. Sie haben keinen anderen Ausweg mehr, als den Detektiv unschädlich zu machen, und ich fürchte, es ist ihnen gelungen."

„Das wäre ja entsetzlich!" rief Dora aus.

Der Rechtsanwalt hüstelte bloß.

„Was tun wir?" fragte sie hilflos.

„Ja,' was tun wir? Jedenfalls bin ich nun völlig einer Meinung mit Ihnen, daß die Leute auf dem Eichen­hof eine mißliche Rolle spielen. Es geht mir wie Ihnen, ich mißtraue dem Baron. Wenn Rofch den Diener ver­haften ließ und der Baron sich nun für ihn einsetzt, so flößt mir dieser Umstand tiefstes Mißtrauen ein. Des­halb habe ich mich auch dem Bürgermeister erbötig ge­macht, beim Baron oorzusprechen. Ich will mit ihm in Fühlung bleiben, und wenn ich mich zu ihm begebe, werde ich Augen und Ohren gehörig offen halten."

„Sie stehen also ganz auf unserer Seite?" sagte Dora mit einem lieben Lächeln um die Lippen.

Marineoffiziere tragen den Sarg des Admirals Scheer aus der Weimarer Herder-Kirche.

Von zahlreichen Abordnungen der neuen und der alten Reichsmarine begleitet, wurden die fterfr lichen Ueberreste des deutschen Flottenchefs aus dem Weltkriege zur letzten Ruhe gebettet.

Nr. 282: „Niemand wird bestreiten können, daß die Annahme des Antrages den letzten noch ver­bliebenen Rest von politischer Freiheit in Deutsch­land beseitigen würde!" Eine merkwürdige Einstel­lung! Es gibt kern Recht zu einem Mißbrauch der demokratischen Freiheit. Aber es gibt ein Recht der Notwehr des Staates gegen solchen Mißbrauch. Die demokratische Staatsform mit ihrem parla­mentarischen Mehrheitsbetrieb läßt notwendigen Reformen durchaus die notwendige Cntwicklungs- freiheit. Das moralische Recht zu illegalen Verfas­sungsänderungen, wenn es ein solches überhaupt gibt, besteht jedenfalls in demokratisch regierten Staaten in einem weit geringeren Maße als nur in autokratisch oder militaristisch regierten Staa­ten. Man hat es der Demokratie gerade m den Kreisen unserer Rechtsputschisten wiederholt gum Vorwurf gemacht, daß sie nicht genügend für Ord­nung sorge, daß ihr die harte Hand fehle. Man wollte die Diktatur, um diese harte Hand zu schaf­fen. Wenn nun aber jetzt die Demokratie beginnt, sich auf ihre Autorität zu besinnen, um Schutz­mittel für 'die Aufrechterhaltung der inneren Ord­nung zu schaffen, dann schreien gerade diese Kreise auf und beklagen sich über die Einschränkung der demokratischen'Freiheit. Man wird über dieses Ge­schrei zur Tagesordnung übergehen, denn der in­nere Widerspruch, mit dem es behaftet ist, läßt eine Berücksichtigung nicht zu. Der Zwang, der durch die neuen Bestimmungen geschaffen wird, soll ja erst wirklich Freiheit ordnen und sichern, hat den Schutz der Freiheit zu seinem eigentlichen Zweck. ■

Kus -er Zentrumspartei.

Die Handels- und Indufiriebeiräke der Deutschen Zentrumspartei halten aus Anlaß des Reichsparteitages der Deutschen Zentrumspartei am Donnerstag, den 6. Dezember 1928 in Köln im großen Saal des Zivilkasinos Augustinerplatz 7 eine R e i ch s aus fch ußs i tzu n g ab, an welcher neben den Vorsitzenden und Vertrauens­leuten der Handels- und Industriebeiräte auch maßge­bende Persönlichkeiten der Partei, der Reichs- und Landtagsfraktionen, sowie des R«chs- und Staatsrates teilnebmen werden. Die Beratungen vollziehen sich auf der Grundlage eines Referates des früheren Zentrums­abgeordneten Generaldirektor Dr. ten chomvel über die Handels- und Industriebeiräte der ^e»U-ben >len- trumspartei in der Partei und in der Wirtschaft. Eine eingehende Aussprache ist vorgesehen.

nächsten Zeit des öfteren mit dem Handwerk zu be­schäftigen haben". Neben einer deutschnationalen Interpellation sei eine große Anzahl von Anträ­gen aller Fraktionen, die das Handwerk betreffen, dem Reichstag zugegangen. Der Minister schloß mit einem dreifachen Hoch auf ein lebensfähiges deutsches Handwerk und auf einen starken deutschen Mittelstand.

* Der neue Heidelberger Oberbürgermeister. Wie gemeldet wird, soll nach einer Vereinbarung der Rathausparteien die Wahl des Dr. Nein- haus, Beigeordneten in Barmen, zum Ober­bürgermeister von Heidelberg gesichert sein. Der Wahltermin ist noch vor Weihnachten.

* Der Freispruch hußmanns rechtsgültig. Wie aus Essen gemeldet wird, hat der Oberstaats­anwalt die von ihm im Hußmann-Prozeß ein­gelegte Revision zurückgezogen. Damit ist der Frei­spruch Hußmanns rechtsgültig geworden.

* Zwischenfälle im Straßburger Stadttheater. Der Temps berichtet aus Straßburg, daß es im Verlauf einer im dorffgen Stadttheater statt­gefundenen Aufführung von Schillers „Wilhelm Teil" durch Mitglieder des Baseler Stadttheaters zu Zwischenfällen gekommen sei. Während der Rütli-Szene hätten autonomistische Zuschauer mehrmals den Rütlischwur gemeinsam wiederholt Diese Demonstrationen hätten lebhaften Wider­spruch bei den anderen Zuschauern ausgelöst.

* Die Anklage gegen den Farmer Langkoop erhöhen. In der Strafsache gegen den Farmer Heinrich Langkoop und den Kaufmann Fritz Loof wegen des Attentates auf den stellvertretenden Präsidenten des ReichsenffchädigungeRmtes, Ge­heimrat Bach, ist am Samstag die Anklage er­hoben worden, nachdem der Anklageentwurf der Berliner Staatsanwaltschaft vom Justizminister geprüft und genehmigt worden war. Danach wird gegen Heinrich Langkoop Anklage erhoben wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz und wegen versuchter Erpressung, gegen Loos wegen Beihilfe zu diesem Vergehen. Nunmehr steht zunächst bei der Beschlußkammer des Landgerichtes II die Ent­scheidung, ob das Verfahren im Sinne des Antra­ges der Staatsanwaltschaft zu eröffnen oder ob es überhaupt einzustellen ist.

* Der Streit um die van Gogh-Bilder. Wie in Amsterdam zuverlässig verlautet, werden in den nächsten Tagen mehrere deutsche Kriminal­beamte nach Amsterdam kommen, um den hvlländi- sschen van Gogh-Kenner Dr. Baart de la Faille über die Angelegenheit der 30 Bilder von van Gogh zu vernehmen, die er als Fälschungen be­zeichnet. Es handelt sich bekanntlich um Bilder,

M 280.

Dienstag, den 4. Dezember 1928.

' —■ .....

Dom Deutschen Handwerk

Der Reichsverband des Deutschen Handwerks veranstaltete in Verbindung mit einer Tagung sei­nes großen Ausschusses einen parlamenta­rischen Abend. Der Vorsitzende Derlien- Hannover wies auf die Notwendigkeit einer bes­seren Berücksichtigung handwerklicher Lebensmte- ressen hin. Bei der Neuregelung der Reparations- verpslichtungen müßten auch Vertreter des gewerb­lichen Mittelstandes vor der Entscheidung der offi­ziellen Sachverständigen zu Worte kommen. Ge­neralsekretär Dr. Meusch-Hannover sprach über den im Reichstage zur verfassungsmäßigen Beianußfff- sung vorgelegten Entwurf einer Handwerks­novelle. Generalsekretär Hermann- Berlin gab einen Bericht über die Stellungnahme des Reichsverbandes des deutschen Handwerks zu den wichtigsten gesetzgeberischen Vorlagen auf dem Ge­biete der Sozialpolitik. Die Stellung des Hand­werks zu den steuerpolitischen Fragen der Gegen­wart behandelte Syndikus Scherer-Dortmund un­ter dem Gesichtspunkt ihrer wirtschaftspolitischen Auswirkung.

Dem parlamentarischen Abend schloß sich ein ge­selliges Beisammensein an, zu dem auch der Reichs- . Wirtschaftsminister Dr. Curtius und der Reichsar­beitsminister Wissest noch zu später Stunde erschie­nen. Im Verlaufe des Beisammenseins nahm Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius das Wort. Er wies darauf hin, daß sie beide von sehr schweren Verhandlungen zwischen den Arbeitge­bern und Arbeitnehmern zur Beilegung des Kon­fliktes in der Eisenindustrie hierher gekommm seien, und machte Mitteilung davon, daß die Un­ternehmer hoffen, wenn irgend möglich, am Mon­tag ihre Betriebe bereits wieder öffnen zu können. Bereits 1926, als die Preissenkung drohte, habe er sich dagegen ausgesprochen, und seit dieser Zeit da­tiere seine innige Verbundenheit mit dem Hand­werk. Die Abmachungen, die damals mit dem deut­schen Handwerk getroffen worden seien, seien von diesem immer in loyaler Weise gehalten worden. „Wir werden uns", erklärte Dr. Curtius, „in der

2. Blati.

Druck der Fuldaer AcNendruckerei, Fulda

Frankfurter Oper.

Montag, 3. Dez., 19% Uhr: Cosi fan tutte.

Dienstag, 4. Dez., 20 Uhr: Tosco. -

Mittwoch, 5. Dez., 19% Uhr: Die Macht des Schick- fals.

bedürften in dessen symphonische Welt einzufuhren: hi­storische Daten der Entstehung ernes ieden der bespro­chenen Werke verbinden sich mit sorgfältigen Darlegun­gen des Baues, der melodischen Linienführung sowie mit Bemerkungen über auffällige rhythmische und har- manische Elemente, wobei auch die Instrumentation acht zu kurz kommt. Zahlreiche Notenbelspiele, klavier- mäßig gesetzt, tragen zur Verdeutlichung des Stoffe, ungemein viel bei.

teilen gemacht werden. Oder können Sie mir vielleicht einen bessern Rat geben?" fragte er, zum Rechtsanwalt gewendet.

Dieser zuckte die Achseln.

„Nein," antwortete er, „ich weiß nicht, was das alles zu bedeuten hat. Eine Täuschung scheint vorzuliegen, aber . . . Wenn ich Ihnen irgendwie zu Diensten sein kann, Herr Bürgermeister, mit dem größten Vergnügen. Ich kenne Baron von Weitenfeld, ifflenn ich versuchte, ihn zu bewegen, daß er Ihnen weiter keine Schwierig­keit macht . . ■“

,D ja, wenn Sie das tun wollten!" erwiderte der Bürgermeister eifrig. „Das wäre mir sehr recht."

„Gut," antwortete Roger. „Ich werde mich jetzt gleich zu ihm begeben und schauen, daß alles wieder in Ordnung kommt."

„Schön, sehr schön. Aber vielleicht wäre es am besten, Sie gingen mit mir. Der Baron kommt in etwa einer halben Stunde ins Bürgermeisteramt, und vielleicht kön­nen Sie ihn damit beruhigen, daß es sich um eine Ver­wechslung handelte. Er ist natürlich sehr ärgerlich über die Sache."

„In einer halben Stunde bin ich bei Ihnen, Herr Bürgermeister."

„Gut, ich rechne auf ®te- Und wenn der Detektiv inzwischen zurückkommt, bringen Sie ihn auch gleich mit."

„Dann bringe ich ihn mit."

Der Bürgermeister empfahl sich Dora Burton und "rthur Roger blieben allein zurück und schauten einander verwundert an.

„Um Himmels willen, was kann nur geschehen fein!" rief Dora entsetzt aus. „Jetzt weiß ich wirklich nicht mehr, was ich mir denken soll. Daß Herr Rasch sich getäuscht hätte ..."

Der Rechtsanwalt schüttelte den Kopf.

Es handelt sich hier auf jeden Fall um etwas anderes als um eine Täuschung, einen Irrtum," sagte er. „Es muß etwas Besonderes geschehen fein, was Rofch ab­hält, rechtzeitig zurück zu fein. Und was der Bürger­meister erzählt, stimmt auch nicht mit dem zusammen, was der Detektiv uns mitgeteilt hat. Rofch sagte doch, der Mann, der sich als Helfer der Wahnsinnigen auf­spielte, sei als Mörder verhaftet worden, während der

die durch den deutschen Kunsthändler Otto Wacker in den Kunsthandel gelangt sind und über deren Vorbesitzer Wacker bislang jede Auskunft verwel- 9CT* Bruno Scherl aus der Haft entlassen. Bruno Scherl, ein Sohn des verstorbenen Zecknngs- verleaers August Scherl, gegen dm der Ermitt­lungsrichter des Amtsgerichts Berh"-Schone- heia einen Haftbefehl erlassen hatte, fft nach vier­stündigen Verhandlungen ohne Sicherheitsleistung aus der Hast entlassen worden.

Schttlechorst.

Eine geheimnisvolle Geschichte von Wilhelm Holt.

26) --"■

„Einen Mann vom Eichenhof?"

„Ja, Herr Rasch hielt es für unbedingt notwendig, <rtn zu verhindern, daß er fliehe. Er behauptete, es lägen die ernsllichsten Verdachtsmomente gegen ihn vor wß er zu dem Morde an Ihrem Onkel, Fräulein Bur- ton, in Beziehung stehe."

„Und Sie sagen, es handle sich um einen Mann vom kichenhof, einen Diener des Barons?" fragte der Rechts- Anwalt.

«Ja. Ich habe mich also verleiten lassen, obgleich ich persönlich nichts gegen den Mann vorzubringen habe. !lber der Detektiv versprach mir, binnen einer «tunde sie von mir geforderten Erklärungen abzugeben. Es wäre für mich ein schöner Erfolg, wenn er, wenn ich den Mörder — denn nach feiner Ansicht ist der Mann der Mörder — hätte verhaften lassen. Inzwischen sind jedoch bereits ein paar Stunden vergangen, ahne daß ich höhere Einzelheiten erfahren hätte, und auch Herr Rosch _to8t sich nicht. Das ist eine höchst unangenehme Ge­richte für mich, denn Sie verstehen, ich schneide mich gern in die Finger. Ich habe mich bei ber Ver- Wteng auf bie größere Erfahrung bes Detektivs ver- Qffen. Wenn es sich nur um einen einfachen Bauern- ourfdjen handelte, wäre es vielleicht nicht gar so schlimm, ’lber jetzt geht es den Baron an, er legt sich ins Mittel, unb es kann noch zu allerlei Scherereien kommen."

„Baron von Weitenfeld?" fragte Roger. „Und der Verhaftete sei ein Bediensteter von ihm?"

„Ja. Aber wie soll ich nun einen Haftbefehl gegen ihn ausferUgen und die Polizei verständigen, wenn ich nichts gegen ihn vorzubringen habe? Es bleibt mir nidjls anderes übrig, als ihn wieder laufen zu lassen. Da hat mir Herr Rosch einen üblen Streich gespielt. Ich verstehe nicht, wie er sich so etwas hat einfallen lassen können. Ich muß den Mann auf jeden Fall frei lassen, wenn ich den Detektiv nicht treffe und er mir keine nä= bcren Angaben machen kann, wie es den Anschein hat. Ich muß halt Zusehen, daß mir weiter keine Schwierig-

tteue Bücher.

Richard Wickenhauser?Die Symphonien Franz Schuberts. Analytische Einführung. Reclams Um- versal-Bibliothek Nr. 6915 und 6916. Geheftet 80 Pfg, gebunden 1.20 Mark. Der Verfasser, bekannt durch lerne im gleichen Verlage erschienenen und von der ^achpretze sehr beifällig aufgenommenen Analysen ber -Brunner« schen Symphonien und dessen Tedeum, übergibt hrernut eine neue Arbeit der Öffentlichkeit: eine Analyse der wichtigsten Symphonien Franz Schuberts. Mit hinge benber Siebe bemüht sich Wickenhauser, auch die musi­kalisch nicht durchgedilbeten Verehrer bes Wiener Sie-

Briefkasten der Zchristleitung.

o. n. Der internationale Hiilferuf im See- und Flugverkehr: S. O. S. ist englischen Ursprungs und lautet ausgeschrieben Save our foulst Zu Deutsch: Rettet unsere Seelen!

Hochverrat.

Aus Berliner Zentrumskreisen schreibt man uns:

Unsere Berufsputschisten haben einen großen Zorn gefaßt. Der Ausschuß des Reichstages, der sich mit der S t r a f r e ch t s f o r m befaßt, ist jetzt bei dem Kapitel angelangt, das sich mit dem po­litischen Verbrechen und Vergehen besaßt, wie Hoch­verrat, Landesverrat, Begünstigung des Feindes usw. Bezüglich des Hochverrats haben nun die an der gegenwärtigen Regierung beteiligten Par­teien einen Kompromißantrag sertiggestellt, der gleichsam das Fazit zieht aus den Erfahrungen, welche wir mit der deutschen Rechtsprechung m diesem Punkte in den letzten Jahren machen konn­ten. Die alten Strafgesetze sind veraltet und tra­gen insbesondere den neuen Staatsoerhältnissen nicht Rechnung. Da politische Uebergangszeiten naturgemäß eine besondere Wachsamkeit erfordern, fft nach dem Rathenaumord bekanntlich das R e - publikschutzgesetz verabschiedet worden, von dem in der Folgezeit aber weniger die Leute be­lästigt wurden, die es unmittelbar verschuldet hat­ten, als vielmehr die Kommunisten. Außerdem hat die Rechtsprechung des Reichsgerichts und anderer Gerichte gerade dann, wenn es sich um kommuni­stische Angeklagte handelte, eine so weitgehende Auslegung der Schuldparagraphen vorgenommen, daß dem gesuitden Menschenverstand und den Grundsätzen der Billigkeit wiederholt in geradezu aufreizender Weise widersprochen wurde. Es ist sogar vorgekommen, daß in Druckereien, die kom­munistisches Propagandamaterial herstellten, die an der technischen Vorarbeit beteiligten Setzer bestraft worden sind, ja auch Voten, die das gedruckte Ma­terial auszutragen hatten. Dabei ist die kommu- nfftffche Partei durchaus geduldet, sie ist eine poli­tische Partei wie jede andere, wenn a :ch mit Zie­len, die sich gegen die heutige Staatsform richten. Auf der andren Seite ist ein Mann wie der Füh­rer des Alldeutschen Verbandes Dr. Claß völlig unbehelligt geblieben, obwohl ihm ausgedehnte Vorbereitungen für einen Hochverrat nachgewiesen worden sind. Aber das Gericht, das sich mit seiner Angelegenheit zu befassen hatte, stellte sich auf den Standpunkt, daß der Artikel 48 der Reichsverfas- sung, weil er noch keine Ausführungsbestimmungen gefunden hat, dem Reichspräsidenten unter Um­ständen auch das Recht und die Vollmacht zu einem Staatsstreich gäbe, jedenfalls billige es Dr. Claß die gute Meinung zu. Der Reichstag hat sich im vorigen Jahre — es regierte die Rechtskoalition — als dieser Entscheid des Reichsgerichts bekannt wurde, nicht dagegen gewehrt, obwohl es eine ganz unmögliche Rechtsauffassung gewesen ist.

Es fft darum sehr zu begrüßen, daß die an der Regierung beteiligten Parteien jetzt ein Ueberein- kommen gefunden haben, um klare Verhältnisse zu schaffen. An den einzelnen Paragraphen dieses gemeinsamen Antrages fft deutlich zu erkennen, daß gerade die Fälle Hitler und Claß die Unterlagen geboten haben. Es ist aber auch zu erkennen, daß die hochverräterische Gesinnung als solche der Strafverfolgung nicht ausgefetzt werden soll, än­dern nur die unmittelbare und plan­mäßige Vorbereitung. Ausdrücklich heißt es: „Als Hochverrat gilt nur ein bestimmtes, in seinen Zielen und Plänen erkennbares hochverrä­terisches Unternehmen." Und es wird hinzugefügt: „Wer mit Aufgaben zur Unterstützung des Staa­tes betraut oder für solche Aufgaben in Aussicht genommen ist und den Entschluß, die dadurch er­langten Vollmachten, Machtmittel oder sonstigen Vorteile in den Dienst hochverräterischer Bestrebun­gen zu stellen, durch Verabredungen oder sonstige Handlungen betätigt, wird mit Gefängnis bestraft. Ebenso wird bestraft, wer zur Förderung hochver­räterischer Bestrebungen planmäßig auf Reichs­wehr oder Polizei in der Absicht einwirkt, sie zur Erfüllung ihrer Pflicht, die Verfassung des Deut­schen Reiches und der Länder gegen gewaltsame Angriffe zu schützen, untauglich zu machen."

Bei den Beratungen im Ausschuß und auch später im Reichstag wird sich vielletcht noch die Notwendigkeit Herausstellen, einzelne Ausdriicke dieses gemeinsamen Antrages präziser zu fassen, damit es dem Gerichte nicht möglich wird, seinen Sinn und seine Tendenz umzubriegen. ist aber ein gutes Zeichen für seine Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit, daß die Berufsputschisten rechts and links über diesen Antrag tn heilen Zorn ge­raten sind. Die „Deutsche Zeitung" schreibt in

„Zweifeln Sie nicht daran. Ich werde nichts ver­absäumen, um Rosch zu Hilfe zu kommen Schließlich wirb boch bie Wahrheit siegen. Aber jetzt darf ich Sie wirklich nicht mehr aufhalten."

„Kommen Sie zurück?"

„Natürlich komme ich zurück. Ich werbe Sie auf bem Laufenden halten. Nichts wünsche ich mir ja mehr, als Ihr Verbündeter zu sein, Fräulein Burton."

Dora reichte ihm die Hand.

„O, Herr Doktor," sagte sie, „was für ein Glück, daß Sie mir in diesen angstvollen Stunden zur Seite stehen wollen. Ich werde Ihnen mein Leben lang dankbar dafür sein."

„Ich hoffe, recht viel für Sie tun zu können," er­widerte der Rechtsanwalt.

Im Augenblick, da er sich entfernen wollte, brachte bas Dienstmäbchen ein Telegramm.

„Für Herrn Rosch," sagte sie.

Dora wollte eben sagen, Herr Rosch sei nicht hier, aber Roger hielt sie zurück.

„Sagen Sie bem Besteller, es sei alles in Ordnung," erwiderte er an ihrer Statt.

Als das Mädchen sich entfernt hatte fuhr er fort:

„Das ist das dritte Telegramm, das unser Freund erwartete. Er wird es uns nicht übel nehmen, wenn er erfährt, daß wir es aufgemacht haben. Vielleicht fin­den wir in feinem Inhalt eine Erklärung."

Dora nickte zustimmend. Ja, in diesem Falle konnte man wohl über bas Bebenken, bas sie zuerst gehabt, hinweggehen.

Mit einem energischen Ruck riß ber Rechtsanwalt bas Papier auf.

„Dr. Chamois 26. September 1906 gestorben," lat er. Das war alles.

„Daraus werden wir nicht klüger," stellte Dora mii einem nervösen Lachen fest.

„Nein, leider nicht. 2tber für Rosch ist die Mit­teilung sicher von größter Bedeutung."

„Haben Sie je von einem Doktor Chamois gehört?"

„Nein. Aber lassen wir das jetzt. Ich begebe mich zum Bürgermeister Vielleicht erfahre ich dort etwas, was wir brauchen können."

(Fortsetzung folgt.)

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