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Beilage zur Fuldaer Zeitung.

Für unsere Frauenwelt. ----T °»

so klein ist, daß man sie nicht sieht, gibt die geheimnisvolle Beleuchtung.

Was die Figuren anlangt, muß man ja nicht sündteure echte Holzschnitzereien haben, überall bekommt man heute künstlerisch recht anständige Serienformen der wichtigsten Figuren, die beinahe für jeden erschwinglich sind. Wer keine großen kaufen kann, nehme eben kleiner. Ich habe es seit Jahren so gehallen, daß das Christkind jedes Jahr etwas neues zur Ausgestaltung der Krippe brachte.

Es braucht nur den Mut zum Anfängen und wer es einmal gewagt hat, wird seine Helle Freude daran erle­ben. Man kann sich dann garnicht genug tun an Verschö­nerungen und Erfindungen, dir ganze Familie sammelt bei uns schno wochenlang vorher im Walde. Und mit welchem Stolz zeigen wir unseren Gästen unsere selbstge- iiaute Krippe! Wer machts nach von euch liebe Freunde?

Unsere Uleinsten in der Uirche.

Von Iosefine Mittelberger-Bregenz.

Das ist für so manche fromme Mutter ein schier un­lösbares Problem: „Wann soll man die kleinen Leute mit in die Kirche nehmen?"

Das Mutterherz möchte doch gern möglichst früh das Kind an das Gotteshaus gewöhnen, man möchte es möglichst oft mitnehmen. Aber — was treiben diese respektlosen Gesellen nicht alles an heiliger Stätte!

Sie reden laut, lachen, krähen vergnügt, klatschen womöglich in die Händchen, rufen selig „Lichti, Lichti brennt", kurz sie dienen Gott auf ihre Weise, die eben mit der der Erwachsenen nicht übereinstimmt. Natür- lich erregen sie dann peinliches Aufsehen, andere Kir­chenbesucher werden zum Lachen gereizt oder sie emp­finden es als Störung und ärgern sich.

Sicher ist, das Kind gehört in die Kirche, aber auch ebenso sicher ist, es gehört in keinen überfüllten Pflicht­gottesdienst. Ich nahm nie ein Kleines mit, wenn ich meiner Sonntagspflicht genügen sollte. Erstens wird man vielzuviel von der eigenen Andacht abgelenkt und zweitens kann es geschehen, daß man eines Kindes we­gen die Kirche verlassen mutz.

JnPredigten und überlange Hochämter besonders gehören Kinder überhaupt nicht, ebensowenig in lange Abendandachten. Wenn das Kind nichts versteht und nichts hört und sieht, wird ihm die Sache langweilig, es schaut umher, spielt und lernt auf diese Weise alle die bekannten Unarten, die man ihm später wieder mit großer Müsse abgewöhner» mutz.

Ich nahm die Kleinsten immer zuerst in die leere Kirche mit, sodaß ich sie ihnen ungestört zeigen und er­klären konnte. Meist nahm ich sie das erstemal zur Krippe mit, die erweckte bei allen stets das meiste In­teresse. Freilich hat einer meiner Buben bei der Ge­legenheit nur Sinn gehabt für „ein Echos, ein großer, großer Schof" und noch lange Zeit hieß bei ihm die Kirche, „die Kirche mit dem Schaf"!

Eine Segensandacht mit Gesang fesselt die kleinen Geister auch gewaltig, wenngleich auch die Versuche mit­zusingen mitunter zu kleinen Störungen führen.

Viele Mütter geben den Kindern einen Rosenkranz oder ein Gebetbuch mit Bildern in die Hand: „Da hast du was, damit du was zu tun hast"! Das halte ich für verfehlt. Das Kind soll nicht lernen, sich mit etwas zu beschäftigen, sondern lernen, auf den Altar zu schauen und das Heilige zu erfassen, soweit es ihm möglich ist.

Die Hauptsache ist, daß man dem Kinde vorher ei­nige Erklärungen gibt und daß man nachher die un­zähligen Fragen beantwortet. Es kommen da meist sehr dumme, fast gotteslästerliche Ideen auf. Eines mei­ner Kinder fragte angesichts der Beichtstühle: ,Zu was gehören die viele Gartehäusle"!

Nie sage man dann einem Kinde, es dürfe solche Dinge nicht fragen, es fei dumm oder sündhaft. Dem Kind fehlt ja noch das Verständnis für so vieles und eine Mutter kann da aufbauen oder alles zerstören. Also Geduld. Der Heiland sagte: „Laßt die Kleinen zu mir kommen" — nicht die ganz Gescheiten . . .!

was schenken wir zu Weihnachten?

Schenkt mit dem Herzen . . .1

Don Robert Mösinge r-Frankfurt a. M.

Das schönste Fest des Jahres steht vor der Türe und alle Welt rüstet sich für die Lieben im Haus und in der Familie, für treue Freunde und Bekannte eine kleine

Gabe vorzubereiten, die unterm brennenden Lichterbaum ein Zeichen innigen Gedenkens fein soll. Wer nur schenkt, um einer Pflicht zu genügen, wem das Schenken nicht wirklich Bedürfnis, mit einem Wort Herzenssache ist, der sollte es lieber bleiben lassen, denn wohlgemerkt, nicht der Wert des Geschenkes macht es zum teuren Andenken, sondern die Gesinnung, mit der es gegeben wird. Was heißt denn schenken, haben wir uns das überhaupt schon einmal überlegt? Schenken setzt immer ein innigeres Verhältnis voraus. Schenken ist ein Bekenntnis der Liebe, bep Freundschaft, der Verehrung und manchmal auch der Barmherzigkeit, eine Regung des Herzens, die nicht einem „Muß" entsprungen sein sollte. Denn glauben wir nur ja nicht, daß ein oberflächlich gekauftes Geschenk, irgend­etwas, das man geradesogut entbehren könnte, dem Emp­fänger Freude macht. Wer etwas schenken will, muß sich auch schon die Mühe machen, ein wenig zu überlegen, was dem zu Beschenkenden besonders willkommen ist. Deshalb schenkt man auch Dinge, die rein qualitativ den Ansprüchen entsprechen, die wir an einen guten Ge­brauchs- oder Luxusgegenstand stellen müssen. Es gibt schon für wenige Pfennige ganz ausgezeichnete Sachen, deshalb weg mit dem Kitsch jeglicher Art. Wer sich nicht selbst ein Urteil zutraut, suche Rat bei einem Freund oder einem Bekannten, dann werden allmählich auch all die Dinge vom Weihnachtstisch verschwinden, die man als Hausgreuel oft aus billiger Rücksichtnahme auf den meist gedankenlos handelnden Spender mitschleppen muß. Auch das ist mitunter eine Frage des Herzens und vor allem des Taktes, wer sich leichtfertig darüber hinwegsetzt wird an seinen Geschenken sicherlich keine allzugroße Freude erleben.

„Haustyrannen".

Von R. Silvester-Neustadt (Oberschlesien).

„Ja, gibt es denn wirklich Haustyrannen"" wird vielleicht manche Leserin fragen. Leider gibt es diese un­sympathischen Spezies Menschen, resp. Männer noch überall und gar nicht so selten, als man nach all dem systematischen Schliff, den jeder Erdenbürger von Ju­gend an in der Schule des Lebens erhält, annehmen möchte. Was „Haustyrannen" sind? Nun das vermö­gen eigentlich am besten jene Gattinnen, Mütter und Kinder zu sagen, die so unglücklich sind, einen solchen als Gatten und Vater zu besitzen. Kurz und klar gesagt: Haustyrannen sind Familienväter, denen es an jenem Maß von Vernunft fehlt, das jeder Ehemann und Vater besitzen muh, wenn er seine Menschenpflicht als Familien­vater erfüllen soll. Das Eigentümliche an vielen dieser Männer ist, daß sie außerhalb ihres Heimes nichts weni­ger als Haustyrannen sind, im Gegentell: die besten Ge­sellschafter und deshalb sogar überall beliebt. Also Doppelcharaktere: nach außen hin aalglatt — zuhause: rauh wie Eichenrinde. Ja zuhause in seinen vier Wän­den, da ist der Haustyrann ein rechter Despot, der Frau und Kindern das Leben arg vergällt, — ein wirklicher Tyrann, der nicht nur beständig nörgelt und schimpft, dem andererseits aber auch beim besten Willen nichts recht zu machen ist und der sogar nicht selten sogar tät­lich wird. Aber es gibt zwei Arten dieser Ehemänner: jene deren Veranlagung zum Tyrannen sozusagen vererbt ist und jene, welche erst durch eine nachlässige, pflichtvergessene Gattin zum Despoten wurden. Erstere Art dürfte weder auszurotten noch zu bessern sein — die Verminderung und Besserung der andern hängt nur von der Frauenwelt ab.

Schwere Schuld laden jene Ehefrauen auf sich, welche den Gatten erst zum Haustyrannen machen. Sie hätten besser getan nicht zu heiraten, wenn sie den häuslichen Frieden, das eheliche Glück nicht höher schätzen, nicht ge­wissenhafter zu wahren wußten. Ruht nicht das Glück der Familie auf der Eintracht der Eheleute? Welche schwere Schuld trägt d shalb eine Gattin und Mutter, die durch Pflichtvergessenheit dieses Erdenglück vernich­tet. Sie raubt dem Manne den Glauben an alle Frauenwürde — den Kindern die sonnigen goldenen In- gendtage, deren sich der Erwachsene später so gerne er­innert.

Wie düster, wie freubeartn ist so ein Heim, wo Vater und Mutter in ständiger Fehde leben, u. eine solche Gat­tin verdient zweifellos mehr verurteilt zu werden, wie ein zum Haustyrann veranlagter Mann. Möge sich des­halb jede Ehefrau, die in ihrem Gatten einen Haus­tyrannen zu haben glaubt, einmal gewissenhaft fragen, ob sie nicht vielleicht zum Teil selbst schuld an dessen

Tyrannenlaune trägt. Vielleicht entdeckt da manche die­ser „Unglücklichen", daß ihr Tun und Lerhatten als Hausfrau auch einen anderen Gatten nicht befriedigen könnte. In diesem Falle wird freilich eigene Besserung in erster Linie erfolgen müssen, ehe eine Besserung des Haustyrannen" gefordert werden kann. Und leider muß man annehmen, daß nicht wenige Haustyrannen auf das Konto nachlässiger Frauen gesetzt werden müs­sen, denn wo eine Frau als Gattin und Mutter so recht gewissenhaft ihres Amtes waltet, da herrscht wohl nur i» den seltensten Fällen der Haustyrann.

Vorsichtsmaßregeln in der Küche.

Von Maria von S e n g e r - Kitzbühel.

Mehr und mehr wird unser tägliches Leben vom hygienischen Standpunkt aus beherrscht und trotzdem er­kranken und sterben im Jahr Hunderte und Hunderte von Menschen unter unerklärlichen Symptomen der Vergif­tung. An sich belanglos erscheinende Vorsichtsmaßregeln in Küche und Keller können, wenn sie unterlassen werden, je nach Umständen, wenn auch nicht immer gleich den Tod eines Menschen, so doch schwere Krankheit zur Folge haben.

Die Jetztzeit hat einen großen Konsum an Konserven. Fleisch, Gemüse und Obst in Büchsen werden in Masse in der Küche verwendet, und doch sind weder alle Haus­frauen noch Köchinnen davon durchdrungen, daß man den Inhalt einer geöffneten Konservenbüchse wenn möglich so­fort ganz und gar verwenden soll, oder wenn dies un Augenblick gerade nicht zweckdienlich ist, den Rest in einer Porzellanschüssel ober in einem Steinguttopf aufbewah­ren soll, wenn möglich aber auch nicht länger wie 24—36 Stunben. Deljarbtnen sollen z. B., wenn die Buchse ge­öffnet ist, auch gleich verspeist werden und falls sie auf­gehoben werden, sofort aus der Büchse genommen wer- den. Zu diesem Zweck hat man jetzt im Handel Glas- dosen für Oelsardinen eingesührt. Man kann sich an Oel- sardinen, die tagelang in den Blechdosen ausbewahrt wer­den, tödlich vergiften. Sauerkraut, das in Emaillegeschirr gekocht wurde und nochmals aufgewärmt verspeist wer­den soll, muß in der Zwischenzeit unbedingt in eine irdene Schüssel tommmen, bas gleiche gilt für Kompott und alle gekochten Früchte, die ja ohnedies gleich am besten in irdenen, gläsernen oder Porzellan-Kasserollen zubereitet werden sollen. Die Kartoffel, dieses unentbehrliche Nah- rungsmittel, enthält ein Gift, das namentlich bei der ge- kochten Kartoffel, wenn sie tagelang aufbewahrt wird, in Erscheinung tritt. Die gekochte Kartoffel muh längstens binnen 24 Stunden gegessen werden. ,

Daß die kleinen, rötlich bläulichen Wurzeln, die sich an Kartoffeln, zumal int Frühjahr, wenn sie in einem lichteren Keller gelagert waren, äußerst giftig sind, ist nicht allbekannt. Sollte man es nicht vorziehen, solche Kartoffeln, die bereits ausgeschlagen gänzlich wegzuwer- fen, so muß man mit größter Achtsamkeit alle Wurzeln gründlichst entfernen, ebenso wie die „schwarzen Augen". Der Genuß der Kartoffeln mst dem Wurzelansatz kann zu Darmkrämpfen Anlaß geben, die bei schwächeren Men­schen sogar tätlich ausgehen können.

Das Kalbfleisch enthält gleichfalls ein Gift, deshalb soll man beim Schneiden dieses Fleisches sehr achtsam sein. Der Saft, wenn er, auch in eine kleine Wunde, bringt, kann zu einer bösartigen Infektion führen, Kalb­fleisch unterliegt mehr als anderes Fleisch dem Fäulnis­prozeß. Hat man keinen Eisschrank, so tut man gut daran, wenn auch nur für etliche Stunden, das Fleisch in ungekochte Milch zu legen, es bleibt dann frisch und wirb burch biese Konservierung auch zart.

Die Vanille sowohl als Naturprodukt, wie auch der sogenannte Vanillezucker entwickell in Milchsüßspeisen, die längere Zeit aufbewahrt bleiben, ebenfalls ein Gift, was zu Uebelteiten führen kann.

Ferner ist es erwiesen, daß nicht nur der Genuß von giftigen Pilzen tätlich ist, sondern daß auch gute Pilze, die durch längeres Lagern verdorben sind, gleichfalls unheil­voll wirken können. Daß man weder Wurst noch Käse in Zeitungspapier wickeln darf, da dies in höchstem Maße unappetittich und unhygienisch ist, wird wohl hin- reichend bekannt sein.

Und nun noch ein Wort an sparsame Hausfrauen! Ost bleiben von einer Mahlzeit Fleisch-, Wurst- oder Fisch­reste übrig. Man will sie noch einem ober zwei Tagen noch verwenben, nach genauester Prüfung aber finde! man, daß die Eßware nicht mehr ganz einwandfrei ist

Hdvent.

Die nahe Kinder tragen. Die wissen auch Den Sinn von diesen Tagen, O Rosenstrauch.

Die ohne Flammen glühen

Zu Deinem Preis

Umknien Dein Erblühen, O Lilienreis.

Die in den Nächten liegen,

Der Sonne fern,

Baun Deinem Kind schon Wiegen, O Morgenstern.

Don meiner armen Lippe

Kommt nur der Ton:

Nimm mich zur Spreu der Krippe Für Deinen Sohn.

Ruth Schaumann.

Wir basteln eine Krippe ...!

Don Josephine Mittelberg er-Bregenz.

Weihnachten steht vor der Tür, und all der geheim­nisvolle Zauber umgibt uns, der nun einmal mit dem Weihnachtsfest auf das innigste verbunden ist.

Und doch, es gibt etwas, das mancherorts zum rich­tigen Christkindl fehlt und das ist „'s Kripperl"! _

Selber machen, gelt, das gefällt euch, aber wie? „Es wird doch nichts rechtes draus" sagen die einen und es „gibt nur Unordnung" die andren. ____

Darf ich vielleicht erzählen, wie unsere Krippe ent­stand? Bei uns ist der Familienvater der Oberbastler und wo anders ist es vielleicht der Onkel oder ein er­wachsener Sohn. Alle Arbeit verlege man in einen Raum, wo Farbe, Leim und Abfall nicht stören, und wo selbstver­ständlich auch alles liegen bleiben darf (Mansarde, Werk­statt, Waschküche usw.) Zunächst ein starkes Brett, so groß, wie man die Krippe eben haben will, gut kleben­des Leimwasser, den Leim ein bis zwei Tage vorher in kaltes Wasser legen, bis er weich geworden ist, dann lang­sam int Wasserbade kochen. Ein starker Stoff, der gut saugt (Jute, Sackstoff usw.) wird gut mit dem Leimwasser getränkt, ist er soweit trocken, wird er auf einer Seite an Das Brett genagelt. Aus altem Papier hat man durch Zusammenknüllen Ballen verschiedener Größen und For­men gemacht, die stopft man unter den Stoff, sodaß es bas schönste „Gebirge" gibt Dann nagelt man den Stoff fertig an. Sägespäne färbt man in aufgelösterFarbe grün, sind sie trocken, so feuchtet man das „Gebirge" nochmals mit einem Pinsel mit Leimwasser an und streut die Späne dick darüber. Waldmoos, ein paar Rindenstückchen, kleine Steinchen dazwischen machen es frischer und naturge­treuer. Zum Stall eignen sich Hollunberstäde ober solche von Jasmin besonders gut, da sie schöne, gerade Ruten geben, die sich sehr schön zusammennageln lassen. Aus etwa daumendicken Stücken nagelt man die Hütte nach Art der Blockhäuser zusammen, Rindenstücke oder kleine Dachschindeln geben das Doch. Das Ganze ist keine große Kunst und wer einmal den Untergrund und eine Hütte hat, wird sehr viel dazu erfinden.

Unsere Krippe ist alljährlich umgeben von unseren sämtlichen immergrünen Pflanzen, sodaß sie wie in einem kleinen Wald steht. Eine winzige elektrische Birne, die

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Geschenke die Freude bereiten!

Barometer, Feldstecher,Theatergläser, Prismengläser, Kneifer, Brillen, Lorgnetten, Lesegläser, Lupen

sind praktische Geschenke von bleibendem Wert und sollten unter keinem Weihnachtsbaum fehlen.

Huf dem pariser Hundefriedhof.

„Guide Bleu", in dem man alles Wissenswerte über bie Pariser Friedhöfe findet, verrät nichts von ihm. Btt- bere Franzosen der Straße, die man nach dem Hunde- ftiedhof fragt, schütteln bie Köpfe unb entschuldigen sich. 2lber er ist da; nicht im Mittelpunkt von Paris, sondern vui einer Seineinsel zwischen Paris unb der Vorstadt Afnieres. Der Weg hin ist beschwerlich für den, der sich "fcht jeden Tag einen „Taxi" leisten tarnt. Ich machte tc Entdeckungsfahrt an einem trüben Augusttage. In « Metro mar es schwül zum Umfallen, wenn ein bta^en dagewesen wäre. In die Elektrische Stot? $er Staub des Arbeiterviertels von Paris. Die Nicht & *n der Nähe des Hundefriedhofes hieß leider und Station Hundefriedhof; so fand ich mich im Staub sichtiger ber Straße nicht zurecht, bis mich ein nach- Gingonns ?u^mann mit verstehendem Gesicht durch die monumen^t des Friedhofes schob. Der Eingang ist trennt die würdig seiner großer Bestimmung. Er

ungezählte ber lebenden Hunde, deren es in Paris friedhofe lieot v Don öen toten. Auch auf dem Hunde- Bäume umteiiA6 ^he der anderen Friedhöfe. Schlanke Ziersträucher dr' " *bn; öuri$ bas dichte Laubwerk der hält die ©eine !$(Eeines Unberufenen Blick; ringsum sicht angesehen, M interessierten Ge-

ein stilles Gedenken nm öcn ‘°ten Hunden

weinen, sondern umÄ“!''"' ^vßeTräne zu nieften Deshalb -abr- Schauspiel eigener Art zu ge- wi?zum Eintritt Vben^"™?*’J?nirito82 einem Friedhöfe alle Ehre. Man sieht s ift mitS* baran gearbeitet worden. Saubere Weg-, "Löne ge- I

®raber d-n toten Lieblingen, auf vielen Mschbegvssene Blumen, aus allen Denkmäler in Mar- I

rnor ober Sandstein. Es drängt einen, in ernster Betrach­tung durch die Gröberreihen der Allzufrühdahingerafften zu gehen.

Dem Eingangstor gegenüber liegt das Heldenmai des toten Barry vom großen St. Bernhard. Die In­schrift kündet fein Heldentum: „40 Menschen rettete er in den Alpen vom weißen Tode, der 41. erschoß ihn." Wie der große Bernardiner zum Ufer ber Seine gekom­men ist, weih ich nicht; fein Denkmal hat ben Schein von Berechtigung. Hinter bem toten Barry ruhen unter Stein und Efeu die Hunde, die im Dienste treuer Pflicht­erfüllung starben. Es sind Polizeihunbe aus Afnieres, die im November 1910 von Verbrechern erschossen wur­den. Das dankbare Afnieres hat ihr Opfer mit einem Denkmal belohnt zum dauernden Gedächtnis. Das Ge­dächtnis scheint nachgelassen zu haben, in den Schriftzei­chen wächst das Moos, an ihrem Grabe blüht keine Blume. Die Liebe der Stadt Afnieres zu ihren Polizei­hunden kann sich nicht messen mit der Liebe alter Jung- wrn zu ihren Lieblingshündcken, die neben den Poli­zeihunden ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Ich nehme an, daß es die Lieblingshündchen alter Iung- fe r n^geroefen sind, denn nur sie können mit einer sol- i.)en Inbrunst lieben und nicht vergessen, wie es aus ?®n Inschriften ber Hunbedenkmäler hervorgeht. Soll ich em paar hierher setzen? Ich glaube, sie rühren auch den, der nicht wie ich das Glück hat. von ihrem Anblick unmittelbar ergriffen zu werden. Da liegt unter bem schweren Marmordeckel eine „Sara, die uns so sehr ge­liebt hat und bie ebenso geliebt wurde. Man wird im­mer^ um sie meinen und ihren Verlust nicht verschmer­zen." _ Daneben ruht ein „Kiß, den mir niemals verges­sen können. Er war ber Zeuge unserer Freuden unb ber Tröster in unserer Trauer". Ein befonbers zartes Verhältnis muß zwischen einem „Toubrone" unb seiner Herrin geherrscht haben. Sein Nachruf ist erschütternb:

(„Toubrone, besten Blick, so zärtlich unb so tief, Gedanken widerspiegelte, die besser waren als menschliche . . . . Wenn man uns vor dir in dieses Grab gelegt hätte, du hättest diese Bitternis nicht überlebt" Armer unb boch glücklicher Toubrone, daß bu das nicht erlebt hast. Zwei andere Hünblein „Pojo unb Nono" waren einst „bie geliebten Begleiter ihrer hübschen Herrin, Mabmoi- fette D." Eine im betagten Alter von „11 Jahren ver­storbene Gillette ist nicht tot, fonbern sie schläft bloß feit bem 5. 1. 21; eine Diana schläft gar im Herzen ihrer treuen Mama N." Nur schabe, baß die trauernden Hun­demütter ihre Namen nicht ausgeschrieben haben.

Im Tode ist Friede. Den Hundefrieden erfahren die toten Katzen auf dem Hundefriedhof in Asnieres. Es sind ihrer nicht mehr als zwei. Sie ruhen in ber Mitte, bewacht von ihren toten Freunben. Ein hübsches Ge­dicht auf dem Grabstein nennt uns ihre Namen: Riki und Ponqon. „Ihr Tod hat ihrer Herrin schwerstes Leid gebracht." Lassen wir die Herrin in ihrem schwer­sten Leid; vielleicht tröstet sie jetzt ein neuer Kater.

Die angeführten Proben sollten einen Einblick geben in bas tiefe „Leib, das auf bem Pariser Hundeftiebhof liegt und in die große Liebe, die dieses Leid verklärt". Lest, und Liebe werden noch vermehrt, wenn man in bie treuen Hundeaugen schauen darf, die einen aus der Photographie über bem Grabstein anstarren. Der Leib des Hundes liegt unter der Erde, feine Seele steckt in ber Photographie ... Es gehört ber verklärte Blick einer Hundeliebhaberin dazu, um das Uebertierifche in ben Photographien zu erkennen. Meine nüchternen Augen sahen nur krummbeinige Dackel, ganz gewöhnliche Pu­del, Spitze, ausgediente Jagdhunbe unb ähnliche Ver­treter des Hunbeviehes.

Auf bem Hundefriedhof liegt die Stille des Todes. Hier und ba stört bie Stille das freche Lachen fremder

Besucher, die sich nicht zu benehmen wissen, manchmal bringt auch verhaltenes Schluchzen durch die Blätter der Friedhofsbäume. Der Tod greift auch heute noch mit harter Hand an manches Hundeherz. Wer rechte Trauer müerleben will, wohne einer Hundebestattung in Paris bei. Mein Freund hatte das Glück: Ein offenes Grab; die Hundeleiche, fckwarz gek'->idete Damen n'-i heißen Tränen auf den Wangen; Schluchzen, ba bet Liebling ber Erbe übergeben wird ... .Wie die frem­den Besucher nur so kalt dabei blicken können! Ein vorwurfsvoller Blick trifft meinen Freund ... Die Leidtragenden müssen wohl Leute fein, die sich die Trauer leisten können. Ein ftanzös. Arbeiter, der durch den Friedhof geht, versteht diese Art von Trauer wcht. Auch er schüttest den Kopf, er entschuldigt nicht, er klagt mit an . - -

Dies Schauspiel des Pariser Hundefriedhofs ist er­götzlich, aber nur für ben flüchtigen Besucher. Hinter biefer Komödie steckt ein tiefer Ernst. Sie ist ein trau­riges Symbol der Zeit. Nimmt nicht der Hundefriedhvs die Tränen auf, die um Kinder gemeint fein sollen, die die schwere Schuld der Ettern nicht zum Leben kommer läßt. Der Hundefriedhof sieht eine Liebe, bie bem ®c- bitte aus Erde geschenkt und dem Ebenbilde Gottes ent­zogen wird. Hier ist bas Tier zum Abgott geworden der Hund zum Fetisch.

Dem Kutte der toten Hunde paßt sich der Kult der Le benben an. Auf ber Rückreise von Paris fällt mir eit Witzblatt in bie Hände; darin die Meldung: Das erst« Jnstitttt für Schönheitspflege der Hunde in Paris er öffnet Auf bem Bilde sieht man einen verwahrloster Köter in das Institut einziehen, als Prachtexempla: kommt er heraus. Wenn die Meldung stimmt, bann if das Schönheitsinstitut für Hunde ein passendes Gegen­stück zum Hundefriedhof am Ufer ber Seine. H B