M 279.
Sonntag, den 2. Dezember 1928.
Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Acttendruckerel, Fulda
Rund um die Woche
Presse über diese Dinge wie auf Abrede hin über- Deutschland den Rest der Verkaufserlöse des l'iqui- haupt nichts gesagt wird. Man scheint also doch > vierten Eigentums auszuhändigen, der nach Befrie-
Zur Dezembertagung des Bölkerbundsrates in Lugano
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Ein Vorgang, der in der größeren Oeffentlichkeit auffallend wenig beachtet worden ist, verdient doch besondere Erörterung. Im engl. Unterhaus war eine Anfrage Hinsicht!, der Freigabe des deutschen Eigentums, das sich in England befindet, gestellt worden. Es war nun sehr bemerkenswert, daß keine mündliche »sondern nur eine schriftliche Antwort durch die englische Regierung erfolgte, und zwar wurde die Forderung auf Freigabe des in England befindlichen deutschen Eigentums abgelehnt. Charakteristisch ist, daß in der englischen
wohl das Gefühl zu haben, daß es hier um eine Angelegenheit sich handelt, die dem englischen Ansehen sicherlich nicht dienlich ist.
Mit dieser ablehnenden Haltung in der Freigabe befindet sich England in offenem Gegensatz gegenüber Amerika. Ueber die in der Freigabesache geschaffene Situation führt die „Vossische Zeitung" aus, daß England einst Führer im Wirtschaftskrieg gegen das feindliche Privateigentum, heute nahezu von seiner gesamten Gefolgschaft verlassen sei. Außer ihm ist es fast nur noch Belgien, das bisher ein wesentliches Entgegenkommen in diesem Punkte ablehnt. Unsere ehemaligen Kriegsgegner im lateinischen Amerika haben bewußt nennenswerte Uebergriffe gegen deutsches Privateigentum unterlassen. Bald nach dem Kriege entschlossen sich Südafrika, China, Japan und Griechenland, das beschlagnahmte deutsche Eigentum ganz oder überwiegend teil zurückzugeben, teils zu ersetzen. Nach der Schaffung des Dawesplanes begannen auch die europäischen Festlandsstaaten, das immer weniger zeitgemäß gewordene Liquidationssystem aufzuheben. Portugal gab 1927 das deutsche Eigentum in seinen Kolonien frei und wird nach Klärung gewisser Streitfragen hoffentlich für das Mutterland bald das gleiche tun. Italien beschloß um die Jahreswende 1927, im alten Staatsgebiet die Liquidation einzustellen und den noch nicht liquidierten Teil des beschlagnahmten Eigentums auszuliefern; die Enteignungen in den neuen Provinzen wurden zu 80—85 v. H. entschädigt. Jüngst haben schließlich die rumänischen Unterhändler einen Vertrag unterzeichnet, wonach dasjenige deutsche Eigentum, das noch nicht liquidiert ist, freigegeben wird.
Besonders interessant ist die Haltung Frank- r e i ch s. Es hat im Zusammenhang mit dem Vor- läufigen Handelsvertrag Ende 1926 zugesagt, an
genau. Auch in Kärnten wußte er Bescheid, wo es mehr Industrie gibt und also auch größere Ge- gensätze. Er sagte mir, daß ein Faschismus in Oesterreich nicht zu fürchten sei. Man wolle wirk- lich nur die Heimat schützen und der sozialistischen Streitmacht zeigen, daß sich die chrisü. Bevölkerung doch nicht alles gefallen lasse. Natürlich wäre es zu wünschen, daß bald die Macht der Regierung so stark würde, daß der Dauer es nicht nötig hätte, ein Maschinengewehr in der Scheune zu haben. Aber man darf die Regierungen nicht anklagen, die an der tieferen Ursache der ständig drohenden radikalen Verbände von rechts und links nicht schuld sind. Diese Ursache liegt vieimehr in der lächer- lichen Ordnung, die durch die Friedensverträge in Europa geschaffen worden ist. Wer einmal vom grünen Tisch weg ins Leben geht und mit den Menschen in den verschiedensten mitteleuropäischen Lärchern spricht, der sieht und hört auf Schritt und Tritt, wie ganz unmöglich das künstlich durch die Friedensdiktate aufgerichtete Kartenhaus ist. Ein einziger größerer Sturm in Europa — und es wird dies alles zufammenbrechen.
Da schaut schon die schlafende Veste von Kufstein durch die Morgendämmerung. Die Station zeigr zu dieser Stunde, daß es doch auch noch ein friedlich schlummerndes Oesterreich gibt. Ein paar Schillinge in deutsches Geld zu verwandeln war nicht möglich, denn man war noch nicht aufgestanden. Selbst die Leute vom Zoll und was sonst auf den Beinen sein mußte, schien zu schlafen. GonM Ballen von österreichischen Zigaretten hätte ich hinüberschmuggeln können — aber wer tut so etwas! Ich kam gar nicht dazu, schon weil die große Schlof- mütze, die der Mvrgennebel um Personal und Bahnhof legte, auch mir die Tatkraft lähmte. Schon geht es nach Reichsdeukschland hinein, und ich krame in den vielen ausgehäuften Briefen herum.
Halt, da ist eine Sache, die nicht vergessen werden soll. Vor einiger Zeit nämlich war ''urdj die Presse eine kleine Skizze gelaufen u. j er dem Titel: „Tippmamsell." Der Autor, der mir bekannt ist, hatte ein Stimmungsbildchen darin ge- zeichnet. Er hatte irgendwo einige ältere Fräuleins die Maschine bedienen sehen und war nachher dem Chef des Hauses begegnet, der im Kreise seiner Familie weilte. Dem Verfasser schien nun das Los der Frau, die Mutter ist und ein Kindlein auf dem Schoße trägt, so viel glücklicher, als das so mancher Tippmamfell, die statt der Babys immer nur die Maschine vor sich hat. Wollte man noch eine weitere Absicht in der Skizze suchen, so war es wohl ein Protest gegen die Zeit, die in so vielen ihrer Einrichtungen dem namhaften Beruf der Frau zur Mutterschaft eugegengewirkt. Armer Autor, hättest du geahnt, was nun geschah! Arme Redaktion, wie wirft du dich wehren gegen alle diese Pfeile, die die beleidigten Töchter Evas aus diese Pfeile, die die beleidigten Töchter Evas gegen dich absenden! Eine Dame zum Beispiel behauptet, es sei unkatholisch, eine solche Skizze zu ver- öffentlichen. Denn nach der katholischen Religion könnten auch unverheiratete Frauen glücklich werden! Aber davon hat der Autor ja gar nichts gesagt. Er hat eben doch nur gemeint, daß ein Baby etwas ganz anderes ist für eine Frau als eine Schreibmaschine, und das ist doch keine Beleidigung für eine Tippmamsell,zumal manche von * ihnen wirklich von einem Kindlein träumt, wenn I die müden Finger über die klappernde Tastatur I
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„D," antwortete Roger eifrig, „Sie verstehen, ich möchte die Sluseinandersetzung meines Freundes frf)On gerne abwarten, falls Sie mir gestatten wollten, noch -u bleiben." 0
„Natürlich, Herr Doktor."
So neugierig auch Arthur war, so fand er doch, daß die Verzögerung weit unangenehmer hätte sein können Daß sie ihn in die Lage versetzte, noch eine Weile mit Dora Burton zu plaudern, machte sie ihm fast willkommen. Allmählich wendet sich das Gespräch persönlich»,, Dingen zu. Man war übereingekommen, in Erwartung der Rückkehr des Detektivs nicht mehr über die Dinge zu sprechen, die sie eigentlich zusammengefühtt hatten, Dora fragte den Rechtsanwalt, wie lange er Franz van Veekum schon kenne, und das berührte ihn wieder pein, lich. Glaubte er doch daraus auf die große Anteilnahme schließen zu müssen, die Dora dem Sohn des Bankiers entgegenbrachte. Er erzählte, wie sie sich schon in den Studentenjahren gekannt hatten, und das gab einen "etten Anlaß zu einer Unterhaltung über das Studieren Unb das Studentenleben.
Dora war eine intelligente junge Dame, die sich für alles Mögliche interessierte. Sie hatte in Arthur Roger einen vortrefflichen Erzähler gefunden, der ohne lieber* Reichtum an Worten und ohne Ueberhedung die bezeichnende Lüge aus dem Studentenleben zum besten gab. .. ^°rte mit Vergnügen zu und gestand, daß es immer wr Ideal gewesen wäre, selber zu studieren. Ihre Fa-
1 ,e flobe indes nichts davon wissen wollen.
glaube ich schon, daß Sie selbst es auch nicht an ®eQ3o!It haben," versetzte Roger.
glauben Sie das?" fragte sie überrascht.
. ich Ihnen sagen, wie ich mir dos denke? Ich nnne den Eindruck, daß Sie durchzusetzen wissen, was Sie ernstlich wollen."
Dora lächelte.
., »habe ich Ihnen diesen Eindruck gemacht? Weil '''C "uLbcs Mordes an meinem armen Onkel mit -Es Entschiedenheit aufgetreten bin? Aber ich bin nicht immer so, und wenn Sie meine Freunde fragen, die mtd) langer .ennen, werden Sie erfahren, daß ich immer ein ganz unbedeutendes junges Ding gewesen bin, viel auf Vergnügen gehalten, für ernste Dinge nicht viel übrig
Bf etter, Bohlen, Fuflhöden, Letten, Stollen und Bauhölzer
sowie
Industrie- und Schreiner-Hölzer
stets vorrätig.
nicht wohl fühlt. Ich habe sie ohnehin schon zu lange allein gelassen."
„O ich bitte vielmals um Entschuldigung, daß ich Sie aufgehalten habe. Es ist unverzeihlich von mir. Ich mache mich jetzt auf die Suche nach Rosch, denn ich bin überzeugt, er hat wieder etwas Neues. Wissen Sie, ich habe so das Gefühl, daß die Geschichte noch nicht aus ist. Rosch sprach übrigens von drei Telegrammen, die er erwartete. Es sind aber bis jetzt erst zwei gekommen."
„Das andere hatte vielleicht der Fremde, mit dem er fort ist."
„Möglich aber . . ."
Der Rechtsanwalt konnte den Satz nicht vollenden, denn das Mädchen meldete den Bürgermeister von Schil- lerhorst.
„Der Bürgermeister, was führt ihn her?" fragte Dora.
„Er wünscht dringend Herrn Rosch zu sprechen."
„Warum haben Sie ihm nicht gesagt, daß Herr Rosch weggegangen ist?"
,^Ich habe es ihm gesagt, aber er meinte, dann möchte er Qräulcin 93urton ober ben Herrn Doktor sprechen Er scheint gewußt zu haben, daß der Herr Doktor hier ist."
„Gut", sagte Dora, ich lasse bitten."
Gleich darauf erschien der Bürgermeister auf der Schwelle. Er grüßte höflich, aber Roger hatte den Eindruck, daß er ziemlich aufgeregt war.
„Herr Bürgermeister, was führt sie zu uns?" fragte Dora. 1 a
."3a, das ist eine sehr unangenehme Geschichte. Das Mädchen wird Ihnen gesagt haben, daß ich eigentlich Herrn Rosch suche. Aber er ist nicht hier, und ich weiß ihn sonst nirgends zu finden. Ich bin Bürgermeister des Ortes und als solcher das Haupt der Polizeibehörde und habe volles Vertrauen zu Herrn Rosch, denn ich kenne ihn bereits von früher her Aber diesmal hat er mich, glaube ich, doch eine Dummheit begehen lassen."
„Wieso, Herr Bürgermeister?"
„Ja, sehen Sie, auf fein Anraten, oder besser gesagt, auf fein Drängen hin habe ich eine Verhaftung vornehmen lassen, einen Mann vom Eichenhof hinter Schloß und Riegel gebracht." titortL folat?
Karl Hau
Rhönstr. 10 Dachdeckergeschäft Telephon 37*
gleiten. Auch meinte eine Dame, es sei diese Skizze gegen das katholische Ideal der Jungfräulichkeit. Aber das kommt doch hier nicht in Frage. Die Da- men, die sich in den praktischen Beruf begeben, tun dieses meist und zunächst aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus und nicht aus religiösen. Man kann auch an der Schreibmaschine eine Heilige sein, und es gibt wirklich solche, aber um das Ideal der Jungfräulichkeit zu erstreben, geht man im allgemeinen nicht zur Schreibmaschine, sondern ins Kloster. Alles in allem, verstehen mir uns doch! Und vor allem, treten wir ein für das Ideal der Persönlichkeit, das auch der Frau gesetzt ist. Und weiter: Denken wir an die vielen Frauen, die heute im Berufsleben stehen. Der Krieg hat das Mißverhältnis in der Zahl der Frauen und Männer unglaublich verschlechtert. So erwachsen uns Aufgaben, denen wir uns in Liebe hingeben wollen. Achtung also auch vor der letzten „Tippmamfell"! Gerade die Frauen sind es, von denen die sittliche Höhe eines Volkes abhängt. Ihnen allen heute einen besonderen Gruß vom
Mann im Monde.
Deutschlands Eigentum in England
Der Quai von Lugano
St öon ^Irej$e" Diplomaten und Journalisten bevölkert. Der Völkerbundsrat
hat beschloßen, ferne nächste Tagung am 10. Dezember in Lugano, dem herrlichen Luftkurort des schweizerischen Kantons Tefstn abzuhalten. Das milde Klima des schönen Städtchens dürfte den Staatsmännern wie Strefemann und Chamberlam, die von schweren Krankheiten befallen waren, die Arbeit wesentlich erteichtem.
^„Schon fast zwei Stunden," sprach Roger, der nach '^er Uhr mit Erstaunen feststellte, wie viel Zeit ver- G^hgen war, seit der Detektiv sich entfernt hatte. Die ^D*i Stunden waren ihm im Flug vorbeigehuscht. Im 'te’ten war er dem Freunde für fein' langes Fernbleiben "Qnfcar, das ihm Gelegenheit zu einem Gedankenaus- . h gab, wobei sich immer eine gewisse Vertraulichkeit ®LnfVeid)t und sich ein gemeinsames Band um zwei „rWn schlingt. Aber nun fand er wirklich auch daß Ro^tang ausblieb. ' ö
Gchillerhorst.
Eine geheimnisvolle Geschichte von Wilhelm fio,f 25] _________
,,3a," antwortete Roger, „ich kenne feine Art. Die Sofung scheint ihm wirklich vortrefflich zu passen, Hm ate Mensch die wünschenswerteste zu sein."
- Wie meinen Sie das?"
wie soll ich sagen? Er hat mir schon einmal erjaw, daß er ein Verbrechen auf gedeckt, wobei n* herausgestellt, daß der Täter ein Mensch war, für ben er im Laufe der Untersuchung herzliche Teilnahme emp- funoen und den er gerne hätte retten wollen. Und bann {jaoe gerade er dessen Schuld bartun müssen. Als De- telnv konnte er solche Fälle freilich auf das Konto feiner Erfolge buchen. Als Mensch aber vermochte er sich ibttf mcht zu freuen. Diesmal scheint es anders zu skiö ®r scheint sehr befriedigt über die Lösung. Aber Sie haben recht. Er bleibt lang aus."
überlegte offenbar einen Augenblick und läutete Mädchen.
«nb h;r^ien' und seine junge Herrin fragte:
"A nein ct Crren noä) imtner drüben?"
-E'", Fräulein."
‘ pnb^0 finb fie denn?"
'Smer oÄUpt T einen Augenblick beisammen Len Hut vom'L Dann nahm Herr Rosch gleich leinen m Rechen und ging mit dem Fremden rieten"“ 9^nen "'cht auf, uns etwas auszu- foiiT^baft ich"in^ein°l° wohl: Melden Sie dem Fräu- eigens zu stören. Vielleicht ?-.^" ^-hte ich nicht n* mä ä? WM Ü, **'«*£. 5*
5lun sitze ich im Nebel von Klagenfurt und träume vorn nahen Venedig. In Wien konnte ich eben habet sein, als die Feier am Grabe Schuberts stattfand, der da neben Beethoven und Mozart schlummert. Es war für die kleine Gemeinde dort eine liebe Ueberrafchung, als der Dichter Friedrich Schreyoogl einen wundervollen Kranz im Auf- trage der Stadt Köln niederlegte. Da hat der Vater Rhein die mütterliche Donau begrüßt, und das deutsche Lied sang heimlich seine Weise dazu.
Was ist Kl a g e n f u r t ? Die Hauptstadt von Kärnten. Du weißt wahrscheinlich nicht, daß es dort Deutsche gibt. Sie führen sogar ein hochge- steigertes Kulturleben und lieben sehr Dichtung und Literatur. Nebenan verläuft ja der Schnitt, den der harte Frieden hier gemacht hat. Die jugo- flaw-ische Grenze wird nicht weiter sein als die italienische. Den Dichter Pferkonik sah ich da, und hier ist als die Heimat jener Doteres Vieser, die uns jüngst das köstliche „Ängerlein" geschenkt hat. Sie ist erst 22 Jahre alt, und sie lebt gewiß auch, was sie schreibt. Bei so manchen Dichtern fragt man nicht gern nach privaten Dingen — hier darf man es ruhig wagen.
Einen Friedhof der Nationen konnte ich nicht mehr besuchen, hörte aber, wie gerade hier, wo scharfer Grenzwind weht, dir Gräber aller am Allerseelentage geschmückt werden. Man erkundigt sich natürlich überall nach den großen Bewegungen, deren Pulsschlag auch im kleinsten Städtchen zu spüren ist. Der Katholizismus regt sich bestimmt stärker mH zeigt seine Kulturkraft, wo immer sich tüchtige Führer finden. Aber vielleicht wird der Sozialismus gerade in der Provinz noch Fortschritte machen. Er hat sich zeitig der Jugend bemächtigt, die nun an die Wahlurne treten wird. So sich ich es auch sonst, und das Christentum hat viel nachzuholen, wenn es die Kämpfe der Zukunft bestehen will.
Dann ging es wieder auf den Zug, der zu den Touren hinaufführt. Das ist eine wunder- schöne Alpenstrecke, wie alle jene wissen, die ein- «mal in Hofgartstein Erfrischung gefunden haben. Es fährt sich heute manchmal besser in Oesterreich, als bei uns. Als einmal beim Personalwechsel in Passau der Oesterreicher sagte: „Wir sind jetzt in Oesterreich, und da herrscht Ordnung!", da gab es bei allen Reisenden ein Gelächter. Tatsache ist, daß es in jüngster Zeit bei uns im Reich mehr Verspätungen gab, als hier, wo die Schnellzüge auf die Minute pünktlich sind. Eisenbahnunfälle kennt man in Oesterreich überhaupt nicht und bildet sich nicht wenig darauf ein.
Ueber dieAnschlußfrage wii4> natürlich auch viel gesprcchen, aber man merkt immer mehr, wie schwierig sie eigentlich ist. Ich glaube, daß die alte Donau einmal ihre Anne wieder um all die Kinder legen wird, die man ihr künstlich genommen hat. Dom Kaiserhaus spricht man eigentlich nicht viel, und das zetgt, daß das bindende Band vor tKtem die Donau gewesen ist. Es war alles gut geordnet. Ungarn hatte Getteide, und Oesterreich dte Industrie. Eines war auf das andere einqe- fptelt. Heute sorgt jeder für sich, aber dafür wird das Format allenthalben kleiner. Ein Mitteleuropa wird und muß kommen. Darüber hinaus ist ober alles unsicher.
Mn interessantes ®eforäd) hatte ich mit einem alten Hmrnwehrmann m Inmlnuck. Er war schon Jahre lang dabei und kannte also die Stimmung
Rhein und Donau. — Sozialismus und Christentum. — Die Helmwehren Die problematische „TippmauHell".
gehabt habe und sehr verwöhnt worden bin, vor allem von Onkel und Tante."
„Das sind noch immer keine ungünstigen Berichte. Denn das niemand von einem unbedeutenden jungen Ding sprechen wird, davon bin ich überzeugt. Und es wäre garnicht natürlich, wenn Sie in Ihrer Lage und Ihren Verhältnissen nicht auch ein bißchen Sinn für Unterhaltung und Vergnügen hätten. Ich halte im allgemeinen mehr von jungen Damen, die nicht allzu ernst sind, als von jenen, die sich in kalter Sachlichkeit dem Studium hingeben."
„Sie halten also mehr von unbedeutenden jungen Damen?" erwiderte Dora.
Der Rechtsanwalt widersprach.
„Nein, nein, das meine ich durchaus nicht. Das wissen Sie ohnehin, Fräulein Burton. Ich wollte nur Jagen: Ich glaube nicht, daß cs Ihnen wirklich ernst war mit dem Vorhaben, die Universität zu beziehen, denn sonst hätten Sie es auch getan. Und ich glaube auch nicht, bafj ein Mädchen an sich bedeutender oder nützlicher oder angenehmer oder was Sie wollen wird weil es studiert."
„Ein moderner Rechtsanwalt mit altmodischer Auflassung über die Frauensrage," bemerkte Dora mit einem verstohlenen Lächeln. „Ich bin ganz und gar nicht einer Meinung mit Ihnen."
| „Das tut mir leib, aber . . ."
„Aber warum reden wir darüber, meinen Sie. Da Ölen wir nun schon mehr als eine Stunde, und Herr -^sch ist noch immer nicht zurück."
"*) weiß nicht, sagte Dora, „ob Sie noch auf ihn wollen. Aber jedenfalls müssen Sie mich ent- schuldzx„. Ich muß nach meiner Tante sehen, die sich
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