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Druck der Fuldaer Acliendruckerei. Fulde

Vom Sinn und Zweck einer Wehrmacht

Die Köpfe der Sachverständigrn-Konferenz

Von links nach rechts: Owen Honng (Amerika), Pirelli (Ita.), Stump (Cngl.), Schacht (Deutsch!.), Moreau (yrantr )

s

absoluten Willen zu friedlicher Verständigung zu stärken. Gerade der Zcntrumspartei bietet sich in besonderem Maße die Gelegenheit, über befreun­dete und verwandte Parteien im Auslande in die­sem Sinne zu wirken. Aber auch der Staat selbst hat mannigfache Mttel, die internationale Aufklä­rung und die internationale Zusammenarbeit auf

gaben dieser Politik gehört selbstverständlich die Entwicklung des Genfer Völkerbundes zu einem wirklichen tatkräftigen und gerechten Schiedsrich­ter im Streit der Nationen. Dabei darf es als selbstverständlich gelten, daß dieser Schiedsrichter die Machtmittel haben muß, die die Durchführung seiner Urteile gewährleisten. Auch die Wehrmacht eines idealen Völkerbundes wird aus den Kontin-

auf dem Wehrwillen und der Wehrhaftigkeit ba- fiere. Während der ungesunde Pazifismus tm Unterwerfungswillen und Wehrlo Hfl- reit bestehe. Dieser ungesunde Pazifismus mutzte zum ideellen Landesverrat führen, der in den Fol- aeerscheinunqen sehr viel schlimmer fei, als der ma­terielle Landesverrat. Ebenso wie vor dem unge- funben Pazifismus müsse er vor dem -ö14u 1 to­nt s m it s warnen, der aus der Ueberschatzung der idetten Kräfte beruhe. Die Eindrücke, die der Mi- nister auf seinen mehrfachen Truppeninspektionen gewonnen habe, ließen sich dahin zusamme".aslen, daß die guten Eigenschaften der alten Armee noch aesteiaert seien. Trotzdem könne man nicht sagen, daß die Reichswehr ein bedrohliches Kriegsinstru- ment und eine Modellarmee der Welt sei. Diese müsse anders aussehen. , ,, ,

Die Ausführungen des Ministers fanden lebhaf­ten Beifall.

Das verbot des Gaskriegs.

Fuldaer Zeitung

Heere unmöglich machen kann, jemals der Angrei- fCr S?e Diskussion, die um all diese Dinge geführt wird, ist ernst und wichtig. Sie wird nur bann ein greifbares Ergebnis zeitigen können, imnn man allerseits bereit ist, bie Gewissenhaftigkeit des Geg­ners. anzuerkennen und feine Motive zu würdigen. Wir zweifeln nicht daran, daß in unseren Kreisen das geforderte Verständnis für den Standpunkt des ! Anderen überall vorhanden ist.

Ein Nede Groeners.

Vor zahlreichen Mitgliedern der Deutschen Ge- I sellschaft hielt am Dienstag abend ReichswehrMiNi- ster Groener in Berlin einen Vortrag, den er mit I einem Rückolick auf die Kämpfe in der Panzer- I kreuzerfrage im Parlament und in der Preise ein- I leitete. Er betonte dabei, daß er stets eine grab- i linige Haltung eingenommen und sich fo gründlich I und vielseitig wie möglich informiert und die Denk­schrift, um jeder Beeinflußung vorzubeugen, nicht von einem Marinefachmann, sondern von einem Infanteristen habe ausarbeiten lassen. Die Gegner des Panzerkreuzers, so führte der Mimster weiter aus, seien mit ihren Gründen zu sehr an der Ober­fläche geblieben. Wenn einer der Artikelschrewer den Satz prägte: „Die Lebensinterefsen des Rei­ches lassen sich durch ein paar Panzerkreuzer nicht ! verteidigen", so könne er darauf nur erwidern, daß daran auch niemand denke, daß es sich vielmehr nur um eine Verstärkung der San dm acht handeln könne. Jedenfalls sei der neue Panzer­kreuzertyp eine hervorragende Leistung. Er könne mit keinem anderen gut Zeit auf dem Meere schwimmenden Kreuzer verglichen werden. Aus­gezeichnet sei die Disziplin bei der Marine, die aus freiem Geist und freiem Willen geboren werde, ebenso das Harmonische Verhältnis zwischen Heer und Marine, wie man es in Friedenszelten nicht gekannt habe. In dem zweiten Teil feines fast zweistündigen Vortrages beschäftigte sich der Mini­ster mit unserer Reichswehr, für deren Ausbau man noch heute dem ersten Reichspräsidenten Ebert dankbar sein müsse, der damals nach der Revolu­tion das sogenannte „Volksheer" abgelehiit habe.

In großen Zügen entwarf der Minister bann ein Bild ber fünf verschiebenen Wehrsysteme: Rein- miliz (Schweiz), stehendes Wehrpflichtheer, stehen­des Wehrpflichtheer ergänzt durch Miliz (Rußland), geworbenes Berufsheer, ergänzt durch freiwillige Miliz und Deutsche Reichswehr. Der Minister ver­weilte einige Zeit bei den Waffengattungen, die durch den Weltkrieg eine gewaltige Vermehrung erfahren haben: Flugzeuge,Kampfwagen, Gas ufw. Von dem sogenannten chemischen Krieg halte er nicht viel, er bestehe nach seiner Ansicht mehr in der Literatur. Welche Stellung ber Luftkampf in der Strategie einnehmen werde, fei noch unklar.

Zum Schluß seiner Ausführungen betonte der Minister nachdrücklich, daß er auf dem Boden eines gefunben Pazifismus stehe, ber

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»en 1. 192»

Wenn man nach ben Grünben fragt, bie triefe I allgemeine Aussprache veranlaßt haben, dann ist zunächst festzustellen, daß der Streit UM den Pan­zerkreuzer nur die Rolle des fallenden Steinchens I gespielt hat, das die hängende Lawine zum Ab- rutschen brachte. Wie folgenschwer war in die- I fer Beziehung die tiefe Enttäuschung darüber, daß die Abrüstungspolitik Fiasko gemacht hat, daß kein Staat daran denkt, der klaren Forderung der Dölkerbundssatzung nachzukommen, daß die ent­setzlichen Zustände und Folgen des Weltkrieges so schnell ht Vergessenheit geraten sind und daß bet ben Anderen bie lebhaftesten Anstrengungen ge­macht werden, sich für einen künftigen Krieg noch I weit besser und weit umfassender vorzubereiten, als es vor dem Weltkrieg geschehen ist. Das alles hat viele zu der Einsicht geführt, daß eine Umstellung der Geister in wirklich faustischem Sinne sich Nicht dekretieren läßt, daß selbst das Erlebnis des Krieges, das Grauen von seiner furchtbaren Wirk­lichkeit, auf die Dauer gesehen, nicht ausreubt diese Umstellung zu bewirken und zu erhalten, sondern daß sie nur in langer sorgfältiger und allgemeiner pädagogischer Arbeit herbeigefuhrt werden tarnt. Allerdings auch herbeigeführt werden muß. Wir stehen nicht auf dem Standpunkt, daß ^r Webrwille" ober anders ausgedruckt, bie -Bereit» teaft politische Ziele oder politische „Lebensnot- wenbigkeiten" evtl, auch mit gewaltsamen Mitteln anzustreben, ein ernstes und besonders pfleglich zu behandelndes Charakteristikum eines gesunden Dol- . ' ist Mr uns ist die Wehrmacht absolut nur ein Verteidigungsinstrument, bas wir aus ber Hand legen wollen, wenn bie Friedfertig- feit überall entscheidend über den militärischen Machtwillen gesiegt hat, wenn also ein militärischer Angriff von irgendeiner Seite her nicht mehr tu befürchten steht.

Die Hinlenkung der Geister auf ben unbeding­ten Willen, alle internationalen Streitigkeiten' durchaus nur mit friedlichen Mitteln zu schlichten, bleibt oberster Leisatz einer für das Zentrum vertretbaren Außenpolitik. Wir begrüßen die prachtvolle Hingabe unserer jungen Parteifreunde an den Glauben des Friedens, und wir bitten sie inständig, nicht müde zu werden, diesen Gedanken des Friedens bei allen, die neben ihnen stehen, mit allem Nachdruck zu vertreten. Wir wollen sie un­terstützen dadurch, daß wir keine Polittk treiben, bie den anderen Völkern nicht nur keinen Anlaß bie­tet, uns anzugreifen, sondern die bewußt darauf hinausgeht, auch bei den anderen Völkern den

Durch ben Reichsaußen- und den Reichswehr­minister ist dem Reichstag der Gesetzentwurf über das Genfer Protokoll wegen Verbot des Gaskriegs zugegangen. Das Genfer Protokoll ist bereits am 17. Juli 1925 von dem Bevollmächtigten „es Deut- scheu Reiches in Genf unterzeichnet worden Er betrifft das Verbot ber Verwenbung von ersticken­den, giftigen ober ähnlichen Gasen, sowie von bak­teriologischen Mitteln im Kriege.

Die dem Gesetzentwurf beigegebene Denkschrift macht folgendes geltend: .

Auf ber Waffenhanbelskonferenz, bie vom 4. Mai bis 17. Juni 1925 in Genf stattfand, wurde von deutscher Seite die Bereitwilligkeit erklärt, ohne Vorbehalt jedem allgemeinen Abkommen betgutre- ten, das die Abschaffung des Gaskrieges zum Ziel haben würde: es ist damit ein Gedanke ausgenom­men, ber bereits auf ber Washingtoner Konferenz von 1922 zu einer Vereinbarung zwischen den Ber- einigten Staaten, Großbritannien, Frank re i h, 3 ra» lien und Japan in gleichem Sinne geführt hatte, die jedoch mangels Ratifikation durch Frankreich nicht in Kraft getreten ist. 3m Anschluß an bie deutsche Erklärung kam es alsdann auf ber Was- senhandelskonferenz zur Aufstellung bes dieser Vor­lage zugrunbliegenden Protokolls.

Das Protokoll ist bis jetzt von 40 Staaten dar- unter von sämtlichen Großmächten einschließlich der Sowjetunion und ber Vereinigten Staaten von Amerika unterzeichnet worden. Ratifiziert haben es bisher Frankreich, Venezuela, Italien, bie Sow. jetunion und Oesterreich, Liberia, bas auf der Wch- fenhandelskonferenz nicht vertreten war, hat gleich­falls feinen Beitritt in enbgültiger Form erklärt.

Cs erscheint angezeigt, das Protokoll deutscher» i feits zu ratifizieren, und damit für die humanen Ziele einzutreten, denen das Protokoll Auscrnck aeben will. Damit soll nicht gesagt sein, daß das Protokoll eine abschließende Lösung ber mit bet Anwendung der chemischen Waffe zusammenhän­genden Probleme darstellt und nicht weiterer Aus- gestaltung bedarf.

Die Bestimmung des Artikels 171 des Verfall- ter Vertrages, bie einen ähnlichen 3nhalt wie das Protokoll hat, bleibt durch dessen Ratifizierung un­berührt ebenso die entsprechenden Bestimmungen der ande-en den Weltkrieg beendenden Verträge.

Frankreich und die Sowjetunion haben bie Rati- sixlerung des Protokolls unter folgenden zwei Vor- behalten bewirkt: ... .

1. daß das Protokoll sie nur gegenüber ben Staaten bindet, die es gleichfalls unterzeichnet und ratifiziert haben ober ihm beigetreten sind, .

2. daß bas Protokoll für jedem Femb- I float gegenüber unverbindlich wird, dessen bewaff­nete Streitkräfte ober besten Verbündete die in dem Protokoll enthaltenen Vorbehalte nicht beach- I ten.

I Es erscheint nickt erforderlich, diese Vorbehalte I der deutschen Ratifkkätion hinzuzufügen, da ber

genten der beteiligten Völker bestehen. , Das uns vorschwebende ideale Verhältnis zwi­schen den Nationen ist in ber Gegenwart noch lange nicht erreicht. Wir sind noch nicht einmal sicher vor einem unprovozierten militärischen Angriff. Der Krieg ist als Mittel der Politik zwar geachtet, aber keineswegs ausgeschlossen. „Sein Zweifel kann mehr daran sein, daß bie Herabsetzung der Rüstungen .... eine noch länger bauernde, oft stockende, von Rückfällen wie dem augenblicklichen unterbrochene Entwicklung haben wird. Weniger sicher ober ist, ob sich alle Spannungen auf ber Welt während dieser vielen Jahre friedlich entspan­nen lassen werden." Das schrieb ein Sozialdemo­krat in Hilserdings Zeitschrift.

Wir haben als Partei nicht nur eine erziehe­rische Aufgabe, sondern daneben auch die Pflicht, darüber nachzudenken, welche Mttel es gibt, um unser Volk im Augenblick vor ber möglichen Ge­fahr eines kriegerischen Angriffs zu schützen. Die- fer Artikel ist nicht geschrieben, um den Panzer­kreuzer zu verteidigen, aber wir meinen doch, daß selbst diejenigen, bie ben Panzerkreuzer für ein unbrauchbares ober mindestens überflüssiges Mittel der Angrisissicherung halten die Notwendigkeit einer Schutzlüftung selbst nicht in Abrede stellen werden. Wir haben noch nicht den Zustand des ewigen Friedens, der, wie wir immer wieder be­tonen wollen, unser unverrückbares Ziel bleibt Wir brauchen deshalb bie Schutzwehr., Wie diese Schutzwehr aussehen soll, ist eine technische Frage, die im einzelnen hier nicht erörtert werden kann. Nur die eine und allerdings auch wichtigste prin­zipielle Forderung sei hier noch herausgestellt Es darf sich, auch bann, wenn ber Versailler Vertrag unsere Heeresorganisation einmal nicht mehr be­stimmt, immer nur um eine Wehrmacht handeln, die zwar zur Verteidigung ausreicht, aber . nicht zum Angriff befähigt. Wir wissen, daß es meist schwer ober gar unmöglich ist, in einem konkreten Kriegsfälle den Angreifer festzustellen, aber wir glauben, daß man es prophylaktisch ein m

<?rn allen deutschen Parteilagern debattiert man sein über die Frage der Wehrhaftigkeit. ‘ Die Deutfchnationalen und die Kommuni­st e n haben das ja, jede in ihrem speziellen emne, frfwm immer getan. Aber daß man auch innerhalb ££ sozialdemokratischen Partei, die bisher zweifels-

mit diesen Dingen drangt, bas ist sicherlich em sehr bemerkenswertes Zeichen der Zeit. Der Meinungs­austausch wird schon jetzt in der sozialbemokratt- f*en Publizistik vorbereitet. In ben „Sozialisti- fdicn Monatsheften", in der „Gesellschaft" unb in anderen Organen dieser Partei sind eine Reihe von Artikeln erschienen, die die Einstellung einflußrei- ,her sozialdemokratischer Kreise Mr Frage ber Wehrmacht deutlich erkennen lassen. Auch im La­aer der Zentrumspartei unterhalt man sich lebhaft über bas Wehrproblem. Alle unsere Parteifreunde wollen den Frieden, alle hassen den Krieg, alle verwerfen machtpolitische Ziele. Der Kampf ber Meinungen dreht sich auch bet uns tm letzten nur um die Frage: Welche Konsequenzen sollte das deutsche Volk in wehrpoltitscher Hinsicht aus der internationalen Sage der Gegenwart zte-

unb Wachsen eines Kunstwerks zu versenken, baß wir es I immer wachsendes Material vor ben Komponisten an- ____- _«- r n-i . 1 mit hnm 01- nun nnrh »Rphphpn fmnlfpn Lino

ganz nachzuleben vermögen. Auch bei ber Literatur ge­hört eine große ästhetische und geistige Schulung dazu,

düng in der Musik können wir nur durch das Anhören dieser Klangverbindung ein Gefühl bekommen, weil wir uns eben nirgendwo anders darauf einstellen können. Dann aber gewöhnen wir uns daran, finden schön, was wir vorher verurteilten, ja noch mehr, wir vermissen die­ses Neue, wo es nicht ist. Die frühere Musik „veraltet". Je mehr das Reich der musikalischen Technik erweitert worden ist, um fo schwieriger ist dessen volle Beherr­schung, nicht nur für den ausübenden Musiker, nein auch für ben genießenden Musikhörer. Wir müssen also dafür Sorge tragen, daß unser Gnußvermögen und unsere Aufnahmefähigkeit für Musik möglichst vielseitig unb um- faffenb seien.

Ich halte bie Musikgeschichte für dazu berufen, gegen- über diesen besonderen Verhältnissen, wie bie Musik sie barbietet die richtige Einstellung beim ausübenden unb empfangenden Musiker zu schaffen. Indem wir den Wer- begang der Musik als Kunst darstellen, gewinnen wir ein tieferes Verhältnis zur musikalischen Form. Wir sehen, wie alles anders geworden i*t, wie schwer es zumeist errungen wurde,, wie fo viel, was uns heute als bloße Form erscheint, einmal als Ausdruck gewonnen wurde, sich also auch immer wieder als Ausdruck beleben lassen muß. Dann ist es außerordentlich fesselnd, zu verfolgen, was die Künstler jeweils ausdrücken wollten, wie sie es taten unb wie es von ber Menschheit ausgenommen würbe. Es wirb uns auf diese Weise eine Fülle von Musik wieder lebendig werden, zu ber wir sonst kein Verhältnis finden können. Viele der Probleme, die uns heute beschäftigen, sind ay sich alt unb nur immer wieder in eine neue Beleuchtung gerückt. Auch da finden wir uns leicht zurecht, wenn wir ihre Behandlung in frw Heren Zeiten verfolgen. Zu alledem kommen noch die gro, ßen Vorzüge, die jede Beschäftigung mit der Vergangen, heit unb bas Ringen unb Schaffen bebeutenbet Persöw lichkeiten zeigt. Für uns Deutsche kommt hinzu, das unser Wesen in keiner anberen Kunst so reichen Slusbrud findet, wie gerade in der Musik.

Wenn wir also an das Studium der Musikgeschichti unter Berücksichtigung der hier gegebenen — leider nui wenige von ben vielen — Richtlinien unb Fingerzeiger Herangehen, bann wirb sich als wahr erweisen, baß Mw sikverständnis geboren wird aus ber Kenntnis der Mu sikgeschichte.

Musikverständnis u. Musikgeschichte.

Von Dr. Karl Storck.

Auf dem Gebiete der Musikgeschichte liegt manches ganz anders, als bei den anderen kunstgeichichtlichen Wis­senschaften. Man findet im Hause eines jeden Gebilde- ten eine Literaturgeschichte, wohl auch eine Geschichte der bildenden Kunst. Man setzt gar nicht erst voraus, daß jemand Literat, Maier, Bildhauer ober auch nur jn be- sonberem Maße Literatur oder bildende Kunst Studie­render sei, um es doch ganz begreiflich zu finden, daß er geschichtliche Darstellung dieser Künste zur Hand habe, um entweder im zusammenhängenden Lesen deren ge­samten Werdegang kennen zu lernen oder in einzelnen Fällen sich über bestimmte Persönlichkeiten ober Werke Auskunft zu verschaffen. Richt fo bei der Musikgeschichte.

Da scheint man bei ber Leserschaft wie bei ber Schrift. stellerwelt vorauszusetzen, baß man ausübender Musiker sein müsse, um sich näher mit diesen Gebieten beschäftigen zu können. Ich bin nun ganz sicher, daß viel mehr Men­schen — zumal vom deutschen Volke gilt das — ein frucht- bar zu machendes Verhältnis zur Musik haben, als zur Literatur unb zur bilbenben Kunst. Es gibt eigentlich nur Sanz wenige Leute, die für Musik unempfänglich find, die n,d)t darüber hinaus geradezu Liebe zur Musik empfin- ben. Man braucht nur zu bedenken, daß es in Literatur unb bildender Kunst ein Seitenstück zur ungeheuer gro- hfl' Zahl der reproduzierenden Musiker nicht gibt, daß vielmehr aye jene, die nicht selber dichten, malen, bilb« Hauern, sondern diese Künste nur als Genießende empfan» 9cn' ^.lau in dem gleichen Verhältnis stehen, wie der musikalische Hörer, um zu erkennen, daß die gewöhn- llch^.Aussassnng bes Wortes „musikalisch" nicht zutrifft.

Musikalisch jst der Mensch, ber Musik stark zu emp- 'ft Dagegen kann man bis zu einem ganz betraa)tI:(f)Cn (grajjc musiktechnisch reprobuzieren, ohne mU r -u fein: denn bie einzigartige Stellung, bie bie Musik für unser künstlerisches Innenleben einzuneh- men berufen ist, beruht ja gerade auf der Leichtigkeit, mit ber wir durch das Nachschaffen Mitschaffende werden kön­nen. Bei der bildenden Kunst ist es außerordentlich schwierig, sich so tief in die Formgebung, die gestaltenden Kräfte, die inneren Lebensgesetze, kurz in bas Werden

gehäuft wird, mit dem er nun nach Belieben schalten unb walten kann. Cs geht nichts verloren in der Musik von allen technischen Errungenschaften. Verhältnismäßig

schnell kann der Folgende sich alles zu eigen machen, was feine Vorgänger erworben haben. Und dann geht es weiter unb mehrt ben Besitz. Nur ber Geist, in dem er es tut, entscheidet; die Technik ist in einem Maße Schulsache, eroberungsfähig wie in keiner anderen Kunst. Der Unterschied zwischen den Schaffenden beruht also nicht in einem verschiedenen Verhältnis zu einer außer­halb ber Kunst liegenden Welt, sondern in der verschie- denen Art, diese eine gleiche musikalische Welt auszu­

nutzen.

Die Musik ist eine Welt für sich, mit eigenen Mitteln unb eigenen Gesetzen. Sie dient zwei grundverschiede­nen Tätigkeiten, bie allerdings nie scharf gesondert sind. Man kann diese beiden Richtungen scheiden durch die Worte „Musik als tönend bewegte Form" unb „Musik als Ausdruck". Die sinnliche Weit des Tones und ber burch ben Ton unb Rhythmus zu gestaltenden Form als Selbstzweck auf der einen Seite, auf der anderen die Mu­sik als Seelensprache, als reinstes unb ausdrucksvollstes Mitteilungsmittel des menschlichen Innenlebens. Beide Wege führen zu unerschöpflichen Schönheiten, auf beiden können wir höchste Beglückung durch Sunft erleben. Na­türlich muß hieraus folgern, eben weil sowohl unser see­lisches Leben als auch die rein sinnliche Einstellung Aus­druck der jeweiligen Zeit sein müssen, daß wir die Musik jederzeit noch den Ausdrucksmitteln und der Einstellung ihrer Zeit werten müssen. Es ist doch eine bemerkens- roerte Tatsache, daß alle Bereicherung des musikalischen Materials zunächst als unangenehm, als häßlicher oder hoch störender Lärm empfunden wurde. Gegen einen Moiart, ja gegen Rossini sind genau so gut die Vorwürfe der Lärmmusik. der Dissonanzbäufungen erhoben worben wie argen Richarb Wagner unb Richard Strauß. Gerabe weil für die musikalische Tonwelt kein Vorbild in ber Na- tur draußen ist, weil diese Tonwelt ganz für sich ge­schlossen ist, wirb unser Verhältnis zu ihr lebiglich da- durch bestimmt, was in dieser Welt bereits errungen ist. Unser Gelnr muß erst gewöhnt werden, unb zwar burch bie Musik für die Musik, ein anderes Hilfsmittel haben wir nicht. Für eine neue Slangfolge ober Klangverdin-

um nicht bloß am Stoffe unb an ber äußeren Form einer Dichtung haften zu bleiben, sondern zu fühlen, wie und mit welchen Mitteln ber Dichter feine Absicht erreicht hat, warum er diese Form, dieses Wort gewählt hat. Bei der Musik dagegen sind wir geradezu gezwungen, wenn wir ein Musikstück spielen, in bes Künstlers Lande zu gehen. Das Werk entsteht durch uns in diesem Augenblick neu, unb nur, wenn wir ben ursprünglichen Schöpfer verstauben haben, vermögen wir bas Werk so wiederzugeben, baß es verständlich wirb. Der Musiker steht eben vor einem an sich toten Notenblatte. Er schafft in jebem Augenblick bas Werk bes Künstlers neu unb so, wie er es wieder in bie Welt stellt, so ist es für ihn unb für jene, die ihm zuhören. Hieraus ergibt sich, daß zwi- schen dem musikalischen Werke und dem es reproduzieren­den Spieler ein möglichst inniges Verhältnis bestehen muß. Der Musiker mutz sich also mit dem schaffenden Künstler unb seinem Werk vertraut machen. Das beste Mittel bazu ist aber die Kenntnis der Persönlichkeit bes Schöpfers unb seiner Absicht. Die Musikgeschichte ist ihm zu beiben der nächstliegende Wegweiser.

Es kommt aber doch ein umstand hinzu, der das Ge­winnen eines historisch-psychologffchen Derhätnisses zu den aufführenden Werken gebietet. Die Musik hat ihr Ausdrucksmittel erst in langen Kämpfen erworben. Don der Einstimmigkeit zur Mehrstimmigkeit, von der Cnt- w'cklung einer jeden einzelnen Stimme als Individuum behandelnden Dielklangsatzes zur barmonischenAuffasiung, in der zu einer beherrschenden Melodie die bereichernde Ausmalung aus ber Fülle des gesamten Tonmaterials ge­wonnen wird, unb von dieser Stufe wieder zu einer neuen, mehr geistigen Polyphonie, b. h. zu einem mehr geistigen Bielklang, in dem das einzelne thematische Mo­tiv als Ausdrucksmittel für ein Geistiges verwertet wird, ist ein ungeheuer weiter Weg, ber ober ohne alle Sprünge zurückgelegt wurde. Es ist ein von keiner anderen Kunst gebotener Anblick, wie in der Musik von ber einfachen Melodienlinie aus allmählich die Erweiterung auf Viel­stimmigkeit, wie die Verbindung von Instrument und Singftimme und bann wieder die Entwicklung ber In­strumente gesteigert werden, wie mit einem Worte ein

B.j. Kuppel, Zlgarrenßaus an der Pfarrkirche.

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abends 8 Uhr Kreisliga-Mannschaft Großzimmern gegen Viktoria-Fulda

Sieger im Länderkampf Deutschland-Frankreich Ohl-Großzimmern gegen Hochhaus - Fulda, im nrtlflnn CtllltMnl Zum ersten Male In Fuldai Jiu-Jutsi, Japanischer Ringkampf.

IH WM MäulMäl 1. Fuldaer Athletik-Sportklub „Viktoria" 08 e. V. Fulda.

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