Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
Nr. 275.
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Mittwoch, 28. November 1928.
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Das Reich md die Länder.
Die immer größer werdende Erkenntnis der llnhaltbarkeit der gegenwärtigen inneren Struktur des Deutschen Reiches hat zu einer ausgedehnten Aussprache über die Reichsreform geführt. Dem Ausschuß der Länderkonfersnz, der kürzlich in Berlin tagte, lagen über 90 Vorschläge vor, dis auf eine Aenderung unserer innerstaatlichen Verhältnisse abzielen." Auch die Zentrumspartei har sich dieser Frage angenommen und schon vor den letzten Wahlen ihre'grundsätzliche Auffassung in besonderen Rickstllmen niedergelegt. Dazu ist eine lebhafte Erörterung ans Zentrumskreisen gekommen, die das große Interesse dokumentiert, das viele Parteifreunde an der Lösung dieses Problems nehmen. Mit Recht. Denn es wäre verhängnisvoll, wenn sich die Entwicklung ohne unsere Einwirkung vollzöge. Allerdings ist es nicht richtig, diese Frage nur vom Partei- oder Weltanschauungsstandpunkt aus betrachten zu wollen. Die Reichsreform ist im wesentlichen eine technische Angelegenheit und an sich völlig neutral. Sie ift eine Zweckmäßigkeitsfrage und muß nach zweckmäßigen Gesichtspunkten gelöst werden.
So umfangreich die Diskussion, so unübersichtlich die Literatur auch geworden ist, irgendein praktisches Ergebnis hat die ganze Aussprache noch nicht gehabt. Abgesehen von Thüringen und Waldeck bestehen im inneren Deutschland immer noch die alten Grenzen, und selbst das Enklavengestrüpp blüht in alter Schönheit fort. Immerhin idarf man aber aus den fleißigen Erörterungen doch als Gewinn gewisse theoretische Erkenntnisse buchen. Zunächst ist wenigstens einige Klarheit 'n den Begriffswirkwar gebracht worden, der bislang die beiden Worte Föderalismus und Unitaris- mus vernebelte. Unitarier und Förderalisten haben viel Wasser in ihren Wein gegossen, und man hat allmählich erkannt, daß beide Begriffe mehr Berührungspunkte haben, als es auf den ersten Blick scheint. Die übergroße Mehrzahl der Unita- risten lehnt jede Zentralisierung ab. Sie wollen zwar den Einheitsstaat, aber unter starker Dezentralisation. Und auf der anderen Seite haben die Föderalisten erkannt, daß sich in dem starren Festhalten an den gegenwärtigen Zuständen ihr Ideal nicht erschöpfen kann. Die Richtlinien der Zentrumspartei enthalten denn auch unitarische und föderative Eedankengängc. Sie wenden sich flegen den zentralisierten Einheitsstaat, wollen aber eine sinngemäße Weiterentwicklung unter Anpassung an die neuen Verhältnisse. ' Die Wege der allgemeinen Entwicklung sind angedeutet.
Eine theoretische Annäherung der Meinungen hat sich auch in den praktischen Vorschlägen ergeben. Die neueren laufen alle aus ein Ziel hinaus, nämlich eine Neuregelung des Verhältnis es von R e i ch und P r e u ß e n. Die Idee der End- löfung in dem Sinne, daß es in Zukunft nut nocheinemThp deutscher Länder oder Reichs- Provinzen geben dürfte, hat nur noch wenige Der- fechter. An ihrer Spitze steht der Reichsminister Dr. Koch, der nach wie vor für den großen Wurf einer gleichmäßigen Neueinteilung Deutschlands kämpft. Er übersieht dabei völlig die psychologischen und geschichtlich bedingten Hemmnisse, die sich einer solchen Regelung entgegenstellen. Die Mehrzahl der Verfasser der Reformvorschläge vertraut dann auch auf die Entwickelung, will zunächst das brennende Problem Preußen-Reich ' in Angriff nehmen und lehnt die Typisierung der deutschen Länder als vorläufig unerreichbar ab. Es wird dabei vielfach auf das Beispiel Englands verwiesen, das ja auch keine über das ganze Land gehende gleichmäßige Verwaltung hat.
In der Tat braucht man die Gefahren, die in einem Verschwinden Preußens als Land bei gleichzeitigem Fortbestehen der süddeutschen Lander liegen, nicht zu überschätzen. Ob Provinz oder selbständiges Land — beides sind Organisationsformen innerhalb des Bundesstaates. Beide sind gleichmäßig an die Reichsverfassung gebunden und müssen ihre Wirksamkeit innerhalb der Reichsgesetze halten. Hugo Preuß, sicher ein guter Kenner der Verwaltung und ihrer Geschickte leugnet schlechthin jeden Unterschied zwischen Reichs Provinz und selbständigem Land. Von der Dichtigkeit dieser Auffassung ausgehend, befürworten dann auch weite Kreise, neuerdings in besonder- beachtlicher Weise der Bund für Erneuerung Deutschlands, das Aufgehen Preußens im Reiche. Heber die Form gehen die Ansichten noch auseinander. Der Lutherbund will Preußen oder vielmehr, wie er sich selbst ausdrückt, alles das, was an Preußens Staatskraft für den Aufbau des Reiches brauchbar ist, erhalten, aber ganz Preußen unter Fortfall der eigenen Verwaltung und des Landtages zum Reichsland machen uird diesem die übrigen norddeutschen Länder anschließen. be°h zu diesem Reichsland soll weit offen ste- und jedem anderen Land den Eintritt früher N-ä später ermöglichen. Andere wieder, wie zum lösest ^ttter, wollen Preußen in Provinzen auf. roaltunnb diesen ein solches Maß von Selbstver- lich vor?°^ihen, daß sie sich nicht mehr wesent, den 't °en "och bestellenden Ländern unterschei- Ito" roeitVTn3eInen gehen diese Vorschläge fitem« gemeinfam h2{bcr fie haben das eine das Reich Preußen besser als bisher tn flächen befeiti» ebern und damit die Reibungs- zweisr ZentrÄr? die infolge der Existenz solange beftehenSterun9en in Berlin bestanden und bauet? Der häusi^"' aIs dieser Zustand an« Preußen hS nkÄ Konflikt zwischen Reich und s-inen Grund in den ver« I er liegt im We-
t-j^hne sns) auf irgendeinen der Vorschläge schon ktzt grundsätzlich emzulassen, könnte die Zentrums
partei im allgemeinen den Weg mitgehen, der zu einer vernünftigen Regelung des Problems Preußen und Reich' führt. ' Das Festhalten an den fö- derativen Grundgedanken unseres Programms bedeutet keineswegs die Sanktionierung der gegenwärtigen Zustände. Das föderative Prinzip wird voll gewahrt, wenn wir jede Zentralisation ablehnen, den Gedanken der Selbstverwaltung hochhalten und bei einer notwendig werdenden Neuaufteilung deutschen Gebietes die besonderen geschichtlichen Zusammenhänge wahren. Mit der Mannigfaltigkeit unserer Kultur ist eine bessere und zweckmäßigere innere Organisation durchaus vereinbar. Die Reichsteile, ganz gleich wie sie in Zukunft aus- fehen werden, müssen ihr inneres Leben erhalten. Aber sie müssen gleichzeitig sich auf ihre besondere Aufgabe besinnen, die, abgesehen von der selbständigen Pflege des Kulturellen, mehr im Verwalten als im Regieren besteht. Und gerade hier in der Verwaltung soll sich dem einzelnen Bürge- ein reiches Feld zur Betätigung bieten. Er muß mehr als bisher wieder verbunden werden mit der engeren Heimat, deren Schicksale er als die eigenen empfinden muß. Das wird, richtig verständen, nicht fiur Züchtung des Kantönli-Geistes führen, sondern zu der Erkenntnis, daß die Einzel- aemeinde. die Cinzelvrovinz nur gedeihen kann im engsten Zusammenhang mit dem Ganzen.
Vas Steuervereinheitlichungs-Gesetz.
Das Reichskabinett hat laut „Voss. Ztg." beschlossen, in der Frage des Steuervereinhelllichungs- gesetzes dem Reichstag eine Doppelvorlage zugehen zu lassen, nachdem im Reichsrat der dritte Teil des Entwurfs, das Gebäudeentschuldungsgesetz, nicht die erforderliche Zweidrlltel- mehrheit gefunden hat.
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VDZ. Berlin, 27. Nov. (Eig. Funkm.). Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. erfährt, ist es den Bemühungen des Reichsfinanzministeriums im Verein -mit den anderen Reichsrefforts gelungen, das Defizit des neuen Reichshaushaltes für 1929 von 600 auf 500 Millionen fjerabju» drücken und zwar durch Umgruppierungen und Abstriche innerhalb des Etats. Dagegen wird fitn endgültigen Belanziernng des neuen Haushaltsplanes immer dringender das Zustandekommen einer auf fester koalitionsmäßiger Bindung beruhenden Reichsre- g i e r u n g erforderlich, weil man kaum das Wagnis unternehmen kannn, den Haushaltsplan in feiner fetzigen Form vor den Reichstag zu bringen.
Bereits in den nächsten Tagen wird die Steuervereinheitlichung an den Reichstag geben und es fei registriert, daß man in parlamentarischen Kreisen so optimistisch ist unter Berücksichtigung, namentlich des Ausganges der volksparteilichen Tagung anzunehmen, daß zunächst auch ohne feste formale Bindung die Parteien der großen Koalition mit der Regierung einen Weg zu gemeinsamen Vorgehen in allerKürze finden werde.
* Vizepräsident v. 6ries 60 Zähre all. Der 1. Vizepräsident des Preußischen Landtages begeht am 27. November seinen 60. Geburtstag. Dr. v.
Kries gehört dem Preußischen Landtag feit 1921 als Abgeordneter an und begleitet feit dieser Zeit den Poften eines Vizepräsidenten.
* Vorläufig keine Umbesetzung in der Verwal- lung von Elsaß-Lothringen. Aus Paris wird gemeldet: Entgegen der kürzlich verbreiteten Nachricht über eine Umbesetzung der hohen Verwaltungsposten in den 3 elfaß-lothringifchen Departements teilt die Havasagentur mit, daß nach Auskünften in gut unterrichteten Kreisen zum wenigsten für den Augenblick keine Rede davon fei.
* Senator Lremieux gestorben. Aus Paris wird gemeldet: Der radikale Senator Cremieux ist im Alter von 71 Jahren gestorben.
Das Reparations-Memorandum.
In unterrichteten Kreisen betrachtet man die Besprechungen, die sich an die Uebergabe des deutschen Memorandums in der Reparationsfrage geknüpft haben, als n i ch t u n g ü n st i g und sieht das Zwischenspiel als abgeschlossen an.' Die weitere technische Ingangsetzung der Sachverständigenberatung könne nunmehr ihren Verlaus nehmen. Das deutsche Gegenmemormtdum ist nicht nur in Paris und London, sondern auch in Rom, Brüssel und Tokio zur Kenntnis gebracht worden.
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Aus Paris wird gemeldet: Auf Wunsch des Vorsitzenden des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Senators Lucien Hubert, werde Poincare und Außenminister Briand am Mittwoch vor dem Ausschuß erscheinen, um die von diesem gewünschten Erklärungen über die Reparationen und die Frage der Abrüstung abzugeben.
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Agence Havas stellt fest, daß die alliierten V e r- treter zu dem zur Vorbereitung der endgültigen Regelung der Reparationen einzusetzenden Sachverständigenausschuß von der Reparationskom>- mission aus Vorschlag der Regierungen ernannt werden sollen. Die Reparationskommission, so heißt es in der Havas-Meldung weiter, werde gleichzeitig die deutsche Vertretung bei der Reparationsknn- mission auffordern, die deutschen Sachverständigen zu bestimmen, und den Vereinigten Staaten den Vorschlag unterbreiten, sich im Sachverständigen- ausschuß vertreten zu lassen, wenn sie das für opportun erachten.
Der Lohnkampf.
Nachdem die Vertreter der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverb.ände der Nordwestgruppe einzeln beim Regierungspräsidenten Vergemann verhandelt haben, treten sie am Dienstag zu einer g e • meinsamen Besprechung bei Regierungspräsident Bergemann in Düsseldorf zusammen, um zu untersuchen, ob eine Fortfetzung der unterbrochenen Verhandlungen möglich ist.
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Zu den vorgesehenen gemeinsamen Verhandlungen der beiden Parteien wird von Arbeit- g e b e r f e i t e erklärt, daß man in der Metallindu-
An PriWein des konseWnellen Friedens.
Man schreibt uns aus parlamentarischen Kreisen zur Konkvrdatsftage:
Zn einem Teile der nichtkathokischen Presse beschwert man sich neuerdings darüber, daß man vom Konkordat nichts mehr höre, und daß sozusagen ein großes Schweigen um das Konkordat entstanden fei. Das ist richtig. Aber wenn man bedenkt, wie in den ersten Wochen, als die Äonkordatsftage brennender wurde, dies Problem behandelt worden ist, dann kann man sich über das Schweigen der maßgebenden Stellen eigentlich nicht wundern. Das Schweigen ist gleichsam eine Schutzwehr gegen Indiskretionen. Wenn man bedenkt, wie allein die Atmosphäre vergiftet worden ist durch die Behauptung, es sei ein Bistum Kammin in Pommern geplant, der versteht vollkommen, daß die Regierung sowohl wie alle beteiligten Stellen Schweigen halten.
Trotzdem wird man wohl nicht zu lange mehr auf das Konll>rdat zu warten brauchen. Der preußische Staat braucht es und die Kirche auch: daß die Verhandlungen weit gediehen sind, wird ja auch von den maßgebenden Stellen nicht mehr bestritten. ' _
Wie schon früher ausgeführt, kann das Parlament an dem Konkordat nichts mehr ändern, es kann es nur annehmen oder ablehnen. Wir smd der Meinung, daß, wenn die gegenwärtige preußische Regierung sich für das Konkordat entschieden haben sollte, und das tut sie, wenn sie es der Oeffentlichkeit vorlegt, daß dann irgend welche wichtigen Gründe nicht mehr voriiegen können, es abzulehnen; denn ti: weltanschauliche Zusammensetzung der heutigen preußischen Regierung schließt, es aus. daß durch das Konkordat mit der katholischen Kirche irgendwelche wesentlichen Interessen einer anderen weltanschaulichen Gruppe verletzt oder auch nur gemindert werden könnten.
Und wir meinen, daß cerabe die Frage des Konkordats deshalb ein Prüfstein dessen ist, wie weit man praktifch geneigt ist. für den konfessionellen Frieden zu arbeiten. Denn dieser ist nur möglich, wenn die Religionsgemeinschaften die Ueberzeugung haben, daß man sie gerecht behandelt. und der Abschluß des Konkordates ist ein Ausfluß der Absicht,'der katholischen Kirche das ju- geben, was ihr zukommt.
Wir sind uns über die Schwierigkeiten völlig klar. Sie liegen weniger in den Realitäten, als in
gewissen „Ressentiments". Aber gerade ihre Zurücksetzung vor den realen Tatsachen können wir im Namen der Gerechtigkeit verlangen. Wir wollen ja keinerlei besonderes Rechr, wir wollen keinerlei Bevorzugung, wir sind bereit, auch der anderen Seite all das zu geben, was ihr gerechterweise zu- kommt. Aber wir müssen auch unsererseits verlangen, daß man Verständnis hat für die Interessen der katholischen Kirche. Wir glauben, versichern zu dürfen, daß dies Problem seitens der katholischen Oeffentlichkeit mit einer beispiellosen Delikatesse behandelt worden ist. Mehr konnte man nicht tun. Es geschah lediglich deshalb, weil man die Schwierigkeiten gewisser Kreise, für deren Lage man volles Verständnis hatte, nicht vergrößern wollte. Aber dafür glauben wir doch beanspruchen zu dürfen, daß man uns mindestens das Wohlwollen und die Gerechtigkeit entgegen bringt, die wir bei dem allen preußischen Staate unter Friedrich Wilhelm III. gefunden haben. Wenn dieser smnmus episcopus der preu- ßischen Kirche sich zum Konkordat entschloß, so sollten es seine Glaubensgenossen aus dem 20. Jahrhundert sicher auch können.
So stehen die Dinge, und wir sind gespannt darauf, wie dieselbe Presse reagieren wird, wenn das Konkordat tiortiegt, die heute nicht genug tun kann in der Verwunderung über das Schweigen der maßgebenden Stellen.
Sie werden dann Gelegenheit bekommen, zu zeigen, daß sie tatsächlich, wie fie immer Vorgehen, vollkommen vorurteilslos dem deutschen und preußischen _ Katholizismus gegenüberstehen. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß dann die Annahme des Konkordates dazu beitragen wird, das Verhältnis zwischen Katholizismus und den übrigen weltanschaulichen Gruppen ganz wesentlich günstig zu beeinflussen: das wird fraglos nicht nur zum konfessionellen Frieden beitragen, sondern mehr noch: es wird auch günstige politische Aspekte zelligen. Alles Aussichten und Möglichkeiten, die die Behandlung der Konkordatsftage wahrhaft fördern sollten; ein Stück innerdeutscher Politik ist in dem geheimnisvollen Namen Konkordat einbegriffen! Möge man das allerseits begreifen und alles tun, um eine würdige Lösung her- beizuführen. *
ftrie nach wie vor der Ansicht sei, daß der juristische Entscheid des Konfliktes den Einwand der Arbeitgeber nicht zu entkräften vermag, daß die Folgen des Schiedsspruches aus wirtschaft- lichen Rücksichten nicht zu tragen seien. Der juristische Austtag laufe also parallel zu ter von der Arbeitgeberselle angestrengten Verhandlungsgrundlage, den Streit unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Tragbarkeit zu führen. Das Abwarten der juristischen Entscheidung kann also nur eine Verzögerung des möglichen Derständi- gungswillens'der beiden Parteien zur Folge haben. Der nunmehr angestrebte Entscheid des Reick-- arbeitsgerichtes dürfe eine Hinauszögerung der Streitigkeiten über das Ende des Monats Dezember hinaus zur Folge haben und angesichts der schweren Folgen einer solchen Verzögerung ein Abwarten des Schiedsspru- ches im höchsten Grade untunlich erscheinen lassen. Der gerichtliche Austrag rei geeignet, Verwirrung anzurichten, da nach den bisherigen gerichtlichen Entscheidungen beide Parteien einmal Recht befom« men haben.
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Die drei Metallarbeiterverbände haben ein gern e i n f a m c s Schreiben an den Arbeitgeber- verband gerichtet, in dem mit dem Hinweis auf das Urteil des Landesarbeitsgericht die Aufhebung der Aussperrung und die unverzügliche Wiedereröffnung der Betriebe gefordert wird und in dem weiter die Arbeitgeber für allen Schaden verantwortlich gemacht werde, der „aus der Nichtbefolgung dieses Aufforderungsschreibens entsteht".
Geistliche für die Ansgesperrlen.
Die soziale Arbeitsgemeinschaft Berliner Pastoren hat an das Präsidium des Reichstages ein Schreiben gerichtet, in dem fie zur Aussperrung im Ruhrgebiet u. a. ausführt: Die Zeit der Weib- nachtsvorbereitungen ist durch Aussperrung für eine Viertelmillion Arbeiterfamilien eine Zeit der Sorge, Not und Verbitterung geworden. Das darf nicht länger so weiter gehen. Wir Berliner Pastoren, die mir größtenteils in Arbeitergemein- den dienen, fühlen uns gedrungen, dringend zu bitten, alles zu versuchen, den Ausgesperrten zu helfen, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Sollte das aus irgendwelchen Gründen im Augenblick un- möglich fein, so ist zu fordern, daß die Ausgesperr- ten in den Genuß der Erwerbslosenfürsorge kommen oder ausreichend unterstützt werden. __________________
* General Desticker gestorben. Aus Paris wird gemeldet: Der frühere Generalstabschef des Generals Foch, Divisionskommandeur General De- sticker ,!st gestorben.
* Chamberlain wieder im Ami. Chamberlain hat die Leitung der Geschäfte des Foreign Office wieder übernommen.
Der Reichstag.
V. D. Z. Berlin, 27. Nov. (Eig. Funkm.). Im Reichstag hatten heute vormittag verschiedene Aus- schüsse Sitzungen ab. Der handelspolitische Aus- fchuß beschäftigt sich, wie das Nachrichtenbüro des V.D. Z. erfährt, mit dem deutsch-jugosla- vischen Handelsvertrag, der Volkswirt- schaftliche Ausschuß mit einer Aenderung der Ge - frierfleisch-Verteilung, der Beamtenaus- fchuß mit Petitionen. Im Ausschuß für Strafrechtsreform wird die 'Beratung des neuen Strafgesetzbuches fortgesetzt, während der Ausschuß für Entschädigungsfragen sich mit dem Stande der Liguidationsentschädigung beschäftigt. _______________________
* (Eintreffen des neuen afghanischen Gesandten in Berlin. Der neuernannte königlich afghanische Gesandte Mohamed Emin Khan ist in Berlin eingetroffen.
Unruhen in Rußland?
wtb. Warschau, 27. Nov. (Eig. Funkm.). Wie Kurjer Poranny meldet, sind in Wilna Nachrichten über einen Bauernaufstand in dem sow - jetrussischen Bezirk Witebsk verbreitet. Die Bauern ermordeten dem Blatt zufolge in dieser Gegend Sowjet-Funktionäre und die Redakteure der kommunistischen Zeitungen. Ueberdies» wurden in mehreren Dörfern die Gebäude der Sowjet-Einrichtungen demoliert und die Lenin-Bll- der vernichtet. Rote Truppen sollen den Aufftand niedergeworfen und 60 Personen verhaftet haben. Auf feiten der Aufständischen werden viele Tote und Verwundete gezählt.
Um das neue Wahlrecht.
Dieser Tage wurde gemeldet, daß der Ministe- rialrat Dr. Kaisenberg im Reichsmimsterium des Innern den neuen Wahlrechtentwurf fertiggestellt habe und dieser in nächster Zeit wahrscheinlich das Kabinett beschäftigen werde. Man nimmt es an, daß dieser neue Entwurf in der Hauptsache mit dem Entwurf übereinftimmt, den vor zwei Jahren Reichsminister Dr. Külz vorgelegt hat. Der Vorschlag Dr. Külz' war damals sehr umstritten. Er ist im Kabinett nickst zu Ende beraten worden, weil man sich an einer Bestimmung stieß, die verfassungsändernden Charakter hatte. Man möchte wünschen, daß Severing den neuen Entwurf mit größerem Nachdruck vorschiebt als sein Dor- gänger Külz, auch wenn zunächst einzelne Bestimmungen anstößig erscheinen. Es kommt ja vor allem darauf an, daß überhaupt diese Arbeit in Angriff genommen wird, und das kann nur geschehen, wenn eine einigermaßen diskussionsfähige Unterlage vovliegt. Man möchte auch wünschen,