,Zch muß um Entschuldigung bitten, Herr Baron. Menn ich nicht einen andern Auftrag hätte, der mich vollkommen in Anspruch nimmt, unternähme ich es sehr gerne, den Spuren des Mädchens zu folgen, umsomehr, als mich die Nachforschungen nach ihr wohl auch auf die Fährt« des freundlichen Mannes brächten, der mich nie- derfchlug. Aber ich werde ihm auch ohne das noch einmal begegnen."
„Meinen Sie?" fragte der Baron.
„D ja, davon bin ich überzeugt," lautete die bestimmte Antwort.
„Sie hoben wohl einen eigenartigen Beruf?" meinte die alte Dame.
„Gewiß," gab der Detektiv lächelnd zu, „und dieser Beruf verleiht einem, wenn er lange ausgeübt wird, ein gewisses Selbstvertrauen. Sie können sich felsenfest davon überzeugt halten, gnädiges Fräulein, daß ich frü- her oder später den Mörder des Notars Burton finden werde — und auch den Mann, der mich beinahe ermordet hat."
„Suchst du denn einen Zusammenhang zwischen den beiden?" fragte Noger überrascht.
Und seelenruhig antwortete der Detektiv:
„Ja."
„Ach. das ist doch ein Wahnsinn. Das kannst du doch nicht im Ernst meinen "
Rosch zuckte die Achseln.
„Wir werden sehen," sagte er, und zu Fräulein von Weitenfeld gewendet, setzte er hinzu:
„Es bleibt mir noch die angenehme Pflicht, Ihnen für die ausgezeichnete Pflege zu danken, gnädiges Fräulein. Ich . . ."
Er konnte den Satz nicht vollenden, denn plötzlich stürmte jemand unangemeldet ins Zimmer.
Der Detektiv faß etwas im Schatten, sodaß der Ein- tretend« ihn nicht sah, sondern nur den Baron und Stöger anwesend glaubte.
„Sie können unmöglich über die Grenze gelangen, denn das Fräulein weigert sich ganz energisch. Der Da- ter ist allein . . ■"
Franz van Beekum, der so ungestüm seine Nachricht an den Mann zu bringen suchte, hielt plötzlich inne. Er
hatte bemerkt, daß noch jemand sich im Salon befand, und hätte offenbar die Worte, die er in seiner Erregung herausgestoßen, gern ungesprochen gemacht. Das war natürlich nicht mehr möglich.
Es entstand eine peinliche Stille. Am meisten überrascht schien der Rechtsanwalt. Am ruhigsten zeigte sich der Baron. Als sei nichts geschehen, erhob er sich und sprach höflich:
„Darf ich die Herrn miteinander bekannt machen?"
Ganz ruhig antwortete der Detektiv:
„Das ist nicht notwendig, Herr Baron, wir kennen einander bereits. Ich sehe ein, daß Ihre Mitteilung nicht für mich bestimmt war, Herr van Beekum," fuhr er, zu diesem gewendet, fort. „Aber um Ihretwillen freut er mich, zu hören, daß Ihr Herr Vater glücklich über die Grenze gekommen ist. Das ist für Sie jedenfalls die Hauptsache."
Die Worte waren in etwas ironischem Ton gesprochen. Franz van Beekum schien indes nicht zu fühlen
„Ja," gab er einfach zu, „das ist im Augenblick die Hauptsache."
„Für Sie," fiel der Baron ein, „aber nicht für Herrn Roich. Für ihn hat die Frage, was aus der jungen Dame geworden ist, jetzt mehr Interesse. Es ist natürlich ärgerlich, daß wir darüber keine nähere Auskunft geben können, denn wir dürfen die Flucht Ihres Vaters nicht erschweren."
„O, ich würde mir auch gar nicht herausnehmen, darauf zu bestehen, Herr Baron," sagte Rosch, ,und jetzt muß ich auch wirklich schon gehen "
Er verbeugte sich vor dem alten Fräulein, grüßte mit einem leichten Nicken des Kopfes, die übrigen und entfernte sich.
Verloren starrte ihm Franz van Beekum nach.
„Mein Gott," rief er aus, „ich bin doch ein ausgemachter Esel!"
Aber der Baron sprach beruhigend:
„Nun, nun, er weiß noch nichts. Wir können ihn unbesorgt seiner Wege gehen lassen."
(Sortierung folgt;
M 210.
SHitood), »en M. «oeemDtr 1928.
Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Ackiendrulkeret. Fuldo
Ob man von einem ungebührlichen Einfluß einet Partei reden kann, wenn unter hunderten von Beamten sich ganze drei befinden, die ihre Zugehörigkeit zu dieser Partei offen bekennen. Entspricht diese geringe Zahl der Größe und der Bedeutung des Zentrums? Bestimmt nicht. Die Zentrumspartei, für die die sachliche und persönliche Eignung eine selbstverständliche Dorausset- ä u n g für die Uebernahme eines Amtes ist, besitzt im.Auswärtigen Amt, obwohl sie ununterbrochen leit der Konstituierung des neuen Staates im Brennpunkt der Verantwortung gestanden hat, tatsächlich einen weit geringeren Einfluß, als ihn, gewisse andere Parteien besitzen, die weit weniger lange und weniger selbstlos die Verantwortung für die Führung der Staatsgeschäfte zu tragen hatten.
von den k?ochsckulen.
- Tod eines siebener Unioerfitöfsprofeffore. Nach schwerer Krankheit starb der stühere langjährige Direktor der Universitäts-Ohrenklinik in Gießen, Professor Dr Ernst Leu tert, im 66. Lebensjahr. Der Heimgegangene war durch seine Tätigkeit als Leiter der Gießener Ohrenklinik in weiten Kreisen bekannt.
= Der 1. Preisträger baut den Erweiterungsbau der Heidelberoer Universität. Nach eingehender Beratung haben sich der badische Unterrichtsminister und der engere Senat der Heidelberger Universität dafür entschieden, dem Träger des ersten Preises des Wettbewerbes, Professor Vr/Ing. Paul Gruber an der Technischen Hochschule in Danzig die Ausführung des Erweiterungsbaues der Universität He'd-lberg zu übertragen.
flus der Zenttumspartes.
Geh. Iuftizrat Dr. Adam Zoseph Schmitt-Mainz t-
Am Sonntag starb nach kurzem, schweren Leiden Herr Geh. Iustizrot Dr. Adam Joseph Schmitt in Mainz im nahezu vollendeten 73. Lebensjahre. Er war der ehemalige erprobte Führer der Katholiken im jetzigen Freistaat Hessen. Das Zentrum trauert um seinen einstigen langjährigen Führer, der vor einigen Jahren aus Gesundheitsrücksichten vom politischen Leben zurücktrat. Das hessische Zentrum trauert um einen hochverdienten, charaktervollen, einzigartigen Mann. Dr. Adam Joseph
Schmitt war am 27. Dezember 1855 in Finthen bei Mainz geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Mainz und die Universitäten Straßburg, Leipzig, Tübingen und Gießen. Seit dem Jahre 1889 gehörte er der Mainzer Sradtoerordneten-Versammlung an; von 1890 bis 1898 war er Mitglied des Kreisausschusses in Mainz, in den Jahren 1896 bis 1903 hatte er den Wahlkreis Mainz- Oppenheim im Reichstag vertreten Diele Iabre war er Vorsitzender des Landesausschusses der hessischen Zentrumspartei. Auch war er Vorsitzender des Diözesan- Kirchenvorftandes. Im Jahre 1912 hatte er die hohe Ehre, Präsident der 59. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Aachen zu sein, nachdem er im Jahre voryer Vorsitzender des Mainzer Lokalkomitees gewesen war und einen großen Anteil an dem glänzenden Verlauf des Mainzer Katholikentages 1911 hatte.
Landwirtschaftliches.
---- Rückgang der Brolgeireidefläche. Nach den Ergebnissen der Anbauflächenerhebung dieses Jahres hat die Brotgetreidefläche im Jahre 1928 im Gegensatz zu ihrem Anwachsen in den letzten Jahren einen erheblichen Rückgang von 4 605 688 Hektar (1927) auf 4 496 469 Hek- tar, also um rund 109000 Hektar erfahren und ist damit um 431893 Hektar geringer als 1913 (heutiger Besitz). Auch insgesamt hat sich die Ackerlandfläche in diesem Jahre verringert, und zwar von 13 511 305 Hektar auf 13 464 873 Hektar. Die gewöhnlichen Wiesen und in noch stärkerem Grade die Weiden haben dagegen einen Flächengewinn zu verzeichnen. Die dem Weinbau dienende Fläche hat sich gleichfalls von 18 563 Hektar auf 18 961 Hektar, also um rund 400 Hektar vermehrt.
Kunft und Literatur.
--- Ein neuer Preis für das beste politische Such. Die französische Zeitfchrift L'Europe nouvelle hat einen Jah- respreis geschaffen, um jeweils das beste politische Buch des Jahres, das sich mit aktuellen politischen Fragen beschäftigt, auszuzeichnen. Der Preis beträgt lOOÖO Frk. und ist am Samstag zum ersten Male vergeben worden. Unter 54 Werken hat das Preisrichterkollegium, dem u. a. angehören: Philippe Derthelot, Minister Tardieu, die ehemaligen Abgeordneten Leon Blum und Georges Bru- net sowie der bekannte Volkswirtschafller de Peyrim- hoff, den Preis dem Grafen Wladimir d'Or - meffon zuerkannt für fein Buch „La Cons- cience a 1'21 Hemagne", in dem sich der Verfrs-
Unberechtigte Hngriffe.
den letzten Tagen häufen sich in gegnerischen Blättern die Aeußerungen über eine angeblich Dersonalpolitik der Zentrumspartei. Am 1? November erschien ein hämischer Artikel in den Leipziger Neuesten Nachrichten", zwei Tage loäter eine Auslassung in der parteioffiziösen Na- twnattiberalen Korrespondenz und am letzten Donnerstag abend ein diesbezüglicher Leitauflatz m der „Kreuzzeitung" des Grafen Westarp. Alle dies« Artikel sind im wesentlichen so sehr über einen Kamm geschoren, daß man zu der Vermutung berechtigt ist, das Ganze stünde unter zentraler Regie. Der Artikel in den „Leipziger Neuesten Nachrichten" ist als Zuschrift aus prominenten volksxar- teilichen Kreisen bezeichnet, die „Nationalliberale Korespondenz" ist, wie gesagt, das offizielle Organ der Deutschen Dolkspartei. Die Tatsache, daß der Artikel der „Kreuzzeitung" in seinen die Personalpolitik betreffenden Teilen, in das nämliche Horn stößt, wie die beiden genannten Blätter, dürfte zwanglos mit den guten Verbindungen zu erklären sein, die zwischen Mitgliedern der hier besonders in frage stehenden Behörde, zwischen Beamten des Auswärtigen Amtes und der Deutschnationalen Dolkspartei bestehen.
Nach der materiellen Seite hin sind die genann- en Aeußerungen im wesentlichen auf zwei Behauptungen aufgebaut. Es wird gesagt, daß die „Weltanschauung des Zentrums", über deren dauernd schlechte Behandlung im Auswärtigen Amt sich Prälat Schreiber in Münster beklagt hätte, „nicht von allen katholischen Kreisen geteilt wird" und daß das Zentrum deshalb nicht das Recht habe, „im politischen Auftrage des deutschen Katholizismus schlechthin" zu sprechen. Es wird dann weiter so getan, als ob das Zentrum die Absicht hätte, aus dem Auswärtigen Amt so etwas wie eine Domäne des politischen Katholizismus zu ma- chen. Als Beweis dafür wird die „verschwenderische Ausstattung des Archäologischen Instituts in Rom mit Reichsmitteln" und ferner die Tatsache angeführt, daß im Auswärtigen Amt schon drei klare Anhänger der Zentrumspartei vorhanden wären.
Was nun zunächst die politische Vertretung der deutschen Katholiken angeht, so nimmt die Deutsche Zentrumspartei dieses Mandat auch in Zukunft mit aller Entschiedenheit für sich in Anspruch, weil sie arif Grund ihrer bisherigen Haltung ein sachlich unbestreitbares Recht darauf hat. Von anderen Parteien, in denen sich auch gläubige Katholiken befinden mögen, läßt sich das sicherlich nicht sagen, und deshalb wird man keine andere Partei als die politische Vertretung der deutschen Katholiken ansprechen dürfen, als eben die Zen- irumspartei.
Die Angaben der gegnerischen Presie über den angeblich überragenden Einfluß des Zentrums in* auswärtigen Dienst läßt sich am einfachsten mh einer Feststellung und einer Frage widerlegen. Mit der Feststellung, daß das Archäologische Institut in Rom nicht, wie die „Leipziger Neuesten Nachrichten" ihre Leser anscheinend glauben machen wollen, eine kirchliche Einrichtung ist, sondern ein seit langen Jahren bestehendes Reichs- i n st i t u t, das geleitet wird von einem früheren Heidelberger Professor, der Protestant ist und erst vor Jahresfrist, unter einem Zentrumskanzler, mit seinem Amte betraut wurde. Und mit der Frage:
I ‘ c xvdtbeiühmien Pfarrer Kneipp-Pillen
1 'Uvetiassi'g1 , . filut reiniyt'.nij '< ■ Stuhlgang-Regelung
h'nvuf.r, Sapo je 2. Cai. 3-* Jump. 1.
In allen Apotheken Mk. 1. -
Kn e j p p: k u r n f tci
Dem Andenken der kriegögefallenen Eisenbahner.
A
Das Denkmal für die im Weltkrieg gefallenen Eifenbahner
wurde, wie schon berichtet, vor dem Berliner Verkehrs - Museum am Lehrter Bahnhof feierlich enthüllt' Es ist ein Werk des Bildhauers Prof. Cauer und stellt einen auf einem wuchtigen Sockel knienden Krieger dar. Oberhalb der Inlchrist: „Dem Gedächtnis der Gefallenen der Deutschen Eisenbahner 1914 bis 1918" ist das geflügelte Rad der Eisenbahner zu sehen.
fer eingehend mit den deuifch-französiichen Beziehunge- beschäftigt. Das Buch wird in den nächsten Wochen in Verlag der Germania in Deutschland in deutscher Sprache und mit einem Vorwort des Grafen Oberndorf versehe» erscheinen. ____________
Hiito vom öug uiüßt.
Am Nordübergang der Stadt Oppeln wurd- Samstag nachmurag em tsretwetzer Auto voi einem tÄÜterzuge erfaßt und uversahren. An Ueoergang ueiinoet sich keine Wegschrante. Dm Auto iponte noch vor dem Guterzug den Uever- gang papieren, wurde jedoch von huuen erfaßt und etwa 1UU Meter mitgescyle-ft. Nach etwa 20 Meter stürzte ein Insasse aus dem Auto und war sofort tot. Zwei andere Insassen und der Chausseur wur- den schwer verletzt ins Hospital geschafft. Zwei von Urnen sind kurz nach der Ginheferung gestorben. Die Personalien konnten bisher noch nicht ermittelt werden. Das Auto wurde zertrümmert.
* Aufsehenerregender Gattenmordprozeß in Budapest Am Samstag begann vor dem B u d a- p e st e r Strafgerichtshof die Verhandlung im Mordprozeß Beta Erdelye und Gen. Erdelys wird der Ermordung seiner Frau, der Schauspielerin Anno F o r g a c s , beschuldigt, die er in Millstatt in Kärnten in einen Abgrund gestoßen und später mit einer Seidenjchnur erdrosselt haben soll. Der Andrang des Publikums, in dessen Rei. hen auch viele Bühnenkünstler, Juristen, Aerzte und Unloersitätsprosessvren zu bemerken waren, war außerordentlich groß. Es sind 113 Zeugen, teilweise aus Berlin, Graz, Millstatt und Wien, geladen. Crdelye ist außerdem noch wegen U r - kundenfälschung, Betruges undWeck- selfalschung in 22 Fällen angetlagt. Die drei Mitangeklagten haben sich wegen Betruges und Privaturkunden- und Wechselsälschung zu verantworten. — Zu Beginn des Verhörs wurden zunächst die Fälschung des Doktordiploms des An- geklagten, das er sich in Berlin verschafft hat, und die Wechselfälschungen zur Sprache gebracht. Im weiteren Verlauf des Verhörs fragte der Vorsitzende, warum Erdelye sich bereits am Tage nach feiner Hochzeit mit Dersicherungsgedanken beschäl, tigt und dann auch sowohl feine Frau wie sich selbst für je 10 000 Dollars versichert habe. Ere- delye gab an, dieser Gedanke fei von feiner Frau ausgegangen. Die Verhandlung dauert fort.
* 21 Chinesen hingerichlek. Das chinesische mi- litärifche Hauptquartier in Hankau ließ 21 Hinrichtungen vollstrecken. Unter den Hingerich- teten befinden sich 16 Chinesen, die im Zusammen- hang mit der Seeräuberei an Bord des bri* tischen Dampfers „Shasi" auf der Höhe von Han- kau am 4. November verhaftet worden . waren. Die chinesischen Behörden setzen ihre Bemühungen fort, der noch in Freiheit befindlichen Mitglieder der Seerättberbande habhaft zu yoerden.
Technik und verkehr.
Weltrekord-Bilanz der Junkerswerke. — 3n Zu Monaten 25 Weltrekorde. Irn Frühjahr 1927 begannen die Junkerswerke einen großzügig angelegten Angriff auf die Weltrekordliste. In den seither vergangenen zwanzig Monaten wurden insgesamt 25 von Bei S. A. I. anerkannte Weltrekorde errungen, von denen gegenwärtig noch zehn Rekorde behauptet werden. Di< Rekordflugzeuge der verschiedenen Typen W 33. W 34, G. 24, zum größten Teil mit Junkers L 5-Motoren wurden hierbei geführt von den Piloten Edzard. Göthe, Harder, Horn, Iüterbock, Kneer, Lohse, Risticz, Dipl. Ing. Schinzinger, Schnäbele und Zimmermann. All« in diesem Jahre errungenen Weltrekorde (Dauerweltrekord Ristiez-Zimmermann, Höhenweltrekord für alle Flugzeuge mit 500 und 1000 Kg. Nutzlast. Dipl. Ina. Schinzinger, sowie Höhenweltrekord für Wasserflugzeuge für 500 und 100 Kg. Nutzlast — Harder-Knee) sind noch nicht überboten worden.
MAGGI5
Fleischbrühwürfel
Gchillerhorst.
Eine geheimnisvolle Geschichte von Wilhelm Holt.
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„Sehen Sie, und Sie hatten auch richtig vermutet", -ab der Baron ohne Zögern zu. „Ihr Freund Doktor Roger weiß es, und Sie sollen es gleichfalls Kiffen__der
flüchtige Bankier hielt sich tatsächlich hier auf.
wohl, der Mann handelte durchaus nicht, wie es sich gc< hört, aber er ist ein alter Freund oon mir, und ich moüte ihm doch den gesuchten Unterschlupf nicht verweigern, als er unvermutet hier auftauchte. Jetzt aber ist er wieder fort, und wir können ungehindert über die Sache spuken. Es wäre mir unlieb, wenn Sie auch weiterhin Mißtrauen gegen uns hegten, und deshalb bin ich gerne bereit, Ihnen jede Auskunft zu erteilen, die Sie wünschen können. *
Der Detektiv hörte aufmerksam zu.
„Warum soll der Herr Mißtrauen gegen uns hegen?» fragte die alte Dame, sich plötzlich ins Gespräch mischend, »du hast einen Freund beherbergt, den die Polizei sucht, ^das wird Herr Rosch doch nicht als Verbrechen an.
teffh?ew’$ nic^' gnädiges Fräulein", antwortete der De- »Ich finde es im Gegenteil ganz natürlich.
fiat'm,* Ianfc"' sprach der'Baron weiter, ,Mr Roger nirftt n andere Gründe, uns zu mißtrauen. Du darfst daß er auf unferm Grund und Boden
.. ffiehanf00??'” 'st- ®5 muß sich in feinem Kopf wohl m ^'^esetzt haben, daß hier nicht alles in Ord.
N ’£•_ jemanden, der sich hier verborgen
$,eü‘ * be .Untcr geheimnisvollen Umständen fast
SÄL- 9 ‘ it,m wahrlich Recht genug, uns zu
„Nun. nun , wehrte Roger ab „da ist mein Freund M vernünftiger. Er weiß 3um Beispiel auch ganz gut, bafe ,ch auf Seite der van Beekum stehe, betrachtet mich aber deshalb noch lange nicht als einen Schurken."
„Nein, natürlich nicht", antwortete der Detektiv. ,Zch freue mich, daß dieser Zwischenfall mir Gelegenheit ge-
II I,II wm Hl riii ji i.ijiii- II I j I ......... in I 71 Illi I nun jniiij»MiiiiBiiiiii'iMifi»i
boten hat, das gnädige Fräulein und den Herrn Baron kennen zu lernen. Ich habe mich nun überzeugt, daß die Herrschaften ebenso wenig wie ich, wisien, wer mich Überfällen hat. Aber ich möchte mir doch die Frage erlauben, ob Herr Baron auch keine Vermutung diesbezüglich hegen."
„Wie sollten wir eine Vermutung hegen?" rief die alte Dame außer sich. „Es kann nur irgend ein umherstrei- fender Gauner gewesen sein."
„Hm, dieser Ansicht bin ich weniger. Mir will scheinen, daß ich nicht so sehr um meinetwillen als um der geisteskranken jungen Dame willen niedergeschlagen war- den bin. Und da ist zweierlei möglich. Entweder wollte man es verhindern, daß ich mit ihr sprach, oder man wollte sie zur Flucht veranlassen oder entführen und fürchtete, ich könnte dies unmöglich zu machen suchen. Nachdem die Dame nun tatsächlich verschwunden ist, möchte ich das Letztere glauben."
„,5a," gab der Baron zu, „es ist wirklich anzunehmen, daß derjenige, der Sie so unerwartet überfiel, sie entführt hat. Und doch ist diese Annahme wieder recht ungereimt. Wer sollte eine geistesgestörte junge Dame entführen? Was könnte einer damit bezwecken? Wenn ein Verbrecher eine solche Tat ausführt, muß er doch einen Grund dazu haben." ,
„Und können Sie nicht vielleicht einen Grund finden, warum jemand das junge Mädchen beschützen zu tonnen meinte?"
„Nein," antwortete der Baron ruhig.
„Und fürchten Sie nicht etwa, es könnte jemand behaupten, daß die Dame gar nicht geisteskrank sei?"
»Rein, nein, das wäre zu töricht. Es sind Beweise genug dafür vorhanden. Es liegt ein gerichtliches Erkenntnis vor, nach dem sie unter Kuratel gestellt wurde, und ärztliche Gutachten haben wir gleichfalls eingeholt. Das arme Kind ist wahnsinnig."
„Und jetzt ist sie fort. Sind Sie nicht in Sorge um sie?"
„Natürlich. Wir sind sehr in Sorge um sie, und wir werden alles daran setzen, sie aufzufinden. Ich wollte eben ©ie ersuchen, uns dabei behilflich zu fein."