Sonntag, IS. November 1928
Nr. 268.
S» ®or, der Abstimmung über den sozialistischen ^""o^kreuzerantrag gab der Abgeordnete Joos eine Erklärung ab, in welcher ausgesprochen wird, ^uber die Frage der Zweckmäßigkeit des Panzerschiffes und über die Dringlichkeit des Bau- termlNs einige Mitglieder der Zentrumsfraktion abweichender Meinung waren. Jetzt aber handelt es sich nicht mehr um die Frage, ob das Schiff überhaupt gebaut werden soll oder nicht, sondern um die Frage, ob der begonnene Bau fertiggestellt werden soll. Diese Erwägung wie aber auch die Sorge für den Schutz der deutschen Grenzen er»
Nähezu einstimmig wurde in dritter Beratung der Gesetzenwurf über die Vereinigung von W a ld- eck mit Preußen angenommen.
Auf der Tagesordnung der Samstag-Sitzung stehen kleinere Vorlagen. Es sollen aber auch die
Die Entgegnung, daß ia den Vertretern der sogenannten geistigen Berufsstände die Wahrung der geistigen Güter obliege, ist nicht stichhaltig. Denn abgesehen davon, daß es grundsätzlich falsch ist, allgemeine Politik nach berufsständischen In- teressengestchtsvunkten zu betreiben, steht auch fest, daß sich jene Vertreter gegenüber den Vertretern der wirtschaftlichen Berufsstände, zumal diese io
vor hüten, das wirtschaftliche Wohlergehen zu überschätzen, dasselbe vor oder gar auf Kosten der höheren Interessen des Volkes und der geistigen Güter zu erstreben, wo es doch nur deren Begründung und Erhaltung dienen soll.
Einer solchen Ueberscbätznng aber kommt es
Grundsätzlich entspringen dieses Bestrebungen ebenso wie die Gründung von Wirtschaftsparteien einer Ueberbetonung des Wirtschaftlich e n in der Staatspolitik. Sicherlich ist die materielle Existenzbasis eines Volkes Voraussetzung für alle höhere Kultur und mit Recht soll noch einer Verbreiterung und Vertiefung dieser Basis, nach einer Mehrung des wirtschaftlichen Wohl
gleich, wenn die politische Volksvertretung, die doch noch ganz andere als nur wirtschaftliche „Belange" gesetzgeberisch zu bearbeiten hat, lediglich oder doch vornehmlich unter dem Gesichtspunkte, nicht der politischen Begabung, der allgemeinen Grundsatzklarheit und Grundsatztreue, sondern nur mit Rücksicht auf die b e r u f l i ch e Qualifikation und die Energie in der Vertretung beruflicher Äandes- interesiant gewählt wird. Den strebsamen Handwerker und Arbeiter, den tüchtigen Landwirt, den erfahren Kaufmann und den fortschrittlichen Industriellen in Ehren, aber die Politik braucht mehr. Sie braucht Menschen mit politischem Sinn und weitem Blick, mit feinem Empfinden für das Gemeinwohl, für dis Dinge, die dem ganzen Volke frommen. Daß gediegene Fachbildung auf irgendeinem für die gesetzgeberische Arbeit wichtigen Gebiete mit dieser politischen Begabung, mit reichem Wissen um den Sinn des Staates und die Mittel ihm zu dienen, sich verbindet, ergibt sich nach Lage der Verhältnisse für die meisten Parlamentarier von selbst.
Cs ist fa auch tatsächlich so, daß alle großen Berufsstände im politischen Parlament ihre Vertreter haben. 216er diese dürfen nicht in erster Linie im Hinblick auf ihre Berufszugshö- rigkeit gewählt sein und noch viel weniger sich nur als Vertreter ihrer Berufs- und Standesinte- ressen fühlen. Sie erfüllen eine wichsige und not- wendige Aufgabe, wenn sie sich bei berufseigenen oder berufsverwandten Gesetzesmaterien als Be-
AWed des Reichstags vom Palijerkreujer-Problenl.
Der Kblehnungsantrag der Sozialoemokraten bleibt mit 203 gegen 255 in der Minderheit.
Vie Unterstützung im Eisenkampf.
Kaum ist die durch die Panzerkreuzerdebatte drohende Krise überwunden, so droht schon wieder eine neue. Im Sozialpolitischen Ausschuß hat sich eine starke Differenz ergeben dadurch, daß diesmal eine anders Regierungspartei, nämlich die Deutsche Volkspartei, mit der Zurückziehung ihrer Minister gedroht hat, falls die von den übrigen vier Regierungsparteien in 2lussicht genommenen Unterstützungssätze für die Ausgesperrten des Ruhrgebietes bewilligt würden.
Gegenwärtig wird über diese Dinge im Reichstag noch unter den Parteiführern verhandelt. Man hofft eine gemeinschaftliche Basis aber doch noch finden zu können.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen. „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Mvnatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.
fen wird.
Wahlrechtsentwurf fertig.
Nach einer Mitteilung der „Germania" ist im Ministerium des Innern der Referentenentwurf eines Wahlrechtsgesetzes, der u. a. eine kontingentierte Reichsliste vorfieht, fsrtiggestellt worden. Der Reichsminister des Innern wird sich voraussichtlich in der nächsten Woche entscheiden, ob er die Vorlage in der Form an das Reichskabinett gelangen läßt. t
möglichen es nunmehr diesen Mitgliedern der Fraktion, sich der den sozialdemokratischen Antrag ablehnenden Stimmabgabe der Fraktion anzuschließen.
Nach der Ablehnung des sozialdemokratischen Hauptantrages wurden die Anträge der Deutschnationalen, Demokraten und der Wirtschaftspartei auf Vorlegung eines Marinebauprogramms dem Haushaltsausschuß überwiesen. Die kommunistischen Mißtrauensanträge gegen das Gesamtkabinett pnd gegen den Reichswehrmiitister wurden mit großer Mehrheit abgelehnt. Dafür stimmten neben den Antragstellern nur die Nationalsozialisten.
Mitte.)
Meine Herren non rechts, auch Ihr Redner hat gestern gezeigt, daß bei Jbnen in dieser Frage ein Wandel vor sich gegangen ist. Das konnte man erkennen, als er warme Worte der Anerkennung über den ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert äussprach. Die deutschen Republikaner, die in den Zeiten des Umsturzes das deutsche Vaterland zusammengehalten haben, sind die Bannerträger der Ordnung im politischen Chaos gewesen. Auch in den Reihen des Zentrums haben wir in den letzten Jahren eine Wandlung in der Stellung zur Frage der Ausgestaltung der Staatsform durchgemacht. Gestern wurde an mich die klare Frage gerichtet: Sind Sie bereit, im Namen der Fraktion morgen zu sprechen und die Regierung zu fragen, wie es in Zukunft mit dem parlamentarischen System bestellt ist, was geschehen soll, um dieses parlamentarische System auszubauen und zu sichern? Ich durfte mich diesem Auftrage nicht entziehen, zumal doch auch sozialdemokratische Zeitungen, unter anderem der „Vorwärts", darauf hingewiesen haben, daß die gegenwärtige parlamentarische Simation außergewöhnlich ist, daß Parteien, die in der Regierung Zusammenarbeiten. im Reichst--" " e a" r, s i n a n- d erst eh en. Früher gab es auch dieses Gegeneinander, wenn die Herren von der Rechten m der Regierung saßen Wie haben Sie (nach rechts) die Außenpolitik des Ministers Dr. Strefemann bekämpft, haben uns angegriffen, wenn meine Freunde diele Außenpolitik stützten. Sie trieben „nationale Ovposition" hier unten im Hause gegen ihre eigenen Vertreter, die in der Regierung saßen. (Lebhafte Zustimmung in der Mitte}
Wir sind über alle Maßen betrübt, daß dieser Riß auch durch die heutige Regierung geht. Im Intereste der deutschen Revublik und im Interesse der De- m o k r a t i e darf eine Wiederholung dieser Vorgänge nicht gestattet werden. Um dieses Staates willen haben wir uns gestern gelobt, daß bei einer Wiederholung dieser Vorgänge das Mißtrauens- Votum aus der Mitte Sie überraschen wird.
Wenn selbst der „Vorwärts" zugibt. daß die gegenwärtige Situation ungewöhnlich ist, dann wüsten wir dafür sorgen, daß sie sich nicht wiederholt, wollen einer Regierung nicht angehören, die dieses Problem nicht löst. Das ist doch deutlich genug. Aber auch die Herren von rechts, die gestern Zwischenrufe mochten. — (Christl. Nationale Bauernvertreter batten q», rufen: Bezahlt den Panzerkreuzer mit den Lohnerhöhungen der Arbeiter) — sollen sich sagen lasten, daß solche Redensarten beschämend sind. Damit liefern sie Waffen. nicht der Sozialdemokratie, sondern dem äußersten Radikalismus.
Wenn ein Mann van der marinetechnischen Vergan- r"beit des Admirals Brüninghaus hier spracht von r Puß er sich überlegen, daß in wenigen Tagen der 611 ,ner Krankheit gerade genesene Außenminister Dr. nicht i„ mann hier reden will. Wenn die Regierung runcten Jid) konsolidiert ist, so werden seine Ausfüh- nicht oon^ Vorabend der Reparationsbesprechunaen
Äritifrh m Gewicht getragen, wie es sein sollte, kreuzer sinö Erwägungen für oder gegen den Vanzer- Vartei berechtigt und gerade die Soziald.
kengänqe fa* $(anbs hat Anlaß, diese Gedan- 1996 in Äd)-5U prüf-n. Hörsing hat im Jahre gehend behandest^M" ^^n militärische Fragen ein- Ht fn müßte „ Denn das damals möglich gewesen I Van,erfreu ers h?ute möglich fein die Frage des lich u vrü n Regierung, wie sie jetzt ist, lad)-
®er Redner verlU Iinfs: Schulmeister.) »s heißt daß d-e ein Gutachten, in dem
tÄ SS v°L Äf/chtswett°7m°^
die1>7utschkNotm?!u^wuß entschieden werden, wie e oeutsche Nation zu Lm -Vehrgedanken steht. 1
Der Berufsstand im Parlament.
Die weiteste Kreise unseres Volkes deprimierende Verschlechterung der äußeren Lebensumstände im Verein mit der schon seit Jahrzehnten immer mehr um sich greifenden Neigung, den Gang der Dinge nur noch unter rein materiellen Gesichtspunkten zu betrachten, haben der Wirtschaft und den wirtschaftlichen Werten ein ungeheuerliches Uebergewicht verliehen. Wir leben in einer Zeit, in der man vielfach den sozial-ethischen Grundsatz von der Wirtschaft als „Dienst am Volke" privatwirtschaftlich umbiegt, alle höhere Bildung einseitig nach den Gesichtspunkten mir t» schaftlicher Zweckmäßigkeit und Ergiebigkeit formt und in der man dann natürlich auch das Politische wirtschaftlichen Interessen zu unterwerfen versucht. Wieviele Zeitgenossen lassen sich, in Verkennung der staatsbürgerlichen Tierpflichtung, an der Gestaltung des gesamten öffentlichen Lebens auf dem Boden der eigenen Weltanschauung mitzuarbeiten, dazu verleiten, sogenannte Wirtschaftsparteien zu gründen, Parteien, welche Zweck und Aufgaben des Staates einseitig im Lichte einer, meist auch nur kurzfristig betrachteten, wirtschaftlichen Wohlfahrt sehen? Wir haben kürzlich an dieser Stelle bargetan, daß diese politische Haltung mit der katholischen Auffassung vom öffentlichen Leben und denPflichtendesKa- t h o l i k e n ihm gegenüber nicht vereinbart werden kann, und haben deshalb sogenannte Wirtschaftsparteien scharf abgelehnt.
Grundsätzlich entspringen diese Bestrebungen die das jetzt auf der Basis politischer Grundanschauungen gewählte Parlament durch ein berufsständisches Parlament ersetzen möchten. Die wirtschaftlichen Berufsstände allein sollen die politischen Volksvertretungen wählen oder auf andere geeignete Weise bestimmen, und diesem be- rufsständischen Parlament allein soll dann die gesamte Staatspolitik überlasten werden. Die rdi- giösen, kulturellen, wie überhaupt alle geistigen In. teressen glaubt man dadurch hinreichend gewahrt, daß auch von den sogenannten geistigen Berufsschichten Vertreter in dieses Parlament entfanbt werden.
Wie auch im einzelnen die Vorschläge aussehen mögen, sie scheinen uns aus grundsätzlichen und aus praktischen Erwägungen heraus verfehlt.
Im Reichstag fand die Panzerkreuzerdebatte ihren Abschluß durch die Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages auf Einstellung des Schiffbaues mit 255 gegen 203 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen der Deutschen ^Bauernpartei.
Für den Antrag hatten nur die Sozialdemokraten einschließlich ihrer Minister und die Kommunisten gestimmt, während die Demokraten und die Bauernpartei, die im alten Reichstag gegen den Panzerkreuzer gestimmt hatten, in der Debatte erklärten, durch die Einstellung des Panzerschiffes in den Etat und durch den Kabinettsbeschluß auf Inangriffnahme des Baues sei eine neue Lage ent- ‘ standen.
Die Verhandlungen, die der Abstimmung vor- I hergingen, hatten ihren Höhepunkt in den Darle- I gungen des Zentrums-Sprechers
Dr. Joseph Wirth.
Der Redner wird von den Kommunisten, vor allem ! dem Abg. Stöcker, mit höhnischen Zurufen wie „Ar- I mer Wirth" empfangen. Er beginnt: Im September I war dieser Saal der Interpalamentarischen Union zur I Verfügung gestellt. (Zuruf b. d. Komm.: Was hat das I mit dem Panzerkreuzer zu tun?) So klug sind auch Sie I nicht, Herr Abgeordneter Stöcker, daß Sie schon wist I fen, was ich sagen wollte, ehe ich den Satz überhaupt I vollende. Sie misten aber ganz genau, daß ich in der I Zeit, als es Leuten, die Ihnen nahe stehen, sehr schlecht I ging, der einzige war. der Ihnen geholfen hat. Der j politische Anstand erfordert es, daß Sie mich jetzt ruhig I reden lassen. (Die Kommunisten werden auffallend still.) I
Die Krisis des parlamentarischen Systems war das Thema, das in diesem Hause verhandelt I wurde, als anläßlich der Tagung der interparlamenta- I rischen Union Gäste aus aller Wett hier versammelt waren. Unter den Parlamentariern aller Länder wurde das Problem der Diktatur, der proletarischen ebenso wie der faschistischen, eingehend erörtert. Ich war da- I ntais Berichterstatter und mußte über die Krisis des I parlamentarischen Systems sprechen. Gestern war für I uns im Reichstag ein bitterer Tag. Hätte ich I seinen Verlaus im Voraus gekannt, dann hätte ich damals von einer Krisis des Parlamentarismus in I Deutschland sprechen können. Denn wer über die I Krisis des Parlamentarismus zu sprechen hat, der muß I auch kritisch über das sprechen, was gestern hier auf der Tribüne des Hauses sich ereignet hat. Gestern war nicht | der erste Tag, wo wir die Krise des Parlamentarismus I mit Händen greifen konnten. Diese Frage geht seit Iah- I ren durch unser Vaterland. (Lebhafte Zustimmung in dre I
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Fuldaer Zertung
Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
Der Ehre und Würde des deutschen Volkes muß dabei Rechnung getragen werden und Reichswehr und Marine müssen endgültig aus der vergiftenden politischen Atmosphäre herausgenommen werden. Wenn Ihr Antrag (nach links) heute angenommen würde, wäre die Folge eine politische Krise, die wir nicht wollen, gerade tm Interesse des deutschen Volkes.
Das deutsche Volk ist dieser Krisenmacherei überdrüssig geworden. (Lebhafte Zustimmung in der Mitte.) Ich habe mit Absicht erklärt, daß das Zentrum in der Lage wäre, eine Krise herbeizuführen. Wir wollen sie nicht, auch jetzt nicht, damit dieses Mißtrauen verschwindet. Auch in Zukunft wollen wir für diesen Reichstag keine Krisis. (Lebhafte Zurufe von allen Seiten.) , _ - - . , -----
Wenn Sie Ihr Mißtrauen gegen diese Aeußerung nicht Anträge zur nordwestdeutschen Aussperrung zur zurückstellen können, so sehe ich allerdings trübe in die zweiten Beratung kommen, wenn sie inzwischen vom Zukunft. Wir müssen dafür sorgen, daß nach der Ab- | sozialpolitischen Ausschuß erledigt worden find, lehnung des sozialdemokratischen Antrages, die nach der I #
demokratischen Erklärung eine Selbstverständlichkeit ge- I worden ist, der Panzerkreuzer endgültig von der politi- I Der Vorstand der Sozlaldemokrati- schen Plattform verschwindet. Wenn oies nicht möglich I scheu Partei hat die Kontrollkommission und ist, dann lieber heute als morgen die Krisis, um endlich den Parteiausschuß zum kommenden Tbon.
tag nach Berlin berufen. Auf der Tagesordnung tragen, wir sind 7nsder ^Lage Ostpreußens sehr be” €i*r $vntt: Erörterung der polih-
mußt, aber wenn (nach rechts) Sie Ostpreußen nennen, I *-aSc- so müssen Sie auch an Schlesien und an die ganze O st grenze denken und die schwierige Lage unserer We st grenze nicht vergessen. Alle politischen Parteien müßten sich zum Schutze der Grenzen zusammenfinden, ohne agitatorische Eigenpolitik zu treiben.
Die Rede des Abg. W e ls hat gerade in der Mitte besondere Beachtung und besondere Mißstimmung her- Dorgerufen. Wir müssen es ablehnen, eine so hoch politische Frage wie das Wehrproblem zusammenzubinden, mit der tiefgehenden sozialen Not unseres Volkes. Der Abg. Wels hat gerade besondere Gebiete, u. a. das Waldenburger Gebiet, genannt und mit dieser Anklage gegen die gesamte bürgerliche Gesellschaft reine Parteiagitation getrieben. Das Hungergebiet in Waldenburg ist Gegenstand ausführlicher Behandlung in allen Zeitungen. Zuruf der Sozialdemokraten: Davon wird man nicht satt!) Abg. Wirth zeigt auf die Regierungsbank, auf der Reichskanzler Müller und die Minister Se
verin g und H i l f e r d i n g sitzen, und jagt: Dort sitzen Ihre Minister, sagen Sie es denen. Wenn wir , , ~ ,
angedeutet haben, daß wir das Problem der Wahrhaft I wtb. Berlin, 17. Roo. (Gig. Funkm.) Im tigteit auf unserem künftigen Parteitag eingehend be- I Reichstag haben die Verhandlungen über den Kon- banbeln werden, so sind wir uns auch über gewisse Re- slikt, her wegen der Fürsorge im Eisenkampf ent. Fr"i”°d ens"b ew"eau”7a" ,u°L?en über^t^'^^ fanden ist, heute vormittag' bereits sehr früh be- hängern ich gehöre. Wir'müssen es ablehnen, daß von Sonnen. Um 9 Uhr ist das Kabinett zusammenge- rechts dieser edlen Bewegung unvaterländische treten. 3m Anschluß daran hat der mterfrahio- Motive unterschoben werden. Ich schließe mit dem nells Ausschuß unter Teilnahme des Reichsarbeits- Wunsche, daß der Panzerkreuzer nunmehr endgültig aus I Ministers Wissells und des Staatssekretärs Popitz der politischen Debatte verschwinden möge. (Lebhafter I vom Reichsfinanzministerium verhandelt und dar- Be.fall und Händeklatschen beim Zentrum.) auf sind die Vorstände und Sozialreferenten der
3m weiteren Verlauf der Panzerkreuzerdebatte | Sozialdemokratie, des Zentrums und nahm, als zweiter Redner der sozialdemo- I derDentschen Soff spart ei w getrennten I «mer Eyrung oes wirlsiyafmcyen Wot>!- kratlschien Reichstagsftaktion, der Abgeordnete Beratungen der Soge zusammengekommen. Wie > Landes, gestrebt werden. Man muß sich aber da-
A" ttsche ld, das Wort. Anfänglich war eine im Reichstag verlautet, lassen diese neuesten Be-
„^de der sozialdemokratischen Reichstags-- fprechungen die Möglichkeit eines Kom-
H10." vorgesehen. BreitscheÄ ergriff auch promisses erhoffen. Dabei steht der Gedanke
ÄS Wort ttelwMg, sondern aus einen star- im Vordergrund, daß die Anträge des Zentrums
brLe Zentrumsftaktwndes Roichs- und der Sozialdemokratie eine Form erhalten,
Srk l fch ®03laIbKmofta«Z Man durch die dem Reichskabinett aufgegeben wird, die
« ^•fU&en£eS Regelung der Unterstützung im Einverständnis mit
ÄJ ww schwer ihm d« Preußen und im Rahmen des Fürsorgepflichtgeset-
littQ£tttprrt tlPTÜtff ajaI i * -X* flh? wäre eine Linie, die auch
S Abgeordneten der Deutschen Volkspartei die Zustimmung ernwg--
^i.5r^a?^r^^llun8nahme der den Panzer,- lichen und eine Zurückziehung der Volks- uSJtft9än% parteilichen Minister aus dem Kabi-
wesentlich ab7mFnvw™ I nett vermeiden würde. Ob Zentrum und ©ogiar.
ES bie Demokratie so weit gehen können, werden aber erst
deren Parteien deshalb Vorhaltungen zu machen. I viaen^d""^""^? Ä*? sozialpolitischen Ausschuß
L «SS ® b«nn den Sozialdemokraten in sozialen Fragen immer I nolitsicb°n e? db ^Handlungen 'm sozial, wieder zusammengearbeitet. Ifechnellvonstattengehen, die
Breiffcheid betonte, daß auch die Sozialdemo- ^?ze ^°ge unter Umstanden noch bis zur Er-
kraten keine Krise haben wollen und zur Frage " ^ng des Plenums beraten werden kann In
der Verantwortlichkeit erklärte er, daß diese auf Esem All wurde sie entsprechend dem gestrigen
dem vom Volk gewählten Parlament ruhe. Die BorbehaltdesReichstagsprasidenten Lobe noch
Sozialdemokraten würden sich absolut einer Mehr- ^ute auf die Tagesordnung gesetzt werden. Von
heitsentscheidung fügen I unterrichteter Seite wird übrigens betont, daß bte
- Mit dieser Formulierung hat die Sozialdemo I in einem Berliner Morgenblatt enthaltene Version, kralle auch zum Ausdruck bringen wollen, daß sie wonach die Frage durch die Bereitstellung einer mit der jetzigen Entscheidung des Parlaments die I ’e"en Summe von 20 Millionen Mark aus der Panzerkreuzerdebatte erledigt wissen will. In der Welt geschaffen werden könnte, falsch ist, und zwar klaren und verbindlichen Form, die das Zentrum I '$°n deshalb, weil das ganze Objekt bis heute verlangte, ist die Garantie freilich noch nicht ge° I etwa nur 4 Millionen ausmacht. Außerdem geben worden. I wird aus volksparteilichen Kreisen betont, daß be*-
Beachtlich war auch die Bemerkung Breitschsids. I Konflikt zwischen den hinter der Regierung ste- daß sie sich absolut damit absinden würden, daß henden Parteien nicht in erster Linie eine Frage
jeder einzelne Abgordnete so stimmt, wie es seiner der Höhe der Summe, sondern g r u n d s ä tz -
Ueberzeugung entspricht. Allerdings steht diese I kicher Art ist, ob eine einseitige Unterstützung I
Aeußerung in eigenartigem Gegensatz zu dem überhaupt als tragbar angesehen werden kann. rnior " 7"
Zwang, den die sozialdemokratisch^ Reichstagssrak- beta gen und für berechtigte Interesien ein-
tion aus die Form der Abstimmung des Reichs- SkN^rUM UNS 5lUheNp0lltlK. L SS4 mUr,fum l’efe
E°nKrs ausgeübt hat. Die Zentrumsfraktion des Reichstags hat sich de^e^Sor^n vmtangt
tai6gtnc ?°nLFarU”l?erJlrtttt9ett ^ra9-e 8e= ßm Freitag abend sehr eingehend mit der Außen- t;ern wichtigen Fragen ^er Ener^n Eß-ren
^rß noch nicht erreicht. Aber den Stzzialdemo- I Politik beschäftigt. Ein großzügiges Referat, an I snor;t;» }h’’
aemt? ift in einer bisher wohl noch Nicht da- das sich eine sehr eingehende Aussprache knüpfte, Ipteresie? betrachten^^ und beaÄtten^Ä^bie^ gewesen Form die Grenze ihres Einflusses aber hielt Abgeordneter Professor Dr. Saas, der auch rirfl .TLdL®b.e.Qrbe'i.enx. 2)05 d'eßc,
S ble ®ren-e dessen, was sie sich anderen Par- der Sprecher der Zentrumsfraktion im Reichstag • ««" >f« ®ieme,:nmiohl Derfunbtgen.
feien gegenüber herausnehmen können, aufgezeigt bei der außenvolitifchen Debatte im Reichstag fein ruf5ftänhifAen Vertreter in einem be-
X- angenommen, daß rufsfchicht fast sicher erliegt. Denn er ist ja von
diese Debatte ohne größere Schwierigkeiten verlau- | seiner Berufsgenossenschaft für die Vertretung der berufsmäßigen Belange gewählt und somit zu der einseitigen oder dock vorwiegenden Vertretung der. selben auftragsgemäß verpflichten.