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JVo 264.

Mittwoch, den 14. November 1928.

Fuldaer Leitung

* 2. Blatt.

Druck bet Fuldaer Acllendruckerei, Fulda

Amtliche Bekanntmachungen

150

RM.

RM.

225

300

RM.

30

RM.

Bcm-

2.

Eine richtige Reparatur

Hlninn

I.

1.

Der Vorsitzende:

Frh. von Gagern.

Di« Mitglieder:

I. Vogel, Sippe!.

Haltung von den Verpflichteten verlangt.

Der Nachtrag tritt am Tage der Veröffentlichung kn Kraft.

Der I. Nachtrag vom 26. März 1927 wird hiermit außer Kraft gesetzt.

Fulda, den 3. November 1928.

Der Kreisausschuß des Landkreises Fulda:

a) mit einem Tank und einer Zapfläule auf Landwegeeigentum

b) mit zwei Tanks und einer Zapfläule auf Landwegeeigentum

c) mit zwei Tanks und zwei Zapfläulrn auf Landwegeeigentum

d) bei Benutzung von Anliegergelände und Ueberqueren des Straßeneigentums beim Tanken mit der Schlauchleitung

e) für Aufstellung von Oelkästen bei Tankanlagen 18 Derwaltungsgeblihr

für Tankanlagen 30 RM.

8 2.

Der Winterschonzeit unterliegen:

die Fulda innerhalb des Kreises Fulda, von der Gersfelder Kreisgrenze bis zum Einfluß der Fliede,

sämtliche Nebengewässer der Fulda mit Ausnahme a) der Schlitz samt der Altefeld,

b) der Hanne von ihrem Einfluß in die Fulda an bis zum Einfluß der Nüst.

An Stellen, wo die Anlagen an unbefestigten____

ketten befestigt werden, wird außerdem die Befestigung derselben auf angemessene Länge und dauernde Unter-

aller Art, sowie Bestecken

DAS KENNWORT guter UHüiw besichtigen Sie bitte mein reichhaltiges Lager.

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Josef HäuBler zum Trauringeck

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II. In allen der Winterschonzeit unterliegenden Ge­wässern ist der Fischfang bis auf Weiteres für die Zeit vom 1. November bis 26. Dezember einfchl. verboten.

§ 5.

3n den der Frühjahrsschonzeit unterliegenden Ge­wässern ist der Fang von Lachsen und Forellen in der Zeit vom 1. November bis 26. Dezember einschließlich verboten.

§ 6.

Der Fang von Krebsen ist in allen Gewässern in der Zeit vom 1. November bis 31. Mai einschließlich ver- boten.

Meine Schutzmarke ML

verbürgt

Vor Kauf von

Bta, Juwelen, Eolh. Silben

Kein Ost-Locarno mehr?

Es kommt in der Politik nicht häufig vor, daß man aus irgendeinem Abkommen, das eine Entwicklung besiegelt oder eine Neuorientierung einleiten soll, kurzerhand die Konsequenzen zieht. Nichts ist deshalb wichtiger bei politischen Vertrags­abschlüssen, als daß man sich darüber Rechenschaft gibt, wie der Vertragspartner den Vertrag, den er gerade unterzeichnet, versteht und für sich aus» legt. Als unlängst die Engländer vor der Frage standen, ob sie den Kelloggpaks unterzeichnen soll­ten unb die Beantwortung dieser Frage hinaus» zögerten, schließlich sogar solange hinauszögerten, daß man im Unterhaus« ungeduldig wurde, da meinte der Außenminister Chamberlain, es habe keinen Zweck einen Vertrag zu unterzeichnen, so­lange nicht sämtliche Vertragspartner über die Be­deutung und die Auslegung dieses Vertrages eines Sinnes seien.

In der Tat hat man in der Nachkriegszeit wie­derholt erkennen müssen, daß sich mit der Abfas­sung und Unterzeichnung von Verträgen nicht zu­gleich auch der Geist binden läßt, der sich von den einzelnen Vertragspunkten seine freibleibenden Vorstellungen macht. Besonders auffällig war das bei dem Locarno-Abkommen, das in Deutschland, allerdings durchaus infolge des Bemühens des Aus­wärtigen Amtes, über feine juristischen Bestim­mungen hinaus noch eine besondere Vorstellung von dem „Geist von Locarno" weckte, der mit dem, was man sich beispielsweise in Frankreich über den „Geist von Locarno" vorstellte, fast garnichtz zu tun hatte. Wir hofften auf weitgehende Rückwir­kungen, wir glaubten, daß Letzte getan zu haben, was Frankreich inbezug auf di? Sicherung seiner Grenzen auch mit kühnster Phantasie je erwarten konnte und mußten eines Tages zu unserer Ernüch­terung erkennen, daß wir uns nicht nur zu weitge­henden Hoffnungen hingegeben hatten, sondern daß wir auch den Franzosen nicht einmal fühlbare Vor­würfe machen konnten, wenn sie sagten: Wir ha­ben nichts von dem unerfüllt gelassen, was wir Dr. Stresemann versprochen haben und Merkt Ihr Deutschen denn nicht, daß wir in einem ganz cn- deren Geist mit Euch verhandeln, als wir es vor dem Abschluß des Locarno-Vertrages getan ha-

Wir haben uns schließlich damit abfinden müssen, daß die Franzosen das Rheinland weiter besetzt hielten und nicht abrüsteten, wie wir es glaubten verlangen zu müssen. Wir haben uns auch damit abgefunden, daß die Polen sich nach wie vor in ihrer nationalen Sicherheit bedroht erklär­ten, obwohl wir im Locarno-Abkommen uns ver­pflichteten, keinen gewaltsamen Versuch der Aende- rung der deutsch-polnischen Grenze zu unterneh­men.

Wir haben dann dem Locarno-Vertrag den Kel- logg-Pakt hinzugefügt und damit geglaubt, ein Weiteres zu tun, um das Maß der europäischen Friedenssicherung so weit zu füllen, als es über­haupt in unseren Kräften gelegen sei. Und wie­derum haben wir mit der Unterschrift der Erwar­tung Ausdruck gegeben, daß nun aus diesem Frie- denspakt die Konsequenzen gezogen würden, die nahe lagen: Also Räumung der Rheinlands und alb Kmreine Abrüstung. Aber wiederum sind wir ent- tUtscht worden. Im Gegenteil: während mir uns st-lcher Erwartung Hingaben schlossen England und Frankreich ihr berüchtigtes Marineabkommen ab, und als unser Reichskanzler Müller in der letzten September-Sitzung des Völkerbundes einmal wie­der mit Rücksicht auf den Locarno- und den Kel- logg-Pakt die Rheinlandräumungsfrage anschnitt da war man höchst indigniert und wollte uns nicht recht verstehen. Man schob die Revarationsfrage vor und meinte, daß die Räumungsklage nur in I Verbindung mit der Reparationsfrage gelöst wer- I

i den könne. Der polnische Außenminister Zaleski, der in der Besetzung der Rheinlande die einzig wahre Garantie für die Sicherung dec polnischen Westgrenze erblickte, machte sogar erregte Umwege auf seiner Rückreise nach Warschau, um der pol­nischen Grenzsicherheit wegen eine möglichst lange Besetzung der Rheinlande sicherzustellen. Für seine Befürchtungen waren Locarno-Pakt und Kellogg» Bertrag völlig gleichgültige Dinge.

So lagen die Verhältnisse bis vor kurzem. Die Verträge blieben in mancher Hinsicht nur ein Stück Papier, die Paragraphen waren wohl schön und friedlich formuliert, aber sie wurden noch nicht le­bendiger Geist, die Friedensbestimmungen ver­schafften noch keinen Frieden. Nun soll das plötz­lich anders geworden fein. Der polnische Außen­minister Zaleski hat in der Königsberger „Ost- preußischen Zeitung" eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt: „Unter einem Ostlocarno versteht man gewöhnlich einen Vertrag, der die Sicherung unserer Grenze mit Deutschland unter die Bürg­schaft der Weftmächte stellt. Eine solche Bürgschaft ist im Kelloggvertrag enthalten. Unter der Vor­aussetzung der Ratifizierung des Kellogg-Vertra- ges durch die beteiligten Mächte bin ich der Ansicht, daß der jetzige Zustand in vertraglicher Hinsicht dem Sicherheitsbedürfnis Genüge leistet." Diese Erklärung ist im Zusammenhang mit den oben ge­schilderten Geschehnissen der letzten Jahre von au­ßerordentlicher Bedeutung. Zaleski har damit für Polen auf ein besonderes Ostlocarno Verzicht ge­leistet, er hat anerkannt, daß die polnische West­grenze gegenwärtig genügend gesichert ist. Die Frage liegt nahe, was Zaleski veranlaßt haben mag, diese Konsequenz, die man in Deutschland schon feit langem gezogen hat, diese Tatsache, die Deutschland nicht erst durch den Kelloggpakt als feststehend garantierte, erst jetzt anzuerkennen. Zaleski weiß ja, daß Deutschland nach wie vor eine Revision der deutschen Ostgrenzen verlangen wird und verlangen muß, wenn auch loyal im Rahmen der bestehenden Friedensverträge. An diesem Re­visionsbedürfnis Deutschlands hat sich in den Wo­chen feit Unterzeichnung des Kellogzpaktes nicht das Geringste geändert. Was hat Zaleski zu feiner Erklärung getrieben? Ist es die Rücksichtnahme auf die schwebenden Handelsvertragsverhandlun­gen, sind es Spekulationen auf die deutsche Sym­pathie in dem Konflikt mit Litauen, sind es Ein­flüsse englisch-französischer Art in Hinsicht auf Rußland oder hinsichtlich auf die Reparationsfrage, um Deutschland irgendwie entgegenkommend zu stimmen? Noch sehen wir nicht klar, aber wir sind es so wenig gewohnt, daß die Gegenseite aus einem mit Deutschland geschlossenen Sicherheits­vertrag, naheliegende politische Konsequenzen zieht, daß uns Zaleskis Erklärung sehr verdächtig vor­kommt.

Kunft und Literatur.

— 25 Jahr-Feier im Schiller-Nakionalmuseum. Am 10. November, dem Geburtstag Friedrich Schillers konnte das Schiller-Nationalmuseum in Marbach a. Neckar, dem Geburtsorte Schillers, die Feier feines- 25- jährigen Bestehens feiern. Zu der Gedächtnisfeier im Festsaal des Museums h<'sn sich Gäste aus dem ganzen Reiche in großer Anzahl eingefunden, darunter als Ver­treter der »württembergifchen Staatsregierung Kultus­minister Bazille und Finanzminister D e h l i n g e r, außerdem Vertreter des Landtages, der Universität Tü­bingen, der Technischen Hochschule Stuttgart, der Stadt Weimar, der schwäbischen DichMng und Nachkommen der Familie Schiller. Der erste Vorsitzende des Schwä­bischen Schillervereins Geheimrat Dr. v. Güntter, hielt die Festansprache. Die Grüße der württemberqischen Regierung überbrachte Kultusminister Bazille, der dar­auf hinwies, daß kein einziger deutscher Volksstaat auch nur entfernt so viele Dichter hervorgebracht habe wie das kleine Land Wüttemberg. Die Feier wurde be­schlossen mit einer Huldigung vor Schillers Geburtshaus

Qualität und Prelswördlekeii.

Joseph Schmitt, Fulde,

Weingroßhandlung.

Ferner bestimmt das Fischereigesetz vom 11. Mai 1916 (®. S. S. 55) folgendes:

§ 108.

Während der Dauer der Schonzeit müssen ständige Fischereivorrichtungen (§ 35 Abs. 5) in offenen Gewäs­sern beseitigt oder abgestellt sein. Soweit die Rücksicht auf die Erhaltung des Fischbestandes es gestattet, kann der Regierungspräsident Ausnahmen zulassen.

Nach den §§ 127 und 128 werden Uebertretungen mit Geldstrafen bis zu 150 Mark bestraft.

Unter Hinweis auf meine Verfügung vom 7. August 1917 — I. 5911 — ersuche ich die Herren Bürgermeister (Gutsvorsteher) und Landjäger auf genaue Innehaltung der Schonzeit zu achten.

Fulda, den 9. November 1928.

Der Landrat: I. V.: Schuster.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, für ortsübliche Bekanntmachung des vorstehenden Nachtrages Sorge zu tragen.

Fulda, den 3. November 1928.

Der Dorsitzende des Kreisausschusses Frh. von Eagern.

I. Nr. L. 4288.

Winterschonzetten im Fischfang.

Aus der Bekanntmachung des Herrn Regierungsprä­sidenten vom 23. September 1925 und 9. August 1928 (Regierungs-Amtsblatt 1925 Seite 233 und 1928 Seite 182) über die Fischerei im Regierungsbezirk Kastel bringe ich folgendes zur Kenntnis.

Fulda.

II. Nachtrag

zu den Grundsätzen des Kreisausschusses Fulda über di« Erhebung von Entgelt für die auf oder an Landwegen im Landkreise Fulda gestatteten ftemden Anlagen vom 13. Zanuar 1925.

Zu Ziffer 11 ist folgender II. Absatz hinzuzufügen: Für Anlage von Tanfltellen werden erhoben:

Hüufeld.

Die Unfälle bei den Holzfällungsarbeiten sind indem Winterhalbjahr 1927/28 wieder so zahlreich gewesen, daß sich die Belastung der Bemfsgenossenschaft aus Anlaß forstwirtschaftlicher Betriebsunfälle erheblich steigerte. In der Regel sind es schwere Verletzungen, sogar vielfach Todesfälle, die eine Rentenzahlung auf lange Jahre hinaus bedingen.

Ich ersuche deshalb die Seftionsvorstände auch für die kommende Holzfällungsperiode alle Besitzer von Privatwaldungen (Gemeinden- und Jnteressentenwal- düngen) des Genossenschastsbezirks auf eine sorgfältige Beachtung der Unfallverhütungsvorschristen für Forst. Wirtschaft (Seite 24 usw. der Unfallverhütungsvorschrif- ten) Hinweisen zu lassen.

In den Unfallverhütungsvorschristen ist es den Be­triebsunternehmern zur Pflicht gemacht, sie in allen Einzelheiten in geeigneter Weis« zur Kenntnis der Ver- sicherten zu bringen. Auf dies« Bestimmung weise ich ganz besonders hin und empfehle den Waldbesitzern bezw. den verantwortlichen Forstauflichtsbeamten, über die Be­kanntgabe eine Verhandlung aufnehmen zu lassen, denn sie find bei vorkommenden Unfällen unter Umständen nicht nur für den entstandenen Schaden ersatzpflichtig, sondern haben auch mit strastechtlicher Verfolgung wegen fahrlässiger Körperverletzung oder Tötung zu rechnen.

Für die Verhütung von Unfällen dürste es von großem Wert sein, wenn die Waldbesitzer bezw. Forst­auflichtsbeamten bei der Annahme ihrer Arbeiter, wenig, stens für die schwierigen und gefahrvolleren Verrichtun. gen bei den Holzfällungsarbeiten, auf deren Eignung Wert legen wollen. An einer umsichtigen und zuver- lässigen Aufsichtsführung darf es selbstverständlich nie fehlen.

Hünfeld, den 9. November 1928.

Der Vorsitzende des Sektiousvorstaudes:

Ludwig.

Betr.: Straßenverkehrsordnung, Polizeioerordnung über den allgemeinen Verkehr auf öffentlichen Wegen vom 24. September 1926.

Auf den Nachtrag zur vorstehenden Polizeiverordnung weise ich hin. Er ist veröffentlicht im Amtsblatt der Regierung zu Kassel vom 3. November 1928 Nr. 44. Das Amtsblatt kann bei den Ortspolizeibehörden und auf dem Landratsamt eingesehen werden.

Hünfeld, den 7. November 1928.

Der Landrat. I. D.: Frank.

Fahrrad-Faulstich spricht:

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Geori RöPeLFnlito K-Äße jmiaer Union- und Mündiener MHiere in Flaschen und Siphon’a.

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Telephon-Bestellung durch Nr. 23 und Nr. 398

GGlllerhoift.

Eine geheimnisvolle Geschichte von Wilhelm Holt

Hl ------

(Fortsetzung folgt.)

„Ich verstehe nicht, was Sie meinen, gnädiges Fräu. lein," sagte er, „aber ich schwöre Ihnen, daß ich Ihnen nicht feind bin. Notar Burton ist tot. Er ist heute stütz begraben worden."

„D," rief sie entsetzt aus, „bann haben sie ihn um- gebracht."

Dieser Ausruf fiel dem Detektiv auf. Das junge -Rädchen, das nicht einmal vom Tode des Notars gewußt hatte das soeben erst davon erfahren, natürlich auch von .W3'Umständen, unter denen sein Ableben erfolgte, nichts ahnte, nahm doch sofort an, daß er er­mordet worden fei » L ,

9r, n *eti Nun, er war tn der Tat ermordet Tnh to„rhi er f’e schien auch zu wissen, wer an seinem Lh-ars ^as für ein furchtbares Geheimnis der leibuoilc Ni, b“!)Inter? Hing damit vielleicht auch 'n* muhte "U5nlUlf öcs blaffen Gesichts zusammen?

rnSlX wissen. Er war sich klar, er hatte e,ne wertvolle 6pur gcfunöen

h "Tnt ermnrh5. (eiber erraten, Notar Burton ist in d-r ermordet worden. Aber der Täter ist un- betl^in Ie.benfQlI5 die Flucht ergriffen "

XÄeeSX^?Äa3rK^ft

Hoffnung"gesetzt/-^ auf if,n t)a,te ** meine ganze

Aber plötzlich veranderte^sich if,r Antlitz, es trat der Aus­sen dmchdLende: SSaus JX ^tieß w°-s-ch hinter einem Aücke/b^L t"°"

Zugleich horte er daß sich hinter ihm etwas regte. Er wollte sich rasch umbrehen, um zu sehen, was sie soeben 2?* if)r bCn entf,^en Schrei entlockt haben Mochte. Aber es war zu spat. Er feihft o;„r

bes Angriffes. In dem Augenblick, da er sich umdrehen ?rad!VerErfe Vinen Mti0en Schlag am Kopf unb "rach bewußtlos zusammen. v'

Der Mann, der ihm den fürchterlichen Schlag ge- geben, tat nur noch einen flüchtigen Blick auf den wie leblos Daliegenden, stürzt sich bann auf bas Mädchen, das einen Versuch machte, zu entfliegen, unb riß sie mit sich fort.

„Komm, du Närrin," schrie er, „komm sofort, ober es ergeht dir wie diesem da."

4.

Am folgenden Tag saß Roger wieder in seinem Arbeitszimmer, aber die alte Arbeitslust wollte sich nicht einstellen. Immer wieder schweiften seine Gedanken von den Papieren ab, die vor ihm lagen, und er dachte an ganz andere Dinge, als diese behandelten. Ungeduldig schob er schließlich den Stoß zur Seite.

„Es geht nicht," sagte er bei sich selbst. „Es ist, als taugte ich nicht mehr zur gewohnten Arbeit, seit mir die leidige Geschichte im Kops herumspukt. Und ich hätte doch st viel zu tun."

Willenlos überließ er sich seinen Grübeleien. Er gestand es sich nicht ein, aber es war nicht in erster £,n!e bas Drama von Schillerhorst, das ihn beschäfsigte. Immer wieder trat das Mädchen vor sein geistiges Auge, das hübsche, tapfere junge Mädchen, das so tiefen Ein- druck auf ihn gemacht hatte. Und mit einem Gemisch non Eifersucht und Bedauern dachte er an feinen Freund, ber sich in so überschwenglichen Lobesworten über sie ergangen war und ihr so nahe stand, während er ihr nicht nur fremd, sondern in ihren Augen ein Gegner von ihr war.

Cs bestand auch keine Aussicht, daß sich tn diesen Verhältnissen etwas änderte. Ja, wurde der Kampf m der Frage, wer an dem Tode ihres Onkels schuld war, bis zum äußersten geführt, so war vielmehr an­zunehmen, daß ihre Haltung ihm gegenüber immer noch weniger freundschaftlich wurde.

Roger wehrte es sich nicht, sich andere Möglichkeiten auszumalen. 2ßie ganz anders wäre es gewesen, wenn er Dora Burtons Ratgeber unb Helfer hätte fein bürfen. 2Bie hätte er all feine Willenskraft und feinen ganzen Scharfsinn spielen lassen! Und täglich hätte er mit ihr beisammen sein, allmählich hätte er sich ihre Dankbarkeit erwerben unb am Ende boch noch ihr Herz gewinnen können.

Der Rechtsanwalt täuschte sich selbst nicht mehr, er gestand sich vielmehr offen, daß er Dora Burton lieb, gewonnen. Aber ach, die Umstände -lagen derart un­günstig für ihn, daß sie ihm völlig unerreichbar war Das sah er grausam unb deutlich ein.

Ein Klopfen an der Tür störte ihn in seinen Ge- dankengangen. Der Diener erschien und meldete eine Dame.

„Eine Dame? Wer? Kennen Sie die Dame?" ^Ja, sie ist vor einigen Tagen schon hier gewesen." Roger fprang auf.

„Unmöglich!" ries er aus, denn er dachte sofort an Dora Burton. Mit Rücksicht auf die Anwesenheit des ruhigem Ton- “ rasch wieder und befahl in

„Lassen Sie die Dame eintreten."

®,r fetzte sich an feinen Schreibtisch. Er wollte und mußte Haltung zeigen. Aber es war ihm, als schlüge chm das Herz in der Kehle, und nur schwer gelang es tbm, ferne Erregung zu meistern.

fch*E er sich selbst. „Ich bin wirklich ein rltebter Tor. Ha, ha, der kaltblütige Rechtsanwalt kann sich nur mit Mühe beherrschen!"

Als nach ein paar Minuten die Besucherin auf der rth t, erschien, mochte seine Gesichtsfarbe wohl etwas lebhafter fein, der Schlag feiner Pulse etwas rascher — äußerlich aber war nichts zu bemerken, der kaltblütige Rechtsanwalt hatte sich vollkommen in der Gewalt, wenngleich ihm das Herz höher schlug, als er sich tat­sächlich Dora gegenüber sah.

Freundlich grüßend ging er ihr ein paar Schritte ent­gegen unb bot ihr einen Sessel an.

„Nun, was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches, Fräulein Burton?" fragte er höflich.

»Herr Doktor," antwortete sie. „Ich komme, um Sie um eine Aufklärung zu bitten."

..Ich stehe ganz zu Ihrer Verfügung. Bitte, nur Ihren Wunsch auszusprechen."

„Sie sind mit dem Detektiv Rosch befreundet, nicht wahr?"

„Gewiß."

„Seinetwegen wollte ich mit Ihnen sprechen. Ich bin besorgt um ihn . . ,*

„Besorgt um ihn? Wie meinen Sie das, Fräulein Burton?"

„Ich fürchte, es ist ihm ein Unglück zugestoßen." „Ein Unglück Und weshalb fürchten Sie das?" „Er hätte gestern abend zu uns kommen sollen. Wir haben jedoch umsonst auf ihn gewartet. "

„D, deshalb . . ."

»Hch weiß, was Sie sagen wollen," unterbrach sie ihn. „Er kann verhindert gewesen sein. Aber er hatte uns ganz sicher zugesagt."

Aus Doras Worten erklang ernstliche Bekümmerung und Roger fühlte sich unangenehm berührt, er mochte wollen ober nicht. Wieso war sie so ängstlich besorgt um feinen Freund Rosch? Er stand ja doch nur vor- übergehend in ihren Diensten, führte eine Angelegen- beit, die sie ihm übertragen hatte, weiter nichts War es nicht geradezu lächerlich, daß sie sich Sorgen um ihn machte?

„Fräulein Burton, sprach er ruhig, „Sie müssen ein» sehen, ein Mann wie Rosch weiß niemals im voraus, was die nächsten Stunden von ihm heischen. Nehmen Sie nur an, er hätte etwas gefunden, was ihn, auf öie rechte Spur zu weisen schiene. In diesem Fall folgt er dieser Spur wie, wenn ich mir den Vergleich er­lauben darf, ein Jagdhund, der Fährte, auf die er ge» betzi wird. Er läßt nicht locker, und auch unser Detektiv kann sich einer Abmachung wegen nicht ber Gefahr aus» fetze", die Spur wieber zu verlieren. Ich habe es schon erlebt, baß er zwei, drei Tage ausblieb. Taucht er dann plötzlich wieder auf, so ifts meistens nicht, ohne daß et etwas Bedeutungsvolles entdeckt hat. Es ist wirklich nicht die geringste Ursache vorhanden, sich über sein Ver­bleiben Gedanken ober Sorgen zu machen."

„Meinen Sie?"

„D, davon bin ich vollkommen überzeugt."

„Und was sagen Sie dazu?" fragte sie, indem sie dem Rechtsanwalt ein Briefchen überreichte, das sie ihrer Tasche entnommen hatte.

Er nahm das Briefchen entgegen und las es lang» am durch. Als er damit zu Ende mar, zuckte er die Achseln.

„Kennen Sie den Schreiber ober bie Schreiberin?"

-Rein." (Forts, folgt.)