Fuldaer Zeitung
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II rHAMlnnwIl IIIaULa!^ Sonntag, 11. Nov. nachm. 2.30 Uhr Verbandsspiel der II. Bezirksklasse UUMb
I WMI waieim F. V. Schlüchtern-Cmm« IX Vorher Jugendspiele. | W
Heute bin ich so recht aufgelegt zum Plaudern, eben weil ich die Hornbrille nicht sehe. Denk dir, in einer Stadt war eine schmale Straße, durch die aber doch immer die Autos fuhren. Auf die schmale Straße aber sprang eine breite Treppe vor, die nur einen kleinen Steg für die Vorübergehenden freiließ. Jedermann sagte, daß hier einmal ein Unglück geschehen müsse. Am Ende ist sogar der Stadtbaurat vorbeigegangen und hat das auch gedacht. Vielleicht sogar der Bürgermeister. Jeder-
Liedes Publikum, du bist entlarvt. Ich bin hinter deine intimsten Geheimnisse gekommen. Ich weiß genau, wie ich dich hinfort behandeln muß. So tiefe Achtung hatte ich vor dir! Wie wirst du, so fragte ich mich oft, mit deiner Weisheit vor den Damen und Herren bestehen, die verurteilt sind, deine Plaudereien zu lesen. So manche davon haben eine dicke Hornbrille auf, und die Stirnfalten der Gescheitheit ziehen sich quer über ihr intelligentes Gesicht. Jetzt kenne ich dich, und weißt du, wer mich sehend gemacht hat? Ich will es dir sagen, es war der blinde Passagier. Hand aufs Herz, er hat dich wenigstens einen Augenblick mehr interessiert, als der Dr. Eckener und sein Ozeanflug. Ist es nicht so? Du hast vielleicht über die Sensationslust der Menschen gewettert, aber gelesen hast du's doch. Du hättest deine Zeitung aufbestellt, wenn sie dir nichts vom blinden Passagier erzählt hätte. Ich mache dir keine Vorwürfe. Ich blinzle nur zu dir hinüber, weil ich nun weiß, daß du gerade so naiv bist wie ich auch. Ach, wenn unsere Zivilisation doch noch erlaubte, Menschen zu sein! Ich sage dir, im Augenblick ginge mancher Professor statt ins Kolleg auf den Hühnerhof und fütterte die Küken. Er schaffte dann wenigstens eierlegende Hennen und wohl- krähende Hähne und nicht das Allzuviel von Studenten. die später als akademisches Proletariat die Führung des nichtakademischen übernehmen werden. Es schrieben die Herren, die jetzt den Neubau des Reiches besorgen, am Ende keine langen Abhandlungen und betrachteten sich nur den Baum, ber in jeder Zelle noch selbständig ist und dennoch einheitlich regiert wird.
menschliches Verständnis, für das andere Achtung und nehmen sie als deutsche Tradition mit in den neuen Staat. Dieser Staat, die deutsche Republik, ist so legitim, wie es nur ein Staat sein kann. Ihm gehört unser Lehen und Wirken, und ihn tragen wir mit Herz und Hand in eine glückhafte deutsche Zukunft.
mann sagte das, aber die breite Treppe sprang unentwegt weiter in die schmale Gasse. Bis eines Tages eine Frau dort halb zu Tode gequetscht wurde. Da steckten sie denn alle die Köpfe zusammen, und es beschlossen der Bürgermeister, der Baurat und ich weiß nicht wieviel Stadtväter höchst weisheitsvoll, daß nun die Treppe entfernt werden müßte. Das kommt davon, wenn man nur denkt, wenn man Bücher liest, und wenn man das Leben betrachtet. Was lagt ein Mensch schon allein dadurch, daß er die Nase hoch trägt oder einen wiegenden Gang hat oder einen geschmackvollen Hut oder ein Doppelkinn! Der eine geht, der andere watschelt, ein dritter kriecht, ein vierter rennt, und nichts von alledem kommt von ungefähr. Nein, was sind die Menschen interessant! Schau dir diesen braven Mann an, der seit gestern Vorstand des Schützenvereins geworden ist! Betrachte dieses Fräulein, das soeben eine gute Partie gemacht hat! Sieh dir einmal geruhsam eine Gesellschaft an, wie sie ißt und trinkt!
Er reichte dem Detektiv flüchtig die Hand und fuhr int nächsten Augenblick mit dem Rad davon. Der Junge schickte sich an, den Heimweg einzuschlagen. Der Detektiv um von hielt ihn zurück und meinte:
"Nein, nein. Ist etwas geschehen?"
»Ja, nichts weiter, aber sie wollen unbedingt noch mit mir sprechen, ehe mein Zug fährt, und da habe ich keinen Augenblick zu verlieren.
sagte sie und schrieb das Briefchen, das ich gebrach' habe."
Der Junge nickte zu seinen eigenen Worten. Er fühlte sich offenbar geschmeichelt, daß seine Botschaft so wichtig gewesen war. Und er merkte gar nicht, wie geschickt ihn der Detektiv aushorchte.
»Da ist es nur ein Glück, daß Sie uns so rasch ge funden haben. Sind Sie bei den van Beekum in der Arbeit?"
„Ich? Nein. Ich bin auf dem Eichenhof."
„Auf dem Eichenhof. Wo ist das?"
Der Junge schaute verwundert auf. Daß jemand den Eichenhof nicht kannte'. . .
„O, ich dachte, Sie kennen sich hier aus," sagte er.
„Nein, ich kenne mich hier gar nicht aus. Ich bin heute zum erstenmal hier. Ich kenne also den Eichenhos nicht. Das ist wohl ein schönes Gehöft?"
„Ein Gehöft? Nun, ja, eine Meierei ist natürlich auch dabei. Aber Eichenhof ist ein Schloß."
„Zum Neixel, ich wußte gar nicht, daß cs hier ein Schloß gibt."
„Nun ja, es ist früher ein Schloß gewesen Heute ist es eigentlich ein Herrenhaus, aber groß und altertümlich. Früher ist es viel größer gewesen. Das sieht man an den Mauern im Hof, die zum Teil noch erhalten sind."
„So? Das Schloß möchteich doch gerne auch einmal sehen. Geht bas?"
„Sie können ja um dasselbe herumgehen."
„Ja, natürlich, und das werde ich auch tun. Aber o ein altes Gebäude ist meist innen sehr interessant. Könnte ich es von innen nicht auch sehen?"
„Das wird nicht leicht gehen. Die alte Dame, die da wohnt ,hat das nicht sehr gerne, müssen Sie wissen."
„So, eine Dame wohnt auf dem Eichenhof?"
»Was glaubtn Sie denn?" fragte der Junge, als verkünde sich dies von selbst.
„Ja, ja, natürlich. Mir scheint mein Freund hist chon einmal davon gesprochen."
„Kennt er sie denn?"
»Ja, das heißt, er ist sehr befreundet mit Herrn Franz van Beekum, und dieser wird ihm wohl von ihr erzählt haben." (^ortf. folgt.)
I ihnen Gebrauch zu machen. Daran hatte er überhaupt nicht gedacht. Aber er war ja doch der Rechtsanwalt der Gegenpartei, und wenn dies schon seinen Freund zu einer gewissen Zurückhaltung verpflichtete, so mußte er erst recht einsehen, daß Dora Burton ihn als eigentlichen Gegner betrachten mußte. Das machte ihn verdrießlich, denn er mochte sich tausendmal sagen, daß Fräulein Burton für ihn doch nicht in betracht komme, seine alte Freundschaft mit Franz van Beekum müsse schwerer in die Wagschale fallen als die Zuneigung, die er seit ein paar Tagen zu dem Mädchen fühlte — diese verstandesmäßigen Überlegungen halfen ihm nichts. Er fühlte, das Herz zog ihn zu Dora, und er würde sich glücklich schätzen, etwas für sie tun zu können. Cs war ihm darum schmerzlich, zu hören, daß sie ihn fast als Feind betrachtete.
Schweigend schritt er eine Weile neben seinem Freund hin, der ihn bisweilen von der Seite betrachtete und dann ein fast unmerkliches Lächeln um feine Lippen zeigte.
Er wollte eben den Freund ein wenig necken, als ein Junge auf einem Rad dahersauste. Knapp vor den beiden Herrn sprang er ab, tippte an die Mütze und Überreichte dem Rechtsanwalt ein Briefchen.
„Sie möchten es gleich lesen, Herr Doktor."
Aber seid sicher, die Männer mürben euch mehr schätzen, wenn ihr euch etwas kostbarer machtet. Mir tuts hauptsächlich wegen der Jugend leid. So ein junger Mensch, er ist halt nicht ein reiner Geist. Neulich sagte doch ein Lustmörder, wie er einfach gewissen Reizen der Mode nicht habe widerstehen können. Und er wird verführt. Wie dankbar hat jener junge Mann mich angeschaut, weil ich der zufällige Anlaß war, der ihn rettete. Dabei sah die Blondine bet der dämmerigen Lampenbeleuchtung geradezu magisch aus. Wie die lauterste Unschuld. Dergleichen kann nur von den Frauen und Fräulein selber wieder in Ordnung gebracht werden. Es sollte doch eigentlich nicht sein, daß Mädchen aus guter Familie abends allein gehen ohne eine wirklich ritterliche Begleitung.
Halt, da ist noch ein Brief von einem Sozialisten vom Niederrhein. Er meint, ich täte den Sozialisten Unrecht, weil ich ihnen die Religion abspreche. Er schreibt: „Religion ist doch die Beschäftigung des menschlichen Geistes mit dem Usbernatürlichen, und zwar hauptsächlich mit Bezug auf das Leben nach dem Tode!" Das ist ja nun nicht richtig, denn auch der Gotteslästerer beschäftigt sich mit Gott. Zur Religion gehört vor allem die Anerkennung des persönlichen Schöpfers der Welt. Nun will ich gern unterscheiden. Es gibt Sozialisten, die glauben, sie könnten ihren So» zialismus mit der christlichen > Religion vereinen. Sie sagen dann wie dieser mein Briefschreiber: „Sozialismus und Christentum sind fast eins." Dabei vergessen sie, daß die gewaltig anschwellende Freidenkerbewegung sich ausdrücklich als „Zweig der großen sozialistischen Gesamtbewegung" betrachtet. Warum nennt sich denn eine kleine Gruppe „Religiöse Sozialisten", wenn der Sozialismus in feiner Allgemeinheit religiös ist? Er meint, ich unterscheide nicht zwischen Kommunismus und So- zialismus. Lieber Freund, beruhigen Sie sich. Einmal macht Lenin diesen -Unterschied auch nicht uni nennt die Sozialisten von heute Verräter am Sozialismus. Ferner hat der Sozialismus nach wie vor den Klassenkampf auf seine Fahne geschrieben, der naturnotwendig zum Barrikadenkampf führt, weshalb wir denn auch die unterschiedlichsten Spielarten von Sozialismus haben, vom fast verbürgerlichten derer, die es zu Wohlstand gebracht, bis zum proletarischen jener, die wie die Wiener halbe Kommunisten sind. Der Brieffchreiber fragt: „Hat der Sozialismus überhaupt etwas mit brutaler Gewalt zu tun?" Ich rate dem Herrn, einmal mit einem katholischen Taufschein nach Wien zu gehen und eine Stelle zu suchen. Er wird verhungern, solange er nicht seinen Namen in die Parteilisten eingeschrieben hat. Das Beispiel zeigt mir aber rote« der, daß die Menschen viel besser sind als ihre Sp- • fteme, denn dieser Sozialist, der mir da schreibt, ist in Wirklichkeit gar keiner.
Sei also kein Mensch, der spekuliert. Sag heute jedem Kindlein froh und frisch Guten Tag. Und bann: Winke, winke . . . Das Leben ist schön, langweilig sind nur die Zentralen . . .
Der Mann im Monde.
Blondine schauen. „Na" sage ich draußen, ,,o» hab ich Ihnen ja auch noch zum rechten Zug verhalfen." „Ja, ja," sagt er etwas trocken, steigt aber bann mit mir in das gleiche Abteil des neuen Zuges. Wir sind in Nichtraucher, also nur Männer. Und was sagt er? „Ja", sagt er, „Sie haben mich heute sehr verpflichtet. Sie haben mich vor einer üblen Affäre bewahrt. Jene Blondine, nun ja," ufw. Und dann erzählt er mir von einer Tante, die viel für ihn betet. „Sehen Sie," sage ich, „wie mächtig eine betende Tante ist?" Und dann wird die Sache sehr ernst. Teure Leserinnen, ihr wißt gar nicht, wie gewissenlos manche eurer Freundinnen die Jagd auf junge Männer betreiben. Es ist zeitweise in allen Abteilen der Bahn das Tages- gefpräch. Ihr seid nicht dabei, ich weiß es wohl.
M 262.
Sonntag, den U« November 1928
* 3. Blatt.
Druck bet Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda
Und wie interessant sind die Zufälle des Lebens. Da sitze ich in einem Abteil. Es ist für Raucher und also gefüllt mit Damen. Plötzlich springe ich auf und sage, daß es ja der falsche Zug fei.
des Staats Zweckes, den Uebergang zu einer anderen Staatsform."
In diesem Geist der Verantwortlichkeit für das Gemeinwohl und das Volksganze, im Geiste des „schöpferischen Prinzips der Gemeinschaft" hat das Zentrum tatkräftig mitgebaut am neuen deutsch enStaat. Für alle Zeiten hat es das Verdienst, mit allen Kräften hingewirkt zu haben auf die Ueberwindung der Revolution und die Begründung neuer Gesetzlichkeit. Es hat großen Anteil daran, wenn dem 9. November ein 11. August folgte, an dem das Reich auf der Grundlage des Rechtes erneuert wurde. So ging das Zentrum, seinem eigenen Wesen treu und treu euch dem Geschick des Volkes, mit seiner „alten Fahne in die neue Zeit".
*
Unsere Einstellung zu den Geschehnissen des 9. November gestattet kein festliches Erinnern und führt daher auch zur scharfen Ablehnung des Gedankens, ihn als nationalen Feiertag zu begehen. Wir stimmen freilich auch nicht in den Chor derer ein, die das Schicksalhafte dieses Tages verkennen, immerzu nur von dem „Novemberverbrechen" reden und dabei vergessen, wie groß der schuldhafte Anteil des alten Staates an "ihm war. Denen, die ihn führten und den Schichten, die ihn beherrschten, fehlte es vor und in dem Kriege an jener klugen Weisheit, die den Sinn der Entwicklung begreift und jenes Maß fortschrittlichen Geistes bejaht, das das lebendige Wachsen eines Volkes verlangt. Was vor jenem 9. November lag, ob Schuld ober anerkennenswerte Leistung, gehört der Geschichte unseres Volkes an; wir haben daher für das eine
Einer gewissen Sorte von Gegnern des heutigen Staates widmet das „B. T." im Hinblick auf Veröffentlichungen in der Berliner Rechtspresse folgende deutlichen Worte: Wenn in den Blättern, die jetzt über den Eidbruch, den Hochverrat und die Schändlichkeit der Revolution pathetisch oder sarkastisch sich äußerten und einen Gruß nach Doorn schickten, die Revolutionäre als „Lausbuben", „Pöbel", „Pack", „Drückeberger" und „Straßengesindel" bezeichnet werden, so muß doch schließlich auch der gläubigste Leser sich fragen, warum denn all die Leute, die jetzt auf Zeitungspapier und in Reden heldenhaft die Kaisertreue proklamieren, am neunten No - bember, statt sich um das „angestammte Herrscherhaus zu scharen", vor einem „Pöbechaufen" davongelaufen und in die Verborgenheit verschwunden sind. Es liegt mit dieser mannhaften und nur verspäteten Treue genau wie mit dem — bei vielen dieser Herrschaften ebenfalls verspäteten — Wunsche nach dem Kampf bis aufs Letzte und dem Leben und Sterben fürs Vaterland. Heute singt mancher das Lied von der Treue, der am neunten November sich ganz still verhielt, ebenso wie mancher heute ein tap - feier Frontkameräd ist, der vier Jahre lang ein Heimkrieger war.
„Da können wir ja miteinander gehen. Das war wohl eine dringende Botschaft?"
„Ja," antwortete der Junge," man sagte. mir, ich müsse den Herrn Doktor ganz sicher finden. Fräulein Lise war sehr nervös. Nun, das ist weiter kein Wunder in diffen Tagen," setzte er altklug hinzu.
„Fräulein Lise van Beekum meinen Sie? Ja, das ist freilich eine traurige Sache für die ganze Familie. Aber vielleicht geht es doch noch besser aus, als man jetzt ZU erwarten getraut. Und auf jeden Fall hat die Familie eine gute Stütze in meinem Freunde Doktor Roger."
„Doktor Roger? Rechtsanwalt" machte der Junge mit einem bedenklichen Gesicht. „Wenn man einen Rechtsanwalt braucht, ists meistens nicht am besten bestellt. Sehen Sie, wie ich so Hals über Kopf den Herrn Doktor holen mußte, hatte ich das Gefühl, wie wenn man in höchster Eile einen Arzt holen muß, wenn ein Unglück geschehen ist."
- 66 wirb doch nichts Besonderes geschehen sein,
„Nun, das weiß ich gerade nicht."
„Einbildung, junger Freund. Was soll denn Besonderes geschehen sein? Frau van Beekum, der junge Herr und die jungen Damen sind zu Hause. Sie zigen sich natürlich nicht gerne, das ist leicht begreiflich. Und Herr van Beekum selbst ist gewiß schon weit fort. Oder hat er vielleicht telegraphiert oder geschrieben? Das wäre natürlich möglich, aber deswegen brauchte man Herrn Roger nicht in solcher Eile zu holen. Herr Roger ist ein liebenswürdiger, dienstbereiter Mann. Jedenfalls haben die Damen etwas vergessen, und er bemüht sich natürlich, ihnen in jeder Weise entgegenzukommen, besonders tn ihrer jetzigen unglücklichen Sage."
Der Junge schüttelte den Kopf.
„Wenn Sie sie gesehen hätten, würden Sie auch meinen, daß etwas Wichtiges geschehen sein muß. Sie waren so nervös."
„Fräulein Lise?"
Rund um die Woche.
Der blinde Passagier. — Die verhängnisvolle Treppe. — Die Damen im Raucherabteil. Antwort an einen Sozialisten.
wie wird das Wetter?
Starkem Druckfall über Nordeuropa steht stetiger Luft druckanstieg über dem Kontinent entgegen. Das füdöst- liche Tiefdruckgebiet, das zur Zeit unferm Bezirk noch Regen bringt, wird sich schnell auffüllen, sodaß Nieder- schlüge und Bewölkung bald Nachlassen werden. Die Zufuhr kalter und polarer Luftmassen ist vorläufig zwar abgeschnitten, doch tritt infolge nächtlicher Ausstrahlung erneut Nachtfrostgefahr ein.
Witterungsaussichten für Sonntag: Nach kalter Nacht meist heiter, geringe Wärmezunahme, nach Westen drehende Winde.
Gchillerhorst.
Eine geheimnisvolle Geschichte von Wilhelm Holt 9s "
„3n diesem Fall sollte man doch eher annebmen daß sie die Geschichte nicht auf die Spitze treiben wollte' Wenn sie einander lieben, sollte sie, möchte man w- nen .nicht alles daran setzen, daß sein Vater Dcrurteilt würde und er als Sohn des Mörders ihres £)nM= > stünde." 5 Ba=
„Das habe ich auch schon bedacht, aber ein grQuen. herz ist ein unergründliches Rätsel. Ich weiß jedenfalls, was ich zu tun habe. Aber hör einmal, wenn Fräulein Burton mich in deiner Gesellschaft sieht, denkt fie vielleicht, ich mache mit dem Feind gemeinsame Sache?" fügte der Detektiv lachend hinzu.
„=ie betrachtet mich also als ihren Feind?" fragte
„Also erzähle wie weit bist du damit? Was für Einzelheiten hast du entdeckt?"
„Oho," antwortete der Detektiv, „wir sind zwar Freunde und ich weiß auch „och von früher her, daß dich solche Dmge interessieren. Aber über diese Angelegenheit kann ,ch doch nicht mit dir reden, sonst könnte Mich Fraulem Burton immerhin in gewissem Sinn des
5hel^ra Senn,bu bist in der Tat der Rechtsvertreter der Gegenpartei.
r^w°rt berührte Roger unangenehm, gerade er bXfIT1 ^2 fein Freund recht hatte.
■ r hatte zwar nicht nach Einzelheiten gefragt
„Nun ja, ein bißchen schon. Du verteidigst die Gelange der van Beekum. Das hast du ihr ja selbst ge- pft uni) sie gönnt dir keinen Erfolg."
&s.nn ^e Familie?" fragte der Rechtsanwalt „Es scheint mir, die junge Dame ist, so lieb und schon sie auch aussehen mag, außergewöhnlich rach- suchtig. Die Familie van Beekum ist doch auch wirklich sehr zu bedauern." . m m „
Der Detektiv n.,. , | Roger riß den Umschag auf. Kaum hatte er ein paar
6k ift mir auTein , I Worte gelesen, als er erschrocken zurückfuhr. Seinem
bin nickt da um ' gestand er, »aber ich I Freunde entging die Bewegung nicht. Eilig überflog
um den Schleier zu rüften^h» 3“r ^rätseln sondern I Roger die wenigen Zeilen und sprach dann zu dem Jun- Sache liegü" 3 Iuften' ber Uber der rätselhaften gen, der die Botschaft überbracht hatte:
1 »Sie können wohl den Weg zurück zu Fuß machen und mj röas Rad überlassen?"
Junge machte keine Schwierigkeiten.
»Sei mir nicht bös, daß ich dich allein lasse, lieber Freund."
„Ja, und der junge Herr auch. Er lief händeringend im Gang hin und her. Aber Fräulein Lise sagte es müsse gleich Herr Roger verständigt werden Ich hörte wie Herr Franz sagte, er wollte selbst gehen Aber das Fräulein wollte das nicht. „Das kann nur er tun"
hört ein junger Mann, ber auch aussteigt. Ich sehe ihn noch gerade etwas wehmütig auf eine
Zum 9. November schreibt das führende Zentrumsblatt, die „Germania"' , ...... _.
w 2-ntrumspartel hat diese Tragödie de« Novembers 1918 nicht gewollt und alle Bestrebungen mißbilligt, die sie mit herbeigeführt haben Sie hat sich aber andererseits, als die ver- hänanisooHe Entwicklung ihren Lauf genommen hatte und nicht mehr auszuhalten war, mit aller Kraft und in vorderster Linie für die Wiederherstellung einer gesetzmäßigen Staatsordnung eingesetzt. Sie hat den neuen Staat mitgeschaffen und war zu dieser Selbsthilfe dem von den früheren Trägern des Staates verlassenen Volksganzen gegenüber in tiefstem Gewissen verpflichtet. Die Aufgabe, vor der sie stand, war nicht mehr eine irgendwie geartete Wiederherstellung des früheren Zustandes; solche Gedanken lagen bereits weit hinter jeder Möglichkeit praktischer Erörterung. Die Frage, um die es ging, war die, ob es gelinaen würde, gegenüber dem bolschewistischen Chaos eine staatliche Ordnung im europäischen Sinne durchzusetzen, und diese'Frage hat das Zentrum, im vollen Bewußtsein seiner Verantwortung, für die demokratische Republik entschieden. Diese Auffassung hat der frühere Zentrumsführer Gröber in seiner ersten Rede in der Nationalversammlung zum Ausdruck gebracht, indem er sagte: „Meine politischen Freunde und ich stellen uns nach allem was geschehen ist, auf den Boden der gegebenen, vollendeten Tatsachen und ziehen daraus die Konsequenz. Wir tun das, weil mir in der demokratischen Republik die einzige Möglichkeit erblicken, aus dem Chaos der Revolution herauszukommen. Wir müssen wieder zu geordneten rechtmäßigen Zuständen gelangen, mir müssen verhüten, daß sich eine Entmicklung entfaltet, die zur sozialistischen Republik führen mußte."
Diese Erklärung des Zentrumsführers folgt in wundervoller Uebereinftimmung den Ratschlägen, die Papst Leo XIII. seinerzeit den französischen Katholiken gab, denen er vorhielt, daß das G c« meinwohl der Gemeinschaft jedem anderen Interesse vorgehe; „denn dieses ist das schöpferische Prinzip, die erhaltende Grundkraft der menschlichen Gemeinschaft". Mit diesem „schöpferischen Prinzip" rechtfertigte Papst Leo XIII. die Schaffung und den Bestand neuer Regierungen zur Ue- berwlndung einer gesellschaftlichen Notlage und begründete dies mit folgenden Worten: „Denn bei der Voraussetzung, von der mir ausgingen, sind diese neuen Regierung unbedingt gefordert durch die öffentliche Ordnung, da diese ohne eine Regierung schlechthin unmöglich ist . . . Sobald darum diele neuen Regierungen sicb konstituiert haben, ist deren Anerkennung nicht nur erlaubt, sondern geboten, geboten nämlich durch die gebieterische Notmendigkeit des gesellschaftlichen Wob les, das fie geschaffen hat und erhält. Das ailt um so wehr, als die Erhebung miber sie den Haß unter den Bürgern schürt, Bürgerkriege hervorrust und die Nation in das Chaos der Anarchie zurück- werfen kann." In Anwendung dieser Gedanken auf den deutschen Umsturz sagt auch Prälat Dr. Mausbach (Kulturfragen Seite 22), der in jener Zeit die politischen Entscheidungen des Zentrums gerade von der weltanschaulichen Seite ber füh- ■ renb beeinflussen konnte, daß im deutschen Vo'ke ohne Widerspruch von irgendeiner Seite die Wahl gur Nationalversammlung überall als eine sittliche Notwendigkeit anerkannt worden fei sie sei das einzige Mittel gewesen, das deutsche Volk vor Zerrüttung und Untergang zu retten „Derselbe Gesichtspunkt", so fährt er fort, „mußte dann auch für die Wahl der Staatsform maßgebend sein. Aus dem Ergebnis der Wahlen aus der Haltung der Parteien, aus der wachsenden (Stimmung und Spannug in den Volksmassen er= ktzab sich für jeden ernsten Beobachter die Erkenntnis, daß der Versuch einer Wiederaufrichtung der Monarchie zu schrecklichen Bürgerkriegen und zur Zertrümmerung der nationalen, wirtschaftlichen und kulturellen Einheit führen werde. Daher fcr» foerte jenes sozialethische Grundgesetz, die Rettung