Nr. 260.
Fuldaer Zeitung (amtliches nretsblatt).
Freitag. 9 November 1928.
L
Sine richtige Reparatur
Der heutigen Nummer
ist die Unterhaltungsbeilage „Die Welt im Bild' beigefügt.
Loden-Mäntel . . . ,
Gummi-Mäntel . . . ,
Lodert-Jonpen, gefüttert Wind-Jacken . . . .
Sport-Hosen . . . .
Dienst zu verleiben, bis der Anlaß dazu behoben ist-
Versteigerungsergebnis.
Auf das Grundstück mit Wohnhaus Nr. 31 in der Kronhofstraße, bebaute Hofräume, Hausgärten und dergleichen gab bei der Versteigerung die Stadt Fulda mit 5000 Mark das Höchstgebot ab. Mitzuübernehmen sind an Goldmarkhypotheken 3073,20 Mark. Das bar zu zahlende geringste Gebot mit beit Kosten des Verfahrens, Zinsen uiro. beträgt 969,90 Mark. Der Zuschlag soll am 19. November erfolgem___________
— Die Gaskoch-vorträge im Stadtsaal. Der gestrige Gaskoch-Vortrag im großen Stadtsaal war von
Markttage von der Vieh-Laderampe am hiesigen Bahnhof erfolgt über die Straßenecke Kurfürstenstraße Zieherserweg nach der Straße „Am Viehmarkt" und von da unmittelbar nach den einzelnen Stallungen in der Stadt. Der Auftrieb des Viehes zum Markt am Markttage selbst beginnt um 7% Uhr und muß um 9 Uhr beendet ?€tn. Hierbei ist das nichtuntersuchte Vieh durch die Schloßstraße, das voruntersuchte Vieh durch die Lindenstraße aufzutreiben. Im Interesse der ungehinderten Abwicklung des Marktverkehrs rmrd die Bevölkerung ersucht, auf die vorstehenden Verhältnisse Rücksicht zu nehmen.
Unpfändbarkeit der Schreibmaschine.
Die Frage, was bei der Pfändung für den Schuldner als unentbehrlich zur Ausübung feines Berufes angesehen werden muß, ist meistens umstritten. Bei einer oorgenommenen Pfändung behauptete ein Rechtsbeistand, seine einzige Schreib- maschine sei zur Ausübung seines Berufes notwendig und unentbehrlich. Er sei nervenleidend und könne nicht längere Zeit mit der Hand schreiben. Das Kammergericht hat dieser Auffassung Recht gegeben und sah es als erwiesen an, daß die ge- pfändete Schreibmaschine für den Schuldner nach der Art seines Berufes zur Fortsetzung seiner Erwerbstätigkeit unentbehrlich sei.
Falsche Funfmarkstücke.
Seit geraumer Zeit werden in Frankfurt und seiner weiteren Umgebung gut nachgeahmte Fünfmarkstücke in recht erheblichen Mengen verausgabt. Der Kern der Falschstücke besteht aus Silber. Die versilberte Deckauflage ist aber so dünn, daß schon nach kurzem Gebrauch unter der weißen Mefallhaut das rote Kupfer hindurchschimmert. Bei genauer Nachprüfung stellt es sich dann heraus, daß die Schrift und der Baum auf der Reversseite leicht verschwommen sind. Obwohl vor einiger Zeit in einem Dorfe bei Hanau ein Brüderpaar unter dem dringenden Verdacht der Beihilfe an den Fälschungen verhaftet wurde, scheint die Werkstätle doch noch im Betriebe zu sein, weil fortgesetzt ganz neue Stücke in den Verkehr gebracht werden. In verschiedenen Fällen haben sogar behördliche Kas- senstellen sich bei der Annahme der falschen Füns- markstücke täuschen lassen.
Hilfeleistung der Reichspost bei EisenhahnunfSllen.
Wie die Deutsche Beamtenbund-Korrespondenz mitteilt, sollen nach einer den Oberpostdirektionen zugegangenen Verfügung' des Rsichspostministe- riums bei Eisenbahnunfällen auf Anforderung der Reichsbahn die verfügbaren Personen- und Lastkraftwagen nebst Führern zur Heranbringung von .Helfern und Hilfsmitteln an die Unfallstelle zur Verfügung gestellt werden. Aber auch sonst müssen bei Bekanntwerden von Eisenbahnunfällen die in der Nähe der Unfallstelle vorhandenen Verkehrs- anstaltsn schnell und hilfsbereit eingreifen. Die Eisenbahndienststellen sind von ihrer Behörde verständigt worden, daß sie bei einem Unfall unverzüglich die nächste erreichbare Derkehrsanstalt zu benachrichtigen haben. Diese hat die Nachricht so schnell wie möglich an die Anstalten weiter zu geben, die bei der Hilfeleistung in erster Linie mit- zuwirken haben (Post- oder Telegraphenanstalt, Fernsprechvermittlungsstelle ufro.). Auf diese Nachricht sind die Aerzte, Krankenhäuser, Feuerwehr usw. sogleich zu verständigen und verfügbare Kraftwagen unverzüglich zur Unfallstelle abzusenden. Für die Hilfeleistung im Telegraphen- und Fern- svrechverkehr kommt u. a. die Entsendung eines Beamten mittelst Kraftwagen nach der Unfallmeldestelle tn Betracht, der möglichst einen Streif en = fernsprecher mitzunehmen hat. Der Be- amte hat für den schnellen Abfluß des Eisenbahn- dtenstverkehrs sowie des Verkehrs der Reifenden und der Presse auf den Delegraphenleitungen zu sorgen. Er hat nötigenfalls besondere Leitungsverbindungen, namentlich wenn irgend möglich eine unmittelbare Sprechverbindung mit der zuständigen Reichsbahndirektion bereitstellen zu lassen. Alle beteiligten Verkehrsanstalten haben solange im
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2M0 an
16.50 an
15.00 an
9,50 an
8.70 an
etwa 700 Hausfrauen besucht, ein erfreuliches Zeichen für das steigende ;Jnteresse, das der Verwendung des Gases zu Kochzwecken entgegen gebracht wird. Heute abend findet der letzte Vortrag statt. Der Eintritt ist bekanntlich frei. Näheres siehe im Anzeigenteil.
— Ehemalige Ser „IBtebe“. Alle ehern. Angehörigen des 9. Jnf.-Regts. in Würzburg seien auf die 2Sjährige Gründungsfeier der „Ehem. 9er Wrede" in Frankfurt a. M. aufmerksam gemacht. Sie findet am 16. und 17. Februar 1929 in Frankfurt a. M. statt. ,
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Eine öreiWhige StMerocdneten-SitzW.
Die wohifahrtrordnung endgültig angenommen. — Erwerb der Ziegler'schen Fabrik und Ausbau derselben als verussschule. — Städtisches Wohlfahrtsamt und ausgesteuerte Erwerbslose. — Pflichtarbeit und wirtschastsbeihilse
Fulda, den 8 November 1928.
Zur Arbeitslosenunterstützung.
Die Bedürftigkeil bei der Krisenunterstühung.
Der Reicksarbeitsminister hat durch eine Verordnung vom 6. Nov. d. Js., die in den nächsten Tagen im Reichsgesetzblatt veröffentlicht wird und a m 19 N o v e m b e r in Kraft tritt, die Vorschriften über die Vedürftigkeitsprüfung bei der Krisenunterstützung wesentlich zugunsten der Arbeitslosen gemildert. Die Krisenunterstützung wird bekanntlich gekürzt oder fällt ganz weg, wenn sie zusammen mit anderen Einnahmen des Arbeitslosen — abgesehen von einigen ausdrücklich ausgenom- menen Bezügen — einen bestimmten Betrag, die „Freigrenze", übersteigen würde.
Dabei werden Einkommen der Ehegatten und der Eltern, Voreltern und Abkömmlinge des Arbeitslosen, die mit ihm im gleichen Haushalt leben, wie Einnahmen der Arbeitslosen behandelt. Für jeden dieser Angehörigen — gleichviel ob sie Ein- nahmen haben oder nicht — und außerdem für Geschwister des Arbeitslosen, die zum Haushalt gehören und ohne eigene Einnahmen sind, wird aber die Freigrenze b e r a u f g e s e tz t, bisher um je 15 v. H. des Einheitslohnes des Arbeitslosen. Dieser Satz erhöht sich künftig von 15. v. H. auf tt° « Ln *?er Lohnklasse I, 40 v. H. in der Klasse
°. H. m der Klasse in, 30 v. H. in der Klasse n '25 n H tn den Klassen V und VI, 22 v. H. er «Cr vn e X11 unö .20 v. H in der obersten , . ' ■ ferner sind Krankengeld und Ar-
beitslosenumerstützung, die Angehörigen beziehen, wie schon bisher ihr Arbeitsverdienst, nur noch mit • r «rr'te aIs Einkommen anzurechnen. Ge- -«fle.r^.ufro^nb6entfd>äl,i9un9en für die Ausübung öffentlicher Ehrenämter, die durch die Mehrkosten aufgezehrt werden, ferner Uebergangsrente auf» grunb der Verordnung über die Ausdehnung der llnfallverncoerung auf gewerbliche Berufskrankhei- . " . JMegezulagen aus der Unfallversicherung
zablen kunftia zu den Bezügen, die bei der Feststellung der Einnahmen des Arbeitslosen und feiner Angehörigen ganz außer Betracht bleiben.
Perfonennachrichken.
Versetzt wurde der Oberpostsekretär R ü b e f a m von Fulda nach Büdingen (Oberhessen). — In den Ruhestand getreten ist der Oberpostme'ster Svilner in Homberg (Bez. Kassel). — Gestorben ist d-r Postdirektor a. D. Gies in Hersfeld.
Schulperfonennachrichten.
Ernannt wurde zum Rektor in Großauheim Kr. Hanau-Land, Lehrer Schädel aus Oberdorfelden, Kr. Hanau-Land: zum Konrektor: an der Mittelschule in Fritzlar Lehrer Lepper aus Spangenberg, Kr. Melsungen; zur Konrektorin: Lehrerin Hoffmann in Hanau. Endgültig angeltellt wurden die Lehrer: Heinemann in Hommershan- fen, Kr. Frankenberg, Bätzing in Kirchhain, Kraft 'n Meckbach, Kr. Hersfeld. Versetzt wurden die ^brer: Löwer von Helsa, Kr. Kassel-Land nach ® D ' 0 “ c 3 n f von Neustadt O-Schl. nach Gersfeld lRhön), Hinz non Mam- 5erg, Kr. Kirchhain, nach Hanau, Gollnik von Rom- merz, Kr. Fulda-Land, nach Dorfborn, Kr. Fulda- Land, die Lehrerin Lehmann, geb. Köppel- Schrvartz, von Berlin-Schöneberg nach Hersfeld — In den Ruhestand versetzt: Lehrer Mai in Salmün- ster, Kr. Schlüchtern, Rektor Schmidt in Kilianstädten, Landkr. Hanau, Konrektor Landau in Kas. fei. Entlassen auf Antrag: Lehrer Walden in Dorfborn, Kr. Fulda-Land.
Der nächste Mehmarkt.
Am 15. November 1928 findet hier ein Vieh- markt statt. Der Abtrieb des Vieltes am Dor-
Auf der Tagesordnung der gestrigen Stadtverordnetensitzung, die von 3 stündiger Dauer war, ftartb neben dem Entwurf einer Wohlfahrtsordnung, der Neuwahl der Schiedsmänner, der Festsetzung von Fliichtlinien vor allem die Vorlage über den Erwerb der Zieglerschen F a- b r i k, die als Berufsschule ausgebaut werden soll. Die Kosten des Erwerbs belaufen sich, wie bereits mitgefeilt wurde, auf 75 000 Mark, während der Umbau etwa 100 000 Mark erfordert. Das Projekt, dessen Einzelheiten noch in der Baukommission beraten werden sollen, fand die einstimmige Billigung des Hauses. Eine lange Debatte entfpann sich Über die Frage der Unterstützung der fog. Wohlfahrtsarbeiter, das heißt der aus der Erwerbslosenversicherung ausgeschiedenen und in die Fürsorge des städtischen Wohlfahrtsamtes übergegangenen Arbeitslosen. Von Seiten der Wohlfahrtsarbeiter lag eine Eingabe vor, in der u. o. die Abschaffung der 3tägigen Pflichtarbeit und eine generelle Wirt- schastsbeihilfe gefordert wurde. Sollten, so hieß es in dem betr. Schriftstück, die Forderungen nicht erfüllt werden, so „werde das Volk sprechen". Gemäßigter war ein von den sozialdemokrat. Stadtverordneten sowie dem parteilosen Stadtv. Pap- pert eingebrachter Antrag in derselben Angelegenheit. Sie erkannten die Pflichtarbeit als berechtigt an und verlangten nur möglichste Ueberführung in Notstandsarbeit sowie die Gewährung einer allgemeinen Beihilfe
Magistratsrat Br. Danzebr ink, als Leiter hes städtischen Wohlfahrtsamtes, nahm in längeren Ausführungen zu der Frage der Unterstützung der Wohlfahrtsarbeiter Stellung. In überzeugender Weise legte er dar, daß das Wohlfahrtsamt sich stets der hilfsbedürftigen Erwerbslosen mit besonderer Sorge angenommen habe und daß die in der Eingabe gemachten Vorwürfe absolut ungerechtfertigt seien. Er wies nach, daß die Unterstützungssätze des Wohlfahrtsamtes erheblich über der vom Arbeitsamt gezahlten, gesetzlich festumgrenzten Erwerbslosenunterstützung liegen und begründete die Einführung der Pflichtarbeit als eine im ureigensten Interesse der ausgesteuerten Erwerbslosen liegende Maßnahme. Für die Oeffentlichkeit sehr interessant war, was der Redner auf den Angriff eines sozialdemokratischen Stadtverordneten bezüglich der Akkordarbeit erwiderte. Es handelt sich hier um einen Fall, in dem drei jugendliche Wohlfahrtsarbeiter, weil sie nirgends zu gebrauchen waren, mit Holzzerkleinern beschäftigt wurden. Da die Leistungen außerordentlich zu wünschen übrig ließen, habe man unter Hinzuziehung eines Sachverständigen ein bestimmtes, sehr niedrig bemessenes Mindestguontum als Tagesleistung festgesetzt. Es sollte von den drei Arbeitern zusammen im Tage 1 Meter Holz gefügt und zerkleinert werden. Als aber das Bauamt die in 3 Tagen fertigge» «■■MBBeeeeewee sm« ■»■■■■■*
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Fernruf Nr. 623
stellte Holzmenge nachmessen ließ, sei es im Ganzen nur 1 Meter gewesen. Für diese Arbeit habe die Stadt 6 5 Mark bezahlen müssen. Derartige Zustande sind natürlich völlig unhaltbar. Es ist sehr bedauerlich, daß die zum größten Teil willigen und arbeitsamen Wohlfahrtsarbeiter, deren Leistungen der Redner gern anerkannte, sich durch solche Elemente derart in Mißkredit bringen lassen müssen. Es ist höchste Zeit, daß die Oeffentlichkeit einmal auf diese Dinge hin- gewiesen wird. Bezüglich der geforderten Wirt, fchaftsdeihilfe wurde von dem Wohlfahrtsamt und auch von der Versammlung die Ansicht vertreten, daß eine generelle Zuwendung nicht angängig sei, daß aber in jedem Einzelfall die Bedürftigkeit wohlwollend geprüft werden soll.
Im einzelnen nahm die Sitzung folgenden Verlauf:
Sitzungsbericht.
Nachdem die Sitzung um 5.10 Uhr von dem Vorsitzenden eröffnet worden war, berichtete Stadtverordneter Pros. Dr. Thielemann zunächst über den Entwurf einer Wohlfahrtsordnung der Stadt Fulda. Die Vorlage hat bereits früher das Ham beschäftigt. Der Referent teilt eine Reihe von Einwendungen mit, die seitens des Magistrates gegen die Fassung einzelner Paragraphen der seinerzeit angenommenen Wohlfahrtsordnung erhoben worden sind. Er empfiehlt der Versammlung, sich mit den Abänderungsvorschlägen einverstanden zu erklären und die Vorlage endgültig zu verabschieden. Entsprechend dem Vorschlag des Berichterstatters wird die Vorlage angenommen. Darauf wird die Iahresrechnung der Stadtkasse im Jahre 19,25 in der von dem Berichterstatter Stadtv. Dr. W e y m a r vorgetragenen Form festgestellt und dem Rechnungsführer Entlastung erteilt.
Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft den Erwerb der Zieglerschen Fabrik und die Bewilligung der
Mittel zum Ausbau als Berufsschule.
Wie Stadtverordneter Rechnungsdirektor g. D. W o h l- g e m u t h hierzu ausführt, trägt sich die Stadtverwaltung schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken, wegen der Ueberfüllung des Stadffchulbaues die brVrr darin untergebrachte Berufsschule in ein anderes Gebäude zu verlegen, um dadurch mehr Raum für die städtische katholische und evangelische Volksschule zu schaffen. (lieber die Einzelheiten des Projektes ist bereits gestern in der „Fuldaer Zeitung" berichtet worden. D. Red.) Auf eine Anfrage des Stadtv. Hoffmann erklärt Oberbürgermeister Dr. Antoni, daß das Projekt im Ein- vernehmen mit dem Berufsschuldirektor Ritzel ausgearbeitet worden fei. Die Einzelheiten sollen noch einer Besprechung in der Baukommission unter Hinzuziehung des Direktors Ritzel vorbehalten bleiben. Mit dem Umbau soll unverzüglich begonnen werden, sodaß das neue Berufsschulgebäude möglichst schon zum 1. Juni 1929 bezogen werden kann. Die Vorlage wird einstimmig angenommen.
Stadtverordneter Alster berichtet über einen Antrag auf Erteilung der Zustimmung zu einem Grund- st ü ck s t a u s ch mit Metzgermeister Veldung in der
Gchlllerhorst.
Eine geheimnisvolle Geschichte von Wilhelm Holt
7] ----------
„Das versteht sich von selbst."
„Für Fräulein Burton, nicht wahr?"
„Ja, Mann, natürlich."
„Und was ist mit Herrn van Beekum? Er ist doch auch bei dir gewesen, nicht?"
„Freilich ist er bei mir gewesen. Er hat mir alles berichtet, was er wußte. Eine böse Geschichte für ihn."
„Das mit seinem Vater meinst du?"
,Ia, und mit dem Mädchen "
„Mit welchem Mädchen? Du meinst doch nicht Fräulein Burton?"
„Natürlich meine ich sie. Das versteht sich doch von selbst. Weißt du, er liebt sie Ich glaube, die beiden hätten balb, Verlobung feiern sollen."
„Glaubst du?"
„O, ich dachte, du müßtest es auch bemerkt haben. Nun sind die Aussichten dafür allerdings schlecht."
„Freilich. Er ist arm, und der Name van Beekum hat seinen guten Klang auf jeden Fall verloren."
„Das wird schon so sein. Nur glaube ich ist Fräulein Burton ein Mädchen, dos einen Mann, den sie liebt, nicht einfach laufen läßt, weil sein Vater ein Verbrechen begangen hat. Schau, ich dachte mir so: ist Herr van Beekum wirklich unschuldig am Tode des Notars, so hat Franz die Sache noch immer nicht verpaßt. Erweist es sich aber, daß er der eMörder ihres Onkels und ist sie auch überzeugt davon, daß er der Täter ist, so hat er für seine Siebe nichts mehr zu hoffen."
Roger antwortete nicht gleich, sondern ging eine Weile schweigend neben seinem Freunde her. Schließlich aber fragte er bann boch:
„Glaubst bu wirklich, baß bie beiben einanber lieben?"
„3a, bas kannst du ruhig annehmen, hörst bu Aber wir zwei finb in der ganzen Angelegenheit eigentlich Gegner, weißt bu bas? Du hast für bie Familie van
Beekum Partei ergriffen, ich für Fräulein Burton. Jedenfalls habe ich die schönere Partei!" scherzte der Detektiv.
Vor. dem Polizeigebäube angekommen blieb er stehen.
„Seb wohl!" sagte er, bem Rechtsanwalt rasch bie Hanb reichenb. „Ich habe hier zu tun unb kann mich wirklich nicht länger aufhalten." Mit biesen Worten verschwanb er im Innern bes Bauwerks.
Als Arthur Roger von feinem Spaziergang nach Haufe zurückkehrte, fanb er, baß feine Saune sich nicht gebessert hatte.
3.
Vier Tage nach bem Tobe bes Notars Burton erteilte die Behörde die Erlaubnis, den Seichnam zu bestatten. Man konnte ohne Uebertreibung behaupten, daß ganz Schillerhorst an dem Begräbnis teilnahm. Ja, selbst weit aus der Umgebung her waren die Menschen gekommen, um der Trauerfeier beizuwohnen. Gewiß fanden sich unter ihnen auch solche, die auch bann gekommen wären, wenn der Notar unter weniger seltsamen Umständen den Tod gesunden hätte. Denn Burton war in dem Städtchen und weit über seine Grenzen hinaus angesehen und beliebt, und vor allem bie vielen Bauern, bereu Angelegenheit er oft besorgt unb benen er immer gerne mit Rat unb Tat beigeftanben war, hätten ihm unter allen Umstänben bie letzte Ehre erwiesen. Aber barü'ber hinaus noch war bie Teilnahme außergewöhnlich groß, da Hunberte allein die Neugierde hergetrieben hatte. Man wollte natürlich sehen, wer von den Angehörigen mit auf den Friedhof kam, wie sich die Verwandten benahmen. Man wollte boch wenigstens ein Enbchen von bem Drama, das allgemein solche Bestürzung hervorgerufen hatte, selbst mitmachen, und war es auch nur das Begräbnis des Opfers. Man hatte das Bedürfnis, mit anderen darüber zu sprechen, denn noch immer schwebte etwas Geheimnisvolles über dem Ereignis, und niemand wußte, welches der vielen Gerüchte, die durch die Stadt schwirrten, der Wahrheit entsprach ober ihr wenigstens am nächsten kam.
Die einen wußten nun ganz sicher, daß der Notar sich erschossen, weil er sein Vermögen durch unglückliche Spekulationen verloren hatte. Andere hatten es aus sicherer Quelle, daß der flüchtige Bankier van Beekum ihn getötet hatte aus Rache dafür, daß er feine Machenschaften aufgedeckt und ihn bei der Polizei angezeigt hatte. Wieder andere erzählten mit geheimnisvollem Getue, es stecke eine Siebesgeschichte hinter bem Ganzen. Unb so gingen noch allerlei Reben, nur wußte keiner bas Richtige.
Unter ben Zuschauern befand sich auch Doktor Roger. Wenn man dem Rechtsanwalt vorhergesagt hätte, er werde aus Neugierde an dem Begräbnis bes Notars Vurion teilnehmen, ben er überhaupt nicht gekannt hatte, hätte er über diese törichte Behauptung wohl herzlich gelacht.
Nichtsdestoweniger konnte man feststellen, daß im allgemeinen nur in aufrichtiger Teilnahme über den Verstorbenen gesprochen wurde. In ganz anderer Weise ließ man sich über van Beekum aus. Manch scheeler Blick traf die Fenster feiner Wohnung, an der die Blenden herabgelassen waren, und es war nicht überflüssig gewesen, daß der Bürgermeister den Auftrag gegeben hatte, einen Posten vor das Haus zu stellen. Ohne diese Vorsichtsmaßnahme hätte sich wohl der Unmut des einen oder anderen Enttäuschten gegen das Haus gekehrt. Eine große Anzahl von Bewohnern der Stadt hatten ihm Geld unb Wertpapiere anvertraut unb wußten nur allzusicher, baß sie bavon nie mehr etwas zu Gesicht bekamen.
Dor allem interessierte man sich, ob bie Frau des Notars an bem Begräbnis teilnehmen werbe. Zwar entsprach es in Schillerhorst durchaus der herrschenden Gepflogenheit, daß sich auch Frauen auf dem Friedhof einfanben. Frau Burton zog es jeboch vor sich nicht ben neugierigen Blicken auszusetzen unb hielt sich fern. Anbers bie Nichte des Verstorbenen. Es war gewiß nicht leicht für sie unb forderte große Selbstbeherrschung, da so äußerlich ruhig wenigstens am offenen Grab j des geliebten Onkels zu stehen. Sie trug natürlich tiefe [
Trauer unb war verschleiert, sodaß bie Neugierigen, bie sich an der Ergriffenheit anberer zu weiden pflegen, nicht auf ihre Rechnung tarnen. Denn glaubte man auch einen Augenblick bemerken zu können, daß das junge Mädchen wankte — es war, als der Sarg ins Grab gesenkt wurde —, so hielt sich Dora doch im allgemeinen tapfer unb gefaßt. Unb wischte auch ba unb bort in ben Reihen jemanb verstohlen eine Träne aus den Augen, man machte doch durchaus keine dramatische Szene mit. Darum fühlten sich wohl eine Anzahl Teilnehmer nicht wenig enttäuscht.
Er hatte wahrlich anderes zu tun, als um einer Sache willen, die nicht durchaus fein mußte, einen ganzen Vormittag zu verlieren. Und daß dies hätte fein müs- fen, konnte doch niemand behaupten. Es machte auch den Eindruck, als wollte er nicht gesehen werden. Jedenfalls hielt er sich ganz bescheiden abseits Die wenigen kurzen Grabreden und die pächtigen Kränze interessierten ihn offenbar nicht. Er schaute immer nur auf die schwarze schlanke Gestatt Dora Burtons, durch die hie und da ein leises Beben ging, als könnte sie ein schmerzliches Schluchzen nicht unterdrücken. Unb er be« rounberte sie. Denn er wußte, baß sie bem Tobe ihres Dntels keineswegs gleichgültig gegenüberftanb, baß ihr im Gegenteil fein Hinscheiben unb alles, was damit zusammenhing, sehr nahe ging. Aber mit eiserner Willenskraft deherschte sie sich in ihrem Schmerz. Unb ge» rabe biefe Willenskraft, bie rounberbare Entschiebenheit unb Beherrschung erregten Rogers Bewunderung. Er sah sie wieder vor sich, wie sie in seinem Büro gewesen war, bleich und mit glänzenden Augen, unb horte im Geiste roieber, wie knapp unb sachlich sie ben Zweck ihres Besuches barlegte. Wie viele junge Damen hätten sich in ihrer Lage darauf beschränkt, zu jammern unb zu meinen! Sie aber hanbette, sie hatte ihre Nerven in der Gewalt unb wollte nicht ruhen, ehe sie ihr Ziel erreicht hatte. Er bebauerte es aufs neue, baß er i - '• v : nicht helfen bürste.
(Fortsetzung folgt.)