Einzelbild herunterladen
 

Donnerstag, S. November 1928.

Nr. 259.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Slctiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nc. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Anzeig en «Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUC

auswärts 0,20 JLH. Re k amezeile: total 0,60 5Ut, KK Tnfim

auswärts 0,80 Bei Wiederholurgen Rabatt. UL,,J'uV'-öe

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Aulda. Amtliches kreisblatk.

Hoover Sieger im

MMmL

wtb. Neuyork. 7. Nov. (Eig. Funkm.) 11 Uhr Nachts. „Chicago Tribüne" bezeichnet in einer Sonderausgabe Hoover als gewählt. Nach der Berechnung des Blattes erhält Hoover 3 4 0 Wahlmänner ft immen. Auch die demo­kratische „World" gibt den Sieg Hoovers zu. Nach späteren Meldungen ist der Sieg Hoovers noch größer. Er hat 450 Wahlmännerstimmen.

Smith beglückwünscht Hoover.

wtb. Neuyork, 7. Nov. (Eig. Funkm.) Gouver­neur Smith, der die Wahlresultate im Neuyorker Hauptquartier der Demokraten entgegennahm, ohne sich zunächst dazu zu äußern, sandte gegen Mitternacht, als sich das Ergebnis der Wah­len überblicken ließ, folgendes Telegramm an Hoover:

„Ich beglückwünsche Sie herzlich zu Ihrem S'eg und bitte Sie, meine besten und aufrichtigsten Wünsche für Ihr körperliches und seelisches Wohl­ergehen und für den Erfolg Ihrer Regierung ent­gegenzunehmen."

Der amerikanische Wahlkampf hat, wie zu er­warten war, mit dem Sieg des Republikaners Hoover geendet. Die Demokraten haben wieder den Kürzeren gezogen. Seit der Ermordung des größten republikanischen Präsidenten Lincoln (1865) haben die Demokraten nur zwei Präsiden­ten in das Weiße Haus gebracht: Cleveland (1885 bis 89, 1893—97) und Wilson (1913—17, 1917 bis 21). Alle anderen Präsidenten Johnson, Grant, Hayes, Garfield, Arthur, Harrison, Mac Kinley, Roosevelt, Taft, Harding und Coolidgc waren Re­publikaner.

Aus dem Verlauf der Präsidentschaftswahl, d'e sich diesmal durch einen Rekord derWahlbe- t e i l i g u n g auszeichnete, ist als bemerkenswert 'hervorzuheben, daß dem demokratischen Kandida­ten Smith, dem Gouverneur des Staates Neuyork, die. Wahlmännerstimmen dieses Staates verloren gegangen sind, obwohl die Stadt Neuyork selbst überwiegend demokratisch gestimmt hat. Weiter sind dem demokratischen Kandidaten verschiedene Staaten des Südens verloren gegangen, die in früheren Wahlen ausnahmslos demokratisch ge- ttlmmt haben. Auch die Farmer des mittleren

Westens haben anscheinend ihre Stimmen für Hoo­ver abgegeben, obwohl man im demokratischen Lager gerade aus Farmerkreisen eine starke Unter­stützung der Kandidatur Smith erwartet hatte, na­mentlich nachdem Senator Norris von den Repu­blikanern abtrünnig geworden war. Um 10 Uhr abends war Hövers Sieg bereits gesichert. Die in den folgenden Stunden eintreffenden Ergebnisse aus den abgelegeneren Distrikten, die die Stimmen für Hoover lawinenartig anschwellen ließen, gaben diesem Sieg dann tatsächlich den Charakter dessen, was in amerikanischer politischer Redeweise als Landslie „Erdrutsch" bezeichnet wird.

Troß der ungeheuren Wahlbeteiligung blieben störende Zwischenfälle verhältnismäßig gering. Sie kamen da vor, wo keine Stimmaschine zur Verfü­gung stand und mit Stimmzetteln gewählt werden mußte. Dort wurden die Wahllokale derart mit Stimmzetteln überflutet, daß Kästen zu ihrer Auf­bewahrung herbeigeschafft werden mußten. Neu­york wie ebenso die kleinste Stadt des Landes bot ein Bild gespanntester Erwartung. Auf den Stra­ßen, in denen sich Kopf an Kops drängte, in den Restaurants und anderen öffentlichen Lokalen, ja im Zuchthaus Sing-Sin g wurden dis Wahlergebnisse durch Rundfunk und Lautsprecher bekannt' gegeben.

In den großen und eleganten Hotels, in deren Gesellschaftsräumen sich ungezählte Gisste für die Wahlnacht eingefunden hatten, hielt man mit Begeister ig über den Sieg Hoovers nicht zurück. Die Neuyorker Gesellschaft hatte die erste Hälfte des Wahlabends in der Metropolitan Opera verbracht, wo Richard Strauß Aegyptifche Helena mit Lau­benthal und der Jerißa in den Hauptrollen ’n einer glänzenden Aufführung zum erstenmal über die Bühne ging. Als hier die ersten Nachrichten über den Sieg Hoovers eintrafen, äußerten die bekannten Vertreter derFinanzwelt, die wegen der Auswirkung der Präsidentschaftswahl auf die Börse Besorgnis gehegt hatten, bereits größte Befriedigung, während sich rasch nachher herausstellte, daß nicht nur das Fortbestehen einer republikanischen Regierung gesichert war, sondern daß Hoover wahrscheinlich mehr Wahlmännerstim- men erhalten wird als Hardings und Coolidge sei­nerzeit erhielten. , * *• ,

*** * * * * * ♦ U I

- w W

* ch H.

' ...

*■*

* * * *

* * *

Oeröerf Hoover und Senator Curtis (links).

Aufgrund des Wahlsieges der Republikaner wird Senator Charles Curtis Vizepräsident Verden. Obwohl noch nicht alle Resultate vorliegen, ist es wahrscheinlich, daß Franklin Roosevelt Gouverneur des Staates New-York werden wird. 1 ' ' J '

Nach dem Mult kies Kabinetts Poiacare.

k. t?tb- Varis, 7. Nov. (Eig. Funkmeldg.). Ueber al; die Demission des Kabinetts Poincar- Lik? x e Lage berichtet der „Matin": Poincar- h,'bt .er große Meister der Stunde. Ob er sich iprn bereits jetzt das Ministerium wie-

die ni?, -ü' irr*)em er sich darauf beschränkt,

-r Zuruckgetretenen radikalen Minister zu cr-

Der Präsident der Republik hat das znrück- Setretene Kabinett Poincare mit der Führung der lausenden Geschäfte beauftragt. Der Präsident der Republik begann seine Verhandlungen zur Bil­dung einer neuen Regiemng. Er wird, wie üblich, Zunächst mit den Präsidenten von Kammer und Senat verhandeln.

In den Wandelgängen der Kammer hat die durch die Demission des Kabinetts geschaffene Lage besonderes Aufsehen erregt, weil das Parlament wieder zusammentre'ten sollte. Der Senat hatte bereits eine Sitzung abgehalten. Nach Havas beurteilt man in den Wandelgängen der Kammer die Lage als vollkommen ungeklärt.

*

.. In Berliner politischen Kreisen bewachtet man (Situation nach dem Rücktritt des Kabinetts Mncare durchaus ruhig. Man rechnet damit, Poincare auch das neue Kabinett bilden und damit auch das Finanz- und auswärtige febe llerium wieder in der bisherigen Form be- t .5* werden. Die Fortführung der R e p a r a - cb.^/Verhandlungen würde damit gesi- sein, und es ist auch nicht anzunehmen, daß wesentliche Verzögerung dieser Verhandlungen ch die ftanzösische Regierungskrise eintritt.

I setzen, oder ob er die unvermeidlichen Mißerfolge der anderen Kombinationen, die man vielleicht ins Slugs fassen könnte, abwartet. Nur eines könnte eine vollkomenen neue Lage schaffen, das wäre eins Spaltung oder wenigstens eine Absplit­terung, sei es in der sozialistischen, sei es in der radikalen Partei. Seit einiger Zielt ist viel vom Austritt Paul Boncours aus der sozia­listischen Partei die Rede, die ihm seine Mitarbeit beim Völkerbund zum Vorwurf macht. Man muß daran erinnern, mit welcher Beharrlichkeit der Name Paul Boncour auf dem radikalen Partei- lag Angers von den „Verschwörern" genannt wor- den ist. Mer es scheint, daß Paul Boncour nur einige seiner Freunde nach sich ziehen würde. Es steht außer.Zweifel, daß ein neues Ministerium Poincare die Unterstützung von wenigstens 60 Ra- sttalen, selbst wenn ihre Halttmg eine Spaltung innerhalb der Partei zur Folge haben sollte, er« Raiten würde. Andererseits haben die radikalen -uomfter bei ihrer gestrigen Beratung einmütig festgestellt. daß die Parteierklärung durch ein un- wWles Manöver züstande gebracht wurde. Sie haben beschlossen, an den Parteivorstand zu agi- ■ Vieren, der auf ihr Ersuchen sehr bald zusammen- /eten wird, um ihre Erklärungen anzuhören und dazu Stellung zu nehmen.

„Ouotidien" schreibt: Die nationale Eini­gung sei nicht mehr gewesen als eine alte ^rauermeibe. Wie könne man sich wundern, daß ein Spatenstich genüge, um sie zu entwurzeln? Die Regierung habe sich selbst gestürzt. Ere No­velle erklärt: Die nationale Einigung, das haben mir immer gesagt, war nur ein Moratorium. Es wäre nach unserer Ansicht oergeblÜch, die letzte ■

Koalition durch eine kleinere zu ersetzen. Die Ra­dikalen können sich damit auf keinen Fall abfinden. Das Gewerkschaftsblatt „Le peuple" erklärt: Die Wahrheit ist, daß die nationale Einigung unwie­derbringlich zerbrochen war, seit die geplante Z u- lassung der religiös en Orden, die wie ein Peitschenhieb wirkte, die radikalen Massen in Be­wegung gesetzt hatte. (Die Kulturkämpser bleiben sich gleich!) Herriot selbst habe durch die Energie, mit der er die gegen die Laiengesetzgebung geplante Verschwörun imfdeckte, auf dem Parteitag dis Sturmglocke geläutet. Im sozialistischen „Popu- laire" schreibt Leon Blum: Der Bruch zwischen der nationalen Einigung und der radikalen Partei ist vollzogen. Haben die lange währende Teilnahme der Partei an der Regierungsmehrheit und die in dieser Atmosphäre geführte Wahlkampagne es nicht dem Geiste der nationalen Einigung ermög­licht, einen Teil der radikalen Kammerfraktion und einen Teil der Radikalen zu gewinnen? Die kom­menden Ereignisse werden darüber Aufschluß ge­ben. Alles, was ich gegenwärtig sagen kann, ohne Widerspruch befürchten zu müssen, ist, daß eine radikale Regierungskombination, wenn die Krise zu einer solchen führen sollte, der Unterstützung der sozialistischen Stimmen bei der Durchführung aller im radikalen Parteipro­gramm geforderten Reformen sicher sein kann.

*

wtb. Paris, 7. Nov. (Eig. Funkmeldg.). Die gesamte Morgenpresse mit Ausnahme der links- stehenden Blätter verurteilt das Vorge­hen der Radikalen, das zum Sturz Poincares ge­führt hat. Der „Matin" schreibt: Diese Krise ift vom Standpunkte des politischen Regimes aus ernst. Sie ist es noch mehr vom Standpunkt des nationalen Interesses. Das „Echo de Paris" er­klärt: Sache des Parlaments, das allein der Volks- fouveränität Ausdruck gibt, ist es. zu sagen, ob es diesen Gewaltstreich dulden und vor der D'.ktatur einer Minderheit kapitulieren will. Sache Poiy- car-s ist es, zu zeigen, ob er noch der Staatsmann und Patriot ift, auf den Frankreich in den ichlim- men Stunden feiner Geschichte hat rechnen können. Wenn er will, kann er die Parteien bewegen, ge­gen sie regieren und das Land retten. Das „Jour­nal" sagt, ein einziger Mann ist allein qualifiziert, Poincares Nachfolger zu werden und das ist Poin­care. Der „Figaro" schreibt: Die Krise ist nicht ausschließlich ministeriell, sie ist politisch, es handelt sich da rinn, zwschen zwei Richtungen zu wählen. Rach dem Ami du peuple ist die Hauptsache der Krise in derFragederOrden und Kon­gregationen zu suchen. Poincare sei durch sein Verhalten in dieser Frage der Gefangene der Radikalen geworden, er trage daher die Haupt­schuld an seinem Sturz. Das „Oeuvre" oertritt den Standpunkt, daß in Wirklichkeit die nationale Eini­gung schon längst überlebt war, daß aber der Zeit­punkt, sie aufzukündigen, verfrüht gewesen ist. Die Sozialisten seien weniger denn je entschlossen, an einer Regierung teilzunehmen, und der letzte, mit dem sie zusammenarbeiten würden, sei Caillaux. Infolgedessen rechnet das Blatt mit einem Mini­sterium der Mittelparteien, das links, also bei den Radikalen, eine Stütze finden werde. Für bi?*e Kombination nennt das Blatt Poincare ober Tardieu. „Volonte" schreibt: Gewisse Leute be­mühen sich heute, die Demission des Kabinetts als eine schreckliche Katastrophe hinzustellen. Sie be­ginnen das Spiel, das ihnen schon einmal gelun­gen ist, sie versuchen Panik zu verbreiten.

Königsrede in England.

Der König von England eröffnete in Beglei­tung der Königin die 5. und letzte Tagung des gegenwärtigen Parlamentes mit einer Rede, in der er zunächst erklärte, die Beziehungen zu den anderen Staaten feien nach wie vor freund­schaftlicher Natur und seiner Genugtuung über die Unterzeichnung des Änti- Kriegspaktes Ausdruck gab. Er führte wei­ter aus: Die Regierung hat sich bemüht, ihren Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbunde nachzukommen, indem sie die Streitkräfte des Lan­des auf das mit der nationalen Sicherheit verein­barende Mindestmaß h e r a b s e tz t e. Es ist eine Vereinbarung über die Einleitung von Verhand­lungen zur Prüfung der Möglichkeit einer vollstän­digen und endgültigen Regelung des Repara­tionsproblems getroffen worden. Außer­dem wurde die Notwendigkeit erkannt, in Ver­handlungen über das Ersuchen Deutschlands um die Räumung des Rheinlandes einzu­treten.

Der König wies sodann auf die gesetzgeberischen Maßnahmen hin, die es den Eisenbahngesellschaf­ten ermöglichen sollen, die Tarife für landwirt- Ichvftliche sowie Steinkohlen- und Hüttenerzeug- nisse zu senken, ferner auf die Gesetzentwürfe zur Reform des Systems der örtlichen Steuern, zur Reorganisation der örtlichen Verwaltung und zur Ausdehnung des Garantieplans für die Ausfuhr­kredite. Im Hinblick auf die notleidenden Berq- baudistrikte sagte er, die Minister träfen Maßnah­men zur erfolgreichen Verwirklichung des Plans der Ueberführung von Industriearbeitern und deren Auswanderung.

Zu Beginn der Aussprache im Unterhaus über die Antwortadreffe auf die Thronrede ergriff Macdonald als Führer der Dppofttion das Wort, um scharfe Kritik an der Haltung der engl:« chen Regierung auf dem Gebiete der inneren und äußeren Politik zu üben. Durch die Vorbehalte der englischen Regierung zum Antikriegspakt, so er- Härte er, fei dieser in seinem Kern zerstört worden. Die Regierung habe ihr Bestes getan, um den Tä­tigkeitsbereich des Völkerbundes einzuschränken und der vorbereitenden Abrüstungskonferenz alle nur möglichen Hindernisse in den Weg zu legen.

Ich kann nicht annehmen, so erklärte Macdonald, daß den Urhebern des englisch-französischen Flot­tenabkommens unbekannt gewesen sein sollte, daN dieses Abkommen keinen einzigen neuen Punkt ent. hielt und daß jeder der Punkte, in dem wir Frank­reich Zugeständnisse gemacht haben, bereits von Amerika, Italien oder Deutschland abgelehnt wor­den ist.

Zum Schluß seiner Rede im Unterhaus be­merkte Macdonald, der Vorhang wehe hoch über dem letzten Akt eines kehr traurigen Dramas, das die konservative Regierung während der letz­ten vier Jahre gespielt habe. Baldwin habe feine Versprechen gebrochen und goldene Gelegenheitc.l verpaßt, um den Nationen Europas Sicherheit zu geben, damit sie zu einer gemeinsamen Vereinba­rung über die Abrüstung gelangen könnten.

Baldwin bemerkte in seiner Erwiderung, der Angriff auf die Handlungsweise der Regierung von Seiten der Opposition sei während der letzten Monate so allgemein gewesen, daß es für die Re­gierung unmöglich sei, zu erwidern, bevor sie nicht auch den Standpunkt des Führers der Liberalen Partei, Lloyd Georges, gehört habe. Im Haufe herrschte einige Üeberraschung, als zutage trat, daß dies alles war, was der Premierminister zu sagen hatte.

Macdonald erhob sich sofort und fragte, ob die Regierung denn gar keine Erklärung über auswär- tige Angelegenheiten u. für das englisch-französi­sche Abkommen zu machen habe, die ihre Haltung klarstelle, ohne Rücksicht darauf, was Lloyd Gemas oder er selbst darüber zu sagen hätten. Baldw'n erwiderte: „Wir haben ein Weißbuch veröffentliche. Wir wissen, daß. wir in dieser Frage einen Mih- trauensantrag zu gewärtigen haben. Dies wird die Gelegenheit sein, bei der die Regierung ihren Standpunkt klarmachen wird."

Snowdon beklagte sich darüber, daß Baldwin das Haus mit noch nie dagewesener Unhöflichkeit behandelt habe, und bemerkte, es habe sehr wenig Wert, die Erörterung fortzusetzen, wenn die Re­gierung unwillig oder unfähig sei, eine Erwide­rung auf die Verurteilung ihrer Außenpolitik zu geben. Er beantragte daher Vertagung der De­batte, worauf sich das Haus vertagte.

Die Arbeiterpartei hat beschlossen, bei der Aus­sprache über die Antwortadresse in erster Linie einen A b ä n d e r u n g s a n t ra g hinsichtlich der Arbeitslosigkeit und der Lage in der Industrie ein- zubringen.

*

Auch im Oberhaus fand eine Debatte über die Thronrede statt. Der Konservative Lord Cro- book, der die Antwortadresse einbrachte, hob her­vor, daß die Zukunft des internationalen Kried»ns nur durch beträchtliche Verminderung der Rüstun­gen der Nationen erzielt werden könne. Die Zu­kunft des internationalen Friedens könne nicht sehr gefördert werden, solange Streitigkeiten aus­wärtiger Mächte ein Land besetzt halten, mit dem sie sich im Frieden befinden. Lord Parmoor be­tonte, es fei Zeit, daß die Regierung eine ganz andere Politik gegenüber der Abrüstungsfrage ver- folge. Er fragte, ob die Ausfuhrkredite auf alle Länder Anwendung finden sollen ober ob Ruß­land davon ausgeschlossen werde. Er machte die Haltung der britischen Regierung für den Rückgang des englisch-russischen Handels verantwortlich. Bet Liberale Lord Beauchamp fragte, ob sich die Re­gierung der in Frankreich vertretenen Ansicht an­schließe, daß die Reparationsfrage mit der Räu­mungsfrage zusammenhänge. Außerdem fragte er, ob die Teilnahme eines britischen Kanal- lerieregiments an den französischen Manö- oern auf Anweisung des Foreigne Office hin erfolgt fei, oder ob sie nur eine Handlung des General­kommandos darstelle. Zum Schluß wandte sich Beauchamp gegen das Flottenabkommen und be­merkte, er habe sehr wenig Hoffnung, daß die jetzige britische Regierung in der Abrüstungsfrage etwas erreiche.

Lord Salisbury, der für die Regierung antwortete, wandte sich gegen den Ausdruck „Flot­tenpakt", da es sich nur um eine „vorläufige Ver­einbarung" gehandelt habe, die mit der franko- fischen Regierung erzielt worden war und die die britische Regierung sofort jeder anderen Macht mitgeteilt habe „unter der ausdrücklichen Bedingung, daß, wenn die anderen Mächte ihr nicht zustimmen, sie sofort fallen gelassen wird". Die Lösung der Abrüstungsfrage sei außerordentlich schwierig, aber es müsse billigerweise zugegeben werden, daß die Schwierigkeit nicht nur in England liege. So sei er gefragt worden, ob die Reparationen die Rhein- landräumung bedingen. Es sei vollkommen wahr, daß, praktisch gesprochen, ein gewisser Zu­sammenhang zwischen beiden Fragen bestehe. Aber soweit die britische Regierung in Betracht komme, sei sie stets für die Rheinland­räumung gewesen und sei immer bestrebt ge­wesen, auch die französische Regiemng zu dieser Haltung, zu bestimmen. Die britische Regierung behalte sich das Recht vor, in der Räumungsfrage unabhängig vom Reparationsprvblem vorzu­gehen.

flushlang in Königsberg.

Das litauische (Kommunique über die polnisch-litau­ischen Verhandlungen.

Von litauischer Seite ist folgendes Kommunique ausgegeben worden:

Die am 3. November eingesetzte Unterkommis­sion hat drei Sitzungen am 5. und 6. November abgehalten. In den Sitzungen wurden alle gründ-, sätzlichen Fragen erörtert, die auf den litauisch- polnischen Konflikt Bezug haben. Die litauische Delegation schlug die Einrichtung eines speziellen politischen Statuts mit internationalen Ga­rantien für das Wilnagebiet vor. Die­ser Vorschlag, der für den Abschluß des durch die polnische Delegation vorgeschlagenen Abkommens