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M 254.

Donnerstag, ven 1« November 19’28.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckeret. Fulda

Reichsarbeiksminister Rudolf Wissel.

cHiÄUutz

AM Otto Stelle

Fuldaer flttlendratkerel, Fulda

Kanalstraße 51

Dn!.eL ^err Dan Deekum sagte selbst, sie

’”cIöen> daß er und seine Frau die Abmachung j freuten sich unbändig mit3iifabren ‘ md)t ernhalten und nicht mit uns kommen könnten." * -Wer sagte bas?®'

Vas Reichsarbeitsministerium.

Bei der Feier, die aus Anlaß des 10jährigen Bestehens des Reichsarbeitsministeriums stattfand, gedachte der Reichsarbeitsminister Wissel! sehr warmherzig des Herrn Dr. Brauns, der 8 Jahre lang dieses wichtige Ministerium geleitet hat. An­sprachen hielten Reichstagspräsident Lobe, Volks­wohlfahrtsminister Dr. Hirtsiefer, Präsident des vorläufigen Reichswirtschaftsrates, Dr. C. F. v. Siemens, H. B. Buttler, stellvertretender Direktor des Internationalen Arbeitsamtes in Genf u. a. m.

Durch die Stellungnahme des Reichskabinetts ist die merkwürdige Formfrage, die in den letzten Tagen in der deutschen Presse herumspukte, ob die Alliierten oder ob Deutschland die Einladung zur kommenden Sachverständigenkonferenz in Sa. chen der endgültigen Regelung der Reparations­frage ergehen lassen soll, entschieden. Der Schritt der deutschen Reichsregierung bedeutet die Auf­forderung an die Alliierten, diese Konferenz zu be­rufen. Ob man nun das Einladung nennt oder nicht, kurz und gut: Der erste Schritt zum Zu­standekommen dieser Konferenz ist getan, und die Deutsche Reichsregierung braucht wirklich keinen Vorwurf deswegen zu scheuen.

Die Regierungen der Alliierten sind nunmehr durch die deutschen diplomatischen Vertreter in den bezüglichen Hauptstädten über die Absichten, welche die Deutschs Reichsregierung mit dieser Kon­ferenz verfolgt, unterrichtet. Gleichzeitig sind die Voraussetzungen aufgezeigt worden, die vom deur- schen Kabinett für ein ersprießliches Ergebnis die­ser Konferenz für notwendig gehalten werden.

Insbesondere hält die Reichsregierung darauf, daß die betreffende Kommission aus unabhän­gigen Persönlichkeiten zusammengesetzt ist, also nicht aus solchen, die nur auf Grund' politischen Auftrags und im Banne politischer Bindungen an die jeweiligen Instruktionen der betreffenden Regie- rung gefesselt sind. Man will eben eine absolut sachverständige Untersuchung der Frage, was Deutschland überhaupt bezahlen kann. Die Klä- rung dieser Frage ist nur durch wirtschaftliche Ex­perten möglich, die nicht immer wieder auf poli­tische Momente Rücksicht zu nehmen haben.

Das ist ja gerade das Bedauerliche an den gegenwärtigen Erörterungen der Reparations- frage, daß diese politischen Motive viel zu stark

Haben, als hätte man nicht, das Brauchen, als brauche man nicht. Judas mit dem Beutel geht um und daß sie ihm in Petersburg oder Moskau ein Denkmal gesetzt haben, ist wenigstens ein Zeug­nis unbewußter Wahrhaftigkeit.

„Selig find die Armen im Geiste". — Dem ent­spricht auf der anderen Seite das „Wehe dem Reichen". Die andere Welt hat ein Recht auch in dieser Welt und läßt sich dieses Recht nicht un­gestraft nehmen. Allerheiligen aber ist ein Auf­ruf an diese Welt der anderen Well ihr Recht zu lassen, indem man von der wirklichen Armut, vom unechten Reichtum sich zum echten finde. Wann machen endlich alle die damit Ernst, die doch das Tauf- und Firmzeichen dieser anderen Welt an ihrer Stirne tragen und sich dessen rüknnen? Aller Heil liegt im Gedanken von Allerheiligen, aber nur dann, wenn wir mehr sind, als bellende Hunde, die nicht beißen können, wenn wir das Stück an­ders Welt in uns nicht verraten.

hüben und drüben im Vordergrund stehen. Damit wird das Blickfeld vernebell, das wirkliche Ziel tritt immer mehr zurück.

So ist es beispielsweise geradezu ein Verhäng­nis, über die Höhe der für Deutschland endgül­tig festzusetzenden Schuldsumme zu debattieren. Es ist doch ganz klar, daß dieses Problem bei uns in Deutschland ganz anders geiehen wird als etwa in Frankreich oder England oder anderswo.

Auch die Abschätzung der Wirtschaftskraft Deutschlands kann nur rein wirtschaftlich und fi­nanztechnisch gesehen und beurteilt werden. Sowie politische Momente von außen her in die Behand­lung dieser Dinge hereingetragen werden, kommr das ganze Problem ins Rutschen. Es ist ja nicht allein danach zu fragen, welche Einkünfte Deutsch­land sich aus Steuern usw. beschaffen kann, son­dern ob ohne Schaden für die Wirtschaft und da­mit aber auch für die Leistungsfähigkeit Deutschlands diese Lasten auch getragen werden können. Es ist des ferneren eine lediglich wirtschaftlich zu be­urteilende Frage, welchen Betrag Deutschland nach dem Auslande abtragen kann, ohne daß- darunter seine Leistungsfähigkeit leidet, die sich in diesem Falle ganz besonders nach der Seite der Erhaltung der Währung hin dokumentiert.

Man handelt deshalb im Interesse der deutschen Gesamtheit, insbesondere im Jnteresie der deut­schen Wirtschaft, wenn man ohne politisches Beiwerk nüchtern und fachlich beurteilt und wenn man zunächst einmal denen das Wort über- läßt, die auf Grund ihrer Erfahrungen und ihrer Kenntnisse die deutschen finanziellen und wirtschaft­lichen Möglichkeiten abschätzen können. Jede an­dere gar politische oder etwa auch noch parteipoli­tische Ausschlachtung dieser Droge würde zum Schaden des Ganzen führen muffen.

„D Kind, da haben wir noch Zeit, aber ich dachte, wir -mgen überhaupt nicht. Ich habe eben den Postdirektor getrosten, und er hat mir erzählt, daß er hier gewefen

„Franz van Beekum. Er erzählle noch, er hätte die Absicht gehabt, Susanne auf dem Soziussitz mitzuneh­men. Aber die Mutter war nicht einverstanden. Sie sagte, das sei viel zu gefährlich. Mit uns im Auto dürfen die beiden Mädchen natürlich mit."

Aber haben sie denn das selbst gesagt?"

„Nein, wir wollten sie gerade anrufen, als Franz van Beekum bei uns vorüberkam. Da sagte ich es ihm selbst, und er fand den Plan herrlich und wollte mit dem Motorrad mitfahren."

„Und ist er dann noch herübergekommen, um zu sa­gen, daß er bei der Abmachung bleibe."

„Nein, Susanna hat uns angerufen. Sie sind ganz begeistert", antwortete Dora. „Aber du bist so merkwür­dig, Onkel. Du scheinst gar nicht recht einverstanden da­mit. Ach, wenn wir das gewußt hätten . . .**

„Nein, nein, Kind, das konntet ihr nicht wissen Ich finde die Sache ganz nett," antwortete Burton, „Susanne und Life sind liebe Mädchen. Und daß Franz mit dem Motorrad dabei ist, scheint mir auch ganz gut. Ganz gut scheint es mir."

Der Notar war wieder lebhaft geworden, und Dora streifte rasch das bißchen .Unruhe ab, das sie zuerst erfaßt hatte. Sie dachte, der Onkel habe sie nur ein wenig necken wollen, indem er sich den Anschein gab, als sei er mit ihren Abmachungen nicht einverstanden.

„3a, Tante meinte auch, es wäre dir so ganz recht, du zögest die Begleitung der van Beekum sicher jener des Postdirektors und seiner Frau vor!" plauderte das Nichtchen unbefangen.

Frau Burton war jedoch nicht überzeugt. Sie hatte das Gefühl, daß ihr Mann nur Dora zulieb dergleichen tat, mit den getroffenen Vereinbarungen einverstanden zu sein. Nach dem Essen, als Dora in ihr Zimmer ge- gangen war und sie mit chrem Manne allein blieb, sagte sie:

„Warum möchtest du nachmittag lieber nicht ausfah­ren, und warum warft du im ersten Augenblick ganz be­troffen, als du hörtest, daß wir Susanne und Lise Beekum eingeladen hatten, mit mir zu kommen? Es tut mir leid. Ich dachte wirklich, es wäre dir reckt, wenn wir sie mitnehmen.*

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„Ja, ja, es wäre mir auch ganz recht, warum nicht" antwortet der Notar. „Aber weißt du. es wundert mich, daß sie die Einladung angenommen haben."

„Warum? Was ist denn?"

„Ja, weißt du. ich muß es dir wohl sagen. Es steht schlecht mit den van Beekum. In geldlicher Beziehung, verstehst du? Dan Beekum hat viel spekuliert, und ich fürchte sehr, er kann sich nicht halten. Sie waren sehr reich. Aber jetzt sind sie bettelarm, und jeden Augen­blick kann die Bombe platzen."

„Wieso? Was ist geschehen? Was meinst du?"

„Er wird Bankrott ansagen müssen. Das steht ihm unmittelbar bevor, er kann es nicht mehr verhindern," antwortete Burton mit einem harten Klang in der Stint, me. Diel weicher setzte er hinzu: ,£ Gott ich finde es entsetzlich. Und die Kinder scheinen noch gar nichts zu wissen. Die Mädchen natürlich nicht, aber auch Franz scheint keine Ahnung zu haben Sonst würde er doch wahrhaftig nicht daran denken, einen Ausflug zu machen und Doras galanten Ritter zu spielen. Das ist er doch, ober nicht?"

„3a, er macht ihr den Hof", erwiderte Frau Borton fast tonlos. „Und ich glaube, die Kleine sieht thn auch gern. Ich hatte mich wohl auch mit dem Gedanken ge­tragen, daß aus den beiden einmal ein Paar werden könnte. Franz ist ein netter, tüchtiger junger Mann."

„Gewiß, bestätigte der Notar. „Aber damit hat es nun freilich ein für allemal ein Ende."

„Du meinst, Franz van Beekum wäre keine Parti» mehr für Dora?"

„Natürlich nicht."

„Aber vielleicht läuft alles noch gut ab Dan Deekum hat reiche Freunde. Wenn die alle zusammenstehen woll­ten .. . ich verstehe nichts vom Spekulieren Aber ich habe doch schon gehört, daß bei Katastrophen infolge des unerwarteten Fallens der Papiere durch zeitweilige Hilfe alles zu retten ist. Da wird doch auch van Beekum noch zu retten fein, ober nicht? Du könntest gewiß auch etwas für ihn tun, Ferdinand? Der Bankier ist ja dein Freund. Und du wirst sicher nicht allein zu helfen brauchen. Wenn du den Anfang machst, bist du gerade der recht- Mann, um noch ein paar andere mitzurcißen."

(Fortsetzung folgt.)

Allerheiligen.

Von Johannes Hatzfeld.

Allerheiligen — das Fest einer anderen Welt. Das Evangelium dieses Festes — Botschaft eben dieser anderen Welt. Wie fremd doch das klingt, das „Selig find die Armen im Geiste", wie ab­seitig, wie so ganz und gar verstiegen, fast wie «in böser Traum, der uns ängstigen will. Wie so weit fort muß doch eine Welt sein, die so spricht und glaubt! So gar und durchaus nicht unsere Welt. Und dennoch, dennoch eine — wirk­liche Welt, eine Welt, die so wahrhaftig da ist, viel wahrhaftiger noch, als das Haus, in welchem wir wohnen, als die Menschen, die mit uns atmen. Eine Welt, die wir mit gutem Gewissen garnicht leugnen können, am wenigsten in dem Augenblicke, wo sie mit einem ihrer Grundgesetze, so einfach, wie die grabe Linie, so rund und in sich geschlos­sen ruhend wie der Kreis, vor uns steht. Kann ich das Gesetz nicht leugnen, so kann ich auch die Welt nicht leuanen, die hinter ihm steht. Oder gibt es einen Menschen, der es ernstlich leugnet, daß die Armen im Geiste die wahrhaft Seligen sind? Nein, und wäre es der Aermste aller Bol­schewiken. Denn es antwortet in eines jeden Men­schen Seele etwas auf diese Wahrheit. Es ant­wortet etwas darauf, wie der Knabe Samuel auf die Stimme des Herrn in der Nacht. Es antwortet mit einem — Heimweh. Es muß also in uns ein Stück dieser anderen Welt fein, rote wär es fönst möglich, daß etwas Laut und Antwort gäbe? In­dessen ist unser Antwortgeben mehr, als das Schweifwedeln eines Hundes, der nicht die Kraft mehr hat, zu feinem Herrn zu gehen?

Anders gefragt: Was fangen mir an mit die­sem Stück anderer Welt, das in uns ist und von sich selber Zeugnis gibt?

Ueberfehen wir es, wie Pilatus die Wahrheit übersah? Verleugnen wir es, wie Petrus das Heil verleugnete? Verraten wir es, wie Judas den Herrn? Oder bekennen wir uns zu ihm und stehen zu ihm wie Johannes zu feinem Meister unter dem Kreuze?

Arm, ganz arm sind wir heute wieder alle mst- emanber. Nur ist das nicht die rechte Armut, Grade unser Reichtum ist das grellste Zeugnis unserer Armut. All die Güter der Zivilisation, mögen sie auf der Erde, über der Erde oder unter tljr fein, was sind sie? Dinge, die wir geschaf­fen haben, mit solcher Inbrunst geschaffen haben, weil wir daran verzweifelten, das Andere, Grö­ßere zu schaffen. Und hinter allem steht mit einer Peitsche das Geld, das feine Sklaven zu Paaren treibt!

Wen hat ein echter Ritter aus Deutschlands frü­heren Tagen unsäglicher verachtet, als den Krä­mer und Gelbmacher? Achten wir ihn etwa heute? Aber warum rutschen wir denn auf den Knien vor ihm? Aber das ist unser Unglück, daß wir trotz allem diesen Reichtum, der keiner ist, mögen wir ihn haben ober nicht, mit ganzer Seele umarmen, lieben, wünschen, erträumen unb erbetteln. Unser Geist saugt sich fest an diesen Dingen unb kann nicht von ihnen los. Sie sind fein Um und Auf, fein Anfang und fein Ende, fein Morgen- und ) Abendgebet. Arme ohne Geist sind wir, ganz arme Teufel, deren Armut nun darin offenbar wird, daß sie keine schlichte Geschichte mehr erzählen kön­nen, in der ein Stück vom Geheimnis der Welt euxgefangen wäre, fein heilig Bildwerk mehr schaf­fen können, vor dem es einen Menschen erhoben und getröstet in die Knie zwänge, geschweige denn daß ihnen ein wirklicher Dom gelänge, und das alles nicht, weil dazu etwas gehört, was alle mit­einander nicht haben — das Entleertsein von den Reichtümern dieser Welt, das

„Da gehen wir eben allein."

„Gut, wir können auch allein gehen. Bring mir den Kaffee", antwortete der Notar.

Er hatte sich zu Tisch gesetzt und strich sich ein But­terbrot. Seiner Frau, die ihn gar wohl kannte, entging es nicht, daß er etwas aufgeregt war. Es mußte ihm etwas Unangenehmes widerfahren fein, denn er zeigte nicht jene nahezu unerschütterliche Ruhe, die sie sonst an ihm gewöhnt war.

„Wenn du vielleicht zu müde bist, Ferdinand," sagte sie teilnahmooll, „verschieben wir den Ausflug lieber auf ein anderes Mal."

„Nein, nein, mir ist es ganz recht so, ich gehe gern. Nur ... so zu dreien in dem großen Wagen. Es hätten fünf ganz gut Platz."

„Daran haben wir auch schon gedacht, Onkel!" rief Dora dazwischen. „Tante und ich haben ausgemacht, mir würden die beiden jungen Mädchen von van Beekum einladen, mitzufahren.

Burton zuckte erschrocken zusammen.

„Ist dir das nicht recht, Onkel?" fragte Dora ver­legen.

„Hm, ja, schließlich ist's gleich. Aber da setzt ihr mich schon in eine ausgiebige Damengesellschaft. . . ."

„Franz Beekum begleitet uns ja doch auf seinem Mo­torrad, Onkel. Da sind dann doch zwei Herren. Es ist noch immer nicht viel für vier Damen, aber doch."

Frau Burton merkte, daß ihr Mann mit dem Plan 9Qr nicht einverstanden war und nur mit Mühe eine ge- wisse Verstimmung zu unterdrücken vermochte.

Was er nur haben mochte Er hat die van Beekum's doch ganz gern und gönnte feiner Nichte gewiß ein klei­nes Vergnügen von Herzen.

„Weißt du, Ferdinand," sagte sie behutsam, „wenn ru es für besser findest, daß wir von unserm Plan ab» stehen • . . wir können noch ganz leicht zurück."

„Wissen die Mädchen schon davon?"

„3a."

„Unb wollen sie mit? Weißt du ganz sicher, daß sie gern mit wollen?"

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Reichskanzler Hermann Müller, sprach dem Reichsarbeitsminister sowohl im Namen der Re'chs- regierung, wie auch in seinem eigenen Namen bei herzlichsten Glückwünsche anläßlich bes lOjähri- gen Bestehens bes Reichsarbeitsministeriums aus. Zehn Jahre feien wohl nur eine kurze Spanne Zeit. Sie feien aber für unser Vaterland ein schwerer Schicksalsabschnitt unb bürfe baraus auch bas Recht für eine solche (Sebentfeier entnehmen. Der Reichskanzler erinnerte an bie Jahre von 1918 bis 1920.

Zur Liturgie des Kllerseelentages,

Von ®oerge

Den Freuden einer Mutter wird man nicht ge­recht, wenn man deren Bild sich nicht abheben läßt von dem dunklen Hintergrund des Mutter­leibs und der Muttersorgen. Eine dieser leibbrin- genben Sorgen ber Mutter Kirche ist der Gedanke, daß nach dem Tobe so mancher Gläubige eine Zeitlang am Reinigungsorte Sünbenftrafen abzu­büßen haben. Diese Kinber der Kirche scheiben bei ihrem Tode aus betn kirchlichen Organismus nicht aus, wir verlieren sie nicht unb bleiben mit ihnen in Gemeinschaft unb sie mit uns. Wir fühlen uns verpflichtet, biefe Gemeinschaft uns immer wie­der ins Bewußtsein zu bringen, und bie Kirche als ernste Pädagogin weist uns immer roieber barauf hin. Die Gedächtnisfeier für die Toten gestaltet sich feierlich ernst am Allerseelentage wie am Be­gräbnistage und erreicht ihren bramatifcben Höhe­punkt beim hl. Opfer. Hier fallen bie Schranken von Raum und Zeit unb wir gelangen in leben­dige, wenn auch geheimnisvoll verborgene Verbin­dung mit Christus, wir nahen uns ihm unb er uns, das Gedächtnis ber Vergangenheit wirb zum Er­lebnis ber Gegenwart. Das Gesetz der Liebe, des Helfens auch über bas Grab hinaus tritt hier ferner in Kraft, unb bie Kirche will ihre helfende Kraft den Verstorbenen zuwenden. So war es eigentlich ganz selbstverständlich, daß am Abend bes Aller» heiligenfestes die Kirche das Gedächtnis aller ent­schlafenen Gläubigen begeht unb den 2. November ihrem Gedächtnis geweiht hat.

Die Geschichte des Allerseelentages selber tritt erst allmählich in das Helle Tageslicht. Für di« Verstorbenen zu beten und bas Meßopfer darzu­bringen, ist eine uralte kirchliche Hebung. Cyrill von Jerusalem erwähnt den Nutzen bes Gebetes für bie Verstorbenen, wenn bas ehrfurchtgebie­tende hl. Opfer daliegt, und bittet am Schluffe der fünften rnystagogifchen Katechese „diese lieber» lieferungen unversehrt zu bewahren". Diese He­bung bestand nun immer in der Kirche. Der Schritt zu einem besonderen Eebächtnistag für alle armen Seelen war also nur ein kleiner. Trotz­dem wurde er noch nicht im 3. ober 4. Jahrhundert gemacht, weil das Kirchenjahr noch nicht ausgebil­det war. Als dasselbe aber geschehen war, fügte er sich gleichsam von selbst in den Kreislauf des- felben ein. Der Gedächtnistag Allerseelen nahm feinen Ausgang in den Ordensgenoffenfchaften, wc ja der Gemeinschaftsgedanks besonders gepflegt wurde und darum in seinem lebendigen Wachstum auch dieses Reis treiben mußte. Be'onders war cs das Kloster Chuny, bas eifrig bestrebt war, den Tag in den Ritus ber Kirche einzuführen. Der Abt Odelo erließ 998 für alle Klöster seiner Kon­gregation bie Bestimmung, baß am 1 November nach ber Vesper Totengeläute stattfinden, bas To- tenoffizium gefangen und am Tage darauf von allen Priestern der Kongregation die hl. Messe füi die Seelenruhe aller verstorbenen Gläubigen bei Kirche gelesen werben solle. Dieses Vorgehen fan? sofortige Nachahmung, ohne daß ein eignes Gesetz darüber erlassen zu werben brauchte, befonbers ir d"n Klöstern, bann auch in den einzelnen Diözesen Die Zeit war reif, die Ernte begann. Seit berr 14. Jahrhundert ist ber Taa Gemeinaut ber ganzer Kirche. Auch in der orientalischen Kirche wird die Gedächtnisfeier für bie Verstorbenen begangen, wenn auch ber Tag ein anderer ist wie zum Bei- spiel in ber griechisch-russischen Kirche am Sam-tac vor Septuagesima, bei den Armeniern am Oster­montag.

Im Weltkriege stellte es bann Papst Bene- bikt XV. es allen Priestern anheim, statt ber einen

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I.

Nachdruck verboten.

„Der Onkel kommt heute spät", sagte Dora, indem sie aufmerksam aus dem Fenster schaute, um zu (ef)en ob der Erwartete noch immer nicht in Sicht war. '

„Ja, es wird wirklich schon langsam Zeit, daß er kommt", antwortete Frau Burton.

„O, du bist so geduldig, Tante", erwiderte das leb­hafte Nichtchen. „Ich glaube, wenn er eine ganze Stunde zu spät käme, verließe dich doch deine Ruhe nicht."

Frau Burton lächelte.

„Das weiß ich doch nicht," meinte sie, „und jeden­falls hat mein Mann noch nie meine Geduld auf eine so harte Probe gestellt wie heute. Jedermann weiß es: Der Notar Burton war und ist ein Mann nach der Uhr — und wird es auch bleiben."

„Aber heute ist er doch spät dran."

„Nur noch ein bißchen Ruhe, Jungfer Ungeduld! Es scheint dir halt gar so lang, weil du selbst Eue hast. Du freust dich wohl ganz besonders aus den heutigen kleinen Ausflug?"

„3a, natürlich, mit dir und Onkel", lautete die Ant­wort und klang ganz unbefangen Und doch leuchteten Tantes Augen ein bißchen schelmisch auf.

„Freilich, freilich, mit dir und Onkel", bestätigte sie und hüstelte ein wenig.

Dora hatte jedoch nicht Zeit, auf die kleine Neckerei näher einzugehen, denn eben klangen im Hausgang die Schritte des Notars. Im nächsten Augenblick erschien er auf der Schwelle.

„Endlich, Onkelchen, liebes Onkclchen!" schmeichelte Dora. „Wir waren schon ängstlich und fürchteten, du kämst gar nicht und es würde zu spät für den Aus­flug."