Kunft und Literatur
I. klereboe's
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Der einzige Staatsmann, der am Tage des Umsturzes ermordet wurde,
Musikwett enthüllt.
— Ein europäisches Museum in Peking. Das chinesische Unterrichtsministerium will in Peking ein Museum und Archiv europäischer Kunst errichten. Der chinesische Dichter Tfe-Mou-Hsii, ein Freund Rabindranath Togo- res, hält sich gegenwärtig in Deutschland auf, um die Vorbereitungen zu treffen, und hat sich an das China- Institut in Frankfurt gewandt, damit es die Vermittlung mit den in Frage kämmenden deutschen Museen und sonstigen Stellen übernehme.
anstalten. Wo es keine griechischen Kirchen gab. durfte einige Male im Jahre Prozessionen mit Genehmigung des Generalgouverneurs stattfinden. — Beim Geleite der Leichen durften gemäß Zirkular vom 24. Oktober 1894 keine geistlichen Lieder gesungen und keine Fahnen und Heiligenbilder getragen werden. Den Geistlichen waren nicht nur Zusammenkünfte, sondern auch kameradschaftliche gegenseitige Besuche ohne besondere Erlaubnis des Generalgouverneurs verboten. Im Jahre 1861 hatte die Regierung verfügt, daß söge- nannte „Ergänzunasgottesdienste", wenigstens an den Galatagen, in russischer Sprache abgehalten werden. Aber hierbei stieß die Regierung auf den heftigsten Widerstand Natürlich war auch jede Vereinstätigkeit verboten, ob sie nun im Interesse der Religion, der Wohltätigkeit, der Wissenschaft, der Landwirtschaft oder der gegenseitigen Unterstützung geübt werden sollte. — Alle Kinder aus gemischten Ehen sollten orthodox erzogen werden, und schwer wurde ein katholischer Priester bestraft, wenn er ein solches Kind auf Wunsch der Eltern taufte. Die Klöster wurden aufgehoben und nebst dem dazugehörigen Landbesitz für Staatseigentum erklärt. Nur einige wenige blieben ihrer Bestimmung erhalten. Das Bernhardinerkloster in Kretingen (Franziskaner nach der Reform des hl. Bernardin!) wurde' zu einer Strafanstalt für katholische Geistliche umgewandelt. In Kraschen wurde 1893 die kath. Kirche mit Gewalt ge- lchlossen und dabei Hunderte Katholiken, die ihr altgewohntes Gotteshaus verteidigten, von Kosaken verwundet und getötet, die Ueberlebenden zu langjährigen schweren Strafen verurteilt. In Kowno sind das Stadtkrankenhaus und das Gymnasium mit der orthodoxen Kirche, ftuher ein Dominikanerkloster, der Palast des russischen -8'schofs ehemals ein Iestütenkloster gewesen.
Die katholische Kirche in Litauen umfaßte unter russischer Herrschaft drei Diözesen: Wilna, Kowno und Seinen. Die drei Diözesen waren in 44 Dekanate einge- letlt, besaßen 658 Pfarrkirchen, 173 Filialkirchen und 91 öffentliche Kapellen. Die Zahl der Priester betrug 1524, die 3 444136 Katholiken zu pastorieren hatten. Cs waren 2 Männerklöster mit zwei Mönchen und 7 Nonnen- klöster mit 77 Nonnen vorhanden. Auf jeden Pfarrer entfielen durchschnittlich 2274, auf jede Gemeinde 5224, auf >ede Kirche 4711 Seelen.
Die Pfarrgemeinden sind mitunter sehr groß, bis über 10000 Seelen; der räumliche Umfang der Pfarrei ist demensprechend Der apostolische Stuhl darf keinen direkten Verkehr mit den Bischöfen Litauens pflegen, sondern nur durch das Departement für konfessionelle Angelegenheiten im Ministerium des Innern.
önlich dirigiert hat. Die Gedenktafel wurde am Sams- ;ag in Anwesenheit des Vertreters des Kultusminister;
Der Tracer des Nobelpreises für Medizin.
Der Geistliche hat auf die Bevölkerung einen großen Einfluß. Der Litauer ist durchgängig fromm, zum innerlichen Leben geneigt und voll Vertrauen zu seinem Seelsorger. Die Seelsorge ist aber durch die großen Entfernungen und die schlechten Wege sehr erschwert. Die Predigt wird von den Litauern besonders hoch geschätzt Leider hat es während des Druckverbotes gar keine Musterpredigtbücher gegeben. In den Seminaren zu Kowno und Seinen haben die Seminaristen handschriftliche Predigtbücher benutzen müssen.
Seit 1905 beteiligt sich die litauische Geistlichkeit mit Eifer an der Errichtung von Gemeindebibliotheken und Lesehallen, an der Gründung von Vereinen zur Schulpflege und zum Kampf gegen den Alkoholismus, auch zur Herausgabe katholischer Zeitungen und Zeitschriften. Der von Priestern geleitete Bildungsverein „Sattle" (Sonne) mit (Seminar in Kowno unterhielt gegen 50 Elementarschulen sowie einige Mittelschulen und etwa 40 Büchereien. Der katholische Enthaltsamkeitsverein „Blaivybe" hat 40 000 Mitglieder, der St. Kasimiroer- ein zur Verbreitung von gutem Lesestoff 10 000 Mit- gteber. (Diese Zahlen beziehen sich auf die Zeit vor dem Kriege!). Auch an den wirtschaftlichen Vereinen beteiligt sich die Geistlichkeit rege. Einige Geistliche hatten in den letzten Jahren erfolgreich Kolonisation getrieben, Güter aufgekauft, sie geteilt und an kleine litauische Leute weitergegeben. In der Frage der nationalen Hebung stehen die Priester an erster Stelle. Bei den litauischen Theateraufführungen, Konzerten, Volksfesten u. anderen Veranstaltungen find Geistliche stets mitbeteiligt. Sie sind geradezu die Tröger des litauisch-nationalen Gedankens, daher bei den polnischen Cham-i- nißten am meisten verhaßt."--
Mein Gewährsmann, dem ich diese Ausführungen verdanke, ist wie schon bemerkt, Protestant, und daher wohl der Schönmalerei unverdächtig. —
Seit der Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse durch Papst Pius XI. bestehen in Litauen 5 Diözesen. Der neue Katalog (1928) der litauischen Kirchenprownz enthält folgende Angaben: Die Erzdiözese Kaunas hat 251 Priester, 98 Kirchen und Kapellen für 436 272 Katholiken; die Diözese Telschen 199 Priester, 126 Kir- chen und Kapellen für 340604 Katholiken; die Diözese Panewiesch 170 Priester. 114 Kirchen und Kapellen für' 379 599 Katholiken .Aehnlich sind die Oerhältniffe in den beiden anderen Diözesen Vilkaviski und Kaischedoris.
Auf jeden Priester in Litauen entfallen durchschnittlich weit über 2000 Seelen. Dazu die große Ausdehnung der Pfarreien, die weiten und schlechten Wege, der
Prof. Dtkolle,
der in Tunis lebende berühmte Spezialist für Tro- penkrankheiten ist in Anerkennung seiner Arbeiten über das Fleckfieber mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet worden. Der Nobelpreis beträgt etwa 170 000 Mark. Beim allerersten Verteilen des medizinischen Nobelpreises im Jahre 1901 hat der deutsche Gelehrte v. Behring der Entdecker des Diphterieserums den Preis erhalten.
ietzungen schaffen für den Abbau der Einkommensteuer.
Entsprechend dem Grundgedanken, der dem ganzen Werke zugrundeliegt, hält Aereboe jede Besteuerung von Grundstücksübertragungen, welche über die Deckung der bei der Umschreibung usw. entstehenden Kosten hinausgeht, für einen Fehler, weil sie die Bewegung des Bodens zum tüchtigsten Landwirt und zu der zweckmäßigsten Betriebsgröße hindert. „Steuern auf den Verkauf von Boden treffen", wie schon Adam Smith hervorhob", gänzlich den Verkäufer. Letzterer steht fast immer unter dem Zwange zu verkaufen und muß daher einen Preis nehmen, wie er ihn bekommen kann".
Ich hab? mich darauf beschränkt, die steuerpolitischen Forderungen Aereboe's in kurz gedrängter Form unter möglichster Vermeidung jeder Kritik darzustellen, um einen Ueberblick über seine Ideen und Ziele zu geben. Aereboe's Lehre gliedert sich ein in den Neoliberalismus, der von der Initiative und Tüchtigkeit des Einzelnen alles Heil erwartet.
Kurz zusammengefaßt fordert Aereboe vom Steuersystem Einfachheit und Gerechtigkeit in der Erhebung, Produktionsförderung, insbesondere durch Besteuerung nach der Ertragsfähigkeit. Manches läßt sich dagegen einwenden. Man kann die Wohlfahrt des Bauernstandes und seine Bedeutung für die Allgemeinheit nicht allein nach rein wirtschaftlichen Erfolgen bemessen. Die bäuerliche Wirt- schäft ist nicht allein ein wirtschaftliches Unternehmen. Daher steht die praktische Durchführbarkeit der Aereboe'schen Vorschläge auf einem anderen Blatt.
Bemerkenswert ist, daß Aereboe keineswegs eine Einheitsfteuer fordert. Dieser Begriff findet fick überhaupt nicht unter feinen steuerpolitischen Forderungen. Auch inwieweit eventuell eine Vereinfachung oder Zusammenfassung der nach dem Vermögen berechneten Steuern erfolgen soll, läßt er unerörtert. Damit vermeidet er allerdings auch das für eine Agrarpolitik vielleicht zu fern liegende schwierige Gebiet des Finanzausgleichs.
Bei ttrieo§fmm-en in Litauen.
Sin Reisebericht von Fr Donatus Pfonnmüller 17, ---------
Seit 1864 trat eine neue Periode unsäglicher Bedrük- kung ein. Der Generatgouoerneur von Wilna, Muraw- jew, hat sich durch blutige Verfolgungen in Litauen fcn unsterblichen Beinamen des „Hängers" verdient. Er ließ unter anderm alle litauisch-polnischen Schulen schließen; in den statt dieser errichteten Schulen nv.ßte der Lehrer, zumal der erste, orthodox, sein. Ob er Litauisch verstand, oder nicht, war gleichgültig. Die Aufgabe der Schule war auf völlige Ruisifizierung gerichtet; der orthodoxe Glaube wurde den Kindern als der erstrebenswerteste angepriesen. Die Geschichtstatsacheu wurden im russischen Interesse verdreht. Auch der religiöse Unterricht sollte in russischer Sprache erteilt. t»;e biblische Geschichte in ruMcher Sprache, wenn auch ohne jedes Verständnis, gelernt werden Nur die all'äglichen Gebete des Volkes durften die Priester in der Muttersprache lehren. Da die Kinder der höheren Schulen sich weigerten, bei Beginn und Schluß des Unterrichts russisch zu beten, wurden die Gebete auf lateinisch hergesagt.
Der Lehrer war die einzige orthodoxe Seele in der Schule. Aber ein russisches Heiligenbild mußte dar« in ber Ecke hängen. Das ärgerte die religiösen litauischen Bauern und sie brachten bei der ersten besten Gelegenheit ein katholisches Kreuz in die Schule. Dafür wurden sie dann meist schwer bestraft. Jahrelang durfte die Schule von einem Priester zur Erteilung des Religions- Unterrichtes nicht betreten werden, da man den Einfluß ber Geistlichen von der Schule fernhalten wollte. Solche Schulen durften auf bischöfliche Anordnung auch katholische Kinder nicht betreten. So lag denn das Schulwesen in Litauen gänzlich darnieder.
Die katholischen Predigten wurden fast ständig von russischen Polizeispitzeln kontrolliert. Durch Verordnung vom 8. Juni 1864 wurde nicht nur der Neubau sondern auch die Reparatur von Kirchen. Kapellen, Altären und sogar Kreuzen auf dem Lande ohne Genehmigung der Zivilbehörden verboten. Jahrelang mußte man mitunter auf die Genehmigung warten, vielfach vergebens. Zu den Kosten steuerte die Regierung mchts bei, obwohl sie viele kirchliche Gebäude und Ländereien konfisziert hatte. Durch Verordnung vom 24. Januar 1866 wurde den Katholiken verboten, in den- lenigen Städten und Dörfern, in denen sich orthodoxe «rchen befanden, öffentliche Prozessionen zu ver-
ß i 3. Ertragssteuern.
21ucf) bei den Ertragssteuern unterscheidet Aereboe Rohertrags- und Reinertragssteuern. Zu den Rohertragssteuern gehören u. a. Zucker-, Brannt- rLhv Pier- und Tabaksteuer, auf die im einzelnen ^naeöangen wird. Mit scharfer Kritik, wie das irübcr bezüglich der Reichssteuerpolitik mit scharfem Urteil insbesondere Teschemacher getan hat, redet Aereboe von Ziellosigkeit, Hilflosigkeit und Einseitigkeit der Reichsfinanzreformen.
Der Zuckerrübenbau z. B. sollte von Natur aus eine Domäne des bäuerlichen Familienbetriebes sein „mit feiner Anschmiegsamkeit an den jeweiligen Arbeitsbedarf, feiner Hilfe der Kinder beim Rübenverziehen und feiner starken Tradition in der Arbeitsschulung". Nach der Anbaustatistik von 1907 aber entfielen nur 20 Prozent der Zuckerrübenanbaufläche auf Betriebe unter 20 Hektar. „Daß die Entwicklung aber zu einem von diesen natürlichen Verhältnissen so abweichenden Bilde geführt hat, liegt in einer Reihe von Momenten begründet, die mit der Steuerpolitik eng Zusammenhängen. Zunächst führte die außerordentlich schnelle und starke Erhöhung der Rüben- und Zuk- kerzölle nach Zustandekommen des deutschen Zollvereins zu einer so raschen Entwicklung des völlig neuen Zuckerrübenbaues, daß die . . . Bauernschaft sich die für den Zuckerrübenbau erforderlichen Kenntnisse und Kapitalien unmöglich schnell genug aneignen konnte, um den Rübenbau ähnlich wie der Großbetrieb aufnehmen zu können.
4. Die Einkommensteuer insbesondere.^
Aehnlich wie die Rohvermögenssteuer zwingen nach Aereboe's Ansicht auch die Rohertragssteuern den Produzenten dazu, das Möglichste an Ertrag herauszuwirtschaften. Deswegen ist er gegen die Einkommensteuer, die das Gegenteil bewirkt. Er nennt die Einkommensteuer
ungerecht, weil die Höhe des Einkommens abhängig fei von dem persönlichen Fleiß der persönlichen Tüchtigkeit und Sparsamkeit des Einzelnen,
unmoralisch, weil sie die Unmoral züchte; sie prämiere den Unehrlichen und demoralisiere langsam das ganze Volk,
teuer in Veranlagung und Erhebung wegen der Schwierigkeit der Einkommensermittlung. Dazu komme die für die Produktion
* Drgl. No. 250 der „Fuldaer Zeitung".
ttalhol'sche Welt.
— Die internationale Lhristkönigstagung zu Leutesdorf am Rhein veröffentlicht soeben ihren offiziellen Tagungsbericht. Er bietet hochwertiges Material, das die Beschlüsse des Katholikentages in Magdeburg trefflich ergänzt. Fremdsprachliche Berichte sind in der Ursprache und dem Inhalt nach in Uebersetzung wiedergegeben. Die Referate des Herrn Prälaten Kaller, des Praktikers auf dem Gebiete des Laienapostolates: „Die Katholische Aktion im Sinne des Heiligen Vaters. Ihre Durchführungen in Deutschland, des Herrn Konviktsdirektors Dr. Mack-Luxemburg: „Das Königtum Christi und die religiöse Renaissance der Neuzeit", des Herrn Konsistorial- rats Kaln-Laibach: „Internationale Zusammenarbeit der Katholiken", die Predigt des Herrn Bischofs Ludwig Ma- ria Hugo von Mainz, u. a. m, sowie die Entschließungen weisen treffliche Wege zum Laienapostolat im Sinnch „Christi des Königs". Der Bericht, 160 Seiten stark, Großoktav, treffliche Ausstattung ist zum Preise von 3 Mark, für Kongreßteilnehmer 2 Mark, durch den Jo- hannesverlag, Leutesdorf am Rhein zu beziehen.
-- Ein apostolischer Administrator für das Bistum Brixen. Osfervatore Romano teilt mit, daß der Papst den bisherigen Kapitelvikar von Briren, Joseph M u i- schlechtner, zum apostolischen Administrator des vakanten Bistums Brixen ernannte.
Steuerpolitik.
verlorene Zeit und Arbeit und Geldmenge, die darauf verwandt werden, Steuervermeidungsmöglichkeiten von Seiten der Wirtschaft auszuklügeln,
unsozial, weil sie durch Bestrafung der Fleißigen, Ehrlichen, Tüchtigen und Sparsamen die Produktion hemme und den Sparsamkeitssinn ertöte. Die eigentliche Kultursck'cht werde durch die Einkommensteuer vernichtet.
Speziell für die Landwirtschaft bezeichnet Aereboe die Einkommensteuer als Feind des Bauernstandes. Der Großgrundbesitz könne Bücher führen, deren stark dehnbare und bisweilen unvollkommene Angaben es möglich machten, das Einkommen nach unten zu drücken, bzw. bei der Dehnbarkeit der Grenzen zwischen den laufenden Wiri- schaftskosten eines Rechnungsjahres und den Aufwendungen für Betriebserweiterungen und -Verbesserungen Jahre hindurch in großem Maße Kapitalien anzusammeln, ohne sie zu versteuern. Auch Haushaltungskosten und Privataufwand verschwänden zum großen Teil unter den Betriebsaufwendungen.
Der Bauer hingegen zahle nach Normalsätzen unter Zugrundelegung seines Rohvermögens. So werde für ihn die Einkommensteuer zu einer Ver- mögenssteuer, bei der es keine Maschen zum Durch- schlüpfen gebe. Dazu komme noch die Anrechnung des Wertes der Arbeitskraft der FamilienangehS- rigen. Damit fei der Bauer ohne weiteres in feiner Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Großbetriebe ungeheuer benachteiligt.
Potenziert würde die Ungerechtigkeit der Einkommensteuer, wenn man den Gemeinden das Recht zubillige, Zuschläge zur Einkommensteuer zu erheben.
Außerordentlich interessant ist es, daß I r v i n g Fisher, Professor an der ?)ale-University, New Haven, in einer neuerlichen Veröffentlichung (Der Einkommensbegriff im Lichte der Erfahrung) zu ähnlichen Ergebnissen kommt wie Aereboe. Fisher nimmt drei Brüder an, von denen jeder dasselbe Vermögen erbt in Höhe von 100 000 Dollar bei einem Zinsfuß von 5 Prozent. „Der erste Bruder investiert feine 100 000 Dollar in einer Annuität von dauernd 5000 Dollar im Jahre, welche er nicht wieder anlegt. Der zweite legt seine Summe an, um sie zu 5 Prozent vierzehn Jahre lang sich vermehren zu lassen, zu welcher Zeit sie, bereits auf den doppelten Wert ongewachfen, in einer dauernden Annuität von 10 000 Dollar im Jahre investiert werden soll, welche Summe er nicht wieder angelegt Der dritte, von verschwen- derischer Natur, kauft eine Annuität von 20 000 Dollar im Jahre auf die Dauer von nahezu sechs Jahren, dis er nicht wieder anlegt."
Nimmt man eine Einkommensteuer von 10 Prozent an, und geht man davon aus, daß die Steuer durch eine einmalige Zahlung im Voraus geleistet werden sollte, so hatte zu zahlen: Der erste Bruder 10 000 Dollar, der zweite 17140 Dollar, der dritte 1477,30 Dollar. „Der Verschwender erhält einen Teil seiner Steuer erlassen, wogegen der Sparsame das Opfer des nur zu häufigen Begleitumstandes falscher volkswirtschaftlicher Theorie — der Dovpelbesteuerung — wird; wird er doch zuerst durch 14 Jahre hindurch durch feine Ansammlung von Kapital und danach für das Einkommen, das er aus derselben Kapstalansammstma bezieht, besteuert . . . Solch ein Steuersystem ist klarer Weise ungerecht, entmutigt den Sparer, wogegen es den Verschwender ermutigt."
5. Zusammensetzung.
Als Steuern sckläge Aereboe vor:
Eine Wohnungssteuer mit Staffelung unter Freistellung der kleinen Wohnungen.
„ Verbrauchssteuern, insbesondere auf alle unnötigen und gesundheitsschädlichen sowie Luxuswaren,
eine Rohvermögenssteuer, für die Landwirt- schäft in Form der Grundsteuer,
eine Erbschaftssteuer, in der er ein Mittel sieht 3itr schärferen Steuerkontrolle, um die Möglichkeiten Zu Steuerhinterziehungen einzuengen.
Der Ausbau der Vermögenssteuern, Derbrauchs- fteuern und der Erbschaftssteuer soll die Voraus-
— Beethoven-Gedenkfeier in Budapest. Die Stadtverwaltung in Budapest hat an ber Wand des Ofener Festungs-Theaters eine Gedenktafel Beethovens anbringen lasten, die an den Ofener Aufenthalt Beethovens erinnert, der am 7. Mai 1800 anläßlich der Hochzeitsfeier- lichkeit des damaligen Gubernators von Ungarn, Erzherzogs Joseph, mit' der russischen Großfürstin Alexanbro Pawlowna, seine Sonate op. 17 im Festungstheater per-
Der Tod im Räten! ünöel.
Das Ende eines siebenjährigen Rechtsstreites.
Oesterreichische Blätter berichten über die nach siebenjährigem Rechtsstreit erfolgte Entscheidung eines seltsamen Prozesses. Der Oberrevident ber Oesterreichi- schen Südbahn, Hans Röggl, starb im Jahre 1918 an Lungentuberkulose. Diese Krankheit hatte er dadurch erhalten, daß er von amtswegen das Aktenmaterial eines an dem gleichen Leiden erkrankten Kollegen zur Bearbeitung übernehmen und mit dem im letzten Krankheitsstadium befindlichen Beamten wiederholt dienstliche Besprechungen abhatten mußte. Die Akten, die er in die Hand bekam, wiesen eingetrocknete Blutspurcn des Erkrankten auf, und Röggl erstattete deshalb auch an seine vorgesetzte Behörde Anzeige mit ber Bitte um Abhilfe. Ein Arzt der Südbahngesellschaft entschied jedoch, daß eine Desinfektion der Akten unnötig und eine Uebertra- gung der eingetrockneten Krankheitskeime nicht zu befürchten sei. Neun Monate später starb Röggl an der Infektion. Seine Witwe brachte im April 1921 eine Klage gegen die Südbahngesellschaft ein. Nach einem langen Jnstanzenzua hat nun endlich das Zivillandesgericht ein Urteil gefällt, das ber Klägerin eine einmalige Entschädigung und Ersatz ber Kosten der Todeskrankheit ihres Mannes sowie Erhöhung ihrer Witwenpenston zuspricht.
töte wird das Wetter?
Auf ber Rückseite des nach Skandinavien abgeroanber- ten Tiesbruckwirbels ist kalte Lust nach Mitteleuropa vor- gebrungen und hat besonders im nördlichen Teil unseres Bezirks bei kurzen Schauern nur zeitweise zu Aufheiterung geführt. Der Zustrom kalter Luft wird jedoch durch bas Herannahen eines neuen Wirbels wieder unterbrochen, wodurch noch keine durchgreifende Abkühlung zustande kommt.
. Witterungsaussichten für Mittwoch: Noch keine beständige Witterung.
owie von Vertretern anderer Ministerien Delegierten der Hauptstadt, ber Akobemie ber Wistenschaften, ber Musikhochschule sowie zahlreicher Vertreter ber ungarischen
Frankfurter Radio-Programm.
Mittwoch, den 31. Oktober.
6.30: Morgengymnastik. Anschließend: Wetterbericht und Zeitangabe. -12.45—13.15: Schulfunk: „Deutsches Land und deutsches Volk in Südtirol", Vortrag von Michael Plattner-München. 13.15—14.15: Nach Stuttgart: Schallplatten-Konzert Buntes Programm. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. 15.55—16.05: Hausfrauendienst, unter Leitung von Fini Pfannes. 16.35—18.05: Nach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. In der Pause: Dereinsnachrichten und andere Mitteilungen. 18.10—18.30: Bücherstunde. 18.30-19: Friedrich Wolff: Vorlesung aus eigenen Dichtungen. 19—19.15: Senckenbergviertelstunde. 19.15—19.30: Französische Literaturproben, vorgetragen von Rektor I. Sterling. 19.30—20: Französischer Sprachunterricht, erteilt von Rektor I. Stehling. 20: Vom Frankfurter Opernhaus (nach Stuttgart): Elektra. Musikalische Tragödie in einem Akt von Richard Strauß. Anschließend von Kastel: Walter Hasencleoer: Vorlesung aus eigenen Werken.
späte Sonntagsgottesdienst, der in ganz Litauen auf dem Lande erst um elf Uhr beginnt, und Vielfach noch zweisprachige Predigt in Litauisch und Polnisch. Wahrlich, die litauische katholische Geistlichkeit führt kein bequemes Leben. Und doch finden diese Männer noch Zeit, um in Schrift und Rebe für ihr Volk zu arbeiten. — —
6. Kapitel.
Ein Spaziergang nach Tursutsche.
Als wir am Mittag nach Pilekalnia heimkomme... gibt es als Mittagessen — es ist Freitag — „Blinsi". das sind litauische Kartoffelpuffer. Den deutschen Hausfrauen kann ich verraten: Die „Blinsi" sind in Butter gebacken, sehr fein und sehr klein, und man darf soviel davon nehmen, als man will, oder bis keine mehr da sind. Es waren aber genug da. Hinter den „Blinsi" her gab es Tee.
Dann kömmt ber Scholtischius, und wir machen uns auf den Weg nach Tursutsche und an die Scheschupa. Natürlich ist auch Kasimir mit von der Partie. Wäre ich ohne Führer, ich hätte unser altes, wohlbekanntes Gebiet wohl nur nach vielen Umwegen gefunden. Einmal sind wir damals ganz andere Wege gegangen, und zweitens ist die Orientierung hier, wo ein Hof dem anderen gleicht, recht schwer. Ich denke da an einen Marsch an einem Abend, als wir bei der zweiten Kompanie verstärken sollten. Um 9 Uhr hätten wir bequem dort fein können, aber es war fyatb zwölf Uhr, als wir die Kompanie endlich fanden. Der uns erttgegengeschickte Unteroffizier behauptete immer wieder: „Jetzt habe ich mich ouredjtgefunben, jetzt weih ich den Weg." Und immer war es ein Irrtum; wir liefen hin und her und im Kreist von Hof zu Hof, bis uns endlich ein gütiges Geschick an unser Ziel führte. In ber Dunkelheit sind alle Katzen grau, bie litauischen Höfe mit ihren Blockhäusern urf Obstgärten aber schwarz.
Heute benutzen wir bie Verbindungswege zwischen den Höfen und Fußpfade. Die Leute, die uns begegnen, oder an deren Höfen wir vorüberkommen, schauen uns verwundert nach. Was will denn der Franziskaner hier an ber Scheschupa? Aber sie grüßen alle sehr freundlich. Dann kommen wir über bie letzte Bodenwelle, und da liegen die drei Höfe, die wir damals besetzt hielten, vor uns. • Freilich, heute ist's ganz anders, als damals, und wüßte ich nicht genau, daß es die gesuchten Orte sind, so wäre die Orientierung nicht leicht.
^Fortsetzung folgt.)
MkUWimken zuni gegenwärtigen Steuersystem.
Dr. Ferdinand Jacobs, Geschäftsführer bei der Vereinigung der Deutschen Bauernvereine, Berlin.*)
Ungarischer Ministerpräsident Graf Tisza.
Am 30. Oktober 1928 werden es zehn Jahre, daß Graf Stefan v. Tisza, der bedeutendste Staatsmann Ungarns im Weltkriege, bei Ausbruch der Revolution erschossen wurde. Er wurde 1861, als Sohn des nachmaligen Ministerpräsidenten Koloman v. Tisza geboren, trat bereits 1886 ins parlamentarische Lebenen, war 1903—05 Ministerpräsident, 1912—13 Reichstagspräsident und 1913—17 wiederum Ministerpräsident. Mit ihm fiel der stärkste und mächtigste Mann des konservativen Ungarns.
Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer, ■