den Brand erlebt haben, so zaUreich gefolgt, daß die beiden Säle überfüllt waren. Nach dem einiei- tenden Gesangsvortrag des Männergesangvereins „Heiligt von Schubert begrüßte der Borsitzenbe, Herr Rechtsanwalt W a n k e l die Erschienenen und wies auf die Bedeutung des Abends hin. Nachdem sodann Herr L o r e n g e \ „Die Feuersbrunst" aus Schillers „Glocke" verständnisvoll vorgetragen hatte, ergriff Herr Studienassessor Beils das Wort -u einer Darstellung des Brandes und feiner Folgen auf Grund der Brandakten und der zeitge- nösfigen Berichte. Der Redner führte etwa folgendes aus:
Am Morgen des 29. Oktober 1888 brach in dem Hinterhaufe des Gasthofes „Zur Krone" Feuer aus.
Mil rasender Schnelligkeit verbreitete sich das Feuer über die Hauptstraße, sodaß Reifende, die um 9 Uhr durch Hünfeld kamen, in Fulda berichteten, es ständen eine größere Anzahl Häuier in der Nähe der Post in Flammen. Der starke Süd-Westwind trieb das Feuer immer weiter, und unter der unerträglichen, ausdörrenden Hitze griff der Brand bald auf die gegenüberliegende Seite der Hauptstraße über. Vergeblich war das Bemühen, dem rasenden Elemente Einhalt zu gebieten, indem man aus Eimern Wasser aus die gefährdeten Dächer goß. Zum Unglück brach im Laufe des Vormittags auch in Großenbach ein Brand aus, den ein Junge, verlockt durch das Hünfelder Feuer, angelegt hatte. Natürlich mußte nun die Großenbacher Wehr umkehren. Nachdem die Flammen einmal die große Häusermasse im Mittelpunkt der Stadt ergriffen hatten, bildete der größte Teil der Stadt gegen Mittag ein einziges, grausiges Flammenmeer.
Auf telegraphisches Ersuchen der Landrates trafen von Hersfeld aus 80 Mann vom 3. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 32 ein, die Hand in Hand mit den Bürgern opferwillig und tatkräftig dem Brande zu steuern suchten. Besonders heiß war der Kampf gegen die Flammen am Fuldaer Tor, wo es nach harter Arbeit durch Niederlegung einiger leicht entzündbarer Häuser gelang, den Brand zum Stehen zu bringen. Bei sengender Hitze, quälendem Brandgeruch und dichten Brandwolken raste das Flammenmeer nach Norden und legte die ganzen Straßenzüge der jetzigen Kaiierstraße bis zur heutigen „Krone", der Hauptstraße und der Lindenstraße bis zum Anger in Schutt und Asche. So ungeheuer stark war die Hitze, daß das Gasthaus ,.Zum grünen Baum", das doch von der nächsten Brandstelle weit entfernt war, ansengte und in Brand geriet. Er war ein seltsames und schauerliches Schauspiel, wenn unter dieser großen Hitze Dächer, an denen noch ke-ne Funken gesehen wurden, bei den angedörrten Sparren und den heißen Strohfiedern plötzlich in hellen Flammen aufloderten. Schon war das Feuer in nächster Nähe der evangelischen Kirche und des Pfarrhauses und drohte auch den nördlichen Teil der Stadt zu erfassen. Da war es vor allem die Fuldaer Feuerwehr, die unter der vorzüglichen Leitung von Domschke und mit ihren guten Geräten hier dem weiteren Vordringen des Feuers Halt gebot. Mit bewundernswerter Schnelligkeit entfernte die Steigermannschaft die gefährlichen Strohfieder aus dem Dache der Kucke und' beseitigte so den Hauptzündstoff. Besonders zeichnete sich hierbei der Schreiner R u p v e l aus, dem die dankbare evangelische Gemeinde 20 Mark aushändigen ließ. Noch suchten die Flammen nach neuen Opfern. Als letztes Gebäude im Osten geriet das Rathhaus (die heutige Lateinschule) in Brand. Auch hier haben sich Hersfelder Soldaten und Fuldaer Feuerwehrleute zusammen mit den Hünseldern rühmlich betätigt. Ein Glück, daß der Mühlgraben genügend Wasser bot. Sonst wäre es wohl kaum gelungen, den Brand vor dem nörd- V-'-en Stadtteil zum Stehen zu bringen.
Grauenerregend war das Bild der Zerstörung, das i unglückselige Stadt am Abend des Brandtages bot. Wüste Trümmer, hohe Aschenhaufen, verkohlte Balken, ruinenhafte Häuserreste waren die Zeugen dafür, daß hier noch am Morgen Menschen in friedlichen Wohnungen gewohnt hatten. Die Nacht hindurch waren die Feuerwehren und die Bürger auf dem Posten; manche Spritze war auch in der Nacht tätig. In jedem Hause, das noch unversehrt stand, brannte die ganze Nackt hindurch Licht; wenigstens ein Familienmitglied hielt Wache. Bor der kästen Nackt suchten die armen Obdachlosen ein vorläufiges Asyl. Die erhaltenen Häuser waren dicht besetzt: die Wartesäle am Bahnhof waren voll Menschen; auf Ti'den und am Boden schliefen die Obdachlosen.
Ein Glück bei diesem maßlosen Unglück: kein Menschenleben aus der Stadt fiel den Flammen zum Opfer. Leider aber hatte die hilfsbereite Bahnhofsfeuerwehr von Fulda den Verlust eines Mcnfckenlebens zu beklagen. Der Steiner Johann Adam Fleck zog sich beim Sturz von einer Mauer eine schwere Kopfverletzung zu, an deren Folgen er starb. Der Familie des Verunglückten wurde aus dem Unterstützungsfonds ein namhafter Betrag zugewandt. .
Die erste Sorge wandte sich natürlich den Menschen zu. Gleich am Abend des Unglückstages selbst ließ die Stadt Fulda alles Brot in den Bäckerlädenn und wollene Decken einsmnmeln und sofort nach Hünfeld schaffen. Am gleichen Tage erließ sie folgenden Aufruf:
Ein schreckliches Brandunglück hat unsere Nachbar- stadt Hünfeld heimgesucht. Zwei Drittel der Stadt sind niedergebrannt, weit über 1000 Menschen ihres Obdackes beraubt. Cs mangelt an Nahrungsmitteln und Kleidungsstücken.
Das unterzeichnete Eomite wendet fick an die bewährte Mildtätigkeit der Bewohner Fuldas und bittet um Gaben an Geld. Kleidungsstücken, Wäsche und Bettzeug für die Brandbesckädigten.
Geldbeträge nimmt Herr Joseph Schmitt, Kleidungsstücke die Herren: Fabrikant Walther Plappert. Buttermarkt: Kürschner Franr Wenzel. M'ttel- ftraße; Domkirckner Hermann Joseph Hollinder, Hinterburg und Gärtner Leo Schickendanz, Horaser- weg entgegen.
Fulda, am 29. Oktober 1888. F. Rang, Oberbürgermeister, Theodor 21 mb, Stadtr-ttsmitglied und Eisenhändler, Joseph Schmitt, Stadtratsmitglied und Weinhändler, Dionys Reuß, Ausschuß-Vorsteher.
Am nächsten Tage erschien dann auch der Aufruf des Hünfelder Komitees:
Durch ein furchtbares Brandunglück ist unser Städtchen gestern heimgesuckt worden. Mehr als di« Hälfte der Stadt, 117 Häuser, ungerechnet die Nebengebäude, liegen in Asche, etwa 1000 Menschen,' darunter viele arme Leute, sind obdachlos geworden. Nun steht der Winter vor der Tür. Die Not ist groß, denn es fehlt an allem, besonders an Obdach, Lebensmitteln, Kleidern und wollenen Decken. Wir wenden uns daher an die öffentliche Mildtätigkeit mit der innigsten Bitte, uns zu helfen, dem Elende unserer armen Mstbürger zu steuern. Wer schnell gibt, gibt doppelt!
Geldgaben, welche uns am erwünschtesten sind, da wir in der Nähe alles beschaffen können, bitten wir an den mitunterzeichneten Amtsrichter Ruits, Naturalien an den gleichfalls mitunterzeichneten
STtarftberidite
Untere
find für Erzeuger, Händler, Verbraucher deshalb so besonders werkvoll und unersetzbar, weil sie infolge erstklassiger llebermikllung
die denkbar schnellsten find
tue mit der notwendigen Neupflasterung große Kosten verursachten. Schwer wurden die Versicherungen in Anspruch genommen. Dank der bereitwilligen Unterstützung aus allen (Bauen war es den Abgebrannten möglich, aus den Trümmern wieder neues Leben ergeben zu lassen. Wer heute durch die Straßen Hünfelds schreitet, wird unschwer an der Bauart der Häuser die Grenze der Brandstätte erkennen. Es war ein furchtbares Ereignis in der Geschichte Hünfelds, das vieles Altvertraute mit rauher Hand zerstörte, das aber das Angesicht der ganzen Stadt erneute.
Nachdem sodann Herr Rudolf Drinnenberg das origmelle Brandgedicht des Hünfelder Poeten Johann' Franz Zinn unter großem Beifall hvrge- tragen hatte, wurde eine Fülle sehr interessanter Aufrufe, Schriftstücke (darunter das Original des Zinnfchen Poems), der alte Stadtplan sowie eine große Zahl sehr interessanter Photographien aus Hünfeld vor und nach dem Brande im Lichtbild vorgeführt. Diese Vorführungen weckten viele ernste Erinnerungen. Sehr interessant waren die Berichte einiger ältere Ei-mo'-—- eigener
Anschauung erzählten. Manche Einzelheit ernster aber auch heiterer Art wurde wieder mack. Herr Rektor Sondergeld benutzte d-m A^-nd, um für die Idee des Vereins zu werben. Der Chor „Im schönsten Wiesengrunde" (wie der erste vortrefflich vorgetragen) beschloß die Gedenkfeier. Der Abend war eine sehr gelungene Veranstaltung im Dienste der Heimatkunde.
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Herr Jacob, der Verfasser unseres Aufsatzes über den Hünfelder Brand in der Sonntagsnummer, macht noch darauf aufmerksam, daß der Brand nicht am 28., sondern am 29. Oktober .war. In dem Hinterhaus des Gasthofes zur „Krone", wo damals der Brand ausbrach, stand einige Jahrzehnte früher die Wiege eines sehr geschätzten Fuldaer Bürgers. Herr Dommusikdirektor Rübsam wurde in jenem Hause am 30. Oktober 1852 geboren. Herr Rübsam eilte noch am gleichen Tage nach Hünfeld und erinnert sich ebenfalls des Brandes noch sehr gut.
Evangelische Kirche.
Man schreibt uns: Auf den morgen, Mittwoch, den 31. Oktober, vormittags 9 Uhr, in der hiesigen Kirche stattfindenden Reformationssest- gottesdienst wird nochmals aufmerksam gemacht.
Die heukige Rümmer'
der Fuldaer Zeitung liefert 12 Seiten.
Kaufmann Rudolph Aha, beide hterselbst, senden zu wollen.
Wir bitten um Weiterverbreitung dieses Aufrufs in anderen Blättern.
Hünfeld (Reg.-Bez. Kassel), den 30 Oktober 1888. Rudolph Aha, Bürgermeister Hau, Richard Hod-s, Dechant Koch, Amtsrickter Kucks. Pfarrer Schäfer. Rentmeister Sitz, Robert Vogt, Landrat von Wevern, Dr. Zahn.
Diese Ausrufe waren von größtem Erfolg gekrönt. Zuerst nahm sich Fulda der obdachlosen Kinder an. 41 Kinder fanden in dem Waisenhaus Aufnahme Für die Bevölkerung stellte die Bahnverwaltung in Fulda leerstehende Wagen zur Verfügung. Ebenfalls wurden in den ehemaligen Kasernenräumen des landgräflichen Schlosses Wohnungen bereitgestellt.
In den ersten Tagen war die Brandstätte das Z'el vieler. Nach der amtlichen Aufstellung sind dem Brande zum Ovfer gefallen: 110 Wohnhäuser. 144 Nebengebäude. Betroffen wurden 197 Famillen mit 687 Angehörigen. Am 1. November traf von Mainz-Eastel eine Abteilung Pioniere ein, um die verschütteten Straßen einigermaßen reizulegen und so den Verkehr zwischen den beiden erhaltenen Stadtteilen zu ermöglichen, dann aber auch, um die noch stehenden Mauerreste und Schornsteine zu kürzen, damit nicht noch weiteres llnheil einträte
Aus allen Gegenden Deutschlands trafen Geldsendungen in Hünfeld ein. stellenweise von recht ansehnlicher Höhe. An vielen Orten, so in F u l d a und Frank- urt, hatten sich Sammelstellen gebildet, oft durch die Zeitungen. Wohltätigkeitsveranstaltungen zum Besten der Abgebrannten wurden abgehalten. So fand in Fulda am 9. November 1888 im Harmoviesaale ein Konzert statt unter Mitwirkung des Gesangvereins „Eäcilia" (Dirigent: Herr Domorganist F. Rübsam) und der durck geschätzte auswärtige und hiesige Kräfte verstärkten städtischen Kapelle. In Berlin fand am ersten Kaisersgeburtstag des neuen Kaisers am 27. Jan. 1889 auf kaiserliche Anordnung eine Veranstaltung im Kgl. Schauspielhause statt, von der über 3700 Mark nach Hünfeld überführt wurden. Nach Abschluß der Sammlungen betrug die Gesamtsumme der eingegangenen Gelder 189 716 Mark, gewiß ein glänzender Beweis von der großen Opferwilliakeit weitester Kreise. Besondere Aufrufe hatten die Bischöfe von Fulda und von Breslau erlassen. Groß waren auch die Gaben an Naturalien. So war es dem Hilfskomitee möglich, die geängstigte und mittellose Bevölkerung über den Winter zu bringen. Als Wohnung dienten Baracken, die sowohl einzelne sich bauten, als auch solche, die aus öffentllchen Mitteln erbaut wurden, in denen die Abgebrannten gegen geringe Miete ein bis zwei Stuben bewohnten.
Große Arbeit und Kosten bereitete die Ausräumung des hohen Schuttes und die Neuausmessung. Ein wichtiges Erfordernis war die Verbreiterung der Straßen,
Fuldaer Land und Nachbarqeliiet.
--- Marbach (Kr Fulda). In einer Familienverfamm- lung des Iungfrauen-Vereins hier hielt Herr Konrektor Weißmüller aus Hanau einen interessanten Vortrag über feine Erlebnisse bei Theresia Neumann in Konners- reut. Reicher Beifall lohnte die klaren, spannenden Aus- ührungen, denen die Zuhörer Stunde aufmerksam lauschten. Es gibt noch Vieles zwischen Himmel und Erde, von dem sich mancher nichts träumen läßt.
--- Großenlüder. Die Unsicherheit selbst auf der Landstraße nimmt auch hier zu. Wollte da ein junger kräftiger Mann auf seinem Rad nach Oberbimbach fahren. Die Insassen eines herankommenden Aittos halten ihn an und suchen den sick sträubenden Mann ins Auto hineinzuziehen. Sein Widerstand aber siegte und er konnte auf feinem Rade nach Großenlüder zurückeilen. Hätte er die Nummer des Autos sich sofort gemerkt und dem nächsten ßanbiägerpoften gemeldet, bann hätten diese Wegelagerer leicht zur Rechenschaft gezogen werden können.
Mi tellalbach. Die Witwe NaMssia Weber, dahier, feiert am 30. Oktober in voller Rüstigkeit ihren 80. Geburtstag. Die Greisin verrichtet noch sämtliche häuslichen Arbeiten und liest noch mit großem Inte- resse die Fuldaer Zeitung und den Bonifatiusboten. Hoftentlick noch manches Jahr.
-- Aus dem Kreise Hünfeld. Ein im Kaligebiet beschäftigter Bergmann von Eiterfeld wurde bei Aus- Übung seines Berufes schwer verletzt, so daß feine Ueberführuna in das Hersfelder Krankenhaus nötig wurde. — Auf dem Heimweg von einer Schützenver- einsveranstaltung in Arzell wurden ein Anstreicher und eine ihn begleitende Frau unterwegs von einem Körnbacher Burschen angefallen und durch Messerstiche erheblich verletzt. — Mit Genehmigung der Bischöflichen Behörde wird vom vergangenen Sonntag ab in Körnbach und Dittlofrod abwechselnd ein SonntagsvormittagSgottesdienst um 11.15 Uhr ab• gehalten.
Reckrod. Der sckon mehrere Jahre als Portier in Fulda angestellte Becker von hier hat sein Eigen- tum verkauft und ist mit seiner Familie nach Fulda verzogen. Das kleine Häuschen hat die Gemeinde zum Preise von 1700 Mark erworben und wird es als Gemeindehaus einrichten lassen.
= Eiterfeld. In vergangener Woche hat sich in unserem Orte ein Dentist niedergelassen.
- Eschwege. Der Gesamterlös aus der diesjährigen Obsternte betrug in den Stadt- und Landgemeinden des Kreises Eschwege 42 158,15 RM. gegen 38 703,00 RM. im Vorjahre.
= Kassel. In Niederzwehren hat sich der Polizeihauptwachtmeister Rößler durch einen Schuß in den Kopf getötet. Der Beamte hat aus verletztem Ehr- qefühl wegen eines geringfügigen Dienstvorkommnisses feinem Leben ein Ende gemacht.
-- Kassel. Unter sehr zahlreicher Beteiligung der Vertreter des Hauptvorstandes, der Landesverbände und verschiedener Grenz- und Auslandsgebiete fand in Saffet die Hauptausschußsitzung des V. D. A. (Verein für bas Deutschtum im Auslände) statt Auch die staatlichen und städtiscken Behörden hatten ihr besonderes Interesse durch Entsendung zahlreicher Vertreter bekundet. So sah man unter anderen den Ober- Präsidenten Dr. Friedensburg, den Kasseler Dberbürger- meister Stadler. Die Beratungen begannen am Sams- tag mit einer Versammlung der Frauengruppenoertrete- rinnen. Der Nachmittag war ausgefüllt mit Einzelsttzuu- gen. Am Abend fand eine Festvorstellung statt. Spater vereinigten sich die Teilnehmer auf Einladung des Magistrats von Kassel im Rathauskeller. — Die Hauptausschußsitzung selbst begann mit Entgegennahme von Berichten über die neuen polnischen Gebiete und über Euven-Malmedy. Den Geschäftsbericht erstattete der ge- fchäftsführende Vorsitzende Admiral a. D. Seebohm. Der Bücherversand ins Ausland ist sachgemäß auszugestalten. Etwa 25 000 Bücher wurden allein von der Hauptstelle aus verschickt.
— Hanau. In der Scheune des Metzgers Eidmann in der Blochmühle bet Niederissigheim wurden durch einen Brand Holzteile und Gerätschaften im Werte von 8000 Mk. vernichtet. Ein bei dem Metzger beschäftigtes 18jähriges Dienstmädchen hatte das Feuer angelegt.
= Aschaffenburg. Einem von Darmstadt kommenden G ü t e r z u g stießen im hiesigen Güterzugeinfahrtsbahn- hof nächst der Gladbacher Ueberfahrt drei Wagen einer Rangierabteilung in die Flanke. Der Aufprall auf den fahrenden Zug war so stark, daß ein mit Schweinen beladener Wagen sich auf den Kopf stellte. Dabei wurden sechs Schweine getötet. Der Materialschaden dürfte sich auf wehere tausend Mark belaufen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Die (Einfahrt in den Güterbahnhof war jedoch bis in die Nachmittagsstunden hinein gesperrt.
— Aus dem Taunus. In H o r n a u war zu nassaui- scheu Zeiten das Geschlecht derHerien von Eagern ansässig. Die Familie hat ihren Mitgliedern, die starben und auf dem Friedhof beigesetzt wurden, künstlerisch wertvolle Grabdenkmäler fetzen lassen, die heute
noch wohlerhalten sind, ihrer hohen geschichtlichen und kulturgeschichtlich wertvollen Inschriften wegen aber dauernden Wert besitzen. So liegt auf dem Friedhof der aus der Revolution von 1848 bekannte Freiherr Friedrich von Gagern, der bei Kandern fiel, begraben. Die Grabinschrift besagt, daß dieser von Gagern an dem Zuge Napoleons I. nach Rußland teilnahm, dann an der Schlacht bei Leipzig, bei Waterloo, schließlich längere Jahre auf Java und Sumatra kämpfte. Auf dem Denkmal des Brüderpaares Karl und Franz von Gagern lieft man, daß beide 1859 in der Schlacht bei Solferino fielen. Ein nnberer Grabstein ist dem Andenken des her» z^lick r auischen Generals Philipp Anton von Gagern gm. tet. — Der Taunusklub hat jetzt bei dem zuständigen Bezirkskonservator den Antrag gestellt, die fämtlidjen Grabdenkmäler unter Denkmalsschutz zu stellen und Mittel aufzubringen, daß die Gräber erhalten bleiben.
— Rüsselsheim. Der höchste Kamin der Höchster Farbwerke mit 120 Meter wird durch den noch im Bau befindlichen neuen Schornstein der Opelwerke übertroffen werden. Er wird 135 Meter hoch und damit der höchste Schornstein Europas. Die Wände haben eine Stärke von etwa 60 cm, der Durchmesser am Fuß beträgt 6 Meter und die obere Weite 3 Meter.
--- Groß-Gerau. Die 62jährige Frau Margarete Langendorf kam beim Arbeiten in der Küche dem Spirituskocher zu nahe. Hierbei fingen ihre Kleider Feuer. Bis Hilfe gebracht werden konnte, war die Frau am ganzen Körper derart verbrannt, daß sie alsbald starb. _—■■■■—
Aus Oberhessen.
Cie Marburger Vasallindustrie.
Folgende Antwort auf eine Anfrage im Landtag betreffend die Lage der Basaltindustrie im Kreise Marburg hat der Preußische Handelsmini- fier erteilt: Die angefteöten Erhebungen haben keinen Anhalt dafür ergeben, daß die Basaltindustrie in den Orten Dreihaüsen und Heskem (Kreis Marburg) infolge zu hoher Bahnfracht nicht mehr wettbewerbsfähig fei. Die Tarifsätze der Bahn sind nach dem Urteil der zuständigen Kleinbahnaufsichtsbehörden als niedrig zu erachten. Sie sind für den größten Teil der Verfrachtungen (Schotter, Kleinschlag) noch dieselben wie 'in der Vorkriegszeit; eine Herabsetzung kann im Hinblick auf die finanzielle Sage bes Bahnunternehmens nach den gesetzlichen Bestimmungen nickt gefordert werden. Der Rückgang der Versand- mengen in den fraglichen Werken während der Monate Januar bis August' d. Js. gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres ist. abgesehen von der geographischen Lage des Gebiets, auf die allgemeine M ar kt- l a g e zurückzuführen, die sich in der getarnten Bafaltin- buftrie nachteilig bemerkbar gemacht hat. Inzwischen haben die Berfracktungen roieber wesentlich ^genommen. Die Preisverhältnis se finb Im allgemeinen biefelben wie im Vorjahre, die Löhne um 20 Prozent hoher. Die Zahl ber Arbeiter war am 1. August entsprechend dem geringeren Absatz um 72 Mann geringer als zu derselben Zeit des Vorjahres. Die entlassenen Arbeiter haben aber bis auf einen ganz kleinen Teil anderweit Beschäftigung gefunden. 2. kleine Werke haben den Betrieb wegen Unergiebigfeit bes Basaltvor- tommens u. Unwirtschaftlickkeit eingestellt; bie Frachten haben babei keine Rolle geföielt. Die Befürchtung eines enbgültigen Zusammenbruchs ber übrigen Betriebe erscheint baher unbegrünbet. Der Entwicklung ber Sachlage wendet bie Staatsregierung ihre dauernde Aufmerksamkeit zu. Zurzeit besteht keine Veranlassung. Maßnahmen zu Gunsten der Basaltbetriebe in Dreihaüsen und Heskem zu ergreifen oder ber Frage der Uebernahme der Marburger Kreisbahn auf den Staat bezw. das Reich näherzutreten.
--- Marburg. Dadurch, daß bei einbrechender Dunkelheit bie Fuhrwerke nicht rechtzeitig beleuchtet werden, find in letzter Zeit mehrfach Verkehrs uns alle zu verzeichnen gewesen. So rannte in der ®tffel» berget Straße das Auto eines Marburger Arztes in der Dunkelheit in ein unbeleuchtenbes RoNfuhpverk. Ein Jnsasfe erlitt außer Kopfverletzungen durch Glas- splittet einen Armbruch, während das Auto schwer beschädigt wurde und ein Pferd erhebliche Verletzungen davontrug. Nut der Geistesgegenwart des Führers, der das Auto im letzten Augenblick etwas seitwärts steuern konnte, ist es zu danken, daß ein Aufprallen auf die Deichsel des Fuhrwerks vermieden wurde. — Fast an der gleichen Stelle, aber noch am Hellen Tage, streifte ein vorüberfahrendes Auto einen dort haltenden Motorradfahrer, schleuderte ihn beiseite, so- daß er einen Beinbruch da" oft rüg. Die Verunglückten brachte man in kl ni che Behandlung.
---- Marburg. Nachdem durch die in der Inflation verloren gegangenen Spatvermögen ber Sparfinn, der Bevölkerung etwas zurückgegaugen wat, macht sich letzt, wie eine Aufstellung der Marburger städtischen Sparkasse zeigt, eine erhebliche Zunahme ber Spargelder bemerkbar. So stieg ber Bestand an Spareinlagen von rund 2 350 000 Mark bei 4 980 Spar
konten Ende 1927 auf gegenwärtig rund 3 600 000 Mk. bei 7100 Sparern. Dazu kommen noch Einlagen im Scheck- und Kontokorrentverkehr von tunb 480 000 Mk.
Dann wird als näu,,— v------
RM. aus der Theaterkasse erörtert. Müller hatte ein Haus gekauft, für das als erste Kaufsumme 12 700 RM. gezahlt werden sollten. Der Betrag war ihm von befreundeter Seite zugesichert worden, konnte aber am Zahltag nicht beigebracht werden. Muller stellte sich darauf einen Scheck gegen Vorschußbeleg über 16 500 RM. aus. Den Namen seines Geldgebers nannte bet Angeklagte nicht. Das Geld mürbe tatsächlich bat »»«• w der der Kasse der Gesellschaft zugeführt. — würfe daß M. sich für die Rundfunkübertragungen der / Oper bezahlen ließ, suchte ber Angeklagte damit zu ent- träften, daß ber Vorsitzenbe bes Aufsichtsrates bavon gewußt habe. Mit dem Gelbe habe er übrigens Büro- möbel beschafft. Belege herüber fehlen jeboch Auch die Privatvergütung von 30 RM für jede Opernübertragung, insgesamt 3160 RM., beansprucht M insofern für sich, als er barlegt, baß zahlreiche Verbesserungen fein geistiges Eigentum gewesen seien. Für bie Dop- pelDorfteßungcn nahm M. als Sonberhonorar 6209 RM. für sich. Er begrünbet bas bamit, baß bei solchen Vorstellungen Sondervergütungen stets gezahlt worden seien, was auch im Anstellungsvertrag stehe. — Die Sitzung wurde darauf auf Dienstag vertagt.
wieder freigetaffen.
Nach Abschluß dieser Vernehmung werden nun bie einzelnen Fälle mit bem Angeklagten durchge- sprochen. Es handelt sich zunächst um bie Untreue und ben Betrug, ber in bem sogenannten Flügelverkauf liegen soll. Müller hatte vor dem Kriege einen Flügel für 1200 Mk. gekauft unb veräußerte ihn 1926 für 2500 Mk. an bie Bühnen 21. G. Müller beruft sich barauf, daß ihm bie Preise nicht so geläufig gemefen feien. — Ferner war bie Zentrale für gemeinnützige Musupflege mit 20 440 RM. gegenüber ber Bühnen 21. G. in Rückstand gekommen. Auf Müllers Antrag wurde triefe Summe niedergeschlagen. M. war im Aufsichtsrat dieses Instituts gegen ein Monatsgehalt von 500 RM. tätig, hat das aber seiner Gesellschaft nicht gemeldet Als ihm vor- gehalten wurde, daß er doch feine ganze Kraft der Buhnen 21. G. widmen sollte, wird M. erregt unb schlagt auf ben Tisch und erklärt, daß er die Zentrale un Interesse ber Städtischen Bühnen vertreten habe. Es wir! bann festgestellt, daß für bie Schuld von 20 440 RM. eine Bürgschaft nicht in Anspruch genommen worden. Dann wird als näcpfter Fall die Entnahme von 16v0iI RM. aus ber Theaterkasse erörter
--- Grausiges Ende. Als in ber Nacht zum Sonntag die letzte Straßenbahn von Bockenheim nach Praunheim fuhr, (prang plötzlich am Sportplatz ein junger Mann aus bem Dunkel ber Straße und warf sich vor den in schnellster Fahrt befindlichen Straßenbahnzug. Der Wagenführer erlitt einen Nervenzusammenbruch, ebenso ein neben ihm stehender Fahrgast. Der Lebensmüde wurde von ben Rädern voll'g zerschnitten unb war auf ber Stelle tot. Es hanbelt sich um einen 24- jährigen Handlungsgehilfen 21. F. aus bem Stadtteil Haufen, der anscheinend aus wirtschaftlicher Not den Tot gesucht hat. ,
- Kleine Frankfurter Rundschau. In ber Nacht vom Sonntag zum Montag wurde in ber Langestraße ein Einbruch verübt, bei bem Schmucksachen unb Wertgegenstände im Gesamtwert von 10 000 Mk gestohlen wurden — In der Großen Nelkenstrahe wurde ein 24jät)tiger Handlungsgehilfe auf noch ungeklärte Art und Weise von der Straßenbahn üb er fahr en; er war sofort tot. — Eine Hausangestellte sprang von einem fah- rendenStraßenbahnzugder Linie 23 ab. Ste fiel mit dem Gesicht in ein Gitter unb mußte in schwerverletztem Zustande nach bem Krankenhaus verbracht werben. ______w___—
wirtschaftliche ttampfbervequrigen.
— Dix Arbeitgeber lehnen den Schiedsspruch in bet Eisenindustrie ab. Der am Freitag vergangener Wocke ge äUte Lohnschiedsspruch für bi-Metallarbeiter ber nordwestlichen Gruppe ber Eisen- unb Stahlmbustrie, der, wie bereits gemeldet, von den Arbitnehmerorganisationen angenommen worden ist, wurde vom Arbeitgeberverband abgelehnt Zu Nachoerhandlungen über die Verbmdlich- teitsertlärung des Schiedsspruches hat ber Reichsarbeik»- minifter bie Parteien auf Dienstag, ben 30. Oktober, nach Berlin in bas Reichsarbeitsministerium geloben.
Glückliche Vallon-Landungen.
In der Nacht -um Montag landete an der Ost- seeküste bei o f f im Kreise Greifenberg der nachmittags um 16% Uhr in Berlin mit drei anderen Ballons aufgestiegene Ballon „fierforb". Ursprünglich beabsichtigten die Insassen, nach Schweden zu fliegen. Bei dem gegen Abend aufkommenden West, wind wurden sie'aber nach Osten abgetrieben. Sie konnten im Mondschein die Ostseeküste rechtzeitig erkennen und eine Landung vornehmen, die einige Metervordersehrhohen St eil- c ü st e' bei Hoff glatt von statten ging. Die Ballonhülle wurde von hilfsbereiten Ortseinwohnern verpackt und verfrachtet. .
Zwei weitere deutsche Ballonrlieger, die ebenfalls von Berlin gestartet waren, gingen am Montag gegen 14 Uhr M.E.Z. in Bromarf in der Nähe der Stadt Hangö (Finnland) nieder. Die Landung war schwierig, ist aberg lücklich verlausen.
D'e heutige Ausgabe der ifu'baer ZeUung im Stabt« unb Landkreise Fulda enthält eMe Beilage ber Kreissparkasse Die Leser werben Höst, gebeten, bie Aussoibe- . rung zum „Sparen" gut zu beachtet
gus Niederhessen.
— Fritzlar. Zu Beginn bes Wintersemesters veranstaltete ber hiesige Fremdenverkehrsverein am 26. dieses Monats im Saale bes Hotels Nägel einen Werbeabenb mit Lichtbiibervortrag. Der Redner des Abends. Herr Ide aus Kassel, ber im ganzen Hessenlande als Heimatschriftsteller einen guten Ruf besitzt, sprach über bas Thema: „Wir unb ber Ser- kehr". Er begann mit der Schilderung einer Wände- rung durch bas Fulda-, Schwalm- und Edertal und zeigte bann in Lichtbildern die Schönheit dieses Teiles des Hefsenlanbes, wobei er aufforberte, bie Heimat sich durch Wandern zu erschließen. Im Wandern soll Zwiesprache mit der Natur gepflogen werden, es soll babei auch die Kluft zwischen Stabt- und Landbevölkerung überbrückt, unb somit eine Volksgemeinschaft im ebelften Sinne des Wortes entstehen. Zur Erleichterung des Wanderns forderte der Redner die Schaffung einer guten Wegebezeichnung. Zum Schluß bat er, bem Fremdenverkehrsverein beizutreten. Die Versammlung dankte dem Redner mit herzlichem Beifall.
Neues aus Frankfurt.
Der Prozeß Müller-Wieland.
Im Schwurgerichtssaal begann Montag vormittag die auf mehrere Tage berechnete Verhandlung gegen den seitherigen kaufmännischen Direktor ber Stadt. Bühnen 21. G., Otto Müller- Wieland, bie vom Landgerichts- birettor Messerschmibt geleitet wird. Der Angeklagte gibt zunächst einen Abriß über seinen bisherigen Lebenslauf. In knappen Ausführungen werben die Einzelheiten bes Vertrages zwischen ber A.-G. unb Muller erörtert, vor allem in ber Richtung, wieweit Müllers Verantwortlichkeit reichte. Die Revisionen ber Muller- scheu Verwaltung fanden alljährlich statt, es waren reine Buchrevisionen. 1926 wurden einige Anstände erhoben. Im Jahre 1927 erhielt Müller vomAufstchtsrat eine ernste Verwarnung weil er eine Angelegenheit über Sommergastspiele nicht korrekt bargestellt hatte. Weitere Untersuchungen führten bann vor Jahresfrist zur Aufdeckung besonders schwerer Mißstände. Man fand bei einerKassen- revision einen unzulässigen Scheck von 16.500 Mk. ber Zentrale für gemeinnützige Kunftpflege, den ber Angeklagte unterschrieben hatte. Der Scheck würbe spater von M. gedeckt. Müller wurde entlassen, reifte nach Leipzig, wurde dort verhoftet und später in Frankfurt