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Nr. 253.

5uldaer Zeitung (Amtliches Kreisbtatt).

Mittwoch, 31 Oktober 1928.

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Ern Gedenktag in Hünfelö.

Zur Erinnerung an den furchtbaren Riesen­brand. der vor genau vierzig Jahren den größten Teil Hünfelds in Schutt und Asche legte, veranstal­tete der Heimatmuseums-Verein in Hünfeld am Montag, den 29. Oktober, im Gesel­lenhause ein eindrucksvolles Gedenken. Der Ein­ladung war dis Bürgerschaft, von der ja sehr viele

Mr. Ferguson, Direktor der Philip Mor­ris & Co., Ltd., London (England)

De Heer Gersdorf, Direktor der Ciga­rettenfabrik Turmac, Zevenaar (Holland) Senor Roetzsch, Direktor der Firma Con­

ti res, Rio de Janeiro (Brasilien)

Das Umsatzsteuer-Aufkommen.

Das Umsatzsteueraufkommen im Bezirk des Lan- oesfmanzamts Kassel, zu dem auch Fulda gehört, betrug 1927 35,8 Mill. Mark gegen 37 Mill. Mark 'n 1926, 61,1 Mill. Mark in 1925 und 69,5 Mill. Mark in 1924.

Verlängerung der Amtsperiode der Mitglieder und Stellvertreter der Grundwert- und Gewerbeaus- fchuffe.

„ Nach § 6 des Auszuges aus der Verordnung über die Einheitsbewertung und Vermögenssteuer- Veranlagung 1928 vom 9. 6. 28 (Seile 35 des Ergänzungsbandes 1928) ist die Amtsperiode für

die Abteilungen der gewählten, ernannten und be­nannten Mitglieder und Stellvertreter der Grund­wert- und Gewerbeausfchüsfe bis 31. 12. 1929 ver- länaert worden.

Parkplätze.

Das Stadtbauamt hat jetzt in allen Teilen der Stadt Plätze durch Kalkstriche kenntlich machen las­sen, wo Fahrzeuge, die in Fulda Aufenthalt neh- men, abgestellt werden können. Man hofft, daß °urc() die Zurverfügungstellung solcher Plötze d>e Fahrstraßen von jeder Versperrung durch anhal­tende Fahrzeuge und Kraftwagen frei bleiben und . Verkehr ungehindert abspielen kann. D'e Verstopfung der Straßen der Innenstadt durch Fahrzeuge bedeutete zweifellos eine der kritischsten Erscheinungen in dem schon an sich so schwierigen Straßenverkehr. _____

Das heimische Zleischergewerbe.

Die Obermeister der Fleischer-In­nungen der Provinz Hessen-Nassau ""d des Freistaates Hessen, die im Bezirksverein ^,Beide Hessen und Nassau" des Deutschen Flesicher- Berbandes zusammengeschlossen sind, hielten unter Vorsitz des Ehrenobermeisters Karl Schnell-Kassel am Sonntag in H e r s f e l d ihren Obermeister­tag ab. Die Gesangsabteilung der Fleischer-In­nung Hersfeld sang einige Vegrüßungslieder, wo­rauf Obermeister Sander-Hersfeld die zahlreiche Versammlung von etwa 160 Obermeistern und Stellvertretern aus allen Teilen der Provinz Hes­sen-Nassau und des Freistaates Hessen namens kei­ner Innung willkommen hieß. Ehrenobermeist»r Karl Schnell-Kassel berichtete über die wirtschaft­liche Lage des Fleischergewerbes.

Er beklagte insbesonbere den scharfen Wettbewerb der Konsumvereine und der Warenhäuser, die mehr und mehr dazu übergehen, aus eiaenen oder an­deren Großbetrieben Fleischwaren aller Art und Wurü zu beziehen, um sie in eigenen Verkaufsstellen oder in ihren Warenhausabteilungen feilzuhalten und hierdurch dem eigentlichen Fleischergewerbe einen sehr bed-uten- den geschäftlichen Abbruch tun. Neuerdings seien auch Bestrebungen vorhanden, mit Unterstützung des Reiches Groß-Schlachthäuser ünd sogen. Reichs- wurstfabriken zu errichten, deren Aufgabe es sein soll, in den sogen. Viehüberschußgebieten durch Abschlgch- tungen und Verarbeitung des Fleisches an Ort und Stelle vreisausgleichend für die Landwirtschaft zu wir­ken. Diese großgenossenschaftliche Diehverwertung habe den Nachteil fürs Gewerbe, daß in vermehrtem Um­fange die Belieferung der Warenhäuser und Konsum­vereine durch diese mit Unterstützung des Reiches be­triebenen Schlacht- und Derarbeitungsstätten erfolge und die Absatzgebiete der selbständigen Fleifchermeister ver­kleinere. Mit gewisser Besorgnis müsse das Fleischer­gewerbe auch die zunehmenden Schlachtungen der L a nd- wirte und Gutsbetriebe verfolgen: auch hier gehe man dazu über, das Fleisch zu Wurst und Rauch­waren zu verarbeiten und sie entweder Großabnehmern und Wiederverkäufern oder unmittelbar an Konsumen­ten zu verkaufen, in beiden Fällen zum Nachteil des Gewerbes. Die Zahl der sogen. Hausschlachter habe weiterhin in überaus großem Umfange zuqenom- men und das organisierte Gewerbe müsse fordern daß die sehr scharfen Ueberwachungsbestimmungen der ge­werblichen Betriebe auch für die Hausschlachter aus­gedehnt werden. In der sehr eingehenden Aussvrache regte stellvertretender Obermeister Eduard Lauckner- Kassel an, daß auch die Innereien genossenschaftlich ver­arbeitet werden sollten, um den kleineren und mittleren Meistern einen Teil der zeitraubenden Kleinarbeit ab­zunehmen und sie dadurch leistungsfähiger zu machen.

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Obermeister Wilhelm Pfeisfer-Franksurt a. M. rotes daraufhin, daß sich in Halle gegen 60 mittlere und klei­nere Fleischermeister zu einer Wurst- und Fleischwaren- Genossenschaft zusammengeschlossen hätten die ihre Wurst- und Fleischwaren nach Art der Großbetriebe an einer Stelle genossenschaftlich herstellen lassen, den Ver­kauf in eigenen Geschäften dahingegen im vollsten Um­fange beibehalten haben, dieser Versuch habe sich durch­aus gut bewährt und er dürfte in absehbarer Zeit über­all Nacheiferung finden, weil die fachmännische Fleisch­verarbeitung auf genossenschaftlicher Grundlage durch­aus möglich und für den einzelnen Klein- und Mittel­betrieb auch durchaus billiger sei.

Obermeister Becker-Offenbach (Main) hielt einen ausgezeichneten Vortrag über die Einkommen- fteuer-Veranlagung im F l e i s ch e r ge - werbe. Der Vortragende ist hessischer Landtags­abgeordneter, Magistratsmitglied in Offenbach und Sachverständiger für Finanzfragen im Ministe­rium in Darmstadt. Aus diesen Gründen be­herrschte er das überaus große Feld der Steuer­sragen gründlich.

Er forderte nun, daß die Richtlinien der Lan­desfinanzämter geändert werden müßten, insoweit sie bei Erfassung des Umsatzes das Schlachtgewicht der einzelnen Tiere schätzungsweise errechnen und sich hierbei Unterlagen bedienen, die einer fachli­chen Nachprüfung durchaus nicht Stand halten. So sei es durchaus verfehlt, die Innereien des Schlachttieres mit 30 Prozent des Lebendgewichts in Ansatz zu bringen und zu sagen, diese 30 Proz. hätten de.i halben Wert des sonstigen Fleisches. Auf diese Weise ergäben sich zum Nachteil des Flei­schermeisters viel höhere Umsätze an Fleisch als sie tatsächlich vorhanden seien. Auch die Richtlinien für die Hau- und Schwundverluste bedürften einer gründlichen Nachprüfung. Um eine gerechtere Veranlagung zur Einkommensteuer zu erreichen, sei es erforderlich, daß die Innungen mit viel grö­ßerem Eifer als bisher daraufhin arbeiten, daß tüchstge Fleischermeister in die Steueraus- ' ch ü s s e kommen und das Fleischergewerbe in den städtischen Körperschaften überall vertreten sei.

An diesen Vortrag schloß sich eine stundenlange Aussprache, deren Ergebnis Ehrenobermeister Karl Schnell-Kassel dahin zusammenfaßte, daß eine ein­wandfreie Buchführung auch für den kleinsten Be­trieb das richtigste sei, um der willkürlichen Ein­

schätzung zu entgehen. Der Obermeistertag beschäf­tigte sich dann sehr eingehend mrt dem neuerdings in großen Mengen anfallenden Freibank­fleisch.

Es wurde darauf hingcroiesen, daß allein in Kassel in den letzten vier Monaten 3904 Kg. Fleisch, das seien 13 Stück Großvieh, der Wasenmeisterei überwiesen wer­den mußten, weil das Fleisch das sich bei zweckmäßige­rer Behandlung für die Freibank und damit für die menschlicke Ernährung durchaus noch geeignet hätte, un­sachgemäß behandelt worden ist. Aus Frankfurt a. A. kamen ganz ähnliche Klagen. Meister Ingelfinger- Frankfurt a. M. führte darüber Beschwerde, daß sich in jüngster Zeit der Auftrieb tuberkulösen Schlacht- viehes, vornehmlich Weideviehs, derart häufe, daß die Schlachtviehversicherung in Frankfurt um über 50 Pro­zeit stärker als in den Vorjahren in Anspruch genom­men werden müßte. Eine große Protestversammlung sei daher für die nächste Zeit nach Frankfurt einberufen worden, um gegen das lieberfahren des Frankfurter Marktes mit tuberkulösem Schlachtvieh geeignet« Schritte zu ergreifen Ehrenobermeister Karl Schnell- Kassel forderte die bessere Abschlachtung der Häute und Felle. Obermeister Becker-Offenbach und Lahmann- Offenbach wiesen daraufhin, daß in Frankreich ein Häm teabschlachteapparat in Benutzung sei der sich sehr gut bewährt habe und eine Haut ohne Schnitte und Riss« abschlachte: man werde in der nächsten Zeit diesen Apparat in Offenbach haben und ihn ausprob'-eren Obermeister Stracke- Bad Wildungen mies darauf­hin, daß er einen Enthäuteapparat, einen Fellabstoß- und einen Entborstungsapparat für Schweine zum Pa­tent angemeldet habe: diese Apparate, die ein Beschädi­gen der Häute unmöglich machten, hingen an einer b-cg- famen Welle und würden durch einen kleinen Elektro­motor angetrieben Ehrenobermeisier Karl Schnell- Kassel ersuchte um gelegentliche Vorführung in Kassel. Meister Tautz - Fulda mies auf die Notwendigkeit bes­serer Schaufensterdekorationen hin und gab hierfür zweckmäßige Ratschläge.

Fulda, den 30 Oktober 1928

Gesundheitspflege in Hessen-Nassau.

der Provinz Hessen-Nassau wurden nach vv.u Stand doh 1. Mai 1927 im ganzen 1948 Aerzte, darunter 62 weibliche, festgestellt. Auf 10 000 der Bevölkerung entfallen somit 8 Aerzte, wahrend der allgemeine Durchschnitt im Reich 6,9 beträgt. Unter den 1948 Aerzten befinden sich 106 Chirurgen, 82 Frauenärzte, 61 Augenärzte, 97 Hautärzte und 72 Aerzte für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten. Die Zahl der Zahnärzte belauft sich auf 467, also 1,9 auf 10 000 Einwoh­ner. Daneben gibt es noch 193 staatlich geprüfte und 227 nicht staatlich geprüfte Dentisten bzw. Zahntechniker.

An Apothekern zählt die Provinz 277, welche als Besitzer oder Pächter noch 163 weitere approbierte Apotheker, ferner 108 Assistenten und 71 Praktikanten beschäftigen. An sonstigem Heil- und Pflegepersonal finden wir noch 1512 Heb­ammen, darunter 406 frei praktizierende, so daß 6,2 Hebammen auf 10 000 Einwohner kommen ge­genüber nur 4,6 im Reichsdurchschnitt. Heilgehil­fen und Masseure waren 214, darunter M nicht staatlich anerkannte, vorhanden, ferner 1658 staat­lich anerkannte Krankenpfleger- und Pflegerinnen, von denen 1137 geistlichen oder religiösen Organi­sationen anqehörten, sowie 1121 nicht staatlich an­erkannte Pflegepersonen.

An Heilanstalten standen (in 1926) 142 allge­meine Krankenhäuser, 30 Irrenanstalten, 5 Augen­heilanstalten und 9 Entbindungsanstalten zur Ver­fügung. Auf je 10 000 Einwohner entfielen in den allgemeinen Krankenhäusern 56 Betten, in den Irrenanstalten 34 und in den Augenheilanstalten 1 Bett.

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ttrastpost Fulda—Poppenhausen

Gültig vom 1. November 1928 ab.

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