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Ar. 252.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 6e$to. -18 Pf.), ohne Zuftellg.

Dienstag, 30. Oktober 1928.

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SS.Zahrg.

Völkerbundes machen würde. Vielleicht wird Ita­lien aus diesen Vorgängen die Lehre ziehen, daß es im Interesse der italienischen Politik liegt, dem Völkerbund ' freundschaftlichere Beziehungen als bisher zuzuwenden.

Der Zaszismus.

Aus Anlaß der sechsten Wiederkehr des Jah­restages des Marsches auf Rom richtete Mussolini an die Faschisten eine Kundgebung, in der die­selben Redensartaen vorkommen, wie in der gleichen Kundgebung des Vorjahres.

*

wtb. Paris, 29. Okt. (Eig. Funkm.) Havas berichtet aus Brüssel, daß sich nach Schluß

einer Versammlung zur Feier des Jahrestages des Marsches der Faschisten auf Rom, bei der der aus Rom gekommene faschistische Abgeordnete Feli- cioti das Wort ergriff, Zwischenfälle ereig­neten. Rach dem sozialistischen Peuple kam es zu einem Zwischenfall zwischen mit schwarzen Hem- den bekleideten Faschisten, die den Eingang zum Versammlungsraum bewachten und einigen Antifaschisten, die sich vor der Tür des Ver­sammlungsgebäudes versammelt hatten. Die Po­lizei trennte die Kämpfenden, von denen mehrere bereits verletzt waren. Einige kommuni­stische Manifestanten griffen ihrerseits ein und erst eine Stunde später gelang es der Polizei, die Ma­nifestanten zu zerstreuen. Zehn Personen wurden festgenommen, aber die meisten von ihnen nicht in Hast behalten.

Äenljdjtonii und die ReiG-Resormpläne.

Die Kundgebung in Augsburg.

Auf Einladung des Landesverbandes der Presse der Bayerischen Volkspartei und der süddeutschen Zentrumspresse fand in Augsburg in Gegen­wart hervorragender Parlamentarier und Politiker eine Konferenz beider Parteien statt, lieber 100 Teilnehmer aus Bayern, Württemberg, Baden und Hessen waren erschienen, darunter Staatspräsident Dr. Bolz-Stuttgart, bayerischer Finanzminister Dr. Schmelzte, badischer Iustizminister Trunk, Finanz­minister Dr. Schmitt-Karlsruhe, Staatssekretär Oswald-München. In der eingehenden Aussprache kam zum Ausdruck, daß die Deutsche Z e n t r u ms- partei vor allem im deutschen Süden mit der Bayerischen Volkspartei zusammen ar­beiten möge, um auf dem Boden der Richtlinien, die der Reichsparteivorstand der Deutschen Zen­trumspartei im März 1920 aufgestellt hat, eine ge­meinsame Stellungnahme der beiden Parteien in dem Meinungsstreit über das Verhältnis des Rei­ches zu den Ländern zu erzielen.

Im Anschluß an die Beratungen veranstaltete der Kreisverband Augsburg der Bayerischen Volks­partei einen bayerischen Heimatabend im Ludwigsbau, der außerordentlich zahlreich be­sucht war. Im Verlaufe des Abends erschien auch der bayerische Ministerpräsident Dr. Hel d, der von der Versammlung lebhaft begrüßt wurde. Rach einer Begrüßungsrede des Vorsitzenden des Kre's- nerbandes, des Chefredakteurs der Augsburger Postzeitung, Dr. Wild, sprachen Vertreter der Zen­trumsparteien von Württemberg, Baden und Hes­sen, die ebenso wie der Vorredner auf die Not­wendigkeit der Zusammenarbeit der Baye rischen Volks Partei mit der Zen­trumspartei hinwiesen.

SeDcring über die Reichsreform.

Ein Mitarbeiter des „Vorwärts" hatte mit dem Neichsinnenminister Seoering eine Unterredung über die Ergebnisse der letzten Reichsreformkon­ferenz. Der Minister erklärte, die in den letzten Jahren gepflogenen Erörterungen hätten manches Mißverständnis beseitigt und dis streitenden Grup­pen einander nähergebracht. Die Arbeiten der jMnderkonferenz und ihrer Organe hätten die Un- ß^ltbarkeit des jetzigen Zustandes so überzeugend -kachgewiesen, daß sie auf die Oeffentlichkeit und auf die politischen Parteien nicht ohne Wirkung blei­ben würden, und diese Wirkung könpe nur in einer Ausdehnung und Stärkung der Front der Freunde

Die „Entente" und

Pertinax hat im „Echo de Paris" vom 11. Okt. den Einfluß des Locarnoabkommens auf die eng­lisch-französische „Entente" darzustellen versucht und daran erinnert daß er früher, als das Locarno­abkommen abgeschlossen wurde, diesen Vertrag nicht deshalb getadelt habe, weil er von einem versöhnlichen Grundgedanken getragen sei, sondern deshalb, weil mit ihm die französisch-englische En­tente früher oder später eine Grenze und sogar ein Hindernis finden werde, das einen Rückzug veran­lassen werde. Jenseits des Kanals gewinne nach und nach die Idee Eingang in der Oeffentlichkeit, daß E n g l a n d, um etwaige Streitigkeiten zwischen Frankreich und Deutschland schlichten zu können, sich als eme Art Tribunal installieren solle, und daß es gegen das internationale Gesetz ver­stoßen würde, wenn es sich zu eng an die eine ider andere Partei binden würde.

Es ist die Auffassung dieses n a t i o n a l i st i- schen französischen Politikers, daß die englisch- stanzösische Entente wertvoller sei als der Lo- carnovertrag, und daß die Bindungen, die Eng­land mit dem Locarnovertrag eingegangen sei, das alte innige Verhältnis zu Frankreich werde lockern müssen.

Offenbar gibt es in England 'ährende politische Kreise, die auf demselben Boden stehen und die "m der englisch-französischen Entente die eigentliche Garantie für die Befriedung Europas erblicken. Zu diesen Kreisen gehört Lord Cush en dun, der, wie sich in der letzten Zeit herausgestellt hat, schon lange der eigentliche Inspirator der Außen- volitik der konservativen Regierungspartei in Lon­don gewesen zu sein scheint. Man wird wohl auch nicht fehlgehen, wenn man seiner Initiative das englisch-französische Flottenabkommen zuschreibt, das als eine Etappe auf dem schwierigen Wege der Abrüstung keinen Sinn hat, da es von den Vereinigten Staaten ebensowenig wie von Italien anerkannt werden kann und anerkannt worden ist, das aber unzweifelhaft ein politisches Tauschge­schäft ist, das nicht nur völlig unabhängig vom Lo­carnoabkommen, sondern auch ohne Rücksichtnahme «uf den Völkerbund abgeschlossen wurde. Diese reine Einstellung auf die Entente kommt auch in der Rede Lord Cushenduns zum Ausdruck, die er °m 25. Oktober in Blackpool gehalten hat. Dort sagte er bekanntlich: „Es ist das Ziel der britischen Politik, mit sämtlichen Ländern gleichmäßig gute Beziehungen zu unterhalten. Eine neue englisch- französische Entente existiert nicht, weil die frühere nicht aufgelöst und weil freundschaftliche Bezie­hungen zu Frankreich einen wesentlichen Faktor °er englischen Politik darstellen. Es ist aber vol- "9 falsch zu behaupten, daß die englische Regie­rung sich als Werkzeug benutzen ließ, damit Frank- seich m ungerechter Weise gegen Deutschland auf» treten konnte."

R Gewiß, die alte Entente ist formell nicht auf- ”e‘öft worden, aber sie hat durch den Locarnover­

des Einheitsstaates bestehen. Trotz der versöhn­lichen Verhandlungsformen, die die letzte Konferenz auszeichneten, find die sachlichen Gegensätze noch sehr groß. Die Zusammensetzung der Ausschüsse, die etwa zur Hälfte aus Vertretern des Reichs und zur Hälfte aus Vertretern der Län­der bestehen, läßt einstweilen nur unzulängliche Kompromißvorschläge erwarten, die bestenfalls eine ideelle Annäherung ausdrücken, aber noch keine ma, terielle Uebereinftimmung ergeben werden. Im- merhin ist zu erwarten, daß die Ausfchüfse die Möglichkeiten der Lösung konkreter ins Auge fas­sen und den zuständigen Stellen die Wege zur Re- form deutlicher als bisher begutachten werden. Zu einer parlamentarischen Behandlung sind die Reformfragen aber noch nicht reif. Ich bin überzeugt, fuhr der Minister fort, daß neben den Arbeiten der Unterausschüsse die nächsten zwei Jahre deutscher Finanzmisere und die Vorberei­tungen zum endgültigen Finanzausgleich uns ein gutes Stück auf dem Wege einer wirklichen Reform vorwärts treiben. Die größte Schwierigkeit liegt darin, im Norden Deutschlands den neuen Typ von Ländern zu finden, die Preußen ablösen sollen. Preußen kann unmöglich seiner Zerschlagung zu- stimmen, ohne die Garantien zu schaffen, daß die neuen Länder oder das Reich die bisherigen festen Bande, die nicht nur Preußen, sondern auch das Reich zusammengehalten Haden, ungeschmälert be­lieben bleiben. Preußen aber kann auch in keine Regelung einwilligen, die darauf hinausläuft, im Süden alles beim Alten zu belassen und nur aus den preußischen Provinzen Reichsländer zu machen. Auf die Frage, ob das Anschlußproblem eine Rolle gespielt hat, sagte der Minister: Ich glaube, es gibt keinen Konferenzteilnehmer, der nicht auchOesterreich beim Umbau des Reichs- gebäudes sofort einbeziehen würde. Aber abge­sehen davon, daß die Instruktionen ort die Länder. Konferenz und ihre Unterausschüsse eine Einbezie­hung dieses Fragenkomplexes nicht zulassen, wäre es nach den Erfahrungen der letzten Monate auch politisch nickt gerade zweckmäßig, in einem offiziö­sen Organ Wünsche zu diskutieren, die einstweilen doch keine Erfüllung bringen können. Der deuffch- österreichische Anschluß kann, wie die Dinge heute liegen, vraktisch am besten dadurch betrieben wer­den, daß wir in der Angleichung von Derwaltungs- gebieten nicht bei der Justiz stehen bleiben.

der Loearnovertrag. trag doch ein ganz anderes Gesicht bekommen, wie ja auch, wie oben gesagt, Pertinax im „Echo de Paris" ausgeführt hat. Der Londoner Bericht­erstatter der „Vosiischen Zeitung" erinnert über­dies in Nr. 509 in einem sehr interessanten Arti­kel „Das gelöste Welträtsel" daran, daß man in England nach dem Locarnoabkommen eine Er­neuerung der Entente als gleichbedeutend mit einem moralischen Bruch der Locarnoverträge gegen­über Deutschland angesehep hätte. England habe seit 1925 das Wort Entente inbezug auf die eng­lisch-französischen Beziehungen niemals mehr ge­braucht. Aber seit dem Besuch des Präsidenten Doumergue in London vor eineinhalb Jahren in Tier Zeit des Abbruchs der diplomatischen Bezie­hungen mit Rußland seien die Dinge doch wieder etwas anders geworden, und zwar habe sich eine materiale Wiederbelebung der Entente im alten Sinne angesponnen, deren Tendenz sich allerdings nicht gegen Deutschland, sondern eher gegen Italien gerichtet habe. Seit jener Zeit sei eine Lockerung der diplomatischen Hilfsstellung Eng­lands für Italien eingetreten. Italien habe diesen Umschwung der Dinge auch verstanden. Die Aus­drucksweise Cushenduns, daß es völlig falsch sei, zu behaupten, daß die englische Regierung sich als Werkzeug benutzen ließe, damit Frankreich in un­gerechter Weise gegen Deutschland auftreten könne, sei darum durchaus ehrlich gemeint.

In diesem Zusammenhang ist auf die neueste, hier schon veröffentlichte Rede Baldwins hin- zuweisen. Auch er spricht davon, daß England "sich bemühe, die langjährigen freundschaftlichen Der- hültnifse zu Frankreich noch enger als bisher zu gestalten, fügt aber hinzu, daß damit keinerlei schlechte Absichten verbunden seien. Rascher als lebes andere Volk habe England herzliche Bezie­hungen zu der größten Macht unter unseren Kriegs­gegnern, nämlich zu Deutschland, herzustellen vei- mocht. Dann fährt er fort: „Durch unsere Unter» ichrift zum Locarnovertrag haben wir einen wert­vollen Beitrag zur Besserung der deutsch-franzö- m$en Beziehungen geliefert. Wir find keine neuen Verpflichtungen eingegangen, die irgendwie ge- eignet fein könnten, die Rolle des Unparteiischen, cte uns im Locarnovertrag auf erlegt ist, nicht nad) bestem Wissen zu erfüllen. Es ist auch bis» cer mchts geschehen, was unsere langjährige Freundschaft mit Italien verändern konnte."

Man hat das Gefühl, als wenn-Baldwin mit otefer Erklärung, die etwas unverhüllteren Er- 9u >2e Cushenduns wieder zudecken wollte. Doch ist diese Ausdrucksweise nur die Unterstreichung eines „korrekten" Verhaltens. Nach E vor bleibt aber der Eindruck bestehen, bafj der Friede besser in Europa gesichert wäre, wenn man mit der Geheimdiplomatie, mag sie auch noch f0 „korrekt" sein, abschließen und eine klare und aufrichtige Politik auf der Basis des Locarnovertrages und tm Rahmen des

„Graf Zeppelin" auf der Rückfahrt.

Ueberrafchender Start am Montagmorgen. — wahrscheinlich nördliche Route. — Bei günstiger Witterung etwa 50 Stunden Zahrtdauer.

Nach einer Funkmeldung aus Lakehurst ist das Luftschiff „Graf Zeppelin" am Mon­tagmorgen kurz nach %7 Uhr mitteleurop. Zeit (12.30 Uhr nachts amerikanische Zeit) zum Rück­flug nach Deutschland aufgestiegen. Der Start kam ziemlich überraschend, da es om Sonntag noch hieß, daß der Abflug auf Dienstag- früh festgesetzt sei. Kurz bevor das Luftschiff aus der Halle gebracht wurde, forderten 9 Gongschläge die Mitfahrenden auf, einzusteigen. Zwischen den Fahrgästen und den Zurückbleibenden entspann sich eine angeregte Unterhaltung. Man glaubte zu­nächst noch nicht, daß der Äufftieg des Luftschiffes unmittelbar bevorstehe. Nach kurzer Zeit aber wurde das Luftschiff an den Haltetauen aus der Halle geführt. Es erhob sich majestätisch in die monderhellte Nacht und war bald den Blicken der Zurückbleibenden entschwunden.

Es wird erwartet, daß der „Graf Zeppelin" den nördlichen Kurs nimmt. Man rechnet da­mit, daß er bei günstigem Wetter die ganze Fahrt in etwa 50 Stunden bewerkstelligen könnte.

Das Luftschiff befand sich 3,16 Uhr nachts (9,16 vormittags mitteleuropäischer Zeit) über New- y o r k. Es war in der Mondnacht deutlich zu er­kennen. Nachdem es die Stadt überflogen hatte, schlug es nordöstlichen Kurs ein. Um 4 Uhr früh wurde Curtkß Field auf Long Island passiert.

Die Küstenwache von Narragansett be­richtet, daß der Graf Zeppelin die Richtung auf Providence und Boston einschlage. Das ist genau nördlicher Kurs. Um 5.50 Uhr amerikani­scher Zeit wurde das Lufffchiff von der Station G a y h e d gesichtet.

Am Rückflug des „Graf Zeppelin" nehmen drei Luftschiffsachverständige der amerikanischen Marnie teil. Cs sind Commander Maurice Pierce von der Marinestation Lakehurst, Leutnant Edward Bausch- Boston, einer der Ueberlebenben der Shenandoah-Katastrophe und Leutnant S e 111 e aus Washington, der an den Plänen der beiden neuen für die amerikanische Marine in Auftrag ge­gebenen Luftschiffe mitarbeitete.

(Weitere Nachrichten auf der dritten Seite.)

Zwischenfall in Frankreich.

Bei der Enthüllung eines Denkmals für Eombes.

Unterrichtsminister Herriot hat tm Namen der Regierung ein Denkmal für den Kirchenfeind Emile Combes in Pons enthüllt. Schon vor Beginn der Feierlichkeiten mußte die Polizei Maueranschläge beseitigen, in denen unter Berufung auf den Bischof von Larochelle gegen diese Zeremonie protestiert wurde. Nach der Enthüllung, als die Volksmenge vor dem Denkmal vorbeizog, das nur von zwei re­publikanischen Gardisten und sechs Gendarmen be­wacht wurde, durchbrach, wie die Havasagentur meldet, eine Gruppe von jungen Leuten, vermut­lich Camelots du R oi, die Polizeikette, um, wie sie erklärten, einen Kranz niederzulegen. Man ließ sie gewähren. Einer der jungen Leute, der diesen Kranz trug, holte aus dem Kranz plötzlich einen Hammer hervor, mit dem er auf die Büste von Combes einschlua. deren Nase und Kinn er herunterschlug. Die anderen Manifestanten sprangen jedoch dazwischen. Einer der Angehöri­gen der republikanischen Garde, der von den An­greifern stark gegen den Sockel des Denkmals ge­drängt wurde, geriet in Gefahr und gab aus sei­nem Revolver Schüsse ab, zunächst in die Luft, als­dann auf die Manifestanten, von denen zwei, ge­troffen mürben. Der eine verstarb sofort nach feiner Einlieferung, der andere ist nur leicht ver­letzt. Es wurden etwa 30 Verhaftungen vorgenom­men.

Bei dem Zwischenfall in Pons anläßlich der Einweihung des Denkmals von Combes wurden im ganzen vier Gendarmen verletzt. Drei von ihnen find von den Manifestanten die Ehren­zeichen abgerissen worden. Der Polizist, der ver­schiedene Schüsse abgegeben hat, erklärte übrigens • dem Unterrichtsminister Herriot, daß er zunächst in die Lust geschossen und alsdann zwei Schüsse ab­gegeben habe. Der Korrespondent einer Bor­deauxer Zeitung will dagegen festgestellt haben, daß die tödlich wirkenden Schüsse nicht von dem Gendarmen, sondern aus der Menge abge­geben worden leien. Ein gerichtliches Verfahren ist bereits eingeleitet worden.

Echt „demokratische" Leistung.

Unter dem Titel: „Neue Freunde?" läßt i sich das „Berliner Tageblatt" (Morgenausgabe vom 27. Oktober 1928) folgendes schreiben:

„Nach der preußischen Besoldungsordnung beziehen ledige Beamte nicht das volle Wohnungsgeld. Die preußische Befoldungsordnung macht eine Ausnahme für die katholischen Geistlichen, an die, soweit sie im Pfarramt tätig sind, besondere Anforderungen gestellt werden. Bei der Beratung der Aussührungsbestimmun- aen zum preußischen Besoldungsgesetz im Beamtenaus­schuß des Landtags stellte sich das Zentrum auf den Standpunkt, daß dieses volle Wohnungsgeld jeder ge­weihte Priester zu beanspruchen habe, nicht nur der unmittelbar in der Seelsorge tätige. Was das bedeutet, wird klar, wenn man bedenkt, daß bei uns Geistliche auch schon Ministervosten bekleidet haben, andere als Studienräte in den Schulen und in ähnlichen Stellen tä­tig sind. Im Beamtenausschuß war man zwar bereit, den in der Seelsorge tätigen Kaplänen das volle Woh­nungsgeld zuzubilligen: den Standpunkt des. Zentrums aber, jedem geweihten Priester ohne weiteres das Woh­nungsgeld zu geben, vertrat nur eine einzige Partei mit — die Deutsche Bolkspartei".

Das ist eine echt „demokratische" Leistung! Die UehertorifL die das „Berliner Tageblatt" für diese

Ausführungen gewählt hat, stellt die Tendenz die­ses Denunziatiönchen völlig klar. Die Absicht geht aber viel weiter: Man hält offenbar die Deutsche $i Ifspartei nicht mehr für ganz bibelfesten Sachen des Konkordats und der Zweck der obigen Ze'len soll offenbar der fein, die Anhängerschaft der Deutschen Volkspartei mobil zu machen, um die parlamentarische Vertretung dieser Partei bei der kommenden Entscheidung über die Konkordatsfrage in ihrem Widerstand ji| bestärken. So wirds gemacht!

*

Der Evangelische Oberkirchenral in Berlin, die oberste Behörde der evangestschen Landeskirche der älteren preußischen Provinzen, hat — wie der Evangelische Pressedienst erfährt — an das preußische Staatsministerium und an Den preußischen Kultusminister Schreiben ge­richtet, die den schwerenBesorgnissendes evangelischen SBolf steiles gegenüber einem Konkordat Ausdruck geben, gleichzei­tig aber für den Fall, daß das Konkordat unver­meidlich werden sollte, mit großem Nachdruck für die evangelische Kirche eine gleichzeitige, evangeli­schen Gesichtspunkten entfprerfjertbe Vertrags« mäßigeSicherung fordern.

«

Dazu schreibt die Frankfurter Zeitung u. a.! „Wir glauben, daß der Evangelische Oberkirchen­rat mit dieser letzten Forderung kaum Aussicht auf Erfolg hat; denn soviel uns bekannt ist, ist das preußische Staatsministerium entschlossen, mit der evangelischen Kirche keine Staatsverträge a b z u s ch 1 i e ß e n, die etwa einem Konkordat mit der katholischen Kirche entsprächen. Die evangeli- schen Landeskirchen sind, soweit eine Beziehung zum Staate in Betracht kommt, seit dem Wegfall des landesherrlichen Kirchenregiments allenfalls Gegenstand der staatlichen inneren Gesetzgebung, können aber nicht beanspruchen, als Partner eines Staatsvertrages über Gegenstände des Staatsho­heitsrechtes dem Staat gegenüberzutreten. Wenn es schon (der Frankfurter Zeitung) schwer fällt, die Notwendigkeit eines Konkordats, also eines Ver­trages mit der Kurie, einzusehen, so sind hier im­merhin frühere vertragsähnliche Abmachungen mit dem Vatikan vorausgegangen, während bei der evangelischen Kirche ein derartiger Präzedenzfall nie bestanden hat."

Eine gerechte Würdigung.

Die „C. D.-Zeitung", das Organ des Central Vereins deuffcher Staatsbürger jüdischen Glau- bens, Nr. 43 vom 26. Oktober d. Js., widmet dem vom Vorsitz der Deutschen Zentrumspartei zurück­tretenden Reichskanzler a. D. Dr. Marx einige Worte der Anerkennung, aus denen wir folgendes entnehmen:

In den deutschen Zeitungen sind lange nicht genug die großen Verdien sie des hervorragenden Zentrumsführers jetzt gewürdigt worden, die er sich als Lenker des Reichsschiffes in schweren Sturmzeiten dauernd^ erworben hat . . . wir sehen dankbar in ihm einen würdigen Nachfolger der auch uns deutschen Juden unvergeßlichen W i n d th orst, Li e b er und G r ö b er, die genau wie Marx jenseits von Taktik und Aengstlich- keit gegen manches uns deutschen Juden zugefügte |ln. recht offen ihre gewichtige Stimme erhoben haben.

Im Sommer 1922 hat Dr. Marx auf eine Anfrage unseres Zentraloereins eine längere Antwort gesandt. In ihr finden sich die schönen Worte: „Ich glaube nicht, daß zu befürchten ist, daß weitere katholische Kreise der