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rund 9 000 000 Papisrmark ober nach damaligem Dollarstand rund 4 000 000 Goldmark gefördert worben, lieber bie babei geleisteten Arbeitslosen- tagewerke fehlen bie Aufzeichnungen, doch Dürfte bereit Zahl mit rund 1000 000 richtig gegriffen lein.

Im weiteren Verlauf der Geldentwertung, bas heißt in den Jahren 1920 bis 1923 wurden 629 Unternehmungen gefördert und 1,8 Millionen Ar- deitslosentagewerke geleistet. Die dafür gezahlten Reichs- und Staatsbeihilfen muffen außer Betracht bleiben, da diese Papiermillionen und -piilliarden nichts besagen. Zu den bedeutendsten Arbeiten während dieser ersten Periode gehört bie Versor­gung weiter landwirtschaftlicher Gebiete des Re­gierungsbezirkes mit elektrischem Strom. So mut» bett burch den Bau von Ueberlanbleitungen bie Kraftquellen des Mains und der Ebertalsperre in die Kreise Kassel-Land, Eschwege, Fritzlar, Geln­hausen, Hanau, Fulda, Hünfeld, Schmalkalden und sogar in einige Kreise des Regierungsbezirks Hil­desheim getragen, und eine Bevölkerung von rund 350 000 Einwohner mit elektrischer Energie ver­sorgt.

Damals gehörte auch der Bau von Häu­sern noch zu dem Aufgabenkreis der produktiven Erwerbslosenfürsorge. Deshalb ist hervorzuheben, baß mit ihrer Hilfe 559 neue unb 344 Notwohnun­gen eingerichtet worben sind. Der Bau des Hafens von Hanau ist bereits erwähnt, der zunächst als Sicherheits- unb Zufluchtshafen bei Hochwasser unb Eisgang gedacht war, sich zu einem schon recht be­deutungsvollen unb aussichtsreichen Industriehafen entwickelt hat. Auf Golbmark umaerechnet und mit den späteren Aufwenbungen dieser Firmen ver­glichen sind bie Mittel, welche bent Werke aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge zugeflossen sind, nur gering. Ihre große Bedeutung liegt darin, baß sie in ben ersten Baujahren bie einzigen Gelb- mittel gewesen sinb, bie für bas Werk überhaupt flössen, und über Jahr und Tag viele Hunderte von Arbeitern beschäftigt und das Land vor schwer­sten Unruhen bewahrt haben. — Außerdem sinb rund 170 Hektar Oedland urbar gemacht, Flüsse und Bäche reguliert und dergleichen mehr. Die Instandsetzung der Landstraßen, bie burch lange Vernachlässigung unb ben Rückmarsch unserer Heere in schlimmste Verfassung gekommen waren, ist ohne bie produktive Erwerbslosenfürsorge un­denkbar. Auch der Bau neuer Straßen nimmt einen breiten Raum in der Förderung von Not- standsarbeiten ein. Die Mittel des Bezirksverban- des wären nicht imstande gewesen, einen irgendwie beachtlichen Teil der geleisteten Arbeit ohne Hilfe der produktiven Erwerbslosenfürsorge zu vollbrin­gen. Mit den Landwegen war es nicht anders, auch hier ist manches neue Stück, sind Begradigun­gen, sind Eefällverbesserungen und dergleichen vor- genommen. Hierhin gehört u. a. auch bie Straße auf bie Wasserkuppe, bie den Bau des Flieger­lagers und alles, was überhaupt damit zusammen- hängt, kurz bie ganze Fliegerei da oben, erst er­möglicht hat. Auch muß hier noch bie Wegscheibe erwähnt werden, dies über Bad Orb entstandene Iugenddorf, dessen verfallene Militärbaracken mit Hilfs der produktiven Erwerbslosenfürsorge für die veränderten Zwecke umgestaltet wurden. Heute

steht cs aus eigener Kraft, beoary oer Stuße der produktiven Erwerbslosenfürsorge nicht mehr und hat wahrscheinlich längst vergessen, was sie ihr verdankt.

Nach dem Eintritt der Währungsfestigung mit dem 1. Januar 1924 wurden die Notstandsarbciten nur noch bis zum 1. Mai 1925 durch verlorene Staats.zuschüsse gefördert. Von diesem Tage an wurde die bis dahin schon wahlweise mögliche För- berungsart durch Darlehen zur Regel erhoben. Seitdem hat das dieses Gebiet bearbeitende Büro des Regierungspräsidenten mehr und mehr den Charakter einer Kreditbank angenommen. Gleich­wohl wurde die Höhe des Darlehens nicht etwa vor Beginn des Unternehmens vereinbart, sondern nach wie vor vom Nachweis der von erwerbslosen Ar­beitern geleisteten Tagewerke abhängig gemacht, der mit namentlichen Lohnlisten geführt werden mußte. Zunächst war die Freude an Notstands­arbeiten überall stark gedämpft. Allmählich hob sich zwar nicht bie Freude, aber doch bie Zahl der Unternehmungen, welche Förderung durch ein Dar­lehen suchten, wieder. Das lag in der wirtschaft­lichen Entwicklung beschlossen und spiegelt sich in folgenden Zahlen: Es wurden in Tilgungsdar­lehen festgelegt in dem Haushaltsjahre

1924 rund 626 000 RM.

1925 rund 700 000 RM.

1926 rund 4 030 000 RM.

1927 rund 5 075 000 RM.

1928 rund 2 000 000 RM. (Schätzung)

im ganzen rund 12 431000 RM.

Von dem Gesamtbeträge entfallen auf bie

Stadt Kassel

auf ben Landkreis Kassel auf die Stadt Hanau auf den Landkreis Hanau auf die Stadt Fulda auf den Kreis Fulda auf die Stadt Schmalkalden auf den Kreis Schmalkalden auf die Stadt Elchwege auf den Kreis Eschwege

rund 2004500 RM.

„ 1135000 RM.

„ 416 800 RM.

„ 682700 RM.

„ 242100 RM.

„ 379100 RM.

„ 80000 RM.

„ 900000 RM.

„ 164000 RM

„ 136000 RM.

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zusammen: rund 6140200 RM. also auf die wichtigsten Arbeitsmittelpunkte zusam­men rund 6140 200 RM., während auf die übrigen mehr landwirtschaftlichen Kreise rund 6 290 800 RM. entfallen.

Gefördert wurden seit 1924 rund 730 Unter­nehmungen mit rund 1 280 000 Arbeitslosentage­werken.

Bon diesen Notstandsarbeiten sinb folgenbe be­sonders bemerkenswert: bie Verlegung der Haar- lache-Mündung in der Stabt Eschwege, der Umbau des Elektrizitätswerks Riedmühle der Gemeinde Reichensachsen, der landftrahenmähige Ausbau des Verbindungsweges Kassel - Hann.Münden, welcher von Wolfsanger über die Graue Katze, immer am linken Fulda-User im herrlichen Fuldatal entlang völlig eben bis zur Einmündung in der Wesertal­straße führt unb dem Verkehr gestattet, bie schwie­rigen Steigungen der Straße über Landwehrhagen zu vermeiden. Diese Straße ist jetzt ein wertvolles Stück der durchlaüfenden Nordsüdverbindung Han­nover-Frankfurt.

Die Stadt Kassel ist mit der Ausschließung von Siedlungsgelände im Fasanenhos, an ber Eisen-

schmlede, in ben bttebmieien unb an anberen Stel­len mehr, ferner mit ber Verbreiterung bes Aue- bammes, ber EntschlankMung der Aueteiche, der Verbreiterung der Frankfurterstraße, ber Errich­tung ber Hessenkampfbahn unb zahlreichen anberen kleineren Arbeiten vertreten. Zahlreiche Sied­lungsstraßen sind auch in den Städten Hanau und Fulda angelegt. Im Landkreise Hanau ist bie Nidder reguliert und hat auf diese Weise den Frei­staat Hessen und den Magistrat Frankfurt a. M. gezwungen, mit dieser außerordentlich bedeutungs­vollen Arbeit forzufahren, welche wertvolles Land der fruchtbaren Wetierau der Gefahr dauernder Versumpfung entrissen hat. Im Kreise Kirchhain sind Teile der Ohm, Klein und Wohra reguliert und bie außerorbentlich großen Flächen entsumpft, bie jebem bekannt sind, der mit der Bahn von ber Station Allendorf bis zur Anzefahr durch dieses Gebiet fahrend südwärts aus dem Zuge schaut. Die Stabt Marburg ist durch den Bau eines Dammes vor Hochwasser geschützt worben. Der Lahnburchstich bei Fronhausen ist ein Teil des großen Unterneh­mens ber Lahnregulierung, deren Hauptarbeiten im Regierungsbezirk Wiesbaden liegen. Ein be­sonders wertvolles Werk ist auch die Regulierung ber Kinzig und Bracht von Wächtersbach bis Wirt­heim gewesen Auch diese schönen grünen Sumps», nicht Wiesenflächen sind jedem bekannt, ber die Bahnstrecke Fuld a—H anau mit offenem Auge durchreist hat. Jetzt haben statt ber Binsen schon bie süßen Gräser die Oberhand gewonnen und in künftigen Jahren werden die Reisenden dort hoffentlich gesundes Vieh auf fetten Weiden grafen sehen. Dasselbe ist ber Fall mit ber Weserniede­rung bei Möllenbeck im Kreise Grafschaft Schaum­burg. Es ist unmöglich, alle Arbeiten, welche bie produktive Erwerbslosenfürsorge gefördert hat, hier aufzuzählen. Man kann wohl sagen, daß fast kein größeres Unternehmen von Gemeinden ober Gemeindeverbänden ihre Gelbmittel nicht in An­spruch genommen hat. Für bie Aufbesserung ber Rhön im Kreise Gersfeld ist ber richtige Augenblick letber verpaßt. Unendlich wertvolle Arbeit ist hier ungetan geblieben. Wären bie Basaltbrocken von ben Hochflächen fortgeräumt worden, wären weite Gebiete der Viehwirtschaft, etwa wie sie in Ober­bayern getrieben wirb, jetzt schon erschlossen wor­ben.

Ein besonderes Gebiet ber probuktiven Erwerbs­losenfürsorge ist bie Förderung des Baues von Lanbarbeiterwohnungen. Hier ist ihr Ziel, nicht unmittelbare Arbeitsgelegenheit zu schaffen, sondern fremdstämmige Arbeitskräfte zu verdrängen, damit deutschstämmige Landarbeiter bei auskömmlichem Verdienst auf dem Lande fest- gehalten werden. Obwohl dieser Zweck der pro- duktiven Erwerbslosenfürsorge für den fast, nur in Kleinbesitz aufgeteilten Regierungsbezirk nicht an­nähernd bie Bedeutung hat wie etwa für eine der östlichen preußischen Provinzen, sind doch rund 480 Lanbarbeiterwohnungen mit ihrer Hilfe geschaffen worben.

Zusammengefgßt ergibt sich nun folgendes Bild: Vom 1. Januar 1919 bis zum 30. September 1928 sind rund 1900 Unternehmungen burch Reichs- unb Staatsmittel gefördert udn rund 3 780 000 Ar- beitslosentagewerke geleistet worben. Das bebeutet eine tägliche Beschäftigung von rund 1300 Arbeits- losen innerhalb von 9-4 Kalenderjahren. Die seit dem 1. Januar 1920 geförderten 1330 Unterneh­mungen verteilen sich auf folgende Arbeitsgruppen

unter gleichzeitiger Angabe der hierbei geleisteten Tagewerke und des erzielten Erfolges:

1. Straßen- unb Wege-, Neu- unb Umbauten unb Kanalisationen 475 Maßnahmen mit rund 1 180 000 Tagewerken unb einer Leistung von rund 650 Klm. Straßen und rund 100 Sim. Ka­nälen.

2. Verkoppelungen, Drainagen unb Oedlandkul- tivierungen: '196 Maßnahmen mit rund 311000 Tagewerken unb einer Leistung von rurtb 18 000 Hektar Lanbflächen.

3. Elektrizitätsbauten, Wasser- unb Gasleitun­gen: 131 Maßnahmen mit rund 560 000 Tagewer- ken-Leistung: 115 Gemeinden mit Wasser unb 358 Ortschaften mit elektrischer Energie versorgt.

4. Friedhöfe und Sportplätze: 22 Maßnahmen mit rund 52 500 Tagewerken-Leistung: 19 Sport­plätze unb 3 Friedhofserweiterungen.

5. Flußregulierungen, Hasen- unb Briickenbau- ten und bergL: 110 Maßnahmen mit rimo 490 000 Tagewerken. — Leistung: 9 Brücken, 1r Mm. Fluß- regulierungen, 1 Hafenbau (Hanau) und Entschlam­mung der Aueteiche.

6. Steinbruch- unb Siesgrubenb?*riebe: 44 Maß­nahmen mit rund 85 000 Tagewerken.

7. Wohnungsbauten: 44 Maßnahmen mit rund 72 000 Tagewerken. —Leistung: 559 neue Woh­nungen und 374 Notwohnungen.

8. Landarbeitereigenheime runb 480.

Dieses Ergebnis wirb verhältnismäßig von keinem Regierungsbezirk übertraf- f e n. Der Regierungsbezirk Kassel steht ober auch mit ber Ziffer an der Spitze, bie das Verhältnis der Beschäftigten auf sie nur durch Geld unter­stützten Erwerbslosen angibt. Soweit diese Zah­len für Preußen ermittelt sind, haben sie betragen:

1925 = 11,7 °/o, für ben Reg -Bez. Kassel 12,3 •/•

1926 --- 7,3 °/o, iür den Reg.-Bez. Kassel 12,0 °/o

1927 --- 11,2 %, für den Reg.-Bez. Kassel 12,2 °/o

In all den vorgenannten Zahlen und in dem Bericht überhaupt ist ber unbesetzte Teil bes Reg.- Bez. Wiesbadm, in welchem auch bie Stabt Frank­furt a. M. 'iegt, nicht berücksichtigt, obwohl zeit­weilig deren Verwaltung dem Regierungspräsiden, ten zu Kassel übertragen war. Da alle Unterlagen dafür seinerzeit an die Regierung in Wiesbaden zurückgegeben worden sind, können bie Ziffern da­für auch nicht mehr angegeben werben. Nur die Zahl dec geförderten Unternehmungen mag gesagt werden. Es sind 123.

In diesen Ziffern ist ferner nicht enthalten bie sogenannte Srunbförberung, das ist die Förderung, welche feit dem 1. Januar 1924 den Notstandsun- terneljmungen aus dem Aufkommen ber Arbeit­nehmer- und Arbeitgeberbeiträge zuteil wird. Sie ist die Vorbedingung für alle die erwähnten För­derungen und Beleihungen und außer btefen noch einer ganzen Reche von kleineren Unternehmungen zugute gekommen, die in vorliegendem Berichte überhaupt nicht erwähnt find, weil die Zuständig­keit für die Verteilung dieser Mistel allein dem Landesarbeitsamt obgelegen hat.

Es soll keinen Augenblick bestritten werden, bah bie wirtschaftliche Förderung der Bevölkerung des Regierungsbezirks Kassel bei ber Verteilung der Reichs- unb Staatsmittel ber leitenbe Gesichtspunkt gewesen ist. Daß mit dem wirtschaftlichen Erfolge 'auch bie höchste Beschäftigungsziffer zugleich er­reicht ist, macht wahrscheinlich, baß bie Wege zu biefen beiden Zielen sich nicht überschneiben, sou-

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