FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Julda. Amtliches Kreisblatt.
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Samstag, 27. Oktober 1928.
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Eisherr auf unserem Erdbälle: im Norden die un-
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„Times" meldet aus Paris, zu den Aufgabe der Sachverständigenkommission zur Lösung bet Reparationsfrage gehöre auch die Prüfung der Frage der Auflegung einer deutschen Anleihe von einer Milliarde Dollars, die die Beschränkung der deutschen Jahreszahlungen auf 37 Jahre ermöglichen würde, mit einer entsprechenden Verkürzung der alliierten Zahlungen an die Vereinigten Staaten. Voraussetzung sei hierbei, daß die Hälfte dieser deutschen Anleihe in den Vereinigten Staaten untergebracht werde. Der frühere Plan einer 4 Milliarden-Anleihe sei fallen gelassen worden, da der Anleihebetrag als zu groß und eine Sprozentige Verzinsung als zu niedrig angesehen werde.
ermeßlichen arktischen Strecken Kanadas und seiner eisbedeckten Inselwelt; im Süden der australische und der amerikanische sog. Sektor.
Warum aber diese Habgier? Was ist so reizvoll an diesen schneebedeckten und unwirtlichen Landschaften, an diesen Gletscherküsten und Eisbergen, an diesen sturmdurchtosten antarktischen Kontinent? Menschen wohnen auf dem antarktischen Festlande nicht; wovon sollten sie auch leben: es gibt kein Pflanzenleben, wie es die nordischen Re- gionen doch kennen, keine einzige Blütenpflanze ist hier bisher gefunden, nur armselige Gräser und Moose. Die Säugetiere des Nordens, wie Eisbär, Renntier, Moschusochse, sind hier unbekannt. In den Meeren freilich ist ein unermeßlicher Fischreichtum, der wiederum Pinguine und Robben ernährt. Aber auf dem Lande ist für den modernen Menschen keinerlei Möglichkeit zu siedeln vorhanden. Anders steht es mit dem antarktischen Jnselkranz: zwar sind auch diese Eilande viel kälter und öder und pflanzenärmer als die in entsprechender nördlicher Breite gelegenen (so ist die Bouvetinsel völlig von Eis und Schnee bedeckt, obwohl sie auf der gleichen Breite wie Helgoland liegt). Aber manche erlauben in kleinen Oasen, wo Tundren und Steppen sich dehnen, vielleicht ein wenig Vieh-, zum mindesten Schafwirtschaft.
Aber das durfte die modernen Imperien wenig locken. Es handelt sich wohl um etwas anderes, um etwas heute noch phantastisch anmutendes, aber bei der Entwickelung der Technik wohl mögliches: llm die Gewinnung der antarktischen Bodenschätze.
So seltsam es klingt — der antarktische Erdteil hat ungeheure Kohlenflöze. Unter der (durchschnittlich 500 Meter dicken) Eisdecke, die ihn völlig wie eine Eiskappe überdeckt, liegen Kohlen! Also war doch einmal Vegetation am Südpole, also war doch einmal hier Leben möglich — denn die Kohlen sind in nichts als Gebilde aus ehemaligen Bäumen. Die Gestalt der probeweise untersuchten Südpolkohle beweist, daß sich hier in einer unendlich weit zurückliegenden Weltepoche einmal Nadelwälder, wohl Koniferen befanden (ähnlich wie sie den Land- fchaftscharakter Japans heute bestimmen). Eine Stütze für die sogenannte Polwanderungs-Theorie, nach der die Pole ihre Lage veränderten und verändern werben.
Wie sich das aber auch mit dem Nord- und Süd- pole verhalten mag — d i e Kohle lockt; wo Kohle ist, kann auch Eisen sein, vielleicht auch Ship= fer oder Erdöl. Heute freilich ist es der Technik noch unmöglich, zu diesen Bodenschätzen zu gelangen; aber wird es nicht einmal möglich sein? Wie, das wissen weder die Engländer noch die Amerikaner — aber sie denken sich, vorläufig Hand darauf, das weitere wird sich schon finden. Und wenn auch erst in hundert oder zweihundert Jahren.
genannt das Weddellmeer, auf der amerikanischen Seite gelegen. Wenn man sagt: Meerbuchten, so darf man sich natürlich nicht offene See vorstellen. Alles ist vereist, wenn auch die nördlichen Teile (also die wärmeren, wir sprechen ja vom Südpole) manchmal die feste Eisdecke sprengen können. Nun geht über das Roßmeer eine soge- nannte Eisbarriere, südlich deren das Eis fest und unbeweglich verharrt; die Barriere felbst ist an die 50 Meter hoch und hat eine Länge von 750 Klm. (öa? ist ungefähr so weit wie Paris von Berlin t l^kst). Die größte Sehenswürdigkeit die- les Roßmeeres aber wird, wenn es erst dem Fremdenverkehr entschloßen ist, die Vulkaninsel sein, ein Uemes Eiland, auf dem sich der feuerspeiende - b e r u s 4000 Meter hock türmt. Das sind 1000 •eter. Ä' nIs der Aetna hat. Jeder, der einmal Bucher der Südfahrer las, wird sich der imposanten Schilderungen dieses feurigen Ungeheuers über der ödesten Eiswüste der Welt erin-
1V-, baden ihn einige Gefährten des be- ruhnuen Shakleton bestiegen. Wundervoll muß das Glühen des Vulkanes in den kalten Nächten sich über dem^weißen Erdteile ausmachen: „Mitunter war die Glut so stark, daß der Krater von einer grohen feurigen Krone bedeckt war." So berichtet Shekleton.
Von diesem antarktischen Zipfel aus sind bisher alle bekannten Sudpolfahrer nach dem Südpolplateau vorgedrungsn. Die Eisbarriere hat näm- lich sine große Einbuchtung, die etwas wie natürlichen Schutz bietet: hier waren die Standorte der Expeditionen; und wahrscheinlich wird auch Byrd hier seine drei Flugzeuge verwahrt halten. Ob er Starterlaubnis von den Briten hat? Denn Eng- land hat diesen Teil des antarktischen Erdteiles bereits für seinen Besitz erklärt! Das ganze Roßmeer soll zu Neuseeland, dem britischen Dominion südöstlich Australiens, gehören! So wäre auch der Südpol selbst auf britischen Grund und Boden gelegen, obwohl der Norweger Amundsen ihn zwei Wochen vor dem Briten erreichte. Bekanntlich konnten das die Engländer nie verwinden Scotts tragisches Schicksal ist bekannt: auf dem Rückwege vom Pole zum Roßmeer geriet er mit seinen Gefährten in einen der fürchterlichen antarktischen Stürme — man weiß dos ans den später gefundenen Tagebüchern — und fiel der Natur zum Opfer. Amundlen aber kehrte heil nach Europa zurück, was offensichtlich die Briten kränkte. Denn als ihm die Königlich Britische Geographische Gesellschaft in London, deren Mitglied Amundsen war, ein Diner gab, ereignete sich ein sehr bezeichnender Zwischenfall. Lord Eurzon, damals noch Präsident der Gesellschaft, brachte den Toast nicht auf den Forscher, sondern auf dessen Polar- bunde aus, die seine Schlitten gezogen hatten. Amundsen nahm diese offensichtliche Beleidigung schwer übel; -r erzählte es amerikanischen Reportern und versäumte auch nie, bei feinen öffentlichen Vorträgen in den Vereinigten Staaten den Ne'd und die Mißgunst der Briten festzustellen. Die Königlich Britische Geographische Gesellschaft forderte ihn auf. diese Behauptungen zurückzunehmen; was er verweigerte; daraufhin wurde er aus der Ge- fellschaft ausgeschlossen. — Die englischen Blätter haben setzt noch den Tod des heldenhaften Forschers sehr kübl und fachsich zur Kenntnis aenom-
Lord kuMun über Dos Verhältnis zu Frankreich
Lloyü Georges Ausführungen haben ihn schwer gekränkt.
Einigung zwischen Japan und China.
wtb. Nanking, 25. Okt. (Cig. Funkm.). Die Konferenz zwischen Dr. Wang und Yata, dem japa- Nischen Generalkonsul in Schanghai, hat zu einem Uebereinkommen über die Revision des chinesisch- japanischen Handelsvertrages und der Zwischenfälle von Tsinan, Nanking und Hankau geführt. Die Bedingungen für die Regelung des Tsinan-Zwi- schensalles sind nach Meldungen aus chinesischen Kreisen, daß Japan sich bereit erklärte, seine Truppen aus Schantung zurückzuziehen, aber Bürgschaften für die künftige Sicherheit feiner Untertanen verlangt. Beide Seiten erklären sich bereit, die Bürger des anderen Staates für Verluste an Le- ben und Eigentum zu entschädigen. Ein internationaler A u s s ch u ß soll ernannt werden, um festzustellen, wer für den Beginn der Unruhen verantwortlich ist. Es heißt, daß China und Japan wahrscheinlich die Frage der Gültigkeit bet alten Verträge umgehen und auf einer neuen Grundlage in voller Gleichberechtigung zur Regelung des Nanking-Zwischenfalles und an- derer ähnlicher Zwischenfälle schreiten werden, in dem die nationalistische Regierung ihr Bedauern über den Zwischenfall ausdrückt und sich bereit erklärt, japanische Untertanen für ihre Verluste zu entschädigen. Der Hankau-Zrvischenfall, der für
VDZ. Berlin, 26. Oktober. (Eig. Funkm.) Der Reichstagsausschuß für die Strafrechtsreform setzte seine Beratungen beim Abschnitt: „Maßregeln der Besserung und Sicherung" fort.
§ 56 betrifft die Unterbringung in einer Heiloder Pflegeanstalt, die vom Gericht angeordnet wird, wenn jemand zur Zeit der Tat zurechnungsunfähig oder vermindert zurechnungsfähig war. Bei vermindert Zurechnungsfähigen tritt die Unterhrm» gung neben die Strafe.
alles, was sie erreichen konnte, war eine Begrenzung der größeren Unterseeboote und da sie glaubte, daß ein Sperling in der Hattd besser sei als eine Taube auf dem Dache, war sie damit einverstanden. Sie war bestrebt, die militärischen Reserven ein- zuschränken, aber sie befand sich im vorbereitenden Abrüstungsausschuß in dieser Frage in Gesellschaft einer kleinen Minderheit. Sie hätte durch Festhaltung an ihrer eigenen Auffassung verhindern können, daß überhaupt etwas zustande kam. Aber sie hätte ihren Standpunkt nicht durchsetzen können. Die Regierung ging aber nicht darauf aus, die Abrüstung zu vereiteln, weil sie nicht in allem ihren Willen haben konnte. Als sie nicht alles erreichen konnte, was sie wollte, nahm sie, was sie bekommen konnte. Das war die alleinige Grundlage ihres Vorgehens beim Abschluß des englisch-französischen Kompromisses.
Die Landabrüftung.
Der Pariser „Temps" wendet sich gegen die Blätter, die erklären, daß mit dem Flottenkompromiß selbst auch das Zugeständnis Englands an Frankreich in der Frage der ausgebildeten Reserven hinfällig werde, weil diese englische Konzession die Gegenleistung für die französische Konzession gebildet habe. Es ist wichtig, so erklärt das Blatt, festzustellen, daß diese These nicht mit den Instruktionen zu vereinbaren fei, die Lord Cushendun
Gis und Politik.
Von AiphonS Nobel.
Bevor Major Byrd zu feiner diesjährigen Süd- wl-Expedition aufbrach, begab er sich nach Wa- hmgton, sich dort informieren zu lassen, wie er ich auf neuzuentdeckenden Territorium zu verhal- tcn habe: ob er es für die Bereinigten Staaten annektieren könne und solle
Es ist uns nicht bekannt, was das amerikanische «otaatssekretariat dem besorgten Forscher geantwor- tet und welche Instruktionen er empfangen. Immerhin ist anzunehmen, daß er froie seine beiden Konkurrenten, die gleichzeitig nach dem Südpole aufbrechen) die nötigen Exemplare des Sternenbanners bei sich hat, um mit ihnen die Besitzergreifung der Region des ewigen Elles zu dokumentieren; in einem ernsteren and energischeren Sinne, als der vielgeschmähte Nobile, der eine kleine grün-weiß-rote Trikolore über dem Nordpol abwarf, nicht um ihn zu annektieren, sondern nur um 'hm die Grüße des Duce zu bringen. Aber Amerika will hier Besitz. Und wenn Amerika, das reichste, mächtigste Land, so etwas tut, findet niemand etmes dabei. Ouod licet Jovi (aus Waihinq- ton), non licet boni (aus Rom).
So ganz einfach ist das aber mit der Besitzergreifung des Südpoles nicht. Denn wenn auch erst sehr wenige Menschen die Antarktis betraten und überhaupt erst zwei Männer, nämlich der Enq- ulnder Scott und der Norweger Amundsen, °en Südpol sahen, so haben doch sehr viele andere -ytanner über die politische Seite nachgedacht. Da ne aber nicht in die ungeheuren Eislandschaften, to den Sudpol umgeben, ziehen wollten, hier die Grenzsteine einzusetzen, die Schilderhäuschen in den ---andesfarben aufzurichten und vielleicht sogar Zoll-
SU begründen, so nahmen sie einfach die Landkarte, hielten sich an die Längengrade und Wen sie, bezw die dazwischen liegenden Flächen eine zwar heitere, doch folgenschwere Be- vni» b?ng: so sind schon zwei Sektoren des Süd- ohmr, 3U englischem Eigentums erklärt worden, °vohl die Engländer gar nicht wissen, was es a Ees gibt.
D03Un muß der Leser einen ungefähren Begriff rcn >/r Gestalt dieses Südpoles und seiner weite- tnie ^gebung sich machen. Es ist nicht so klein, arl°er Leser, wohl denken mag: der ant- io Erdteil ist anderthalb mal Lß[ 06 wie Europa. So liegt der Süd- Meere n anders wie der Nordpol, der im mehrere befindet. Diese Südpollandschaft ist in ffis Ansichten merkwürdig. Wäre da kein machen würde es sich vielleicht aus
sen Ranh . et: ebenso umgeben von gewalti- S sind freien und selber eine Hochfläche. Frei- Aimaraia *e Randgebirge nicht so hoch wie der mir" bi- ?ehen nicht bis 8000 Meter, sondern Mchschnftm^O! Die Höhe der Fläche selbst mag ber Südpols ^500 Meter sein. So hoch liegt auch rienüich eigentliche Antarktis, ein großer, her eübn^r f Drmi9er Landblock, in dessen Mitte aewaltche^^ befindet. Dieses Land hat zwei Neuseeland^"^^^, die eine „gegenüber" von Sieuieeianö aenannt das Roßmeer, die andere.
* Die Unsicherheit in Marokko. Havas berühret aus Ued Zem, daß der bei dem kürzlichen lieber« fall entführte Europäer Mubillage feiner Frau ein Schreiben habe zukommen lasten, in dem er mitteilt, daß er von dem Stamme der Ast Schokman gefangen gehalten werde, und um Einleitung von Äuslieferungsverhandlungen bittet.
men. Immerhin ließen sich die englischen Politiker bliebenen amerikanischen Heeresbe-- durch den Vorsprung Amundsens nicht abhalten. I stände auf der französischen Politik last diese Antarktis für sich in Anspruch zu nehmen. Da- französische Regierung habe es nicht eilig, sc_____„
mit wäre also das britische Weltreich der größte | das Blatt; sie könne hinsichtlich der Schulden für die Heeresbestände frei wählen zwischen einer Ratifizierung des Mellon-Berenger-Abkommens und irgendeiner Ausländsanleihe, für die bereits mehrfach Anerbieten gemacht worden seien. Es sei möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, daß Poincare, wenn er die Stunde für geeignet erachte, die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens im Parla- ment beantragen werde entsprechend den wiederholten Erklärungen, die sowohl er wie seine Vor- gänger im Finanzministerium abgegeben hätten, wonach Frankreich seine Unterschrift niemals verleugnen werde.
an den englischen Geschäftsträger in Washington gesandt hat und in denen er auseinandersetzte, daß die englische Regierung zu der Schlußfolgerung gekommen sei, daß man unmöglich die französische und die Mehrzahl der anderen europäischen Regierungen von der Haltung abbringen könne, die sie in dieser Frage angenommen hatten, und daß folglich keine Fortschritte in der Frage der Abrüstung zu Lande möglich sein würden, so lange man auf diese Schwierigkeiten stoße. Logischerweise also, so folgert der „Temps", erhalten die Erwägungen, die die englische Regierung veranlaßt haben, auf ihre Opposition gegen die These Frankreichs und anderer europäischer Länder in der Frage der ausgebildeten Reserven zu erzichten, im Hinblick auf ein allgemeines Abkommen ihren vollen Wert.
Lord Cushendun, der stellvertrrtende englische Minister des Auswärtigen, hielt in Blackpool eine Rede, in der er die Haltung der englischen Regierung in der Angelegenheit des englisch-französi- ~ sehen Flottenkompromisses verteidigte.
„Nichts", so führte er u. a. aus, „war törichter :.nd alberner als der größte Teil der Kritiken, die liegen dieses Kompromiß vorgebracht worden sind. Dieselben Leute, die unaufhörlich mit lauter Stimme Mch einer internationalen Uebereinkunft schreien, verfielen plötzlich in wahre Paroximen der Wut und des Mißtrauens, weil wir mit Frankreich eine freundschaftliche Vereinbarung getroffen haben. Es ist das Ziel der britischen Politik, mit sämtlichen Ländern gleichmäßig gute Beziehungen zu unterhalten. Eine neue englisch-französische Entente existiert nicht, weil die frühere nicht aufgelöst worden ist und weil freundschaftliche Beziehungen zu Frankreich einen wesentlichen Faktor her englischen Politik darstellen. Cs ist aber völ- lig falsch, zu behaupten, daß die englische Regie- mng sich als Werkzeug benutzen ließ, damit Frankreich in ungerechter Weise gegen Deutschland auftreten konnte. Ich gebe zu, daß die Aussichten für eine internationale Abrüstung zurzeit nicht befon- j ders ermutigend sind. Wir werden in unseren De- i ntÜbungen nicht Nachlassen, aber es ist nichts mehr zu sehen, was wir ausrichten können, wenn man uns als im Verstohlenen arbeitende Verschwörer oder als unglaubliche Tölpel hinstellt, wenn es uns einmal gc. .igt, mit irgend einer Nation uns über diese so verwickelte Frage zu verständigen.
In seiner Rede führte Lord Cushendun noch aus: Es ist uns vorgeworfen worden, daß wir uns in dem Kompromiß mit Frankreich damit einverstanden erklärt haben, daß Frankreich kleine Unterseeboote in unbegrenzter Zahl baut und daß seine ganzen militärischen Reserven für die Rüstungseinschränkung außer Betracht bleibt. Was die Unterseeboote betrifft, so haben wir Frankreich nichts derartiges gestattet, aus dem einfachen Grunde, da es dieses Recht schon jetzt besitzt und wir nicht die Macht haben, seine Ausübung zu verhindern. Die Regierung hat die vollkommene Abschaffung der Unterseeboote vorgeschlagen, aber
Um die Todesstrafe.
Im Strafgesetzausschuß des Reichstags mürben mehrere Erörterungen über die Frage, ob die Todesstrafe aufrecht erhalten werden soll ober nicht, gepflogen. Diese Gelegenheit nimmt die Sozialdemokratie wahr, um, nachdem sie vor kurzem durch den Mund von Mels bereits in der Panzerkreuzerfrage eine offene Kampfansage an die übrigen Parteien hat ergehen lassen, nun auch bezüglich der Stellungnahme zur Todesstrafe zu I Drohungen überzugehen.
Der Gang der Debatte befriedigte die Sozialdemokraten nicht, sodaß schließlich der sozialdemokratische Abgeordnete D i t t m a n n erklärte: „Die Frage taucht mrf, ob unter diesen Umständen die Verabschiedung des Strafgesetzes überhaupt möglich ist. Die Todesstrafe ist eine der Kernfragen, die die breiten Massen des Volkes aufwühlt. Lieder noch gar kein Strafgesetzbuch als ein solches mit Todesstrafe! Für ein solches Strafgesetz werde ich niemals stimmen. Sehr viel von den' 153 so- zialdemokratischen Abgeordneten stehen auf demselben Standpunkt. Die endgültige Stellungnahme der Fraktion zum Strafgesetzbuch wird davon ab- hängen,; ob das Plus ober das Minus stärker 'st. Wird die Todesstrafe aufrechterhalfen, dann miff- fen sie damit rechnen, daß sich eine Mehrheit der sozialdemokratischen Fraktion für das Gesetz nicht finden wird. Ein neues Strafgesetz hat aber keine Autorität, wenn es nur mit knapper Mehrheit angenommen wird!"
Der Abgeordnete Kahl als Vorsitzender des Ausschusses bat, Drohungen zu unterlassen und sachlich zu arbeiten. Der Vorfall ist aber von ganz erheblicher, auch allgemein-politischer und parlamentarischer Bedeutung. Die Sozialdemokraten glauben offenbar, eine Taktik der Einschüchterung gegenüber ben anderen Parteien einschlagen zu sollen. Sie werden nicht weit damit kommen.
Strefemanns Rückkehr.
Reichsaußemninister Dr. Stresemann hat I.iut „B. T." als Vorsitzender der Deutschen Dolkspartei den Parteivorstand auf den 2. November nach Karlsruhe einberufen. Die Tagung des Zen- tralvorstandeS ist auf den 24. November verlegt worden.
Dr. Stresemann, der ursprünglich die Absicht hatte, am 1. November feine Tätigkeit aufzunehmen, wird, dem gleichen Blatt zufolge, feine Amtsgeschäfte voraussichtlich am 5. November wieder übernehmen. Sein Befinden hat sich weiter wesentlich gebessert, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß ihm die Kur auch in Wiesbaden sehr gut bekommen ist. Etwa zu gleicher Zeit wie der Außenminister wird auch Staatssekretär v. Schubert, der sich auf seiner Besitzung im Saargebiet aufhält, nach Berlin zurückkehren.
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Der Reichsrat genehmigte am Donnerstag u. a. den Vertrag mit der Tschechoslowakei über die Erenzoder und ein Abkommen mit Holland über Zusammenlegung der Grenzabfertigung im Rheinschiffsverkehr.
Das Reichskabrnett soll am Freitag den Etat für 1929 beraten. Es wird, nach den Blättern, wahrscheinlich auch den Bericht des Reichsfinanz- ministers Dr. Hilferding über seine eingehenden Besprechungen mit Parker Gilbert entgegennehmen.
An der Besprechung, die am Donnerstag mit dem Reparationsagenten in der Reichskanzlei stattfand, nahmen außer Reichskanzler Müller und Reichsfinanzminister Dr. Hilferding auch Reichs- wirtschastsminifter Dr. Curtius und Reichsbankpräsident Dr. Schacht teil. Die Besprechung dauerte etwa anderthalb Stunden und galt im wesentlichen ber Unterrichtung der deutschen Stellen über die Auffassung in dem an der Reparationsfrage interessierten Ausland. 3m übrigen wird in den beteiligten Kreisen über ben Inhalt der Verhandlung strengstes Stillschweigen bewahrt. Es ist anzunehmen, daß in den nächsten Tagen das Reichs- kabinett zusammentritt und daß bann dem Repa- rattonSagenten der deutsche Standpunkt über die Wege mitgeteilt wird, die zu der Einsetzung des Gutachterausschusses für die Reparationsfrage füh- teil sollen.
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. einer Bettachtung über die Stellung Frank- reichs zur endgültigen Regelung der Reparations- und Schuldenftage tritt der Pariser „Excelsior" oer Annahme entgegen, daß etwa das Herannahen 'aÄ A-^sallfrist für die Bezahlung von 400 Millionen Dollar für die in Frankreich ver«