Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Julda. Amtliches Kreisblakk
irr. 249.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.
Jreifag, 26. Oktober 1928.
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Zer WM der deuWen Lönderkonserenz.
Der Ausschuß für Berfassungs- und Verwal- tungsreform hat in den letzten drei Tagen das Problem des Verhältnisses von Reich und Ländern in einer eingehenden Aussprache behandelt und die Hauptfragen der Reform zu klären versucht. Er hat beschlossen, zur weiteren Behandlung der Frage und zur Erzielung von bestimmten Vorschlägen für die Lösung der einzelnen Probleme zwei Unterausschüsse ein» zusetzen, denen die nachstehenden Richtlinien überwiesen worden sind:
Ziffer 1.
Der erste Ausschuß hat die Aufgabe, unter der Aufrechterhaltung und der Bildung von leistungsfähigen Ländern über die Frage der territorialen Umgliederung des Reiches Vorschläge zu machen. Dies gilt vornehmlich für solche Gebiete, die durch Gemengelage einzelner Gebietsteile eine besonders erschwerte und kostspielige Verwaltung haben.
Ziffer 2.
Der zweite Ausschuß hat zu untersuchen, wie eine Art Abgrenzung der Zu st ändigk eiten zwischen Reich und Ländern hergestellt und dauernd erhalten und in welcher Weise der Dualismus zwischen Reich und Preußen behoben werden kann. Dabei ist davon auszugehen, daß dieser Dualismus nicht isoliert, sondern im Rahmen einer Gesamtlösung zu beseitigen ist.
Aufgaben, bei denen Lebensfragen des Reiches nicht berührt werden, sind der Eigenverwaltung der Länder zu belassen oder zu übertragen.
Der gleiche Ausschuß hat weiter sestzustellen, ob und wie neben der landeseigenen Verwaltung eine Auftragsverwaltung in dem Sinne geschaffen werden kann, daß das Reich die Landesregierungen mit der Führung von Angelegenheiten der Reichsoerwaltung beauftragt."
Die Entschließung wurde zu Ziffer 1 einstimmig vom Ausschuß gebilligt. Zu Satz 3 der Ziffer 2 hatte Bayern folgenden Abänderungsantrag »w.ge- bracht: „Aufgaben, die zurzeit tatsächlich Reichs- aMaden sind, bei denen aber Lebensfragen de: Reiches nicht berührt werden, sind der Eigen- aer-waltung der Länder zu übertragen."
Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen von Bayern, Württemberg und des Reichsministers Schätzte abgelehnt, worauf Ziffer 2 gegen die Stimmen der genannten angenommen wurde.
Die beiden Unterausschüsse unter dem Vorsitze des Reichsinnenministers setzen sich zusammen aus je drei nichtbeamteten Sachverständigen, und zwar sind im ersten Unterausschüsse vertreten Preußen, Bayern, Württemberg, Hessen, Sachsen, Baden. Thüringen, Mecklenburg. Als Generalsachverständi- ger für beide Ausschüsse wurde bestellt Reichssparkommissar Reichsminister a. D. Samisch, als weitere Sachverständige die bisherigen Berichterstatter Reichsminister a. D. Hamm, die Staatssekretäre Zweiaert und e>.«w':u r" Mn-". Min'«
sterialdirektor Poetzsch-Heffter, Professor Raviaskn.
Die Unterausschüsse werden demnächst durch den Reichsminister des Innern zur Konstituierung einberufen werden.
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Die Tel.-Union meldte aus Augsburg:
Am Sonntag, 28., und Montag, 29. Okt., ffn- bet in Augsburg eine Tagung von Vertretern der Presse und der Politik aus dem Lager der Bayerischen Volkspartei und des Zentrums in Bayern, Württemberg, Baden und Hessen statt. Diese Tagung dient der Beratung über die schwebende Frage der Reichs reform. Ihre Teilnahme haben zugesagt die Landtagsabgeordneten aus Baden und Bayern, der bayerische Ministerpräsident, der württembergische Staatspräsident, die Finanzmini- fter von Bayern, Württemberg, von Baden, zahlreiche Reichstags- und Landtagsabgeordnete der süddeutschen Länder sowie Schriftsteller und Verleger der führenden katholischen Presse. Am Montag abend veranstaltet der Bezirksverband Augsburg der Bayerischen Volkspartei zu Ehren der
Gäste einen Süddeutschen Heimatabend, wobei die Vertreter der vier süddeutschen Länder Ansprachen halten werden.
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Als Hauptergebnis der Länderkonferenz wird in beteiligten Kreisen mitBefriedigungun- terstrichen, daß mit der Einsetzung der Ausschüsse nunmehr an die praktische Arbeit herangegangen werden kann. Damit ist das von der Reichsregie, rung zunächst erstrebte Ziel erreicht, und die weitere Verfolgung dieser großen Aufgabe in die Hände autoritativer Stellen gelegt werden, wahrend sich bisher auch p r i v a t e Organisationen mit diesen Dingen sehr stark beschäftigt haben. Zweifellos hat diese Vorarbeit auch nach der Auffassung der amtlich interessierten Kreise dem Problem sehr genützt. Es mußte aber die Gefahr vermieden werden, daß durch weitere theoretische Befassung privater Stellen Verwirrung entstand. Mit Befriedigung wird auch anerkannt, daß die in der Entschließung der Reichsregierung enthaltenen wesentlichen Punkte in die Schlußresolution der Konferenz hineingeommen worden sind. Die Entschließung der Reichsregierung selbst wurde mit den anderen Anträgen den Ausschüssen als Material überwiesen. In der Schlußsitzung hatte Bayern seinen Abänderungsantrag lestellt, um zu vermeiden, daß sich aus der Auftragsoerwaltung Eingriffe in die Hoheitsverwaltung der Länder entwickeln. Es ist anzunehmen, daß der bayerische Ministerpräsident den Gedanken seines Antrages bei der Arbeit der Ausschüsse erneut vorbringen wird. Aber auch auf bayerischer Seite ist man von dem Verlauf der Verhandlungen d u r -v - aus befriedigt und unterstreicht, daß eine eigene Entschließung der Konferenz die Grundlage der kommenden Arbeit bilden wird.
Bayerische Stimmen.
Zu den Beratungen der Länderkonferenz schreibt die „Bayerische Staatszeitung" u. a.: Alle Vorschläge, die darauf hinauslaufen, den staatlichen Charakter der Länder zu vernichten, sind für Bayern nicht diskutierbar. Wir lassen uns unter keinen Umständen das, was wir an eigenen Rechten als Staat habens nehmest. 3ttft unter diesem Vorbehalt kann sich Bayern über den neu aufgeworfenen Begriff der Auftragsverwaltung praktisch unterhalten. Es müssen Sicherungen geschaffen werden, daß auf dem Wege über eine solche Auftragsoerwaltung die bestehende Staatshoheitsverwaltung nicht aufgelöst werde. In München ist man mit dem Schritt des bayerischen Ministerpräsidenten, der einen „kleinen Waffe n st i l l st a n d" durch seine Absage an der Entschließung der Reichsregierung eingeleitet hat, durchaus einverstanden. In den unter Punkt 6 und 7 aufgelegten Sätzen der Entschließung liegt die unitaristische Tendenz in Reinkultur vor. Erfreulicherweise haben diese und ähnliche Dedukffo- nen aus dieser Entschließung eine ganze Reihe von Ländern, vor allem die süddeutschen, zu einer Fühlungnahme über ihre Meinung zu der Entschließung der Reichsregierung zusammengeführt.
Die „München-Augsburger Abendzeitung" schreibt u .a.: Die Forderung der Einrichtung der „Auftragsverwaltung" in der Entschließung der Reichsregieruna ist ganz klar. Sie ist das Ende der einzelstaatlichen Hoheitsrechte. Sie bedeutet eine grundsätzliche Aenderung der Weimarer Verfassung im Sinne des Unstarismus. Sie setzt die Reichsregierung und den Reichstag als Auftraggeber der Länder ein, । bedeutet also nicht nur einen entscheidenden I Schritt zur Unitarifierung, sondern auch einer bis i ins Unerträgliche ausgebauten Parlamentarisierung. Der Vorschlag der Reichsregierung bedeutet in der letzten Konsequenz das Ende der Länder. Er ist für uns damit auch das Ende der Weimarer Verfassung.
Bemerkenswert ist die Wertschätzung der Weimarer Verfassung, die sich in Gegensatz zu sonstigen bayerischen Urteilen über diese Verfassung hier äußert.
Die Leidtragenden.
Zwei Strafverfahren wegen der Dokumente über die Rüstungsverständigung. — Lloyd Georges boshafte Kritik.
Aus Paris wird gemeldet: Justizminister Barthou hat in der Angelegenheit des von' dem Korrespondenten der Hearstpresse H o r a n nach Amerika gekabelten Dokuments eine gerichtliche Untersuchung angeordnet. Die Staatsanwaltschaft hat darauf gegen den Beamten des Quai d'Orsey Roblet und den fran.zvsischen Journalisten Dela- planqne, die in die Angelegenheit verwickelt stnd, das Verfahren eröffnet.
Die Strafverfolgung lautet auf Spionage :»uf Grund des Gesetzes von 1886. Dieses Gesetz 'eht eine Gefängnisstrafe von 2—3 Jahren und ^e Geldstrafe von 1—5000 Franken für jeden Besten vor, der nicht qualifizierten Personen jLriftstücke oder Geheimdokumente, die die Vrr- h.^igung des Landes oder die äußere Sicherheit ^Q5 Staates betreffen, ausliefert. Außerdem sieht rechte Dor den Verurteilten die Ehren- werde &ie Dauer von zehn Ighren aberkannt Fn können, was den Journalisten anbetrifft,
FÄnrrm^: für ihn eine Strafe von 1—5 Jahren Ge-
VDnüe eine Geldstrafe in Frage, da er av- beren re0Tten Mitteilungen hat zugehen lasten, zu oe n Geheimhaltung er verpflichtet war.
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tb " Chronicle" gufofge erklärte Lloyd © e o r g € auf die Frage nach seiner Ansicht über
das Weißbuch: Das Dokument bestätigt, was ick in Parmouth gesagt habe. Die Preisgabe unteres Standpunktes in der Frage der ausgebildeten Reserven bedeutet, daß jede Abrüstungskonferenz eine K omödie sein wird. Es ist ein vollständiger Verrat an der Sache des Weltfriedens. Rach dieser von uns unterstützten Vereinbarung kann Frankreich ein Heer von fünf Millionen Mann aufrechterhalten, Polen ein Heer von zwei Millionen, die Tschechoslowakei ein Heer von anderthalb Millionen und Italien und andere europäische Länder Heere von fünf Millionen Mann. Der K e l l o g g p a k t ist unter diesen Umständen nicht einmal das Fahrgeld Lord Cushenduns für seine Reise nach Paris zur Unterzeichnung des Paktes wert.
Die Heparationsfrage.
Parker Gilbert verhandelt wieder in Berlin.
Nachdem Parker Gilbert von seiner Reise nach Paris, London und Brüssel wieder in Berlin eingetrof f en ist, wird in unterrichteten Kreisen damit gerechnet, daß er die Fühlung mit den maßgebenden deutschen Stellen aufnimmt, um ihnen ein Bild seiner Verhandlungen und Eindrücke im Auslande zu geben. Mit diesen Besprechungen dürften die Verhandlungen über die Einsetzung der Expertenkommission, die seinerzeit in Genf be
schlossen worden ist, in das entscheidende Stadium treten.
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Zur Haltung der belgischen Regierung in der Frage der endgültigen Festsetzung der Reparationsverpflichtungen Deutschlands schreibt die „Liberte":
Wahrscheinlich wird die feste Haltung der belgischen Regierung von Parker Gilbert bedauert und pom Kabinett in London unangenehm empfunden werden. Möglicherweise wird sich die französische Regierung wundern, aber bei einem fast allgemeinen Nachgeben ist es gut, daß irgendjemand etwas Intransigenz zeigt. Sind nicht ihrerseits die Vereinigten Staaten auch intransigent? Es ist nicht unnütz für den Erfolg einer Verhandlung, wenn eine der Parteien die Fahne etwas hoch hält. Man würde auch schlecht beraten sein, wenn man die Haltung Belgiens als Hartnäckigkeit bezeichnet. Man habe Belgien noch verherrlicht, als es 1914 Widerstand leistete. Der Charakter und der Wille des belgischen Volkes aber seien nicht anders geworden. Man müsse sich das gesagt sein lassen.
Senator Hubert, Vorsitzender des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten und stanzösischer Delegierter für den Völkerbund, wurde in Charleville zum Vorsitzenden des General
rates des Departements Ardennes wiedergewählt In feiner Antrittsrede erklärte er zur Abrüstungsfrage u. a., der Völkerbund arbeite an der materiellen Entspannung zwischen den Völkern, und in dieser Hinsicht sei die Kontroverse Briand—Hermann Müller nicht unnütz gewesen. Eine Vorbehalt- lose Abrüstung sei jedoch unmöglich und wäre die schlimmste Gefahr für die Minderheiten.
Auf die Verhandlungen zur Regelung der Reparationsfrage und der Räumung des Rheinlandes eingehend führte Senator Hubert aus, man müsse dieses Problem, das ein Ganzes bilde und dessen verschiedene Teile gleichsam zusammengeschweißt seien, erst in Angriff nehmen, nachdem es voll ausgereift sei, ohne abenteuerhafte Ueberstürzung und ohne verschleppende Manöver mit richtigem Verständnis für die Bedeutung der betreffenden Entscheidungen. Das Problem müsse in voller Klarheit und voller Loyalität erörtert werden, ohne daß die möglichen und gegenseitigen Konzessionen irgendjemanden als Gefahr erschienen. Es müsse derartig gelöst werden, daß die Lösung von allen Seiten nicht stn Geiste der Beunruhigung und Befürchtung aufgenommen werde, sondern im Geiste der Erleichterung und der Hoffnung. Es gehe um die Zukunft Westeuropas, und diejenigen, die sie in der Hand hielten, müßten sie gleichzeitig mit Mut, Vertrauen und Vorsicht behandeln.
Gras Westarp ein Dpser des “ '
wie die Nreuzzeilung den Sieg Hugenbergs begründet. — woran das Triumvirat scheiterte. — Auswirkung auf die Regierungsumbildung.
lieber die Vorgänge, die zur Wahl Hugenbergs an die Spitze der Deutschnationalen Volkspartei führten, berichtet die „Kreuzzeitung" u. a.: Der Gedanke eines Triumvirates ist aus den Kreisen der Landesverbände, die sich in der Iulitagung unter dem Vorsitz von Geheimrat Hu- genberg zusammengeschlosse'n hatten, schon feit längerer Zeit Graf Westarp in Vorschlag gebracht worden. Hugenberg hat einer solchen Lösung grundsätzlich zugestimmt und war bereit, m i t Graf Westarp zusammen die dreiköpfig e P a r t e i f ü h ru n g (! !) zu bilden. In den letzten Tagen vor dem 20. Okt. verbreiterte sich der Kreis derer, die diesen Gedanken des Triumvirates als einen geeigneten Weg zur Herbeiführung voller Einstimmigkeit betrachteten, immer mehr, und Graf Westarp ist wiederholt von verschiedenen Seiten gedrängt worden, dem Triumvirat zuzustimmen und persönlich sich hinem- wählen zu lassen. Er- hat indessen den Gedanken einer dreiköpfigen Führung bekämpft. Nachdem die Ablehnung des Grafen Westarp feftftanb, haben auch andere Mitglieder der Reichstagsfraktion, an die man sich gewandt hatte, den gleichen Standpunkt angenommen. So ist der Gedanke einer Führung durch drei gleichberechtigte Vorsitzende an dem Widerspruch und der A k - lehnung des Grafen Westarp gescheitert. Es wäre für die Partei schwer gewesen, so schließt das Blatt, der Haltung Westarps zustimmend, wirksam für den Kaisergedanken einzutreten, wenn sie bei sich selbst den Führergedanken verlassen hätte.
Hugenberg scheint demnach, da er dem Triumvirat zustimmte, dem „Kaisergedanken" doch noch nicht so ergeben zu fein wie der Graf Westarp es ist. . Das deutsche Volk freilich hat ganz andere Sorgen als deutfchnationale „Kaiferge- danken".
Thälmann-Direktorium.
Dem linkskommunistffchen „Volkswillen" zufolge wird die K. P. D. feit dem 9. Oktober von einem dreiköpfigen Direktorium geleitet, das aus Thälmann, Remmele und Heinz Neumann besteht. Nach außen werde diese Körperschaft als „Pol-Sekretariat" bezeichnet, in Wirklichkeit bedeute aber ihre Bildung eine Ausschaltung des gesamten Zentralkomitees.
Nach derselben Quelle sind zahlreiche Mitglieder des Zentralkomitees nach Moskau zitiert worden.
Roalitionsbesprechungen.
Im Reichstag fanden Besprechungen zwischen Vertretern der Zentrumsfraktion und der sozialdemokratischen Fraktion über die Koalition im Reiche statt. An diesen Besprechungen nahmen von Zentrumsse'ite die Äbg. Marx, Stegcrwald, Esser, von sozialdemokratischer Seite die Abg. Dittmann, Dr. Breitscheid und Herz HI. Die Zentrumsvertreter machten die bekannten Wünsche nach Sicherung einer dauerhaften ten Koalition geltend, wie sie schon Marx auf der Zentrumstagung in Magdeburg am Sonntag vortrug. Sie wiesen daraus hin, daß über eine Reihe wichtiger Punkte Klarheit geschaffen werden müßte, damit die Koalition nicht bei der ersten kritischen politischen Frage gefährdet werde. Don beiden Seiten wurde die grundsätzliche Bereitschaft zur Großen Koalition ausgesprochen. Die Verhandlungen in Preußen werden, so schreibt das Blatt, wahrscheinlich erst fortgeführt werden, wenn im Reiche eine Einigung erzielt ist. Nach der Aussprache mit den Zentrumsvertretern trat der Fraktionsvorstand der Sozialdemokratischen Partei zu einer Beratung zusammen.
In parlamentarischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß es sich nur um eine erste Fühlungnahme gehandelt hat, die von den Beteiligten im übrigen oerabredunqsgemäß vertraulich behandelt werden sollte. In Zentrumskreisen ist man
selbstverständlich dem Gedanken der Großen Koalition an sich nicht abgeneigt, wünscht aber die Klärung bestimmter Fragen (Panzerkreuzer und Steuerfragen) zunächst herbeigeführt zu sehen, da vor einer endgültigen Bereinigung dieser Fragen mit einer Dauer der Großen Koalition nicht zu rechnen ist.
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Darüber kann fein Zweifel fein, daß mit der Bestellung Hugenbergs zum Parteivorfitzenden der Deutschnationalen Volkspartei ein vollständiger Kurswechsel bei den Deutschnationalen Platz greift, der die anderen Parteien zu einer veränderten Stellungnahme zwingt. Selbst innerhalb der deutschnationalen Presse selber kann man die Sorge vor diesen kommenden Dingen nicht verhehlen. Nun erfährt man aus einer Kundgebung der Sambach« Gruppe, daß Hugenberg nach feiner Wahl diktatorisch einfach die Parteivertreter nach Hause schickte, ohne daß die noch auf der Tagesordnung stehenden Punkte erledigt worden wären. Es wird dann ausgesprochen, daß die christlich- soziale Gruppe innerhalb der Deuffchnationalen Partei abwarten will, ob die Gewähr für ihre weitere Mitarbeit gegeben fei, wenn nicht, dann würde sie sich von den Deutschnationalen lösen müssen. Die Entscheidung darüber wird fallen auf einer neuen Parteivertretung, die noch vor Weihnachten stattftnden soll.
Innerhalb der Deutschen Volkspartei kommt mehr und mehr die Sorge vor der Bündnisunfähigkeit der Deutschnationalen infolge ihres durch Hugenberg stigmatisierten Kurswechsels zum Ausdruck. Namentlich geschieht das in der Richtung, die Dr. Scholz nahesteht.
Tatsächlich ist ja durch die jetzige Entwicklung der Deutschnationalen Volkspartei die bisherige Koalitionspolitik des Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz, die so oft zu Krisen und zu halben und darum recht verderblichen Zwischenlösungen geführt hat. auf das stärkste kompromittiert und desavouiert. Darum wird auch die jetzige Entwicklung bei den Deutschnationalen, wenn nur die Sozialdemokraten einigermaßen vernünftig sind, nicht pur die Schaffung einer großen Koalition beschleunigen, sondern auch ihre Dauerhaftigkeit verstärken. Die andere Wirkung wird bann freilich die fein, daß Scholz kalt- gestellt wird, und das wäre im Interesse einer ruhigen parlamentarischen Entwicklung wirklich kein Schaden!
Natürlich das Zentrum!
wer ist Schuld an der Wahl Hugenbergs? — Zentrum!
Die „Deutsche Tageszeitung" beschäftigt sich mit den Ausführungen, die Reichskanzler a. D. Dr. Marx am Sonntag in Magdeburg zum deutsch- nationalen Führerwechsel gemacht hat. Die Bemerkungen des Blattes sind in mehr als einer Hinsicht interessant. Sie suchen die Wahl Hugenbergs psychologisch zu erklären und lassen überdies nochmals erkennen, wie wenig die „Deutsche Tageszeitung" mit seiner Führung innerlich einverstanden ist. Das Blatt ist nämlich der Meinung, daß die Haltung des Zentrums in der letzten staatsbürgerlichen Koalition zu der Entwicklung bei der Deutschnationalen Volkspartei, die in der Wahl Hugenbergs ihren sichtbaren Ausdruck finoe, erheblich beigetragen habe. Diese „Schuld" des Zentrums an der Wahl Hugenbergs wird folgendermaßen umschrieben:
„Der Richtlinienstreit und feine wiederholte, völlig unbegründete Aufrollung durch das Zentrum, feine Intransigenz bei der Forderung, nicht nur den materiellen Hauptinhalt des ReputM'chutzgeletzes, sondern auch Bestimmungen wie den praktisch gegenstandslosen Kaiserparagraphen zu verlängern, seine Weigerung, mit dem Gedanken der bürgerlichen Koalition in den Wahlkampf zu gehen, u. a. m. haben in weiten deutschnationalen Kreisen die Stimmung ständig verstärkt, daß die Partei in dieser Koalition mehr Opfer, auch prinzipieller Natur bringe, als der positive Ertrag der Beteiligung