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Die Wirtschaft -er Woche

Von unserem Frankfurter Börsenmitarbeiter Dr. Noll.

*

Streitfragen in -er weftiientfttien Wen Industrie

I die im Zeitlohn arbeiten und einen Stundenverdienst ; ohne soziale und sonstige Tarifzulagen unter 63 Pf. ha- j ben, eine Erhöhung dieses Stundenverdienstes auf 63 Pf. sichern."

Man muß sich fragen, warum solche Angebote, die doch nur Scheinmanöoer sind! Ernst sind sie wirklich nicht zu nehmen. Man überdenke nur einmal folgende Auswirkung: Der ledige Hilfsarbeiter würde im Lohn von 60 auf 63 Pf. steigen. Der verheiratete Hilfsarbei­ter hingegen — wenn er nur Kopfzulage für die Frau er­hält — nach wie vor auf nur 62 Bf. stehen bleiben.

Kann man in Unternehmerkrbissn wirklich damit ge­rechnet haben, daß dieses Angebot eine Verhandlungs­basis fei? Das Angebot weitherzig ausgelegt kommen bestenfalls 1500 bis 2000 Mann von einer Gesamtbeleg­schaft von rund 200 000 Mann dafür in Frage. Denn der Begriff „volleistungsfähig" wird von den Leitern der Betriebe ausgelegt.

Ueber die Lage 6» Löhne im rheinisch-westfälischen Jndustrierevier orientieren folgende Ziffern:

,... Tariflöhne für gelernte Vollarbeiter ohne Sozial- lohne oetrugen nach der Statistik des Instituts für Kon­junkturforschung im Mai 1928 im Ruhrkohlenbergbau (j)auer) 9.60 Mk. pro Schicht, Braunkohlenbergbau (Hauer, Rheinischer Bezirk 89 Pf je Stunde, Zement-

(Beckum) 86 Pf. je Stunde, Ziegeleien (Rh.- Wef.-Jnd.-Bez.) 82 Pf. je Stunde, Baugewerbe (Rh.- i Westf.-Jnd.-Bez.) ohne Düsseldorf) 120 Pf. je Stunde, Chemische Industrie (Durchschn. aus den Bezirken Essen .und Düsseldorf) 92.5 Pf. je Stunde, Papier-Industrie 1 (Köln) 96 Pf ,e Stunde, Buchdruckgewerbe (Essen, Köln, Aachen) 117 Pf. je Stunde, Gas-, Wasser- und Elektrizi- 1 tätsindustrie (Essen) 96 Pf. je Stunde, Brauindustrie (Rhld.-Westf.) 109 Pf. je Stunde, Textilindustrie (Wup- pertay 79.5 Pf. je Stunde, Schuhindustrie (Cleve) 83.5 Pf. je Stunde, Lederwarenindustrie (Essen, Köln. Aachen) 92 Pf. je Stunde, Schneiderwarenindustrie (Solingen) 84 Pf. je Stunde, Möbelindustrie (Essen, Köln, Aachen) 114.5 Pf. je Stunde.

Hingegen in der Großeisenindustrie (Rh.-Westf.-Ind.- Bez.) 78 Pf. je Stunde, Eisen- u. Stahlwarenindustrie (Durchschn. aus den Bezirken Siegerland, Hagen Rem­scheid, Kronenbcrg) 75 Pf. je Stunde.

Die Durchschnittsverdienste betrugen nach der gleichen Quelle in der Hüttenindustrie für die Gesamtbelegschaft je Stunde 95.9 Pf., in der weiterverarbeitenden Eisen­industrie für die Gesamtbelegschaft 80.2 Pf.

Die Eisenpreiserhöhungen des ersten Halbjahres 1928 sind begründet worden mit den Mehrbelastungen, die aus der 1927 erfolgten Neureglung der Löhne entstanden sein sollen. Diese Lohnsteigerung wird auf 4 Prozent bezif­fert.

Die Cisenpreiserhöhung macht mehr aus als die Lohnerhöhung.

Diese Tatsache wird offenbar, wenn der Eisenabneh- wer sie prüft. Ein Beispiel: Der Abnehmer von Form und Moniereisen zu Bauzwecken hat mit einem Grund Preis und mit sogenannten Ueberpreisen zu rechnen. Un ^schiedlich sind ferner die Preise für Werks- oder Lager- «eferung. Der Grundpreis bei Werkslieferung betrug

B. für Formeisen frei Waggon Oberhausen bei Ab "ahme von 5—10 To. 1927: 148 Mk., 1928: 154 Mk. „ diesen Grundpreisen kommen Ueberpreise, die je uc^Art der Profile 3 bis 15 Mk. pro To betragen.

, n-Bt® Steigerung des Grundpreises ist 6 Mk gleich

Prozent. Bei einer Abnahme ooon 30 To. und meijr toar der Grundpreis 1927: 139 Mk., 1928: 144

"°le Steigerung ist auch hier 5 Mk. gleich 3.6 Proz "der die Lagerlieferung in Frage, so hat der r E folgender Preisstellung zu rechnen. Grundpreis frei Baustelle: 1927: 173 Mk.. 1928: 190 Mk -Per 'st die Steigerung 17 Mk. gleich 9.8 Proz. Dem- ""G kann nicht behauptet werden, daß die Lohnerhöhung den Eiienindustriellen eine Belastung gebracht habe. Im Gegenteil, der Arbeitslohn ist nur ein Teil der Ge- stehungskosten. Die Erhöhung der Preise um den Grad der Lobnerböbuna brinat den Unternehmern höheren Ge-

Seit der Genfer Völkerbundstagung vergeht fast kein daß nicht Mitteilungen über die Abänderung der Reparationszahlungen gemacht werden, über Ort, Zeit und Zusammensetzung der vorgesehenen Sachverftändi- oenkommisswn, über die Einzelheiten der in Aussicht aenommenen Regelung usw. Es ist notwendig, darauf bin,uweise"' daß bis jetzt noch in keinem einzigen Punkte nI1r irgendetwas festgelegt ist, zum allermindeften etwas fl6er die Neuregelung überhaupt. Es ist hier mcbrM uuf die Schwierigkeiten des ganzen R e p a r a - ' jpnsproblems hingewiesen und vor unbegrün- &etetn Optimismus gewarnt worden. Darai) hat sich gUd) durch den unleugbaren Fortschritt, den die ins zluge gefaßte Kommission bedeutet, bisher nichts geändert. Vor allem gilt es jetzt der Auffassung entgegenzutreten, als ob sich für Deutschland große Vorteile in Bälde er­geben könnten. Die Auffassung hat eine weite Verbrei­tung gefunden, daß eine Neuregung der Reparationen eine Herabsetzung der Schuld auf einen Bruchteil der jetzigen bringen werde, daß dann ein großer Betrag der Kapitalfchuld durch internationale Finanzoperationen aufgebracht und damit Deutschland des größten Teiles feiner Verpflichtungen ledig wäre. Diese Auffassung hat besonders zwei irrtümliche Seiten. Einmal ist praktisch das heutige Reparationsproblem schon gar nicht mehr anders als mit den Ziffern des Dawesplanes zu sehen. Das heißt, daß eine Kapitalisierung unserer Höchst­leistungspflichten den Betrag von rund 40 Milliarden ergibt, also weniger als ein Drittel der Versailler Phan­tasiezahl von 132 Milliarden. Man weih, daß alle Be­rechnungen, die auch neuerdings wieder angestellt wor­den find, ungefähr zu einer zwischen 30 und 40 Milliar­den liegenden Summe kommen. Und man wird sich darauf gefaßt machen müssen, daß eine endgültige Fest­setzung unserer Reparationsverpflichtungen sich auf sol­chen Größenordnungen bewegen wird. Das würde prak­tisch bedeuten, daß sich in der Höhe der von uns zu lei­stenden Zahlungen wenig ändern würde. Der zweite Trugschluß ist, von der Mobilisierung eines Teiles der Reparationssumme durch Anleiheaufnahmen auf den internationalen Kapitalmärkten eine besondere Erleich­terung für Deutschland zu erwarten. Die Bezahlung un­serer Reparationsgläubiger mit geliehenem Geld bedeu­tet doch nichts anders, als daß wir die Gläubiger wech­seln. Sind die jetzt zu zahlenden 2% Milliarden als Zisio und Amortisation einer Kapitalschuld von etwa 40 Milliarden zu betrachten, so wären später entsprechend Zinsen für den geliehenen Betrag an die privaten Ka­pitalgeber zu zahlen, aus der staatlichen Reparations­schuld würde, wenigstens teilweise, eine kommerzielle pri­vate Schuld. Diese privaten Zinszahlungen können aber für uns insofern noch ungünstiger werden, als den Da- weszahlungen ein Zinssatz von 5 Prozent zugrundegelegt ist, während für neue Kapitalaufnahmen unbedingt höhere Zinsen zu zahlen wären. Und noch ein weiterer Punkt ist wichtig: der Dawesplan gewährt uns den sog. Transferschutz, d. h. die Umwandlung der deutschen Markzahlungen in Devisen darf nur so erfolgen, daß unsere Währung dadurch nicht geschädigt wird. Würde aber durch eine Teilmobilisation der Reparationsschuld diese in eine kommerzielle umgewandelt, dann fiele die­ser Schutz weg, die Reparationsgläubiger brauchen sich dann keine Sorgen mehr darüber zu machen, wie Deutschland die Zinszahlungen mit der Stabilität feiner Währung in Einklang bringen kann. Alles in allem er­scheint das, was wir bei einer Neuregelung zu gewin­nen hätten, weniger verlockend: dieser Eindruck wird ohne weiteres bestätigt dadurch, daß das Drängen nach einer endgültigen Regelung der Reparationsfrage ja von der Gegenseite, nicht von uns so heftig geworden ist. Das beweist, daß eben die Reparationsgläubiger jedenfalls dabei nichts zu verlieren glauben, erst rechl nicht, weil sie diese Angelegenheit als ein Austaufchobjekt gegenüber der Rbeinlandräumung betrachten, wenn wir uns auch nod so sehr gegen eine Verquickung dieser beiden Fra-

Jn einer Konferenz äußerte sich in Duisburg der 2. Vorsitzende des Christlichen Metallarbeiter­verbandes Deutschlands, Schmitz- Duisburg über die von den Unternehmern durch die Kün­digung der Belegschaften geschaffene Lage. Er hob aus den Streitfragen folgende hervor:

Die Eisenindustriellen haben erklärt, es fei mit der bisher üblichen Art des taktischen Vorgehens bei Lohn­verhandlungen nicht vorwärts 3U kommen, die Parteien müßten die Verantwortung seihst übernehmen. Diese Forderung steht auch im Brennpunkt der Kritik, die an der deutschen Schlichtungspraxis geübt wird Jeder ge­werkschaftlich geschulte Arbeiter weiß, daß alle Auseinan­dersetzungen um den Ertrag gemeinsamer Arbeit ihre na­türlichen Grenzen an hei_X r agfj i g f e { t 6er Wirt­schaft finden. Um ben <S r a d dieser Leistungsfähigkeit geht der Streit. Die Angaben der Werksverwaltungen begegnen in Arbelterkelsen stärkstem Mißtrauen. Das gilt auch für die Ergebmsse der Untersuchungen, die durch das Reichswirtschaftsklm erium vorgenommen werden. M.-.r schätzt dieses Ministerinm ei e5 bie den Unternehmern nahestehenden .Münchener Neueste Nachrichten" genannt hat: „Das Ministerium, das die Sachwerte der Wirtschaft in den Dordergrund stellt"

Dieses Mißtrauen ist zu> zerstreuen, wenn man Ver­trauten der Arbeitnehmerschaft uneingeschränkten Ein- bick in die Sage der Unternehmungen und in bie Ren­tabilität der Industrie gewährt.

Diese Forderung müssen die Arbeiter und must hie Gewerkschaft als Vertragspartei erheben, wenn üe wirk liehe und begründete Verantwortung tragen fon

Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehm™ die Leiter der Industrie dieser Voraussetzuna^'^^ Mit gelegentlichen sogenannten vertraulichen00:4•/ gen und mit sogenannten SachoerständigsnllnaJ-,. mitten des Kampfes ist dabei allerdings niÄ^ Arbeiterschaft muß Vertrauen in diese Untettnlnnn™ setzen können. * 1 a,un9en

Der Gedanke, Vertrauten der Arbeitnehmer fn i laufend uneingeschränkten Einblick in die Lage ber «J f zu geben, entspricht doch durchaus der vielfach fam"™6 wordenen Forderung nach stärkerer Publizität schäften ist doch längst nicht mehr ausschließlich sache; das Sozialprodukt muß mehr der gesellschasj,;ü,.„ Kontrolle unterliegen. Man gebe uns diesen Ginhiirp damit wir die geforderte Verantwortung mit ruManm Gewissen übernehmen können a n

Angesichts der bevorstehenden schweren Verwicklungen betone ich es mit Nachdruck, daß es nicht nur eine Svrae um den Sßrofit,. fonbern auch eine weit höhere Verant­wortung gibt: Die Verantwortung um die Menschheitz. kultur.

Riesenkämpfe — wie sie jetzt in Aussicht stehen _ Afen eine maßlose Verschärfung der Gegensätze und eine Radikalisierung unseres sozialen Lebens hervor, die sich m(.fn Endes vm bittersten an ihren Urhebern rächen an !^en Arbeiter wollen feine Schuld

un0 himinj,abtn' darum fordern wir Mäßigung

UnternÄ .mm^8 und erwarten dasselbe ebenfalls vom rufeni ^^tum. Den Unternehmern kann man nur zu- tischen La„two7tun7bewußt^"

industriellen ^is"fttz?ke?n b"t We westdeutschen Eisen- von dem Verhalten der iim Egegenkommen gezeigt, was ken der Großeiseninbustrj,anderen Beztr-

In der @ro6eifeninbuftri?arfften5. abroeicf,r' Frühjahr d. I. eine 23ereinbnri!m Kölner Bezirk ist tm erhöhung zustande gekommen mit 8 Pfennig Lohn- Lohn 86 Pf. in der Stunde ?°rt betragt zur Zeit der 78 Pf. nbe’ m der Nordwestgruppe

. „Just in diesen Tagen — Q .

falls über ben bayerischen Oktober — ist eben» gung erzielt worden. Der G?iöh^ haJ^e,I’c Berstand:- boht sich hier um 5, der der unaelernf™^! '-6 5 ""

4 Pfennig pro Stunde. angelernten Arbeuer um

Das Angebot der Nordwesiunt«.

tober will -.VoMstungsfähigen 2[rb,etteSbej 21 3abrem

gen wehren. Insofern erscheint ein Optimismus bezüglich der weiteren Reparations- verhandlungen nicht begründet.

Ein Punkt ist allerdings noch gänzlich unklar, und hier könnte uns eine Erleichterung winken: es ist die Frage der Anrechung der bisherigen Reparationsleistun­gen, d. h. der Leistungen bis zum Beginn der Dawes- zahlungen. Wirb unsere Kapitalschulb auf sagen wir 40 Milliarben festgesetzt bann wären ebenfalls bavon bie Gelb- unb Sachleistungen vor bem Zeitpunkt ber Dawesleistungen abzuziehen, vor allem der Wert der ab­getretenen Gebiete, Schiffe usw. Bekanntlich bestehen darüber ganz erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Die Berechnungen der Reparationskommission gehen für die Zeit bis Ende 1922 auf 7 9 Milliarden Goldmark, die Deutschlands auf 41.6 Milliarden, die des amerikanischen Instituts of (Economics auf 25.8 Milliarden, wozu aber noch weitere erhebliche Beträge kämen. Hier wird also die Sachverständigenkommission erst einmal eine end­gültige Feststellung treffen müssen. Welcher wchluß- betrag bann noch übrig bleibt, hängt ganz davon ab wie sich Amerika in der Frage der interalliierten Schulden verhalten wird.

Es ist also sicherlich verfrüht, bereits fegt eine Lösung als nahe bevorstehend anzusehen, die uns Vorteile brin­gen könnte; gänzlich abwegig natürlich, solche Hoffnun­gen bereits in dse Verlegungen bezüglich der Entwick­lung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse einzubeziehen. Es muß jetzt schon darauf hingewiesen werden, daß eine tatsächliche Erleichterung unserer Reparationslaften in erheblichem Umfange große Schwierigkeiten schaffen würde, wenn sich unsere Wirtschaft erst einmal auf die jetzigen Jahreszahlungen eingestellt hat. Man braucht nur daran zu erinnern, daß ganze Industriezweige durch die Reparationslieferungen ein zusätzliches Absatzgebiet haben, dessen Wegfall sich in schmerzlichen Auswirkungen bemerkbar machen müßte. Man denke nur an die Kohle, die wir heute mit Leichtigkeit in dem uns seinerzeit phantastisch erschienenen Umfang liefern könnten, wie sie anfänglich von uns gefordert wurde.

Unbegründet ist es auch, wenn sich die Börse Hoff­nungen macht, daß das jetzige Elend mit einer Rege­lung der Reparationsfrage durch paradiesische Zustände adgelösi werden könnte. Gerade die angedeutete Mög­lichkeit, daß es in unserer Wirtschaft noch einmal zu einer ganz eigenartigen Art von Reparationskrise kom­men kann, wird zu beachten bleiben. Im übrigen sind für die Börfenentwicklung vor allem jene Umstände maß­gebend, die hier bereits früher mehrfach auseinander­gesetzt worden sind. Wenn in dieser Woche wieder der gesamte Kursstand eine neue Erschütterung erfahren hat, den sich auch kluge Leute nicht zu erklären vermögen, so hat man darin eben den Ausdruck wirtschaftlicher Krankheitserscheinungen zu sehen, die es verhindern, daß der natürliche Mechanismus unseres Wirtschaftssystems in normaler Weise funktioniert. Das zeigt sich deutlich in der Tatsache, daß ein Papier wie die Farbenaktie au: einen kaum gesehenen Tiefstand gesunken ist; in ber Ge­sellschaft ist diese Entwicklung nicht begründet, sie hat noch kürzlich Mitteilungen über die einzelnen Zweige ihrer Tätigkeit gemacht, die durchaus optimistisch wa­ren, ja sogar von weiter steigenden Gewinnen gespro­chen, obwohl bis zur Abschlußzeit noch ein halbes Jahr vergehen wird. Auch in der Verwaltung der I. G. kann man sich diesen Kursrückgang nicht erklären. Er ist wohl einfach darin zu suchen, daß aus den vermehrten größe­ren Zahlungsstockungen der letzten Monate immer zu­erst ber Besitz an Farbenaktien — unb ein solcher ist ja fast überall vorhanden — an den Markt gebracht wirb, weil biefes Papier noch am leichtesten gehandeli warben kann. Fast bei jebem größeren Konkurs mußten Far­benpakete verkauft werben, außer ber „freiwilligen" Ver­äußerung bei außergerichtlichen Auseinanbersetzungen in Schwierigkeiten gekommener Gesellschaften.

roinn, nämlich auch Erhöhung für bie übrigen Faktoren der Gestehungskosten.

Ueber die Wirkungen von Eisenpreiser­höhungen herrschen vielfach phantastische Vorstellun­gen. Eine Eisenpreiserhöhung müsse — so wird be­hauptet — mit Naturnotwendigkeit Erhöhung des ge­samten Preisniveaus unb eine Abdrosselung der Kon­junktur zur Folge haben. Diese Darstellungen sind nicht selten maßlos übertrieben. Man kann sich des Ein­drucks nicht erwehren, daß manche Geschäftskreise diese Behauptung in so übertriebener Weise propagieren, um einen Deckmantel für die eigene, ungerechtfertigte Preis­politik zu haben.

Leider nähren die Eisenerzeuger vor und während der Lohnbewegung diese Vorstellungen, um die Lohn­forderungen ber Arbeiter abzuwehren.

Alle Uebertreibungen sinb vom liebel, auch bie von den Preistreibereien, die von Kohle unb Eisen herruhren sollen. Wie verhält es sich bamit?

Zunächst bie Feststellung, daß ber Lebenshaltungs­index in Deutschland von 1926 bis 1928 von 139.8 auf 150.6, also um 10.8 Punkte gestiegen ist, während die Cisenpreise keinerlei Veränderung erfahren haben. Das Preisniveau ging also auswärts, auch ohne Eisenpreis­erhöhung.

Die Wirkungen einer maßvollen Eisenpreiserhöhung auf bie Konjunktur und auf die allgemeine Preisgestal­tung illustriert man am besten an Beispielen. Eine Buch­druckmaschine hat einen Anschaffungspreis von 70 000 Mk. Es werden zu derselben etwa 25 To. Eisen ver­wandt. Ob für bie Herstellung dieser Maschine 25mal 5 Mark pro To., also 125 Mk. mehr an Eisen aufge­wandt werden muß, spielt für das Objekt kaum eine Rolle.

Für die Wirkungen auf dem Baumarkt ein Beispiel: Für den solidesten Wohnungsbau braucht man pro Kbm. umbauter Raum 3.8 Klg. Eisen. Ein Bauwerk in einer Größe von 100 000 Kbm. umbauter Raum würde dem­nach 380.0 To. Eisen aufnehmen. 100 000 Kbm. um­bauter Raum im Wohnungsbau sind ihrer Größe nach etwa 250normalgroße Wohnungen. Ein solches Objekt hat einen Wert von 3% bis 4 Millionen Mark.

Wenn bie Eisenpreiserhöhung vorn Jahre 1928 für das Bauwesen pro To. — rote bargefegt — insgesamt 17 Mk. betragen hätte, so mürbe ber Mehraufwand für unmittelbares Baueisen bei einem wie vorhin be­sprochenen Objekt 380.0 To. mal 17 Mk., also 6460 Mk. betragen haben. Kann das bie Konjunktur abbroffeln?

Es führt logisch zu Ungerechtigkeiten, wenn bie Preise eines Teiles ober auch Teile bes Wirtschaftslebens über Gebühr niebrig gehalten werben, während man alle an­dern üppig ins Kraut schießen läßt. Der deutsche Groß­handelsindex stand am 26. Sept. 1928 für Kohle auf 133.3, Eisen auf 127.9; hingegen für Textilien auf 154.4, Baustoffe auf 159.4, Konsumgüter auf 175.5.

Eisen liegt um rund 12 Punkte unter dem Gesamt­index, der auf 139.8 steht. Die Folgen davon werden auf die Arbeiterschaft der Eisenindustrie abgewälzt. Da­gegen wenden wir uns, weil es ungerecht ist.

wirtschaftliche Kampfbewegungen.

— Die Verhandlungen im Lodzer Texlilarbeilerstreik gescheitert. Die im polnischen Arbeitsministerium abge­haltene Konferenz zwischen Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer in der Lodzer Textilindustrie führte zu keinem Ergebnis, da bie Vorschläge und Zuge­ständnisse der Arbeitgeber von den Vertretern ber Ar­beiter abgelehnt wurden.

— Die Genossenschaftsbank Gelnhausen in Konkurs. Ueber bas Vermögen ber Genossenschaftsbank e. G. m. b. H. Gelnhausen wurde am 18. Oktober das Konkursver­fahren eröffnet, da die Bank ihre Zahlungen eingestellt hat. Die Genossenschaft setzt sich größtenteils aus kleinen Landwirten des Kreiss zusammen, denen es außerordent­lich schwer fällt, die 1500 Mk. betragenden Geschäftsanteile aufzubringen. ______________

= Preisvereinbarung für Bestecke. Nachdem bereits feit längerer Zeit für bie bem Verband der Silberwaren- fabrifanten Deutschlands e. V- angehörenden Besteckfabri- kanten eine Preiskonvention besteht, sind jetzt auch zwi­schen dem Verband ber Silberwarenfabrikanten Deutsch­lands e. V. unb dem Reichsveband Deutscher Juweliere, Golb- unb Silberschmiebe e. V. als bem Berufsverband des Einzlhandels durch Festsetzung eines Mindestauf­

schlages auf bie jeweils geltenben Konventionspreije ber Besteckfabrikanten Mindestverkaufspreise für silberne Be­stecke im Einzelhandel vereinbart worden. Die Verein­barung trat am 15. Oktober in Kraft.

Amtliche öklmiltMchllMN

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen bie im Grunbbuch von Fulba Banb 76, Blatt Nr. 3131 einge­tragenen Grimbstücke

1. Ktbl. 3 Parz. 1196/576 Königstraße Haus Nr. 6,

1,04 » groß 264 M. N. SB., Grd. St M. R. 2872, Geb. St. R. 484,

2. Ktbl. 3 Parz. 1197/576 Königstraße bebauter Hosraum 18 qm groß,

am 31. Olkober 1928, 10 Ahr an ber Gerichtsstelle

Königstraße Nr. 38 Zimmer Rr. 6 versteigert werben.

Der Dersteigungstermin ist am 9. Januar 1928 in bas Grunbbuch eingetragen.

Als (Eigentümer war damals ber Kaufmann Lorenz Niedling unb besten Ehefrau Maria geb. Noll zu Fulba je zur ibeellen Hälfte eingetragen

Fulda, ben 18. Oktober 1928.

Amtsgericht, Adil. 5.

Frankfurter Börse.

18.10.

19.10.

18.10.

19.10.

Staatspapiere

Allg. Elektr. Ges.

88,25

88,12

6°/o Reichsanleihe

87,25

87,25

Bad Salzschlirf

28,0

28,5

D. Anl. Ausl. Sch.

Cem. Heidelberg

135,5

136,0

Anl. Abi. Schuld 4% Oestr. Goldf. 4% Ungarn Goldr.

14,55

14,6

26,4

Contin. Ges.

Daimler

D. Erdöl Berl.

D. Scheideanstalt

80,0 135,75 211,75

82,0 136,5 211,75

Gold. Pfdbr. u. Anl.

Dürkoppwerke

Eisenw. Kaisers!.

—

12,12

8% Frkf. Hyp.-B.

Gold.-Pfdb.

95,25

95,0

Elektr. Lief.

Elektr. Licht u. Kraft

174,75

235,0

174,75

237,0

8% Frkf Pfdb-B.

Farbenindustrie

253,0

252,87

Gold.-Pf db.

8%L.K.Kass.G.K.Obl 8°/o L. Kr. Kass.

95,25

94,25

95,25

95,12

Filzfabrik Fulda Frankfurter Gas Frankfurter Hof

90,0

145,0

92,5

90,0

145,0

92,5

Gold-Pldb. 26 R. 1 8% L. Kr. Kass.

GoM-Pfdbr. 26 R. 2 70/0 L. Kr. Kass.

96,0

96,0

96,0

96,0

Pokorny & Witt. Goldschmidt Hammersen Holzmann Ph.

99,0

99,25

134,5

Gold-Pfdbr. 27 R 4 8° o Mein. Hyp.-B.

Gold-Pfdbr.

90,0

94,75

90,0

94,75

Kammg. Kaisers!. Konsv. Braun Lahmeyer ä Co. Lingel. Schuht.

252,0

87,0

173,5

87,0

173,5

Bankaktien

Mainkraftw.

117,0

117,0

96,0

Motoren Oberursel

97,5

Commerzbank

186,0

186,75

N. S.U. (Neckarfz.)

——

80,13

Danatbank

288,0

289,0

Schuhstoff Fulda

55,5

55,5

Deutsche Bank

167,5

167,5

Schuhfabrik Herz

—

—

D. Eff. u. W. Bk.

126,0

127,0

Siem. & Halske

392,75

—

Diskonto-Ges.

162,0

163,0

V. Faßt. Cassel

37,5

37,5

Dresdner Bank

169,0

168,5

Wayß & Freytag

133,0

132,75

Frankfurter Bank

114,0

115,0

Zellst. Aschaffenb.

207,0

207,0

84,0

F rankt. Hyp.-Bank Meininger Hyp.-Bk. Mitteid. Cred.-Bank

148,25

148,25

Zellst. Waldhof

84,0

134,5

136,5

Südd. Zucker A.-G.

151,75

153,0

204,0

203,5

Reichsbank

304,0

300,0

Bergwerks-Aktien

Westbank Frankt.

100,0

100,0

Buderus Eisenw.

84,5

Aktien dtsch. Transp.- An st alten

Gelsenk. Bergw.

Harpener Bergbau

120,5

122,0

137,0

Ilse Bergbau

245,0

248,0

Cass. Strassenbahn

93,0

93,0

Kali Aschersleben

282,0

Hapag

151,5

151,5

Mannesmann

123,1

123,87

Nordd. Lloyd

147,5

146,75

Riebeck

Industrie-Aktien

V. Laurahütte

Adt Gebr.

—

32,0

Adlerw. Kleyer

109,0

109,0

Berliner Devisenkurse

18. Oktober

19. Oktober

Geld

Brief

Geld

Brief

Newyork

4,19

4,20

4,19

4,20

Brüssel

58,28

58,40

58,27

58,39

Holland

168,10

168,44

168,07

168,41

London

20,33

20,37

20,33

20,87

Paris

16,33

16,41

16,37

16,41

Schweiz

80,71

80,87

80,70

80,86

Spanien

67,60

67,74

67,77

67,91

Italien

21,96

22,0

21,97

22,01

Dänemark

111,82

112,04

111,80

112,02

Norwegen

111,78

112,0

111,76

111,98

Schweden

112,13

112,35

112,11

112,33

Prag

12,42

12,44

12,42

12,44

Wien

58,91

59,03

58,93

59,05

Schriftleiter: Dr. schil. Johannes Kromer, Verantwortlich für Politik unb Heimatliches Dr. Kramer, für den Roman und die „Buchenblätter" A n 1 o n W e ß l e r. für den übrigen Text unb bie Unterhaltungs­beilage Dr. rer. pol. Karl 21 u ft ermann, alle in Fulba. Verantwortlich für bie Anzeigen: Direktor der Fuldaer Aetiendruckerei I. Parzeller.

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DAIMLER-BENZ A.-G.

Verkaufsstelle Frankfurt a. M., Abt. Personenwagen, Rathenauplatz 14 VERTRETUNG:

Kircher-Ludwig, Fulda, Mittelstraße 13-17.

Fernruf 184.

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