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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 243.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Freitag, 19. Oktober 1928.

Anzeigen.Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 X«, auswärts 0,20 Ml. Rek amezeile: total 0,60 Ml, KK Tfltwfl auswärts 0,80 Ml. Bei Wiederholurgen Rabatt. vU.JUlJLy» :• Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

Die Verhandlungen über die Gelalutuerpflichtungeu

(Cig. Funkm.). Zur I Ihren Beruf, aber cnten für Revaratia- anderen Stän

wtb. London, 18. Oft.

♦ Relchstagsabgeordneker Joos 25 Jahre an der Westdeutschen Attbeilerzeilung. Am 20. Oktober feiert der bekannte Reichstagsabgeordnete Josef Joos das Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit in der katholischen Arbeiterbewegung und an der

_________• überheben Sie sich nicht -----ren Ständen gegenüber.. Wahre Rit­terlichkeit bedarf dessen nicht. Vor allem aber hallen Sie den Schild Ihrer Ehre rein. Deren innerster Kern sei die Liebe und Treue zu unserem schwergeprüf­ten Vaterland. Das ist kurz das, was ich Ihnen als Offizier der alten Armee, deren ruhmreiche Tradition sie fartsejzen sollen, und als ihr jetziger Obevbefchls- haber und ältester Kamerad in dieser Stunde mit auf den Weg geben will. Ich lasse die neue Kavallerie- schule in der festen Erwartung eröffnen, daß sie die Pllanzstätte aller militärischen Tugenden sein und m ihr der Geist eines Seydlitz und Ziethen, eines Blücher und Schlieffen walten wird. Dann werden Männer aus ihr hervorgehen, deren Arbeit dem Vaterlande zum Se-

Anwesenheit des Generalagenten für Reparatio­nen in London schreibt der diplomatische Korre­spondent des „Daily Telegraph": Die Besprechun­gen, die Parker Gilbert gegenwärtig mit Chur­chill und führenden Beamten des Schatzamtes hat, beziehen sich auf seinen Vorschlag, daß die deut­schen Gesamtverpflichtungen vermindert und end­gültig festgesetzt werden sollten, daß Deutschland sich zur Bezahlung dieser verminderten Summe verpflichten soll und daß der Transfer-Ausschuß aufgelöst wird. In englischen maßgebenden Krei­sen. werde aber, so führt das Blatt aus, hie Not­wendigkeit einer Revision des Reparationsplanes nicht für so dringend angesehen. Deutsch­land habe bisher seine Verpflichtungen aus dem Dawesplan ohne Mühe erfüllt und es scheine kein Grund zu der Sorge zu bestehen, daß es nicht im­stande sein wird, die volle Annuität im Laufe des gegenwärtigen Dawes-Finanzjahres zu bezahlen. Außerdem werde eine Herabsetzung der Gesamt- entschwdigung ohne eine gleichzeitige entsprechende Verminderung der allierten Kriegsschul­den an die Vereinigten Staaten eine sehr schwere Last auf England legen, denn die kontinentalen Alliierten würden wie früher auch diesmal wieder fordern, daß die gesamten Repari- tionen den zerstörten Gebieten zugute kommen.

gen gereicht.

General Heye knüpfte an die Aussprache etwa folgende Worte: „Kameraden! Die Nachricht, daß unser Reichspräsident und Feldmarschall nicht kommen wird, bat bei uns allen ein Gefühl tiefer Trauer ausgelöst. Nehmt diese Worte mit in euer Leben als Richtschnur bis an euer Lebensende. Unser Feldmarschall war nicht nur der Sieger in den Schlachten, er ist auch für das schwergeprüfte Vaterland der getreue Eckard geworden. Denkt immer an den Namen des Feldmarschalls als Sinnbild der Treue und Ritterlichkeit eines alten Offizies." Zur Bekräftigung dieser Worts brach­ten sämtliche Anwesenden ein dreimaliges Hurra auf den Reichspräsidenten aus.

Frankreichs Militär - Ausgaben.

Kriegsminister Painlevc hat, wie Havas berich­tet, im 'Finanzausschuß der französischen Kammer auch über die großen Linien des Planes zur Or­ganisierung der Verteidigung der französischen Nordo st grenze Vortrag ge­halten. Ein Ausschußmitglied machte den Kriegs­minister auf die Notwendigkeit aufmerksam, diese Grenze nicht ungedeckt zu lassen, wie dies 1914 in Nordsrankreich der Fall gewesen sei. Kriegs­minister Painleve antwortete, er beschäftige sich mit dieser Frage, und die Bevölkerung dieser Ge­biete möge ihm Vertrauen schenken.

Außerdem beschäftigte sich der Finanzausschuß mit den Krediten für die Levante-Truppen. Dabei kam es zu einer ziemlich heftigen Au'sfprache, da der sozialistische Abgeordnete Lakont eine Herab­setzung dieser Kredite um 74 Millionen beantragte mit der Begründung, daß die Lage in Syrien sich gebessert habe. Ein anderes Ausschußmitglied er­klärte es jedoch für unangebracht, Syrien seiner Schutzmittel in dem Augenblick zu berauben, in dem eine Nachbarmacht die Unsicherheit an der syrischen Grenze als Vorwand benutze, um die soge­nannte Pipe Line zu verlegen, wodurch die Frank­reich in Mesopotamien zugestandene Pettvleums- Konzession beeinträchtigt würde.

Der Ausschuß lehnte den sozialistischen Antrag auf Herabsetzung der Kredite um 74 Millionen ab und nahm den Vorschlag des Berichterstatters auf eine Herabsetzung um 10 Millionen mit 11 gegen 10 Stimmen an

Painleve erläuterte ferner die E r h ö h u n g der H e e r e s k r e d i t e um 784 Millionen im einzel­nen wie folgt: 289 Millionen Lohn- und Gehalts­erhöhungen, wie sie bisher im Budget des Finanz­ministeriums enthalten waren, 98 Millionen Kredite zum Ausgleich für Preissteigerungen, 149 Millio­nen für Militärluftschiffahrt. Die restlichen 248 Millionen Krediterhöhungen sind nach den Er­klärungen des Kriegsministers zum größten Teil auf die Durchführung der Vorbereitungsmaßnah- men für die Einführung des Einjähri­gendienstes berechnet. Der Kriegsminister er­klärte, daß die im November 1929 einzuberufenden Rekruten zum ersten Male den einjährigen Dienst zu absolvieren haben werden. Die Einführung des neuen Militärstrafgesetzbuches sei auf den 1. Januar 1929 festgesetzt worden. ___

Nach dem Vortrag des Kriegsministers beriet der Finanzausschuß und nahm auf Vorschlag des Generalberichterstatters zwei Streichungen vor, nämlich die von 15 Millionen von dem für das französische Besatzungskorps vorgesehenen Kredit und diejenige von 15 Millionen von den Ausgaben für Marokko.

Amerika und Rußland.

Amerikanisch-russische Geschäftsbeziehungen.

Wie dem „Neuyork Herald" aus Neuyork ge­meldet wird, hat die International General EleS- tric Company Verträge zwecks Aufnahme der Ge- fchäftsbeziehungen zu Sowjetrußland abgeschlossen. Danach sollen die Sowjets sich bereit erklärt haben, über die Schuldensorderungen der Gesellschaft gegenüber der alten kaiserlichen russischen Regie­rung in Höhe von 179 Mill. Dollar zu verhandeln. Der Vertrag sehe den Kauf von elektrischen Appa- raten und Materialien in Höhe von 5 bis 10 Millionen Dollar in den ersten beiden Jahren und, wenn diese Geschäfte zur Zufriedenheit abgewickelt werden, Käufe in Höhe von wenigstens je 4 Millio- neu Dollar in den darauffolgenden vier Jahren vor. Die Sowjets müssen 25 Prozent des fälligen Kauf-

« ?or Verschiffung der Waren bezahlen und den Rest durch Wechsel, die in einem Zeitraum von o Jahren vom Augenblick der Verschiffung an fällig werden. Die Ansprüche,'die die Gesellschaft gegenüber den alten Forderungen geltend machen will, beliefen sich nach einer Aussage des Direktors der amerikanischen Gesellschaft auf 1750 000 Dollar.

Parker Gilbert selbst, heißt es in dem Artikel weiter, gibt zu, daß keine Aussicht auf eine Revi­sion der verschiedenen Schuldenfundierungsabkom- men durch Amerika besteht. Er teilt auch die An­sicht der britischen Sachverständigen, daß gegen­wärtig nur ein kleiner Teil der Dawes-Entschädi­gung in Form von Anleihen auf dem internatio­nalen Geldmarkt mobil gemacht werden könnte und auch dieser kleine Teil nur gegen hohen Dis­kont. Andererseits ist das britische Schatzamt ge­neigt, dem Generalagenten beizupflichten, daß es ratsam wäre, die Transfer-Klausel des Dawespla- nes zu beseitigen, wenn Deutschland eine entspre­chende Garantie bieten kann, die aber erst noch gesunden werden müßte. Der Korrespond. meint, wahrscheinlich werde die Frage nach Erledi­gung der amerikanischen Präsident- sch«»ftswahlen wieder mit dem britischen und anderen alliierten Schatzämtern erörtert werden. Bis dahin müsse die ganze Frage in der Schwebe bleiben.

Das Marmekompromitz.

wtb. London, 18. Ott. (Eig. Funkm.). Dis Blätter melden übereinstimmend, daß das bri­tische Weißbuch über das englisch-französi­sche Marinekompromiß erst nächste "Woche zu­gleich mitdemfranzösischen Gelb­buch veröffentlicht wird.

Ausbau von Basra zu einer Seeflugzeugbafis.

wtb. London, 18. Ott. (Eig. Funtm.). Reu­ter meldet aus Basra: Die hiesigen britischen Lust­streitkräfte werden bis zum Dezember um 8 neue Flugboote verstärkt werden. Dies scheint eine Be­stätigung der Annahme zu bilden, daß der Hafen von Basra zu einer Seeflugzeugbasis aus­gebaut werden soll, die im Osten an Bedeutung nur hinter der von Singapore zurückstehen wird. '

Hindenburg an die Reichswehr.

In Anwesenheit des Reichswehrministers G r o e n e r, des Chefs der Ke^resleitvng, Generals He y e, zahlreicher höherer Offiziere, des Obervrä- üdenten Roste und von Vertretern der Büraer- 'chaft erfolgte in Hannover die feierliche Weihung des Erweiterungsbaues C. K a o a l l e ri e s ch u l e. Die Feier begann mit einer kirchlichen Feier in der neuen Turnhalle der Kavallerieschule mit den Ansprachen des Feldmob- stes der Armee, Dr. Schlegel-Berlin, und des ka­tholischen Wehrkreispfarrers. Nach einer Führuna twrch die neuen Räume begaben sich dannn die Gäste auf den Hof der Kavallerieschule, wo bie Offiziere, Fähnriche und die Lehrtrupve der ^a= vallerieschule Aufstellung genontmen hatten.

Reichswehrminister Groener schritt in Beglei­tung von General Heye die Front ab und ver- 05 °otm folgende Ansprache Hindenburg?. IienbesX6?6"611 Kommen verhindert, lasse ich Nachsie- Werk ; ?"anntfleben, um ZU zeigen, welchen hohen Die Erziehung des Offizierersatzss beimesse.

mäfcioCU,^rriL1^ in unserem kleinen Heere verhö.ltnis- fidi vertreten, und ihre Aufgaben haeen

Unrfn „JL ,ruf,.?r wesentlich verändert und erweitert, an hj« m c F finö d'e Anforderungen geworden, die sen Sn ;Zt3*er,r.e, dieser Waffe gestellt werden miii- nnterSeneueei„CÄ?ke" ?u M-rde sollen sie ihren Sie müssen au* stin. Das genügt aber nicht,

dem Feinde J?L^eren l'chere, zielbewußte Führer vor ihren Körper n’ 6rf,uIen Sie daher nicht nur Sie Ihre/ C“U$ 5f)ren ®eift und festigen gebildete Offiziere können derartig durck-

böchsten Leistung .dem Untergegebenen zu der

reißen und zum Sie« ™bens'

Maße befehlen will. ber mX ®er W Wm ho rd) en Gelernt unh rÜ vorher fdbft ßc* charakterliä/auf feinen haben^Be^s'^'k' Erblicken Sie in Fhren M a anvertrautes kostbares @ u t„e,ln ^nen des. Machen Sie aus ihnen brav? DfIiX‘rpuZW?/ "er, zeigen Sie bei aller militäriyJn Herz für Ihre Leute, werden Sie ihr erwecken Sie in ihnen Vertrauen und Dienhin» ^ute Lüftungen werden Sie dafür belohnen

Machen Sie sich im Verkehr mit

Begriff der Kameradschaft recht klar^ ^Sie^ e-ne alltägliche Freundschaft: denn sie soll sich vielleicht m schweren Stunden bewähren Frohsinn und Oberflächlichkeit sind dabei Begrisfe, die auseimn -ergehalten werden müssen. Seien Sie stofz guf

Westdeutschen Arbeiterzeitung. Er ist am 13. No­vember 1878 in Winzenheim, Kreis Kalmar, im Elsaß geboren und erlernte das Tischlerhandwerk. 1901 trat er in die Redaktion der Ober-Elsässischen Landeszeitung ein und kam dann im Jahre 1903 an die Redaktion der Westdeutschen Arbeiterzei­tung, die er zunächst mit dem späteren Reichspost­minister Giesbert gemeinsam führte. Als Gies- berts 1905 in den Reichstag eintrat, übernahm er die Redaktionsleitung. Unter der Führung von Josef Joos erlangte die Westdeutsche Arbeiterzei­tung eine Auflagenziffer von 200000 Abonnenten. 1919 wurde er als Führer der katholischen Arbei­ter als Zentrumsabgeordneter in die verfafsung- gebends deutsche Nationalversammlung gewählt. Seit 1920 gehört er dem Reichstag an. Er führt jetzt als Spitzenkandidat die Zentrumslifte des Wahlkreises Köln-Aachen. Joos gilt nicht nur un­bestritten als einer der angesehensten Arbeiterfüh­rer, er nimmt heute darüber hinaus in der Zen­trumspartei und im deutschen Katholizismus eine überragende Stelle ein. Diesen Ruf verdankt er nicht zuletzt feiner außerordentlichen Befähigung zum Journalisten und politischen Schriftsteller.

* Beichslagsabgeordneker Lobe Hospitant der Demokratischen Fraktion. Der frühere Senatsprä­sident beim Reichsgericht und jetzige Reichstagsab­geordnete Lobe, der als Mitglied der Volks- rechtspartei vom Wahlkreis Chemnitz in den Reichstag gewählt wurde, ist, wie die „Voss. Ztg." dem Demokratischen Zeitungsdienst entnimmt, der Demokratischen Reichstagsfraktion als H o f p i - tont beigetreten. Lobe wird, der gleichen Quelle zufolge, im Strafrechtsausschuß des Reichstages neben dem Abgeordneten Dr. Ehler­mann einen Sitz der Deutschen Demokratischen Partei einnehmen.

* Der neue Chef der Etats-Abteilung. Als Nachfolger des aus dem Reichsfinanzministerium ausscheidenden Ministerialdirektors L o t h h o l z ist, wie die „Dofs. Ztg." erfährt, Ministerialrat Graf Schwerin v. Krosigk, der seit Jah­ren als Generalreferent in der Etatabteilung des Reichsfinanzministeriums tätig ist, in Aussicht ge­nommen. ,

Hoffnung auf Sichrer.

DDZ. Berlin, 18. Oft. (Eig. Funkm.). Die d e u t s ch n a t i o n a l e R e i ch s t a g s f r a k - t i o n wind heute nachmittag 4 Uhr zu einer Sit­zung zusammentreten, die in der Hauptsache der Vorbereitung der d e u t s ch n a t i o n a - len fBertretertagung am Samstag und Sonntag gilt. Auf dieser Tagung der Parteileitung und des Parteiausschusses sollen alle aktuellen politischen Probleme erörtert werden, insbesondere erhofft man, wie das Nachrichtenbüro des VDZ. weiter hört, eine Lösung der Füh­re r f r a g e innerhalb der deutschnationalen Volks­partei. ________________________

* Die Frage der Auslösung des TUecklenburg- Schwerinfchen Landtages. Verhandlungen zwi­schen der Reichsregierung und der Schweriner Regierung wegen der Auflösung des Mecklenburg- Schwerinischen Landtages haben, rote zuverlässig verlautet, entgegen anderslautenden Nachrichten nicht stattgefunden. Die mecklenburgische Regie­rung hat nur vom Reich eine staatsrechtliche In­formation zu dieser Angelegenheit erbeten, die auch erteilt worden ist." Die Entscheidung des Staatsgerichtshofes über den zweiten nationalso­zialistischen Klageantrag betrf. Verurteilung Meck­lenburg-Schwerins zur Landtagsauflösung ist so­lange ausgesetzt worden, bis Regierung und Land­tag zu der fraglichen Angelegenheit Stellung ge­nommen Habern_______________

* Berkrauensmännerwahlen im österreichischen Bundesheer. Aus Wien wird gemeldet: Bei den Wahlen von Vertrauensmännern des Bun­desheeres gelangten 281 Mandate zur Besetzung. Hiervon errangen der WehrbuNd 212 (Gewinn 78), der sozialdemokratische Militärverband 62 (Ver­lust 56) und die Deutsche Soldatengewerkschaft 7 (wie im Vorjahre). Der Wehrbund gewann ge­genüber dem Vorjahre 2 434 Stimmen, der Mili- tärverband verlor 3 063 Stimmen und die Deut­sche Soldatengeroerkschaft gewann 61 Stimmen.

* Tariferhöhung bet den österreichifchen Bun­desbahnen. Wie die Blätter schreiben, soll am Neujahr eine zehnprozentige Erhöhung der Per­sonentarife sowie eine etwa 14prozentige Er­höhung der Frachtentarife auf dm österreichffchen Bundesbahnen erfolgen.

* Um die Wiederzulassung der religiösen Orden in Frankreich. Aus Paris wird gemeldet: Abge­ordneter Gernut (Generalsekretär der Liga für Menschenrechte) kündigt an, daß er die Heraus­nahme der Artikel 70 und 71 betreffend die Wie­derzulassung religiöser Orden aus dem Budget be­antragen werde, mit der Begründung, daß diese Bestimmung Grundsätze beeinträchtige, und eine eingehende von der Budget-Debatte unabhängige Beratung erfordere.

* Politisches Todesurteil in Italien. Aus Lucca wird gemeldet: Das Sondergericht zum Schutze des Staates verurteilte den Kommunisten Della Maggioro zum Tode durch Erschießen und seinen Parteigmossen Spadoni zu 18 Jahren Einzelhaft. Der zum Tode Verurteilte hatte einen Faszisten ermordet.

* Der amerikanische Petroleumskandal. Aus Washington wird gemeldet: Der Generalstaats­anwalt verfügte, daß der von dem früheren Staats­sekretär Fall mit der Smclair-Rohöl-Emkaufge- sellschast abgeschlossene Verttag über den Einkauf von Oel aus den Regierungsländereien in Saltereck Field hinfällig ist. Demgemäß sind alle Oel- lieferungen an die Smclair-Eesellfchaft eingestellt worden.

Beidjsreform.

Von F. ö. Papen.Haus Merfeld.

Es ist nötig, dem deutschen Volke viel mehr als bisher vor Augen zu führen, daß das Grund­problem aller Fragen, die feine innere und äußere Wiedergeburt betreffen und die in ihrer gewalti­gen Schickfalhaftigkeit für Generationen jetzt der Lösung harren, die Neuordnung seines S t a a t s au f b a u e s ist. Die bevorstehende End­regelung der Reparationsfrage, dieser größten Fi­nanztransaktion, die die Welt seit ihrem Bestehen erlebt, wird zweifellos darüber entscheiden, ob es uns gelingt, mit der äußeren Souveränität das Maß innerer, wirtschaftlicher Unabhängigkeit zu­rückzuerobern, welche die Vorbedingung unserer historischen Sendung in Europa und der Welt ist- Wer die Weltpresse mit Aufmerksamkeit verfolgt weiß, wie sie die Grundlagen und das Maß unse­rer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeiten mißkannt und überschätzt werden — in der Zeit einer „ge­borgten" Hochkonjunktur und unter dem Eindruck, daß die Ausgaben für unsere öffentliche Verwal­tung von 4,2 Milliarden Mark im Jahre 1913 auf 13% Milliarden, ungerechnet die auf 4,7 Milliar­den Reichsmark zu beziffernden Kosten der Sozial- Versicherung, gesteigert werden konnten.

Der Reparationsagent hat oft und unmißver­ständlich auf den Zusammenhang zwischen der deutschen Leistungsverpflichtung und einer fparsa- meren Verwaltungs- und Wirtschaftsführung hin- gewiesen. Es ist zu fürchten, daß unsere Position bet den End Verhandlungen umso schwächer sein wird, je weniger wir den ernsthaften Willen ins Feld führen können, unseren Staatsaufbau und seine Verroaltungsmafchine so kompliziert, so billig und wirksam als irgend möglich zu gestalten.

Das ist einer der Gründe, die für schleunige Inangriffnahme der „Reichsreform" sprechen. Viels andere sind oft erwähnt und sollen hier nicht be­rührt werden.

Da ist es denn im höchsten Maße erfreulich, daß der „Bund zur Erneuerung des Reichs", diese Vereinigung freier Männer aller politischen Rich­tungen, uns mit dem Ergebnis ernster.Studien auf diesem Gebiet bekanntmacht.

Der Bund weiß, daß seine Vorschläge nicht ohne weiteres verwirklicht werden können. Die Weimarer Verfassung hat leider ihrer organischen Weiterentwicklung selbst das größte Hindernis in die Barriere der verfassungsändernden Majorität gesetzt. Umso notwendiger ist es, daß die Deffent« lichkeit aufgerüttelt wird, daß die Inangriffnahme des Problems nicht an dem parlamentarischen Un- vermögen versumpft. Man mag zur Lösung, die der „Bund" vorschlägt, stehen wie man will — es ist ein unbestreitbares Verdienst, in breitester Oeffentlichkeit die Unmöglichkeit des gegenwärtigen Zustandes dargestellt und auf die Pflicht hingewie- fen zu haben, „zu feffbeftimmter planmäßiger Ge- staltung der Dinge an Stelle der bisherigen Poli- tik des Abwartens und Gehenlassens bis zu Ge­legenheitsentschließungen in aufkommenden Einzel- fällen". Die Presse wird dafür zu sorgen haben, daß der Gegenstand nicht mehr von der Tages­ordnung verschwindet.

Das Kernproblem der Versassungsreform ist das Problem „Reich-Preußen". Seitdem die Hege- monialftellung Preußens und feine Identität mit mit jeder Reichsgewalt infolge des Sturzes der Bismarck'fchen Schöpfung fiel, befinden wir uns in dem Irrglauben, ein Reich von gleichberechtig­ten und gleichverpflichteten Föderativstaaten zu fein. Preußen ist eben nicht ein Land wie jedes andere Land — es ist ein Zweidrittelreich im gan­zen Reich. Der preußische Innenminister hat den Satz geprägt, dessen Inhalt zwar nicht neu ist, der aber die Lage ausgezeichnet beleuchtet, daß nicht der regiert, der über die Legislative verfügte, sondern der, der im Besitz der Exekutive sei. Dies« Exekutive im Zweidrittel-Reich mit ihrem ganzen riesigen Verwaltungsapparat und dem Parlament, muß auf die Dauer eine Unmöglichkeit für jede gesunde Stärkung der Reichszentralgewalt sein. Es ist gewiß grundfalsch, anzunehmen, daß die Ur. fache für die dauernden Kompetenzkonflikte, das Neben- und Gegeneinanderarbeiten der beiden höchsten Gewalten in der Wilhelmstraße, gegensei. tiges Uebelwollen fei. Der Grundfehler liegt im System. Fast alle politifchen Faktoren haben das gottlob erkannt Aber die Wege, die sie zur Üeberwindung des Systemfehlers suchen, sind sehr verschieden — und der Weg, den Preußen einzu- schlagen im Begriffe steht, birgt die Gefahr in sich, den Weg zu einer gesunden Reichsreform für alle Zukunft zu blockieren.

Der Staatssekretär Abbegg, der an der entschei- denden Stelle des preußischen Innenministeriums steht, hat kürzlich in einer bemerkenswerten Schrift*)' die Lösung empfohlen, durch die Schaffung eines Großpreußens allmählich zum Einheitsstaat zu ge­langen. Er erwartet, daß die lebensunfähigen Länder die Notwendigkeit eines Anschlusses an Preußen sehr bald einsehen werden Jede Ab­gabe preußifcher Enklaven an andere Länder lehnt er ab, weil diese Enklaven, überzeugt von der Gitte pre'.lßischer Verwaltung, „Werber. Wegeberei­ter und Verboten des Zusammenschlusses zu einem größeren Preußen" werden müssen.

Die Reichsbehörden sollen mit den preußischen Mittelbehörden zusammengeschweißt roerden, wobei der preußische Oberpnäfibent zugleich Chef der Reichsmittelbehörden werden müsse. Selbstnerständ-- lich soll dieser Reichsoberpräsident von Preußen ernannt und bestätigt werden. Das Reich darf dann schließlich nur noch die Gelder aufbringen, die notwendig sind, um diese preußische Reichs­exekutive zu unterhalten. Wie bei dieser Lösung das Ziel jeder Reform, die Stärkung der Reichs-