Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Zeitung

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Jlr. 241.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. g. Mvnatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.s.ohne Zustellg

Mittwoch, 17. Oktober 1928.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUl, auswärts 0,20 M. Reklamezeile: lokal 0,60 jO, auswärts 0,80 3Ut. Bei Wiederholuk.gen Rabatt.

Postscheckkonto Frankiurt a. M. Nr 4051

55.Zahrg.

Sie Mich wfatete LzeMrt der „8ns ZkMli«"

Glaite Landung in Lakehurst Montagabend 11.30 Uhr.

Vie Kreuzfahrt über New t)orh

Trotz

111 stündiger Zahrt noch für 60 Stunden Betriebsstoff. — Die begeisterten Amerikaner-—Die Bedeutung des Zluges

um

Ott. (Eig. Funkm.) Eine Stunde Luftschiffes wurden die Passagiere

Luftschiff

wtb. Newyork, 16. Oft. (Eig. Fi Blätter roiimten der Ankunft des ®

■unfm.). Die

Kommen neue Steuern?

mit einem

600 Millionen ungedeckte Nusgaben

Jetzt muffen die Sozialdemo

Kraten ihre Snanzkünste zeigen.

Ein parlamentarischer Mitarbeiter schreibt uns:

in

Blätter widmen der Ankunft des Graf Zeppelin begeisterte Schilderungen, die mehrere Seiten in Anspruch nehmen. Biele Zeitungen in Newyork, Washington und Philadelphia haben 7

lägen in j Anschaffungskosten

zeitig für die dem

Glückwünsche von allen Seiten.

Wahllos sind die G lück wunschtel e- $ r a mm e, die an Dr. Eck ener anläßlich seines glücklichen Beendigung des Ozeanfluges gerichtet wurden. 11, g, gingen Telegramme ein von r” c 1 $ 5 P r ä f i ö e n t v. Hindenburg, von dem deutschen Reichskanzler Müller, dem Reichsverkehrsminister v. Guerard, ko-

. . . . , .------ ^.fatzung gewährte

glanzende Aufnahme und Unterstützung meinen aufrichtigsten Dank aus. Ich hoffe, daß mit diesem neuen Fortschritt in der Luftfahrt die freundlichen Beziehungen, die zwischen dem großen amerikamlchsn Volke und Deutschland bestehen, noch enger geknüpft werden.

von Hindenburg, Deutscher Reichspräsident."

Eine Kundgebung des Reichskanzlers.

wtb. Berlin. 16. Oft. (Eig. Funkm.). Reichs­kanzler Müller übergab dem hiesigen Vertreter eines auÄändifchen Pressekonzerns aus Anlaß der Ozeanüberquerung des Graf Zeppelin folgende Kundgebung: Die Kunde von der glücklichen Ueberquerung des Ozeans durch das deutsche Luft­schiff Graf Zeppelin ruft im deutschen Volke größte Freude hervor. Mit ihr verbindet sich ein herz­liches Gefühl des Dankes über das große

Das Defizit von 660 Millionen muß abgedeckt werden, das ist klar. Aber wie? Der Reichsfinanz- mmister hat es bis jetzt noch vermieden, deutlich M sagen, an welche Steuererhöhungen er denkt. Was zwischendurch an Plänen des Reichsfinanz- Mlnistermms durchsickert, kann zunächst unerörtrrt

..„Ich danke Ihnen, Herr Präsident, für die Glück- wünsche und Anerkennungen, die Sie den Leistungen des Luftschiffes Graf Zeppelin imd seiner Besatzung in so freundlicher Weise gezollt haben. Namens des deut­schen VEes spreche ich gle.....

wie von Reichsaußenminister Dr. Strafe» mann. Im Namen der Deutschen Reichsbahn gratulierte Generaldirektor Dorpmüller. Weitere Glückwünsche sandten der amerikanische Botschaf­ter in Berlin, Shurman, die deutsche Botschaft in Washington, Ozeanflieger Köhl und die Hamburg- Amerika-Linie.

Dr. Eckeners Botschaft an Cootidge.

Dr. Eckener hat an den amerikanischen Präsi­denten C o o l i d g e folgendes Telegramm ge­sandt:

Im Augenblick der Ankunft über der amerikanischen Küste während die­ser neuartigen Ueberquerung des Atlantischen Ozeans durch das Luftschiff mit Passagieren und Post von Deutschland nach Amerika, auf der wir als Kameraden und erfahrenen Freund Com­mander Rosendahl bei uns hatten, bitten der Kommandant und die Mannschaft des „Graf Zep­pelin", dem Präsidenten der Vereinig­ten Staaten ihre ganz respektvollen Grüße zu übermitteln Eckener.

Interesse und den begeisterten Empfang, der nach allen Kundgebungen dem Lufffchiff in den Verei­nigten Staaten bevorsteht, der trotz aller Schwie­rigkeit der Elemente durchgeführte Flug wird hof­fentlich der erste Schritt zu einer regel­mäßigen Verbindung zwischen unse- r e n Kontinenten auf dem Luftwege sein und damit auch die jetzt herrschenden freundschaftlichen Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland immer enger und herAicher gestalten. Die Hände- drücke des Dr. Eckener bei seiner Landung auf amerikanischem Boden sind die des gesamten deut­schen Volkes, das zusammen mit der großen ame­rikanischen Nation gewillt ist, für den Fortschritt der Menschheit und für die friedliche Zusammen­arbeit mit den anderen Nationen zu arbeiten.

Anerkennung in Frankreich.

wtb. Paris, 16. Okt. (Eig. Funkm.) In der gesamten Presse wird die erfolgreich beendete Ueberfahrt des „Graf Zeppelin" im allgemeinen mit Anerkennung verzeichnet und besonders her­vorgehoben, daß sie um so anerkennenswerter sei als sie vom Wetter nicht besonders begünstigt war. „Petit Parisien" schreibt: Die solide Konstruktion des Luftschiffes verhinderte, auch nur an die Mög. lichkeit einer Katastrophe zu denken. Gustav Herve schreibt in der „Victoire": Der Erfolg dieser Reise wird eine ungeheure Publizität für Deutschland in der ganzen Welt fein. Sie bedeutet eben für die, die es noch nicht wissen sollten, daß Deutschland trotz der militärischen Nie­derlage immer noch das Land ist, in dem man mit Beharrlichkeit und Methode arbeitet, ein Land, das an der Spitze der Welt in industrieller und wissenschaftlicher Hinsicht bleibt, und daß seine augenblickliche industrielle Vorherrschaft in Europa nicht nur seinem außerordentlichen Reichtum an Kohle und seiner ungeheuren Bevölkerungsziffer, sondern seinem Genie, seiner Organisation, feinem disziplinierten Geist, dem hohen Wert seiner Uni­versitäten und der reichen Ausstattung seiner La­boratorien verdankt. „Matin" schreibt: In Deutschland und in den Vereinigten Staaten erklärt man übereinstimmend, daß noch Ve r v o l l k o mm» nungen erforderlich sind, um die Beför­derungsart durch ein Luftschiff praktisch und durch­führbar zu machen. Im „Figaro" heißt es: Der Erfolg des Zeppelins zeigt erneut, daß die Deut- scheu die meisten Dinge, die sie unternehmen, zu einem guten Ende durchzuführen wissen. Lernen wir nach dieser Richtung von ihnen. Der Sport- schrifffteller Franz Reichel schreibt im „Ami du peuple": Die deutsche Lufffchiffindustrie kann auf diesen neuen Erfolg stolz sein. Er ist ein Sieg der gesamten deutschen Tätigkeit ent­sprechend der wirtschaftlichen und moralischen Größe dieses Landes.

Begeisterung in Amerika.

Der Reichsfinanzminister befindet sich offenbar der Klemme. Seit einiger Zeit wird durch alle möglichen Kanäle der deutsche Staatsbürger lang­sam darauf vorzubereiten versucht, daß er neue Steuern zu gewärtigen hat. Es handelt sich darum, einen Fehlbetrag von etwa 660 Millionen ’ Mark zu decken. Eine andere Möglichkeit, als durch neue Steuern dieses Defizit einzubringen, ist nicht gegeben, wenigstens sieht man im Augenblick garnicht, wie das anders möglich sein soll.

Es wird bei uns zu Lande furchtbar schnell ver­gessen. Sonst müßte man sich daran erinnern, daß es noch garnicht so lange her ist, nämlich erst acht Wochen, daß die Reichsregierung offiziell er­klären ließ, daß nach einer sorgfältigen Nachprü­fung der finanziellen Möglichkeiten keine Schwierigkeiten für den laufendenEtat bestehen, wenn die erste Panzerkreuzerrate bewilligt werde. Diese erste Erklärung wurde abgegeben durch denselben sozialdemokratischen Reichsfinanz­minister Hilferding, der jetzt sogar in aller Oesfent- lichkeit, nämlich auf der Berliner Tagung der Hauptgemeinschast des Einzelhandels, die Deckung eines Defizits von 660 Millionen Mark verlangte.

Kein Mensch wird leugnen, daß zwischen Mitte August und Mitte Oktober ein offenbarer und zwar sehr krasser Widerspruch bestcht. Aber die Tat­sache des Defizits läßt sich jetzt nicht mehr länger verheimlichen. Freilich war sie vor acht Wochen auch schon bekannt. Damals scheuten sich aber die verantwortlichen Stellen, daß dann der Sturm innerhalb der sozialdemokratischen Wählerschaft gegen die Bewilligung des Panzerkreuzers durch die sozialdemokratischen Minister noch stärker ge­worden wäre. Aber ganz ehrlich hat man, wie sich jetzt heute herausgestellt, damals seitens dieser verantwortlichen Persönlichkeiten gegenüber ihren Wählern und gegenüber dem ganzen Volke nicht gehandelt. •

Präsident Coolidge sprach Dr. Eckener auf funkentelegraphischem Wege seine Glückwünsche aus und übersandte gleichzeittg dem deutschen Reichspräsidenten ein Glückwunschtele­gramm.

Der ReichsprSsident an Präsident Eoolidge.

wtb. Berlin, 16. Okt. (Eig. Funkm.). Der Herr Reichspräsident hat auf den Glückwunsch des Präsidenten Eoolidge anläßlich der Ankunft des Luftschiffes Graf Zeppelin mit nachstehendem Te­legramm geantwortet:

bleiben. Man erinnere sich nur daran, daß schon früher durch die sozialdemokratische Presse bestimmte Ankündigungen gemacht wurden, gegen die wir uns an dieser Stelle schon haben nachdrücklich wenden müssen. So wurde unter anderem die Wiedereinführung der Weinsteuer und Erhöhung der Erbschaftssteuer gefordert, daneben eine Er­höhung der Reichsvermc'genssteuer, eine Echöhung der Biersteuer, die Nacherhebung von 40 Millio- neu Vermögenssteuer von 1926 und dergleichen mehr. Wir wollen einmal abwarten, ob das Pro­gramm des Reichsfinanzministers wirklich derart aussieht.

Es wäre ja wirklich interessant, wenn die Sozial» demokratie, die sich doch sonst 'immer als stackste Gegner der indirekten Steuern ausgibt, nun jetzt, da ein Vertreter ihrer Partei das Fmanzmini- fterium leitet, keinen anderen Ausweg mehr wüßte, als die Erhöhung eben dieser indirekten Steuern! Es wird im übrigen auch zu verlangen feilt, daß das Finanzministerium mit feinen PH - neu alsbald an die Oeffentlichkeit her antritt, den t schon jetzt zeigt es sich, daß die Pläne des Finanz» ministeriums, von denen man ja bis jetzt noch nichts Authenttsches weiß, eine große Unsicherheit in die gesamte Wirtschaft hineinbnngen.

Für Steuererlaß.

Der Reichslandbund hat an den Reichs- Minister der Finanzen eine Eingabe gerichtet, in der es heißt: Gegenüber den im Sommer an die Ernte geknüpften hohen Erwartungen ist jetzt lei- der festzustellen, daß die Landwirtschaft in ihrer Rentabilität und Zahlungsfähigkeit trotz teilweise guten Ernteausfalles nicht in der Lage sein wird, die zahlreichen rückständigen Steuerbeträge zu zahlen. Dem besseren Ernteergebnis steht ein weitaus größerer Preisdruck gegenüber. Diese Jage veranlaßt uns, den Reichsminister der Finanzen dringend zu bitten, die Finanzämter erneut anzu­weisen, daß die bestehenden Stundungen weiter verlängert werden und enffprechend der voraus- sichtlichen Rentabilitätslags des einzelnen Betriebes nunmehr zu Niederschlagungen der rückständigen Steuern geschritten wird.

gramme feien ihm ja auch prompt beantwortet worden. Aus der Fahrt habe kein Mangel an Nahrungsmitteln geherrscht. Es seien noch bei der Landung Vorräte vor­handen gewesen.

Lady Drummond Hay erklärte, die Fahrt sei gewöhnlich interessant gewesen. NiemandanBord , i tränt geroorben. Als die Stabilisierungsfläche zerriß, sei man etwas aufgerüttelt worden, aber das sei auch alles gewesen.

wtb. Lakehurst, 16. Okt. (Eig. Funkm.) Eine Stunde nach der Landung des Luftschiffes wurden die Passagiere zur Erledigung der Paß- und Zollformalitäten in die Halle überführt. Die Polizisten bildeten eine Kette, um die zum Teil stark ermüdeten Passagiere gegen den An­drang der Menge zu schützen. Der Leiter der Luft- fah'rtabteilung im Reichsvertehrsmini- fterium, Ministerialdirigent Branden­burg, der auch an der Rückreise teilnimmt, erklärte dem Vertreter des Wtb., den er zugleich mit amerikanischen Prefseverttetern empfing, über feine Eindrücke auf der Reise das folgende:

Einzelheiten über den Verlauf der Fahrt möchte ich Ihnen nicht geben. Dr. Eckener hat mit einigen Zei­tungskonzernen einen Vertrag abgeschlossen, durch den er die Berichterstattung über die Fahrt zum alleinigen Recht dieser Organisationen gemacht hat. Der Luftschiffbau Zeppelin sah sich zu dieser Maßnahme veranlaßt, da es für ihn darauf ankam, die für die Fahrten des Luft­schiffes erforderlichen Geldaufwendungen wieder herein­zubringen. Ich möchte deshalb von einer Schilderung der Fahrt Abstand nehmen, da ich befürchten müßte, die Befolgung des Pressevertrages durch Dr. Eckener zu stö­ren und womöglich dem Luftschiffbau Zeppelin wirtschaft­lichen Schaden zuzufügen. Meinen Gesamteindruck der Fahrt will ich Ihnen aber gern übermitteln.

Ministerialdirigent Brandenburg sprach dann davon, daß das Flugzeug durch die Anforderungen und die großen Geldmittel des Krieges eine außerordentliche Ent­wicklung genommen habe. Die Vorteile des Flugzeuges " feiner großen Schnelligkeit und feinen geringen ,,,mgstoften vor allem aber in feiner nahezu un« begrenzten Entwicklungsfähigkeit. Dagegen wäre ihm das Luftschiff an Bequemlichkeit und Flug- fühigkeit bei Motor st örungen überlegen. Heute seien auch die Möglichkeiten meteorologischer Na­vigation beim Luftschiff größer als beim Flugzeug. Ecke­ner sei z. B. bei der jetzigen Fahrt aufgrund der ständig einlaufenden Wetternachrichten unter Inkaufnahme erheb- kicher Umwege bis in die Nacht vom 14. zum 15. Oktober mit Rückenwind geflogen und habe so die großen, ungün­stigen Sturmgebiete im Nordatlantik vermieden. Es gibt natürlich auch Nachteile, fuhr Ministerialdirigent Brandenburg fort, das Luftschiff ist vorläufig noch ein wenig langsam. Immerhin muß man bedenken, baß der Gras Zeppelin trotz seiner erheblichen Havarie und trotz starken Gegenwindes noch größere Geschwindig­keit entwickelte als ein moderner Ozeandampfer. Wie ist es nun mit der Wirtschaftlichkeit eines Verkehrs mit Luftschiffen? Es liegen darüber zwar Berechnungen vor, welche je nach der mehr oder weniger optimistischen Veranlagung ihrer Urheber verschieden sind. Stichhaltige Erfahrungen sind dagegen noch nicht vorhanden. Man wird sie aber machen müssen! Das dynamische fliegen mit Flugzeugen erscheint dem menschlichen Sinn wohl als die stärkere Lösung des Problems als das Flie­gen nach dem Prinzip „Leichter als die Luft". Dieses, nämlich das Luftschiffprinzip, ist daher in den letzten Jah­ren m der ganzen Welt wohl etwas stieftnütterlich be- handeu worden. Ich muß aber sagen, daß mir, der ich langjährige praktische Erfahrungen nur in der Fliegerei habe, derEindruckdieserOzeanüberquerung mit einem Luftschiff doch ein sehr bedeuten­de r gewesen ist und daß dieser Eindruck durch den Zwi- schenfall am Samstagmorgen nur noch verstärkt worden 'ft- Nicht einen Augenblick trat Unruhe an Bord ein. Allerdings l'«gt auch in der Person Dr. Eckeners und in ferner vortrefflichen Besatzung ein kaum zu überbietendes Element der Sicherheit. Eckener ist die gesammelte Ruhe fftdft- ^rt.wie die Besatzung, vor allem der jugend- l'-che Sohn rr. Grteners außenbord in strömendem Regen in 600 Mir. Hohe und im peitschenden Fahrtwind Stint» den hindurch an der Reparatur der beschädigten Stabili- si-rungsflache gearbeitet haben, ist vorbildlich für eine ihrer Verantwortung bewußte Luftschiffbesatzung.

Luftkrankheit scheint es an Bord eines Luftschiffes nicht zu geben Schlafen kann man besser als im Schlaf­wagen und da die Bequemlichkeit dem Komfort der Ozeandampfer schon ziemlich nahe kommt, handelt es sich also bei der Lu sch , ff ah rt um ein erneutes, allgemeines Luftfahrtproblem, zu dem die verantwortlichen Stellen gezwungen fein werden, ernst- lick Stellung zu nehmen.

Auf eine Zwischenfrage sagte Brandenburg: „Ich weiß, daß zu allem Geld gehört und daß wir in Deutsch­land sehr arm geworden sind. Ich spreche auch nur im allgemeinen von einem Problem, das die ganze Welt in­teressiert, ohne konkrete Entschließungen zu Hause in Deutschland etwa präjudizieren zu wollen. Die Motoren arbeiteten glänzend. Dagegen machte die Funker ei viele Schwierigkeiten. Wie soll dies auch aus­bleiben, wenn das Schiff bestürmt wird mit Radiotele­grammen .die zwar gut gemeint sind, ober unbedingt hin­ter denjenigen zu rangieren hoben, die für die Sicherheit des Schiffes erforderlich find, also in erster Linie Wetter­meldungen. Funkentelegraphische Grüße an ein fahren- des Luftschiff sollten unterbleiben. Ausnahmen machen natürlich Grußworte von Staatsoberhäuptern oder An­tagen von Regierungen. Alles in allem, so schloß Mini- 'erialdirigent Brandenburg, hat der Flug des „Graf Zeppelin" eine große Bereicherung ™n Praktischen Erkenntnissen über den 3 e an f (u g gebracht. Es gibt viele Wege, auf oenen wir dem Ziel einer Verbindung der Völker durch uen Luftverkehr näher kommen können. Die Schwierig­reiten, welche der Vollendung entgegenstehen, sind einem „ fjäljen Baume zu vergleichen, der nicht auf den o gefällt werden kann. Alle Nationen müssen zur Losung dieses Problems zusammenarbeiten.

„Graf Zeppelin" hat nun auch die letzte Etappe seiner Ozeanfahrt glücklich überftanden. Er er­reichte am Montag nachmittag um 3.45 Uhr deutsche Zeit bei Cap Charles im Staate Vir­ginia die amerikanische Küste. Um 6 Uhr passierte er die amerikanische Bundeshauptstadt Washington. Nachdem er das Geschäftsviertel gekreuzt hatte, überflog das Luftschiff ziemlich nied­rig das Weiße Haus. Die Dächer und Straßen wimmelten von Menschen, die dem „Gras Zeppe­lin" begeistert zuwinkten Als das Luftschiff sich dem Weißen Haus näherte, verließ Präsident Eoolidge sein Arbeitszimmer und begab sich vor die Tür, um das Luftschiff zu beobachten, das von Dutzenden von Flugzeugen der Marinestation begleitet war. Um 7 Uhr überflog „Graf Zeppe­lin" Baltimore, etwa VA Stunden später Philadelphia. Um 9.50 Uhr erschien er über New York. Er überflog, von 20 Flug- Zeugen begleitet, Staten Island, Brookkin, die Freiheitsstatue und nahm dann feinen Kurs auf die eigentliche City. Hier zog er in graziösem Flug über die Wolkenkratzer dahin bi» zum Times Squ­are, über das Theaterviertel und andere Stadtteile und trat dann, in großem Bogen umkehrend, mit Kurs auf Sandy Hook die Rückfahrt an. Um 10.20 Uhr abends (4.20 nachmittags amerikanische Zeit) entschwand das Luftschiff am südlichen Horizont den Blicken. Während der Zeppelin über der Stadt kreuzte, ruhte jede Geschäftstätigkeit. Alles stürzte an die Fenster, auf die Straßen und die Dächer und jubelte tücherschwenkend dem Lufffchiff zu.

Um 11.10 Uhr (5.10 nachmittags amerikani­scher Zeit) traf „Gras Zeppelin" über Lakehurst ein. Unter dem Heulen der Sirenen und dem Ge­läute der Glocken kreuzte das Schiff mehrere Male über der Stadt. Während die auf dem Lan­dungsplatz versammelte unübersehbare Menge — die Zahl der Automobile wird allein auf 15 bis 20 000 geschätzt — in stürmische Jubelrufe aus­brach, senkte sich der Luftkreuzer langsam zur Erde und wurde um 11.40 Uhr am Landungsmast fesi» qemnctjt. Das Platzkommando hatte zur Erleich­terurig der Landung einen neuartigen Lande mast, der auf drei tankartigen Untergestellen läuft, ver­wendet. Die Passagiere des Luftschiffes durften den .Graf Zeppelin" kurz vor 2 Uhr morgens deutsche Zeit verlassen, worauf sie nach den Stationsräu­men gebracht wurden.

Zur Begrüßung hatten sich zahlreiche Behör- denvertreter eingefunden unter ihnen der deutsche Botschafter Riep, Generalkon­sul v. Lewinski, der Chef des Marinestabs, Admi­ral Hughes, der Leiter des Marineflugwesens, Vi­zeadmiral Moffet, ferner der Untersekretär des Marineamts, Warner nutz Senator Bingham aus Connecticut und der Vorsitzende der amerikani­schen Fluggesellschaft.

Um 3 Uhr morgens war der Graf Zeppelin sicher in der Halle untergebracht, wo er neben der Los Angelos liegt.

Das Luftschiff war im Ganzen 111 Stun­den in d e r Luft und hat damit eine Rekord­leistung vollbracht. Er hatte bei seiner Lan­dung noch für 60 Stunden Betriebs­stoff a n Bord.

Zahrteindrücke.

Dr. Eckener und die Passagiere über die Fahrt.

wtb. Lakehurst, 16. Okt (Eig. Funkm.) Dr Eckener und die Passagiere des Luftschiffes wurden von etwa 50 amerikanischen Pressevertretern interviewt. Dr E ck e n er Sestand daß er etwas müde sei, da er a u f d e r q a n - 3en Fahrt nur etwa 8 Stunden Schlaf ge­habt habe. Er äußerte sich dann über die Beschädi­gung der Stabilisierungsfläche und erklärte daß ein derartiger Defekt nach niemals auf einem Luftschiff eingetreten fei. merbl auch wahrscheinlich sich nie wieder ereignen, daß man nötigt sein werde, mitten über dem Ozean derartige R»- paraturen vorzunehmen. Es sei ein V e ro e i s f u r b; » Sicherheit des Luftschiffes, daß trotz des Zwi­schenfalles das Ziel der Fahrt erreicht fei. Flüssiger Be- triebsstoff fei nur während der ersten 12 Stunden der Fahrt benutzt worden. Zur Frage der langen Fahrt­dauer erklärte Dr. Eckener schließlich, es hätte das Luft­schiff gefährdet, wenn er sich lediglich von der Rücksicht aus die Einhaltung der programmäßigen Fahrtgeschwch- digkeit hätte leiten lassen.

.^,,?°ch Eckener sprach Kommander Rosendahl, der anderen Passagiere hätten sich angesichts des Sronuaftej der -öeppelingefettfifjaft mit einem amerikani­sche," Nachrichtensyndikat schriftlich verpflichtet, vor Ab- laus von 8 —agen nach der Landung keine Nachrichten über die Ereignisse des Fluges begännt zu geben. Er glaube jedoch nicht, daß diese Vereinbarung ihn hindere, seine allgemeinen Eindrücke auf der Fahrt Graf Zeppelin sei ein gutes Luftschiff.

Seiner 2infi(f)t nach besitze es aber noch nicht d i e endgültige Schiffsgröße, die für den regel- mafjigen Transozeanverkehr der Zukunft in Betracht immer größer werden, bis endlich die leistungsfähige Größe erreicht fei. Das ^erreifjen des Gewebes der Backbordstabilisierungsfläche habe den (Brof Heppelm nicht oefährbet fnnbern nur eine Verringerung der Geschw ndW! So

IMarineamt drahtlos er» antworte,Er höbe es auf gffc9Eckeners"attan"'T S" Sfiiere be- Kaurn 10 Minuten später hab^Dr^Eckene^beretts^est' stellen können, daß der Schaden keinksweas schwer^ und infolgedessen sei das Ersuchen wieder mrückaemaen I worden. Auf die Frage, ob die Beorderung seine? fromme von Bord Verzögerungen erlitten habe erklätte Rosendahl, cs sei ihm nichts davon bekannt. Seine Tele-