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Nr. 237.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne ZusteNg.

Freitag, 12. Oktober 1928.

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Die deutsche 6u'enpolit-k.

5n bemerkenswerter Entschiedenheit wendet sich rer Pressedienst der Deutschen Volks- rn'LV e Löom !0. Oktober gegen Auslassungen des Westarp über die Verhandlungen des aus- wi->l°»E" Ausschusses. Mit Recht wird es abge-> tiefe re„u.?nn Westarp es so darstellt, als ob die <m - ^ottauschung über die Genfer Vorgänge e>n Dies- ?er De u tsch n a ti o n a len sei! und war eine Selbstverständlichkeit,

rnmmon11 des allen Parteien zum Ausdruck as- Pressedienst der Deutschen Volks-

M-/s.°^^dann aber weiter:

Vntt-Westarp etwa dem Deutschen schnü h^Dm^en geben, daß der auswärtige ?fu5’ hprirnn & ^^'chstags sich die deutschnationale For- der q?,?11 et^P. stkmacht habe, es müsse jetzt mit mü6H°mrnC-fcp 1 *: gemacht werden? Dann

dien» man ihm so sagt der volksparteiliche Presse- 11 <S1P f 0 b e Irreführung der Oeffent. gär «ich/ hDOrroexr^\ Der Ausschuß habe Locarvnn»^»" gedacht, durch einen „Bruch der preisäuaLn ^ b,e- ^^tstitel und Ansprüche Er UNS mit unserer bisherigen

Pol.tik erworben haben. Er würde ja sonst handeln .

wünsche an den Parteitag.

Der Reichsparteitag, diese letzthin entscheidende, höchste Instanz einer jeden, nach demokratischen Grundsätzen organisierten, politischen Partei, hat Aufgaben zweifacher Art. Er hat die Beweg­gründe der politischen Arbeit der Fraktion an-u- hören, aber er hat mehr noä), ja sogar in erster Linie eine Klärung darüber herbeizuführen, was Inhalt und Ziele des politischen Wollens unseres Zentrumsvolkes ist und welche Wege zur Errei­chung dieser Ziele beschritten werden können. Er soll also gewissermaßen eine Plattform sein, auf der sich zwischen den Wahlen Abgeordnete und Volk zum Austausch von Meinung und Wunsch von Zeit zu Zeit treffen. Es gibt viele Leute, die glauben, der zweifachen Aufgabe wür­den dis Parteitage nur selten gerecht. Sie löten zwar immer den Abgeordneten Gelegenheit, ihre persönliche Leistung vor den Delegierten der Wäh. lerschaft auszubreiten, aber die Delegierten selbst kämen fast nie dazu, auch ihrerseits den Abge­ordneten so, wie es wünschenswert wäre, zu sa­gen, was die Partei von ihren Parlamen­tariern erwartet. Wir wollen hier nicht un­tersuchen, inwieweit die Kritik ihre Berechtigung hat, wir stellen nur fest, daß sie da ist, wir knüpfen daran eine Bitte. Die Leitung der Zentrumspar­tei möchte dieser Kritik jeglichen Böden entziehen und den kommenden Reichsparteitag noch mehr, als das bei früheren Anlässen der Fall war, auf die Entgegennahme der Wählermeinung abstellen. Auch der Stimmverlust vom 20. Mai, der in einer gewissen Entfremdung zwischen Wählerschaft und Volksvertretung seinen Grund hat, drängt ja in dieselbe Richtung.

Der Ausfall der Wahlen hat mit voller Klar­heit bewiesen, daß die politischen, sozialen und kul­turellen Kräfte des Vokes auseinandersi reden und daß auch der Körper der Zentrumspartei zum Teil von dieser Zersetzung erfaßt ist. Deshalb wür­den wir raten, den kommenden Reichsparteitag Mit einem grundlegenden Referat zu eröffnen, das von einem klugen und scharfblickenden Richt- Parlamentarier gehalten, die ganze Weite d-s in den universalen katholischen Weltauffaffung wvirzelnden Zentrums Gedankens aufzeigt, das un­ser^ Grenzen nach rechts und links eindeutig fest- kegt und das auch den Schwankenden von der 'Notwendigkeit eines lebendigen Gemeinschaftsbe- wußtseins auch im Politischen überzeugt. Wenn dieses Referat dann in ausreichender Diskussion er­gänzt und vertieft wird, wenn die Ilnterorganisa- tionen der Zentrumspartei ihre Delegierten beauf­tragen, die Diskussoin auch Ujrerfeits vorzuberei­ten und sich rege an ihr zu beteiligen, dann dür­fen wir uns von diesem Teil des Parteitags eine weitgehende Wirkung hinsichtlich der Festigung und Ausbreitung des Zentrumsgedankens versprechen.

Der zweite Teil des Parteitags müßte dann der Besprechung aktueller politischer Pro. b l e m e gewidmet sein Die parlamentarische Ar­beit des Winters wird deren viele der Entscheidung entgegenführen. Wir nennen die wichtigsten: Die Wahlrechtsänderung und mit >hr die Neu­regelung des parlamentarischen Betriebes: die Neuordnung des Verhältnisses zwischen Reich und Ländern in staatsrechtlicher, verwaltungs­praktischer und finanzpolitischer Einsicht: die Revi­sion der reparationspolitischen Abma­chungen; die Behebung der tiefen Not unseres B a u e r n st a n d e s. die vollgültige Einqliede"una unserer Arbeiterschaft in Wirtschaft und Ge­sellschaft, die Einordnung und Umgrenzung der monopolistischen Machtgebilde 'n Winschastsprozeß und vor allen Dingen die Ausillgunz der furcht­baren Mißstände auf dem Gebiete des Wohnunos- wesens. ' ' '' ’

Was diese konkreten Aufgaben angeht wäre cs praktisch, eine Zweiteilung nach staatspofttislb-m und wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten vorru- nehmen. Jedes der beiden Sachgebiete müßte hurrh ein tief schürfendes Referat eingeleitet und durck eine ausgiebige, wesentlich von den Delegierten hör Wählerschaft bestrittene Aussprache vertieft werd-'n

Wenn man am 8. und 9. Dezember in diesem Sinne verhandelt, dann könnte man da; erregen was ein guter Parteitag erreichen soll: die neue Festigung des Zentrumsgedankens in unterer Wäh­lerschaft, die Neubelebung des Vertrauens zu un­serem parlamentarisch-demokratischen Regierungs- mstem und die klare Unterrichtung unserer Frak- ^""smitglieder über die politischen Auffassungen und Wünsche unserer Anhänger im Lande.

„@rof ÄMlin" zur Fahrt ach Amerika aafgestiegea.

Der Start in Friedrichshafen. — Gegen 10 Uhr vormittags die französische Grenze überflogen.-Dr. Eckener wählt bei seinem Gzeanflug -en südlichen Kurs. — Das Luftschiff wird Sonntagfrüh in New York erwartet.

wtb Friedshafen, 11. Okt. (Eig. Funkm). Das Luftschiff Graf Zeppelin ist um 7.50 Uhr bei wolki­gem aber windstillen Wetter zur Fahrt nach Ame- rika aufgestiegen. Dr. Eckener erklärte dem Ver­treter des WTB., daß er zunächst Kurs auf Basel nehme, um dann die im einzelnen noch zu bestim­mende südliche Route zu steuern. Die kanadischen Wetterstationen am atlantiischen Ozean werden dem Luftschiff dauernd die Wettermeldungen zugehen lassen.

wie der Start vor sich ging.

wtb. Friedrichshafen, 11. Okt. (Eig. Funkm.) Vom Sonderberichterstatter des Wtb.: Schon um Yil Uhr, während in der Dämmerung lange Reihen von Ar­beitern zur Werft marschieren, stauen sie sich rings um den Platz. Neugierig werden die Passagiere bestaunt, neidische Blicke folgen den Autoführern, die das Glück haben, mit dem roten Ausweisstempel das Lor pas­sieren zu dürfen. Niemand möchte diesen großen Augen­blick versäumen, da der „0raf Zeppelin" die Reise über den Ozean antritt. Aber noch weht eine kräftige Prise vom See her und es gibt viele Zweifler, die den Auf­stieg immer noch für unbestimmt halten. Aber Dr. Eckener lacht nur: „Wir fahren," sagt er, „ich bin heute nacht jede Stunde aufgestanden, bis ich um 3 Uhr wußte, daß es werden würde." Und so ist denn das Schiff um 7 Uhr klar, nur daß bis zum letzten Augen- blick noch Gas nachgefüllt wird. Dr. Dürr geht noch einmal um das Schiff herum, ruhig suchend, prüfend. Wk^renddessen wird das Gepäck verladen und schon steigen die ersten Passagiere ein. Unter ihnen Com­mander Rosendahl, zum ersten Male in der Uniform der amerikanischen Ravy. Die Fahrgäste belegen ihre Kabinen und kommen dann zu den Fenstern des Sa­lons zurück. Von außen werden ihnen noch Postkarten zum Abwurf zugereicht Ein Scherzwort fliegt her­über und hinüber. Der RundfuMprecher, der sein Mikrophon in der Halle aufgebaut hat, versucht Dr. Eckener zu bewegen, daß er seinen Hörern ein Wort sagt. Dr. Eckener hat jetzt andere Dinge im Kopf. Er geht noch einmal hinüber zu seiner Frau und Tochter und spricht irgendwo mit ihnen noch ein paar feste, ruhige Worte. Er ist Friese und hat in solchen Dingen des Gefühls nicht viel Worte zu machen. Erwas weiter abseits steben die Frauen und 'onstigen Vennandten der übrigen Offiziere des Schiffes. Sie kennen diese Art Abschied. Langsam wird es */58 Uhr. Alles muß an Bord Jein und alles steht da, nur die Lady fehlt. Dann auch sie. Aber ihr fällt noch ein, daß sie einen Mantel vergessen hat. Jemand muß zum Hotel telephonieren. Atemlos kommt bald der Hausdiener angelaufen. All­gemeines Gelächter, wie der Mantel h-neingereicht wird. Das klatschende Geräusch der Sandsäcke, die abgehängt werden, ließ es verstummen. Man merkt: Jetzt wird es ernst. Es wird jetzt ausgewogen. Kommando: „Alles loslassen. Nur vier Mann anlüsten * Aber noch

ist das Schiff zu schwer. Jemand ruft: „Achtung Was­serhose!" Die um das Schiff herumstehen, können eins­zweidrei Platz machen. Man weiß, tonst gibt es eine kalte Dusche. Und schon öffnet sich auch schon ein Ven­til und in großen Strömen ergießt sich das Wasser aus dem Schiff in die Halle. Noch einmal wird das Schiff angelüftet. Jetzt ist es ausgewogen.

Um %8 Uhr kommt das entscheidende Kommando: „Luftschiff marsch". Dr. Eckener, oer bisher noch in der Halle ruhig auf und abging, ist als letzter einge­stiegen. Dann wird die Treppe abgezegen, die Halte­mannschaften setzen sich mit langsamem Schritt in Be­wegung und den Bug nach vorne gleitet das Schiff ruhig zum Osttor der Halle hinaus. Alles geht mit hin­aus auf den Platz. Es ist, als wenn plötzlich eine Erregung, der Taumel des Augenblicks, alles erfaßt habe. Unwillkürlich steht man auf den Kommandoplatz, wo ruhig wie immer Dr. Eckener keinen Posten einge­nommen hat. Er scheint wirklich der einzige zu sein, der nicht von der allgemeinen Erregung und Nervosität erfaßt ist. Das Schiss ist jetzt ganz draußen, mit dem Heck nur wenige Meter von der Halle entfernt, als auch schon das Kommando: „Hoch!" kommt. Wie ein Frei­ballon steigt das Schiff 10 '.Dieter, 20 Meter. Dann — Rasseln der Maschinentelegraphen. Ein Motor springt an, die anderen folgen nach. Der Bug des Schiffes hebt sich rascher empor: Der „Graf Zeppelin" hat seine Fahrt angetreten. In diesem Augenblick bricht ein unge­heurer Jubel los. Niemand ist zu halten Tü- cherschwenken, Winken mit Annen und Händen. Lang­sam entschwindet das Luftschiff den Blicken, die zurück­wandern in die große Halle, die nun auf einmal leer und ausgestorben ist. Glückliche Fahrt „Graf Zeppelin"!

Die Route des Luftschiffes.

Das Luftschiff „Graf Zeppelin" passierte um 8.10 Uhr die Stadt K o n st a n z. Sämt'iche Kir­chenglocken der Stadt läuteten ihm einen Abschieds- gruß. Dem über den Hafen hinwegfliegenden Luftschiff winkten unzählige Personen begeistert zu.

Um 8.50 Uhr wurde Schaffhausen passiert und um 9.07 Uhr die Stadt W a l d s h u t über­flogen. Auch hier läuteten die Kirchenglocken und die begeisterte Bevölkerung jubelte dem Luftschiff zu. Das Wetter war auf der Fahrt durch das Oberrheintal leicht nebelig. Doch kommt die Sonne mehr und mehr durch Um 9.33 Uhr erreichte das Luftschiff das Gebiet der Stadt Basel. Es wurde von einem Flugzeug des Baseler Flug­platzes, das ihm entgegengeflogen war, begrüßt Die Baseler Bevölkerung jubelte dem „Graf Zepvelin" begeistert zu.

Nachdem das Luftschiff „Graf Zeppelin" das Gebiet der Stadt Bafel überflogen hatte, nahm es scharfen Kurs nach Westen der Burgundischen

Pforte zu, begleitet von Mei Flugzeugen des Ba» feier Flugplatzes.

Heber französischem Boden.

Um 9.40 Uhr befand es sich bereits über französischem Boden. Die Festung Belfort wurde um 9.45 Uhr überflogen.

Funkverbindung der Schiffe des Norddeutschen Lloyd mit L. Z. 127.

wtb. Bremen, 11. Okt. (Eig. Funkm.) Auf die Nachricht vom Start des Luftschiffes „Graf Zeppe­lin" hat der Norddeutsche Lloyd seine während der Flugzeit des Luftschiffes im Atlantischen Ozean befindlichen 12 Schisse angewiesen, nach Möglichkeit funkentelegraphische Verbindung mit dem Luft­schiff aufzunehmen, ihm Positions- und Wetter­meldungen zu geben und etwaige Nachrichten von Bord des Lufffchiffes in die Heimat weiterzuleiten,

Amerikas Interesse am Zeppelin-Flug.

wtb. Newyork, 11. Okt. (Eig. Funkm.) Die Newyorker Morgenblätter bringen ganz ausführ­liche Berichte über die Pläne für den Empfang des Lufffchiffes. Unter den zahlreichen Einladun­gen, die an den „Graf Zeppelin" von amerikani­schen Städten zugegangen sind, wird vor allem das Ersuchen des Gouverneurs Fuller hervorge­hoben, der „Graf Zeppelin" möge aus seiner Amerikafahrt in Boston der ersten kurzen Halt machen. Das amerikanische Zeppelinlustschiff Los Angelos soll zusammen mit den beiden kleineren Luftschiffen der amerikanischen Luftstreitkräfte dem „Graf Zeppelin" als Eskorte entgegenfahren. Die Frage, ob der „Graf Zeppelin" in Lakehurst die Lufffchiffhalle oder den Ankermast benutzen wird, wird wahrscheinlich durch die Wetterlage enffchieden werden. Der Ankermast enthält einm kleinen Fahrstuhl zur Herabbeförderung der Fahr, gäste und Mannschaften des Luftschiffes.

was Führer und Passagiere sagen.

wtb. Friedrichshafen, 11. Okt. (Eig. Funkm.) Km„ vor dem Aufstieg hatte der Sonderberichterstatter des Wtb. noch Unterredungen mit den Führern und ein­zelnen Passagieren des Luftschiffes. Dabei erklärte Dr. Eckener: Ich rechne damit, daß wir Sonntag früh in Newyork sind. Das Wetter über dem Ozean ist allerdings sehr schlecht. Unsere letzten Meldungen stammen von heute nacht um 2 Uhr. Sie sprechen nicht nur von Sturm, sondern von schwe­rem Sturm. Das bedeutet mindestens Windstärke 10. Unter diesen Umständen läßt sich die Route natür­lich nicht vorher genau bestimmen. Im allgemeinen

wie ein törichter Kaufmann, der die Wechsel eines zahlungsfähigen Schuldners zerreißt, bloß weil dieser es ablehnt, sie zu bezahlen. Indes: Solch törichte Kaufleute gebe es nicht.

Wir schließen uns der Forderung des Presie- menstes der Deutschen Dolkspartei: Fort mit dem Schlagwort, durchaus an. Gerade die Außenvol'tik und dre großen schweren Aufgaben, die wir in der nächsten Zeit auf diesem Gebiete zu erfüllen haben, lasten eine derartige Schlagwortpolitik als denkbar ungeeignet erscheinen.

»

Reichskabinett nahm in der unter dem Vor- IG .des Reichskanzlers abgehaltenen Sitzung den Bericht des Führers der deutschen Delegation, des Reichsmlmsters i. R. Dr. Hermes, Über den Stand der deutsch-polnischen Handels- v e r s r a g s v e r h a n d l u n g e n entgegen. Be- schlü)se wurden nicht gefaßt. Die Beratungen wer­den fortaesetzt. D-s Reichskabinett verabschiedete neben anderen lau enden Angelegenheiten den Ent­wurf eines Gesetzes über die Prüfung der Ver- fassungsmäßlakelt von Vorschriften des Reichsrechts, welcher dem Reichstag überwiesen wurde.

Indiskretionen zum Konkordat

Die Verhandlungen über den Abschluß eines Konkordats zwischen Preußen und der Kurie sind abgeschlossen. Der Inhalt der Vereinbarungen wird noch geheim gehalten, doch sind die Berliner Zeitungen in der Lage, einiges über diese Verein- barungen mitzuteilen Danach wünscht die Kurie die Einrichtung von drei neu en Bistümern, nämlich außer Berlin auch in Essen a. d Ruhr und in K a m i n in Pommern. Die liberalen Blätter wenden sich dagegen, daß das preußische Kabinett diesen Forderungen zustimme, weil sie finanzielle Folgen hätten^

Die Verhandlungen üb»r eine Vereinbarung zwischen dem preußischen Staat und der Kuffe über das Verhältnis von Kirche und Staat wer­den, wie das „B. T." meldet, den Gegenstand ejner Kabinettssitzung bilden. Während gegen die Errichtung neuer Bistümer, die erhebliche Dota- trnneu erfordern würden, von Regierungsfeite aus Einwendungen erhoben werden, ist man dem Blatt zufolge anscheinend geneigt, neben dem bisher be­stehenden preußischen Erzbistum Köln zwei neue Erzbistümer, nämlich Breslau u. P a d er- bgrn. zuzugestehen Ein weiterer Punkt der Verhandlunaen ist die Bischofswabl. die bisher durch das Domkapitel »rfolgte. Von der Kurie werde anscheinend die Beseitigung der Kapitelwahl und die Ernennung des Bischofs durch den Papst anaeftrebt, wobei g« eine A n h ö r u n g d»r Staatsregierung vor der Ernennung ge- dacht ist. Eine Einigung ist hierüber noch nicht er­zielt. Was endlich die Schulfrage betrifft, fo soll in der fraglichen Formel eine Bezugnahme auf

di« Bestimmung des Artikels 146 Absatz 2 bet Reichsverfaffung enthalten sein, aber zugleich zum Ausdruck gebracht werden, daß durch diese Bezug­nahme irgend eine Verpflichtung für den Staat nicht begründet wird.

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VDZ. Berlin, 11. Okt. (Eig. Funkm.). Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. erfährt, beruhen die Nachrichten, die in der heutigen Berliner Morgen­presse über den mutmaßlichen Inhalt des preußi­schen Konkordates verbreitet worden sind, auf einer bedauerlichen Indiskretion. Uebrigens ist, die Indiskretion insofern mißlungen, als' die Zeitungsmekdungen über das Konkordat im wefent. lichen Teil unrichtig find. Es läßt sich, wie das Nachrichtenbüro des VDZ. weiter hört, bevor das Kabinett sich noch nicht mit dem Konkordat beschäf­tigt hat, keine authenische Auskunft über den In­halt geben. Im übrigen steht auf der Tagesord­nung der heutigen Kabinettssitzung die Behandlung des Konkordats nicht. Es kann höchstens sein, daß die Minister in persönlicher Besprechung sich mit der Materie beschäftigen.

* Die neue Sowjetanleihe. Aus Moskau wird gemeldet: Die von der Sowjetregierung beschlos­sene Ausgabe einer neuen achtprozentigen Staats­anleihe von 400 Millionen Rubel soll ausschließ­lich zur Anlage eines Reservefonds für die staat­lichen und Wirffchaftsorganisationen verwertet werden.

Frankreich und die Kirche.

Unterrichtsminister Herriot wurde, tote eine Agenturmeldung aus Lyon besagt, in einer Wahl­versammlung über die im Finanzausschuß der Kam­mer angenommenen Bestimmungen betreffend Wiederzulassung der religiösen Or­den befragt. Er erklärte: „Wenn die Radikalen nicht gegen die Ausarbeitung der betreffenden bei­den Artikel protestiert haben, so deshalb, weil sie von ihnen nichts wußten. Diese Frage ist niemals int Ministerrat behandelt worden." Als die Ver­sammlungsteilnehmer von Herriot eine umfassendere Erklärung erhalten wollten, rief der Unterrichts­minister nachdrücklich aus: „Im Uebrigen bitte ich Sie, mir Vertrauen zu schenken."

Nach dem „Sott" versichert man nachdrücklich, daß entgegen der Behauptung, daß der Außen­minister die Initiative ergriffen habe dazu, die beiden Artikel betreffend die Wiederzulassung der religiösen Ordensgesellschaften in dem Budgetvor­anschlag aufzunehmen, weder Briand noch fein direkter Mitarbeiter von den betreffenden Artikeln Kenntnis gehabt hätten.

Man sieht, welche Furcht die ftanzösischen „Freiheits-Männer" haben vor ihrer antiklerikalen Anhängerschaft. Sie trauen sich kaum, sich zu Maß-

nahmen der Gerechtigkeit zu bekennen, die sie selbst anscheinend für unumgänglich gehalten haben.

Dorstandssitzung der ftanzösischen sozialistischen Partei.

wtb. Paris, 11. Oktober. (Eig. Funkm.) Da Vorstand der ftanzösischen sozialistischen Partei hm gestern getagt und sich u. a. auch mit der Konferenz beschäftigt, die demnächst von deutschen, fran­zösischen und b e lg t s ch e n Sozialisten in Paris abgehalten und auf der die Frage der Rhein­landräumung erörtert werden soll. Der Vor­stand beschloß außerdem, in einer Sitzung vom 21. November Pa ul Boncour über die letzte Völkerbundstagung zu hören.

Chinesisches Nationalfest.

Das erste chinesische Nationalfest, das seit bet Vereinheitlichung Chinas gefeiert wurde, ist, wie aus Schanghai gemeldet wird, ohne Zwischenfälle verlaufen. Sowohl die chinesischen Behörden wie die Ausländer hatten besondere Vorsichtsmaßregeln gegen eventuelle Unruhen getroffen. Die Bildung der neuen Regierung, die sich aus gemäßigten und nicht ftemdenfeindlichen Elementen zusammensetzt, wird als Garantie für die Befriedung im Innern und die Wiederherstellung der Beziehungen zum Auslande angesehen.

Aus Anlaß des chinesischen Nationalfeiertages hatte der Geschäftsttäger der Berliner chinesi­schen Gesandtschaft, Dr. Chiang, zum Mittwoch vormittag in bie Festräume der Gesandtschaft zu einem Empfang eingeladen, dem eine große Zahl von Herren der chinesischen Kolonie in Berlin, zahlreiche in engen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu China stehende deutsche Herren unter Führung der maßgebenden Persönlichkeiten des Auswärtigen Amtes und die im Reich amtierenden chinesischen Konsuln Folge geleistet hatten.

wtb. London, 11. Oft. (Eig. Funkm.). Aus Schanghai melden die Londoner Blätter, daß gestern in ganz China der nationale Unab- hängigkeitstag mit Truvpenvaraden, Umzügen und Feuerwerk festlich begangen wurde. In Nanking lestets Tschankalfcheck den Eid auf bie Ver­fassung. Begrüßungs-Botschaften sind vom Präsidenten Coolidge, dem niederländischen Gesand­ten und den Geschäftsträgern Deutschlands und Frankreichs eingegangen.

* Neue Verhandlungen über Tacna Arica Washington wird gemeldet: Das Staats­departement teilt mit, daß Chile und Peru, die kürzlich die diplomatischen Beziehungen wieder ausgenommen haben, übereingekommen sind, die Tätigkeit der Grenzkommission im Tacna Arica- Konflikt auf vier Monate zu unterbrechen, um die Verhandlungen zur Regelung der alten Streitfrage fortzusetzen