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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Wumm» la 81a. (mn MU Beilage 15 Bla.)

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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. 9.

Monatl. l,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zusicllg

Sonntag, 7. Oktober 1928.

-i nzeigen-Preije Klemzerle (Colonel) Iota. u,la jui auswärts 0,20 JUl Reklamezecle: lokal 0,60 JM a u3toärt§ 0,80 5U. Bei Wiederhol ur gen Rabatt. ;• Postscheckkonto Frankfurt a. M Nr 4051

ZahrgSS

Zr. Schacht, PrMent ReichsbaaKdireKtoriums

dem No- auf das

bis zum Oktober 1928 Vorschlag, ein Zentrums­antrag angenommen, wonach die Wahlen bis zum 31. Dezember 1929 vorzunehmen sind.

Weiter führte das Haus die Aussprache über die demokratische JnteiPellation zur Scheuer- Transaktion durch. Finanzminister Höpker- Aschoff bezeichnete als Ziel dieses Unternehmens die Förderung des landwirtschaftlichen Genossen» schastswesens und die Stabilisierung der Getreibe- preise. Er verneinte die Absicht monopolistischer Sestrebungen. Nach den Wünschen ber Parteien foHrn im Ausschuß, wohin die Anfrage überwiesen wurde, noch mehrere Einzelheiten geklärt werden.

Die Einberufung des Reichstages wird, ,,B. T." zufolge, voraussichtlich etwa Mitte vember erfolgen. Dieser späte Termin gehe einen Wunsch von Zentrumsseite zurück, da

wtb. Berlin, 6. Okt. (Eig. Funkm.). Der Herr Reichspräsident hat aufgrund der einstimmig erfolgten Wiederwahl des Generalra­tes der Reichsbank den bisherigen Präsidenten des Reichsbankdirektoriums Dr. Hjalmar Schacht zum Präsidenten des Reichsbankdirektoriums auf die Dauer von 4 Jahren wieder ernannt.

W Berlin. 6. Okt. (Eig. Funkm.). Im preußischem Landtag beantragte heute zu Beginn °£r Sitzung Abgeordneter Dr. Ausländer > (Kommunist) die sofortige Beratung eines kom- m u n 1 st i f ch x n Antrages, der unter Hin­weis auf die Presseveröffentlichungen verlangt, daß der fertiggestellte Konkordatsentwurf dem Landtag vorgelegt würde mit einer genauen An­gabe des Vermögens der katholischen Kirche. Das Staatsministerium soll auch über dis Schul- und Erziehungsfragen innerhalb des Konkordatsent»

wtb. Berlin, 6. Okt. (Eig. Funkm.). Reichs­kanzler Müller hat dem Präsidenten des Reichs­bankdirektoriums Dr. Hjalmar Schacht zugleich im Namen der Reichsregierung seine besten Glück­wünsche zur Wiederwahl ausgesprochen.

vorhanden, daß durch diese Aktion der ruhige Fort- gang unserer politischen Gesundung aufs schwerste gefährdet wird. Der „Jungdeutsche Orden" hat sich in seinen letzten Verlautbarungen und auch schon früher scharf vom Stahlhelm abgehoben. In der scharfen Abwehrsront zu den Kommunisten hin­über steht seit seiner Gründung das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold". Seine Generalversammlung, die in den letzten Tagen in Hannover stattfand, hat diese Front nach links herüber noch einmal scharf unterstrichen, hat aber mit derselben Deut­lichkeit deut rockenen Putsch des Stahlhelms Fehde angesagt.

Wir haben schon des öfteren darauf verwiesen, daß im parlamentarischen Staat die Parteien die Aufgaben haben, das politische Wollen des Volkes auf sich zu ziehen und es im Parlament zur Gel­tung zu bringen. Wir halten diesen Satz auch heute noch für richtig, sehen aber mit einer gewis­sen Besorgnis, wie eine Entleerung der politischen Parteien vor sich geht und die politischen Verbände dafür sich stärker als bisher in die Politik hinein­stellen. Mit einem Verbot der Verbände, wozu gewiß so manche Krawalle gerade auch in der letz, ten Zeit Berechtigung geben könnte, kann dieser Entwicklung aber nicht gesteuert werden, sondern nur dadurch, daß die politischen Parteien sich mehr als bisher den politischen und sozialen Strömun­gen in unserem Volke öffnen und dadurch so aus einer allzu sehr übertriebenen Reserve heraustre­ten. Wer wie wir die nächste Zukunft unseres Volkes nicht gerade rosig beurteilt, wer für den heutigen Staat Gefahren heraufkommen sieht, die nicht nur im System selber liegen, muß als Real­politiker die Notwendigkeit jener Verbände aner­kennen, die nicht gewillt sind, daß revolutionäre Clemente von Rechts und Links den Staat um­werfen.

Die Generalversammlung des Reichsbanners in Hannover hat gezeigt, daß es sich dieser feiner Aufgaben durchaus bewußt ist. Es hat feine ein­zige Aufgabe, den Schutz der bestehenden Verfas­sung, des Staates von Weimar, klar herausgestellt und alles andere, was diese Aufgabe vereiteln oder gefährden könnte, als nicht zum Aufgabengebiet des Reichsbanners zugehörig bezeichnet.

Wir dürfen auch jene erzieherische Tätigkeit des Reichsbanners nicht unterschätzen, die darin be­steht, die den heutigen Staat bejahenden Parteien klar und eindeutig auf die Verantwortung hinzu - wcissn, die sie dem Staat gegenüber haben und sie so aus ihrer allzu großen Eigenbrödelei herauszu­führen.

Wenn wir so auf die Bedeutung der dem Schutze des heutigen Staates dienenden Verbände glau­ben gerade der nächsten Zukunft wegen Hinweisen zu müssen, so überleben wir auch die Gefahren nicht, die, parteipolitisch gesehen, die Verbände dar- stellen. Hierüber ist schon des öfteren in unserer Presse gesprochen worden. Wir lassen auch keinen Zweifel darüber, daß wir in den politischen Ver­bänden keinen Selbstzweck sehen, und werden un­sererseits bemüht fein, daß die politischen Parteien durch eine Einkehr bei sich selber immer mehr zu clnem wahren Träger des politischen und sozialen Volkswillens werden und so die Perbände über­flüssig machen.

5lu5 dem besetzten Gebiet.

Die Unterhaltungskosten der französischen Truppen im Rheinland.

wtb. Berlin, 6 Okt. (Eig. Funkm.). Die Kom- Mission für die Unterhaltungskosten der franzö. fischen Truppen im Rheinland, die ihren Sitz m Berlin hat und von Zeit zu Zeit zur Erledigung laufender Fragen tagt, tritt jetzt im Haag zu­sammen und zwar auf 10 bis 12 Tage.

3um Fall Thälmann.

Das Politische Büro der K. P. D. beschloß laut „Roter Fahne", eine Erklärung von 25 Mitgliedern des Zentralkomitees zu veröffentlichen, worin diese ihre Zustimmung zu dem Beschluß des Zentral- komitees über den Fall Thälmann und Genossen zurückziehen und erwarten, daß das Exekutivkomi­tee in Moskau die Revision des Beschlusses vor­nimmt, der die Rehabilitierung Thälmanns und die Wiederherstellung der Rechte bei drei Hamburger Funktionäre bedeutet.

Zentrum seinen Parteitag zwischen dem 5. und 7. November abhält. Präsident Loebe hat, wie das Blatt "hört, den 12. November als Tag des Wiederzusammentritts in Aussicht genommen.

Empfänge und besuche.

wtb. Berlin, 6. Okt. (Eig. Funkm.) Der Reichs­präsident empfing heute den deutschen Botschafter in Tokio, Dortesch, und den deutschen Gesandten in China, von Borch, später den Staatssekretär von Schubert.

♦

Vom Reichskanzler wurde der Adminl- strator von Deutsch-Ostafrika, Werth, empfangen. Er ist Vertreter der südafrikanischen Union in Genf gewesen und britischer Untertan.

Der Außenminister Estlands, Revale, ist in Berlin eingetroffen. Er befindet sich auf der Rück­reise aus Gens. Er wurde von Staatssekretär von Schubert empfangen, der ihm ein Frühstück gibt, an dem auch die an den wirtschaftlichen Verhand­lungen mit Estland interessierten Kreise teilnehmen.

Die Rente der Ztandesherren.

Ein Gesetzentwurf über die Aufwertung und Awfifunk, älterer Staatsreuten wird, wie der so­zialdemokratische Pressedienst erfährt, das Reichs­kabinett noch in diesem Monat beschäftigen. Das Gesetz erstrebt eine Abfindung der sogenannten standesherrlichen Rentenansprüche an die Länder.

Das Reichsjustizministerium hat sich in feinem Entwurf die Vorschläge der preußischen Regierung Zu eigen gemacht. Es schlägt im allgemeinen eine Aufwertung von acht Prozent vor. Als nicht auf­wertungsfähig sollen Leibeigenschafts- u. Hoheiis- rert“P Leiten. Die Liegenschaftsrenten sollen bis m cr-fEOiient aufgewertet werden können, wenn Verpflichtungen aus Ruhegehältern nachgewiesen werden. In besonderen Fällen kann eine Auf­wertung bis zu 40 Prozent erfolgen. Diese Auf- wertungschtze sollen u. a. gestattet werden, wenn aus oer Reute eene kulturhistorische oder eine ge- si^simchGe. wertvolle Anlage (Schloß oder Park) bestritten wird.

Reichsbanner und Runde.

aU® ^s-i^en trügen, scheinen wir in ^utschland oor einer Zett erhöhter aktivistischer Tätigkeit der politischen Bünde zu ftehen Der „Stahlhelm will zu einem Volksbegehren aufru­fen. Der Gesetzentwurf, der dem Volksbeaedren zugrunde gelegt werden soll, Lgt noch nicht vor. Doch wird — darüber kann kein ^meifel bestehen - das Ziel dieser Stahifaim-Aktim das sein, den bevorstehenden parlamentariich^emokrati- schen Staat auszuhöhlen und letzten Endes zu stür­zen. Dafür ist schon der NameHugenberä Be­weis, der es in gesilnckter Wei'e ntXLv” , , fich für feine Politik des Stahlhelmzu "bedienen' Von der äußersten Linken her St

begehren der Kommunistischen Partei- sijn trnnt gandistischer Träger ist ber Rotfrontkämpfe?bund der in großen Aufmärschen und durchAaitatmn von Haus zu Haus wirbt. So wird von der äußersten Rechten und von der äußersten Linken her der Versuch unternommen, die partamentarifrh demokratische Front von zwei Seiten aus roHen. Wir sind der Meinung, daß man diese Plane mcht arglos übersehen sollte, denn bei hlr wirtschaftlichen Not in unserem Volke und bei her wachsenden Abkehr weiter Volkskreise vom heut;.

politischen System ist durchaus die Mögsich^;^

Verfahren wegen des Mailänder Dom- emaeskellk. Die römischen Blätter ver- -tt/Elchen die Nachricht, daß der Spezialgerichts- an h-r to^?f,ren üegen die wegen des Verdachtes tat n<.rf.c!^,I,9un9 am Mailänder Bombenatten- treffenho« en Personen eingestellt und die Be- freien Fuß"^^^ mangelnder Schuldbeweise auf bet au®Tue±n? i" Buenos Aires. Havas mel- Wohnüna 2li res, daß die Polizei in der übers entdeck that°^N-" ‘T ?ombe arD£en genommen. ®,er Personen wurden fest-

preußischer £anötaa,

Landtag brach am Freitag die blS S-wE^.^^.Kvmmunalwahlgefetzes ab. um bet toSn fön besetz endgültig verabfchis- m<HiqenintLrn»^ Parteien Gelegenheit zu noch-

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WiedordÄ^u^^'1!'"?ag wurde der Antrag auf Vorlage ^-» 8 1 nach der Regierungs-

^buö^sckknE-^ Urn.b tn Abänderung des Ans­chlusses. der für alle Wahlen einen Termin

wurfs Auskunft geben und weiter darüber, welche neue finanzielle Belastung dem Volke aus dem neuen Vertrag zwischen Staat und Kirche erwach­sen werde. Bis zu den Landtagsverhandlungen sollen alle Besprechungen mit dem päpstlichen Stuhl sofort eingestellt werden.

Die sofortige Beratung scheitert am Widerspruch des Zentrums.

Den Bericht über die dann erfolgende Erle­digung d e s K 0 m m u n a l w a h l g e s e tz e s finden unsere Leser unter „Heimat".

Rm Vorabend des 7. Oktober.

Aus Wien wird gemeldet: Die Vorbereitungen zur Sicherung eines ruhigen Verlaufes des 7. Ok- tobers dehnen sich nicht nur auf Wiener-Neustadt, sondern auch auf Wien aus. Für Sonntag ist die allgemeine Bereitschaft ber gesam­ten Wiener Polizei vorgesehen. 1350 Mann werden militärisch ausgerüstet in einem Gebäude in ber Nähe der Regierungsgebäude zusarnmenge. zogen. Reiterpatrouillen und Polizei zu Fuß wer- den alle Bezirke abstreifen. In den Hauptstraßen sollen außerdem stehende Patrouillen an geeigneten Punkten ausgestellt werden. Don der Polizeidirek. tion wird ein entsprechender Nachrichtendienst ein­gerichtet, um das Entstehen von beunruhigenden Nachrichten zu verhindern.

*

Einer Korrespondenz zufolge wurde in Wien ber Sekretär der Kommunistischen Partei Koplenig verhaftet. Die kommunistische „Rote Fahne" wurde erneut beschlagnahmt, weil sie in einem Ar­tikel die Arbeiterschaft zum Streik aufforberte. Ferner wurden sieben kommunistische Flugschriften beschlagnahmt.

Mussolini an die Schweiz.

wtb. Bern, 6. Okt. (Eig. Funkm.). Die Ant­wortnote, I tartens über den Fall Rossi ist noch nicht veröflentlicht worden. Einige schweizerische Zeitungen glauben zu roiffen, daß die italienische Regierung in ber Note versichere, sie werbe bie schweizerische Gebietshoheit auf das peinlichste re­spektieren. Die Verhaftung Rossis sei zweifellos auf italienischem Gebiet erfolgt. Die italienische Regierung verwahre sich gegen den Verdacht, als ob ihre Organe an den Maßnahmen, die zur Ver­haftung Rossis führten und die die Veranlassung zu ber schweizerischen Beschwerdenote bildeten, be­teiligt gewesen seien. Sie lehne jede Verantwor­tung ab. Die italienische Polizei, die von einer bevorstehenden Grenzüberschreitung des sich mit staatsfeindlichen Absichten tragenden Rossi Kennt­nis besaß, fei berechtigt gewesen, Rossi nach Be­treten des italienischen Bodens festzunehmen. Die Persönlichkeit, die in Lugano mit Rossi in Be­ziehung gestanden haben soll, sei der italienischen Regierung unbekannt. Im übrigen werde in ber Rote betont, daß die italienische Regierung auf­richtig, wünsche, die herzlichen Beziehungen zu der Schweiz ungetrübt aufrecht zu erhalten.

Rundyebung in Relgrad.

wtb. Belgrad, 6. Okt. (Eig. Funkm.). Gestern erschienen vor dem Ministerium für Agrarreform über 100 Freiwillige ber Saloniki- Armee, um beim Landwirtschaftsminister Be­schwerde darüber zu erheben, daß sie von dem Gute des Grafen Csekoncis, das ihnen seinerzeit zugesprochen wurde, vertrieben worden seien. Die erbitterten Bauern erklärten, so lange vor dem Ministerium zu verbleiben, bis ber Minister eine günstige Entscheidung getroffen haben werbe. S’e blockierten das Ministerium und oerbinberten, baß der Minister für Agrarreform, Povowitsch, das Ministerium versieß und erst am Nachmittag um 2.30 Uhr konnte der Minister in Begleitung eini­ger Gendarmen das Haus endlich verlassen. Die Abordnung begab sich bann zum Ministerpräsi­denten und überreichte später auch dem König eine Bittschrift. ——_

* Bevorstehende Gründung einer türkischen Staatsbank, Mie Havas aus Konstantinopel be­richtet, scheint die Schaffung einer Staatsbank un­mittelbar bevorzustehen. Die Direktoren der haupt­sächlichen Danken in Konstantinopel sind aufge­fordert worden, fich nach Angora zu begeben, um die notwendigen Auskünfte im Hinblick auf die geplante Schaffung der Staatsbank zu geben.

* Freilassung der in Marokko festgehaltenen französischen Flieger. Wie Havas aus Madrid berichtet, sollen nach einer Meldung der Zeitung „ABC", die mit den Eingeborenen am Cap Juby eingeleiteten Verhandlungen wegen Freilassung der seit mehreren Monaten festgehaltenen französischen Flieger Reine und Serre zum Ziel geführt haben. Die beiden Flieger würden in naher Zukunft in Freihett gesetzt werden.

LH na und Japan.

Nach einer Meldung der Agentur Judo Pazific aus Tokio werden im Südwesten Japans große Manöver in Anwesenheit des Kaisers ftattfinben. Der Kaiser hat Tokio verlassen und wird am 11. Oktober zurückkehren.

Wie die Agentur Judo Pacific aus Tokio be­richtet, hat ein chinesischer nationalistischer General, der bie Aufgabe hatte, die japanischen Manöver zu verfolgen, eine wichtige Unterredung mit dem japanischen Premierminister Tanaka gehabt. Da diese Unterredung gute Aussichten für die Zukunft ergeben habe, habe der chinesische General seinen Aufenthalt in Tokio abgekürzt und sei nach China zrirückgekehrt, um eine Wiederaufnahme der Ar­beiten vorzubereiten. ,

Die Mltffion der Zeitung.

Aus dem Bankett, das der Verein Deut­scher Zeilungsverleger amäßttch feiner diesjährigen Hauptversammlung in Berlin gab, hielt im Anschluß an die Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Vereins Deutscher Zettungsver- leger, Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, Reichs. kanzlerHermann Müller eine Rede, in ber er betonte bie Notwendigkeit der Zusammen­arbeit zwischen Staatsgewalt und Presse. Niemand wisse dies mehr zu schätzen als die Reichsregierung.

Wir leben, fo fuhr Reichskanzler Hermann Müller fort, in einer Zeit gesteigerter Intensität, und ich habe volles Verständnis dafür, daß die Presse immer bestrebt ist, rechtzeitig die Absichten ber Regierung zu wissen. Allerdings muß die Presse der Regierung auch die notwendige Zeit zur Selbstbesinnung geben. Wer von der Bedeu­tung ber Presse noch nicht überzeugt ist, der wird durch jene großen Aufgaben belehrt werden, die uns jetzt zur Lösung vorgelegt sind. Ich erinnere nur an Genf. Es werden in der nächsten Zeit außerordentlich wichtige Verhandlungen eröffnet werden, die für das deutsche Schicksal entscheidend sind. Die deutsche Presse hat nun bie Aufgabe, in ber nächsten Zeit das Beste zu leisten, damit die notwendige Aufklärung über das Deutschland, wie es ist, geschaffen wird. Die Presse ist das Spiegelbild des deutschen Parteiwesens. Die heu­tige Verfassung hat den Parteien neue und große Ausgaben gegeben und hierbei muß eine Arbeits­gemeinschaft gebildet werden, die Deutschland wirt­schaftlich und politisch wieder hoch bringt. In der Presse muß das Trennende zurückgestellt und das Bindende gefördert werden. Darüber hinaus har aber 'bie Presse auch noch die Aufgabe, den Deut­schen bie Stimmungen zu übermitteln, wie sie im Auslands vorhanden sind, und die sind außer­ordentlich verschieden bei den einzelnen Regierun­gen und bei den einzelnen Völkern ber fremden Nationen. Denn sonst hätte zum Beispiel meine Abrüstungsrsde in Genf nicht mißverstanden wer­den können. Zum Schluß erinnerte der Reichs­kanzler daran, daß sich oinnen kurzem zum zehnten Male die Epoche jähre, in der es seinerzeit zweifel­haft erschien, ob sich die Regierung Ebert—Scheide, mann halten konnte. Gerade in dieser Zeit seien auch die Zeitungen außerordentlich in Mitleiden­schaft gezogen worden, und in diesen Tagen habe er im besonderen in den außerordentlich schwierigen Verhandlungen die Pressefreiheit gefordert und schließlich auch burchgesetzt. Wenn damals bie Männer, die bie Verantwortung trugen, für die Meinungsfreiheit eingetreten feien, fo doch nur deshalb, weil sie dieselbe für absolut notwen- big für die Interessen des Staates gehalten hät­ten Für ein gesundes Staatsleben sei eine freie Presse notwendig, und Deutschland habe eine Presse, auf die es stolz fein und bleiben könne.

Nach dem Reichskanzler nahm der Vorsitzende der Vereinigung großstädtischer Zeitungsverleger, Dr. M. darbe, das Wort, um die Kollegen aus dem Reiche in Berlin herzlich willkommen zu heißen. Wir haben in Deutschland, Gottlob, an allen Orten und in allen Ländern und Gemeinden eine b o • b e n ft ä n b i g, tüchtig und interessant ge­leitete Presse, die den Bedürfnissen und den An­schauungen des eigenen Gebietes weit besser dient und die charakteristischen Eigentümlichkeiten der deutschen «Stämme und damit den Volkswillen weit deutlicher zum Ausdruck bringt, als das je­mals eine zentralisierte Großstadt- presse könnte. Wir, die Großstadtpresse, bie wir im allgemeinen vaterländischen Interesse nach Weltgeltung ringen, haben ganz andere Aufgaben und wollen mit niemand im Lande konkurrieren. Mehr denn je haben unsere Zeitungen in heutiger Zeit eine Kulturmission und eine große po- litische Mission zu erfüllen. Die schweren Zeiten, die wir in unserem Beruf durchlebt haben, haben wir nur dadurch überstanden, daß wir einig wie ein Mann ber klugen Führung des Vereins Deut­scher Zeittingsverleger gefolgt sind. Schweres fal­ben wir durch Einigkeit vollbracht. «Schwereres steht uns bevor. Vollbringen werden wir es nur, wenn Deutschland einig ist in allen feinen Stäm­men, einig kann es nur fein, wenn wir, bie Män­ner ber Presse, die Führung nicht aus ber Hand geben, wenn wir mögen wir Bayern, Preußen, Württemberger, «Sachsen, Badenser, Ostpreußen, Rheinländer, Mecklenburger, Pommern ober Schle­sier fein, Männer von der Wasserkante ober aus Deutschlands Süden uns brüderlich, trotz Wahrung jeglicher «Stammesart ohne Ueberfleifterung poli­tischer Meinungsverschiedenheiten die Kand reichen.

Der Berliner Oberbürgermeister Böß gab sei­ner Freude darüber Ausdruck, den deutschen Zei­tungsverlegern einen herzlichen W'-llkommensgruß ber Stadt Berlin überbringen zu können. Er führte dann weiter u. a. aus, Berlin fei zwar eine Welt, stabt, aber vor allem auch eine W el tz e i t u n gs- ftabt. Das Zeitungswesen stände müder Entwicklung der Städte m unmittelbarer Beziehung. Zeitungen könnten nur in Städten entstehen und nur n sich vergrößernden Städten sich entwickeln und wachsen. Der Redner gedachte bann der gro­ben volitischen Interessen, die Kommunen und Presse mit einander verbinden D»r erste stell- vertretende Vorsitzende des Vereins Deutler Zei- tnngsverleger, Professor Dr. Julius Ferdinand Wolff erinnerte bann, auf das Verhältnis von Redaktion vnb Verlag übergehend, an bie Feststellung Dr Gardes in feiner Begrüßungsrede, daß für ihn und für alle, die pflichtbewußte Verleger sind. Verlag und Redaktion a >i fG e- b e i h und Verd « rb verbunden fein müssen und verbunden sind Daran, fuhr der Redner fort, ändern gelegentliche Häusliche Auseinanderfetzun»