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M 252.

Samstag, den 6. Oktober 1928.

Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackieudruckerei, Fulda

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dem Unheil Deutschlands, auch an dem Niedergang des religiösen Lebens.

Eine im „Völkischen Beobachter" angeführte ernste Erörterung zwischen einem ungenannten Bischof und einem ungenannten höheren Geistlichen läßt den höheren Geistlichen folgenden schweren Vorwurf gegen die katholischen Geistlichen machen: „Der denkende Katholik bis in die Reihen der Ar­beitermassen hinein, muß an Gewissenzwiespalt zu Grunde gehen, weil er nämlich innerhalb der Kirche belehrt wird, im Sinne der zehn Gebote und der acht Seligkeiten, im Sinne der Autorität, Gerech­tigkeit und Wahrheit; außerhalb der Kirche aoer im Sinne eines Radikalismus, der alle bisher ge­predigten, geglaubten und unter größten Opfern geübten Ideale zerstört oder doch wenigstens unter­gräbt und unterwühlt."

Dem angeblichen geistlichen Artikelschreiber des „Völkischen Beobachters" scheint die treue Zen­trumsgesinnung der Geistlichen und der Widerstand, den er bei ihnen gegen seine Bewegung findet, großes Unwohlsein zu bereiten, sodaß er den kath. Geistlichen Dinge zuschiebt, die nur einer behaup­ten kann, der sie nicht „alle" zusammen hat.

In seinem kranken Gehirn teilt er die katholi­schen Geistlichen in fünf Gruppen: 1. grundsätzliche Zentrumsleute, 2. opportunistische Zentrumsleute, 3. Gleichgültige, 4. stille Opponenten, 5. offene Opponenten.

Wir lassen nun in wörtlichen Auszügen aus dem „Völkischen Beobachter" die einzelnen Gruppen aufmarschieren. Diese Ausführungen charakteriste. ren besser Äs alle Phrasen in den Werbeversamm­lungen die Stellung der Hakenkreuzler gegen ka­tholische Geistlichkeit, katholische Kirche und katho­lische Religion. Es heißt da u. a.:

1. Hauptgruppe: Grundsätzliche Zentrums­anhänger.

a) wegen mangelnder Einsicht: Sie lesen nur die „Germania" oder die „Kölnische Volkszeitung" oder ihr lokales Zentrumsblatt. Tradition und Gewohnheit :st ihnen alles. Die Zentrumspresse, innerlich äußerst min­derwertig, nach außen hin völlig vertrustet in den Hän­den einzelner ganz weniger Personen, jedem Wink der Fraktion und jeder Witterung des Geschäftsinstinktes folgend, ist ihnen die katholische Zeitung, gegen die eine grundsätzliche Auflehnung undenkbar ist

b) berauscht vom Gedanken der kirchlichen Freiheit, die, wie er meint, allein dem heutigen Zentrum der roten Koalition zu verdanken sei Dieser Gruppe ist der Deutschnationale der preußische Kulturkämpfer Die Her­ren vom Klerus bedenken nicht, daß die Marxisten und Demokraten wahrhaftig nicht aus Gründen der Gerech­tigkeit den Katholiken Freiheit gewähren Und was ver­stehen die Herren überhaupt unter Freiheit der Kirche? Wenn für diese rein äußerliche Freiheit der Verkauf der Volksseele an die Sozialdemokratie und an die Autori- tätslosigkeit als Kaufpreis bezahlt wird, dann ist der Verkaufspreis viel, viel zu teuer.

c.) in Erwartung persönlicher oder kirchlicher Vorteile: Die dritte Gruppe der grundsätzlichen Zentrumsanhän­ger innerhalb des Klerus setzt sich zusammen aus Herren, die durch persönliche, verwandtschaftliche, gesellschaftliche, seelsorgliche Rücksichten sich gebunden glauben, und von den gegenwärtigen Ministern und Parlamentariern, sich in deren Sonne sonnend, persönliche oder kirchliche Vor­teste, nicht ohne Grund, erwarten und verlangen Ihre Zahl ist wohl die größte. Sie lassen sich alles bieten und bleiben in jenem Stumpfsinn, gegen den „selbst Götter vergebens zu kämpfen" pflegen. In diese Gruppe ge­hören auch hinein zahlreiche Ordensleute, Priester und Laien, Männer und Frauen; sie alle stehen unter dem blinden Gehorsam oder glauben doch wenigstens auch, hinsichtlich ihrer staatsbürgerlichen Freiheit darin zu stehen; sie folgen einfach dem Befehl des Obern, der oft genug in dieser Hinsicht jedes göttliche Gesetz und mensch­liche Gesetz, jede Rücksicht auf Wahrhaftigkeit, Gerechtig­keit, Gesamtwohl. Glück der Kirche, völlig ausschaltet.

d) beherrscht vom persönlichen Egoismus: Eine vierte Zentrumsgruppe innerhalb des Klerus wird, es ist bit­ter, es zu sagen, einfach vom ganz persönlichen Egoismus beeinflußt. Sie sagen ganz offen: „Ich stehe deshalb bewußt links, weil ich jetzt 8000 Mk. Gehalt habe; früher aber hatte ich nur 4000 Mk." Es ist furchtbar, eine solch geistige und sittliche Verwirrung innerhalb einzelner Glieder des katholischen Klerus zu sehen.

e) beherrscht von innerer Zügellosigkeit: Eine weitere Gruppe, auch das ist unendlich bitter zu sagen, hängt

(Sine Srage an den Jungdo.

Die letiten Botschaften des «Jungdeutschen Or­den? d-r Brief an Hindenburg, die Erklärung des Hochkapitels und der Artikel des Hochmeisters Arthur Madraun, in dem er seinen Aktivismus ge- aen den der Rechtsradikalen scharf und eindeutig abarenzt, sind, als Angriffshandlungen gegen die staatsfeindliche Front der Alldeutschen, Stahl­helmer und Hugenbergfreunde auf alle Fälle von einer gewissen Bedeutung. Auch der muß diese Be­deutung bejahen, der nicht an die Zukunft der hündischen Sache glaubt, sondern überzeugt ist, daß die Existenz von sauberen politischen Par­teien die wesentlichste Voraussetzung für jeden gesunden Volksstaat ist, und daß auch die Bünde, wenn sie nicht nur als Sauerteig wirken, sondern praktisch politisch tätig sein wollen, den Weg vom Bund zur Partei beschreiten müssen. Denn das, was jetzt vom Jungdeutschen Orden unternommen wird, ist ein groß angelegter Versuch, den ideolo­gischen Rebel, in den die rechtsradikalen Draht­zieher die Geister ihrer Gefolgschaft gehüllt haben, zu teilen und den Getäuschten zu zeigen, wohin sie geführt werden sollten.

Die Führer der rechtsradikalen Bewegung, die Hugenberg, Claß, Seldte und Düsterberg, haben sich bei der psychologischen Bearbeitung ihrer Anhän­gerschaft der Fiktion bedient, Aktivismus und Extremismus seien miteinander untrennbar verbunden. Sie propagierten die Meinung, nur der sei tapfer und der in Wahrheit aktiv, der sich für radikale, extremitische Lösungen ent­scheide. Und da diese Botschaft vielen unkomplizier­ten Kraftmeiernaturen nun einmal angenehm in die Ohren klingt, hat sie gläubige Anhänger ge­funden. Artur Mahraun hält dem entgegen, daß eine unmögliche, extreme Zielsetzung kein Zeichen von Tapferkeit sei, sondern „ein Ausweichen vor Verantwortung und Tat" bedeute. „Unmögliche Dinge zum Zielpunkt zu erheben, das ist doch viel eher eine Feigheit als eine Tapferkeit. Es ist be­sonders feige im Sinne des Führers, denn er weicht damit jeder Rechenschaftslegung aus".

Und dann folgt der Satz: „Der wirkliche Ak­tivismus ist im Gegenteil dort zu suchen, wo Wort und Tat in Einklang gebracht werden Er ist dort, wo sich der Kampf in positiven Bahnen bewegt". Insoweit könnten auch wir dem Führer des Iungdeutschen Ordens unsere Zustim­mung geben. Aber zu dem, was der Orden prak­tisch erreichen will, muß doch noch einiges gesagt und gefragt werden.

Grundsätzlich trennt uns vom Orden — vorläu­fig, solange er nicht erkennt, daß am Ende feiner Laufbahn die Parteibildung notwendig stehen muß — die verschieden geartete Einstellung zum Pro­blem der politischen Parteien. Wir bejahen Ore Partei, wir sehen in ihr die notwendige Basis des demokratischen Staatsgebäudes und wir bemühen uns, die Parteien von den ihnen noch anhaftenden Schlacken zu säubern und sie aktionsfähig zu ma­chen zu jenem wahrhaften Dienste am Volk, zu dem sie berufen sind. Der Jungdeutfche Orden bekämpft die Parteien als solche, er will an ihre Stelle ein anderes System der Führerauslese setzen, von dem man zum mindesten sagen kann, daß seine Brauch­barkeit für große staatliche Verhältnisse n o ch n i cht praktisch erprobt ist. Das ist das Eine. Was nun die Erklärung des Hochkapitels vom 30. Septem- be.r angehet, so wird darin Vieles gesagt, was auch war unterschreiben. Anderes freilich bleibt fraglich. Im zwecken Punkt der Erklärung heißt es: „Jedes Spiel mit der Wiederherstellung der Dynastien auf dem Boden des Legitimismus muß unmöglich ge­macht werden." Was soll das heißen? Liegt der Ton auf den Worten Dynastien und Legitimismus u rrTrA Monarchische Staatsform überhaupt abgelehnt. Im „Berliner Tageblatt" erschien am Stenstag margen der Artikel eines sich hinter den üblichen drei Sternen verbergenden Unbekannten, der für den Monat November die Bildung einer

„K a i fe r p a rt e i" ankündigt. Der Artikel ist auf । die Bestrebungen der rechtsradikalen Kreise abge­stellt, aber von der absoluten Restauration, von der völligen Wiedereinsetzung aller abgedankten Dy­nastien ist auch da nicht die Rede. Es wird nur von der Prätendenten-Rolle des ältesten Kronprin­zensohnes gesprochen, so daß es, wenn die Informa­tionen dieses Gewährsmannes überhaupt richtig

sind, sehr wohl auch die Absicht der RechtsradikÄen sein könnte das „Spiel mit der Wiederherstellung der Dynastien auf dem Boden des Legitimismus" zu vermeiden. Es wäre iehr wünschenswert, wenn die Leitung des Jungdeutschen Ordens sich zu dem Artikel des „Berliner Tageblattes" äußern und klar heraus sagen wollte, wie sie sich zu den darin an­gedeuteten Problemen und Möglichkeiten einstellt.

W Nationalsozialisten nnlt die kath. Geistlichkeit.

Den Nationalsozialisten ins Stammbuch. — Jur Aufklärung für die von den Hiller-Agenten umworbenen Zentrumsanhänger im Nreise Hünfeld.

Da es nicht leicht ist, aus Reden, die in ländl. Versammlungen gehalten und nicht stenogra­phisch feftgebalten werden, sich ein Urteil über die Behauptungen der Nationalsozialisten zu bilden, gegebenenfalls auch, wie bei den Vor­gängen in Oberufhausen, sich verschiedene Be­hauptungen gegenüberstehen, sind die fol­genden Ausführungen auf Veröffentlichungen des Völkischen Beobachters gestützt, als dessen Herausgeber Adolf Hitler selbst zeichnet.

Schon seit einiger Zeit sind die Hitler-Leute geradezu mit fanatischem Eifer in den katholischen Ortschaften des Kreises Hünfeld an der Arbeit. Fast an die tausend Stimmen haben sie bei den Mai-Wahlen an sich gerissen. Taten haben sie ja noch keine verrichtet, ihre Taten find der laute Tadel aller bestehenden Mängel und die Behaup­tung, daß sie allein Äles richtig machen werden. Dabei rühmen sie sich auch der großen christlichen Mission, die der Nationalsozialismus hat. Auch Papst und Bischöfe werden in ihrem Sinne zitiert und laut wird behauptet, sie hätten sehr viele katho­

lische Geistliche in ihren Reihen. In ihrer Zeitung selbst kann man Artikel lesen von kath. Geistlichen, jedoch stets ohne Namen, wodurch einem ehr­lichen Menschen der Verdacht kommen muß, daß mit dem Stand der kath. Geistlichen bei den Na­tionalsozialisten Schwindel und Volksbetrug began- gangen wird.

Das wahre Gesicht der Hakenkreuzler wird ent­hüllt in einem Artikel des „Völkischen Beobachters" vom 12. und 15. Sept. (Nr. 212 und 215), betitelt: „Der katholische Klerus und das Zentrum".

Die Geistlichkeit soll zunächst in ge isti- ger Auflösung begriffen sein, sie wird das Spiegelbild der geistigen Auflösung des Zentrums genannt. Es wird ihr Feigheit und Charakter­losigkeit vorgeworfen, indem sie nicht wage, ihre politische Stellung offen darzulegen, um sich nicht bei irgend einem Teil der Gemeinde in Mißtrauen zu setzen. Der Klerus habe auch mit Erzberger das katholische Volk der Sozialdemokratie und dem verjudeten Freff'nn zugeführt, es fei Scbuch an all

Gottesdienstordnuna

«acholischer Soiterdienst.

Sonntaa, 7. Okibr. $ulba. Dom. Rosenkranz» fest. Kollekte für die Jofephskirche. 1. Beicht» geiegenbeiten sind: Samstag morgens von »,6 Uhr ab; nachmittags von 2—3 für Kinder; von l/i5—7 Uhr und von V»8 Uhr ab für Erwachsene; Sonntag morgens von ' -6 Uhr ab. 2. Sonntagsgottesdienste: */,6, 6, */»7 und 7 Uhr hl. Messen mit Gelegenheit zum Empfang der hl. Kommunion. Um 8 Uhr vorm. Pfarramt mit Predigt, Komm des MännerapostolateS und des 8. Schuljahres. */»10 Uhr Kathedralamt mit Predigt. Um 8 «11 Uhr Ehriftenl. für die Jünglinge. V«12 Uhr letzte HI. Meffe mit Pred. V«2 Uhr Andacht zum hlg. Herzen Jesu. 2 Uhr Christen!, der Junatr. 4 Predigt, Andacht und Segen. 7 Uhr abends Rosenkranzandacht mit Segen. 3. WerktaaSgottesdienste: Jeden Moraen von '/»6—7 Uhr halbstündlich hl. Meßen mit Kommunion-Austeilung. */«8 Pfarraottesdienst mit hl. Kommunion. Um 9 Uhr letzte hl. Messe mit Austeilung der hl. Kommunion. Jeden Abend im Oktbr. ist um ’/»8 Uhr Rosenkranzandacht. — Stadtofarrkirche. Rosenkranzfest. TotieS-quoties.Ablaß wegen der in der Stadtpfarrkirche errichteten Rosenkranz- Bruderschaft. Die übrigen für den Monat Oktober ge­währten Ablässe können aus den an den Kirchentüren angebrachten Verzeichnissen ersehen werden. Kollekte für die SturmiuSkirche. Beichte: SamStag nachm. 3—7, 7*/s—8*/i, Sonntag früh 58/«—7 Uhr. Sonnta s» Gottesdienste: 6 hl. Messe und Ansprache, 6*/« hl. Messe, Komm des Männerapostol. 8 Uhr erster Schulgottesdienst, Predigt und Kommun, des 8. Schuljahres. «MO Uhr feiert. Levitenamt mit Festpredigt und Chorgesang. 11 zweiter SchulootteSdienst mit Pred. 21/. Rosenkranz- Andacht. Die Andacht abends um 78/« Uhr fällt aus. Die HI. Kommunion wird von 58'«—7*/« Uhr jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 81/« und 9V« Uhr. Werktagsgottesdienste: 6 6V», 7'/« und 8 Uhr. Mcktwoch, Freitag u. SamStag v. 6 Uhr ab Gelegenheit zum Beichten. Im Oktbr. allabendlrch 78< Uhr Rofenkranzandacht. — psarrtirche zum heiligen Seift. 7 Uhr Frühmesse mit Ansprache, MannerapostolalS-Kommun. 8 Hochamt mit Predigt, Komm, des 8. Schuljahres. •/«!! Kindergattes» bienft und Ansprache. ’/il2 Christen!, der Jungfrauen. 8 abds. Rosenkranzandacht, auch allabendl. zur selben Zeit.

An den Werktagen 6 Uhr und um 7V« Uhr hl. Messe. Beichtgelegenheit jeden Morgen von V»7 bis 7 Uhr und Samstag von 4—6 Uhr. Sonntag morgen 6—7 Uhr. — Sobalität. Vormitta is um ‘/»IO Uhr Gottesdienst. - St Sturmius - Pfarrkirche. 71/« Kommun.» Austlg. 7V Frühmesse mitPrediick, Komm des Männerapostol. 9 Uhr Hochamt mit Pred. Danach Christenl. '/,2Segen?and — Mckeikirche6er Benebihtiner innen. Sonntag 6 stille Messe V-9 Konventamt, 3 Uhr Vesper; werktags 6 stille Messe, Vi9 Konventamt, 3 Vesper. — Herz-Zesu-Heim. 8 Uhr Amt und Predigt. 2 Andacht und Segen Werktags ist die hl. Meffe um 6. Mittwoch 8*/« Se ensandacht. — lkriedhofrkapelle am Hranzoseitwäldchen Sonntag: 6V« bl. Messe mit Ansprache und Kommunion»Austeilung. Werktags: 7 hl. Meffe mit Kommunion-Austeilung. — Seoerihir'be. 7 hl. Meffe. 8 Oberrealschulgottesdienst. — Srantnbtrg. HI. Messen von 5 bis 7 Udr. Um 8 Uhr Rosen kranzmeffe mit Predigt. 9 Uhr Levitenamt mit Predigt. 2 Uhr Predigt und Andacht für die Derziaren. (Im Monat Oktober wird jeden Tag eine öffentliche Rosenkranzandacht für die Anliegen der hl. Kirche ab. gehalten und zwar an den Werktagen nachm. ’/t5 Uhr vor dem ausgesetzten ANerheiligsten, an Senn» und Feiertagen in der 8 Uhr-Meffe).

lleuenbetg. v»9 Uhr Amt und Predigt. — Lehner;. */*10 Uhr Amt und Predigt. — Biete tsfjan. 3 Uhr Ami und Predigt.

Evangelischer (ßotteSbienft.

Sonntag, den 7. Oktober, fintba Vorm. 8 und 9'/, Uhr Pfarrer Riemenschneider aus Hünfeld. Amts» Woche: Pfarrer Hattendoiff. — Großenlüder 10 Uhr Pfarrer Hattendorfs. — Bad Salzschlirf. 10 Uhr vorm. Pfarrer Dr. Fritsch.

Mittwoch, 10. Oktober. Zulda. 8 Uhr vorm. Schulgottesdienst in der Kirche. 8 Uhr abends iötbei» stunde (Schwesternhaus).

Lvangel. landerkirchl. Gemeinschaft, Zulda, Buttlarftr. 17.

Sonntag. 7. Oktober. Abends um 8 Uhr Bibelstunde. Dienstag abend um 8'/« Uhr Bibel» und Gebetstunde. Jedermann ist herzlich eimelaben.

Manuela

461 ---------

»Haha — eine junge Dame, mit der wir uns kbr angelegentlich beschäftigen — mit ihr sowohl als L der angeblich kranken Mutter!" höhnte der Polizeiieut- nant.

„Beschäftigen Sie sich mit ihr, soviel Sie wollen" brauste Sternau auf, „aber jetzt machen Sie, daß Sie hiü- ausfommen, ich rate es Ihnen!"

„Sie wagen es?" rief der Leutnant mit vor ®ut Zitternder Stimme. „Run, Sie werden ja sehen, wer hinauskommt, — Sie werden es sehen! Die da!!" fUhr er, mit dem Finger auf die dem Umsinken nahe Carmen deutend fort, „die da — mit ihrer Mutter! Ausgervie- werden sie, wissen Sie bas?"

w c ®0Tte’ in welche ungehört ein leiser Schrei aus „ V Z/ben^mer hineintönte, sollten ihre Wirkung nicht elL geschlossenen Augen hielt Carmen sich nur h am Tischrand aufrecht, während ihre bri»

u . c sich einen raschen Blick teuflischen Tri- umpyes zuwarfen.

als i»1! Sternau den Zeitpunkt für gekommen, sich gen thron u,v^n Und mutig für Mutter und Tochter ge- drohenden 25W,nbai\n Bedränger einzuschreiten. Mit zugetraut hätte " mit einer Kraft, die ihm niemand ihn nach der Tür u 'Ü er ben Leutnant beim Arm, zerrte ridor hinaus. n° roarf >h" mit Schwung zum Kor- - aber Sü stllen^i^^ °llo Gemaßregelte, „ich gehe, «nd"fA^ß"die TÜ? lSetCibml! urief ^hm nach me 5bTr hänfen nier®o3terDOtI Berzweiflung die Stirn» was ist denn?" lft henn- Kind? Mein Gott,

Tru'ntenboid^r estmed ^1!" l°Ste Bassewitz, „Ein M^er es bemerkt und 3um ®lü(f batte Frau

„Ah, _ rfirt ’M rechtzeitig zur Hilfe geholt!" zurück. ‘ b da, Herr Baron!" klang es erleichtert Aengstigen ~ mit meinem Neffen!

! ch nicht, es ist alles in Dränung!'

Er trat an des jungen Mädchens Seite. „Sagen Sie wie ich," flüsterte er der sich langsam erholenden Carmen zu „beruhigen Sie die Warna und dann kommen Sie wieder, — wir müssen die Sache besprechen! Die arme Frau darf nichts ahnen, — sie könnte den Tod davon haben!"

Nachdem Carmen ihre Mutter in diesem Sinne be­ruhigt hatte, kehrte sie zu den Herren zurück, die Tür sorgfältig hinter sich schließend.

Der Herr Baron von Bassewitz hatte inzwischen die Wirtin zu entfernen verstanden, deren Gegenwart ihm nicht länger erwünscht war.

„Nun berichten Sie, Kind!" drängte der alte Herr, als (Tarnten wieder eintrat. „Was ist geschehen?"

„Ach, Herr Baron, denken Sie sich," begann das Junge Mädchen von neuem zu schluchzen, „der abscheuliche Mensch — es ist so häßlich — ich kann es gar nicht sagen!"

„Nicht wahr, er fragte nach der Mama — in einem recht unartigen Tone?"

„9a, und ich erwiderte ihm, meine Mama fei krank. Da sagte er, das sei ihm gleich, die Polizei frage nichts darnach. Einmal sei es uns gelungen, mit Hilfe eines guten Freundes der Behörde ein X für ein U vorzuma- fben, damit sei es aber nun vorbei. Wir hätten einen jungen, vornehmen Mann an uns gezogen und ihn aus­gebeutet."

„Wieder dieser Unsinn!" rief Bassewitz empört. „Da- m,t meinte er doch gewiß wieder den jungen Freiherrn von Versen?"

„9a!!" sagte Carmen erglühend. „Ich sagte ihm, die- h * n®e Biann sei unser Verwandter, — wir hätten ihn durchaus nicht ausgebeutet, und überdies wäre er längst von hier abgereift!"

"Da haben mir's!" nickte Bassewitz seinem Neffen zu. „Es handelt sich hier um e,ne neue Verfolgung dieses Verwandten, her jede Beziehung zu Ihrer Frau Mama" — er sah Carmen dabei an — „und zu Ihnen leugnet!"

„Sie wissen das?" rief das junge Mädchen

„9ch weiß es — Ihre Frau Mama hat es mir anver- traut!" versetzte der alte Herr ernst. „Der Freiherr von Versen, der Vater des jungen Versen, benutzt den Zeit­punkt, da die armen Frauen allein, schutzlos und mittel­

los sind, den widerwärtigen Krieg, den er ihnen erklärt hat, von neuem zu beginnen!"

„D," rief Sternau mit schönem Eifer, „ich gehe noch heute zu ihm hin, — ich werde ihm sagen, wie ich über fein Verhalten denke, — von nun ab soll er es mit mir zu tun haben!"

Bassewitz schüttelte wehmütig den Kopf.

„Lieber Hugo, der Freiherr ist noch einmal so alt als du. Wenn du ihn forderst, würde er dich verlachen» — er würde dich beim Gericht antlagenl Und deine Ge­fühle für Fräulein Carmen würde er ebenso verdächtigen wie die väterliche Zuneigung des Geheimrats (Tonfen- tius, — es würde ihm ein willkommener Anlaß fein; die infame Maßregelung seitens der Polizeibehörde schneller durchzusetzen, wenn er sie nicht schon durchgesetzt hat, was ich nach dem heutigen Besuch dieses Polizei­leutnant allen Grund habe zu vermuten. — Nicht wahr, mein Kind," fuhr er, zu (Tarnten gewandt, fort, „er drohte Ihnen mit der Ausweisung aus Deutschland?"

„Woher wissen Sie bas?" stöhnte das junge Mädchen beschämt.

»Er hat es zu Frau Fischer gesagt! Da er auch von uns, die wir die Ehre haben, uns Ihre Freunde zu nennen, in gemeiner, verletzender Weise sprach, kam die brave Frau, uns zu benachrichtigen, worauf wir sofort zu Ihrem Schutze herbeieilten. Auch rief er es 9hnen, ehe Sie ohnmächtig wurden, noch einmal zu!"

„Ausweisen will und wird man uns!" stöhnte (Tar­nten.

,Dho, da sind wir denn doch auch noch da!" prahlle Sternau.

Bassewitz hatte dem erregt Sprechenden achselzuckend zugehört.

„Sie sind eben," sagte er bann mit kummervoller Miene, „beibe Sluslänberinnen. Unb bas eben gibt bem Freiherrn von Versen bie gewünschte Hanbhabe Durch seinen Einfluß, wohl auch burch fein Gelb, beschleunigt er bie Sache! Hinaus mit ihnen, befiehlt er feinen Hel- fershelfern, wir haben nichts zu befürchten! Sie stehen allein, sie find mittellos, sie haben niemand, der zu thren Gunsten die Stimme erheben könnte. Also hinaus mit ihnen, bringt sie über die Grenre!"

„Dntel, ich kenne die Gesetze nicht," sagte Sternau, „aber du kennst sie!"

„Das ist wahr, — ich kenne sie! Was willst du damit sagen?"

,^)abcn wir nicht ein Gesetz, nach welchem die Na­tionalität der Frau dieselbe wie die des Mannes ist?"

Der würdige alte Herr machte ein eigentümlich er­stauntes Gesicht und sah den Neffen ganz kurios an, „Allerdings, mein Junge, ein solches haben wir. Ich kann dir zwar den Paragraphen nicht nennen, aber daß wir ein solches haben, steht fest!"

„Wie nun, wenn Fräulein (Tarnten bie Gattin eines Deutschen würbe, — sogleich, bas heißt, in allerkürzester ’ Frist, — wäre sie bann nicht auch eine Deutsche?"

„Gewiß, bas wäre sie."

„Könnte man sie bann auch noch bes ßanbes ver» weisen, sie ober ihre Mutter?"

„Sie nicht, da sie ja als Gattin eines Deutschen eine Deutsche ist, und ihre Mutter nicht, weil sie dem Haus- halt eines Deutschen als dessen nahe Verwandte ange­hört!" ,

Mit theatralischer Geste wandte sich jetzt Sternau an Carmen, die dem Gespräch der beiden voll zitternder Ungeduld gefolgt war.

»Mein Fräulein," sprach er mit schönem Pathos, -ich hätte es nie gewagt, aber jetzt zögere ich nicht län­ger! Diese Hand, die ich Ihnen reiche, ist die eines Man­nes, welcher Sie leidenschaftlich liebt! Legen Sie die ihrige hinein, — ich flehe Sie um Ihrer Mutter, um 9hret- mehr noch als meinetwillen an. legen Sie diese kleine weiße Hand hinein und werden Sie eine Deutsche oor bem Gesetz, wie Sie es längst burch Erziehung unb Gesinnung sind! Werben Sie eine Deutsche um berent» willen, bie Sie so zärtlich lieben! Ich schwöre Ihnen, — ich benfe in biefem Augenblick nicht an mein Glück, ich denke nur an Sie, an das Ihrige!"

Er schwieg, während er die Hand ausgeftretft hielt, — schwieg, zwischen Furcht unb Erwartung schwebend, — unb man hörte nichts als bie leisen Worte bes alten Herrn, ber sich eine Träne — freilich eine unsichtbare — aus bem Auge wischte unb babei wiederholt sagte: „Das ist recht, — das ist recht! Guter, braver Junge!"

(Fortsetzung folgt.)