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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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Nr. 230.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochendeilagen (Die Welt im Bild" undBuchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Posigeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Donnerstag, 4. Oktober 1928.

A nzeiqen-Preise Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 Ml, auswärts 0,20 Ml. Reklamezeile: lokal 0,60 Ml auswärts 0,80 Ml. Bei Wiederbolur gen Rabatt.

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051

Iahrg.SS.

Tagung des Auswärtigen Ausschußes in Berlin.

V.D. Z. Berlin, 3. Oft. (Eig. Funkm.). Wäh­rend über Berlin derZeppelin" kreiste, ver­sammelte sich im Reichstage um 10 Uhr der Aus­wärtige Ausschuß unter dem Vorsitz des sozialdemo­kratischen Abgeordneten S ch e i d e m a n n. Mit dem Reichskanzler Müller und Staatssekretär von Schubert, den deutschen Vertretern bei den Genfer Verhandlungen, waren auch Reichsinnen­minister Severing, Reichsfinanzminister Dr. Hilf er ding, Reichsverkehrsminister von ® u er- ard und Reichswirtschastsminister Curtius er­schienen. Zahlreiche Vertreter des Reichsrates, un­ter ihnen der bayerische Gesandte von Preger, so­wie der badische Ministerpräsident Remmele, der württembergische Innenminister Bolz und der thüringische Minister Leuthüußer nahmen an der Sitzung teil. Ferner sah man den Reichstagsprüsi- denten L ö b e und dm Botschafter a. D. Grafen Bernstorff.

Reichskanzler Müller ergriff sofort das Wort, um über die Genfer Verhandlungen lvegen der Räumung des Rheinlandes Bericht zu erstatten.

Reichskanzler Müller gab u. a. davon Kennt­nis, daß nach den neuesten Nachrichten der Aerzte der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Strese- mann wahrscheinlich schon Ende dieses Monats so weit wieder her gestellt sein werde, um sein Amtsgeschäst in vollem Umfange aufzuneh­men. Am Schlüsse seiner Ausführungen stellte der Reichskanzler fest, daß die Genfer Verhandlungen «inen Fortschritt gebracht hätten.

Im Anschluß an den Bericht des Reichskanz­lers gab int Auswärtigen Ausschuß Staatssekretär von Schubert Auskunft über eine Reihe von Einzel- kragen.

*

Ueber die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder wird amtlich folgendes mitgeteilt:

Am Dienstag Vormittage fand unter dem Vor­sitz des Reichskanzlers und in Anwesenheit aller in Berlin weilenden Mitglieder des Reichskabinetrs die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder über den Verlauf und das Ergebnis der Genfer Verhandlungen statt. An den eingehenden Be­richt des Reichskanzlers, der durch Aus­führungen des Staatsekretärs des Auswärtigen Amtes von Schubert für einige Spezialfragen Wganzt wurde, schloß sich eine Aussprache, feie ergab völlige Uebereinstimmung in der Auffassung über die Haltung der deutschen De­legation in Genf, die einmütige Billigung fanb.

*

. Essit vorauszusehen, daß die Aussprache Auswärtigen Ausschuß über die r-eusiche Haltung m Genf kaum noch Ueber- r a sch u n g e n bringen kann und wird. Wir muß- ten schon früher darauf Hinweisen, daß die Haltung der sozial eemokrarychen und der demokratischen Vertreter m Genf nicht einheitlich war. Es ist heute von Interesse, daß unmittelbar vor der Aus- im Auswärtigen Ausschuß Dr. Rudolf bcr Jifonntlich inncrhnfb her fn- ziakdemokratischen Partei eme^S©eqenftrö mung gegen den Reickskanz! ir toS durch den sozialdemokratischen Pressedienst einen Artikel zur weitesten Verbreitung in ° Lb hin- oussendet, der offenbar darauf berechnet iit nicht nur Breit,cheids Haltung zu rechtftniö, chrd r auch für seine taktische Einstellung eche Lam- m brechen. Das letzte Wort in biejcr ben natürlich die Sozialdemokraten selbst ^u dien. Aber es ist immerhin von Untere was Breitscheid vorzubringen hat e ^ren' Wir wußten seit langem, daß die ..

Räumung zum mindesten mit der bie

vcr Rennrarionssrage und gewißen beu Heben "n^6,9n9 gen verknüpfen werde. . . . Nun gab feiten. Entweder wir verliehen nach der Ain 2 J-?03tlcb sofortigen Gesamträumung ben SerntunqstHA i"9 . fanben uns zu einer Fortsetzung der 23erbanbh, r rot, einer breiteren Basis bereit. Im ersteren Fn» Jx9en nf fellos eine Klarheit geschaffen worden. Mer biet* beit hatte unsere auswärtige Politik zu befümtmln « ar= sequenzen verpflichtet. Sie hätte den Weg des ?n einer Verständigung mit ben Westmächten verlaß-,, ?? andere Bahnen einschlagen müssen. Aber wo waren iv neuen Bahnen zu finden, und wenn sie gefunden warb wären, würden die besetzten Gebiete von ihrem ten irgendwelche Vorteile gehabt haben?" ,rc=

Breitscheid weist daraufhin, daß nicht nur Frankreich, sondern auch England, Italien und dle "origen in dieser Beziehung gegen uns waren Dann aber bringt er eine bemerkenswerte Kritik me sich ungenannt direkt gegen ben Reichskanzler richtet:

..J8ie?eirf)t ist ein Teil der Erregung darauf zu- Nlckzuführeii, daß sich das Auswärtige Amt zu­nächst auf ein-m zu starren Geleise bemegte. Seine m»rhtn fcle iQ auch der Oeftentlichkeit bekannt nun etroa5 3« unelastisch, und als man

Volk auf h;obretD^n*er «nirbe, war das deutsche So such/^m Wendung nicht recht vorbereitest', pelung der w^^Efcheid für eine indirekte Verkop- einzutreten i,HSPnration5' "nd Räumunqsfrage feit den 23orroi>rf\niai$t Ö2r deutschen Oeffentlich- ben vertraulichen &Jie durch ihre Stellungnahme SHirf den Fran,m» Handlungen, die IN diesem cnigeqenkoinnien -^llten^ein""' ben habe Die Art": emen Riegel vorgescho- untrM UXÄ'b bie'* s" sonders er arbeitete, n ,A PZ m'9 ber be­sucht, verdient einige '^'.machen ver-

Wih ??"mniilunaen Uber di, Befsiftu,,.

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L" verichtet. Er behauptet, et.flinnrP'

Mang an nur em Kollegium aus Zivilper­

sonen unter Zuziehung eines deutschen Vertreters zur FeststeUung etwaiger Verstöße gegen Locarno und Völkerbund und als erste Ausgleichsinstanz vor Anrufung des Völkerbundrates hätten schaffen wollen.

Der Streit ging um die Existenzdauer dieser Kommission. Die deutschen Vertreter hielten an der Grenze von 1935 fest, die Gegenseite wollte diese Befristung nicht gelten lassen. Es gab pri­vate Besprechungen, in denen theoretisch die Frage der Zweiseitigkeit einer solchen Kommission von längerer Dauer erörtert wurde, das heißt daß man sich darüber unterhielt, auch entsprechende Gebiete in Frankreich und Belgien zu kontrollieren. Es wurde auch darüber diskutiert, ob ein derartiger Ausschuß nicht etwa für alle zwischen den in Be­tracht kommenden Staaten strittigen Fragen für zuständig erklärt werden könnte".

Die Art, wie Breitscheid hier fein bekanntlich weitgehendes Entgegenkommen an den französi­schen Standpunkt darstellt, muß auf alle Fälle als sehr vorsichtig bezeichnet werden. Sollten ihn die weiteren Ereignisse in Frankreich belehrt haben, daß es sich bei den vertraulichen Zwifchenbespre- chungen wirklich nur um Theorie gehandelt habe, itnb daß die Praxis in französischen Augen doch recht bedeutend anders aussieht? Man kann nicht behaupten, daß diese Auslassungen, so we­nig wie die inzwischen ja auch abgeschwächten von Georg Bernhard, geeignet sind, die Stellung­nahme, die das deutsche Volk in seiner überwäl­tigenden Mehrheit zu Gens bekundet hat, und die in der Haltung der Parteiführer ihren Ausdruck fanb, zu revidieren Es bleibt dabei, daß der Reichstag, wenn er im November Zusammentritt, eine klare außenpolitische Situation m-r" ben wird.

Das wehrproblem.

Am Dienstag vormittag trat in den Räumen des Parteivorstandes die Kommission zusammen, die die Stellung der sozialdemokratischen Partei zum Wehrproblem programmatisch fixieren soll. Die Kommission wählte Dittmann zu ihrem Vor­sitzenden und Dr. Mierendors zu ihrem Sekretär. Sie trat daraus in eine allgemeine Ansprache ein, die bis in die späten Nachmittagsstunden dauerte. Es wurde beschlossen, einige Gutachten einzufor- bern und nach ihrer Erstattung im November die Beratungen fortzusetzen.

Die Häumimgsfrage.

Besprechung zwischen Brianb und Befehungschef.

wtb. Paris, 3. Oft. (Eig. Funkm.) In seiner gestrigen Unterredung mit dem Minister des Acu- ßern, Brianb, hat der Oberstkommandierende ber rheinischen Besatzungsarmee, General Guillaumat. dem Matin zufolge den notwendigen Aufschluß gegeben im Hinblick auf die mit Deutschland zu sich, reichen Verhandlungen wegen ber Räumung der besetzten Zonen. Oeuvre möchte keine sensationellen Schlußfolgerungen aus dieser Unter« teifcimg ziehen, baß die Verhandlungen über die Rheinlanbräumung noch nicht auf bas praktische Gebiet übergegangen seien, das Blatt glaubt aber, baß die Räumung der 2. Zone Ende des Jahres erfolgen dürfte.Exelsior" sieht die Unterredungen, bie auf bie Erklärung des französischen Ministerpräsidenten in Chamaer folgte, als bezeichnend an für die for­mellen Absichten ber französischen Regierung, das Problem der v o r z e i t i g e n Rh e i nl a n d r ä u- mung von ber technischen unb der politischen Seite aus zu studieren, derart, daß keine Verzöge­rung in ben in Gens vorgesehenen Verhandlungen eintreie. Die Frage sei, ob Deutschland die Rhein­landfrage vom juristischen Standpunkt aus behan­deln werde, das heißt unter Berufung auf Artikel 431 des Versailler-Vertrages, um die Räumung der beletzteu Gebiete als ein Recht zu fordern, daß keine Gegenleistung bedinge oder vom politischen Stand­punkt aus, in dem es sich damit einverstanden er­kläre, daraus einen Verhandlungsgegenstand zu machen in Form eines Abkommens und ber O» ganifieruna eines Feststellungs- unb Dergleichs- fomitees für die Prüfung sämtlicher in der ent- militarisierten Rheinlandzone entstehenden Streitig­keiten.

Das enaNsch-französische Kompromiß

wtb. Paris, 3. Oki. (Eig. Funkm.). Haoas bestätigt, daß der gestrige französische Ministerrat sich auch mit der Frage des französisch-englischen Flottenkompromisses beschäftigt habe. Im Ver­laufe der Beratungen habe Brianb seine Kollegen "der die zwischen London unb Paris wegen der Veröffentlichung des Kompromisses einge. Rieten Unterhandlungen unterrichtet. Die englische Regierung, die vorgestern über die gleiche Frage "erhandelt habe, scheine gegen bie Veröffent- m.ung zu fein, so lange bie japanische und b!e r Ul^e Regierung, die bisher nur eine proviso- rtiaje Antwort gesandt hätten, nicht ihren enbgü!» nnrr" Standpunkt bekannt gegeben hätten. ' In vouein Einvernehmen mit feinen Kabinettskollegen meroe Briand in London darauf bestehen, jede Veröffentlichung zu beschleunigen, die für notmen« an9 ^"chtet werde, um jedes Mißverständnis mit nZac,tn9-ton 3U beseitigen. Der französische Bof- ictiatter in London sei gestern beauftragt worden, tmrjoreign Office" eine neue Demarche in bie- fern Sinne zu unternehmen. Was die amerika- msche Note in ber Frage der Rüstungsbeschrän­kungen zur See betreffe, werde bas Ministerium des Aeußern sich wahrscheinlich auf eine Emp- fangsbeftatigung beschränken unb es dem amerikanischen, englischen, französischen und japa- i

Zeppelin-Flug über Meer und Land.

Dle nächtliche Kreuzerfährt über der Nordsee. Gegen Morgen wieder an der deutschen Küste. Flug über Bremen, Hamburg nach Berlin. Begeisterter Empfang in der Neichshauptstadt. Blumengruß an den Reichspräsidenten. Begrüßungsfunksprüche. Heimflug über Sachsen.

Die weitere Fahrt des LuftschiffesGraf Zeppelin" ging am Dienstag nachmittag über Koblenz, Köln, Düsseldorf, Essen, Duisburg, der holländischen Grenze zu. Bei Cleve flog das Luftschiff sehr niedrig und warf an ber Schwanenburg ein Päckchen mit Post ab. Die Post wurde sofort weiter befördert. Emme- r i ch wurde gegen 17.30 Uhr überflogen. Um 17.50 Uhr erreichte bas Luftschiff die holländische Stabt Nymwegen. Um 19 Uhr wurde Rot­terdam passiert. Dann flog das Luftschiff nach ber Nordsee hinaus.

Um 21.05 Uhr passierteGraf Zeppelin" L o - w e ft o f t an der englischen Ostküste. Das riesige Luftschiff, das von vorn bis hinten erleuchtet war, und bie Stabt in geringer Höhe überflog, bot mit seinen mächtigen Buglichtern einen fesselnden An­blick. Eine große Menschenmenge hatte sich schnell auf ben Straßen versammelt unb folgte dem in­teressanten Schauspiel mit größter Aufmerksamkeit. 19.30 Uhr befand sich das Schift bereits auf der Höhe ran Harwich.

In ben Nachtstunden wurde der jüngere Test ber Besatzung für die Ozeanfahrt mit dem See- und Schiffsbetrieb während der Nacht bekannt ge­macht, wie zum Beispiel mit Leuchtfeuern, Blink­zeichen und anderen Signalen.

Um Mitternacht befand sich das Luftschiff über Borkum. Bei stiller mondklarer Nacht überflogGraf Zeppelin" bie arte Hansestadt Bre­ch e n. Das Luftschiff, bas nur burch das Geräusch seiner Motoren bemerkbar war, war außerordent­lich gut zu sel>en. Nachdem es bie Stabt überflogen hatte, nahm es sofort Kurs auf Hamburg Punkt 8 Uhr vormittags wurde Wittenberge in Richtung Berlin überflogen.

Heber der Reichshauptstadt.

wtb. Berlin, 3. Okt. (Eig. Funkm.) 9.02 Uhr traf das LuftschiffGraf Zeppelin" über Berlin

ein. Sämtliche Rathäuser unb Dienstgebäube der Stabt tragen Flaggenschmuck. Schon lange vor- her waren die Dächer ber Stabt dicht von Men­schen besetzt. Das klare Wetter ermöglichte auch eine gute Sicht, so daß man das Luftschiff mit einem guten Glase schon bald, nachdem es Staaten passiert hatte, sehen konnte. Eine Verkehrsflieger- stafsel von 5 Flugzeugen sowie zahlreiche andere Flugzeuge waren dem Luftschiff entgegengeflogen und begleiteten es auf seinem Rundflug über Ber- (in. lieber dem Reichspräsibentenpalais angelangt, warf bas Luftschiff einen an einem Fallschirm be­festigten Strauß roter Rosen ab, ber sich aber an dem Dache eines Häuserblocks verfing. In nied­riger Höhe zog das Luftschiff seine Schleifen über der Stabt, von der Menge begeistert begrüßt.

Ansprache Dr. Eckeners an die Berliner.

wtb. Berlin, 3. Okt. (Eig. Funkm.) Während der Graf Zeppelin" über Berlin dahinflog, versuchte Alfred Braun von der Funkstunde wiederholt, sich in direkte Verbindung mit dem Luftschiff zu setzen. Zur allgemeinen Freude gelang es ihm, während das Luftschiff über Schö­neberg dahinflog, beim dritten Versuch die Verbindung herzustellen. Es lag nicht etwa eine Störung des Sen­ders vor, sondern die Luftschiffleitung brauchte ihren Apparat, um Wetterberichte entgegenzunehmen. Alfred Braun teilte mit, daß Dr. Eckener selbst zu den Ber­linern sprechen werde, übermittelte vorher aber noch den Gruß der Reichshauptstadt, den Oberbürger­meister Böß über das Funkhaus und auf funkentelegra- phischem Wege über Norddeich an L. Z. 127 hatte gelan­gen lassen. Darauf hörte man die klare Stimme Dr. Eckeners, der etwa folgende Begrüßungs­worte an die Berliner richtete:

Berliner Hörer und Hörerinnen! Ich danke herzlich für den frendlichen Willkommengruß, den Sie mir darge­bracht haben. Ich möchte zu Ihnen deswegen sprechen, um meinem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß wir Sie gestern schmerzlich enttäuscht haben. " Die Wet­ternachrichten, die wir gestern vormittag um 10 Uhr er­hielten, waren so ungünstig, daß ich ernsthaft befürchten mußte, daß weder Sie uns, noch wir Sie hatten sehen können. Es ist leider unser Los, Enttäuschungen zu be-

nischen Sachverstänbigen, bie bie vorbereitende Ab­rüstungskommission bilden, überlassen, bie Diskus­sion, wenn ber Augenblick gekommen fei, wieder aufzunehmen.

Gescheiterte Verhandlungen?

lötb. London, 3. Oft. (Eig. Funftn.). Der diplo­matische Korrespondent desDaily Telegraph" er­fährt. er könne Mitteilen, daß die wichtigen Ver­handlungen, die seit einiger Zeit zwischen derShell,- gruppe, der Anglo - Persian - Oil Company, der Anglo-American-Oil-Companp und den ihnen an­geschlossenen Gesellschaften auf der einen Seite und ben Vertretern der Sowjet-Regierung unb ber Sowjet-Petroleum-Jnteressenten auf der an­deren Seite geführt wurden, zusammengebrocheit seien, zum mindesten für den Augenblick. Der Abbruch sei am vorigen Freitag erfolgt. Ob die Verhandlungen in einigen Wochen wieder aus­genommen werden, lasse sich noch nicht sagen. Der Korresvondent sagt: Zweck der Verhandlungen war, ein Abkommen zu erreichen, das den Ankauf, die Verteilung und den Verkauf russischen Petroleums in Groß-Britannien auf einer für beide Parteien befriedigenden Grundlage regeln sollte. Die Klippe, an der die Verhandlungen scheiterten, war die Forderung der Londoner Kombination nach einer Entschädigung der britischen Eigen­tümer, der von der Sotojetregiemng enteig­neten Petroleumunternehmen.

Aufmarsch am 7. Oktober.

Der sozlaldemokrakische Aufmarsch in Mener- Iteuffabf zugelassen.

Wie verlautet, haben bie Besprechungen inner­halb ber niederösterreichischen Landesregierung zur Aufhebung des Verbotes des sozialdemo­kratischen Aufmarsches in Wiener-Neustadt geführt. Die Verhandlungen wegen Festsetzung einer Ab­grenzungslinie für die beiden Aufmärsche dauern fort. In Uebereinstimmung mit dem Willen der Veranstalter beider Kundgebungen ist man in lei­tenden Kreisen ber politischen Parteien und in ber Regierung voller Zuversicht, daß bie Kundgebun­gen ohne Zwischenfall verlaufen werden.

Die Geflirr scheiden sich.

DerStahlhelm".

Aus den Kreisen der Fraktion ber D e u t s ch en Volkspariei des Preußischen Landtags wird uns geschrieben: Bei dem Zusammentritt des Preu­ßischen Landtags habe» bie zum Stahlhelm gehörenden Mitglieder der Fraktion der Deutschen Volksportei diese erste Gele­genheit benutzt, um in einer eingehenden Aus­sprache bas Verhältnis zum Stahlhelm zu klären. Bereits kurz nach ber Wahl Hai die Bundesleitung des Stahlhelm für bie als Parlamentarier tätigen Mitgliebcr bes Bundes Bindungen beschlossen unb veröffentlicht, die von ben volksparteilichen Mit­gliedern sofort zurückgewiesen wurden. Daraufhin ist auch von ber Bundesleitung eine ein­schränkende Erklärung abgegeben worden. Durch die verschiedenen Botschaften unb Verlautbarungen bes Stahlhelms werden für die Abgeordneten, die

zugleich Mitglieder des Stahlhelms sind, Konflikts heraufbeschworen, die vermieden worden wären, wenn ber Stahlhelm feine ursprüngliche, von den Abg. ber Deutschen Volkspartei stets begrüßte überparteiliche Einstellung beibehalten hätte. Solange eine Abkehr von biefer neuen Richtung im Stahlhelm nicht erfolgt, sind die Abgeordneten ber Landtagsfraktion ber Deutschen Volkspartei zu ihrem Bebauern nicht mehr in der Lage, jm Stahl- Helm mitzuarbeiten, unb werden deshalb ihres Austritt aus dem Stahlhelm erklären.

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Zu der Stellungnahme der Fraktionen der Deutschen Volkspartei gegenüber dem Stahlhelm erklärt die Prefseelle des Stahlhelm u. a., daß diess Entwicklung vorausgesehen worden ist. Nachdem sich ber Stahlhelm vor zwei Jahren zur politischen Bewegung erklärt hat, welche politifche Ziele mit politischen Mitteln erstrebt, mußte er notwendig in Grenzstreitigkeiten geraten mit den älteren politischen Gebilden, bie ihren Monopol­anspruch nicht aufgeben wollen.Die Parteien werden sich daran gewöhnen müssen, die im Stahl­helm verkörperte politische Bewegung als gleichb^ rechtigt anzuerkennen."

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Der Volksparteiliche Reichswirtschafts­minister Dr. Curtius hat It.Vorwärts" einen persönlichen Schritt bei dem preußischen M i« nifterpräfibenten Otto Braun unter­nommen, um diesen zu bewegen, die Umbildung der preußischen Regierung im Sinne ber Großen Koalition herbeizuführen. Ministerpräsibent Braun hat darauf geantwortet, daß er nicht in der Lage fei, sozusagen von Amts wegen diese Um- bilbung herbeizuführen. Er müsse vielmehr die Initiative in dieser Richtung den Parteien über­lassen, besonders ber Volkspartei, bie von sich aus bie notwendigen Verhandlungen mit ben bisheri­gen preußischen Koalitionsparteien anstreben müsse. Braun hat ober auch keinen Zweifel darü­ber gelassen, daß er nach wie vor Wr die von ihm geführte Politik in Preußen eine möglichst große varlamentarische Mehrheit für wünschenswert halte.

Der Kurs in Schweden.

Aus Stockholm wird gemeldet: Die neue Re­gierung hielt ihre erste Kabinettssitzung> unter dem Vorsitz des Königs ab. Bei dieser Ge­legenheit gab Ministerpräsident Lindman eine pro­grammatische Erklärung über die Politik der neuen Regierung ab, in der es u. a. heißt: Die Fragen, die die Regierung als die zur Zeit wichtigsten ansieht sind die Wahrnehmung ber äußeren Sicher­heit des Reiches im Schutze des Friedens, die Wahrnehmung der gesetzlichen Sicherheit im In­nern, Förderung des Wirtschaftslebens und Unter­stützung der prodnttiven Tätigkeit. Durch die Pro- duktion fördernde Maßnahmen wird man der Ar­beitslosigkeit am Nachdrücklichsten entgSgenarbei- ten können. Von besonderer Bedeutung ist die Stärkung des Systems der gemeinsamen Interes­sen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, welches die wichtigste Voraussetzung eines besseren Arbeits- ftiedens und dadurch günstigerer Lebensbedinguw- gen bildet.