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Beilage zur Zuldaer Zeitung.

Mr unsere Frauenwelt. Nr. 227 vom 30. Sept. 1928.

Frage»

Wort

man in eine Citrovinverdüngung

wasser ohne Gewürz und ißt sie mit geschabtem Meer-

arbeit und Volksgesundheit".

der

Die überwiegende Ansicht der In-

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Rückwirkungen auf die Frau. !

Er erwähnte u. a. bie Rationalisierung

Organismus der berufstätigen Frau, eine Notwendig­keit. Wenn man vom pädagogischen und gesundheitlichen Wert ausgehe, erscheine die Arbeitspause als Sportpause, Gymnasikpause in den Betrieben begründet. Bei Arbeit­

gebern und Arbeitnehmern müßte für diese mehr Verständnis geweckt werden.

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dem Ausnehmen läßt in übermangansaurem

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Wasser wässern. Inzwischen verrührt man geriebenes Roggenbrot in geschmolzenem Palmin, fügt Eier und Ge­würz hinzu, füllt hiermit die Heringe und bäckt sie ta Palmin goldbraun.

Frauenarbeit und Volksgesundheit

Auf der in Dresden staltgefundenen Jahreshaupt­versammlung der Deutschen Gesellschaft für Gewerbehygiene machte Professor Dr. Thiele, Dresden, beachtenswerte Ausführungen über „Frauen-

rettig.

— Gefüllter Hering. Nach man die Heringe 30 Minuten

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Und leise Trauer schwebt In manche Lebenslust. Und mit der Sehnsucht lebt Ein Leid in deiner Brust.

Franz Cingia.

— Gekochter Hering. Die gesäuberten Fische tauch, und kocht sie in Salz-

praktische winke.

— Wie schützt man sich vor Pilzvergiftung? Ein guter Pilzkenner hat einmal gesagt: Ich will jedes Ge­richt Giftpilze essen, wenn ich es mir selbst zubereiten darf!! Das klingt verwegen und wir möchten, auch wenn die bei der Zubereitung erforderlichen Vorsichts­maßregeln Beachtung finden, nicht raten, die Probe zu machen. Immerhin empfiehlt es sich, um Zwischenfälle zu vermeiden, auch eßbare Pilze unter Benutzung aller Vorsichtsmaßregeln zuzubereiten. Letztere bestehen da­rin, daß die zerschnittenen Pllze mit Essigwasser zu­nächst gewaschen und dann zweimal je Yi Stunde mit einer etwa 5 prozentigen Kochsalzlösung gekocht werden. Eventuell vorhandene Giftstoffe sollen auf diese Weise entfernt werden. Um die Pilze verdaulicher zu ma­chen, setzt man der Salzlösung noch eine Messerspitze voll doppeltkohlensaurem Natron zu. Auch Pilze, die ge­braten oder geschmort werden sollen, sind vorher dieser Behandlung zu unterziehen. Zu beachten ist außerdem, daß die Pilze nicht lange aufbewahrt, sondern schnell zubereitet werden müssen, und daß sie, wenn beim Kochen eine Blau.- oder Schwarzfärbung eintritt, un­genießbar sind.

— Denn der Spiegel trübe ist. Es kommt bei älte­ren Spiegeln häufig vor, daß das Glas ein trübes Aus- schen erhält, das durch Putzen nicht weichen mut Solche unansehnliche Spiegel reinigt man mit stark ver- dünnter Salzsäure, die man mit einem weichen Schwamm auf dos Glas bringt, mit reinem lauwar­men Wasser nachspült und zum Schluß mit einem Leder- lappen nachreibt. Es muß nach dieser Reinigung ein Nachpolieren der Spiegelscheibe mit Englischrot erfolgen Das Glas wird durch dieses Reinigen wieder glänzen! und sauber fein.

AMMEYER

STURMIUSSTR.

Die Stau in der Mche.

— Schellsischscheiben mit seinen Kräutern. Den ge­putzten Fisch trennt man der Länge nach, entgrätet dar Fleisch und schneidet es in beliebig große Scheiben. In einer Brühe aus Suppenwürfeln kocht man allerlei feine gehackte Kräuter, einige Scharlotten und gewiegte Edel­pilze, legt die Fischscheiben hinein und kocht sie schnell gar. Man stellt eine Schüssel heiß, legt die fertigen Fischstücke auf diese und verdickt die Brühe mit etwa- Kartosfelmehl, setzt ihr etwas Pflanzenfett hinzu und zieht mit einem Eigelb aib. Im Augenblick des Anrich­tens verrührt man — ohne, daß man aufkochen läßt — ein Stückchen Butter an di eSoße und gibt einen Schuß Suppenwürze hinein.

ich erzähle. Sie lebt in einem Haufe der Vorstadt zu­sammen mit ihrem Sohne, dem Jüngsten. Den Aelie- sten nahm der Krieg. Seit fünf Jahren arbeitet der Junge als Schlosser auf einem Werk in der Stadt. Jeden Werktag um die Mittagsstunde bringt ihm die Mutter den „Henkelmann". Jeden Tag geht sie den Weg zur fernen Fabrik. Um 12 Uhr, wenn die Fabrik­sirene heult, steht die Mutter am Werktor und wartet auf ihren Sohn. Dann letzt ste sich neben ihn auf die Bank vor der Psörtnerstür, schaut ihm schweigend beim Mahle zu, lächelt und streicht ihm über das glänzende Haar. Nach einer Weile geht sie den Weg zurück Sie weigert sich mit der Straßenbahn zu fahren, das kostet Geld. Sie will sparen für ihren Einzigen, sparen von dem, was er verdient. Sie weigert sich auch, einem Kinde aus der Nachbarschaft den „Henkelmann" anzuvertrauen. Sie hat Angst, ihr Junge müßte einmal warten. Und ste weiß, daß diese halbe Stunde ihr und ihrem Sohne kostbar ist, daß diese halbe Stunde eine Welt von Liebe umfaßt.

Oft sehe ich die Mutter durch die Straßen der Vor­stadt gehen. Aus dem Kopftuch leuchtet ihr bleiches Haar. Immer ist sie allein, ohne Menschen. Aber ihr Gesicht, in das Arbeit und Erdenleid tiefe Falten gru­ben, trägt das Leuchten und die Liebe der Mutter.

„Mütter sind heimliche Königinnen."

nachdenklich stimmten. Dir wirds nicht anders erge- hen, glaube ich:

„Das haben alle wohlüberlegten erzieherischen Maßnahmen an sich: sie erscheinen dem Außen­stehenden, der nur die Oberfläche sieht, häufig unverständlich, ja widersinnig, wie auch die zweck­mäßigen Handgriffe eines Maschinisten an einer kom­plizierten Maschine vom gelegentlichen Zuschauer nicht verstanden werden. Und was ist die komplizierteste Maschine gegen eine Kindesseele? Etwas kümmerlich Einfaches, daß jeder Durchschnittsmensch nach etlichen Unterweisungen begreifen lernt. Welcher Klügste hätte aber schon eine Seele ergründet und. richtig beurteilt?

Mir erscheint das heute alles so selbstverständlich rich­tig, daß ich mich über mich selbst wundern muh. Herr K. hat mir dann noch versichert, daß er die Lehrer mit seinen Ausführungen gewiß nicht „verhimmeln" wolle, ihm liegt nur daran, Mißverständnisse zwischen Eltern und Lehrern zu beseitigen.

Was sagst Du zu alledem? Kommst Du bald mal vorbei? ' Du weißt, ich kann unser Kleinchen nicht allein lassen, sonst wäre ich zu Dir gekommen!

Deine Konstanze.

gerbst.

Es streift ein kühler Wind Durch stille Wälder schon. Und alle Täler sind Erfüllt von dunklem Ton.

Bald steigt die Nebelfrau Aus tiefem Schacht empor.

verhüllt die grüne Au Und schließt das Sonnentor.

Eine Mutter.

Von Grete Gongen« Esten (Ruhr).

Zeugnisse.

Liebe Elfriede!

Ich war neulich mit Dir derselben Meinung, daß die Fehlurteile in den Zeugnissen, die „Unge­rechtigkeit" der Lehrer in der Beurteilung der einzelnen Schüler, nicht so stillschweigend hingenommen werden dürfe, und versprach Dir meine Unterstützung, wenn Du die Sache angängig machen würdest.

Nun hatte ich gestern abend Gelegenheit, unsere An­sichten mit einem pädagogischen Freunde zu besprechen. Was er dazu sagte, war mir so interessant, daß ich es Dir gleich mitteilen mutz. Inhaltlich natürlich nur sagte er etwa folgendes:

„Es ist doch ganz selbstverständlich, daß Fehlurteile vorkommen, denn wir Lehrer sind doch keine Halbgötter, bei denen Irrtümer ausgeschlossen wären! Aber diese Fehlurteile beruhen doch nicht in der Regel auf der Boshaftigkeit der Lehrer! — In jedem Falle, wo man eine falsche Beurteilung vorzufinden meint, sollte man durch mündliche Aussprache mit dem Leh­rer die Sache in die richtigen Wege leiten, nicht bloß schimpfen, vor allen Dingen aber nicht nur den Schüler reiben lassen."

Ich erzählte ihm bann Einzelheiten, wie z B. Dein Junge stets vom Lehrer für dieselbe „Leistung" an­ders und zwar härter beurteilt würde als sein Freund. Dazu sagte Herr K.:

„Gott sei Dank sind wir über die mittelalterliche Ge­rechtigkeit hinaus, die Menschen nach der Schablone ab» urteilte, obwohl jeder Mensch und also auch jedes Kind fein eigenes Maß verlangt. Soll der Lehrer etwa ein gewissenhaftes Kind, das einmal im Jahr zu spät kommt, so bestrafen wie einen gewohnheitsmäßigen Bummler? Aus meiner Praxis: Drei Kinder hatten ihre Hausaufgaben nicht gemacht: das eine, weil es von Natur sehr vergeßlich ist: das andere, weil es die 2Iu.f= gäbe nicht konnte; das dritte, weil es ein Faulpelz ist! Ich habe dem ersten auferlegt, daß es mir jeden mor­gen bei Schulbeginn feine Aufgaben vorzeigt: dem zweiten habe ich die Aufgabe nochmal in einer Pause erklärt; das dritte hat nachbleiben wüsten! Vielleicht hat gerade dieser Faulpelz daheim erzählt, daß noch zwei andere Ausgaben auch nicht hatten, er allein aber be­straft worden sei. Besonders wenn das Kind dadurch die nicht gerade wohlwollende Aufmerksamkeit von sich auf einen andern „Schuldigen" ablenken kann, greift es doch stets nach diesem Mittel. — Sie werden mir zugeben, daß es für mich viel einfacher gewefen wäre, zu sagen: Alle drei nachbleiben! — Sie können aber auch versichert fein, daß die meisten Klassenkameraden diese Art als ungerecht empfunden hätten. Ich habe nämlich den Kindern die Melhcde des eigenen Maßes für jedes Kind erklärt, und war schon oft überrascht, welch feines Gefühl für das Unterschiedliche einzelne an den Tag legten! Da hab ich z B. einen Kerl mit einer schweren Hand, feine Schrift ist wirklich eine „Pfote"; wenn er sich aber mal richtig bemüht, und ich zeige einigen feine Schreibfeite, so können Sie sicher hören: O, der hat sich mal angestrengt!

Wem viel gegeben, von dem wird viel verlangt, eben jebem bas Seine! Diese Art von Gerechtigkeit ist allerdings viel schwerer als die gleichmachende Aburteilung ohne Erforschung der Gründe. — Noch schwerer ist es selbstverständlich, aus allen Ein­zelheiten, die sich während eines Halbjahres täglich in der Schule ergeben, am Schluß eine bestimmte Note herauszuarbeiten. Die paar schriftlichen Arbeiten ma­chen es nicht: man muh da Sie ganze Schüler- perfönlichkeit werten! Dabei ist klar, daß der Lehrer dem begabten, jedoch faulen Schüler die Zensur etwas drücken muß, Sem weniger begabten, ober fleißi­gen und gewissenhaften durch eine milde Beurteilung besondere Anerkennung zuteil werden läßt — gerech­terweise!"

Dann sprach Herr K. noch einige Sätze, die ich mir gleich gestern abend auffdaieb, weil sie mich besonders

„Mütter sind heimliche Königinnen" dieses kommt mir in den Sinn, denke ich an die Frau, von der

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werbeaussicht tätigen Arzt darstellten. Ein« Lücke in den sozialpolitischen Gesetzen wäre, daß es keinen Schutz gegen Uebermübung und Heberen« strengung gäbe. Das erschwere die Tätigkeit der Gewerbeaussicht. Die Arbeit am Webstuhl verlange oft ein Herüberstrecken des Körpers in einer Reichweite von 1,60 Meter. Die Textilarbeiterin, die einen Selfaktor bedient, muß beständig hin. und herlaufen und legt da- bei in einer neunstündigen Arbeitszeit eine Wegeftrecke von 23 Kilometern zurück. Diese Tatsachen werden im allgemeinen viel zu wenig beachtet. Erhebungen haben ergeben, daß Frauen über 40 Jahren für viele Arbei­ten nicht mehr verwendet werden können, weil ihre Kräfte schon verbraucht sind. Die weiten Wege, die zwischen Wohnung und Arbeitsstätte liegen, müßten be­rücksichtigt werden In einem Textilbetrieb in Krim- mitschau mit 4000 Arbeiterinnen, von denen 2000 ver­heiratete Frauen sind, benötigten 29 Prozent täglich eine Stunde von und zur Arbeitsstätte, 13 Prozent feien drei bis vier Stunden täglich unterwegs. Durch die Summierung von Pflichten, die eine Frau zu übernehmen hat, treten Uebermüdungserscheinungen auf, die sich darin äußern, daß die Arbeitskraft der Frau früher abnimmt als die des Mannes, und Saß sie zeitiger verbraucht und verblüht ist,, als die in anderer Tätigkeit stehenden Frauen. Damit sei eine ausreichende Begründung gegeben, für die Frauen aus­reichende Schutzmaßnahmen, insbefondere für die Mutter und schwangere Frau, zu schaffen. Zu fordern sei vor allem, in der Arbeit dafür zu sorgen, daß überall Sitzgelegenheit vorhanden wäre und die Fo- brifräume mit hygienischen Einrichtungen besser aus» gestattet würden. In der Textilindustrie seien schon Untersuchungen über die Lage der Arbeiterinnen ge­macht worden. Diese Untersuchungen müßten auf an­dere Industrien, Metallindustrie, Tabakgewerbe ufw. ausgedehnt werden. Neben der wirtschaftlichen und so­zialen Sage müßte die seelische und körperliche Einstel­lung untersucht werden.

Dr Küster, Leipzig sprach über „Frauen- arbeit und Schwangerschaft". Er erklärte die Einführung eines Schwangerenschutzes vom ärztlichen Standpunkt aus für wünschenswert, glaubt dann aber die Warnung aussprechen zu müssen, daß Arbeitsein­stellung während der Schwangerschaft der Frauen, da sie sich dann allzuoft als Patientin fühlten und über» Haupt keine Beschäftigung ausübten, zu größeren Nach­teilen führen würde

Diese Befürchtungen dürften bei den erwerbstätigen Frauen nicht zutreffen, da die Hausarbeit u.nd die Familienverpflichtungen schon für genügend Betätigung Sorge tragen. Herr Dr. Teleky gab dann wertvollen Aufschluß über eine Erhebung im Rheinland. Von den 2200 Fabrikarbeiterinnen hätten 50 Prozent vier Wo­chen vor der Entbindung die Arbeit eingestellt, 18 Pro­zent aber bis unmittelbar vor der Niederkunft im Be­triebe gearbeitet. Die Ursache liege in den meisten Fällen darin, daß bei erhöhten Ausgaben die Einnah- iren durch den Lohnausfall geringer seien, da nur etwa 50 Prozent des bisherigen Verdienstes an Wochengeld bezahlt werden. Wenn die Wochenunterstützung weiter ausgebaut würde, dann könnten die Frauen längere Zeit zu Haufe bleiben.

Die Ausführungen des Leiters des Instituts für Frauenkunde und der Frauenklinik „Cecilienhaus", Dr. Liepmanns: „Frauenarbeit und Bevöl­kern n g s p o l i t i k" standen damit in engem Zusam­menhang. Keine verheiratete Frau gehöre in die Fa­brik. Alle Frauen müßten in die Lage versetzt wer­den, in der Zeit der Schwangerschaft sich der Arbeits­ruhe hingeben zu können.

„Arbeit und Sport" war -ter Verhandlungsge­genstand des zweiten Tages. Vom Standpunkt des Sportarztes behandelte Dr. Mallwitz, Ministerialrat im Preußischen Wohlfahrtsministerium, dieses Thema. Dr. Klinge von der Hochschule für Leibesübungen gab eine ausgezeichnete Begründung zur pädagogischen Seite des Sportes. Auch für die Arbeitnehmerschaft müßte Sport eine erhöhte Bedeutung bekommen. Vielfach zwingen Arbeitsverrichtungen den berufstätigen Menschen zur ganz bestimmten einseitigen Körperhaltung oder auch zum einseitigen Gebrauch eiirzelner Körperteile. Hier einen Ausgleich zu schaffen, fei, namentlich für den jugendlichen, unausgereiften Organismus und für den

buffrie gehe dahin, die ungünstigste und fchlechtbezahl- tefte Arbeit der Frau zu übergeben. Darin liege die Ursache der sozialen und wirtschaftlichen Not, die wieder die Quelle gesundheitlicher Schäden seien. Nach der Sta­tistik der Berliner Allgemeinen Ortskrankenkasse seien die Er krank u. ngszisfern der erwerbstä­tigen Frauen um 22,5 Prozent größer a l s bie ber IDtänner. Die mittlere Krankheitsdauer liege bet den Frauen fast dreimal so hoch als bei den Männern. Die Zahl der Erkrankungsfälle wäre bei den erwerbstätigen Frauen fünf- bis achtmal so hoch als bei den nichterwerbstätigen. Die Ursachen wären offen­sichtlich, wenn man bedenkt, daß 40 Prozent ber ge­werblich tätigen Frauen verheiratet sind. Durch die starke körperliche und seelisch« Belastung der Frauen mit Hauswirtschaft, Kindererziehung und Gelderwerb trete eine gefährliche Senkung der Geburtenziffer em. Daher fei die gewerbehygienische Frouenfrage nicht eine Sonderfrage der Wohlfahrtspflege, sondern darüber hin- aus eine Schicksalsfrage unseres Volkes

Frau Regierungsgewerberat Dr. Krüger wies an ftanb von Einzelbeispielen auf die besonderen Schwierig, testen der Frauenarbeit im Betriebe hin, wie sie sich dem Gewerbeaufsichtsbeamten und besonders dem in der Ge-

Jugend-Lrinnerungen.

5] Von B. E.

Vergessen will ich nicht, hier auch unseren Herrn Patron, den Königl. schwedischen General Karl von Mansbach, zu erwähnen. Obgleich er keineswegs zu &en sog. Hochkirchlichen gehörte, kümmerte er sich doch treu» lich um seine Kirche. Er hatte für sie ein wertotrtles, von Herrlein in Fulda gemaltes Altarbild gekauft und in passender Umrahmung aufstellen lassen. Seine Frau aber, eine geborene Norwegerin, hatte eine wertvvolte Altardecke aus feinem Linnen zum Gebrauch bei Spen­dung der hl. Sakramente gestiftet Beide besuchten auch fleißig den Gottesdienst. Wie sehr ihnen das „noblejse oblige" zur anderen Natur geworden war, beweist wohl folgendes: An einem Samstag kamen die Exzellenzen erst spät in der Nacht von Wien (wo v. M. Gesandter war) zurück. Es mar das damals, wo es nur verein­zelt Eisenbahnen gab und ein großer Teil der langen Fahrt mit ber Postkutsche zurückzulegen war, eine na« mentfidl für ältere Leute recht anstrengende Reise. Daran, erschienen die Herrschaften am folgenden Mor- ge" Gottesdienste. Als der Herr Pfarrer sie nach Schluß desselben begrüßte und seine freudige Be- wunderung und Anerkennung darüber aussprach, daß sie sich trotz ber gehabten Anstrengung doch in der Kirche etngefunben hatten, sagte der Herr: „Mein lieber Herr

--n meiner Gemeinde als Patron schul- btg Wir wünschen allen Gemeinden so denkende und Patrone. Herr v. M. war aber auch in "Eichen Dingen em guter Patron. Das Jahr 1846 re4&3. Sannenjahr gewesen und hatte einen vorzüglichen Wem gezeitigt, aber die Frucht, besonders

“nb Me Kartoffeln, waren zum S ?m* I *m nlt6raten- Schon im Spätherbst, namentlich bn .« ^Winter 1846-47 entstand vielfach Hungersnot, “ flaauntoI lange dauerte, bis aus entlegenen Ge­

genden Brotfrucht herbeigeschafft war. In unserer Nach» barschaft sind in diesem Winter einzelne Leute verhun­gert. Bei uns wäre die Not auch groß geworden, wenn die Patrone, obgleich selbst nicht reich, nicht geholfen hätten. Sie sorgten z. B. durch allerhand Wald- und Wegearbeiten den Männern für etwas Verdienst. Der Herr General aber gab außerdem noch 10 Taler, wofür Reis, Graupen und Kartoffeln gekauft wurden, andere steuerten noch kleine Beträge und Raturalgaben (z. B Speck) hinzu und cs fanden sich 6 Familien, die je einen Wochentag einen Wafchkeffel voll Suppe kochten, I von der sich die ganz Alten, Kinder und Kranke je einen Teller voll geben lassen konnten. Ich sehe noch heute, ; wie die Mütterchen, oft mit einem Enkelkind, auf der i Treppe saßen und ihren nebst Löffel mitgebrachten Tel­ler mit einem „Vergelt's Gott" dankbar in Empfang "ahmen. War das, was geboten werden konnte, auch *“enig, so genügte es doch, daß bei uns niemand ver­hungerte. Da es namentlich an Brotfrucht fehlte, mir öber (durch die schon erwähnte Lieferung von auswärts) genügend davon hätten, überließ mein Vater etwas von der Frucht an ganz besonders Bedürftige und streckte dafür unser Brotmehl mit Hafermehl. Dieses Brot schmeckte uns zwar gar nicht, aber doch danke ich es noch jcute, daß ich ejne Zeit lang essen mußte. Es hat ,mr 3-JB- geholfen, die Knappheit der Jahre in und nach bem Kriege leichter zu ertragen. Es ist eben nichts fo schlimm, es ist für etwas gut.

3. Kindheit.

on zue)em vorstehend etwas geschilderten Dorfe habe ich im Jahre 1839 das Licht der Welt erblickt. Auf die Nachricht von meinem demnächstigen Erscheinen war die Großmutter schleunigst angereift, quartierte den Vater sofort in die Gaststube und sich in dessen Bett u. konnte am Dienstag, den 11. I„ni, früh 4 Uhr dem Vater zum Stammhalter und sich selbst zum ersten Enkel gratulieren, obgleich ich gerate, als mein eigener Herold, mein Da­

sein durch weniger melodiöse als energische Töne ange­meldet haben soll Ich will hier noch beifügen, daß ich noch 6 Geschwister bekam — 3 Buben u. 3 Mädchen —, ! immer hübsch abwechselnd, so daß es an Leben und Un­terhaltung in unserem Hause nicht fehlte. Wenn es । aber irgend ging, so wurde der Schauplatz unserer Tä­tigkeit außerhalb des Hauses gelegt. Schlagball auf tem freien Platz vor der Kirche war mein liebstes Spiel. Doch habe ich es auch nicht verschmäht, mit den Buben aus dem Dorf herum zu streichen und gelegentlich aller­hand Allotria zu treiben. Wenn mir aber auch gele- gentlich einmal übermütig waren — schlechte, böse Streiche haben wir nie gemacht. Ein Vergnügen be­sonderer Art bot für mich der Herbst, wenn ich an den i Nachmittagen unsere Kühe zur Weide treiben konnte. Es

I sand sich da immer ein Trüppchen Buben zusammen und es wurde eine scharfe Revision der Obstbäume in der Gegend gehalten, wobei um eine einzige Zwetsche oft der Hals riskiert wurde. Selbstverständlich war ein sog. Kartoffelfeuer. Die nötigen Knollen dazu lieferte die Nachlese auf den umliegenden Siedern. Auch die ersten Rauchversuche wurden da gemacht. Ein ausgehöhlter Kraufftrunk diente als Pfeifenkopf, in den ein Stück Holunder als Rohr eingefügt wurde. Der Tabak wurde durch trockenes Laub ersetzt — ein furchtbares Kraut, das aber — wenigstens angeblich — mit Wonne genoffen wurde, obgleich die Übeln Folgen meistens nicht aus­blieben. Der Hohn, den wir da oft ernteten, war eine größere Strafe als etwaige Zurechtweisungen.

Das höchste Vergnügen für uns war aber bas, wenn wir die Reise zu den Großeltern machen konnten. Ge­wöhnlich ging es alle zwei Jahre nach Wiesbaden zu

der Großmutter. Bei einer dieser Reisen habe ich die einzige sog. ernstliche Krankheit meines Lebens durchge­macht, indem ich einen ganzen Tag lang wegen Masern im Bett liegen mußte. Später aber habe ich öfter nicht bloß gerissene Hosen, sondern auch Löcher im Kopf, die ich im Kampf mit Buben davon getragen, nach Hause

gebracht. Auch an den Augen (einmal den ganzen Win­ter hindurch halbblind) habe ich gelitten, oft Zahn» und Kopfweh sowie Diphterttis gehabt — doch bin ich von gefährlichen und schwächenden Leiden immer gnädig be­wahrt gebtieben.

Die Reise nach Wiesbaden machten wir meistens von der Station Buttlar aus mit dem Omnibus, der 4 Mk. pro Person weniger kostete als die Post, dafür mußte atlerbings mitunter auch eine Unbequemlichkeit mit .n den Kauf genommen werten. Der frischen Lust halber waren die Fenster auf einer Seite gewöhnlich offen. Da passierte es nun, daß ein Mann, der an dem Fenster sah, plötzlich fragte: „Regnet es denn, ich bin ja ganz naß im Rücken." Man fah nach und wurde gewahr, daß ein lebendiges Kalb, das auf dem Verdeck des Wagens mit« geführt wurde, den „Jupiter pluvius" gemacht hatte. Wir ließen uns deshalb, wenn irgend möglich, gegen eine Extravergütung das sog. Coupee anweifen, in dem es zwar etwas eng herging, wo mir aber doch allein waren.

Ms ich das erste Mal nach Wiesbaden mitgenom­men wurde, begleitete uns unser Dienstmädchen, u,m mich da zu betreuen. Wenn wir nun zusammen aus­gingen, so erregten wir oft größeres Aufsehen und na­mentlich verschiedene Maler liefen uns nach. Das galt aber nicht etwa mir oder meinem Sammethöschen, son­dern der Lisbeth in ihrer schönen heimatlichen Tracht und der ganzen stattlichen Person, die sie gern abmalen wollten. Es ist schade, daß es nicht dazu gekommen .st — man hätte so vielleicht noch eine Abbildung ter schönen Landestracht, die jetzt leider ganz verschwunden ist. Auch in M. laufen jetzt die Mädchen umher, statt in langen, unten mit breitem bunten Band besetzten Tuchröcken, in kurzen baumwollenen Andeutungen von Röckchen, so daß man fragen möchte: „O alte Mäschenherrllchkeit, wo bist du. hin geschwunden?" Hoffentlich ist mit dem äuße- liehen Staat nicht auch ter innere verloren gegangen

(Fortsetzung folgt.)