JVo 227.
Tonntag, den 30. September 1928.
Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
Druck der Fuldaer Ackiendruckerel, Fulda
1
Rund um die Woche.
Drei Professoren und ein siebenjähriger Junge. —Lehrer un-Mensch.—Junglehrernot. Führer und Einigkeit. — Bischöfe und Friedensidee. — Des Kindes Träne.
Es war in Magdeburg, und zwar in der Abteilung. itc über pädagogische Fragen beriet. Der kleine Saal war überfüllt, und so entstand denn das Bedürfnis nach Erneuerung der Luft. Nun waren die Fenster dort etwas eigenartig, so daß ein wenig praktische Begabung vonnöten war, wollte man sie öffnen. Die Herren, die sich bemühten, sind wohl alle so bedeutend, daß sie einen kleinen Scherz nicht übel nehmen. Bekanntlich schlingt sich ja gern um die Häupter der Großen ein Kranz von Legenden. Also es sprang da ein hoher Geistlicher, Reichstagsabgeordneter und fabelhaft gescheiter Mann hinzu, übrigens auch Professor. Da er sich vergeblich bemühte, kam ein zweiter sehr gelehrter Mann zu seiner Hilfe herbei. Da es beide nicht fertig brachten und der ganz» Saal schon mit verhaltenem Schmunzeln sich den gelehrten Praktikern -piwandte, erbarmte sich aus Mitleid ein dritter Professor, ein angesehenes Mitglied der Bonner pädagogischen Akademie und ein feiner Stilist, so daß sich also schon drei Universitätsprofessoren um die Oeffnung des armseligen Fensters bemühten. Da es auch dieser heiligen Zahl nicht gelang, brach das heimliche Gelächter offen aus, worauf denn die drei zart erröteten und hilflos ihre Manschetten wieder ordneten und die Brillen richteten, eine Situation, deren unaussprechlicher Komik der geistvolle Siegfried Behn, auch einer der Beteiligten, mit dem wunderbaren Wort ein Ende machte: „Wir sollten einen siebenjährigen Jungen rufen, der hätt's im Augenblick geschafft!"
Uebrigens bezeichnet diese Anekdote sehr gut den Kern dessen, was in der pädagogischen Sektion verhandelt wurde. Man ist wieder auf dem Wege zum Menschen. Auch das Wissen, das die Schule vermittelt, soll dem Menschen dienen. Stoff den man zusammenlernt, ohne daß dieser Stoff es in sich hatte, den Menschen wahrhaft zu bilden, ist Ballast. Dergleichen muß man abschütteln, beson- oers auch in den höheren Mädchenschulen, die nach fast elnstlmmigem Urteil ihre Schülerinnen heute übermäßig belasten. Soll der Lehrer aber SDlen« «chen bilden, so ist es notwendig, daß er selber einer sei. Und da war es denn erhebend, wie einige Männer aus der Praxis von den Forderungen erzählten, die sie selber als Lehrer an ihre Kollegen stellten. Einer besonders erzählte, wie er bei aller Autorität doch kameradschaftlich mit seinen Kindern und den Eltern verkehrte, wie er eine Art Hausfreund des ganzen Städtchens mar. Wir haben in dieser Woche wieder allerhand von Skandalen unter der Jugend gehört. Wir sind wieder Zeuge tragischer Fälle gewesen, wie in Wien, wie in Vorarlberg, und wie vieles kommt gar nicht an die Oeffentlichkeit! Wie können wir da helfen, denn auf das Helfen kommt es an, nicht auf das Verurteilen? Nur dadurch, daß Erzieher und Jugend einander menschlich näher kommen Es ist unter diesem Gesichtspunkt jammerschade, daß unsere Schule in Gefahr ist, in ihrem Lehrerpersonal su übevaitern. Wie es in einer Pfarrei gut ist, daß neben dem würdigen Herrn Pfarrer auch der noch jugendlichere Kaplan steht und wie beiden lhre besondere Aufgabe zufällt, so ist es auch in
der Schule von Bedeutung, daß neben den älteren erfahrenen Lehrern auch jüngere sind, die mit der jüngsten Generation, die sie zu erziehen haben, noch in seelischer Verwandtschaft stehen. Unsere protestantischen Mitbürger haben ihr Junglehrer- Problem viel besser gelöst als die Katholiken. Man kann beinahe sagen, es sei die Junglehrernot fast ausschließlich eine katholische Not. Helse hier doch jeder, wer kann, der guten Junglehrer, aber auch unseres Nachwuchses wegen.
Wo ich einmal bet Magdeburg bin, einem Katholikentage, den ich als Markstein in der neuen katholischen Entwicklung betrachte, so möchte ich noch etwas hervorhoben. Wie seit langem nicht, so wurde in Magdeburg Führerschaft sichtbar. Man wird hier nicht gern persönlich, genug, daß dort eine Reihe von Männern hervortrat, die unbedingt das Vertrauen des katholischen Volkes haben. In einer Aussprache, die sich um die ernstesten Fragen bemüht, erkennt man die Führerpersönlichkeit noch am ehesten. Eine schöne Rede kann jeder einmal halten, er kann sie sich sogar machen lassen und ablesen. Nebenbei gesagt, sollte man diese A b - leferei bei Reden grundsätzlich abschaffen. Es verhunzt uns die schönsten Veranstaltungen, wenn da einer steht und stundenlang liest, vielleicht noch mit monotoner Stimme, hier und da stotternd. Ach, wie war ich als Kind froh, wenn selbst bei einem Hirtenbrief in der Kirche der Herr Pfarrer einmal aitstchaute und ein paar persönliche Worte dazwischenwarf! Das aber nur nebenbei.
Sah man die Führer, so trat auch von selbst eine Einigkeit hervor, die von der Idee allein nicht immer zustande gebracht wird. Eine Idee, die wir. fen soll, muß nicht nur groß und richtig sein, sie muß auch mit Herz und Blut, mit einem heiligen Eros von einer Führerpersönlichkeit vertreten werden. Besonders auffallend war diese Einigkeit auf dem Studentenkommers, auf dem sich gemeinsam Korporierte und Inkorporierte zusammenfanden. Wie schön war das! Wie köstlich, der päpstliche Nuntius in der Mitte, daneben der Diözesanbischof und Reichskanzler a. D. Marx. Friedlich neben ihnen der sozialistische Oberpräsident der Provinz Sachsen, der sich mit feinem Takt in die Lage schickte. Sonnenschein hielt die Festrede, und es war so interessant, wie er einige Komplimente machte, die doch mehr waren als das. Er sprach von der feinen, „leoninischen" Art des Nuntius Vacelli. Er bewunderte es. wie unser allverehrter Professor Donders auf dieser Tagung zu der Beredsamkeit eines Lacordaire emporgewachsen sei, wie man bei her Rede des Abgeordneten Joos geglaubt habe. Friedrich Naumann zu hören. Das sagte nun Sonneschein in der ihm eigenen, ganz unvergleichlichen Weise, und man fühlte instinktiv Führerschaft und Einigkeit.
Man muß es immer begrüßen, wenn das ernste Antlitz des Katholizismus, das viele nur Jn_iu>r. Starrheit der Dogmen und in der Unerbittlichkeit ber Grundsätze der Moral sehen, einmal sein menschliches Lächeln zeigt. Wie sympathisch wirkt es dann, und wie freut sich die ganze Menschheit, der Sozialismus mit, wie überhaupt jeder, der
ehrlich auf echtes Wohlwollen antwortet. So habe ich es aus tiefster Seele begrüßt, daß jetzt unsere Bischöfe für die Friedensidee eintraten! Wir müssen die Radikalismen abweisen. Wir sind zu alt und wir haben zuviel Traditionen, um allen Begeisterungen eines Geschlechtes gleich Stimme und Echo zu geben. Um so wichtiger ist es, daß wir mit unserem moralischen Gewicht jene Ideen stützen, die eine bessere Zukunft versprechen, die groß sind und herrlich, auch wenn sie nicht auf unserem Boden gewachsen sind. Und da muß man sich ja einmal entscheiden, ob man dem Schwerte vertrauen will oder der Liebe. Man muß sich entscheiden, was gar nicht besagt, daß es sich handelt um einen Utopismus, der gefährlich ist. lieber die große Grundrichtung muß man sich entscheiden, und da kann unsere Entscheidung nur in der Rich
tung des Friedens gehen. Wir tun das nicht würdelos, indem wir ja den Frieden letztlich gründen auf den Frieden in der Menschenbrust selber, der wieder weiter beruht auf dem Frieden des Menschen mit Gott . . .
Schön und gewaltig ist diese Zeit, mag sie auch Tragödien in ihrem Schoße bergen. Lebe mit ihr, bewahre dir aber dennoch dein einfaches Gemüt. Denn siehe, auch das ist etwas Tiefergreifendes. Vor meinem Fenster steigt eben müde ein kleiner Ballon auf, ein Bändchen hängt daran, und an dem Bändchen eine Kinderträne. Es steht gewiß unten und weint, weil ihm fein Spielzeug davongeflogen. Ich gehe gleich hin und schenke ihm einen neuen Ballon. Warte, Kindchen, ich komme.,
Der Mann im Monde.
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Sechs kleine Enkel des Reichspräsidenten, Söhne Reichspräsidenk v. Hindenbur
und Töchter von Irmengard v. Hindenburg, verh. v. feiert am 2. Oktober seinen 81. Geburtstag. Unser Brockhusen, Oskar v. Hindenburg und Annemarie Bild stellt die neueste Aufnahme des Reichspräsidenten v. Hindenburg verh. v. Pentz. dar.
Das erwachende polen.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Neuaufbau.
Man sagt nichts Neues, wenn man feststellt, baß die Republik Polen heute noch zu den wirtschaftlich schwächeren Ländern Europas gehört, da ihr Volksvermögen verhältnismäßig klein ist und die industrielle Entwicklung des Landes noch -iu, den. Kinderschuhen steckt. Bel etwa 30 Millionen Einwohnern, also der Hälfte des Deutschen Reiches, beträgt der Staatshaushalt etwa 2 Milliarden Mark gegen 6—7 im Deutschen Reiche. Polen steht eben erst im Anfang seiner wirtschaft- lichen Entwicklung. Es hat im Laufe der Jahr
hunderte als Pufferstaat zwischen Ost und West schwere Kämpfe über sich ergehen lassen müssen, hat nach seiner Aufrichtung als selbständiger Staat sofort einen schweren Krieg gegen die Bolschewisten geführt und so erst in den allerletzten Jahren Zeit gefunden, an der inneren Konsolidierung feiner Wirtschaft zu arbeiten.
- Polen ist ein Agrarstaa t, d. h. die Bevölkerung lebt in der Hauptsache von der Landwirt- schast, die aber längst nicht so intensiv betrieben wird wie in Deutschland. Wohl gibt es im Westen Polens Mustergüter wie etwa das des Herrn von Potworowski in Gostyn, 70 Kilomtr. von Posen, dessen Arbeit und soziales Verständnis auch bei uns einen guten Klang hat, dafür ist die Landwirtschaft
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beide ihren größten Feinden rettungslos auszuliefern. -
21.
begann Manuela ihre Gänge die Straßen der Stadt. Welch
z „Wir haben die Mutier für uns!"
„Sind Sie sich dessen sicher?"
„Vollständig sicher! Und Ihnen liegt doch immer noch etwas an der Million, was?"
„Das sollte ich meinen!"
„Sie sind dann also zu einem kühnen Streich bereit?" „Selbstverständlich! Sprechen Sie sich nur deutlicher aus!"
„Das will ich tun. Hören Sie denn: Die Frau hat nur nicht nur erzählt, daß sie Vermögen besitzt, sie hat mir auch gesagt, wo sie es aufbewahrt. Im Schlafzimmer ist ein kleines Schränkchen in die Wand eingemauert.Mei- nen Sie nicht, daß zwei Männer, die mit paßenden Werkzeugen versehen sind, das Ding herausbrechen und davonschleppen könnten?"
„Alle Wetter!" rief Sternau erblassend, „denken Sie etwa daran, mit mir einen Einbruch zu unternehmen?"
„Gewiß denke ich das! Und wir werden es ausführen. Gefahr ist für uns dabei gar nicht, weil wir schon im Afuse sind und es niemand einfallen wird, uns zu verdächtigen! Ueberdies trage ich wie Sie nicht minder Sroßes Verlangen nach den Millionen der Witzlebens, "ls daß ich Lust verspürte, mich bei dem Einbruch ab- wsfen zu lassen!"
"Wie soll es also gemacht worden?"
„Auf die einfachste Art von der Welt!" erklärte Basse- 'Jn tU-nb in großen Zügen entwarf er dem Aufhorchen- feinen Plan, — feinen wahrhaft teuflischen Plan, .r,, ^stimmt war, Mutter und Tochter auch noch völlig mittellos zu machen und..... ~
geradezu auszuliefern, —
Dom nächsten Tage ab nach einer Stellung durch undankbare, zeitraubende, trostlose Aufgabe! Nachfra- gen bei den zahlreichen Vorstehern und Vorsteherinnen von Pnvat-Töchterschulen, Instituten und Pensionaten, — vorsprechen bei den Agenten und Stellenoermittlern, — inserieren in den gelefenften Zeitungen und überall bezahlen! Am Abend war sie endlich müde und abgespannt heimgekehrt und erwartete mit Ungeduld die Ankunft des biederen Bassewitz. Vielleicht hatte — dank
Manuela.
Roman von Gustav Rehseld
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Er verneigte sich verbindlich und war im $ear ff gehen, als er sich noch einmal besann und umtehrt 3U
„Fast hätte ich es vergessen, — da fällt mir nod/recht zeitig ein," sagte er, seine Geldmappe aus der x Ziehend, — „Vierzig Stunden zu zehn Mark macht : oi«* hundert Mark, So, verehrte Frau, der Betrag für Jh Mühe, die Sie mit meinem Jungen hatten! Auf sjßdC versehen morgen! Und viel Glück!"
Damit ging er. —
Manuela aber flüsterte unter Tränen: „Wie gut er kst! Er glaubt, ich könne des Geldes bedürfen und benutzt dies als Vorwand! Er ist wirklich ein Ehrenmann!"
Der „Ehrenmann" stieg indessen langsam die Treppe hinauf und betrat das Zimmer, in welchem fein Pseudo- Neffe ihn erwartete.
„Nun? Gab viele Tränen, was?" lachte dieser.
„Ja, und vertrauliche Mitteilungen!"
„Etwas Neues?"
„3„a' Neues und mir nicht Angenehmes! Die hat ja Geld!"
„Oho! Viel kann das aber doch nicht fein!!"
„Bitte! Fünfundzwanzigtaufend Mark!"
„Was? Funfundzwanzigtaufend Mark? In bar?" „3n sicheren Papieren, was auf dasselbe hinausläuft!" anniitz'"" mar blC D°"unziation bei der Vorsteherin ja
„Hm!"
Baffewitz begann auf- und abzugehen, und mit ge- fun ^ter Stirn vor sich hinzustarren, so daß Sternau endlich fragte:
„Ueber was grübeln Sie denn nach'"
fibia w einer energischen Tat
bend Sic °Dr Sternau stehen blei-
5 die- Wir nähern uns dem Ziele, d-- ffonfenlius, -Aber das Mädchen felbfU*
seiner Beziehungen — dieser brave Mann schneller als sie gesunden, was sie bisher vergebens suchte!
Leider nein! Zwar hatte auch er zahlreiche Gänge gemacht, die er indessen, wenn nicht als fruchtlos, so doch „als eines definitiven Resultats entbehrend" bezeichnete. Er hatte viel Hoffnung, viel Hoffnung, viel Zuversicht, doch das war alles. Zum Schluß sagten sie sich: „Morgen suchen wir weiter!"
Und morgen dasselbe Bild, dasselbe Ergebnis. Und ebenso übermorgen.
Doch nein! Am Abend brachte der Briefträger ein Schreiben .welches auf dem Kuvert die Firma einer der Agenturen zeigte, an die Manuela sich gewandt hatte. Der Inhalt war folgender:
„Die Vorsteherin einer Privat-Töchterschule zu Potsdam, Mühlenstraße 4, Frau Johanna Tietz, hat durch uns Kenntnis von Ihrem Verlassen des Baum- bach'schen Instituts, an dem sie 17 Jahre gearbeitet haben, erhalten. Sie wünscht mit Ihnen und Ihrem Fräulein Tochter persönlich zu verhandeln und setzt als passende Zeit morgen, den 10. ds„ vormittags 10 Uhr fest. Zu einer andern Stunde würde es ihr dagegen unmöglich sein. Sie zu empfangen."
Die Unterschrift war unlesbar. —
Um acht Uhr des nächsten Morgens verließen Manuela und Carmen ihre Wohnung, um sich nach dem Potsdamer Bahnhof zu begeben, während Auguste sich daran machte, sämtliche Räume der Damen einer gründlichen Säuberung zu unterziehen.
Kaum eine halbe Stunde mochte verstrichen fein, als die Korridorglocke ertönte. Brummend ging Auguste hin, um zu öffnen. Draußen stand ein Dienstmann, der sie ohne weiteres anredete: „Sind Sie vielleicht Fräulein Auguste Zander?"
„Ja, die bin ich!" antwortete das Mädchen erstaunt.
„Sie mochten doch sogleich nach dem Schlesischen Bahnhof kommen, da ist ein Landsmann von Ihnen, der Ihnen ein Paket von zuhause übergeben und wichtige nge mitteifen will! Sie sollen aber sofort kommen. Um zehn Uhr fährt er weiter!"
„Wie heißt er denn?" forschte August»
„Das will er nicht sagen, — es soll eine lieber- raschung für Sie sein!" lautete die Antwort.
„Er konnte doch ober lieber selbst Herkommen!"
„Er hat soviel Gepäck, das wollte er nicht im Stich lassen! Sie kommen doch, Fräulein?"
„Ich muß wohl! Also nach dem Schlesischen Bahnhof?"
„Ja, beeilen Sie sich nur!" sagte der Dienstmann und ging.
Ob sie sich beeilte! Ein Paket von daheim, ein Landsmann, der ihr wichtige Dinge mitzuteilen hatte, — da durfte sie nicht fehlen! Im Nu war sie angekleidet und eilte, nachdem sie die Wohnung verschlossen hatte, die Treppe hinab.
„Wo wollen Sie denn so schnell hin, Auguste?" erkundigte sich Frau Fischer, die im Hausflur stand.
Auguste berichtete eilig und verließ das Haus.
Fast wäre sie den alten Baron von Bassewitz ange- laufen, der soeben eintrat und ihr, nachdem er schleunigst zurückgewichen war, mit drolliger Miene nachsah.
„War das nicht die Auguste von der Frau de Rivas, oben?" sagte er, als er Frau Fischer gewahrte. „Wo läuft denn die so schnell hin?"
„Nach dem Schlesischen Bahnhof, — sie wird dort von jemand erwartet! Hat sie Ihnen auch nicht wehe getan, Herr Baron? Die ungeschickte Person! Sie muß Sie ziemlich heftig angerempelt haben!"
„O nein, es war nicht so schlimm!" sagte der alte Herr, den greifen Kopf schüttelnd. „Ich habe es kaum gespürt! Aber da ich Sie gerade treffe, würden Sie mir wohl einen Gefallen tun, liebe Frau Fischer? Ich habe gestern nachmittag in Lötzows Brauerei, Sie wissen doch, in der Prenzlauer Allee, meinen Stock mit silberner Krücke stehen lassen, — ein altes Andenken, das ich ungern verlieren möchte. Würden Sie die Freundlichkeit besitzen, — das heißt, wenn es Ihre Zeit erlaubt, — und ihn mir holen! Hier sind zehn Mark für die Auslagen, der Rest ist für Sie!"
„Gern, gern, Herr Baron, natürlich, ich hole der Stock, ich kaffe alles stehen und liegen! In einer Stutws» bin ich wieder hier. Sie warten oben?"
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