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dolny, könne man nach Auskünften an zuständiger Stelle zum Nachfolger des Grafen Brockdorff- Rantzau in Moskau als sicher ansehen.

* Stürmische parlamenksverhandlungen in präg. In einer bis in die späten Nachfftunden an­dauernden Sitzung des Abgeordnetenhauses in Prag wurde die Novelle zur Sozialversiche­rung in erster und zweiter Lesung angenommen. Die Opposition hatte etwa 600 Abänderungsan­träge eingebracht, die sämtlich abgelehnt wurden. Die Abstimmung vollzog sich unter großem Lärm, Pfeifen und Pultdeckelgeklapper.

* Die Landskingwahlen in Dänemark. Aus Kopenhagen wird gemeldet: Die am 14. ds. Mts. gewählten Wahlmänner, die die Neubesetzung der Hälfte der Landstingmandate in Höhe von 28 be­stimmen sollen, nahmen die Wahl der Abgeordne­

ten vor. Die Stärkeverhältnisse der Parteien im Landting bleiben unverändert, abgesehen davon, daß die gemäßigte Linke einen Sitz an die Sozial­demokraten abgeben mußte. Zur Besetzung eines Mandates sind 57 Stimmen erforderlich. Da die Schleswigsche Partei nur 27 Wahlmänner erreicht hat, befindet sich also auch nach den Ergänzungs­wahlen int Landtag kein deutscher Abgeord­neter.

* Maßregeln gegen Gewerkschaften in Lettland. Aus Riga wird gemeldet: Durch Urteil des Appel­lationsgerichtes sind das Zentralbüro der lettischen Gewerkschaften sowie sechs dem Gewerkschaftsver­band angeschlossene Gewerkschaften verboten wor­den, da es sich um kommunistischeOrgani- a t i o n e n handele, die am 22. August den Ber­ück) gemacht haben, einen Generalstreik herbeizu- ühren.

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Oesterreich in Erwartung des 7. Oktober.

wtb. Wien, 22. Sept. feig. Funkm.). Die Wiener Arbeiterzeitung bringt an lei­tender Stelle unter der Ueberschrift:Am 7. Okto­ber nach Wiener Neustadt!" Mitteilungen, in de­nen sie die Bemühungen der Partei darlegt, die Aufmärsche der eigenen Selbstschutzverbände nicht nur den 7. Oktober, sondern auch für ein ganzes Jahr im ganzen Bundesgebiet Oester- re i ch zu verbieten. Die Zeitung teilt mit, daß dieses und andere Angebote der Partei von der Regierung abgelehnt worden seien und daß des­halb nunmehr die Arbeiter als Gegendemon- st r a t i o n gegen den Heimatschutzbund am 7. Ok­tober in Wiener Neustadt einen Arbeitertag ver­anstalten, wie Oesterreich noch keinen gesehen haben solle. Die sozialdemokratische Partei wünsche keine gewaltsamen Zusammenstöße und teile mit, daß alle Vorkehrungen getroffen würden, damit die proletarische Disziplin eingehalten werde. Die Parole laute:Am 1. Oktober alle Arbeiter auf zum Wiener Wald nach Wiener Neustadt! Denkt an Italien! Wir werden es nicht so weit kommen lassen. Wir werden den Faschismus in Oester­reich nicht groß werden lassen."

Weiter teilt das Blatt mit, daß die Zentrallei­tung des republikanischen Schutzbundes bei den Bundesbahnen 17 Sonderzüge für den Transport des Schutzbundes bestellt habe und daß Derhand- lungen wegen eines weiteren Transportes von 50 000 bis 60 000 Arbeitern im Gange seien. Ins­gesamt wird van den Blättern die Teilnehmerzahl an der Arbeiterkundgebung auf 200 000 geschätzt. Wie die Blätter berichten, wurde ein k o m m u ni­st i s ch e s Flugblatt beschlagnahmt, welches die Ei­senbahner ausfordert, keine Heimwehrleute zu be­fördern. 2fm Dienstag finden weitere Verhand­lungen des niederösterreichifchen Landeshaupt­manns statt, um die Ruhe und Ordnung während der beiden Kundgebungen am 7. Oktober sicher zu stellen.

Die Knschlutzfrage.

Der Pariser Korrespondent des englischen libe­ralenManchester Guardian" schreibt nt einem Leitartikel des PariserTemps" über die Erklä­rungen Seipels imJournal de Geneve" zur An­schlußfrage, der Artikel würde keine Aufmerksam­

keit erregen, wenn er nicht eine direkte Dro­hung in seinem Schlußsatz enthalten würde. Dies sei sehr ernst, da diese Drohung von einem Blatt komme, das in seinem außenpolitischen Leitartikel halboffiziell für das Quai d'Orsay spreche. Der erwähnte Satz enthalte die Worte: . . ."Da ein so gut unterrichteter Mann (Seipel) nicht in Un­kenntnis der Tatsache sein kann, daß unter jeden Umständen eine Vereinigung Oesterreichs mit Deutschland den K r i e g für alle die Mächte bedeu­ten würde, die daran interessiert sind, den status quo in Zentraleuropa aufrechtzuerhalten . . ."

DerManchester Guardian" schreibt dazu: Wört­lich genommen scheine diese Drohung zu bedeuten, daß, wenn Deutschland und Oesterreich die Frage aufwerfen würden, indem sie um die Einwilligung des Völkerbundsrates zu ihrer Vereinigung ersuch­ten, wozu sie durch Art. 80 des Versailler Ver­trages durchaus das Recht haben, Frankreich und seine Alliierten sie sofort angreifen würden. In jedem Falle erkläre derTemps" deutlich, daß Frankreich und seine Alliierten die Angelegenheit- in ibre eigenen Hände nehmen mußten, ohne Rücksicht auf den Völkerbund oder den Kelloggpakt. Dies sei, soweit erinnerlich, das erste Mal seit 1919, daß eine offene Kriegsdrohung von ei­nem europäischen Blatt in irgendeinem euroväi- schen Lande erhoben werde. DerManchester Guardian" schließt: Es ist dies noch ein weiteres Beispiel für die beklagenswerte Wirkung der Er­neuerung der Entente auf die Stimmung und Po­litik in Frankreich.

Hugo Stinnes frewelossen.

Gegen eine fiaufion von einer Million Mark.

Nachdem die Kaution in Höhe von einer Million Mark zur Abwendung der weiteren Untersuchungs­haft beim Gericht eingegangen ist, ist Hugo Stin­nes nach dreiwöchiger Haft wieder auf freien Fuß gefetzt worden. Ein Teil der Kaution wurde in bar entrichtet, während für den Rest die Mutter von Hugo Stinnes die Bürgschaft übernommen hat. Es scheint demnach, daß der ganze verwickelte Komplex, der Hugo Stinnes zur Last gelegt wird Vetrugsmanöver mit Kriegsanleihe, so weit geklärt ist, daß eine Verdunklungsgefahr nicht mehr vorliegt.

Karl Bachem zum 70. Geburtstag.

Wenn am 22. September in seltener körper­licher und geistiger Frische zu Köln der Geheim­rat 3r. Karl Bachem seinen 70. Geburtstag be- geft, so hat das ganze katholische Volk Deutschlands ein, volles Anrecht, dieses Tages zu gedenken. Ist doch Karl Bachem noch einer von deralten Gardr" einer der eifrigsten Verfechter feiner religiösen und kulturellen Ideen und Ideale in der Vorkriegszeit gewesen und jetzt der Historiker seiner parlamentarischen Vertretung, des Zentrums. Er entstammt der durch großzügige Unternehmungen auf dem Gebiete des Zeitungs- und Buchwesens bekannten Kölner Verlegerfamilie, der vor allem die Gründung der ersten katholischen Tageszeitung in Köln zu verdanken war, die Kirche und Vater­land auf ihr Programm schrieb und die unter dem Namen Kölnische Blätter die Vorläuferin der Köl­nischen Volkszeitung wurde. Wieviel wertvolles Lesegut für die Jugend und die christliche Familie drtrch die langen Reihen der Bachembücher wei­testen Kreisen vermittelt wurde, ist hinlänglich be­kannt. Und die Kenntnis vom zielbewußten Aufbau dieses Verlages verdanken wir Karl Bachern durch fein zweibändiges WerkJoseph Bachem, seine Familie und die Firma I. P. Bachem in Köln", womit zugleich ein wertvoller Beitrag zur Ge­schichte der Katholischen Presse gegeben wurde.

Doch zunächst etwas von Karl Bachems eigenem Leben: Nack dem Besuch des Nealaymnasiums in der Kreuzgasse zu Köln wandte er sich dem juristi­schen Studium zu. indem er die für dieses damals noch notwendige Kenntnis der alten Sprachen sich nachträglich anemnete. Freundschaft und Frohsinn pflegte er im akademischen Leben im Verband der Katholischen Studentenvereine Deutschlands (K.V.), der ihn mit Stolz -u seinen verdientesten Mitglie­dern zählen darf. Seine späteren Mitkämpfer Karl Trimborn, Adolf Gröber u. a. waren schon hier seine Freunde. Bonn, Straßburg und Berlin waren die Universitäten, denen Karl Bachem fein Wissen verdankt. Bor allem war die 1872 neuge- arundete Universität des Reichslandes von beson­derem Einfluß auf seine geistige Entwicklung, wo Männer wie Rudoff Sohrn und Paul Laband auf den Gebieten des Kirchenrechts und Staatsrechts

dem späteren Politiker und Parlamentarier die geistigen Grundlagen vermittelten. Schon früh er­wachten in ihm die publizistischen Neigungen in dem strebsamen Rechtsstudenten, und es lag nahe, daß er sie in der Kölnischen Volkszeitung recht aus­giebig verwertete. Und als ob ihm die große Auf­gabe seines. Lebensabends schon damals vorge­schwebt hätte, sammelte er von Anfang an alle ihm auf politischem und kirchenpolitischem Gebiete wich­tig erscheinenden Zeitungsartikel und sonstigen Unterlagen. Nachdem er sein Studium mit der großen juristischen Staatsprüfung beendet hatte, ließ er sich als Rechtsanwalt am Oberlandesgericht in Köln nieder, wo er mit großem Erfolge tätig war. Doch bereits 1889 wurde er in einer Ersatz­wahl für den um Politik und Kunst gleich ver­dienten Parlamentarier August Reichensperger Im Wahlkreis Krefeld in den Deutschen Reichstag ge­wählt, das Vertrauen der Wähler berief ihn später auch in den preußischen Landtag. Für die parla­mentarische Tätigkeit hatte Karl Bachem sich außer seinen politischen Arbeiten vor allem auch gut vor­bereitet und als befähigt erwiesen durch seine rege Betätigung als Redner in zahlreichen katholischen Vereinen, in den Kasinos und Lesevereinen, den Eesellenvereinen usw Um sich ganz den wichtigen Aufgaben eines Volksvertreters widmen zu können, verzichtete er auf die weitere Ausübung der An- waltspraxis und betätigte sich 18 Jahre lang im Reichstage mit der Fülle vielseitiger Kenntnisse und in nie ermüdender Schaffenskraft als Mitglied der Zentrumsvartei, zunächst noch Sck;üler und Mit­arbeiter Windthorsts, dann neben Dr. Groeber und Dr. Spahn. Besonders trat er hervor im Jahre 1893 in der parlamentarischen Verfechtung einer gesunden Sozialpolitik. Auch an dem Zustande­kommen des BÜMerlichen Gesetzbuches, zu dem er zwei wichtige Referate erstattete, an der Flotten- norlage, an der preußischen Kirchen- und Schulge­setzgebung, an den Gewerbegerichten war er maß. gebend beteiligt.

Die Erfolge Karl Backems als Parlamentarier, Redner und Schriftsteller auf kirchenpolitischem Ge­biet lassen es verständlich erscheinen, daß er auch von dem eigentlichen großen Parlament der deut'

Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatt.

irr. 221.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter" Rotationsdruck und Berlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Ne. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Sonntag, 23. September 1928.

Nordamerika nWilligt Frankreich unk knglank? vor einer amerikanischen Note zum Flottenabkommen.

'Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel- lotai 0,15 XX, auswärts 0,20 XX. Reklamezeile: lokal 0,60 XX auswärts 0,80 XX. Bei Wiederholungen Rabatt.

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051.

Zahrg-55.

Haoas meldet aus New Port: Der Washing­toner Korrespondent des New Bork American will aus maßgebender Quelle erfahren haben, daß so­fort nach Wckkehr Coolidges eine Note, die ener­gisch und kategorisch dasgeheime englisch-franzö­sische Flottenabkommen" mißbillige, der englischen und französischen Regierung übersandt werden würde. Diese Note würde besagen, daß 1. die Ver­einigten Staaten die Ausführung des Baupro- gramms von 23 100 000 Tonnen Kreuzern fort« setzen würden, 2. die Vorbereitende Abrüstungs­konferenz, deren Zusammentritt in Genf für den Herbst vorgesehen sei, abgesagt werden müßte, 3. daß keine Aenderung in der Schiffstonnage ein« treten würde, bis zum Zusammentritt der Mächte in Washington im Jahre 1931, 4. die französische und die englische Regierung ihre Zustimmung zu der amerikanischen Forderung geben müßten, daß die Kreuzertonnage nicht 300 000 Tonnen über­steige, wodurch den Mächten ermöglicht würde Schiffe sämtlicher Tonnagen big zur Grenze von 10 000 Tonnen, wie sie der Washingtoner Vertrag festsetze, zu bauen.

Die Note werde zu Beginn der kommenden Woche veröffentlicht werden.

Das französisch., Außenministerium hat zu die­ser Meldung noch leine Stellung genommen.

Danzig.

^en^italienischen'V* in firner Sitzung ?mt Snfaer hP(o^ten Conte Gravina E8L< Dolkerbundskommissars in

buntetommill« tote <8rai, L «m 22.

?nmmmad) e" ÄA bas ,2(mt des Dölkerbunds- kommiffars in Danzig antreten

'n Danzig stand der Gesetzentwurf

Mr dre Verfassungsänderung zur dritten Lesung.

Unter Bezugnahme auf ein in der amerikani­schen Presse veröffentichte Rundschreiben des fran­zösischen Außenministeriums, welches den franzö­sischen Botschafter über den Inhalt des britisch- französischen Marineabkommens informiert, teilt der amtliche englische Funkdienst mit:

Es ist notwendig darauf hinzuweifen, daß die Veröffentlichung des Kompromisses hinausgeschoben worden ist, bis die anderen führenden Seemächte, denen es unterbreitet wurde, sich darüber geändert haben werden, ob das Kompromiß als Basis für die Beratung des Vorbereitenden Abrüstungsaus- i'chufseg in Betracht kommt. Gegenüber den Ge­rüchten, die von verschiedenen Seiten immer wieder rorgebracht werden, ist festzustetten, daß der v o l le Text des Kampromisses und nicht lediglich ein Teil den Regierungen der Vereinigten Staaten, Japans wb Italiens mitgeteilt worden ist. Die japanische und die italienische Regierung haben Paris und London davon in Kenntnis gesetzt, daß sie geneigt U' dir Vorschläge als geeignete Grundlage für Besprechungen zu betrachten. Die Antwort von Waihmgton ist im Verlauf des üblichen diplomati­schen Verfahrens verzögert worden. Unglück- licherweffe hat diese Verzögerung in diesem Falle eine beiipiellvse Menge von Gerücksten veranlaßt, tnlQn9 und Ziel des Kompromisses SS 5tLMeIItn" Tatsache ist, daß der ^o^chriU bei den Verhandlungen des Dorberei- uriNLcmsschusses lange Zeit dadurch aufgebalt-n wurde, daß keine Einigung b-ss-n In "iielt werden konnte, mit

~ £r5;L..?L? £c9?. berechnet werden sollte.

Delegierten waren

ung. Großbritannien desiirwarte^e ^in^aroben^lm

rissen ausgedrückt, die Ä ' einheiten, während Frankreich Me^ir^run« einer Gesamttonnage eintrat bie fe nähern (Fr9 meffen der einzelnen Mächte au; b|e -^te^nhei.

Luther weicht.

Mit dem Schluß des laufenden

ften nach satzungsgemäß vorgenommener Auslomna aus dem Verwa11ungsrat d J 1$ ^'ch^bahngesellschaft aus chci bergen der Reichsregierung ernannten Mitglied- sor Dr. Blum. Ministerpräsident a. Ä&T mann Buck, Generaldirektor Dr. Ött, Unh hJr von dem Treuhänder für die Reparativn§schi,m^ schreibungen ernannten Mitglieder: Brigadier ffiSe ral Mance, Generaldirektor Margot, Geb

Habicht. Vor der Auslosung hat R e i ck's f .1 ler a. D. Dr. Luther, der erst vor zwei ren ernannt und an der Auslosung nicht befeind war, erklärt, daß er zu Ende des Jahres sein Mandat als Mitglied des Derwaltunas- niederlegen werde. Im Interesse der Kontinuität der Arbeit des Verwaltungsrats wolle ct die Rcichsregierung, sofern sie die Wiederer-. Nennung der ausscheidenden Mitglieder wünscht der Notwendigkeit entheben, eines der auszulofen- den, schon seit Gründung der Reichsbahngesellschast tätigen Mitglieder durch eine von der preußischen Regierung benannte Persönlichkeit zu ersetzen.

r d-r Konflikt zwischen derReichs-

^^ugcmchchast und Preußen, dessen Anspruch auf der Es Mandats im Derwaltungsrat

Hof? S & g^rzeit auch vom Stcmtsgerichts- SeL?LKT Reich anerkannt wurde, seine

ten verteilt werden sollte. Aufgrund von privaten Besprechungen zwischen Großbritannien und Frankreich wurde das Kompromiß erzielt, dessen Zweck es war, eine Erfolg versprechende Wieder- aufnahme der Verhandlungen im Vorbereitenden Abrüstungsausschuß zu ermöglichen unter der Vor­aussetzung, daß die übrigen Seemächte das Kom­promiß als annehmbar betrachteten. Wie von Lord Cufhendun und andern Ministern ausdrücklich festgestellt worden ist, würden die englisch-franzö- fischen Vorschläge cmtomatisch bedeutungslos wer­den, falls die übrigen Mächte ihnen nicht zustim- men sollten. In diesem Falle müßte der Vorberei- tenbe Abrüstungsausschuß die Suche nach einer an­deren Formel wieder aufnehmen. Offizielle Kreise können sich natürlich nicht über die Authentität eines Dokuments äußern, das einer anderen Macht gehört, jedoch sind die in der amerikanischen Presse veröffentlichten Bestimmnugen des Textes zutref­fend, ausgenommen der Hinweis auf die Tonnage. Hochseetauchboote und Unterseeboote werden als Hochseefahrzeuge betrachtet, wenn sie eine Größe vvn mehr als 600 Tonnen und nicht, wie es in dem amerikanischen Bericht heißt, von mehr als 6000 Tonnen haben.

*

Der diplomatische Korrespondent des Daily Tele­graph meldet, in diplomatischen Kreisen Londons seien Gerüchte im Umlauf, daß die langwierigen Verhandlungen zwischen Fr ankreich und It a. lien über die Regelung ihrer schwebenden kolo­nialen und anderen Streitfragen in der letzten Zeit beschleunigt worden seien. Es werde sogar angebeutet, baß das Flottenabkommen zwi­schen England und Frankreich sowie die kürzliche Annäherung der beiden Länder dieser Entwicklung nicht ganz fernstehen. London habe angebeutet, baß eine Regelung sehr geboten sei, damit die ge­genseitigen Beziehungen der drei Entente-Mächte auf eine für alle befriedigende Grundlage gestellt würden. Der Korrespondent gibt obige Meldung mit allem Vorbehalte wieder.

Polen und tzriand.

wtb. Paris, 22. Sept., (§sg. Fiyrstn,)Dolontü" beschäftigt sich mit dem Zweck der Reise des pol­nischen Außenministers Zaleskis. Das Blatt schreibt: Die polnische Presse veröffentlicht seit einigen Tagen für Briand unangenehme Kommm- tare, der beschuldigt wird, zu den Verhandlungen über die Rheinlandräumung nicht einen Vertreter Warschaus hinzugezogen zu haben, sie kündigt an, Zaleski sei nach Paris gekommen, um eine Rolle in der großen endlich eingeleiteten Verhandlung zu fordern.Volonte" schreibt hier­zu: Die mit Frankreich befreunbeten Polen müs­sen aufhören, sich über die Art der Politik, die Frankreich betreibt, eine falsche Vorstellung zu machen. Ihre Tendenz geht dahin, anzunehmen, daß Frankreich nichts o h n e f i e m Osteuropa tun tonne, weil sie Wert darauf legen, ein Frankreich

Hindernis zwischen ein gefürchtetes Deutschland und ein Rußland zu legen, das von gewisser Seite als Frankreich feindlich hingestellt

Da? sst vielleicht die Auffassung des Frank- reichs Millerands, aber nicht die des Frank- reichs Briands. Die deutsch-ftanzösische An­näherung ist uns wenigstens ebensoviel wert wie die französisch-polnische Freundschaft.

Nachdem die Kommunisten erflärt hatten, daß sie auf ihrem ablehnenden Standpunkt beharren und sich der Stimme enthalten würden, konnten die Regierungsparteien nicht mehr die notwendige Zweidrittelmehrheit aufbringen. Mit insgesamt 73 Stimmen wurde her Gesetzentwurf abgelehnt. Nach den vorliegenden Parteierklärungen kommt nunmehr nur noch ein Volksentscheid über die Verfassungsreform in Frage.

Besuch aus Chile.

wtb. Kiel, 22. Sept. (Sig. Funkm.). Heute vor­mittag 9 Uhr lies das chilenische SchulschiffE ene« ral Daquedano" von seinem Besuch der schwe­dischen und dänischen Haupfftadt zurückkehrend, zu mehrtägigem Aufenthalt im Kieler Hafen ein. Beim Passieren von Friedrichsort gab das Schiff Landessalut, der von der Salutbatterie Friedrichs­ort erwidert wurde. Das Schiff hat eine Besatzung von 247 Mann und steht unter dem Kommando des Fregatten-Kapitüns Julio Allard.

Die letzten Nordchinesen.

Reuter meldet aus Schanghai: Die Reste der Nordtruppen haben sich bei Anschan an der mand­schurischen Grenze dem mandschurischen Befehls­haber Pcmgyuting e r g e b e n, der sich, wie es heißt, persönlich für die Sicherheit der geschlagenen Gene­rale Tschangtsungtschang und Tschuyupu verbürgt hat. Die Tatsache, daß Yangtuting mit den Nan- rmg-Truppen zusammengearbeitet hat, um die letz- sen nordchinesischen Streitkräfte aus der Welt zu 'Lauen, zeigt, wie stark der Eindruck der von der Nanking-Regierung vertretene Idee auch in der Mandschurei ist. Mit der Kapitulation dieser letzten nordchinefischen Streitkräfte hat der in Kan­ton mi Jahre 1926 begonnene Bürgerkrieg sein Ende gefunden.

* Rodolny Nachfolger Brockdorff - Rantzaus? TasJournal" aus Berlin meldet, die Ernen, nung des jetzigen Botschafters in Angora, Na-

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