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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 211.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck imo Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Mittwoch, 12. September 1928.

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5S.Zahrg,

Srianü antwortet heftig aus Müllers Zielte.

Erregte Stimmung in Gens und in der internationalen Politik. — Die Konferenz über die Rhemlandrauinung beginnt

Am Montag vormittag hat der französische Au­ßenminister Briand das Wort in der Genfer Ge­neraldebatte ergriffen und unter großer Sensation eine Rede gehalten, die als Antwort auf die be­merkenswerten Aeußerungen zu betrachten ist, die der deutsche Reichskanzler Müller vor einigen Ta­gen gehalten hat. Oratorisch war Briands Rede wie immer ein großer Genuß. In der Sache war sie jedoch höchst gefährlich und, wie ein Sozialist meinte, die reaktionärste Rede, die Brtand wohl je gehalten habe. Er bemerkte einleitend, daß er den Standpunkt der französischen Delegation xu zwei Punkten darlegen wolle, und zwar zur Abrüstung«- und zur Minderheiten, frage. Zunächst sang er orte üblich einen Hym­nus auf den Völkerbund, in den er ein unerschüt­terliches Vertrauen setze. Ohne den Völkerbund würde es kein Locarno, keinen Kellogg-Pakt ge­geben haben und ohne den Völkerbund würden der deutscheRetchskanzler und der französische Außen- Minister nicht in demselben Saale sitzen. Was die Abrüstung anbelange, so meinte er gleich, daß man genauer von einer Begrenzung der Rüstungen fpre. chen müsse. Driand leugnete entschieden, daß seit dem Kriege die Rüstungen gegenüber dem Dor- krtegsstand zugenommen hätten.

Als ein wesentliches Hindernis für die Behand­lung der Abrüstungsfrage ftettte er Sowjet-Rußland hin. Die dort herrschende Mentalität müsse berück- stchtigt werden. Wiederholt wandte sich Briand an den Reichskanzler Müller und nahm Bezug auf einige Stellen seiner Rede. Er gab zwar zu, daß Deutschland entwaffnet fei, aber mit dem Hinzu- fügen, daß dies noch nicht fo sehr lange her sei. Roch vor zwei Jahren habe man sich einer ganz an. deren Lage gegenüber gesehen. Dabei spielte Briand auf die angeblichen illegalen Rüstun» gen an. Alsdann schilderte er die Vorzüge der Reichswehr und die ungeheure Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie, die doch im Notfälle sehr schnell auf den Krieg umgestellt werden tonne. Briand wollte mit diesen Hinweisen begründen, warum Deutschland angesichts feiner Entwaffnung nicht besonders um seine Sicherheit besorgt zu sein brauche. Briand beantwortete nicht die Frage, war- um Frankreich, trotzdem Deutschland voll abgerüstet ist, nicht abrüste. Er beschränkte sich darauf, von gewißen peinlichen Realitäten zu sprechen.

Im weiteren Verlauf seiner Rede kam Briand aus den englisch-französisch en Kompro- m i ß zu sprechen. Dieses Abkommen der vorberei­tenden Abrüstungskommission zu erleichtern. Des­halb hätten die beiden Länder sich gegenseitig Kon. zessionen gemacht. Man wolle die Lösung niemand auszwingen. Ium Schluß versicherte Briand, daß auch Frankreich die Begrenzung der Rü­stungen und die Erfüllung des Artikels 8 des Völkerbundspaktes wolle. Jetzt sei die sicherheits- politksche Lage so, daß man nunmehr mit guter Aussicht auf Erfolg an die Abrüstungsverhand- kungen Herangehen könne.

Bei der Besprechung der Minderheiten­frage hielt Driand es für angemessen, vor den Gefahren zu warnen, die in der Behandlung dieses Problems lägen. Es sei eine sehr delikate Frage. Man müsse zwar die Minderheitenangelegenheiten objektiv und ernst behandeln, aber über den Min­derheiten stehe der Friede. Die Minderheiten dürf­ten nicht zu einem Element der Beunruhigung wer­den. Auch vor dem Kriege habe es Minderheiten gegeben, und zwar habe ihre Zahl damals 100 Millionen betragen, während es heute nur 20 Mil. Konen Minderheiten gebe. Woher Briand diese seltsamen Zahlen hat, ist unerfindlich.

In Gens und in der ganzen Welt hat die Rede Briands ungewöhnliches Aufsehen erregt. So sagt di« „Germania": „Unsere Vermutung bestätigt sich, daß sich in den letzten Wochen viel in der Kon­stellation Europas geändert hat. Wir müssen Briand dankbar sein, daß er seine Meinung nicht hinter seinen bekannten vieldeutigen Paragraphen ver­steckt hat, sondern ganz unverhohlen seine wirkliche Meinung sagte. Das wird vielen Gläubigen eine schwere Enttäuschung, für die internationale Atmosphäre aber eine wohltuende Klä­rung sein."

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Der Eindruck der Rede Briands in weiten Krei­sen der Völkerbundsversammlung, sehr weit über die deutschen Kreise hinaus, war sehr deprimie­rend. Man nimmt an, daß die Rede zum Teil auf Verstimmungen zurückzuführen ist, die sich an gewisse Mißverständnisse der Kanzlerrede an­knüpfen. So soll Briand über die Schlußwendung des Reichskanzlers von dem doppelten Ge­sicht der Politik der Regierungen sehr stark ver­schnupft gewesen sein, weil er in ihr einen direkten Angriff auf die französische Politik er« blickte. Die Wahrheit ist doch aber die, daß der Kanzler nur gesagt hatte, daß die Regierung jetzt sich entweder für den Weg des Völkerbundes oder für den alten Weg der Rüstungen werden entschei­den müssen.

Wie stark indessen die Enttäuschung über Briands Rede gewesen ist, beweist die Tatsache, daß die Nachmittagsausgabie des dem Völkerbünde sehr freundlich gegenüberstehenden „Journal de Geneve" eine in ausfallenden Lettern gedruckte Einleitung seines Außenvolitikers William Martin enthält, in welcher der Befürchtung Ausdruck gegeben wird.

wird

„daß die Rückwirkungen der Rede auf die Presse eine Welle des Pessimismus in der Welt Hervorrufen könnte.

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wtb. Betin, 11. Sept. (Eig. Funkm.). Wie die Pressestelle der Deutschnationalen'Dolks- partei mitteilt, hat sich die Leitung der Deutsch­nationalen Volkspartei mit den a m t l i ch en St e l- l e n in Verbindung gesetzt, um festzustellen, welche für die deutsche Würde und für die deutschen In- teressen unerläßlichen Folgerungen die deutsche Politik aus der Genfer Rede Briands zu ziehen gedenke.

Die Töne nationalistischer Prägung aus Frank­reich wecken sebstverständlich bei den d e u t s ch e n Rationalisten das lebhafteste Echo. Briand hat etwas angerichtet.

Standpunkt der deutschenDelegation.

DaS Befremden, das die Rede Briands in den Kreisen der deutschen Delegation hervorgerufen hat, geht vor allem darauf zurück, daß der fron« Mische Außenminister seinen Angriff gegen den

Reichskanzler persönlich gerichtet hat. Das um so unliebsamer empfunden, als der Ka in seiner Rede vor der Bundesversammlung Versagen der Abrüstungsaktion des Völlerbundes ganz allgemein und objektiv dargestellt hat und ich dabei nicht etwa an die Adresse Frankreichs, ondern an die des Völlerbundes wandte. Auch

>atte der Reichskanzler keineswegs von dem Dop­pelgesicht der französischen Politik gesprochen, son- betn davon, daß es nicht verwunderlich wäre, wenn schließlich der Mann aus dem Volle ocyu kommen würde, ein Doppelgesicht der internationalen Po­litik der Regierungen zu konstatieren. Man kann auch nicht verstehen, daß sich der französische Außen­minister an den Reichskanzler als Vertreter einer Partei wandte, da der Reichskanzler zweifellos eine ganz andere Sprache geführt hätte, wenn er nicht in seiner Eigenschaft als Regierungschef gesprochen hätte. Die Ausführungen Briands wer­den übrigens nicht unwidersprochen bleiben. Wie zuverlässig verlautet, wird ein Mitglied der deut­schen Delegation, vielleicht ein Parlamenta­rier, bei passender Gelegenheit von der gleichen Stelle aus vor der Dölkerbundsversammlung auf die Rede Briands antworten.

UebrigenS hat Briand abends bei einem Emp­fang der internationalen Presse sich große Mühe gegeben, den Eindruck seiner Rede abzuschwächen. Er betonte vor allem, daß eS ihm vollkommen fernliege, aus den von ihm vorgebrachten Einzel­heiten eine gegen Deutschland und die Auftichtig- keft seiner Politik gerichtete These aufzustellen.

Was hat Briand veranlaßt?

wtb. Paris, 11. Sept. (Eig. Funkm.). Ueber die Gründe, die Briand zu seiner gestrigen Rede veranlaßt haben, glaubt der Außenpolitiker des „Echo de Paris" mitteilen zu dürfen: Es scheint, daß Briand sich über gewisse Artikel deutscher Mat- ter erregt hat, die einen Satz des Reichskanzlers (über das doppelte Gesicht der Politik gewisser Län­der) kommentierten und aus der darin enthaltenen Spitze den Chef des Quai d'Orsay auch noch als den Mann hinstellten, der die Leute, die ihm ihr Vertrauen geschenkt hätten, öfter mit schönen Worten abtat. Außerdem darf man wohl auch annehmen, daß der französische Minister, nachdem er bereits die Schwelle der Rheinland­räumung überschritten hatte, sich etwas zu schnell fortgerisfen glaubte und das Bedürfnis fühlte, die Bewegung zu verlangsamen und, sei es auch nur aus taktischen Gründen, einigen Wider­stand zu markieren.

Der Außenpolitiker des „Matin" sagt. In Frank­reich hätten sich Zeitungen geftmden, die erklären, daß Briand sich durch die Atmosphäre in Genf habe gewinnen lafsen. Es habe und zwar sehr zahlreich auch in Deutfchland Zeitungen gegeben, die ihn be­schuldigten, nicht die Hoffnungen zu verwirklichen, die er angeblich im September habe entstehen las­sen, derart, daß Müller am Schluffe seiner Rede unterstellt habe, es gebe zwei Wege und die alliier­ten Regierungen müßten sich endlich für den einen oder den anderen entscheiden.

Englische Stimmen.

wtb. London, 11. Sept. (Eig. Funkm.) Der Genfer Berichterstatter des „Daily Herold" schreibt: Die Rede Briands wird als Todesstoß für die Besprechungen über die Rheinlandräumung an­gesehen und muß die ernstesten Rückwir­kungen auf die französisch-deutschen Beziehungen haben. Der Korrespondent er- bückt in den Darlegungen BriandS über tue Ab- rustungsftage einen „erstaunlichen b r e t j e i. tigen Angriff gegen Rußland, Deut s ch­lank» und Amerika" und bemerk, nach der Briandrede erwarte die Versammlung mit einiger Unruhe die heutige Rede Lord Cushenduns.

Der Genfer Sonderkorrespondent der „Daily News and Westminster Gazette" versteht nicht, weshalb Briand so gesprochen hat, da die Dar­legungen des deutschen Reichskanzlers nichts ei^- hielten, was eine so starke Erwiderung notwendig machte. Die Annahme eines Tones Reichskanzler Müller gegenüber, der niemals gegenüber Stteso- mann gebraucht worden ist, sei aus persön­lichen Gründen bedauerlich. Es sei bemerkens­wert gewesen, daß der Beifall am Schluß der

Rede Briands merklich weniger allgemein war als die Ovation zu Beginn. Der Berichterstatter führt weiter aus, es sei nicht klar, was Briand von Deutschland wolle. Es sei nicht ohne Bedeu­tung, daß die deutsche Delegation versuche, die Erregung wegen der Rede Briands zu dämpfen. Sie nehme die Rede übel, lehne es jedoch ab, sie in irgendeiner Weise als „Zwischenfall" zu be- ttachten und habe nicht die Absicht, eine Antwort zu geben .„Daily News and Westminster Gazette" fragt in einem Leitartikel Briand, was er aus Locarno gemacht habe und schreibt: Dieser Vertrag ist unterzeichnet worden mit der stillschweigenden Uebereinkunft, daß Deutschlands großer Verzicht auf seine Ansprüche auf die Grenzprovinzen eine Anerkennung in der raschen Rheinlandräumung finden würde. Aber Frankreich hat es abgelehnt, diese Uebereinkunft einzuhatten und will dasPro- jeft nur erörtern als Frage eines finanziellen Handels Über Reparationszahlungen. Die Lage scheint aber noch schlimmer zu fein; denn es scheint jetzt, daß diese Zahlungen für den Bau des großen Festungsgürtels an den Oft» grenzen Frankreichs verwandt werden sollen. Deutschland ist so vollständig entwaffnet, wie es überhaupt für eine Nation, die am Kriege teilge­nommen hat, nur möglich ist. Und ttotzdem wies gestern Briand auf das deutsche Heer von 100000 Mann und sein ausgebildetes Reservoir hin. „Daily News" bemerk, wenn derartige Maßstäbe ange­wandt werden sollen, so sei es unmöglich zu sehen, wie je irgendein Fortschritt in der Ab - rüftung erzielt werden solle. Das Blatt schließt: „Wenn selbst nach einer gleichen Zahl von Jahren der Friedenspatt keine bessere Früchte hervorgebracht hat als Locarno, so mag die Welt berechtigt fein, zu fragen, ob denn Frantteich eine Nation ist, die vom Frieden nur reden kann."

Die Kaurnungsbesprechung.

wtb. Genf. 11. Sept. (Eig. Funkm.) Im An­schluß an die bisherigen Einzelbefprechungen des Reichskanzlers mit den Hauptdelegierten Frank­reichs, Englands, Italiens und Belgiens zur Klä­rung der Räumungsfrage ist die angekündigte ge­meinsame Besprechung endgültig auf heute nachmittag 5 Uhr festgesetzt am Sitz dec englischen Delegation. Deutscherseits nehmen Reichskanzler Müller und Staatssekretär von Schubert daran teil.

Briand geht nach Paris.

wtb. Paris, 11. Sept. (Eig. Funkm.) Briand wirb, wie der in Gens weilende Außenpotttiker des „Matin" ankündigt, Freitag und Samstag in Paris fein, wo er am Ministerrat teilzunehmen wünscht. Sonntag wird erwiedernachGenf zurück kehren und in der kommenden Woche könnten bann Besprechungen einsetzen, die die Der. Handlungen über die Rheinlandfrage vorbereiten würden. i --

wtb. Betin, 11. Sept. (Eig. Funkm.). Wie aus Genf gemeldet wirb, stattete das deutsche Dele­gationsmitglied Dr. Breitscheidt heute vormittag dem französischen Außenminister einen Besuch ab. Ueber das Ergebnis dieser Besprechung verlautet noch nichts; es ist aber wohl anzunehmen, daß sie den Fragen gilt, die feit gestern besonders akut geworden sind. * i' ■

Das französische Kriegsministerium bemen- tiert die von einigen Blättern verbreitete Nach­richt, daß Kriegsminister Painleve sich zu den Manövern ins besetzte Gebiet begeben werde. Seine Reise beschränke sich ausschließlich auf die Jnfpizierung der Grenze zwischen Metz und Straß­burg. Vor seiner Abreise erklärte Painleve selbst einem Derieter des „Paris Midi", daß er am Donnerstag wieder in Paris sein werde.

Das andere Frankreich.

Das Pariser „Le Soir" schreibtz ur Frage der Rheinlandräumung: Wenn PoincarL habet bleibt, das Räumungsprblem mit dem Reparationspro­blem und dieses wiederum mit dem Problem der interallie ten Schulden zu verbinden, dann wird die Debatte auf unbestimmte Zeit ver­tag t, und das Jahr 1929 wird vorübergehen, ohne daß eine Geste ausgeführt wirb. Denn der neue amerikanische Präsident wird erst in sechs Monaten feinen Posten antreten. Aber die Rheinlandfrage kann nicht nur unter dem Gesichtswinkel eines Ge- sichtswinkel eines Geschäfts betrachtet werden. Wer die Besetzung verlängert, verlängert den Krieg, d. h. den Kriegsgeist.

Das Zlottenkornprornitz.

In maßgebenden Kreisen wurde in London erklärt, es fei bisher weder von den Vereinigten Maaten, noch von anderen in Betracht kommen­den Regierungen eine Antwort oder sonst eme offi­zielle Stellungnahme zu den englisch-französischen Vorschlägen eingegangen. Falls diese Vorschläge in ihrer augenblicklichen Gestalt Abänderungsvor­schläge von anderer Seite anregen Tollten, so fei zu hoffen, daß ein für alle Parteien annehmbares Endergebnis daraus hervorgehen werde. Der Be­weggrund, der für die gesamte Politik der beiden Mächte in dieser Angelegenheit bestimmend sei, sei keineswegs der Wunsch Großbritanniens obe» Frankreichs, die Freundschaft zu konsolidieren, die an fick bereits stark genug sei, sondern der Wunsch praktische Abrüstungsarbeit zu fördern.

Der Londoner Sonderkorrespondent des Man­chester Guardian kritisiert die „unglückliche Diplomatie", die das „ftoreign Office" in der Angelegenheit des französisch-englischen Flotten­kompromisses an den Tag gelegt habe, und erklärt:

tyinöenburg an Kalinin.

wtb. Berlin, 11. Sept. (Eig. Funkm.). Reichs­präsident v. Hindenburg hat an den Präsidenten des Zentralexutiv-Komitees der Sowjet-Union, Ka­linin, in Erwiderung seines Beileidstelegramms zum Tode des deutschen Botschafters in Moskau nochfolgndes Telegramm gerichtet: „Für den Ausdruck des Beileids, den Sie, Herr Präsident, anläßlich des plötzlichen Ablebens des Botschafters Grofen Brrockdorff-Rantzau mir über­mittelt haben, spreche ich Ihnen aufrichtigen Dank aus. Das Andenken an den Entschlafenen und an seine Arbeit für den Ausbau der Beziehungen der beiden Wiker wird in Deutschland lebendig fort- wirken, v. Hindenburg."

Die Lage ist jetzt derart, daß das Flottenabkommez von vornherein dazu verurteilt ist, eine Enttäu­schung zu werben.

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Der amerikanische Staatssekretär Kellogg traf nach Abschluß seiner Europareise mied'» i n R e w y o r k e i n. Bei feiner Ankunft wurbt er von Pressevertretern gefragt, ob er den englüch- französischen Marinevertrag mit dem Antikriegs- pakt für vereinbar halte. Der Staatssekretär schi nr über diese Frage ärgerlich zu sein erwiberte edoch: „Ja, ich glaube nicht, daß er den Pak« «r- jenbwie berührt. Ich bin auch nicht der Ansicht, laß ein Marinevertrag besteht Beide Länder er­klären, es bestände fein Vertrag."

wtb. Tokio. 11. Sept. (Eig Funkm.). Miru- fterpräfibent Baron Tanaka eilte in einer Ka' i nettssitzung mit, die Regierung habe Großbritan nien inoffiziell davon verständigt, daß Japan bat französisch-englische Flottenabkommen grimdsätzbch freundlich aufnehme, obwohl es der Memuna sei, daß es schwierig sein werde, es durchzuführen. Japan werde sich eine offizielle Antwort Vorbehal­ten, da die ^Bereinigten Staaten ihre Auf­fassung noch nicht bekannt gegeben hätten.

Märineminister Dfaba erflärte, Japan begrüßt lebhaft ein solches Abfommen. da es einen Schritt vorwärts zur Weltabrüstunx darstelle.

Die Genfer Wahlen.

Bei der Wiederwahl von drei nichtständ>eu Ratssitzen, aus denen die Niederlande, Kolumbien und China ausscheiden, wurden Spanien mit 46, Venezuela mit 35 und Persien mit 40 Stimmen gewählt. Alle 50 Delegationen haben abgeftimmt. Für die sofortige Wiederwählbar­keit Spaniens stimmten von 47 Delegationen 37 mit ja und 10 mit nein. Die erforderliche Zwei­drittelmehrheit für die sofortige Wiederwählbar­keit Spaniens wurde somit erreicht.

Nach der erlangten Wiederwählbarkeit dankte der spanische Botschafter in Paris, Quinones de LLon, der Völkerbundsversammlung für die seinem Lande erwiesene Ehre, die man in Spanien zu würdigen wissen werde. Gleichzeitig dantte er Franco (San Domingo), der zuvor namens der lateinamerikanischen Staaten die Wahl Spaniens begrüßt hatte. Hierauf wurde die Generaldebatte über den Jahresbericht fortgesetzt, wobei Belloni< Italien vorwiegend zur wirtschaftlichen Aktion bei Völkerbundes Stellung nahm und vor der Inan- griffnahme allzu vieler Untersuchungen über dis einzelnen wirtschaftlichen Materien warnte. Nach­dem noch Vertteter Lettlands und Paraguays ge­sprochen hatten .wurde die Sitzung auf Dienstag vormittag vertagt.

Der Präsident der Bundesversammlung hofft, Dienstag vormittag die Generaldebatte abschließen zu können, sodaß am Nachmittag die Versamm- lungsausschüsfe mit ihrer Arbeit beginnen können. Unter den drei für Dienstag nachmittag einberufe­nen Dersammlungsausschüssen ist auch der dritte VersammlungSausschuß zur Beratung der Ab­rüstungsfrage.

die deutschen patente.

wtb. rUashinglon, 11. Sept. (Eig. Funkir»^ Rach einer Mitteilung des deutschen Freigabekom-' miffars betrafen die gestrigen Verhandlungen vor dem amerikanischen Schiedsrichter Parker die Gruppe der früheren deutschen Patente, für die die Regierung der Vereinigten Staaten das Lizenz­recht hat. Als tm Jahre 1919 die amerikanische Chemical Foundation die deutschen Patente für die Herstellung von Aspirin und Salvarsan für die Ver­wertung von Holzkohle und andere patentierte Der- fahren von dem Verwalter des feindlichen Eigen­tums erwarb, blieb die Frage des amtlichen Lizenz­rechtes zunächst ungeklärt. Erst im Jahre 1921 wurden die Lizenzrechte urkundlich feftgelegt. Nach der Behauptung der deutschen früheren Patentin­haber hatte die amerikanische Regierung schon beim Verkauf der Patente an die Chemica Foundation die Lizenzrechte und müßte daher den deutschen Eigentümern nach den Bestimmungen des Freigabe­gesetzes die Lizenzgebühren zahlen. Parker wird heute entscheiden, ob er den Beweisbeschluß über diese Frage erlassen soll. In diesem Falle müßten

• Denizelos im Zustande der Genesung. Am Athen wird gemeldet: Denizelos befindet sich im Zustande der Genesung. Auf ärzllichen Rat wird er jedoch noch einige Tage im Krankenhaus ver­bleiben. Die Frage, ob die bevorstehende (Eröff­nung der Kammer vertagt werden wird, ist noch nicht entschieden. Es ist wahrscheinlich, daß die Kammer am 17. d. M. Zusammentritt, aber daß die parlamentarischen Arbeiten erst ungefähr zwei Wochen später in Angriff genommen werden.