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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Nr. 205.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Mittwoch, 5. September 1928.

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55.Zahrg.

machen, hat da­übernommen.

let, aus dem Wege über eren Ländern, in den

den westlichen Militärmächten eingenommen ^rd, sondern, wie der Verlauf des letzten kommu- Micheu Weltkongresses ja deutlich gezeigt hat, in vesonderem Maße auch von den Bolschr- P.Lre n selbst und da weiter der Umfang der 53er« ins Belieben der einzelnen tifA ist, ist der Abrüstungsgedanke fak-

LeJ,ntn Wien Punkt gelangt. Er wird erst ^eben gewinnen, wenn das Miß- ist, das bis jetzt die Staaten ani*?afn^'^trauen überwunden werden?

'Nen radikale Abrüstung-. mE- S und gleichzeitig in den Was.

Nnk^d nn5 ^^nden arbeitet. Das tut in allen Ländern der Erde.^^E^"an^Mau^ den an seinen friedlichen b®. ' ® ““

man, sei es auch unter dem Deckmvn^ b^'V^t-i digungsnotwendigkeit, selber wenn man eine Weltordnung wunjcbt^E blutigen Kriegen realisierbar P, U'Kürnach dE^stu^am'menbattHsremder^StoMoral und oen Zusammenhalt fremder Staatskorver emnf!nh.

M stören. Solange der Kommunismus^leine agressiven Absichten nicht aufgibt, solange die So" letunion nicht darauf verzichtet, auf dem Wege über ihre Sektionen in den anderen Ländern, in den fremden Heeren zersetzend zu wirken, solange si- ihre eigene Verteidigungsorganisation nicht auf das wirklich notwendige Maß beschränkt, werden ihre Friedensprogramme stets billigen Einwänden begegnen. Wer ein Apostel des Friedens sein will, muß dafür Sorge tragen, daß sein Reden und sein Handeln rm Einklang sichen. Das ist bei Deutschland der Fall. Unser Reich ist die ein- M Großmacht, die unzweifelhafte Beweise ihres Lebenswillens gegeben und gleichzeitig ihre Rü- ihm en "uf ein Maß heruntergebracht hat, das ariff bie Verteidigung, aber niemals den An- runo k Dieses Deutschland, dessen Bevölke- wieqendpr"av historische Tatsachen in über- StaanVnI Mehrheit es ablehnt, die augenblickliche gener 21 tf”-£Cs Abrüstungswillens zum Anlaß ei» mit ei?e ^?"^bestrebungen zu ' Gs ist "^chlchM-he Mission den, ü®^re1n Rufer im Streit um den Frie- geworden Ve9£eten Wortführer einer Sehnsucht Maße beherrfrht 9Qn^ Menschheit in steigendem nen Willen--, b«; Exponenten eines allgemei- loggpaktes hinw-o " b,e wichtige Etappe des Kel- wird.. 9 3u neuen Taten fortfchreiten

Rußland und der

Die hier schon veröffentlichte russische Rote vom 31. August, die den Beitritt der Sowjetunion , zum Kelloggvacht ankündigt, ist aus mehr als einem Grunde recht interessant. Zunächst natür­lich deshalb, weil durch die Teilnahme Ruß­lands der Kreis der Dertragskontrahenten er­weitert und die, anfangs gerade von dem neuen Paktgenossen mit aller Bestimmtheit vertretene Meinung, der Vertrag gäbe sich nur äußerlich pazi­fistisch, in Wirklichkeit aber sei er weiter nichts, als ein neues Werkzeug der irnperalittstlfchen Feinde Rußlands, endgültig erschüttert rotrb. Die Mensch- heit wünscht keine imperialistischen Kriege, sondern sie will den Frieden. Dieser Wille zum Frieden ist so stark und so allgemein, daß er jede Regie- rung unweigerlich zwingt, einer pazifistischen De­monstration auch dann zuzustimmen, wenn sie Art und Anlage der Geste nicht für ganz einwand­frei haft- Der Kelloggpakt hat, wie man auch 6et uns weiß, seine Mängel. Auf einen der schwersten wies die russische Antwort nicht nur hin, sondern verkündete zugleich mit dem Hinweis die Absicht, „allen Teilnehmern am Pakte die für die Sache des Friedens wichtigste Frage vorzulegen, nämlich die Frage der Abrüstung, deren Lösung als einzige Garantie für die zukünftige Vermeidung von Kriegen erscheine". Diese offenbare Ankün­digung eines neuen aktiven Vorgehens der Sowjet- regierung ist der zweite Anlaß, Liwinows Rote für besonders interessant zu erklären.

Leider läßt sich die Antwort der großen Mili­tärstaaten voraussehen. Es ist ja nicht das erste Mal, daß Rußland die Abrüstungsbewegung wei­ter zu treiben versucht. Die Rote erwähnt ja selbst, wie man in Genf nicht nur dem ersten, sehr radikalen Entwaffmmgsvlan der Sowjetunion, sondern auch ihren zweiten, gemäßigten, die Zu­stimmung versagte und wie ein von ihr angeregter Verzicht auf alle, nicht nur auf Angriffskriege, nur von Deutschland, der Türkei, Persien, Afghanistan und Litauen angenommen, von den anderen Staa­ten jedoch stillschweigend übergangen oder mit der sonderbaren Behauptung abgelehnt worden sei, ein unbedingter Verzicht auf den Angriff vertrage sich nicht mit ihren Verpflichtungen dem Völkerbünde gegenüber. Auf die neue Anregung Rußlands wird man zweifellos antworten, der Angriffskrieg fei ja als Mittel der Politik ausgeschlossen, aber die Mögllchkeit, irgend wann einmal a n g e g r i f- fen zu werden, gebiete die Bereitstellung der für einen Verteidigungskrieg notwendigen militäri- jchen Mittel. Und da dieser Standpunkt nicht nur

Vertagungsabsicht.

Gscher Sonde!b'ericht^s?^„ (®’9' An km.) Der glaubt die Haltung "^cho de Parts"

Entente in d - r 21 L^Eetch-, und der Kleinen ÄD« % ®s

fpannung jedoch ist nur durck

Abrüstungsgedanke, lung der Reparationen und Kriegs­schuld mit anschließender vorzeitiger Rheinlandräumung. Da bei dieser allge­meinen Regelung notwendigerweise die Ver­einigten Staaten von Amerika eine wichtige Rolle spielen müssen, kommen die Vertre­ter Frankreichs und der Kleinen Entente zu der Schlußfolgerung, daß es angebracht sein würde, die Einberufung der Abrüstungskonferenz b i s 1930 zu vertagen.

Die Verhandlungen in Genf.

Die Völkerbundsversammlung beschloß, den eng« Itfdjen Antrag auf Entsendung einer Kommis­sion nach dem Fernen Osten zur Unter­suchung der Produktion des Rauchopiums und die Frage der Kontrolle der Rüstungsindustrie entsprechend den Beschlüssen des Völkerbundsrates nachträglich auf ihre Tagesordnung zu setzen. Fer­ner wurde der vom Präsidenten vorgeschlagenen Verteilung der 26 Punkte der Tagesordnung zur Behandlung in den sechs Versammlungsausschüssen zugestimmt. Hierauf wurden die Berichte des Sicherheitskomitees und des Sonderausschusses zur Kontrolle der Rüstungsindustrien, sowie die Frage der Errichtung einer Radiostation für den Völker­bund in der Nähe von Genf dem dritten Ausschuß überwiesen.

Die Behandlung der auf Vorschlag der Delega­tionen Finnlands, Polens und Schwedens auf die Tagesordnung gesetzten Alkoholfrage gab zu einer kurzen Erörterung Anlaß, ob dieses Problem dem überlasteten technischen Ausschuß überwiesen oder von einem anderen Ausschuß behandelt wer­den soll. Auf Eingreifen von Loucheur bleibt die Alkoholfrage auf der Tagesordnung des Technischen Ausschusses, der bereits im vorigen Jahr sich damit befaßt hatte, und der nunmehr im Bedarfsfalls die Meinung des Sozialen Ausschusses einholen kann. Ferner verlas Präsident Zahle einen kur­zen Brief des Vorsitzenden des Vorbereitenden Ab­rüstungsausschusses, Loudon, der vorschlug, nach dem Beispiel der früheren Bundesversammlungen alle mit dem Abrüstungsproblem zusammenhän­genden Fragen durch den Dritten Dersammlungs- ausschuß, dem sogenannten Abrüstungsausschuß, behandeln zu lassen

Hierauf wurde die Sitzung zur Konstituierung der sechs Versammlungsausschüsse und zur Wahl ihrer Präsidenten unterbrochen.

Nach Wiederaufnahme der Sitzung verkündete Präsident Zahle-Dänemark das Ergebnis der Wahlen. Darnach führen den Vorsitz im Ersten Aitsschuß (Rechtsausschußl Scialoja-Italien, im Zweiten Ausschuß (technische Organisationen) Motta-Schweiz, im Dritten Ausschuß (Abrüstung) Earton de Wiart-Belgien, im Vierten Ausschuß (Haushalt) Dasconcellos-Portuqal, im Fünften Ausschuß (soziale Fragen) Matos-Guatemala und im Sechsten Ausschuß (politische Fragen) Marinko- witsch-Jugoslawien. Die Vorsitzenden der sechs Dersammlungsausschüsse bilden zusammen mit dem Präsidenten der Bundesversammlung Zahle-Däne- mark das Büro der Versammlung, das nach einem weiteren Wahlgang burdt folgende sechs Vizepräsi­denten ergänzt wird: Adaci-Iapan, 40 Stimmen, Briand-Frankreich und Müller-Deutschland je 38 Stimmen. Cushendun-England 37 Stimmen, Mak- kenzie King-Kanada 33 Stimmen und Seipel- Oesterreich 24 Stimmen.

Die sechs Dersammlungsausschüsse treten Diens­tag vormittag zu ihren konstituierenden Sitzungen und zur Einteilung ihrer Arbeiten zusammen, wäh- rend die Bundesversammlung Dienstag nachmittag mit der Generaldebatte über den Jahresbericht des Generalsekretärs über die Tätigkeit im abgelaufe- nen Völkerbundsjahr beginnen wird. Cs ist be­merkenswert. daß die Neunte Dölkerbundsver- sammlung. die durch die Anwesenheit von 50 Dele­gationen und von etwa 400 Pressevertretern zwei Höchstzahlen erreicht hat, auch insofern sich von den früheren Bundesversammlungen unterscheidet, als sie bereits am Eröffnungstage ihre Konstituie­rung und die dazu notwendigen Wahlen voll­ständig abgeschlossen hat.

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Das Schauspiel des Aufmarsches der Delegatto­nen zur Eröffnung der Völkerbundsversammlung hatte auch dieses Jahr wieder ein zahlreiches Pu­blikum angelockt, das im Reformationssaal selbst mit Interesse die Begrüßung der einzelnen Delegatio­nen untereinander beobachtete. Die deutsche Dele­gation erschien als eine der ersten. Sie begab sich sofort an ihre Plätze, die sich gleich links direkt vor der Rednertribüne befinden. Staatssekretär von Schubert übernahm die Vorstellung von Reichs­kanzler Hermann Müller, der nach An- fünft der französischen Delegation B r i a n d auf­suchte und diesem sein Beileid anläßlich des Todes des französischen Handelsministers Bokanowski aussprach, nachdem bereits am Sonntag abend Staatssekretär v. Schubert der französischen Dele­gation einen Beileidsbesuch abgestattet hatte. Zahl- reiche Delegationen und Delegationsführer, darun­ter Lord Cushendun und der österreichische Bundes­kanzler Seipel hielten sich für kurze Zeit an den Bänken der deutschen Delegation zur Begrüßung des Reichskanzlers auf. Auch an den Bänken der übrigen Delegationen entwickelte sich ein lebhaftes Händeschütteln. Mit besonderer Freude wurden die Mitglieder der spanischen Delegation und ihr Führer Ouinones de Leon begrüßt, der im Herbst 1925 der Bundesversammlung zum letzten Mal beiwohnte. Unter den 150 Hauptdelegierten der diesjährigen Bundesversammlung befinden sich fünf Ministerpräsidenten und 18 Außenminister.

(Eurtius spricht in Hamburg

meinen

Auf der Tagung der freien (sozialistischen Ge­werkschaften in Hamburg sprach nach der Rede des Ministers Wissel Reichsminister Curtius (Volks­partei). Er führte u. a. aus:

Die mittlere Linie, auf der sich Wirffchaft und

' ------ ------ 1 ' das ge-

* Don Mussolinis Gnaden. Der neue König von Albanien ist zuerst von Italien anerkannt wor. den. Er hat zum Danke herzliche Schreiben an den König von Italien und Mussolini gerichtet.

* venizelos erkrankt. Aus Athen wird gemel­det: Ministerpräsident Venizelos ist an dem hier grassierenden Donguefieber erkrankt. Die Er­krankung ist leichter Natur und gibt zu keinerlei Besorgnissen Anlaß.

* Wiederaufnahme der polnisch-russischen Wirt­schaftsverhandlungen. Der Genfer Sonderbericht­erstatter des „Petit Parifien" will mitteilen kön­nen, daß der polnische Minister des Aeußern Za» leski in Kürze die unterbrochenen Wirtschaftsver­handlungen mit Moskau aufzunehmen beabsichtige.

Sozialpolitik einigen müssen, ist gegeben durch d meinsam erkannte Ziel der Hebung des allgei Volkswohlstandes. Ich freue mich, daß solche Zusam- mmarbeit mit meinem Kollegen Wissell, mit dem ich engste Fühlung halte, durch unser gemeinsames Auftreten auf Ihrem Kongreß zum Ausdruck kommt. Welche Bedeutung ich selbst der Mitarbeit der großen Arbeiter- und Angestelltenverbänbe bei der Tätigkeit der Regierung beilege, habe ich wiederholt bewiesen. Blickt man heute auf die letzten zwei Jahre zurück, so darf man mit Befriedigung feststellen, daß die wittschast- lichen Verhältnisse sich weitgehend gebessert und gefestigt haben. Im Laufe dieser Entwicklung sind mich in allen

Berufszweigen Erhöhungen der Löhne und Gehälter erfolgt, so daß auch die Arbeitnehmerschaft einen Anteil an dem Aufstieg der Konjunktur haben konnte. Verfehlt wäre es aber,' aus den Erfahren dieser Jahre einen allgemeinen Schluß dahin zu ziehen, daß die deutsche Wirtschaft die Schwierigkeiten, vor die sie die Nachkriegsentwicklung und die ihr folgenden politi­schen Lasten gestellt haben, bereits endgültig überwunden

Reichswirtschastsminister Dr. Cuttius verwies dann insbesondere auf die Notlage der deutschen Landwirtschaft, deren Bekämpfung nicht nur für die Landwirtschaft von Bedeutung sei, sondern auch für alle Industrie- und Wirtschaftszweige. Eine lebens­fähige Landwirtschaft sei notwendig, um einen großen Teil, insbesondere der Produttionsmittel-Jndustrie, in »zu halten. Die deutsche Ausfuhr weise zwar eine ch erkennbare Besserung auf, jedoch sei der Vor­kriegsstand unserer Ausfuhr heute noch nicht erreicht, und es ist noch nicht zu erkennen, wann der vom Dawes- plan vorgesehene Zeitpunkt eintreten wird, in dem ein Ueberschuß der Ausfuhr ■ über die Einfuhr entsteht. Neben der mangelnden Aufnahmebereitwiliigkeit anderer Länder für fremde Waren sei die fehlende Kaufkraft in Öen Teilen der Erde, die früher deutsche Absatzge- waren, die Ursache für die Langsamkeit des An­stieges unserer Ausfuhr. Diese Kaufkraft zu ersetzen und unter den ihr zu gewährenden Kreditbedingungen den Wettbewerb mit anderen Ländern aufzunehmen, ist, fuhr der Minister fort, wiederum für ein kapitalarmes Land, wie es Deutschland zur Zeit ist, schwer. Dennoch muß dieses Problem gelöst werden. Sowohl in der Kreditfrage wie in der Güte der Waren und dem Preis muß Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit zei­gen. Die Herbeiführung eines solchen Zustandes liegt im gemeinsamen Interesse sowohl der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber. Es wird Aufgabe aller an der Wirtschaft Beteiligten sein, die an die Aufrechterhal­tung der Konjunktur zweckmäßigste Wirtschaftssichrung zu finden, wobei mit Befriedigung festgestellt werden kann, daß sich die diesmalige Konjunktur an sich wider­standsfähiger erwiesen hat als die Konjunktur des Iah- reS 1925 und als zahlreiche Propheten es vor etwa einem Jahre vorausgesagt haben. Der Ort zu dieser gemeinsamen Arbeit wird der Reichswirtschaftsrat sein, der sich demnächst über die allgemeinen Maßnahmen, die aufgrund der Weltwittschastskonferenz deutscherseits getroffen werden sollen, zu äußern hat. Es wird dies voraussichtlich die letzte größere Arbeit fein, mit welcher der vorläufige ReichswirtschastSrat seine alsdann fast neunjährige Tätigkeit beschließen kann. Dies erste Stück der in der Reichsverfassung vorgesehenen Wirt­schaftsdemokratie hat die Probe bestanden. Dem endgültigen Reichswirtschastsrat sollen alsbald nach fei­nem Zusammentritt die Richtlinien vorgelegt werden, die den Ausbau der Wirtschastsdemokratte auch in den unteren Stufen vorsehen und das Versprechen der Reichsverfassung auf gleichberechtigte Mitwirkung der Arbeiter und Angestellten an der gesamten wirtschaft­lichen Entwicklung der produktiven Kräfte einlösen.

(Ein Festtag in München.

Erweiterung des deutschen Museums. — Hinden­burg als Gast.

rotb. München, 4. Sept. (Eig. Funkm.). Der Herr Reichspräsidenten hat sich heute früh anläß­lich der G r u n d st e i n l e g u n g zum S t u • dienbau des Deutschen Museums von seinem Sommerurlaubsaufenthalt in Dietrams­zell mittels Kraftwagen nach München begeben, wo er gegen 10 Uhr vormittags beim Palais des Mi­nisterpräsidenten eintraf. Reichspräsident von Hin­denburg wurde im Mimsterpräfidentenpalais von Ministerpräsident Dr. Held und seiner Gemahlin herzlich begrüßt. Die beiden Kinder des Minister­präsidenten überreichten dem Herrn Reichspräsi­denten einen Blumenstrauß. Unter Hochrufen der vor dem Palais zahlreich harrenden und die Stra­ßen dicht umsäumenden Menschenmenge wurde so­dann die Fahrt zum Deutschen Museum angetreten.

Die Reichsgebäude tragen Flaggenschmuck in den Reichs- und Landesfarben. Dis staatlichen Gebäude haben die bayerische Landesfarbe gesetzt, von den städtischen Bauten grüßen die Landes und Staatsfarben. Auf dem Rathaus weh zumerstenMal neben den Landes- und Stadb. färben auch die schwarz-rot-goldene Reichsflagge und die alte schwarz-weiß-rote Fahne. Die Straßenbahnen sind in Weißblau und Schwarzgelb bewimpelt. In der Innenstadt ist reicher Flaggenschmuck, namentlich in den Stra­ßen zu bemerken, die der Herr Reichspräsident be­rührt.

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In Anwesenheit des ^Reichspräsidenten van Hindenburg, der Reichsminister Severing, Dr. Schätz! und H i l s e r d i n g als Vertre­ter der Reichsregierung, des bayerischen Gesamt- ministeviums mit Ministerpräsident Dr. Held an der Spitze und eines erlesenen Kreises von Ehren­gästen wurde dann die feierliche Grundsteinlegung zum Studienbau des Deutschen Museums vollzo­gen. Der Reichspräsident wurde bei seiner An­kunft vor der Halle jubelnd begrüßt. Nach einem einleitenden Fanfarenmarsch begann der Festakt mit dem Einzug der Zünfte, die die Grundsteinkas­setten begleiteten. Das niederländische Dankgebet leitete die Festrede ein.

Als erster Redner sprach der Präsident des Vorstands- rotes des Deutschen Museums, 2) r. d. Siemens. Er gedachte der Fortschritte der Technik in den letzten 100 Jahren, auch auf dem Gebiete der Nachrichtenübermitt­lung, um zu betonen, daß das, was die Phantasie eines Jules Verne als Märchen für die Errungenschaften auf dieser Erde ersann, durch Menschengeist und Menschen­fleiß bei weitem übertroffen worden sei. Der neue Ban soll die historische Entwicklung festhalten, und dadurch unveränderliche geistige Werte vor dem dauernden Verlust bewahren, gleichzeitig aber auch dazu dienen, allen Krei­en die Möglichkeit zu bieten, aus dem Beispiel des in tarier Arbeit Geschaffenen Kräfte zu gewinnen zu einem chöpferischen Tun zu Nutz und Frommen und zur Ehre )es geliebten deutschen Vaterlandes.

Darauf ergriff Reichsinnenminister Severing das Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. ausführte: Als vor 3 Jahren der Sammlungsbau des Deutschen Mu­seums eröffnet wurde, da klang aus verschiedenen Re­den der Wunsch, daß das neuerstandene Werk nicht eine tote Sammlung toter Gegenstände sein, sondern zu I e- b e n b i g e m Bildungs- und Forschungsmotor für alle Kreise des Volkes werden möge. Heute können wir zu unserer großen Genugtuung und Freude feststellen, daß dieser Wunsch Erfüllung gefunden hat. Die Museums- berichte melden, daß bereits 3 Millionen Besucher nach München gekommen sind, nicht, um die Form und den Inhalt des Riesenwerkes wie ein unnahbares Heiligtum anzustaunen, sondern vielmehr, um sich Anregungen zu holen für das Kulturleben unseres Volkes im allgemeinen und bie Gebiete ber Wissenschaft unb Technik im beson­deren.

Sv ist bas deutsche Museum bisher den Plänen sei­ner Schöpfer durchaus gerecht geworden, aber das Bes­sere ist ber Feind des Guten. So drängt der Samm­lungsbau nach einer zweckmäßigen Ergänzung durch Bibliothek, Plansammlung und Vortragssäle. Das werben besonders alle diejenigen verstehen, die das Ge­samtwert immer mehr allen Volkskreisen, insbeson­dere den minderbemittelten Schichten unseres Volkes er­schließen wollen. Unsere Jugend und unsere Ar­beiter wetteifern in dem Bestreben, mitzuarbeiten an der kulturellen Hebung unseres Volkes und ber ganzen menschlichen Gesellschaft. .Helfen wir ihnen, in dem wir

Ueber den Kriegsanleihe-Schwindel.

Im Zuscunmenhang mit den Erörterungen aus Anlaß der Verhaftung von Hugo S t i n n e s jun. wegen eines in Sachen der Kriegsanleihe am Reiche versuchten Betruges ist mitgeteilt worden, daß die Reichsregierung eine Denkschrift über den ganzen mit der Aufwertung der Kriegsanleihe zusammenhängenden Fragenkreis herausgeben wolle.

Diese Absicht ist nicht erst im Zusammenhang mit der Verhaftung Stinnes vorhanden, sondern sie ist schon vor längerer Zeit geäußert worden Allerdings scheint man es nicht so eilig zu haben, denn man kann eine bestimmte Erklärung darüber, wann diese Denkschrift erscheint, ja ob ihr Erschei­nen bis spätestens zum Wiederzusammentritt des Reichstags möglich sein wird, nicht erhalten. Das wäre außerordentlich bedauerlich, denn die weiteste Oeffentlichkett hat ein dringendes Interesse daran, zu erfahren, auf welche Weise der das Reich in ft> ungeheuerlichem Maße schädigende Kriegsanleihe- Schwindel zustandekam und wer sich daran betei­ligte. Vor allen Dingen muß man auch wissen, wie es kommt, daß der damalige Reichsfinanzmini- ster L u t h er dem Reichstag als Altbesitz einen Be- trag von 20 Milliarden angeben konnte, während die Anmeldungen sich aus nahezu 42 Milliarden, atfo mehr als das Doppelte beliefen. Hier ist eine t Aufklärung dringend notwendig, und wenn das Reichsfinanministerium die Zeichen der Zett ver- I

steht, wenn es insbesondere auch Verständnis für die Volkspsyche hat, dann wird es mit der Her­ausgabe dieser Denkschrift sich recht beeilen müs- sen. Wir erwarten freilich dabei, daß diese Denk­schrift auch in allen Winkelzügen und Machenschaf­ten, die im Zusammenhang mit diesem Fragenkom­plex unternommen worden sind, hineinzuleuchten weiß, um die Wiederholung solcher uns nicht nur im Jnlande, sondern auch gerade vor dem Aus­lande schädigenden Dinge zu verhindern.

Wir verlangen dabei auch, daß diese Aufklärung nicht Halt macht vor gewissen trüben Quellen im Auslande, namentlich in Frankreich, in Portu­gal und in Rumänien, und daß die Fäden dieses internationalen Schwindler-Konzerns, mit dem sich leider auch Deutsche eingelassen haben, rücksichtslos bloßgelegt werden. Je schneller und je gründlicher das geschieht, umso besser.

Im übrigen wird man ja auch darauf gefaßt sein müssen, daß diese Angelegenheit zu einer sehr ernsten und nachdrücklichen Aussprache im Reichstag führen wird, und die Regierung würde gut daran tun, das für die Beurteilung der ganzen Zusammenhänge notwendige Material dann zur Verfügung zu halten. Wir möchten aber ausdrücklich erwähnen, daß biefe Fragen nicht in parlamentarischen und politischen Geheim-Kon- ventikeln, sondern vor aller Oeffentlich- k e i t aründlich erörtert werden müssen.