Fuldaer Zeitung
Rund um die Woche
nen
tongert,
Streichmusik.
KBF
M. AUG. - 23. SEPTEMBER 1928. GEÖFFNET: SONNTAGS 10-19 UHR, WERKTAGS 1013 UHR UND 15-19 UHR
sicht: „Dieb!
IForti. folgt.)
wie wir- das Wetter?
westliche Hochdruckgebiet wird zunächst seinen
Aus Vadern un- Kurorten.
— Bad Salzungen. Bis zum 31. August wcirep 4 2 4 0 Kurgäste hier eingetroffen.
er sich schon einmal entschlossen hatte, den nicht immer mit den Grundsätzen der geschäftlichen und persönlichen Moral zusammengerafften Besitz seines Vaters wieder aufzubauen, nun auch noch dazu verleiten ließ, zur Beschleunigung dieser Entwicklung einen Betrug am Reich zu begehen. Der Va- ter Stinnes hatte schon den Geschäftsgeist über die Moral dadurch gesetzt, daß er unter r ü ck s i ch t s > loser Ausnutzung der Inflation allen nur irgendwie erraffbaren Besitz an sich zog, der sich freilich dann nach der Stabilisierung ebenso rasch verflüchtigte. Das schlimmste war, daß Stin- nes dabei auch noch eine politische Rolle anstrebte und als ein Führer der deutschen Rechtsparteien galt und sich einer starken Anhängerschaft in den Rechtskreisen erfreute. Zwischen den Brüdern Stinnes, Hugo und Edmund, hob dann ein in aller Öffentlichkeit ausgetragener, sehr unerfreulicher Erbschaftsstreit an, der zugunsten von Hugo, hinter den sich auch seine Mutter stellte, en- dete. Man sah in Hugo offenbar den robusteren,
Witterungsaussichten für Sonntag: Zunächst noch teils aufheiternd, weitere Erwärmung, trocken.
und der weichere Edmund wurde abgefunden. Wohin nun das Ueberwuchern des Geschäftsgeistes ge- führt hat, zeigt in geradezu tragischer Weise die jetzige Verhaftung des Trägers eines im deutschen Wirtschaftsleben einst großen und berühmten Namens.
Ob mit der Verhaftung von Hugo Stinnes jun. nun der Ring geschlossen ist, ob dann die völlige Aufklärung des ungeheuerlichen Kriegsanleihe- Schwindels, eines Skandals, wie er in der Finanz, gefchichte aller Länder wohl selten dasteht, möglich ist, steht noch dahin. Tausende sind in diese Affäre verwickelt. Alles, was sich bei der Liquidation dieser Dinge vollzieht, ist wohl als letzte Etappe des großen, aus der morallosen Inflationszeit bis in die heutigen Tage hineinragenden Reinigungsprozesses anzusehen, von dem man nur wünschen könnte, daß er nun endgültig erledigt würde. Ehe aber nicht wirklich die Moral über den Geschäftsgeist die Oberhand gewinnt, ist eine wirkliche Gesundung nicht zu erhoffen.
machen. Dazu kommen die vorzüglichen Grundsätze die überall eingestreut sind. Namentlich fft es der Heimgedanke, der hier in den Vordergrund rückt. Die Sorge für ein Kind kann doch schließlich nur von einer Familie wahrgenommen werden, wo es noch eine Mutter gibt. Ist die rechte Mutter nicht mehr da, so wird christliche Liebe das Herz verwandeln, und es lassen sich Heime einrichten, die Fami- liencharakter tragen. An einer Stelle heißt es: „Der Staat zahlt Riesensummen für die Asozialen. Dieser Weg, den Schwachsinnigen ein Heim voll Liebe und Sonne zu bieten, in dem sie, ihren Kräften entsprechend, ausgebildet, auf einem, wenn auch noch so kleinen Posten in der Welt sich nützlich machen könnten, in das sie immer gern für Tage zurückkehrten wie in ein Vaterhaus, würde dem Staat viel Geld sparen, würde viele Kräfte der Arbeit gewinnen, würde ungezählte Vergehen und Verbrechen verhüten, würde auch den Aermsten Menschenrechte sichern. Einige Sportplätze weniger, dafür Seelenkultur!" Das sind goldene Worte, und man sollte sich in seiner sozialen Tätigkeit im Ehristentnm immer zur Norm machen, möglichst den Staat nicht zu belasten mit Dingen, die nur von Person zu Person, von Herz zu Herz gemacht werden können, und ferner die Organisation, wo sie eingreifen muß, so weit wie möglich dem Charakter der Familie anzupassen.
Genug für heute. Die großen Tagungen, wie etwa die der Parlamentarier, haben ihren Sinn, wenn ehrlicher Wille dort arbeitet. Aber die Tätigkeit im Kleinen hat auch ihre Bedeutung und muß jene andere stützen. Wenn hier das Christen, tum verloren geht, wird alles, was in den schönsten Reden und Pakten gesagt wird, leer bleiben und unerfüllt. Es hilft alles nichts. Wir müssen zur Haltung jenes Königs zurück, Über dessen Wiege zum ersten Male das Lied des Friedens er. klungen ist. Es war das am Anfang eines Weges, der ein Kreuzweg war, ein Kreuzweg des Opfers und der helfenden Liebe. Nur Menschen schlossen sich an, die diesen Weg zu gehen gewillt waren. Die P h a r is ä e r aber, die Herodes, die römischen Imperatoren waren anständig und ehrlich genug, damals nicht dabei zu sein.
Der Mann im Monde.
Geschäft und Moral.
gttr Verhaftung von Hugo Stinnes.
Man schreibt uns von besonderer Seite:
Die Verhaftung des Sohnes des am 10. April 1994 verstorbenen Industrie-Allgewaltigen Hugo Stinnes, der seinen gleichen Vornamen trägt, und der auch bazu berufen war, das nach der Stabili- sierung der Währung zusammengebrochene Gründerwerk seines Vaters wieder aufzubauen, ist geeignet, das stärkste Aufsehen zu erregen. Nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland wird dieser Fall die größte Beachtung finden.
Der Verdacht, unter dem Hugo Stinnes jun. steht, ist ein unendlich schwerer. Er wird beschuldigt des Betruges am Reich, begangen durch Kriegsanleiheschiebungen.
Wie man weiß, macht das Aufwertungsgesetz einen sehr wichtigen Unterschied in der Bewertung beziehungsweise Aufwertung des Kriegsanleihebesitzes, je nachdem es sich um Al t - oder N e u besitz handelt. Der Altbesitz, also solche Kriegsanleihe- stücke, die vor Juni 1920 erworben worden waren, sollte mit 15 Prozent des Goldwertes aufgewertet
ganzen Begeisterung des deutschen Idealismus hätte feiern können. Armes Streselämmlein!
Wenn nur nicht die Nutznießer dieses Welttheaters der Gegenwart die Kräfte der R e v 0 l u - t i 0 n wären. Man muß es verfolgt haben, mit welchem Behagen die Kommunisten eine Ordnung an den Pranger stellen, in der nicht die Politik mehr herrscht, sondern der Geist einer Industrie, die eben verdienen muß an den Kriegsrüstungen, heute wie einst. Jene Leute haben kein inneres Recht für ihre Behauptungen, die weit übertrieben sind. Aber wenn schon im Parlament der Par- lamente der Zustand beklagt wurde, der die Parlamente in zu große Abhängigkeit von der Wirtschaft bringe, mit welchem Witz werden erst jene sprechen, die aus jeder Schwäche der bürgerlichen Welt die Forderung der Revolution ableiten. Möchten die Staaten Europas jene kluge Mahnung nicht verachten, die von Rom aus in dieser Zeit an die Welt gerichtet wurde! Rom sieht hier richtig. Rom spricht aus dem Verantwortungsgefühl für die europäische Kulturtradition! Rom warnt D_or der Heuchelei!
Verlassen wir dieses große Theater und wenden wir uns der Arbeit zu, die von innen her die Menschheit erneuert unb zum Frieden führt. Da lese ich eben in einem Broschürchen, das die Aufschrift trägt „Großstadtlinder". Es wird darin erzählt und mit reichem Bildmaterial erläutert, wie es um die Entwicklung eines Kindes be- stellt ist, das in einer großen Mietskaserne aufwächst. Laß es dir nur gleich kommen, denn die zwei Mark, die du dafür an die Arbeitsgemeinschaft des rheinisch-westfälischen Industriegebietes einsenden mußt, dienen der Errichtung eines Heims, in dem die Aermsten der Armen Aufnahme und Bildung finden sollen. Auf die persönliche Tat der Nächstenllebe ist alles aufgebaut, und es wollen opferfrohe Menschen ihre ganze Arbeit diesem edlen Erziehungswerke widmen.
Noch ein anderes Büchlein siegt da vor mir, das ich schon lange einmal empfehlen wollte. Vorbeugende Caritas, nennt es sich, für die Kinder der Hilfsschule, Erlebnisse und Gedanken einer Hilfs- schullehrerin. Sehr schön steht auf der ersten Seite ein Wort von Jean Paul: „Schaffet die Tränen der Kinder ab, das viele Regnen in den Blüten ist schädlich." Das Buch kommt ganz aus der Pra- xis und dient darum auch dem praktischen Leben. Mit geschickter Feder sind einzelne Szenen festgehalten, die tiefen Einblick in eine Not geben, von der sich die Gesunden doch keine Vorstellung
KUNST-AUSSTELLUNG
MIT GEDÄCHTNISAUSSTELLUNG HEINRICH LEINWEBER
UNTER DEM PROTEKTORAT DES HERRN OBERBÜRGERMEISTERS DR. DR. h. c. ANTONI
Frankfurter Oper.
Sonntag, 2. September, 19 Uhr. Lohengrin.
Montag, 3. September 19% Uhr. Der Zigeunerbaron
verstehen, ehe sie sich wieder davon flüchtete! Alles auf eine Karte! Wenn das einschlug, dann — dann wollte er für heute aufhören in weiser Mäßigung, dann konnte er einen guten Teil seiner Schulden bezahlen und behielt noch Geld übrig, sich einige gute Tage zu verschaffen, um morgen — weiterzuspielenl
Verwünscht, er verlor, — das gefundene Geld hatte ihm doch keinen Segen gebracht! Vernichtet starrte er noch auf den Bankhalter, der gleichmütig Gold und Banknoten an sich nahm, als plötzlich der Freiherr von Pantenburg an ihn herantrat, — gerade in dem Augenblick, da Baron von Bassewitz bemüht war, ihm sein Beileid über sein Mißgeschick auszudrücken und ihm seine Börse zur Verfügung zu stellen.
„Verzeihung, Herr Baron, ich habe mit dem da zu reden!" sagte der Freiherr mit dem Daumen verächtlich auf den erbleichenden Sternau deutend.
„Mit dem da?" wiederholte Bassewitz stirnrunzelnd, während Sternau sich mit aller Macht aufraffte und scheinbar verletzt erwiderte:
„Sie haben eine sonderbare Art, sich auszudrücken, mein Bester!"
„Das kommt ganz auf die Leute an, mit denen ich rede!" gab Pantenburg scharf zurück.
„Leute?" wiederholte Bassewitz abermals erstaunt.
„Sie sind toll" knirschte Sternau.
„Ich denke nicht!" zischte Pantenburg haßsprühend „Aber ich weiß jetzt, was Sie sind! Und ich werde es Ihnen in Gegenwart des Herrn Baron von Bassewitz sagen!"
Sternau war totenbleich geworden. „Wenn Sie eine Erklärung von mir verlangen, dann bitte ich, nicht hier vor--"
„Ah, Sie wünschen, daß es nicht bekannt wird?" höhnte Pantenburg. „Das kann ich mir denken! Sie sehen, Herr Baron," wandte er sich an Bassewitz, „daß Herr von Sternau selbst es wünscht, die Sache möge ohne Aufsehen vonstatten gehen!"
Und mit erhobenem Haupte schritt er davon, von Sternau und Vassewitz gefolgt. Als sie ein entserntlie- gendes, einsames Zimmer erreicht hatten, blieb er stehen und warf dem jungen Manne das eine Wort ins Ge.
2. Blati.
Druck bet Fuldaer Ackieudruckerel, Fulda
Das
Einfluß, auf unsere Witterung verstärken." Der von Westen her bann erneut einsetzende Druckfall wird vorläufig bei uns noch feine größere Auswirkung erreichen.
X 205.
Sonntag, ven 2. September 1928.
Frieden den Menschen aus Erden. — Eine Tiergeschichte. — Streselämmlein.
Kellogg-Pakt und Kommunismus. — Christliche Nächstenliebe. — Zwei schöne Büchlein.
Radio-Programm.
Montag, den 3. September 1928.
11.00: Von Gens: Eröffnungsansprache des finnb scheu Außenministers zur Tagung des Völkerbundes. 15.40—16.05: Lesestunde. — Aus dem Roman „Ivan- hoe" von Waller Scott. — Sprecher: O. W. Stufet- mann. 16.15—18.00: Von Stuttgart: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.15—18.30: Vereinsnachrichten und andere Mitteilungen. 19—19.15: Viertelstunde der Deutschen Reichspost. 19.15—19.45: „Die neuen Bezüge der Kriegsbeschädigten und der Kriegs« Hinterbliebenen". 19.45—20.00: Englische Literaturproben, oorgetrogen von Oberstudienrat Paul Olbrich. 20—20.30: Englischer Sprachunterricht, erteilt von Oberstudienrat Paul Olbrich. 20SO: Von Baden-Baden: Kammermusik-Konzert. Anschließend: Schallplatte»
kam endlich darauf, zu spielen. So wurde er schließlich Mitglied des Internationalen Klubs, ein Freund aller Lebemänner. Sechsundzwanzig Jahre alt, war er ein moralisch verkommener, sittlich haltloser Mensch, dessen Götze das liebe Ich war, der nichts kannte, als die Begierde nach Geld, um feiner Genußsucht stöhnen zu können. Und daheim wartete der Greis mit Ungeduld auf die ersten großen Erfolge des Lieblings.
Hugo von Sternau war an den Spieltisch getreten und hatte ohne Besinnen den Tausendmarkschein aus der Tasche gezogen, sobald ein forschender Blick ihn überzeugte, daß der Verlierer sich nicht im Zimmer befand. Im nächsten Augenblick hatte er ihn gesetzt. Gefundenes Gut, — mußte das nicht Glück bringen?
Da — was war bas? Ein Arm langte über feine Schulter hinweg, eine Hand warf ein Goldstück auf dieselbe Karte, doch so ungeschickt, daß es fortrollte. Dann haschte dieselbe Hand danach und brachte es auf feinen Platz zurück, abermals so ungeschickt, daß sie den entfalteten Geldschein fast mitten entzweiriß.
Sternau sah sich um und erkannte zu seinem Entsetzen den Besitzer der Banknote, den Freiherrn von Pantenburg.
„Entschuldigen sie meine Tölpelei, lieber Baron", sagte dieser, „und gestatten Sie, daß ich diesen zerrissenen Schein durch einen anderen ersetze!"
Ehe Sternau ein Wort hervorzubringen vermochte, war es schon geschehen. Ein Schleier legte sich vor die Augen des Leichtsinnigen. Jetzt mußte sie kommen, die Entdeckung! Mußte jener nicht sofort fein Eigentum wieder erkennen? Doch nichts dergleichen geschah. Die Stimme des Bankhalters brachte ihm vielmehr einen Teil der verlorenen Kaltblütigkeit wieder, indem sie aus- rief: Sie haben gewonnen, Herr Sternau, bitte ziehen Sie Ihren Gewinn ein!"
Der Dämon des Spiels packte ihn schnell wieder. Wenn ihm heute das Glück günstig war? Wenn er sich ein kleines Vermögen gewann? Vergessen war der Fund, der Diebstahl, — mit fieberglänzenden Augen und zit- ternden Händen verfolgte er den Fortgang der Opera- tionen. Es hatte ihn nicht getäuscht, — er gewann abermals. ein drittesmal! Heute war entschieden ein Glücks- tag, — do mußte man die launische Göttin zu fesseln
werden, während die danach erworbenen und als Neubesitz geltenden Anleihestücke nur mit 5 Prozent aufgewertet werden sollten. Diese Unterscheidung und die damit verknüpfte beträchtliche Gewinnspanne ist, wie man ja eigentlich von Anfang an erwarten mußte, alsbald $u betrügerischen Operationen nutzbar gemacht worden. Der S-itz die- fer Machenschaften war weniger im Inland, als im Ausland, und so fiel es auch auf, daß die größeren Altbesitz-Anmeldungen ' aus dem Auslande, vor allem aus Holland, Frankreich und auch aus südlichen Ländern gekommen waren. Während die Reichsregierung nach den im Reichstage abgegebenen Erklärungen damit rechnete, daß der Altbesitz sich auf etwa 20 Milliarden Mark stellen würde, nahmen die Anmeldungen dieses Besitzes, insbeson- dere von diesen eben genannten Auslandsstellen nach und nach einen Umfang an, der diesen Betrag um mehr als das Doppelte überstieg Ins- gesamt sind etwa 43 Milliarden Mark an Altbesitzanleihe angemeldet worden und die über den wirk- llch vorhandenen Altbesitz gehende Summe beläuft sich zwischen 320 und 350 Millionen Goldmark. Um diesen Betrag also hatte man das Reich schädigen wollen.
Es war gewiß einer der erhabensten Augenblicke der Geschichte, als über eines Kindes Wiege die Engel sangen: „Friede den Menschen auf Erden" Der König, der sich dieses Lied von seinen herrlichen Vasallen anstimmen ließ, war ohne Waffe und Wehr. Hätte er das Wort der Höhe in einem irdischen Friedenspakt niederlegen wollen, dann hätte er die Armut, die Demut, die Selbstüberwindung, die Sanftmut und ähnliche Vertreter eingeladen, und wie hätten sie nicht von Herzen gern unterschreiben sollen, was sie ihrem inneren Wesen entsprechend zu verwirklichen fähig und bereit waren. Und solch ein Friedenspakt, der von der Liebe und von der Gerechtigkeit unterschrieben würde, wäre der einzige bis ans Ende der Welt, der Wert hätte.
Etwas ganz Anderes ist die Geschichte von dem Löwen, dem Wolf und der Schlange, die eines Tages beschlossen, den Krieg in der Tierwelt ein und für alle Mal zu ächten. Als sie schon unterschreiben wollten, kam der Fuchs dazu und meinte: „Wenn ihr schon nie mehr beißen wollt, dann ist es wohl das beste, wenn ich euch einem nach dem andern das Raubtiergebiß und besonders auch den Giftzahn herausziehe." Darauf entstand große Verlegenheit, indem der eine krank wurde und der andere sich sonst schweifwedelnd verdrückte. Auf die Aechtung des Krieges verzichteten sie indessen n' ht und riefen es also zähnefletschend von einem Ende der Welt zum andern: „Friede den Tieren auf Erden . . .!" Alles schwache Getier ober zitterte, nachdem die Großen sich also vertragen hatten, wobei der Fuchs sie stöstete mit dem Hinweis darauf, daß sie in Zukunft friedlich verspeist würden.
Eigentlich wollte ich über den Kelloggpakt schreiben, dos zweite Friedensdiktat, das wir nun unterzeichnet haben. Es werden harte Stunden für Stresemann gewesen sein, dem Parker Gilbert wohl nicht gestattete, sich die gleiche Freiheit zu nehmen, rote Chamberlain und sich krank zu melden. Wie darf sich auch der Schuldner dem Wunsche des Gläubigers versagen! Immer wieder wird im Welttheater jener Januskopf der Humani- t ä t sichtbar, der zwei Antlitze hat, das eine, das die Friedensschalmei bläst, hast andere, das die Trompete des Mars bedient. So deutlich wurden diesesmal beide Seiten sichtbar und so merkwürdig mischten sich Töne des Friedens und die Komman- dos des Manövers, daß auch der geschickteste Redner nur schweigend eine Zeremonie vornehmen
Schon seit etwa einem Jahr sind die Unter- Buchungen nach den geheimnisvollen Quellen dieser Fälschungen und Betrügereien im Gang. Man hat herausgefunden, daß in Holland wie in Frankreich, aber auch in anderen Ländern förmliche Zentralen errichtet waren mit der alleinigen Aufgabe, deutschen Neubesitz an Kriegsanleihe in Altbesitz umzuwandeln, um auf diese Weise den zehnprozentigen Zwischengetvinn zu erlangen. Seit geraumer Zeit ist man bei diesen Untersuchungen auf den Namen Hugo Stinnes gestoßen. Die Verdachtsgründe sind durch die letzten Vernehmungen der- attig stark geworden, daß eine Verhaftung erfolgen mußte. Sie stand schon vor einigen Wochen in Rede. Man glaubte aber selbst an staatsanwalt- schaftlicher Stelle, daß mit dieser äußersten Maßnahme gegen Hugo Stinnes noch nicht vorgegangen zu werden brauchte, weil er als Träger eines bekannten Namens sich unmöglich einem eventuell ^i°rderlichen Zugriff entziehen konnte, und weil andererseits der Meinung war, daß eine Der- A^ungsgefahr nicht mehr gegeben wäre. Diese k hat nun revidiert werden müssen, nach- bensck^k?^°usstellte, daß der ganze Kreis der Ma- fönTifh?oun und der hinter ihnen stehenden Per- babe? nS N nicht erfaßt war, und man muß Haftungen weiteren aufsehenerregenden Ver- tra2 bem^knes *ft wieder einmal ein Bei- unLgreifllch, fei ffleRW* unb ®tor<K. Es ist . _
-....... - -----— J!?) gerade Hugo Stinnes, wenn konnte, die man unter andern Umständen mit der
Kaum war er verschwunden, als der junge Mann, welcher dem seltsamen Gebaren des Spielers stumm zugesehen hatte, unter dem Tische — gerade dort, wohin die Gasflamme ihren Hellen Schein warf — ein zusammengefaltetes Papier liegen sah.
Schon war er im Begriff, jenem nachzurufen: „He, Pantenburg, Sie haben etwas vergessen!", als er unwillkürlich schärfer hinsah. War das nicht eine Banknote? Ihm so nahe, daß er nur die Hand auszustrecken brauchte, um sich ihrer zu bemächtigen?
Jetzt traten mehrere Herren im eifrigen Gespräch in bas Zimmer, doch sie beachteten ihn nicht. Im nächsten Augenblick war das Papier in seiner Hand. Als jene wieher hinaus waren, sah er nach.
Wirklich, es war eine Banknote und zwar ein Tausendmarkschein! Langsam und unentschlossen faltete er sie wieder zusammen. Pantenburg wird sie kaum vermissen! dachte er. Und wenn — ich weiß nichts davon, ich bin unmittelbar nach ihm fortgegangen!"
Er hatte sie nicht mehr in der Hand, als er in das Spielzimmer zurückkehrte.
Der Baron Hugo von Sternau war mit feinem blaffen, interessanten Gesicht, das mit den dunklen lei- denschaftlich glühenden Augen, dem zierlichen Bärtchen und der mittelgroßen eleganten Gestalt ein hübscher junger Mann. Sein Vater lebte in Breslau als penfio« nieder Major. Nachdem die Gattin desselben früh gestorben war, hatte er den Sohn allein aufgezogen und ihm eine abgöttische Liebe zuteil werben lassen, die ihn stets alle Fehler feines Einzigen übersehen ließ. Sein Wunsch war, ihn in seine Fußtapfen treten zu lassen, a,s aber schon der Knabe eine nicht unbedeutende Begabung für das Zeichnen zeigte, als dieses Talent schließlich in dem Wunsch gipfelte, Maler zu werden, da hatte er seufzend nachgegeben und dem Sohne gestattet, daß er sich nach Berlin begab, um dort die Kunst zu studieren.
Anfangs hatte Hugo von Sternau sich einige Mühe gegeben, sein Ziel zu erreichen. Bald aber geriet er in lockere Gesellschaft. Ohne Gewisiensbisse nahm er es an, daß sein Vater ihm zwei Drittel feines Einkommens Überließ und sich mit einem Drittel begnügte. Da diese Handvoll Goldstücke trotzdem für feine Ansprüche nicht I genügte, machte er Schulden, unterzeichnete Wechsel und 1
Manuela.
Roman von Gustav Rehfeld
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„Das ist meine Sache!" erklärte Diekmann mit Ueher legenheit. „Liefere mir nur den jungen Mann — x »eitere wird sich schon finden!" '
Damit trennten sich die beiden Gauner, um ihr Spiel in Szene zu setzen, ihr verwegenes Spiel um Menschenleben und Menschenglück.
Im Klub International spielte man wie gewöhnlich. f \e wü höchster Eleganz ausgestatteten Räume waren und alles drängte sich um den grünen rJ,,, Quf welchem Tausende im Handumdrehen die Be- 'Mr wechselten.
Ich ^Ethke oder Freiherr von Pantenburg, wie er tiefem vornehmen Kreisen nannte, hatte mit »alten m« , .Un£, no$ größerem Geschick die Bank ge- tlias Rufeou^erblindeter, der Baron von Bassewitz, 'eaustraate1 „ .wann, ihm ein Zeichen gab. Alsbald »it feiner BertroU,"°" neben ihm sitzenden „Freund" Hw einige ÜBorU 9 Unb "hob sich. Diekmann flüsterte Hübet eines der e„x^n?orauf er nachlässig unb wie er»
In demselben ins • 6.enben Zimmer betrat.
Den Kopf auf den Ai^ger Mann auf dem Divan, gestützt, eine Beute tm un& diesen auf die Seitenlehne Gedanken. augenscheinlich trüber, ja düsterer
»Ach, Sis, Sternaui« t .
gebeutelt?" ' *a9te Bethke leichthin. „Aus-
„Bis aufs Hemd!« .
„Schlimm für Sie!" hem |Unse mann hervor.
gültig. „Sie gestatten?" merfte ber Spieler gleich-
Er ließ sich, ohne eine 2lntmn,» „
auf dem Divan nieder und ^«märten, ebenfalls vor, deren Inhalt er vor sich ® he'n.e1 Geldmappe her- nauen Durchsuchung unterzog. Cl ete unö einer ge-
Endlich schien er gefunden zu haben
Er nahm einen Bleistift und begann r*T "fÄ kurzer Zeit rief er befriedigt aus: 3 "chnen. Nach
„34 hatte doch recht, — ich wußte es ja!"
tin unb dlfeVoS ” um^*n Papiere wieder